John Harding Florence and Giles

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Inhaltsangabe zu „Florence and Giles“ von John Harding

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  • Klassischer Grusel mit kleinen Schwächen

    Florence and Giles

    TheRavenking

    Ein moderner Autor versucht sich an einer klassischen Ghost-Story. Henry James' berühmter Gruselroman Das Durchdrehen der Schraube stand Pate für John Hardings Erzählung. Zunächst einmal sticht einem das ungewöhnliche Cover ins Auge. Gerade deutschsprachige Taschenbücher zeichnen sich in dieser Hinsicht ja durch eine bemerkenswerte Einfallslosigkeit aus. Aber auch der Inhalt ist ungewöhnlich: Die zwölfjährige Florence lebt mit ihrem achtjährigen Bruder Giles auf einem Anwesen in Neuengland. Nach dem Tod der Mutter hat der Vater die Kinder alleingelassen, einzig eine Haushälterin leistet ihnen Gesellschaft. Sie müssen nicht zur Schule und dürfen tun oder lassen, was sie möchten, mit einer Ausnahme: Bücher sind verboten. Der Grund ist eine allzu bildungshungrige Ex-Frau. Doch trotz des Verbots, oder vielleicht gerade deshalb entwickelt sich Florence zu einer leidenschaftlichen Leserin. Heimlich schleicht sie sich nachts in die Bibliothek und verschlingt Bücher. Diese Idylle wird erst getrübt, als ihr Vater beschließt eine Erzieherin für seine Kinder zu engagieren. Doch es kommt noch viel schlimmer, denn die Erzieherin scheint ein besonderes Interesse an Giles zu haben. Florence fürchtet, dass es sich bei der Frau um einen Dämon handelt, der ihren Bruder entführen will. Nun muss man wissen, dass Florence Giles über alles in der Welt liebt und alles tun würde, um ihn zu beschützen, sie ist wie eine Ersatzmutter für den kleinen Jungen. Also beginnt ein Psychokrieg zwischen den beiden Frauen, die jeweils versuchen Giles auf ihre Seite zu ziehen. Vom Stil her ist Florence & Giles durchaus bemerkenswert. Durch die Abgeschiedenheit schafft sich Florence ihre eigene Sprache. Immer wieder kommt es so zu ziemlich humorigen Formulierungen: I lonelied myself in the library, - heißt es da zum Beispiel, oder I armageddonned with the governess. Dass die Geschichte von Florence selbst erzählt wird, hat also durchaus seinen Reiz, allerdings handelt es sich bei ihr, wie wir am Ende herausfinden, um eine unzuverlässige Erzählerin, was leider einige Probleme mit sich bringt. Beginnt man erst mal an der geistigen Zurechnungsfähigkeit des Erzählers zu zweifeln, lassen sich auch die ausgefallensten Handlungselemente erklären, was aber wiederum schlecht auf den Autor abfärbt, der manches gar nicht oder nur dürftig erklärt, vermutlich mit der Begründung: Oh, es war vielleicht alles nur in ihrem Kopf! Spielchen dieser Art kennt man aus Werken wie Shutter Island, und ich persönlich war nie ein großer Freund solcher Geschichten. Insgesamt besitzt Florence & Giles eine Menge Qualitäten, doch die feine Ironie, der elegante Stil, die dichte Atmosphäre erweisen sich als unzureichend, wenn die Handlung nicht überzeugen kann, und gerade hier liegt die Achillesferse dieses Romans. John Harding orientiert sich an Henry James' Klassiker indem er offen lässt, ob sich die dargestellten Schrecken nur in der Fantasie seiner Protagonistin abspielen oder eine reale Grundlage haben. Aber diese Ambivalenz kann ebenso gut als Unentschlossenheit oder geistige Trägheit ausgelegt werden. Trotzdem kann ich mir vorstellen in Zukunft noch weitere Bücher des Autors zu lesen, immerhin versteht er es höchst stimmungsvoll und sprachlich auf höchstem Niveau zu schreiben.

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