Königin Esther zeigt einmal mehr, warum John Irving als einer der großen Erzähler der Gegenwart gilt. Seine Art, Figuren lebendig werden zu lassen und Geschichten miteinander zu verweben, ist auch in diesem Buch beeindruckend. Die Erzählkunst ist detailreich, emotional und gleichzeitig voller skurriler und menschlicher Momente – genau das macht den Roman trotz seiner Länge fesselnd.
Gerade dieser starke Schreibstil war für mich auch der Grund, das Buch nicht abzubrechen. Inhaltlich hatte ich vor allem bei Themen wie Abtreibung und Glauben eine ganz andere Haltung als Irving. Viele Ansichten und Darstellungen haben mich eher herausgefordert oder sogar frustriert, sodass ich mich teilweise zwingen musste weiterzulesen. Trotzdem schafft Irving es, die Figuren so glaubwürdig und komplex darzustellen, dass man wissen möchte, wie ihre Geschichten weitergehen.
Königin Esther ist daher für mich ein zwiespältiges Buch: inhaltlich oft schwierig und nicht immer mit meinen Überzeugungen vereinbar, sprachlich und erzählerisch aber auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Wer John Irving kennt, wird auch hier seine große Fähigkeit erkennen, komplexe Charaktere und emotionale Geschichten zu erschaffen.
























