John Boyne Die Geschichte der Einsamkeit

(21)

Lovelybooks Bewertung

  • 29 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 4 Leser
  • 9 Rezensionen
(11)
(7)
(2)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Geschichte der Einsamkeit“ von John Boyne

Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner »Clonliffe Seminary«, um Priester zu werden. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun. Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche jedoch zutiefst erschüttert. Bestützt muss er dabei zusehen, wie alte Freunde vor Gericht stehen und ehemalige Würdenträger ins Gefängnis kommen. Erst als bei einem Familientreffen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, die Ereignisse in seinem Leben in einem anderen Licht zu betrachten und sich einzugestehen, dass er über all die Jahre nicht sehen wollte, was direkt vor seinen Augen geschah.

Ein intensive Lesevergnügen, diese Entwicklung der Geschichte, durch Rückblenden, Vermutungen, das fesselt mich als Leser komplett.

— Buchraettin

Intensiv, toll erzählt mit einem bewegenden und brisanten Thema, das dem Ganzen zugrunde liegt

— hundertwasser

Stöbern in Romane

Der Weihnachtswald

So anders und sooooo wunderschön. Kann das Buch nur empfehlen...

zessi79

Kukolka

Erschreckendes Porträt eines Kindes, dessen Seele immer wieder mit Füßen getreten wird.

black_horse

Die Geschichte der getrennten Wege

Lieblingsbücher!! Lieblingsreihe!

Lanna

Dann schlaf auch du

Der große Hype ist fast berechtigt.

NeriFee

Ehemänner

Wie kann man leben, wenn der Partner im Koma liegt? Jarvis sucht den harten Weg zurück.

miss_mesmerized

Der gefährlichste Ort der Welt

Gefährlich normal!

Patiih

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Intensiv, lebendige Figuren, ein genialer Stil dieses Autors.

    Die Geschichte der Einsamkeit

    Buchraettin

    13. September 2017 um 07:43

    Das Buch spielt von 1964 bis ins Jahr 2013. Stationen aus dem Leben eines katholischen Priesters werden in diesem Buch, das für mich eine Art Lebensgeschichte von ihm darstellt, erzählt. Er berichtet rückblickend auch von seiner Zeit im Vatikan, aber der Hauptteil der Geschichte findet sich in Irland. Für mich drehte sich die Geschichte immer um den Priester „ Odran Yates“ und sein Leben als katholischer Priester. Ich fand die Geschichte absolut fesselnd.Die Figur des Priesters hat mir sehr gut gefallen. Es wird seine Lebensgeschichte erzählt, in diesen Sprüngen der Erzählung. Seine Kindheit, Vorkommnisse, Ansprüche der Mutter, sein eigenes Verhalten gegenüber seiner Familie, aber auch das Verhalten der Kirchenmitglieder. Es geht um Ansprüche, Zwänge etwas zu tun, Wegschauen, Nicht-Handeln, sich mit schuldig machen. Es ist nun das zweite Buch dieses Autors für mich. Auch hier ist mir dieser besondere Stil des Autors aufgefallen. Er schafft es mich als Leser mitten hineinzubringen, in die Geschichte, an die Figuren, mich praktisch hautnah teilhaben zu lassen. Ein Buch mit einem Thema, das nachdenklich macht.Auch die Geschichte springt immer wieder in den Jahren hin und her. Es wird jedes Mal gekennzeichnet, mit einer Jahreszahl zu Beginn des jeweiligen Abschnittes, das hat mir sehr gut gefallen. Als Leser entdecke ich so das Leben der Figur. Ich begegne ihm in Szenen, wo ich mich frage, warum reagiert er nicht oder warum reagiert er so? Es blättert sich auf, sein Leben, sein Beruf, wie in einem Buch. Diesem Buch, das mir als Leser seine Geschichte und sein Leben schildert. Es ist intensiv und absolut fesselnd geschrieben. Auch die Glaubensfragen, die hier auftauchen. Ansichten der Figuren im Buch, Verhalten der Figuren, Auswirkungen auf das weitere literarische Leben der Figuren, die für mich als Leser aber durch das intensive Lesen und das Gefühl dabei, nicht wie Figuren wirkten, sondern wirklich wie echte Menschen. Das finde ich, ist ein Stil, den dieser Autor mir auch im diesem Buch wieder vermitteln konnte und ich muss sagen, ich werde unbedingt nun noch weitere Bücher von ihm lesen. Weil so ein Eintauchen können, das habe ich selten. So ein intensives Lesevergnügen, diese Entwicklung der Geschichte, durch Rückblenden, Eindrücke, Vermutungen, das fesselt mich als Leser komplett an das Buch.

    Mehr
  • die katholische Kirche in Irland

    Die Geschichte der Einsamkeit

    Minje

    11. January 2017 um 14:36

    Angefangen habe ich diesen Monat mit einem Buch von John Boyne: "Die Geschichte der Einsamkeit". Ein Buch, das in der Zeit von 1964 bis 2013 spielt, überwiegend in Dublin, aber auch in Wexford. Eine wichtige prägende Szene spielt in Curracloe Beach (County Wexford).Der Priester Odran Yates erinnert sich an seine Vergangenheit. Hierbei spielen sein Vater, sein Mitschüler Tom Cardle und sein Neff Aidan eine besondere Rolle. Thematisch geht es um den Umgang der katholischen Kirche mit Fehlern. Es geht um Schweigen. Ist derjenige, der schweigt, schuldig? Trägt er nicht eine gewisse Mitschuld?Jedes der 16 Kapitel beginnt mit einer Jahreszahl, so dass der Leser sich zeitlich orientieren kann.Boyne geht jedoch bei der Schilderung nicht chronologisch vor, sondern springt in den Jahren hin und her, was für einen Spannungsaufbau sorgt.Fazit: Ein Buch, das nachdenklich macht. Schwere Kost.

    Mehr
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

    Mehr
    • 1702
  • Rezension zu John Boyne - Die Geschichte der Einsamkeit

    Die Geschichte der Einsamkeit

    Lumi

    11. March 2016 um 13:35

    In seinem zwöften Roman "Die Geschichte der Einsamkeit" widmet sich John Boyne einem Irland, das sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Umbruch befindet. Das Land steckt wirtschaftlich in der Krise, viele wollen ihr Glück im Ausland suchen. Auch die katholische Kirche, die über viele Jahrhunderte das Leben der Menschen entscheidend prägte, bietet nun keinen Halt mehr. Das Vertrauen in diese Institution und ihre Würdenträger ist durch einen Skandal tief erschüttert. Das bekommt auch Pater Odran Yates zu spüren, die Hauptfigur in diesem Roman.Als Odran 1972 am Clonliffe Seminary in Dublin seine Priesterausbildung beginnt, ist der Einfluss der katholischen Kirche noch stark. Seine tiefgläubige Mutter ist unglaublich stolz auf ihn und die Menschen begegnen ihm allerorts mit Respekt. Und Odran mag den Lebensweg, den er eingeschlagen hat. Er ist ein guter Schüler am Priesterseminar und auch später stets bemüht, alles richtig zu machen. Leider ist er aber auch ziemlich naiv und gutgläubig, was vielleicht der Grund ist, dass ihn die Umwälzungen im Land mehrere Jahrzehnte später so überraschend und hart treffen. Erst als sein bester Freund und Priesterkollege vor Gericht steht, fängt er ganz langsam an zu erkennen, dass er Jahrzehntelang vor einem ungeheuerlichen Skandal die Augen verschlossen hat. Und selbst da braucht er noch eine ganze Zeit, bis es ihm gelingt aus den Geschehnissen die nötigen Konsequenzen zu ziehen...Mit "Die Geschichte der Einsamkeit" ist John Boyne ein wirklich bemerkenswertes Buch über Irland und die katholische Kirche gelungen. Die Leser bekommen einen guten Eindruck davon, was für eine mächtige Stellung die Kirche lange Zeit hatte - und wie sie diese schamlos missbraucht hat und ein ohnehin schon krisengebeuteltes Land voll verlorenem Vertrauen und Wut zurückgelassen hat. Die Hauptfigur des Romans, Pater Odran Yates, steht dabei als Geistlicher mitten im Geschehen und sieht sich zuletzt von allen Seiten Vorwürfen ausgesetzt, die er sich aber auch selber macht. Dennoch möchte man ihn nicht unsympathisch finden. Naiv, sicher, aber niemals böswillig oder falsch kommt Odran herüber. Seine Naivität kann einen manchmal zum Kopfschütteln bringen, aber sie wirkt nicht gespielt. Odran ist es, der die Leser davon abhält, am Ende dieses Romans die ganze irische katholische Kirche zu verdammen.John Boyne lässt Odran im Roman seine ganze Geschichte erzählen. Jedes Kapitel erzählt von einem anderen Jahr, mal in der Kindheit oder während der Priesterausbildung, mal in der jüngeren Vergangenheit, wo das Leben um die Hauptfigur herum zusammenzubrechen scheint. So erhält man als Leser immer neue, kleine Puzzleteile, die sich erst zum Ende des Romans hin zu einem wirklich vollständigen Bild zusammensetzen lassen. Doch so geht es schließlich auch dem Protagonisten selbst: er muss ebenfalls aus den Versatzstücken seines Lebens die Geschenissen der Vergangenheit neu zusammensetzen, um endlich zu einem Verständnis der Gegenwart zu kommen. 

    Mehr
  • Berührend & erschütternd.

    Die Geschichte der Einsamkeit

    PrinzessinAurora

    25. January 2016 um 23:27

    Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner »Clonliffe Seminary«, um Priester zu werden. Voller Hingabe widmet er sich seinen Studien. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun. Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche jedoch zutiefst erschüttert. Er muss dabei zusehen, wie Priester vor Gericht stehen, wie einstige Würdenträger ins Gefängnis kommen und wie das Leben zahlreicher Kollegen zerstört wird. Odran zieht sich zurück – aus Angst vor den missbilligenden Blicken seiner Umwelt. Erst als bei einem Familientreffen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, sich den Ereignissen zu stellen und seine Komplizenschaft zu erkennen. (Quelle: Klappentext) Inhaltlich ist dieses Buch keine leichte Kost, behandelt es doch ein Thema, welches viel zu lange tot geschwiegen und von der Kirche selbst vertuscht wurde: Missbrauchsfälle. Und doch schafft Boyne es in seinen Schilderungen nicht in eine Schwarzweißmalerei abzutriften. Er kommentiert und wertet in keinster Weise, sondern beschreibt lediglich. Mit Odran wurde ein ganz besonderer Charakter geschaffen. Als Priester steht er in direktem Zusammenhang mit der einst so mächtigen Institution Kirche, aber dennoch ist seine Rolle in diesem besonderen Roman weder die eines Täters, noch eines Opfers. Es ist spannend, dass zum zentralen Punkt dieser Geschichte nicht eines dieser Monster, aber auch kein "Heiliger" gemacht, sondern einfach Pater Odran Yates. Odran ist einer jener Priester, die sich nichts vorzuwerfen haben. Er glaubt wirklich an die Dinge, die er lehrt. Priester ist er nur aus Berufung geworden. Er ist ein ausgezeichneter Lehrer, der sich für seine Schüler einsetzt, und der so gar keine sexuellen Regungen zu haben scheint. Auch zieht er ein Leben in Bescheidenheit vor. Und doch muss er mit ansehen, wie die Geistlichkeit immer mehr an Ansehen verliert und sich in der Position wiederfindet sich rechtfertigen zu müssen. "Kinderschänder" gehört noch zu den harmlosen Dinge, die Odran auf der Straße zu hören bekommt. Er ist jemand, der es nicht verdient hat gemeinsam mit seinen Kollegen über einen Kamm geschoren zu werden... eigentlich. Denn wenn er ehrlich zu sich selbst ist, gab es da diese Momente, in denen er sich eben nichts dabei gedacht hat. War er zu naiv in seinem Glauben an das Gute oder wollte er es einfach nicht sehen? Und genau hier stellt sich die Frage der Schuld. Ist man nur als aktiver Täter Schuld? Oder beginnt Schuld schon beim Sehen und Wissen? Noch nie habe ich ein Buch gelesen, in dem ein einziges Gefühl so eindringlich in Worte gepackt worden ist. Einsamkeit ist hier kein bloßer abstrakter Begriff mehr. Einsamkeit wird plötzlich zu etwas greifbarem. Ich war erschüttert und beeindruckt. Odran lernt die Einsamkeit kennen... Weder bei der Geistlichkeit, noch im weltlichen Leben scheint er durch die Veränderungen der Kirche einen Platz zu finden.   Ich hätte es nie für möglich gehalten eine derart ernsthafte Thematik in einer so schönen und emotionalen Sprache wiederzufinden. Ein Buch über den langsamen Verfall einer Institution, über die Missbrauchfälle, die so lange tot geschwiegen wurden. Über Einsamkeit und Schuld. Und über das Leben eines Einzelnen.

    Mehr
    • 2
  • Ist der Weg eines Priesters immer klar?

    Die Geschichte der Einsamkeit

    Bibliomania

    Odran Yates ist gerade mal 9 Jahre alt, als seine Mutter die Berufung in ihrem kleinen Sohn sieht: Odran soll Priester werden. Schon in jungen Jahren muss Odran Schicksalschläge erleiden, kämpft sich aber weiter und geht auch ins Priesterseminar in Dublin, um seiner Berufung gerecht zu werden. Jahre später schaut er auf sein Leben zurück und muss feststellen, dass die katholische Kirche ihn wirklich enttäuscht hat und auch Irland ziemlich zerrüttet ist. Das neue Buch von John Boyne ist eine eindringliche Geschichte, in der sich der Schriftsteller erstmals seinem eigenen Land und der vorherrschenden Religion widmet: dem Katholizismus. Wahrscheinlich ist es nirgendwo auf der Welt mit dieser Religion einfach, aber in Irland scheint es mit den Vorwürfen besonders schlimm zu sein. Eine gute Darstellung, die mich die Einsamkeit zwischen den Seiten förmlich spüren lässt.

    Mehr
    • 3

    Bibliomania

    21. January 2016 um 12:02
    Ginevra schreibt Ein interessantes Thema und eine schöne Rezension, danke für den Tipp! :-)

    Dankeschön :)

  • Die Geschichte der Einsamkeit - John Boyne

    Die Geschichte der Einsamkeit

    missmistersland

    29. December 2015 um 18:50

    Inhalt:   Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner »Clonliffe Seminary«, um Priester zu werden. Voller Hingabe widmet er sich seinen Studien. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun. Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche jedoch zutiefst erschüttert. Waren Priester jahrzehntelang unanfechtbare Respektspersonen und wurden von der irischen Bevölkerung verehrt, schlägt ihnen jetzt nur noch Verachtung entgegen. Odran muss dabei zusehen, wie alte Freunde zu recht vor Gericht stehen, wie einstige Würdenträger verurteilt werden und ins Gefängnis kommen. Odran ist erschüttert und zieht sich zurück – aus Angst vor den missbilligenden Blicken seiner Umwelt. Erst als bei einem Familientreffen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, sich den Ereignissen zu stellen und seine Komplizenschaft zu erkennen.... (Klappentext)   Meine Meinung:   Die Geschichte um Odran beginnt 2001 und springt ab da zwischen verschiedenen Jahren hin und her. Von Beginn an spürt man die Einsamkeit die ihn in seinem Leben stets begleitet. Odran hat keine besonders schöne Kindheit die mit einigen schlimmen Ereignissen gespickt ist.   Mit jeder Seite fühlte ich mehr mit ihm mit, doch gleichzeitig verachtete ich ihn für sein Schweigen. Während man ihn durch sein Leben beim Priesterseminar, in Rom, an seiner Schule und in seiner Gemeinde begleitet balanciert man mit ihm auf diesem schmalen Grad zwischen Recht und Unrecht. Das Buch thematisiert die Missbrauchsfälle der Katholischen Kirche in Irland auf eine ganz besondere Weise. Zentraler Punkt ist nicht eins dieser Monster und auch nicht ein "Heiliger" der alles richtig macht. Pater Odran Yates will an das Gute glauben - und ich wollte mit ihm dran glauben - wenngleich er schwer enttäuscht wird.   Odran Yates ist gespalten. Er ist ein wundervoller Protagonist für diese Geschichte. Wann urteilen wir zu schnell und wann zu spät? Für mich die zentrale Frage, welche er sich immer wieder selbst stellt. Seine Lebensgeschichte faszinierte mich von der ersten Seite an.   Wie erwartet ist auch dieses Buch von John Boyne für mich ohne einen Makel. Die Art wie er Geschichten erzählt ist unglaublich beeindruckend und sehr emotional. Wer seine anderen Bücher kennt wird wissen wie besonders dieses ist. Nicht wirklich biografisch und doch mit vielen Einflüssen aus seinem eigenen Leben. Dieses Werk ist wohl sein persönlichstes und lässt einen am Ende mit verwirrenden Gedanken zur Kirche, zum Leben und zu Odran Yates zurück.   Mein Fazit:   Das Gefühl von Einsamkeit in Worte gepackt! Ich war erschüttert und beeindruckt. Für mich ein Meisterwerk!

    Mehr
  • Ein Junge wird Priester und dann zum Mann

    Die Geschichte der Einsamkeit

    SABO

    John Boyne - Die Geschichte der Einsamkeit - PIPER Dublin, 1955-2012 Der junge Odran Yates wächst in einem traditionsreichem katholischen Irland auf. Die Priester werden verehrt, die Religion rechtfertigt alles. Schnell ist man dabei einen Sündenpfuhl zu wittern, die ehelose Partnerschaft ist ein Sakrileg, einer geschiedenen Frau verweigert die Kirche die heilige Kommunion. Lieber verdammen, als vergeben. Die Priester vertreten einen rachsüchtigen Gott, flammende Reden hallen gehässig in der kleinsten Kapelle wider. Doch das Volk huldigt seine Glaubensvertreter, weil es sie fürchtet. Odrans Mutter hat Angst, dass das neue Nachbarsmädchen ihren Sohn verdirbt und hat eine Offenbarung: Odran soll Priester werden und wer ist der frischgeküsste Junge schon, um die Worte seiner strengen Mutter anzuzweifeln. Der Verlust des Vaters und des Bruders in der Kindheit haben ihn geprägt,  das Abenteuer als Teenager hat seine Mutter im Keim erstickt. Odran ist nun in Rom und wird ein Mann der Kirche, es scheint der richtige Weg für ihn zu sein, er fühlt sich berufen. Pater Yates hat ein gutes Herz und eine gewisse Leichtigkeit umgibt ihn, aber auch ihn erschüttert ein Skandal. Odran erfährt mit 23 was Versuchung ist und verliebt sich in eine römische Kellnerin.. 40 Jahre später resümiert er und fühlt sich pfadlos. Würdenträger werden nicht mehr glorifiziert, sein Irland hat sich verändert. Dieses Buch ist wie ein Fluss, schnell, kurvig, steinig mit Untiefen. John Boyne ist einer jener Autoren, die den Leser ab der ersten Seite in die Geschichte hineinziehen und nicht mehr loslassen. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

    Mehr
    • 2
  • Das Vertrauen in die katholische Kirche

    Die Geschichte der Einsamkeit

    TochterAlice

    04. November 2015 um 16:29

    Das Vertrauen in die katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren des Öfteren so nachhaltig erschüttert, dass man annehmen musste, sie würde sich nie wieder davon erholen. Doch immer wieder hat sie sich berappelt - wenn auch in der Gesellschaft viel Misstrauen entstanden ist und das Vertrauen, ja der Glaube in die Institution Kirche stark erschüttert wurde. Und das nicht nur hierzulande - nein, auch in anderen Ländern hat es ähnliche Entwicklungen gegeben. Natürlich ist Irland, eine der "Hochburgen" des Katholizismus, nicht davon ausgenommen. Gerade diesem schweren Thema widmet sich der Autor John Boyne - ich bin versucht zu sagen: der große irische Gegenwartsromancier Boyne - in seinem ersten Roman, der in seinem Heimatland spielt. Und er hat sich sowohl historisch als auch räumlich weit hinausgewagt, so bpsw. ins Deutschland in Zeiten des Nationalsozialismus, indem er sich überaus eindringlich dem "Jungen im gestreiften Pyjama" widmete, dann wieder erfolgte ein ausführlicher Ausflug ins zaristische Russland, dessen Ende er mit einer sowohl gewagten als auch auch phantasievollen Variante versah. Diesmal bleibt Boyne sehr viel stärker in der Realität verhaftet - sein Roman spielt in Irland der 1960er bis 2010er Jahre und handelt vom Leben und den Erlebnissen und Schicksalsschlägen des Dubliners Odran Yates, der 1972 voller Überzeugung seine Ausbildung in der Priesterschule aufnimmt, sie auch nie bereut und seinen Beruf voller Freude ausübt. Ja, man könnte sagen - ein zufriedener Mensch, was erstaunlich ist, da er auf alles andere als auf eine behütete Kindheit zurückblickt. Doch alles ist nicht so, wie es scheint.... Ein überaus realistischer und dadurch umso ergreifenderer Roman um Fragestellungen, mit denen wir alle - ob katholisch oder nicht - schon konfrontiert wurden, zumindest in der aktuellen Berichterstattung und die uns schockiert und erschreckt, verständnislos zurückgelassen haben. Mich persönlich hat das Ende ein klein wenig enttäuscht: dadurch wurde meine Lektüre nicht ganz so rund, wie es sich den ganzen Roman hindurch abgezeichnet hatte - das Buch ließ mich ein klein bisschen enttäuscht zurück, was aber wirklich nur mit den letzten - sagen wir, ca. 50 Seiten - zusammenhängt. Ansonsten ist es überaus empfehlenswert - Boyne widmet sich diesem schwierigen Thema gewohnt eloquent und fügt seinem Oeuvre einmal mehr einen Roman hinzu, der sich vollkommen von dem, was er vorher geschrieben hat, unterscheidet. John Boyne - ein Autor, der definitiv für eine Überraschung gut ist!

    Mehr
  • Wer trägt die Schuld

    Die Geschichte der Einsamkeit

    Pelikanchen

    22. October 2015 um 20:58

    >>Die Geschichte der Einsamkeit<< von John Boyne Odran Yates, der Mitte der Fünfzigerjahre in Irland geboren wird, schildert uns in diesen Roman sein Leben von seiner Kindheit, bis zu seinen 60. Geburtstag. Nach einer Tragödie in der Familie, sucht seine Mutter Trost in der Kirche und der Religion. Eines morgens teilt sie ihren Sohn Odran mit, das er eine Berufung zum Priestertum hat und er wird für ein Studium angemeldet. Er freut sich sogar darauf und möchte unbedingt den Weg mit Gott gehen, weil er seiner Mutter vertraut. Das seine Mutter schon fast religös Besessen war, hat er zu dieser Zeit gar nicht so empfunden und er war wirklich Glücklich über seine Berufung, auch wenn er selbst sie eigentlich gar nicht gespürt hat. Odran ist ein eher passiver Charakter, der nie viele Einwände hervor brachte und fast alles als geglaubt hat, was man ihm sagte. Seine Kindheit ist nun von strengstem Katholizismus geprägt, nach dem Motto "Bigotterie statt Nächstenliebe" ( Scheinheiligkeit und „kleinliche, engherzige Frömmigkeit und übertriebenen Glaubenseifer ). Im Priesterseminar bekommt er dann einen Zimmernachbarn und er merkt schnell, das Tom Cardle nicht freiwillig hier ist und eigentlich auch kein Priester werden möchte. Tom redet nicht viel über seine Familie und Odran hat eigentlich auch nie viele Fragen und geht Ärger meistens aus den Weg. Dennoch sollen sie fast 40 Jahre Freunde bleiben, auch wenn sie sich nicht zu oft sehen, weil sie einfach zu verschieden sind. Wir begleiten Odran Yates auf seiner langen Reise bis er endlich Priester wird und in 16 Kapiteln schildert der (fiktive) katholische Priester uns seine Erlebnisse, die er gemacht hat. Man erfährt mehr über seine Familie und die schlimme Tragödie damals, die seine Mutter nur mit der Religion verarbeiten konnte. Die Geschichte erstreckt sich über die Jahre 1964 bis 2013 und spielt an verschiedenen Orten, wie in Irland, in Rom wo er ein sein letztes Jahr seiner Ausbildung verbracht hat und mal kurz in Norwegen. Als er 40 Jahre später Freunde vor Gericht stehen sieht, Kollegen inhaftiert sind und sieht wie viele Familien von der Kirche im Stich gelassen wurden und wirklich schlimme Dinge enthüllt werden, die den Glauben des irischen Volkes in der Kirche erschüttern, zieht er die Notbremse, weil er auch erkennt, das er an der ganzen Sache auch eine Mitschuld trägt. "Denk nur an all die Menschen, die mir vertrauen. Stell dir vor, es wird jemand verletzt, weil du einen Fehler gemacht hast. Oder weil ich einen Fehler gemacht habe. Möchtest du das auf dem Gewissen haben" Das hat ihn in seiner Kindheit der Bahnwart an der Schranke am Bahnübergang gesagt und diese Worte versteht er nun endlich und es steckt so viel Wahrheit darin.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks