John Boyne Der freundliche Mr Crippen

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Inhaltsangabe zu „Der freundliche Mr Crippen“ von John Boyne

Im Sommer 1910 steht Scotland Yard vor einem unlösbaren Fall: Im Haus des allseits beliebten Mr Hawley Crippen wird die grausam zerstückelte Leiche seiner Frau gefunden. Von Crippen selbst fehlt jede Spur ... John Boyne erzählt meisterlich die spannende Jagd nach einem mutmaßlichen Mörder, die sich 1910 in London und auf einem kanadischen Passagierschiff so wirklich zugetragen hat.

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  • Rezension zu "Der freundliche Mr. Crippen" von John Boyne

    Der freundliche Mr Crippen
    tragalibros

    tragalibros

    08. January 2017 um 18:58

    Im Sommer 1910 steht Scotland Yard vor einem unlösbaren Fall: Im Haus des allseits beliebten Mr. Hawley Crippen wird die grausam zerstückelte Leiche seiner Frau gefunden. Von Crippen selbst fehlt jede Spur... John Boyne erzählt meisterlich die spannende Jagd nach einem mutmaßlichen Mörder, die sich 1910 in London und auf einem kanadischen Passagierschiff so wirklich zugetragen hat. Die Geschichte um "Den freundlichen Mr. Crippen" ist wirklich ungemein fesselnd und spannend geschrieben - John Boyne kann einfach meisterhaft erzählen. In diesem Roman werden die handelnden Figuren alle sehr plastisch beschrieben und Charakterstärken und -mängel beeindruckend hervorgehoben, sodass man im Verlauf der Handlung Zu - und Abneigungen zu einzelnen Personen entwickelt. Der Autor schaffte es tatsächlich, dass mir der Verdächtige eher leidtat, dass ich ihn sogar mochte. Gekonnt werden auf 520 Seiten Fantasie und reale Ereignisse verwoben, sodass ein Buch entsteht, dass man nicht aus der Hand legen mag. Viele Einzelheiten lassen die Handlung sehr real erscheinen und werden durch tolle Nebencharaktere ergänzt und erweitert. Das grausame Verbrechen steht hier im Grunde weniger im Vordergrund. Eher werden die Ereignisse nach der Tat beleuchtet und mit viel Spannung erzählt. Mein Fazit lautet also: Mir hat "Der freundliche Mr. Crippen - die Geschichte eines Mordes" sehr gut gefallen. Wie üblich ein tolles Buch von einem wunderbaren Autor. Von mir gibt es daher die Bewertung "Sehr gut".

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  • Der freundliche Mr Crippen!

    Der freundliche Mr Crippen
    Marys_Welt

    Marys_Welt

    19. February 2016 um 17:17

    Im Sommer 1910 entdeckt Scotland Yard im Hause des freundlichen Dr. Crippen die grausam zerstückelte Leiche seiner Frau. Von Crippen selbst fehlt jede Spur. Die Jagd nach dem mutmaßlichen Mörder hat sich 1910 tatsächlich so zugetragen. Die Geschichte um Hawley Harvey Crippen wird in Vor- und Rückblenden erzählt und gibt der Geschichte dadurch eine gute Portion Spannung. Mir hat sehr gefallen, dass die Geschichte teilweise auf einem Schiff im atlantischen Ozean spielt und dass es bis zum Ende spannend und interessant bleibt. John Boynes Erzählstil ist einzigartig und die verschiedenen Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet. Während des Lesens überkam mich ein Haufen Gefühle, ich habe mitgefiebert, war entsetzt, schockiert, wütend, traurig, habe gelacht; alles zusammen. Das Leben von Hawley Crippen ging mir sehr nahe und ich war bis zum Ende auf seiner Seite. Im Gegensatz zu vielen anderen Lesern wusste ich vorher nichts über Mr. Crippen und habe mich völlig unvoreingenommen in diese wundervolle Geschichte gestürzt und sie von vorne bis hinten verschlungen. Natürlich hat sich der Autor einige Freiheiten herausgenommen, aber das ging auch nicht anders, da über den tatsächlichen Fall nicht so viel bekannt ist und nur Vermutungen angestellt werden können. Ich muss sagen, dass Ende des Buches oder besser gesagt, die Wende, die das Buch ungefähr 100 Seiten vorher nimmt, mich völlig überrascht und aus der Bahn geworfen hat. Wenn das ein Buch schafft, dann ist das meiner Meinung nach immer ein gutes Zeichen. Das ist nun schon mein zweites Buch von John Boyne und sicher nicht mein letztes!

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  • Der Fall des Dr. Crippen

    Der freundliche Mr Crippen
    NiWa

    NiWa

    1910 macht Scotland Yard in London eine grausige Entdeckung. Im Haus des ruhigen und freundlichen Dr. Crippens findet sich seine zerstückelte Frau unter den Kellerdielen. Vom mutmaßlichen Täter fehlt jede Spur, bis sich der Kapitän eines Passagierschiffs bei Scotland Yard meldet, denn ein fragwürdiges Vater-Sohn-Gespann hat seine Aufmerksamkeit erregt … Dieser Fall hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich so zugetragen. Mr Crippens Frau wurde wie Vieh zerstückelt im Keller gefunden, während sich Crippen mit seiner Begleitung auf einem Passagierschiff nach Kanada absetzen wollte. John Boyne geht in seinem Roman den Motiven auf den Grund. Er skizziert das Leben des vermeintlichen Mörders, die Ehejahre, die ihn bis auf das Passagierschiff trieben, und versucht, seine möglichen Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ängste an den Leser heranzuführen. Besonders gut gefällt mir, dass Boyne in Grauschattierungen schreibt. Es gibt nicht die bösen und die guten Menschen, und seine Beschreibung Crippens ist weit von einem blutrünstigen Mörder entfernt, auch wenn er hier natürlich so manche grausame Aspekte einfließen lässt. Boynes ruhiger Schreibstil lässt zwar teilweise etwas Spannung vermissen, aber umso mehr ermöglicht er es dem Leser in die damaligen Ereignisse einzutauchen und schafft es, eine dichte historische Atmosphäre zu kreieren, die einem die Straßenbilder dieser Zeit vor Augen führt. Erwähnenswert sind vor allem auch die vielen Perspektivenwechsel. Der Autor beleuchtet den Fall des freundlichen Mr Crippen von vielen Seiten, geht den vorhergehenden Ereignissen des Leichenfunds auf den Grund und vermittelt einen authentisch wirkenden Blick auf die damalige Gesellschaft, den ich besonders genossen habe. Auffällig ist allerdings, dass der Fall des Mr Crippen für die Damenwelt nicht besonders schmeichelhaft ist. Gefallenen Mädchen, durchtriebenen Ehefrauen und nervenden Walküren wird relativ viel Raum gegeben, was mir etwas zu übertrieben vorkommt. Nichtsdestotrotz ist es auch hier die Vielschichtigkeit sämtlicher Charaktere, die aus diesem wahrem Hintergrund eine stimmige Geschichte macht. Insgesamt ist es ein sehr interessanter historischer Krimi, der einen der grausigsten Morde der damaligen Zeit thematisiert und äußerst fesselnd zu lesen ist.

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    • 13
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    31. July 2015 um 12:48
  • Ein weiterer Boyne, der mich am Ende begeistert zurück lässt

    Der freundliche Mr Crippen
    LeseBlick

    LeseBlick

    06. July 2015 um 14:44

    Inhaltsangabe Im Sommer 1910 steht Scotland Yard vor einem unlösbaren Fall: Im Haus des allseits beliebten Mr. Hawley Crippen wird die grausam zerstückelte Leiche seiner Frau gefunden. Von Crippen selbst fehlt jede Spur... John Boyne erzählt meisterlich die spannende Jagd nach einem mutmaßlichen Mörder, die sich 1910 in London und auf einem kanadischen Passagierschiff so wirklich zugetragen hat. Meine Meinung Nach einer wahren Begebenheit? Toll, denn dieser Fakt bringt bei mir immer noch mehr Lust auf die Story mit sich. Beide Settings, sowohl London, als auch ein Passagierschiff im Jahre 1910 sind ganz nach meinem Geschmack. Gleich zu Beginn tritt John Boyne wieder mit seinem Markenzeichen auf, er bringt unheimlich viele Charaktere in die Geschichte ein und schafft es natürlich auch in diesem Werk alles am Ende so perfekt miteinander zu verbinden, was für mich ein unheimliches Talent darstellt. Die meisten Charaktere lernen wir auf dem Passagierschiff in Fahrt Richtung des kanadischen Festlands kennen. Trotz der Vielfalt schafft der Autor jeder Person dieses ganz besondere Etwas zu verschaffen, so dass das Unterscheiden unheimlich leicht fällt und sich jeder Charakter sofort verankert, mal positiv, mal negativ. Der eigentliche Hauptcharakter Mr. Crippen konnte mich im Buch nicht hundert prozentig überzeugen. John Boyne stellt ihn menschlich sehr schwach dar, vor allem in Hinsicht auf seine devote Art gegenüber Frauen. Gibt es wirklich noch solche Männer? Dem Ende hingegen konnte ich noch einige sehr sympathische Charakterzüge an ihm entdecken. Mein Herz verlor ich am Ende an seine Weggefährtin Ethel LeNeve. Eine eher unscheinbare Frau, die mich mit ihrer Art überraschen konnte und welche ich als sehr liebenswert in Erinnerung behalten werde. Die erste Hälfte des Buches hatte ich ein wenig zu kämpfen musste ich sagen, denn irgendwie wusste ich nicht so recht, wohin die Geschichte mich führen soll, denn irgendwie war doch schon alles klar oder nicht? Die zweite Hälfte wurde dann aber eindeutig zum erneuten Highlight. Es war nicht nur spannend und herzerwärmend, das Buch wurde zum Pageturner und konnte mit einigen sehr guten Zitaten (siehe unten) auftrumpfen. Das Liebe Ende… wer Boyne kennt, weiß, dass es selten ein Happy End gibt, aber hier war ich überrascht und auch zufrieden. Der freundliche Mr. Crippen wird mir in Erinnerung bleiben. Mein Fazit Ein Buch mit Höhen und Tiefen, welches in der zweiten Hälfte doch wieder vollends begeistert und zum Pageturner wird. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und bleibe glücklich zurück.

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  • Genial makaber!

    Der freundliche Mr Crippen
    missmistersland

    missmistersland

    08. June 2015 um 13:03

    Inhalt: Im Sommer 1910 steht Scotland Yard vor einem unlösbaren Fall: Im Haus des allseits beliebten Mr Hawley Crippen wird die grausam zerstückelte Leiche seiner Frau gefunden. Von Crippen selbst fehlt jede Spur ... John Boyne erzählt meisterlich die spannende Jagd nach einem mutmaßlichen Mörder, die sich 1910 in London und auf einem kanadischen Passagierschiff so wirklich zugetragen hat...(Klappentext)   Meine Meinung: Wir stechen in See, mit der Montrose, Richtung Kanada. Die Menschen an Board können alle ihre eigene Geschichte erzählen, doch einer, eine ganz Besondere. Die Erzählung beginnt im Jahre 1910, mit der Fahrt auf der Montrose, dieses Jahr ist der rote Faden der Geschichte. Der zweite Strang der Geschichte ist das Leben Hawley Crippens, von Kindesbeinen an. Der dritte untergemischte Zeitstrang berichtet von Inspector Drew und Louise. Die Kapitel sind mit Jahreszahlen versehen und sehr gut auseinander zu halten. Nach wenigen Seiten wollte ich wissen was es mit Crippen auf sich hat.   Auch wenn das Leben selbst diese Geschichte geschrieben hat (sie basiert auf einer wahren Begebenheit) schafft es Boyne einen zu fesseln. Ich habe gegrübelt und gegrübelt: Ist Mr. Crippen nun freundlich? Was ist genau passiert? Mit britischem schwarzem Humor zog mich der Autor absolut in den Bann. Die Zeitwechsel sind sehr gut gewählt und halten sie Spannung dauerhaft oben.   Hawley, Ethel und Drew sind meine Favoriten der Geschichte. Makabere Kreaturen, die alle möglichen Gefühle in einem hervorrufen. Doch auch Cora, egal wie schrecklich diese Person sein mag, hat mich fasziniert. Ich war den Personen der Geschichte so nah, dass ich sie atmen gehört habe - etwas was Boyne immer wieder schafft bei mir.   Meinen Lobeshymnen auf Boyne kann ich den Schreibstil noch anhängen. Makaber, humorvoll, gruselig und mitreißend. Boyne holt mich mit seinen Worten immer ab. An dieser Stelle auch ein kleines großes Kompliemnt an den Übersetzer Werner Löcher-Lawrence - er hat einen wundervollen Job gemacht.   Mir fällt nicht viel mehr ein als wow! Das Ende kommt weder unerwartet, noch erwartet. Man sieht das Ende auf das sie Geschichte zusteuert und saugt nur so die Sätze in sich auf. Ich finde den „Abschluss“ zu dem alle Personen kommen wundervoll gewählt. Sie alle warten auf das „Ergebnis“ an dem Ort, an welchen sie die Geschichte des Buches führte. Ich habe mich nur schweren Herzens von all diesen skurrilen, fraglichen und seltsamen Personen verabschiedet.   Mein Fazit: Das Buch ist von nun an auf meiner „Lieblingsbücher-Liste“. Nicht nur die Geschichte trifft genau meinen Geschmack, sondern auch der großartige Schreibstil Boynes. Das Buch ist es definitiv wert gelesen zu werden! Eine gaaaanz dicke Leseempfehlung! In einer Verfilmung könnte ich mir übrigens wunderbar Johnny Depp vorstellen.  

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  • Leider viele unsympathische Charaktere

    Der freundliche Mr Crippen
    Bibliomania

    Bibliomania

    18. May 2015 um 22:38

    Wieder eine tolle Idee von John Boyne, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Leider ist ihm die Umsetzung dieses Mal in meinen Augen nicht so gelungen. Dr. Hawley Harvey Crippen wird von seiner zweiten Frau tyrannisiert. Beschimpft und verprügelt fristet er ein trauriges Dasein. Mit seiner neuen Liebsten versucht er über den Atlantik von seiner Heimatstadt London nach Kanada zu fliehen, da ihm vorgeworfen wird seine Frau ermordet und zerstückelt zu haben. So beginnt eine Seejagd, die Gott sei Dank Richtung Ende nochmal richtig spannend wird, sodass ich trotzdem gerne 3 Sterne vergeben möchte. Besonders missfallen hat mir das hohe Maß an unsympathischen Charakteren. Ist es im wahren Leben auch so? Sind alle irgendwie...doof? Das hat mir das Lesevergnügen zu Beginn ziemlich vermiest. Trotzdem habe ich noch ein weiteres Boyne-Buch zu Hause und werde es wieder mit Freuden lesen.

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  • Ein freundlicher Mann.

    Der freundliche Mr Crippen
    Iudas

    Iudas

    27. September 2014 um 22:55

    Es ist im Jahre 1910, als die Montrose, das Passagierschiff der Canadian Pacific Company, von Antwerpen Richtung Kanada, quer über den Atlantik, aufbricht. Unter ihren Gästen befinden sich zahlreiche illustre Persönlichkeiten, so auch Damen von Stand wie Mrs Drake und ihre Tochter Victoria oder der ruhige Mr Robinson und sein junger Sprössling Edmund. Ein paar Tage später macht sich der Londoner Inspektor Dew von Liverpool in dieselbe Richtung, der Montrose folgend, auf. Ein schrecklicher Verdacht drängt sich auf. Ist auf dem Schiff Dr. Hawley Crippen unterwegs, der in London wegen Mordes an seiner Frau, der Music Hall Sängerin Cora Crippen, gesucht wird? Wenn ja, sind die Passagiere auf der Montrose vor ihm sicher? Und ist er denn überhaupt schuldig?   Der britische Schriftsteller John Boyne ist seit seinem großen Erfolg »Der Junge im gestreiften Pyjama« eine fest etablierte Größe auf dem literarischen Parkett und konnte auch mit weiteren Romanen wie »Das späte Geständnis des Tristan Sadler« immer wieder überzeugen. 2013 erschien nun bei Arche Boynes literarische Aufarbeitung des historischen Kriminalfalles um den amerikanischen Arzt Hawley Harvey Crippen.   »Der freundliche Mr Crippen« heißt das über fünfhundert Seiten starke Buch und stellt das Leben des Arztes und das der Personen, die mit ihm in Kontakt kamen, umfassend dar. Es ist eine interessante Mischung aus Kriminalroman und Biographie geworden, die Boyne hier vorlegt. Beginnend bei der Jugend des schon früh an medizinischen Vorgängen interessierten, aber unter einer fast fanatisch religiösen Mutter aufgewachsenen Jungen, schildert er Crippens Leben stellenweise fast minutiös und detailgetreu, ohne dabei allzu stark von den biographisch verbürgten Fixpunkten abzuweichen, denn auch wenn es ein fiktionaler Text ist, darf nicht vergessen werden, dass hier ein Kriminalfall abgehandelt wird, der seinerzeit aufgrund der Brutalität der begangenen Tat und der Jagd quer über den Ozean als wahre Sensation galt, der sich Reporter aus aller Welt gierig widmeten. Boynes Augenmerk liegt dabei deutlichst auf der Zeichnung der Charaktere, denen er reichlich Detailtreue angedeihen lässt. Hier liegt auch eine der Stärken des Romans, die trotz des Umfanges der Geschichte diese spannend und facettenreich werden lassen. Jede Person, die um Crippen ihr Leben hat und mit ihm in Interaktion tritt, wird beschrieben und charakterisiert. Kein Akteur im Fall Crippen bleibt blaß und konturlos oder wird zum bloßen Statisten degradiert. Weiterhin vermeidet es Boynes, Schubladencharaktere zu gestalten und damit ein simples Bild von Gut und Böse zu entwerfen. Während viele Kriminalromane vom Schema »Held« und »Verbrecher« leben und ihre Personen daraufhin aufbauen, ist eine solche Konstellation hier nicht feststellbar und auch gar nicht vonnöten. Ich war erstaunt, wie menschlich jede Figur auf den Leser wirkte und, gerade das ist auch selten in diesem Genre, man nie geneigt war, einen Charakter aufgrund seiner Tat oder seines Lebensstiles halber zu verurteilen – ihn in eine typisierende Schublade zu stecken. Boynes Stärke war und ist – nicht nur in diesem Buch – eindeutig menschliche Schicksale und die Schilderung dieser. Ihm gelingt es, auch Seiten auszuleuchten, die unterzugehen drohen, weil sie den Sensationsfall um diesen grauenhaften Mord zu menschlich werden lassen würden. Aber gerade die Menschen sind der Mittelpunkt des Romans, nicht der Mord. Der Mordfall ist, und das ist Boyne wichtig, das Produkt der miteinander verknüpften Leben der Menschen, die damit nicht mehr klarkommen und versuchen, aus ihrem Elend zu entkommen. Das Leben wird realistisch geschildert, ohne stereotyp nur die eine oder andere Seite zeigen zu wollen. Wenngleich der narrative Fokus eindeutig auf den Menschen und den Dialogen liegt, unterlässt es Boyne keineswegs, auch den Blick für die Kulisse der Jahrhundertwende aufzubringen und diese turbulente Zeit, in der vieles im Umbruch begriffen war (man denke nur an die Wandlungen in moralischen Fragestellungen zum Verhältnis zwischen Mann und Frau), zu schildern und diese Kulisse detailliert auszugestalten. Gerade für mich, die ich gern in solchen Zeiten schwelge, waren diese Schilderungen sehr schön zu lesen und bildeten einen angenehmen Rahmen für das Gesamtbild. Einzig die Sprache ist nicht immer ganz stringent an die Zeit angepasst und es fallen vereinzelt flapsige Kommentare, die aber vielleicht auch der Übersetzung geschuldet sind. Ein weiteres Bonbon ist der dramaturgisch sehr gelungene Aufbau. Schon seit frühen Werken kennt man Boyne als einen Könner im spannenden Erzählungsaufbau. In Rückblenden und Zeitsprüngen verwebt er die Geschehnisse miteinander, verbindet Kriminalfall und Dews Jagd nach dem sympathischen Arzt mit der biographischen Erzählung und erst nach und nach ergeben die Episoden ein stimmiges Gesamtbild und es werden die Verbindungen zwischen den Leben der involvierten Personen klar. Dieser Aufbau ist der Dynamik und Spannung sehr zuträglich, die dadurch nicht von einer effektheischerischen, rasanten und vielleicht sogar noch brutalen Jagd leben müssen, sondern im Gegenteil dem Roman ermöglichen, trotz allem ruhige Töne anklingen zu lassen und die Zeit, in der er spielt, gediegen und authentisch darstellen zu können. Boyne wählt eine abschließende Erklärung der Geschehnisse, die durchaus plausibel und möglich ist und ein rundes Gesamtbild der Geschichte gibt. Er macht sich hier den Umstand zu Nutze, daß der Fall um Mrs Crippens Tod bis heute Fragen aufwirft und nicht als gänzlich geklärt betrachtet werden kann. Und hier kommt die Fiktion ins Spiel, die Boyne geschickt und klug einzusetzen weiß. Seitdem ich »Das späte Geständnis des Tristan Sadler« las, bin ich von Boynes schriftstellerischen Qualitäten überzeugt gewesen und auch mit diesem Buch (es erschien zwar schon 2004 und ich bin etwas verwundert, daß man mit der Übertragung ins Deutsche so lange wartete) konnte er mich wieder überzeugen. Die Geschichte war von Anfang bis Ende stimmig mit interessanten und klug gesetzten Wendepunkten, die Spannung kam auch nicht zu kurz oder wurde überstrapaziert und die Atmosphäre war einfangend. Und so bleibt mir nur wieder zu sagen, daß John Boyne mit »Der freundliche Mr Crippen« wieder einmal mehr bewiesen hat, welch’ ein guter Schriftsteller er ist, mit einem exzellenten Auge für die menschlichen Probleme und die leisen Zwischentöne. Ich danke dem Arche Verlag freundlichst für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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  • Nicht der Mordfall steht im Zentrum, sondern wieso konnte dieser Mord geschehen

    Der freundliche Mr Crippen
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    Sommer 1910 die SS Montrose sticht ins Meer. Sie wird die Passagiere nach Kanada bringen. An Bord ist auch Dr. Hawley Crippen. Natürlich unter falschem Namen. Er hofft in Kanada endlich glücklich zu werden. Während er sich an Bord der SS Montrose in Sicherheit wähnt, ist London in heller Aufregung. Im Keller von Mr Crippens Haus wurden Leichenteile gefunden. Ist die Leiche die Ehefrau von Crippen? Sie wird von ihren Freundinnen schon länger als vermisst gemeldet. Inspektor Dew von der Scotland Yard schenkte ihren Anschuldigungen bisher keine Aufmerksamkeit. Ist an diesen doch etwas dran? Erst einmal ist das für mich kein Krimi im eigentlichen Sinne. John Boyne durchleuchtet das Leben von Dr. Hawely Harvey Crippen. In verschiedenen Handlungssträngen erfährt man seine Lebensgeschichte. Ich glaube, der Autor möchte hier eher aufzeigen, wie es zu dieser Mordtat kommen konnte. Dies wurde mir auch eher spät bewusst. Denn ich hatte auch Phasen, wo ich dachte, das sei ein langweiliges Buch. Als dies mir bewusst wurde, ging es mit Lesen plötzlich voran. Denn ich interessierte mich nicht mehr für den Mordfall sondern für Mr Crippen. Als ich anfing zu lesen, wusste ich nicht, dass dieses Buch auf einem realen Mordfall basiert. Ich denke aber, es wäre hilfreich, wenn dies der Leser wüsste. Denn als ich wirklich an einem Tiefpunkt angelangt bin und mich fragte, ob ich abbrechen sollte, habe ich Rezensionen gelesen. Da wurde mir bewusst, wie schon geschrieben, was der Autor mit dieser Geschichte bezwecken will. Fazit: Ein Krimi, in dem nicht der Mordfall im Zentrum steht, sondern wieso er geschehen ist.

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    • 2
    Arun

    Arun

    09. June 2014 um 18:44
  • Historisch verfälschtes Konstrukt

    Der freundliche Mr Crippen
    alasca

    alasca

    Historisch verfälschtes Konstrukt Glauben Sie auch, Dr. Crippen sei ein Serienmörder gewesen? Irrtum: Crippen hat „nur“ eine Frau umgebracht. Seine Frau Cora. Dass ich das nun besser weiß, ist auch schon das Positivste, was ich über das Buch sagen kann. Denn Boyne hat sich die Freiheit genommen, einige Fakten der Crippenschen Biografie zu ändern: Seine erste Frau Louise lief nicht vor die Tram, sondern erlitt einen Schlaganfall. Nichts deutet auf eine wahnhaft-religiöse Mutter hin - hätte er sie sonst seinen Sohn Otto aufziehen lassen? Im Buch lässt er Louises Eltern das übernehmen. Crippens protestantische Erziehung hat ihn nicht verkorkst, sondern eine pflichtbewusste Persönlichkeit aus ihm gemacht. Etwas über eine Tätigkeit an einem Schlachthof habe ich nirgends gefunden. Auch seine Ausbildung scheint durchaus nicht so minderwertig gewesen zu sein, wie der Roman suggeriert. Es stimmt, Cora Crippen, seine zweite Frau (und der Romanstruktur nach „Der zweite Fehler“) war Sängerin, sehr lebenslustig und nur kurz erfolgreich. Sie betrog ihren Mann mit ihren Untermietern und stellte unmäßige Ansprüche. Sie passten katastrophal schlecht zusammen. Crippen war aber keineswegs so moralisch wie von Boyne beschrieben, sondern schwängerte seine Assistentin Ethel Le Neve, die eine Fehlgeburt erlitt. Cora war auch keineswegs unattraktiv, ich habe Fotos von einer typischen Fin de Siécle-Schönheit gefunden, drall, üppig, kokett. Warum diese Verfälschung? Aus den korrekten Fakten hätte man eine wesentlich überzeugendere Geschichte stricken können als diese überladene, geschmacklose Moritat. Mit seinen Figuren greift der Autor tief in die Klischeekiste. Cora ist eine Hexe, ihr Lover Alex nur primitiv, gesellschaftliche Emporkömmlinge ausnahmslos lächerlich und vulgär und so weiter. Die etwas plakative Psychologie der Figuren fand ich anfangs durchaus amüsant. Leider belässt Boyne es dabei; Tiefe wird nicht erreicht. Vor allem Crippen ist psychologisch völlig unglaubwürdig angelegt. Offenbar konnte der Autor sich nicht entscheiden, ob sein Held nun ein armer Ehekrüppel oder ein Psychopath sein sollte und hat ihm vorsichtshalber die Charakterzüge von beiden verliehen. Die psychopatische Schiene ist dabei redundant, denn so wie Cora geschildert wird, könnte sie wohl jeden zum Mörder machen, ganz ohne unglückliche Kindheit. Faktenbeugung für nichts und wieder nichts. Ärgerlich auch die Dummheit der handelnden Personen – allesamt möchte man ständig schütteln, obwohl sie offenbar durchaus als intelligente Charaktere gedacht waren. Vor allem die weiblichen Nebenfiguren kommen schlecht weg in diesem Roman: Sie sind habgierig, berechnend, dünkelhaft. Ich konnte auch die dramaturgische Notwendigkeit nicht einsehen, Inspektor Dew, Crippens Verfolger, als Vollidioten und Frauenfeind darzustellen: "Bei älteren Frauen war es immer der Mann, der nach Jahren der Nörgelei endlich genug gehabt hatte." Dazu kommen überraschend viele latent homosexuelle Figuren im Roman vor. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, aber welchem Zweck diente das? Sprachlich gibt es ein paar schöne, ironische Passagen; häufiger jedoch ist Boynes Sprache ungenau und stellenweise sogar unfreiwillig lächerlich, etwa auf S. 337, wo sich eine Schnittblume "verzweifelt bemüht, einen Anflug von Duft zu bewahren." An einer anderen Stelle fragte ich mich vergeblich, was „Emotionen“ von „menschlichen Regungen“ unterscheidet. Der Protagonist hatte beides – doppelt hält besser. Die Auflösung des Romans setzte dem Ganzen dann die Krone auf – sie ist absurd konstruiert und hat mich absolut nicht überzeugt. Nachdem ich von „Das späte Bekenntnis des Tristan Sadler“ wirklich beeindruckt war, bringe ich dessen Autor einfach nicht mit diesem kunstlosen Konstrukt zusammen. Fazit: Enttäuschend.

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    • 3
  • Unterhaltsame Interpretation eines realen Falles

    Der freundliche Mr Crippen
    Spatzi79

    Spatzi79

    09. December 2013 um 17:18

    Im Sommer 1910 verlässt die SS Montrose den Hafen Antwerpen mit Ziel Kanada. An Bord ist eine bunte Mischung von verschiedensten Personen, unter anderem ein Mister Robinson mit seinem Sohn Edmund. Schnell wird klar, dass die beiden ein Geheimnis haben, aber die unterhaltsame Schilderung der anderen Mitreisenden lässt dies erstmal in den Hintergrund treten. Da sind zum einen die unausstehlich arrogante Mrs. Drake und ihre eingebildete Tochter Victoria, die glaubt, ausnahmslos jeden Mann um den Finger wickeln zu können, dann die eher unauffällige Miss Hayes sowie der wohlhabende und scharf beobachtende Mathieu Zela und sein unausstehlicher Neffe Tom. Nicht zu vergessen natürlich die Besatzung der Montrose selbst, allen voran der Kapitän Kendall und sein neuer erster Offizier Billy Drake, der das erste Mal auf der Montrose mitfährt. All dies gäbe wahrscheinlich schon genug Stoff für ein ganzes Buch, doch Boyne verknüpft die Handlung auf der Montrose geschickt mit Rückblenden in die Vergangenheit von Hawley Crippen, einem jungen Mann, der bei einer fanatisch religiösen Mutter aufwächst, sich sehr für Medizin interessiert, aber aus finanziellen Gründen kein richtiges Studium absolvieren kann und nach einigen Irrwegen in London landet, wo er eine homöopathische Apotheke leitet. Mir war zu Beginn der Lektüre nicht klar, dass Hawley Crippen die Hauptfigur in einem bekannten realen Kriminalfall gewesen ist. Wer dies noch nicht weiß, sollte sich während der Lektüre auch eher bremsen und nicht nachschlagen, was über den Fall so geschrieben wurde, man nimmt sich einiges an Spannung, auch wenn Boyne hier seine ganz eigene Auslegung der Fakten geschrieben hat. Ich habe das Buch gar nicht als Krimi angefangen, sondern eher an einen historischen Roman gedacht. Insofern habe ich wohl auch weniger mitgerätselt als ich es bei einem Kriminalroman getan hätte und so ist es dem Autor mehr als einmal gelungen, mich total zu überraschen. Die Figuren, die Boyne hier zeichnet, sind teilweise unglaublich überspitzt, aber gerade das macht einen Großteil des Lesevergnügens aus, man liest und mag es sich kaum vorstellen, aber kann gleichzeitig nicht ausschließen, dass es solche Personen wirklich gegeben hat und gibt. Im Nachwort hätte ich mir allerdings gewünscht, dass der Autor etwas mehr darauf eingeht, was nun Fakten waren und was seiner Phantasie entsprungen ist, hier muss man dann doch eher selbst recherchieren, wenn man es genauer wissen will. Insgesamt habe ich mich aber sehr gut unterhalten gefühlt und Boynes Schreibstil überzeugt mich einfach jedes Mal, egal um welches Thema es geht!

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  • Leserunde zu "Der freundliche Mr Crippen - Die Geschichte eines Mordes" von John Boyne

    Der freundliche Mr Crippen
    katja78

    katja78

    Leseeulen und Bücherratten hergeschaut! Heute präsentiere ich euch ein neues Buch vom Erfolgsautor "John Boyne". Was hat die S.S. Montrose mit dem verschwinden von Cora Crippen zu tun, wo doch der Verdacht besteht das sie ermordet worden ist? Dies und viele andere Fragen müssen beantwortet werden, weswegen der Arche Verlag zu einer gemeinsamen Leserunde aufruft! Am 20. Juli 1910 verlässt das Passagierschiff S.S. Montrose den Hafen von Antwerpen und steuert mit rund 1.400 Fahrgästen in Richtung Quebec. Unter ihnen aus London ein Vater mit seinem Sohn. Im März desselben Jahres meldet im Londoner Büro von Scotland Yard eine Frau ihre Freundin Cora Crippen als vermisst und äußert einen ungeheuerlichen Verdacht: Coras Ehemann, der Arzt Hawley Crippen, soll seine Frau ermordet haben. Inspektor Walter Drew schenkt diesem Hinweis jedoch keinerlei Glauben, denn Mr Crippen gilt als überaus freundlich, sympathisch und harmlos. Doch auch Mr Crippen scheint wie vom Erdboden verschluckt, und dann macht Scotland Yard eines Tages einen grausigen Fund. Leseprobe In Vor- und Rückblenden zwischen den Ereignissen in London und auf der S.S. Montrose erzählt John Boyne von der spannenden Jagd nach einem Mörder und seiner Komplizin, die sich im Jahr 1910 wirklich so zugetragen hat. Sie führt uns zurück in die große Zeit der Passierschifffahrt kurz vor dem Untergang der Titanic und der großen technischen Erfindungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurde ein Täter per Schiffsfunk überführt. Zum Autor Die Bücher von John Boyne, geboren 1971, wurden bisher in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang Boyne mit seinem Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama", der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand, für das Kino verfilmt und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. John Boyne lebt in Dublin. www.johnboyne.com Wir würden gerne für diesem Titel zu einer Leserunde einladen, und suchen 10 Leser, die das Buch gerne in einer Leserunde gemeinsam lesen und rezensieren möchten. Für die Bewerbung verratet uns bitte, ob ihr schon ein Buch des Autors kennt. Gerne könnt ihr euch in der Gesamtübersicht vom Arche Verlag umschauen. Es winken viele Neuerscheinungen, doch auch die bereits erschienen Titel, sind eine Lesereise wert. Wir freuen uns auf eure Bewerbungen und erwarten gespannt eure Leseeindrücke! Viel Glück!Eure Katja *** Wichtig *** Ihr solltet Minimum eine Rezension in eurem Profil haben, damit ich sehen kann wie ihr eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig sie sind. Nehmt doch einfach eurer zuletzt gelesenes Buch und schreibt darüber. Ein Leitfaden, wie eine Rezension aufgebaut ist, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/Leitfaden_Rezensionen.pdf oder auch hier in diesem Thread, wo alles Wissenswerte zusammengefasst ist: http://www.lovelybooks.de/thema/Leitfaden-f%C3%BCr-Rezensionen-und-Leserunden-1017409772/ .Bewerber mit Null Rezensionen werden nicht berücksichtigt!

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    • 214
  • "Dr. Crippen an Bord!"

    Der freundliche Mr Crippen
    LibriHolly

    LibriHolly

    04. December 2013 um 14:31

    Ein scheinbar skrupelloser Mörder auf der Flucht. Eine aufsehenerregende Verfolgungsjagd per Schiff. Eine neue Technologie an Bord. Dies sind die Zutaten für einen der spektakulärsten Fälle der  britischen Kriminalgeschichte. Am Mittwoch, den 20. Juli 1910 stach das 175 m lange, 16.500 Tonnen schwere Passagierschiff SS Montrose mit rund 1.400 Personen an Bord in Antwerpen in See. Ziel war das rund 3.000 Meilen entfernte kanadische Quebec. Am 22. Juli 1910 traf folgende Nachricht in London ein: „An Scotland Yard. Von Henry Kendall, Kapitän der SS Montrose aus der Flotte der Canadian Pacific. Habe dringenden Verdacht, dass Crippen, Londons Kellermörder, und Komplize unter den Passagieren sind.“ – Eine beispiellose Jagd nimmt ihren Anfang… In zahllosen Vor- und Rückblenden erzählt uns John Boyne in diesem frühen Werk die Geschichte des mutmaßlichen Mörders Dr. Hawley Harvey Crippen. Eine Geschichte, die in Großbritannien jedes Kind kennt. Am Mittwoch den 23.November 1910, um 9.00 Uhr morgens wurde Dr. Hawley Harvey Crippen für den Mord an seiner Frau Cora in Londons Pentonville Gefängnis gehängt. Ob er schuldig war oder nicht ist bis heute unklar. Dr. Crippen hat den Mord nie gestanden und er wurde nur aufgrund von Indizien verurteilt. Eines steht fest: Er hatte sowohl Motiv als auch Gelegenheit. Doch war er es wirklich? Oder wurde damals gar in den frühen Morgenstunden ein unschuldiger Gehängt? Letztlich werden wir es wohl nie erfahren. Aber wie so viele andere Kriminalfälle der Geschichte davor und danach, die nie vollständig gelöst wurden, übt auch dieser mysteriöse Fall Jahre später noch eine gewisse Faszination aus und diente bzw. dient als Vorlage und Inspirationsquelle für zahlreiche Filme und Bücher. So ließ sich auch der große Alfred Hitchcock unter anderem vom Fall Crippen zu seinem Filmklassiker "Das Fenster zum Hof" inspirieren. John Boyne befindet sich demnach in bester Gesellschaft. Das Unbekannte eröffnet eben immer Raum für Spekulationen, eigene Interpretationen und Mutmaßungen. So lässt auch John Boyne seiner Fantasie stellenweise freien Lauf ohne jedoch gänzlich die Fakten aus den Augen zu verlieren. Seine Interpretation der historischen Figur des Dr. Crippen erscheint durchaus glaubhaft und möglich. Eine große Stärke des Romans. Wer weiß, vielleicht hat sich die wahre Geschichte ja tatsächlich so oder so ähnlich abgespielt. Doch man sollte beim Lesen nie ganz aus den Augen verlieren, es handelt sich bei „Der freundliche Mr Crippen“ um eine fiktive Geschichte, einen Roman, nicht um einen historischen Tatsachenbericht. Und diese Gefahr besteht durchaus, handelt es sich bei Boyne doch um einen Meister im Darstellen von gesellschaftlichen Randfiguren, von Außenseitergestalten. Und Dr. Crippen war ein Außenseiter. Ein als eher introvertiert beschriebener Mann, von kleiner Statur und unauffälliger Gestalt, dabei sehr ruhig, höflich, gutmütig und wohlerzogen. Ein Mann, wie geschaffen um in einem Roman von John Boyne eine Hauptrolle zu spielen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist der Ort der eigentlichen Haupthandlung: ein Schiff. Ein kleiner Mikrokosmos, in dem sich aufs vortrefflichste die Gesellschaft der damaligen Zeit abbilden lässt und so handelt es sich auch bei „Der freundliche Mr Crippen“ um eine bissige Gesellschaftsstudie, mit viel schwarzem Humor. Ein herrliches Lesevergnügen, an dessen Ende mir der scheinbar skrupellose Täter fast sympathisch war.

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  • Der freundliche Mr. Crippen - Die Geschichte eines Mörders

    Der freundliche Mr Crippen
    Solengelen

    Solengelen

    30. November 2013 um 21:10

    1910, die verschiedensten Menschen unternehmen eine Schiffsreise von Antwerpen nach Kanada. Manche machen dort Urlaub, manche möchten dort bleiben, wenn vielleicht auch nicht für immer. Mrs. Drake, eine furchtbar arrogante, überhebliche  und aufdringliche Person reist mit ihrer Tochter. Mr. Robinson reist mit seinem Sohn??, die beiden haben etwas zu verbergen. Miss Hayes, eine allein reisende Dame, mit dem Kapitän scheint nicht "gut Kirschen essen" zu sein. Der erste Offizier ist neu an Bord und bekommt sofort den Unmut des Kapitäns zu spüren. Mr. Crippen - Dr. Crippen muss sich als "Klinkenputzer" bei Ärzten sein Geld verdienen und ärgert sich über die Arroganz seiner "Kollegen". Eine erste Frau, eine zweite Frau, eine Praxis, sadistische Züge. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab. Man erfährt einiges über Crippen und seine Frau, deren "Freundinnen" und der beruflichen Veränderungen Crippens.  Der Autor verwendet eine sehr bildhafte Sprache. Z. B. beim Kapitänsdinner hatte ich das Gefühl mit am Tisch zu sitzen und die zahnärztliche Behandlung war so bildhaft beschrieben, dass ich den Schmerz direkt fühlen konnte.  John Boyne hat einen wahren Kriminalfall, der Anfang des 20zigsten Jahrhunderts für Aufsehen sorgte, als Grundlage für seinen Roman verwendet. Die Geschichte liest sich im Großen und Ganzen flüssig und durch den bildhaften Schreibstil, konnte ich sofort in die Geschichte eintauchen. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart musste man "genau" lesen, um nichts zu "verpassen". Das ein oder andere hätte weniger oder mehr Beschreibung vertragen können. Wer dieses Buch liest, sollte keine Biografie erwarten, sondern natürlich dem Autor eine künstlerische Freiheit zugestehen.

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  • Rezension zu "Der freundliche Mr Crippen"

    Der freundliche Mr Crippen
    Zsadista

    Zsadista

    28. November 2013 um 08:31

    Ein Krimi aus dem Jahre 1910 mit wahren Hintergründen. Ein Mord, der zunächst keiner zu sein scheint, wird entdeckt und es fangen Ermittlungen an. Der mögliche Mörder scheint verschwunden zu sein. Eine Flucht und ein Versteckspiel beginnt.   Was sich zunächst spannend und rasant anhört, entpuppt sich mit der Zeit als langatmig und verwirrend. Bei jedem Kapitel des Buches springt die Zeit zu einem anderen Datum und man muss öfters zurück blättern um nachzusehen, wo man vorher war, wo man jetzt ist und wo man vor zwei Kapiteln war um den Zeitstrang zu verstehen. So erging es zumindest mir. Dazu kommt, dass sehr viele Personen auf einmal auftreten von denen etliche keine große Rolle zu spielen scheinen.   Wenn man von den rund 500 Seiten, 200 Seiten kürzen würde, wäre das Buch wesentlich spannender geworden. Wobei das Ende für mich dann trotz allem sehr überraschend war und dafür von mir einiges an Plus einfährt.

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  • ein was-wäre-wenn-Roman

    Der freundliche Mr Crippen
    silkedb

    silkedb

    26. November 2013 um 13:07

    London im Jahr 1910: Inspektor Walter Dew von Scotland Yard macht eine grausige Entdeckung im Keller eines Wohnhauses in dem er einen Mann zum Verschwinden seiner Frau befragen wollte. Unter den Steinplatten findet er verwesende Leichenteile. Im Rahmen einer Ermittlung sollte man mit solchen Entdeckungen rechnen, doch Dr. Crippen war für Inspektor Dew nicht verdächtig. Der freundliche und ruhige Crippen wirkte alles andere als wie ein blutrünstiger Mörder. Crippen selber und seine Geliebte Ethel haben London überstürzt verlassen, das muss doch ein Schuleingeständnis sein. Einige Wochen später legt die SS Montrose von Antwerpen aus ab in Richtung Kanada. An Bord befindet sich eine illustre Mischung erster Klasse Passagiere, von der allein reisenden zurückhaltenden Frau, zu einer schrillen Dame mit ihrer auf Männerfang befindlichen Tochter, bis zum Mann mittleren Alters mit seinem 17jährigen Sohn oder einem jugendlichen Kriminellen in Begleitung seines Vormunds ist alles vertreten. Doch wo ist der Zusammenhang zum Fall Dr. Crippen? "Der freundliche Mr Crippen" ist also das neueste Buch von Autor John Boyne - zumindest dachte ich das. Tatsächlich stammt dieses Buch jedoch bereits aus dem Jahr 2004 und wurde lediglich jetzt erst auf Deutsch veröffentlicht. So ist das eben, wenn sich ein Autor mit späteren Werken als erfolgreich erwiesen hat, dann finden auch die Erstlingswerke einen späten Wegs in die Übersetzung und zum Kunden. Mir hat auch dieses Buch gefallen, aber im Vergleich zu anderen Büchern des Autors wie z.B. "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" oder "Das Haus zur besonderen Verwendung" ist es eben doch etwas schwächer. Inhaltlich kann es mich nicht so sehr überzeugen, wobei es vom Stil her jedoch wieder etwas Besonderes darstellt. Als Vorlage und Inspiration für den Roman diente hier eine echte Mordermittlung aus dem Jahr 1910, die in mehrfacher Hinsicht Aufsehen zu dieser Zeit erregt hat. Gut wiedergegeben fand ich daher auch die Transatlantikreise von Antwerpen nach Kanada inklusive der Figuren an Bord, die zwar leicht überzeichnet wirkten, dadurch jedoch auch besonders bildhaft und lebendig. Der zweite Erzählstrang beschäftigt sich mit der Person des Dr. Crippen, seinem Werdegang, seiner Ehe und dem Mord an seiner Frau. Im Rückblick kann mich auch dies überzeugen, aber zwischenzeitlich hatte ich doch den Eindruck, dass sich der Autor hier zu sehr auf eine Seite schlägt und mir so Figuren schmackhaft gemacht werden sollen, die ich als Leser aber gar nicht so sehen will. In dieser Hinsicht bin ich daher ein wenig unschlüssig was den Roman betrifft. Sehr gut beherrscht hier der Autor jedoch die beiden Geschichten schlussendlich miteinander zu verweben und Klarheit ins Dunkel zu bringen. Da habe ich dann auch den späteren John Boyne wiedererkannt. Insgesamt gesehen muss ich leider davor warnen an "Der freundliche Mr Crippen" mit der Erwartungshaltung heranzugehen, die die späteren Bücher des Autors zwangsläufig wecken. Für sich gesehen hat mich dieses Buch jedoch gut unterhalten und ich kann es daher an alle Leser empfehlen die Geschichte mögen, die auf wahren Tatsachen beruhen, jedoch auf eine eigene Weise als Roman umgesetzt wurden.

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