John Garth Tolkien und der Erste Weltkrieg: Das Tor zu Mittelerde

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Inhaltsangabe zu „Tolkien und der Erste Weltkrieg: Das Tor zu Mittelerde“ von John Garth

»1914 als junger Mann in all das hineinzugeraten, war eine keineswegs weniger schreckliche Erfahrung als 1939 … 1918 waren alle meine engen Freunde mit nur einer Ausnahme tot.« So äußerte sich Tolkien zu Deutungen, die im »Herrn der Ringe« eine Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg sahen. John Garth beschreibt hier zum ersten Mal ausführlich, wie Tolkien in seiner Jugend erlebte, dass die Welt um ihn in der Katastrophe versank. Gerade diese Erfahrungen prägten Tolkiens mythologische Erfindungen maßgeblich, in denen er seine eigene literarische Tradition begründete. Mittelerde und seine Anziehungskraft sind daher nicht aus Eskapismus entstanden, sondern aus dem Drang, das Erlebnis der Verwüstung dichterisch in eine Form zu bringen, die bis heute nachwirkt und fasziniert.

Einblicke durch ein Tor zwischen Fantasie und Genie - inmitten eines Krieges!

— ewigewelten
ewigewelten

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  • »Das Tor zu Mittelerde«

    Tolkien und der Erste Weltkrieg: Das Tor zu Mittelerde
    ewigewelten

    ewigewelten

    02. February 2015 um 12:27

    John Ronald Reuel Tolkien glaubte von sich selbst, er wäre »ein Mann mit zu viel Fantasie und zu wenig Mut«. Persönlich fand er es gar nicht gut, Werke von Künstlern mit Hilfe ihrer Biografie zu interpretieren – er meinte, das lenke vom Werk zu sehr ab –, trotzdem wurde er später immer wieder Opfer solcher Auslegungen. Sein Biograf John Garth, der laut Evening Standard »das absolut beste Buch über J.R.R. Tolkien« geschrieben hat, räumt mit dem Interpretationsübereifer auf und erzählt die wirkliche Geschichte: Tolkiens Kindheit, der frühe Verlust beider Eltern, das einfache Studentenleben und seine immer stärker werdende Obsession für die Sprachwissenschaft. Als die ersten Kommilitonen sich zur Armee melden, erkundet der junge Tolkien Feenmärchen und fremde Sprachen, erfindet eigene Mythologien und Phylogenien, während um ihn herum die Welt im Chaos versinkt. Im Vorwort zum »Herrn der Ringe« schrieb er später: »1918 waren alle meine guten Freunde tot, bis auf einen.« Tolkien überlebte als Fernmelder an der Somme – was ihn nicht daran hinderte, sich zusätzliche geistige Herausforderungen zu suchen. Seine Mythologie gab den erfundenen Sprachen die Möglichkeit, zu leben. Diese Schöpfung mit Eskapismus abzutun würde ihm nach John Garth nicht gerecht werden, Tolkien liebte das Märchen und seine Mythen waren für ihn so real wie die Toten in den eigenen Reihen. Dass »Der Herr der Ringe« eine Allegorie auf den großen Krieg ist, stritt er Zeit seines Lebens ab, und John Garth beweist, wie es tatsächlich war. Zwar findet man Tolkiens bekannteste Epen erst im Nachwort der Biografie, doch seine Mythologie ist so verästelt wie die Krone eines Baumes, die sich erst im Laufe der Jahrzehnte voll und ganz entwickeln kann. Nach den ersten traumatischen Erlebnissen schrieb er den Krieg von Morgoth im Silmarillion, der gegen maschinenhafte Gnome geführt wird. Seine Grafiken und Kalligrafien muss man im Text eher vermissen, dafür belegen unendliche Gedichte (größtenteils zweisprachig abgebildet), Briefe und Zitate, wie Tolkien von seinem studentischen Umfeld immer wieder inspiriert wurde, bis es grausam zerfiel. Der Einblick in die Sprachforschung, die Geschichten und die Lyrik zeigen dem Leser einen Wissenschaftler, der von der Idee lebendiger, allumfassender Mythen getrieben wurde – und in seinem Perfektionismus wahrscheinlich nie aus eigenem Antrieb veröffentlicht hätte. Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin

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