1933 war ein schlimmes Jahr

von John Fante 
4,3 Sterne bei22 Bewertungen
1933 war ein schlimmes Jahr
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Die Figuren sind perfekt in Szene gesetzt und die Handlung ist durchweg spannend und authentisch lebendig geschrieben

Ein herausragendes Buch! Mehr unter: http://tom-weidenberg.com/literatur/1933-war-ein-schlimmes-jahr-fante/

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Inhaltsangabe zu "1933 war ein schlimmes Jahr"

„John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.“ Charles Bukowski

Ein Kultautor und sein vergessener Roman werden wiederentdeckt. Erstmals kann die Geschichte des Dominic Molise in angemessener Übersetzung gelesen werden, durch Alex Capus in den richtigen Sound gebracht. Es ist die Geschichte eines persönlichen und eines Klassenkampfes in der Zeit der großen Wirtschaftskrise: Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben.

„Solche literarischen Figuren gibt es so selten, ich werde die nicht mehr vergessen.“ Maxim Biller, Das literarische Quartett

„John Fante ist einer der ganz großen West-Coast-Autoren – italienische Leidenschaft gepaart mit californischer Coolness.“ Alex Capus

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746633756
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:144 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:06.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    HEIDIZs avatar
    HEIDIZvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Die Figuren sind perfekt in Szene gesetzt und die Handlung ist durchweg spannend und authentisch lebendig geschrieben
    endlich nicht mehr vergessen

    John Fante - der amerikanische Autor wurde 1909 in Denver geboren. Er war der Sohn italienischer Einwanderer. Mitte Zwanzig zog Fante nach Los Angeles. 1938 wurde sein erster Roman veröffentlicht. Der Autor starb 1983.

    1933 war ein schlimmes Jahr, war ein vergessener Roman des Autors, der nun wieder- bzw. neu entdeckt werden kann und von Alex Capus aus dem Amerikanischen übersetzt wurde.. Zu lesen ist die Geschichte des Dominic Molise - eine persönliche Geschichte und die eines Klassenkampfes zur Zeit der großen Wirtschaftskrise in den USA. Der Roman erzählt tiefgründig, emotional und bewegend, aber auch kurzweilig und mitunter amüsant von der Jugend und den Übergang in die Erwachsenenwelt des Protagonisten, der in einer kleinen Stadt unter der Rocky Mountains lebt. Wir befinden uns in den dreißiger Jahren und Dominic ist 17 Jahre, möchte Baseball-Star werden. Er möchte Anerkennung erfahren und die große Liebe finden. Seine Eltern sind allerdings Italiener und mit dieser Herkunft hat er zu kämpfen sowie mit der Tatsache, dass er im familiären Betrieb arbeiten soll, was so garnicht seiner Vorstellung für die Zukunft entspricht. Dominic träumt weiter ....

    Ich finde die Geschichte sehr gut geschrieben, also wohl auch perfekt übersetzt, wobei ich dazu nichts sagen kann, da ich das Original nicht kenne. Die Figuren sind perfekt in Szene gesetzt und die Handlung ist durchweg spannend und authentisch lebendig geschrieben, ich konnte mich von Beginn bis Ende in die Handlung hineinversetzen und finden die fiktive Geschichte vor dem historischen Hintergrund sehr anregend und kurzweilig geschrieben.

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    Angel10vor einem Jahr
    1933 war ein schlimmes Jahr

    - italienische Einwanderer, USA
    - Weltwirtschaftskrise
    - Arbeitslosigkeit, Familie, Pubertät

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    John Fante | 1933 WAR EIN SCHLIMMES JAHR

    INHALT: In der Enge der Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo fühlt sich der 17-jährige Dom Molise zu Höherem berufen. Er ist ein Ass im Baseball und hat einen Wurfarm (von allen ehrfürchtig Der Arm genannt), der eindeutig in die Major League gehört. Da gibt es nur ein Problem: Dom ist der Spross italienischer Einwanderer, die finanziell an der Armutsgrenze leben und sich zu Tode schuften müssen, um die Familie zu ernähren. Doms Zukunft als Maurer im kleinen Familienbetrieb ist schon ausgemacht, aber er will auf keinen Fall wie sein Vater enden, ein übler Spieler und Ehebrecher. Dom entwirft einen Plan wie er an die fünfzig Dollar Startkapital kommen kann, um mit seinem Freund Kenny nach Kalifornien abzuhauen und seinen Traum zu verwirklichen.

    FORM: Mit seinem unbelehrbaren, sehr talentierten aber furchtbar einfältigen Helden Dom erinnert 1933 WAR EIN SCHLIMMES JAHR ein bisschen an die Landstreicher-Romane von John Steinbeck. Auch das Kleinstadt-Setting während der Weltwirtschaftskrise passt. Fantes Sätze, in der Ich-Form geschrieben, sind klar und einfach, und geben sehr aufrichtig die Gedanken und Wünsche des jungen Dom wieder. Der Erzählton wechselt zwischen absoluter Überheblichkeit (wenn es um Den Arm und Sein Potenzial geht) und totaler Resignation (wenn Dom bewusst wird, wie aussichtslos sein Unterfangen ist). Zwischen diesen zwei Polen pendelt die herzergreifende Story hin und her, und erschafft auf diese Weise eine wunderbar zwiespältige Hauptfigur, die sich locker in eine Reihe mit Hank Chinaski und Daniel Alvarez einfügen darf.

    FAZIT: Mir hat der Roman sehr gut gefallen – genau das richtige für eine längere Zugreise. Ich mag diese Geschichten von armen Helden, die trotz ihrer geringen Chancen das Träumen nie aufgeben und nach derben Rückschlägen aufstehen und wieder in die gleiche Kerbe hauen; die ständig das Richtige aus den falschen Gründen oder das Falsche aus den richtigen Gründen machen. John Fante ist mit diesem kleinen Roman genau das gelungen. Die vorliegende Ausgabe ist mit einem sehr persönlichen Nachwort des (Neu-)Übersetzers Alex Capus ergänzt, der Fante neben Raymond Carver und Anton Tschechow zu den größten Idolen seiner Jugend zählt. Schön ist auch, dass sich der Blumenbar-Verlag offenbar zu einer American-Classics-Reihe entschlossen hat, die im April 2017 mit Leonard Gardners FAT CITY in ähnlichem Design fortgesetzt wurde.

    Für Doms schlimmes Jahr gibt’s von mir 5 Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    Bibliomarievor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Das Buch ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten
    Ein amerikanischer Traum

    1933 ist das Jahr der großen Depression in den USA. Dominic Molise, 17, spürt die Auswirkungen ganz unmittelbar. Sein Vater ist seit Monaten arbeitslos und verbringt seine ganze Zeit in Billardsalons, die Mutter und Großmutter suchen Trost in endlosen Gebeten und Rosenkranzklappern.
    Dominic ist ein begabter Baseballspieler und sieht sich in seinen Gedanken schon fast an der Seite von Babe Ruth und anderen legendären Größen, die auch aus ärmlichen Verhältnissen kamen. Ein fast inbrünstiges Gefühl hegt er für seinen Wurfarm, DEN ARM, wie er ihn selbst nennt. Er hegt und massiert hin, hört auf jedes Zwicken seines Muskels, Sloan’s Massageöl - verehrt wie katholisches Salböl -  hat er stets in Griffnähe. Es ist DER ARM, der es ihm ermöglichen wird, sich und seine Familie aus dem Elend zu ziehen.
    Der kurze Roman ist unterhaltsam, der fröhlich-offene Ton, mit dem Dom von diesem Jahr berichtet, zeigen ihn als etwas naiven, aber immer optimistischen Menschen. Er glaubt an seinen Traum und wenn nicht in Amerika, wo sonst kann man seinen Traum leben. Zwischen Aufbruchsstimmung und Verantwortung für seine Familie steckt er in einem Dilemma, das er mit seines Vaters Hilfe entscheiden kann.  Es steckt wahrscheinlich einiges von John Fante in Dominic Molise. Auch er war Sohn italienischer Einwanderer und zog für seinen großen Traum nach Kalifornien, die Anerkennung für sein literarisches Werk erlebte er nicht mehr.
    Der Blumenbar Verlag hat dieses Buch von John Fante für die deutschen Leser wieder entdeckt und in einer neuen Übersetzung von Alex Capus auf den Markt brachte. Ein kenntnisreiches Nachwort des Übersetzers rundet die Neuedition ab. 

     

     

     

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    pardenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine schöne Wiederentdeckung...
    Schöne Wiederentdeckung...

    SCHÖNE WIEDERENTDECKUNG...

    Gefangen in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren, wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Baseball-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten. Aber Dominic hört nicht auf zu träumen.

    Der Amerikaner John Fante, (1909-1983), entstammte einer Familie von italienischen Einwanderern – und vor diesem biografischen Hintergrund spielen auch die meisten seiner Romane. Fante veröffentlichte 1938 seinen ersten Roman, später schrieb er Drehbücher für Hollywood, was ihm zumindest einigen Wohlstand bescherte. Erst nach Fantes Tod wurden dann auch nachgelassene literarische Texte entdeckt und veröffentlicht – und einer dieser Romane, "1933 war ein schlimmes Jahr", ist nun in der Übersetzung des Schriftstellers Alex Capus gerade auf Deutsch erschienen.

    Dieser Roman führt uns, wie der Titel schon verrät, ins Jahr 1933: Amerika leidet unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, worunter auch die Bewohner der Kleinstadt Roper - in Colorado am Fuße der Rocky Mountains - sehr leiden. Dominic Molise ist mit seinen siebzehn Jahren für sein Alter zu klein, hat schiefe Zähne und Beine, und kann sich das selbst gegenüber sehr lakonisch eingestehen. Ein Körperteil allerdings hat dieser junge Mann, in das er alle seine Hoffnungen setzt: sein linker Arm, DER ARM, wie er ihn nennt, mit dem er nämlich auf meisterhafte Art und Weise den Baseball zu schleudern vermag.

    Der Junge aus ärmlichen Verhältnissen träumt vom großen Aufstieg. Als linkshändiger Pitcher will er versuchen, ein Baseball-Star zu werden. Doch dafür muss er Roper und seine italienische Familie verlassen und bei den großen Mannschaften an der Küste vorspielen. Doch sein Vater, manchmal Maurer, manchmal arbeitslos, hat andere Pläne für seinen Sohn. Der soll bodenständig bleiben und sein Schicksal annehmen, das nach Meinung des Vaters darin besteht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt.

    Dabei sind die gesamten Umstände so, dass man Dominic nur wünschen kann, dass er den Absprung schafft. Die Familie lebt in überaus ärmlichen Verhältnissen. Trotz seiner momentanen Arbeitslosigkeit versucht der Vater irgendwie, seine Familie zu ernähren und mit Billardspielen Geld zu gewinnen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger - und überdies kommt der Vater kaum noch nach Hause. Die Mutter sieht sich als Opfer der Umstände, immer schon hat der Vater sie belogen, und sie spielt ihre Rolle als sich aufopfernde Mutter, wenn sie nicht wieder ins Gebet vertieft ist und um Linderung der miserablen Umstände bittet. Doch gleichzeitig ist sie dem Vater nicht böse:


    "Ich mache deinem Vater längst keine Vorwürfe mehr, ich bin selbst an allem schuld. Wenn du die Lügen eines Mannes hinnimmst, machst du dich mitschuldig. Dann bist du ein Lügner wie er."



    Die Großmutter, die mit in der Familie lebt, hat nie verwunden, dass ihr Mann sie seinerzeit gezwungen hat, die Abruzzen in Italien zu verlassen und in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu ziehen. Sie ist verbittert, hasst alles und jeden und macht den Familienmitgliedern das Leben schwer. Üble Beschimpfungen sind an der Tagesordnung, und sie ist die einzige, die ein Zimmerchen für sich hat. Doch trotz dieser widrigen Umstände, versucht Dominic, seine Träume nicht zu verlieren.

    Er besucht mit seinen fast 18 Jahren die von Nonnen geleitete High School und macht selbst nachts noch seine Hausaufgaben. Er trainiert hart seine Fähigkeiten als Baseballspieler und malt sich immer wieder Szenen seines Ruhmes aus. Sein bester Freund Ken träumt denselben Traum, und trotz ihrer unterschiedlichen Welten - Ken kommt aus einem überaus reichen Elternhaus - scheint ihre Freundschaft nichts trüben zu können.

    Doch nach und nach sickert die Realität in die langgehegten Träume. Trotz des lakonischen, oft zynischen Stils hält die Pubertät Dominic und seinen Freund fest im Griff, und Dominic muss versuchen, den Spagat zwischen seinen Träumen und der Familie, die ihm ebenfalls viel bedeutet, zu beherrschen. Er muss herausfinden, ob seine Träume den harten Tatsachen des Lebens standhalten können, oder ob das Leben ihn nicht doch in eine ganz andere Richtung dirigiert. Ironie und Sarkasmus sind die Mittel, die oft eher traurigen Verhältnisse zu meistern.

    Wer das Nachwort des Übersetzers Alex Capus liest, erfährt eine Überraschung. Dass ein Protagonist einiges vom Autor innehat, ist ja immer wieder mal zu vermuten. Aber diese Anzahl an Übereinstimmungen lässt ja nur den Schluss zu, dass in einer autobiographischen Darstellung lediglich der Name geändert wurde. Den zerrissenen Charakter nimmt man John Fante jedenfalls ab.


    "In allen acht Romanen, die John Fante in einer Zeitspanne von fünfzig Jahren geschrieben hat, ist der Held unverkennbar (...) immer derselbe großspurige, großherzige Gernegroß, der seinen Mitmenschen doch mit tiefem Verständnis, großer Zärtlichkeit und intuitiver Weisheit begegnet."


    Insgesamt war die Erzählung angenehm zu lesen, der Schreibstil flüssig und bildhaft, voller Metaphern, die oftmals recht ungewöhnlich sind - und trotz der fehlenden Absätze und der vielen Baseball-Anspielungen, mit denen ich persönlich nichts anfangen konnte, habe ich die Lektüre genossen.

    Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben. Und eine schöne Wiederentdeckung, nachdem John Fante als Schriftsteller in Vergessenheit geraten und dieser Roman in einer Schublade verschwunden war und erst nach Fantes Tod wiederentdeckt wurde.


    © Parden

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    Brivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Großartig - mehr muss ich nicht sagen. LEST ES.
    Traum oder Verpflichtung

    1933 war ein schlimmes Jahr - für Deutschland, Europa und die Welt. Keine Frage. Und für Dom Molise. Aber aus ganz anderen Gründen, als für die anderen ...

    Dominic Molise, Nachfahre italienischer Auswanderer, ist 17 Jahre alt. Er träumt von einem anderen Leben, als es sein Vater, der von Beruf Maurer ist, führt. Denn er besitzt etwas, was in außergewöhnlich macht. DER Arm - sein linker - soll ihm eine Karriere als Baseballstar verschaffen und ihn aus der trostlosen Kleinstadt am Fuße der Rocky Mountains in die weite Welt führen. Ziegelsteine schleppen und Maurer werden, wie sein Vater, das hat er nicht in seinem Lebensplan stehen. Aber die Familie ist das, was zählt - gerade wenn man italienische Wurzeln besitzt. Gemeinsam mit seinem Freund Ken, der aus ganz anderen Verhältnissen, sehr begüterten, stammt, versucht er einen Weg zu finden, sich in eines der Profiteams zu spielen. Leider zunächst mit nicht ganz legalen Mitteln.

    John Fante hat seinen kurzen, aber überaus feinen Roman um die Träume und Kämpfe des 17 Jahre alten Dominic, 1963 geschrieben, als 54-Jähriger. Doch kein Verlag wollte es drucken. Man fand das Manuskript erst 1983 im Nachlass des Autors, wenige Monate bevor ein kalifornischer Verlag sein Lebenswerk, das er 1938 mit dem Roman Warte bis zum Frühling, Bandini begann, herausbrachte. Wieder einmal war ein Autor großartiger Geschichten in Vergessenheit geraten. Seinen Lebensunterhalt bestritt er recht gut durch das Schreiben von Drehbüchern, was im andererseits als das Verkaufen seiner Seele angekreidet wurde. Alex Capus, der bisher schon mehrere von Fantes Romanen übersetzt hat und sich im Nachwort als ausgewiesener Kenner entpuppt, hat auch das vorliegende Schätzchen wunderbar in die deutsche Sprache übertragen.

    "Das war's also. Das ganze Buch. Die tragische Geschichte von Dominic Molise, geschrieben von seinem Vater. Teil eins: Nervenkitzel Steineklopfen. Teil zwei: Spiel und Spaß im Sägewerk. Teil drei: Wie man sich vom eigenen Vater das Leben verderben lässt. Teil vier: Hier ruht Dominic Molise, gehorsamer Sohn."

    Fante zeichnet seinen Protagonisten glaubwürdig, passt die Sprache den Agierenden an und schafft so ein authentisches Bild der Wünsche und Nöte eines jungen Mannes auf der Suche nach seinem Lebensweg. Wobei Dominic eigentlich ja genau weiß, was er möchte. Es sich auch zutraut. Die fehlenden Geldmittel, sein Vorhaben in Gang zu setzen, scheinen zusätzliche Stolpersteine auf dem Weg zu hinterlassen. Die Lösung dieses Problems konstruiert Fante durchaus logisch, wenn auch nicht ganz legal und der Familie gegenüber loyal. Doch Dom ist trotz mancher jugendlicher Aussetzer einer der guten Jungs, schafft es, eine Kehrtwendung hinzulegen und seinem Vater endlich seine Wünsche, Träume und Ziele zu offenbaren.

    "Vielleicht lag es an der blutigen Nase, dass wir in diesem Augenblick für einmal nicht Vater und Sohn, sondern Freunde waren. So konnte ich ihm von meinen Hoffnungen und Nöten erzählen, vom Stumpfsinn unserer Armut und von meinem Traum, von zu Hause wegzugehen und mein Glück als Profi-Baseballer zu versuchen. Er zündete sich eine Zigarre an, drehte mir den Rücken zu und blickte zur Tür hinaus, während meine Träume aus mir heraussprudelten und sich der Schuppen mit Rauch füllte."

    Der Traum wird letztendlich eine Verpflichtung, wenn auch eine heiß ersehnte und Dominic Molise ist für mich ein bodenständiger, nachvollziehbarer, manchmal unausstehlicher, meist aber liebenswerter Fänger im Roggen. Ein wahrhaft grandioser Roman und ein krönender Abschluss für ein reichhaltiges Lesejahr 2016.

    Absolute Leseempfehlung! Vor allem für Freunde der Kunst des Feldspiels aber nicht ausschließlich.

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    Buecherschmausvor 2 Jahren
    Ein hartes Jahr für Dominic Molise

    Ein kleines Buch kommt groß heraus. Spätestens durch das 4:0 im Literarischen Quartett „geadelt“, bekommt dieses nur 144 Seiten starke Buch, eher eine Erzählung als ein Roman, endlich eine größere Aufmerksamkeit.
    Erschienen ist es im Original 1985 posthum und bereits 1986 in deutscher Übersetzung, damals im Eichborn Verlag unter dem Titel „Es war ein merkwürdiges Jahr“. Vielleicht glaubte man, durch das Nennen der Jahreszahl 1933 im deutschsprachigen Raum falsche Assoziationen zu wecken. Auch Fantes andere Werke sind auf Deutsch veröffentlicht worden sind, vorwiegend im Goldmann Verlag. Diese nur noch antiquarisch zu bekommenden Exemplare erzielen mittlerweile hohe Preise, was das Interesse des Lesepublikums wiederspiegelt und hoffentlich zu weiteren Neuauflagen führen wird. Seit 2003 zeichnet der Schweizer Autor Alex Capus für die Übersetzung verantwortlich, so auch für „1933 war ein schlimmes Jahr“.
    Darin erzählt uns Dom(inic) Molise aus seinem Leben. Und er startet gleich zu Beginn voll durch:

    „Ich war hier in Roper, Colorado, und wurde von Minute zu Minute älter. In sechs Monaten würde ich achtzehn werden und die Highschool abschließen. Ich war vierundsechzig Inches groß und in den letzten drei Jahren kein Stück gewachsen. Ich hatte Säbelbeine und drehte die Füße beim Gehen nach innen. Meine Ohren standen ab wie die von Pinocchio, meine Zähne waren schief, und mein Gesicht war gesprenkelt wie ein Vogelei. Ich war der Sohn eines Maurers, der seit fünf Monaten keine Arbeit mehr hatte. Ich besaß keinen Mantel und trug stattdessen drei Pullover übereinander. Meine Mutter betete seit Wochen eine Serie von Novenen, damit Gott mir einen neuen Anzug für die Abschlussfeier im Juni spendierte.“

    Dieser Auftakt erzählt bereits vieles. 1933 war in den USA tatsächlich ein schwieriges Jahr. Die Wirtschaftskrise war auf einem Höhepunkt angelangt, die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Verarmung weiter Bevölkerungskreise enorm, im März ließ Präsident Roosevelt sogar kurzfristig sämtliche Banken schließen, um deren kompletten Zusammenbruch zu verhindern.
    Diese harten Zeiten spürt auch die italienische Einwandererfamilie Molise. Der Vater kann sein Handwerk nur im Sommer ausüben, als das Buch beginnt, steckt Roper unter einer tiefen Schneedecke fest.
    Der Vater verbringt seine nun üppige freie Zeit fast ausschließlich in der Kneipe beim Billardspiel, offiziell, um damit die Familienkasse aufzubessern, aber da sind offensichtlich auch Frauen mit im Spiel. Er missachtet und betrügt seine eigene Frau, die immer mehr in religiösen Fanatismus verfällt, und interessiert sich kaum für seine vier Kinder. Das (unter anderem) Wunderbare an Fantes Text ist aber, dass dieser Mann eben ein Mensch ist, und nicht nur ein Unsympath. Und so überrascht er den Sohn und den Leser gegen Ende auf das Rührendste.
    Auch der Ich-Erzähler Dom ist kein strahlender Held. Außer den bereits eingangs erwähnten körperlichen Unzulänglichkeiten sind ein völlig übersteigertes Selbstwertgefühl, eine völlige Fehleinschätzung seiner Möglichkeiten bei der von ihm angebeteten, sechs Jahre älteren und bildschönen Tochter des reichsten Mannes vor Ort und eine stets lauernde Aggressivität, die auch mal zu Handgreiflichkeiten führt, seine steten Begleiter. Die Aktion, die er zur Verwirklichung seiner Sehnsüchte und Träume durchführt, ist äußerst heikel. Und doch ist er dem Leser zutiefst sympathisch. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Dom Molise, wie uns das amüsante und informative Nachwort von Alex Capus verrät, ganz deutliche Züge des Autors selbst aufweist.
    Dieser war wohl auch alles andere als ein Kind von Traurigkeit, nutzte die ersten literarischen Erfolge in den 30er Jahren, um damit einen gut bezahlten Brotjob als Drehbuchschreiber in Hollywood zu ergattern, lebte auf großem Fuß. Aus den „Vierzig großen Büchern“, die er ähnlich großspurig wie Dom in sich spürte, wurden so nur acht schmale Werke, von denen nur vier zu seinen Lebzeiten erschienen. 1983 verstarb er, erblindet und seit Jahren an einem starken Diabetes leidend. Die Lebenslust hat ihn wohl bis zum Ende nicht verlassen. Verbittert über den ausbleibenden Ruhm war er wohl schon.
    Ist es doch auch der große amerikanische Traum, vom kleinen Mann ganz nach oben, der auch seinen Helden Dominic Molise umtreibt. Denn trotz aller Widrigkeiten besitzt er einen großen Trumpf, „Den Arm“, wie er ihn nennt – er ist ein äußerst begabter Pitcher. Baseball, die wohl amerikanischste aller Sportarten soll ihm Ruhm und Reichtum einbringen. Wie viel dabei völlige Selbstüberschätzung des Ich-Erzählers, wie viel berechtige Hoffnung ist, lässt das Buch angenehm offen. 

    „(…)dann weinte ich um meinen Vater und um alle Väter, und um die Söhne auch, dass sie am Leben sein mussten in dieser Zeit. Und dann weinte ich um mich selbst, weil ich jetzt nach Kalifornien gehen musste. Ich hatte keine Wahl. Ich musste es schaffen.“

    Es ist ein kleines, feines Buch, das da hoffentlich endgültig wiederentdeckt wurde. Die Geschichte vom großen amerikanischen Traum und den großen Sehnsüchten ist nicht neu. Aber so leicht und tiefgründig, so heiter und ernsthaft wurde sie noch selten erzählt.

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    Fornikas avatar
    Fornikavor 2 Jahren
    Zeitlos gut

    Dominic hat seinen weiteren Lebensweg genau vor Augen, nämlich sein Talent als Baseballspieler zum Beruf machen. Der Armut daheim entfliehen, vor der kaputten Ehe seiner Eltern weglaufen, sein Leben als Spaghettifresser hinter sich lassen. Doch sein Vater hat andere Pläne, Dominic soll ins Maurergeschäft einsteigen. Und da wäre auch noch seine heimliche, unerreichbare Liebe in Gestalt der Schwester seines besten Freundes…

     1933 war wirklich kein gutes Jahr für den Ich-Erzähler von Fantes Roman. Mit seinen hochfliegenden Träumen und typischen Teenieschwärmereien ist Dom ein ganz normaler Jugendlicher, der mit dem Erwachsenwerden und der Welt der Erwachsenen hadert. Seine naive Art, aber auch sein sturer Trotz machen ihn zum Inbegriff eines Heranwachsenden, dessen Figur zeitlos ist. Der Roman spielt im Jahre 1933, Dom hätte aber ebenso ins Jahr 2016 gepasst. Fante erzählt in einer recht einfach gehaltenen Sprache, die den bodenständigen Hintergrund von Dom widerspiegelt und den Leser trotzdem mitnimmt. Mir hat der kurze, aber starke Roman gut gefallen, es wird sicherlich nicht das letzte von Fantes Werken sein, das einen Weg in mein Regal findet.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein herausragendes Buch! Mehr unter: http://tom-weidenberg.com/literatur/1933-war-ein-schlimmes-jahr-fante/
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    LitteraeArtesquevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben - voller ungewöhnlicher Metaphern...
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