John Gray Raubtier Mensch

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Inhaltsangabe zu „Raubtier Mensch“ von John Gray

Die Moderne erzählt sich selbst ihre Geschichte immer wieder: Seit die Religion überwunden ist, glaubt die angeblich aufgeklärte, humane, liberale Menschheit an den Fortschritt. Sie glaubt an Veränderung, an ihre Vervollkommnung und ihre Güte. Mit dem Aufkommen der modernen Wissenschaft weitete sich der Blick - eine Verbesserung schien jederzeit möglich. Das wachsende Wissen ermöglichte es dem Menschen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, so das Credo des liberalen Humanismus. Ihn und alle Fortschrittsphantasien unterzieht John Gray in seiner Tour dHorizon einer grandiosen wie vernichtenden Kritik.

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    Raubtier Mensch

    michael_lehmann-pape

    03. March 2015 um 11:01

    Desillusionierung Eine Orientierung im Buch stellt sich während der Lektüre als gar nicht so einfach heraus, wie vielleicht zuvor vom griffigen Titel des Buches her gedacht. Denn in jene assoziierte Richtung einer Betrachtung und Reflexion der reinen „Instinktsteuerung“ aus alten Zeiten der Evolution heraus noch führen die Gedanken Grays zwar auch, dies aber eher hintergründig denn vordergründig. Auf den ersten Anschein her wirken Grays Einlassungen eher als assoziativ gesteuert, weniger als strukturiertes Sachbuch, mehr wie ein Monolog, in dem ein Gedanke den nächsten anreizt und vor sich hin fließen lässt. Seien es Betrachtungen zum „Fortschrittsglauben“, seien es Exkurse in die Literatur, sei es eine Betrachtung (und Gegenüberstellung und scharfe, wertende Abgrenzung) der Grundanliegen von Freud und Jung, sei es eine mäandernde Reflexion der „Stille“, die der Mensch flieht, in vielen Gedankenabschnitten wendet sich Gray im Gesamten seinem Grundthemen zu: Der kritischen Widerlegung des Humanismus, der humanistischen Ideale. Am klarsten wird hierbei der Kern seines Anliegens in seiner differenzierten und ausführlichen Darlegung des Denkens Freud (wie Gray ihn versteht). „Eine bestimme Art von Resignation bildet den Kern von Freuds Ethik“. Verstanden nicht im Sinne eines „sich Ergebens“ gegenüber der Welt (die dennoch am Ende mit ihrem langsamen Mahlwerk immer „siegen“ wird), sondern als innere Akzeptanz des Fehlens einer höheren Ordnung, „die Tatsache, das letztendliche Chaos zu akzeptieren“. Es gibt, nach Freud, keine „letztendliche Erlösung“, keine höhere Macht und keinen „tieferen Sinn“ des menschlichen Lebens, keine wahre Selbstbestimmung und, im Rückschluss, damit auch keinen stringenten „Fortschritt“ in der inneren Entwicklung der Menschheit. Wie Gray dann auch darauf hinweist, dass die Grundthemen der Politik und der Kultur was Krieg, Grausamkeit, Überlebenswille und Egoismus angehen vor hunderten und tausenden von Jahren letztlich die gleichen waren, wie sie es heute sind. „Das menschliche Leben betrachtet er als eine gewundene Straße in den Tod. Doch bis wir das Ziel erreichen, stehen wir in einem Kampf“, so zitiert Gray Freud und so legt auch eher den reinen Willen zum Überleben aus, den er als Fakt menschlichen Seins postuliert, über den nichts hinausgeht. In Abgrenzung der humanistischen Idee der „inneren Entwicklung“ durch Bildung und der antiken Philosophie der Entwicklung durch Weisheit und im scharfen Widerspruch zum gegenwärtigen Denken, der Mensch sei „mehr und mehr“ Herr seines Lebens und der Verstand die bestimmende Instanz seiner Handlungen. Denn „nicht das Bewusstsein bestimmt das menschliche Leben“, sondern das Unbewusste, Unterbewusste, das „Es“ oder, in Anlehnung an Schopenhauer, der „unbewusste Wille“ . Sei es der Glaube an Finanzsysteme, der Mythos eines „amerikanischen Traums“, die Fiktion von der stetigen „Verbesserung“ der eigenen Person, all das „entzaubert“ Gray wortreich und führt, ganz am Ende, hin zu einer Anregung zur „gottlosen Kontemplation“. Nur das „reine Sein“ mit auch seiner Stille ist es, was das Leben dem Menschen zu bieten hat. Jenem Menschen, der keine echte geistige Veränderung seit Anbeginn der Zeit erfahren hat und für den auch keine zu erwarten ist. In ganz eigener auch sprachlicher Atmosphäre ein nicht einfach zu lesendes und, in vielen Bereichen, nicht einfach zu ertragendes Buch, in dem Gray dennoch leidenschaftslos seinen Finger auf offene und schwärende Wunden menschlicher Fiktionen und Illusionen legt. Im Rahmen einer ernstzunehmenden Widerlegung des Ideals des „menschlichen Fortschritts“. 

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