John Brunner Schafe blicken auf.

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Inhaltsangabe zu „Schafe blicken auf.“ von John Brunner

Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des wohl bekanntesten Romans Brunners erschien 1997 in der recht edel aufgemachten Reihe "High 8000" -- eine Hardcoverausgabe in Taschenbuchgröße mit einem Vorwort von Wolfgang Jeschke -- diese Neuausgabe.
Kurz nach der Jahrtausendwende treibt die Menschheit dem Untergang entgegen: In den Ballungsgebieten kann man sich ohne Filtermaske nicht mehr auf die Straße wagen, die Sonne sieht man nur noch selten und die Meere sind vergiftet. Die Verbrechensrate explodiert, Ökoterroristen verüben Anschläge, die Menschen sind krank und Neugeborene sind mißgebildet ... diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen und man würde nicht einen einzigen positiven Punkt finden können. Und obwohl man zu Beginn des Buches erschreckt die ganzen Ausmaße der Zerstörung unseres Planeten erkennt, steigert sich die Schwarzmalerei im Laufe des Buches noch gewaltig: Seuchen und Bürgerkriege brechen aus, Menschen sterben en masse (und falls sie nicht sterben, werden sie entweder wahnsinnig, behindert, arm, krank oder verlieren im besten Fall nur einige Familienmitglieder) und niemals hat man als Leser auch nur die geringste Hoffnung, daß Besserung eintritt. (Außer einmal, woraufhin sie aber von einem Bombenanschlag gleich wieder zunichte gemacht wird). Sollte hier der Eindruck entstehen, daß das Buch eine durch und durch pessimistische Aussage hat, ist das durchaus beabsichtigt: falls jemand leicht zu Depressionen neigt, sei ihm von diesem Buch entschieden abgeraten.
In kurzen Kapiteln schildert Brunner mosaikartig zum einen die Erlebnisse der rund ein Dutzend Protagonisten während des entscheidenden Jahres, zum anderen werden diese aber von diversen anderen Belegen der erdachten Zeitgeschichte durchsetzt: Listen von Umweltgiften, Schildern an Sauerstoffspendern, Anzeigen der Welthungerhilfe und auch Nachrichtensendungen. Auch Zeugnisse aus unserer Vergangenheit fehlen nicht, so zum Beispiel ein "frommes" Lied über die Missionierung aus dem 19. Jahrhundert, bei dem man sich fragt, wer der wirklich Primitive ist.
Durch das häufige Wechseln der Perspektive und der Struktur stellt sich keinerlei Lesefluß ein, doch das ist genau das, was Brunner beabsichtigt: dem Leser eine Art innere Unruhe zu bereiten, die ihn den drohenden Gefahren gegenüber sensibilisiert. So schildert er beispielsweise auf zweieinhalb Seiten die Folgen verseuchten Leitungswassers, indem er überaus drastisch und kühl - jedoch immer mit einem gehörigen Schuß schwarzen Humors verbunden - die letzten Minuten einiger Betroffener schildert. ("Wo ist die Tür? Tür. Fenster ist näher. Es öffnen. Falle hinaus in den Wind und schwebe fort über die Berge, huuuhuuuuu. - Vier Stockwerke über der Straße; die war hart." ... vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis hinzufügen, daß die Verseuchung durch eine Art Halluzinogen stattfand).
Urteil: Das Buch hebt sich sowohl aufgrund der erzeugten Atmosphäre als auch seiner besonderen Struktur positiv aus der Masse heraus und zeigt, daß Science Fiction mehr als bloße Unterhaltung bieten kann: auch wenn Begriffe wie Umweltschutz mittlerweile einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft besitzen, ist die von Brunner geschaffene Zukunft immer noch denkbar und erschreckt aufgrund des hohen Realismus. --Oliver Faulhaber

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  • Rezension zu "Schafe blicken auf." von John Brunner

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    Martin_Keune

    11. March 2013 um 16:29

    1972 zog John Brunner – ein kommerzieller Schreiber von Sci-Fi-Massenware, der sich mit Büchern wie „Plätze der Stadt“ oder auch diesem hier den Luxus kleiner Ausflüge in die anspruchsvollere Literatur leistete – einen klaren Schlussstrich unter meine Zukunftsfantasien. Die Zukunft, davon war ich als 13jähriger überzeugt, konnte ja nur toll werden, mit technischen Erleichterungen für jedermann, dem Sieg über Hunger und Krankheiten, ein technoides Paradies auf Erden. Pustekuchen! Brunner imaginierte eine Welt der Zukunft, in der nichts wirklich klappte, eine smogverseuchte Vorhölle, in der die Diktatur des Alltags das Individuum zum Sklaven von Geld und Wohlverhalten macht. Seine Vision verlässt den Boden der Science Fiction und weist weit ins Soziale, Politische. Und auch die Revolte dachte John Brunner gleich mit – mit der fiktiven Erhebung der „Trainisten“, die sich ein Motto zu eigen machen, das man heute, 41 Jahre nach Erscheinen des Buchs, jedem Auto, Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff in die Karosserie ritzen möchte: „Du bringst mich um!“

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  • Rezension zu "Schafe blicken auf." von John Brunner

    Schafe blicken auf.

    Babscha

    27. January 2012 um 21:26

    Ans Ende des vergangenen Jahrhunderts platziert John Brunner die Handlung seines bereits 1972 geschriebenen Genre-Klassikers. Und der hat es in sich. In einem Jahrzehnt zunehmender Aufmerksamkeit für Umweltbelange und Schutz von Ressourcen geschrieben, entwirft der Autor ein erschreckendes, niederschmetterndes und bereits damals gar nicht so weit an der Realität vorbei gedachtes Szenario einer (amerikanischen) Welt, die von wenigen macht- und profitgeilen Konzernen in enger Verbundenheit mit korrupten Politikern und der Staatsgewalt als treuer Gefolgschaft beherrscht wird und in der die Natur weitgehend plattgemacht ist. Flüsse und Meere sind verdreckt, das Trinkwasser ungenießbar, Atmen im Freien ohne Schutzmaske quasi ausgeschlossen , die Menschen, vor allem Kinder, permanent krank, depressiv und perspektivlos. Nahrungsmittel werden weitgehend bereits synthetisch hergestellt und trotz ihrer Minderwertigkeit für gutes Geld an hungernde Dritte-Welt-Staaten verschachert. Widerstandsgruppen existieren nur im Untergrund und sind weitgehend chancenlos gegen brutale Milizen, die jedes Aufbegehren im Keim ersticken. Brunner schreibt sein Buch nicht als fest umrissene story mit definierten Protagonisten, sondern dokumentiert atemlos die sich zunehmend überschlagenden Ereignisse im Sinne eines Chronisten, dessen Personen gleichwertig dem eigentlichen Thema des Buches untergeordnet werden. Sarkastisch, brutal und erbarmungslos in der Beschreibung sind seine Kapitel und treffen genau deshalb mitten ins Empfindungszentrum des Lesers. Eine gelungene, engagierte Reportage über eine Welt, wie sie schlimmstenfalls aussehen könnte, wenn die Menschheit ihre Sinne wirklich nicht mehr zusammenhält, und in ihrer visionären Darstellung auch nach vierzig Jahren kein bisschen überholt.

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  • Rezension zu "Schafe blicken auf" von John Brunner

    Schafe blicken auf.

    rallus

    02. March 2010 um 16:32

    Ein Endzeitroman ähnlich der Morgenwelt, die Schilderung einer Dystopie in der die Überbevölkerung zu Welthunger, Bürgerkriegen, Seuchen und die Flucht zu Drogen führt. Dunkles Szenario einer Zukunft, in verschiedenen Ebenen erzählt, eines der Meisterwerke der Science Fiction Literatur

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