John Irving Gottes Werk und Teufels Beitrag

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Inhaltsangabe zu „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ von John Irving

Homer ist anders als die anderen Kinder im Saint-Cloud´s Waisenhaus: Er will nicht weg. Nach vier gescheiterten Adoptionsversuchen erlaubt Dr. Larch ihm daher, zu bleiben – unter der Bedingung, daß er im Waisenhaus mit angeschlossener Entbindungs- und Abtreibungsstation bei »Gottes Werk« – dem Entbinden – und bei »Teufels Beitrag« – dem Abtreiben – assistiert. Doch das ist nur der Beginn von Homers Odyssee.

Ein absoluter Lesegenuss, dem ich einige kleine Längen verzeihen kann, denn die Geschichte ist einfach großartig.

— BluevanMeer

Eine wahrhaft einfühlsame und warme Geschichte. Ein Plädoyer für die Menschlichkeit. Zieht sich jedoch im ersten Drittel ein wenig.

— 0s0pard0

Großartige und vielschichtige Geschichte - ein (verdientes) Meisterwerk!!!

— kingofmusic

Irving weiss einfach wie man geschichten erzählt

— Gwenliest

Ich fand es nicht ganz leicht, das Buch zu lesen. Aber die Charaktere sind interessant. Man möchte erfahren, was sie bewegt.

— carathis

Ein typischer Irving mit all seinen Vorzügen, allerdings auch ein paar Längen.

— miro76

Roman voller Tragikomik, skurrilen und normalen Typen und einer großartigen Geschichte. Unbedingt lesen!

— PMelittaM

Starker Anfang und fast so starkes Ende, dazwischen aber viele Längen.

— Ginger_owlet

Absolut toll geschrieben mit teilweise sehr skurrilem Humor. Für meinen Geschmack ist das Buch aber etwas zu lang

— beyond_redemption

Irving ist ein Meister seines Faches - ein tolles Buch

— Yolande

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  • Eine sehr widersprüchliche Geschichte

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Skipperbast

    30. March 2017 um 11:27

    Wir erfahren die Geschichte von Dr Larch und Homer der in seiner Klinik aufwächst.Dr Larch hat eine Klinik für Geburten (Gottes Werk) aber auch für Abtreibungen (Teufels Beitrag). Dazu führt er ein Waisenhaus, da die Frauen, die in St. Clouds ihr Kind bekommen, sie diese nicht wollen und die dann ins Waisenhaus kommen. Homer jedoch kommt immer wieder von seinen Adoptivfamilien zurück und schlussendlich "adoptiert" Dr Larch ihn.Ich fand dieses Buch nicht gut, Es war minder ok.Das Gute daran war, dass es teilweise tiefgründig war.Doch leider überwiegt das negative, denn ich fand, es gab so viele Dinge die erwähnt werden, die rein gar nichts mit der Geschichte zu tun haben, bzw einfach nicht relevant sind. Das fand ich sehr nervig, vorallem waren es teilweise echt perverse Sachen, die für mich nichts für die Geschichte beigetragen hat. Ich fand es sehr schade, denn sonst hätte es echt eine tolle Geschichte werden können, über die Frage warum Abtreibungen gut schlecht sonstiges sind und wie das unsere Gesellschaft beeinflusst und verändert. Wem diese Punkte nicht stören, könnte es einem durchaus gefallen, ansonsten empfehle ich es eher nicht.

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    • 3
  • Prinzen von Maine - Könige Neuenglands

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    itwt69

    25. February 2017 um 14:24

    Ein höchst emotionales Werk um Gottes Werk und Teufeld Beitrag - Entbindung und Abtreibung. Der äthersüchtige Dr. Larch leitet das Waisenhaus in St. Clouds, neben Entbindungen ungewollter Kinder, die dann als Waisen dort aufwachsen, führt er auch Abtreibungen durch. Homer Wells, einer dieser Waisen, ist  durch unglückliche Umstände über das Adoptionsalter hinaus in St. Clouds geblieben und zum Assistenten Dr. Larchs geworden, doch eines Tages erscheint ein Paar, welches ihn mitnimmt. Dr. Larch hatte ihn immer als seinen Nachfolger gesehen - obwohl Homer strikt gegen Abtreibungen ist. Wird sich sein sehnlichster Wunsch erfüllen können, nachdem Homer selbst Vater geworden ist? Eine kontroverse Geschichte um ein sehr sensibles Thema. Sie hat alles was man sich wünschen kann, ist vielschichtig spannungsgeladen, nur die medizinischen Details von Teufels Werk fand ich abstoßend - deshalb "nur" 4 Sterne.

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  • Wer spielt Gott und wer ist der Teufel?

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    kingofmusic

    „Ich bin stehengeblieben, um die Traumbilder jener Tage vorübereilen zu lassen. Sie sind vorüber, und ich trete die Reise meiner Geschichte von neuem an.“ (S. 430) Wie soll man als Laienrezensent eine Rezension verfassen, die „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ von John Irving auch nur annähernd gerecht wird? Es wird einem (gefühlsmäßig) nicht gelingen. Dazu ist die Geschichte um Homer Wells, Dr. Wilbur Larch, Melody (um nur die wichtigsten Namen der „Hauptdarsteller“ zu nennen) zu komplex, zu sehr mit ungewöhnlichen Kniffen versehen, als dass man sie mit wenigen Worten beschreiben kann. Aber getreu dem Motto „Versuch macht kluch“ versuch ich´s an dieser Stelle trotzdem *g*. Das erste Zitat stammt nicht direkt aus „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, sondern aus einem weiteren Klassiker der Weltliteratur, der im Roman eine (wie ich finde) große Rolle spielt, nämlich „David Copperfield“ von Charles Dickens. Zwei weitere Klassiker tauchen immer wieder auf: „Große Erwartungen“ (ebenfalls von Charles Dickens) und „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte. Alle drei Romane werden den Waisenkindern in St. Cloud´s abwechselnd jeden Abend vorgelesen und als Gutenachtlektüre verwendet – exakt 20 Minuten lang :-). Als Leser hab ich auch immer Gänsepelle bekommen, wenn mal aus den erwähnten Büchern zitiert wurde. Okay, die Nennung von Literaturklassikern macht ein Buch noch lange nicht zum (modernen) Klassiker. Woran liegt es dann, dass „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ immer noch als einer der besten Romane von John Irving gilt? Ich glaube, zum einen liegt es an der skurrilen Art und Weise, wie John Irving ernste Themen unterhaltsam „zubereitet“. Eines der zentralen Themen dieses Romans ist das Recht der legalen Abtreibung. Man ist als Leser sozusagen hautnah bei mehreren dieser „Teufelsbeiträge“ dabei und erhält so nebenbei auch noch Einblicke in die (weibliche) Anatomie. Stets unterlegt mit schwarzem Humor kommt man auch bei tragikomischen Szenen nicht umhin zu lachen. Zum anderen lässt John Irving seine Figuren „natürlich wachsen“. So umspannt dieser Roman Homers Leben vom Kleinkind über die Pubertät und das Erwachsenwerden bis hin zum Punkt der Selbstfindung und seinem Platz in der Welt. Das nächste Zitat von Wilbur Larch unterstreicht diesen Ansatz der Geschichte: „Homer […], ich erinnere mich nicht an deine Mutter. Ich erinnere mich nicht einmal an dich, als du geboren warst; du wurdest erst später du.“ (S. 140) Tja, mehr kann ich beim besten Willen nicht über dieses Meisterwerk schreiben, außer dass ich es jedem, der ein Faible für anspruchsvolle (amerikanische) Literatur hat, ans Herz legen kann. In diesem Sinne:„Gute Nacht - ihr Prinzen von Maine, ihr Könige Neuenglands.“ „Am allerschwersten fällt es uns doch, hinzunehmen, daß das Verstreichen der Zeit die Menschen, die uns einmal am meisten bedeuteten, einhüllt in Gedankenstriche.“ (S. 636)

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    • 13
  • Lesehighlight

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    PMelittaM

    16. December 2016 um 20:19

    St. Cloud's ist ein Waisenhaus, in dem Dr. Wilbur Larch bereits seit Jahren wirkt. Larch ist nicht nur für die Kinder da, sondern auch für schwangere Frauen, als Gynäkologe entbindet er sie nicht nur und nimmt die Kinder, die in der Regel unerwünscht sind, direkt nach der Geburt in das Waisenhaus auf, sondern er hilft ihnen auch dabei, unerwünschte Kinder gar nicht erst auf die Welt zu bringen.Homer Wells ist eines der Kinder, die in St. Cloud's aufwachsen. Während viele der anderen Waisen im Laufe der Zeit adoptiert werden, klappt das bei Homer nicht. Eines Tages jedoch erhält auch Homer die Chance, St. Cloud's zu verlassen und er nutzt sie. Dennoch ist St. Cloud's seine Heimat, und so ganz wird er es nicht los.John Irving hat auch hier einen epischen Roman geschaffen, der seine Geschichte über Jahrzehnte hinweg erzählt. Der Leser begleitet nicht nur Homers Leben, sondern auch das Dr. Larchs, beginnend noch im 19. Jahrhundert. Besonders Larch ist ein interessanter Charakter, der nicht nur positive Züge trägt, der dem Leser aber dennoch ans Herz wächst. Letztlich erzählt der Roman aber vor allem Homers Leben, das durch Larch stark geprägt wird, der sich aber auch von diesem unabhängig machen kann. Wie bei Irving üblich, verlaufen beider Leben (und nicht nur ihre) tragikomisch. Überhaupt die Charaktere, sie wecken beim Leser allerhand Gefühle, auch, weil John Irving sie brillant charakterisiert, er lässt sie gleichsam lebendig werden, man sieht sie vor sich, man blickt in ihr Inneres und man kommt gar nicht umhin, sie zu mögen, oder auch nicht, und hin und wieder auch einmal seine Meinung über sie zu ändern. Mir persönlich hat neben Homer und Larch Melony (deren Name ein Schreibfehler ist, eigentlich sollte sie Melody heißen) gefallen, Melony, die ähnlich wie Homer im Waisenhaus übrig geblieben ist, die aber anders als er eine Wut auf die Welt in sich trägt. Für mich ist sie eine der verkanntesten Personen des Romans, ich kann sie ganz gut verstehen und bin der Meinung, dass sie ein gutes Herz hat, auch wenn das kaum einer sieht.Der Autor hat eine ganze Reihe unvergesslicher Typen entwickelt, die oftmals sehr skurril sind, teilweise aber auch ganz „normale“ Menschen. Alle bekommen eine Hintergrundgeschichte mit, was mich besonders anspricht.Nicht nur die Menschen, auch viele der Ereignisse sind recht skurril und haben immer wieder einen tragikomischen Touch. Das macht den Roman, auch wenn er hin und wieder kleine Längen hat, lebendig und interessant zu lesen. Auch mit der Thematik hat sich der Autor gut auseinandergesetzt, im Nachwort geht er auf bestimmte Textstellen ein und erklärt, woher er die Ideen hat oder auch, wie der historische Hintergrund dazu aussieht. Eine sehr gelungene Ergänzung, wie ich finde.Irving beherrscht es perfekt, Tragik und Humor miteinander zu verbinden und hat außerdem ein unglaubliches Erzähltalent, die Beschreibungen der Orte, der Personen und der Ereignisse sind detailliert, aber größtenteils auf den Punkt gebracht. Der Roman packt von Anfang an und lässt einen kaum noch los. Ich persönlich hatte zwar ein bisschen Probleme mit den letzten beiden Kapiteln, aber auch das kenne ich bei Irvings Romanen, er lässt Entwicklungen zu, die mir nicht behagen und die ich schwer akzeptieren kann, doch so ist das Leben und das macht den Roman ja nicht schlechter, im Gegenteil, es bringt einen zum Nachdenken und zum Noch-mehr-Mitempfinden. Neben den Lebensgeschichten fließt auch ein guter Teil Sozialkriitik mit ein, alleine durch die Frauen, die mit den ungewollten Kindern alleine gelassen wurden und sich manchmal nicht anders zu helfen wussten, als zu Quacksalbern zu gehen und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Man muss nicht pro Abtreibung sein, um diese Frauen oder auch Wilbur Larch zu verstehen.John Irving gehört für mich zu den Autoren, die jeder einmal gelesen haben sollte. Und wer eines seiner Bücher liest, wird wahrscheinlich auch Lust auf die anderen bekommen. Von mir erhält der Roman verdiente volle Punktzahl und natürlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Für mich ist er eines meiner Jahreslesehighlights,

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    • 9
  • Skurriler Humor vom Feinsten

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    beyond_redemption

    04. December 2016 um 19:27

    Das Buch handelt vom Leben des Waisenjungen Homer Wells und begleitet ihn vom Beginn seines Lebens bis in seine Vierziger. Obwohl mich die Themen Waisenjunge und Abtreibungen prinzipiell nicht so interessieren, ist das Buch eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Irving hat eine fantastische Art zu schreiben und schafft es trotz des schwierigen Themas immer wieder sehr skurrilen Humor und Zuversicht einfließen zu lassen. Trotzdem möchte ich dem Buch nur vier Sterne geben, weil es teilweise doch etwas langatmig war und Schlüsselszenen übersprungen wurden. Man erfährt als Leser z.B.  zweimal, dass die Protagonisten bald ein wichtiges Gespräch führen werden und auf der nächsten Seite muss man dann lesen, dass das Gespräch jetzt schon geführt wurde. Hier hätte ich mir etwas mehr Informationen über den Ablauf der Gespräche gewünscht. Auch wenn mir diese Dinge nicht so gut gefallen haben, wird es definitiv nicht das letzte Werk von Irving bleiben, das ich gelesen habe, denn sein Schreibstil macht Lust auf mehr.

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  • Ein Buch voller Hoffnung

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Yolande

    27. November 2016 um 09:26

    Es fällt mir wirklich schwer eine Rezension über das Buch zu schreiben, weil ich die Gefühle, die ich beim Lesen hatte, gar nicht richtig in Worte fassen kann. "Gottes Werk und Teufels Beitrag" ist ein wunderbares und positives Buch über das Leben. Irving beschreibt darin viele Probleme: z.B. Abtreibung, Alzheimer, Inzest, aber er tut dies auf eine Art und Weise, dass es nicht deprimierend wird. Mit viel schwarzem Humor werden Situationen geschildert, bei denen man sich normalerweise mit Grausen abwenden würde. Dabei wird aber nichts ins Lächerliche gezogen (außer den engstirnigen, spießigen Menschen, die nun einmal lächerlich sind). Man fühlt mit den Personen mit und kann sich gut in jeden einzelnen Standpunkt hineinversetzen, auch wenn diese völlig gegensätzlich sind. Es gibt kein schwarz oder weiß. Auf jeden Fall ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einen noch lange beschäftigt :). 

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    • 2
  • Schriftstellerische Kunst vom Feinsten

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Ambermoon

    17. November 2016 um 10:43

    Homer ist anders als die anderen Kinder im St. Cloud's Waisenhaus: Er will nicht weg. Nach vier gescheiterten Adoptionensversuchen erlaubt Dr. Larch ihm daher zu bleiben - unter der Bedingung, dass er im Waisenhaus mit angeschlossener Entbindung- und Abtreibunsstation bei "Gottes Werk", dem Entbinden, und bei "Teufels Beitrag", dem Abtreiben, assisitiert. Doch das ist nur der Beginn von Homers Odyssee....(Klappentext)                                      -----------------------------------------Dieser Roman enthält so Vieles, dass es fast unmöglich erscheint alles in eine aussagekräftige Rezension zu packen, geschweige denn damit diesem Werk gerecht zu werden.Es ist ein moderner Schelmenroman und zugleich eine herrlich altmodische Familiensaga von einem "Vater" wider Willen und seinem "Sohn", der eines Tages in die große Welt hinauszieht, versucht nicht mehr zurückzublicken, um nach langer Reise wieder zurückzukehren. Wenn man so will ein moderner Dickens.Diese Geschichte erstreckt sich über das späte 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.Irving ist auf jeden Fall Meister darin schwierige und abstoßende Themen direkt anzusprechen, dabei gesellschaftliche Grenzen überschreitet, dieser Gesellschaft den Spiegel vor die Nase hält und dadurch von manchen als geschmacklos und morbide empfunden werden könnte.Denn das große Thema dieses Romans ist die Legalisierung von Abtreibungen, Geburtenkontrolle und die Entscheidungsfreiheit der Frau. Eine Thematik, welche heute noch, im 21. Jahrhundert, für Diskussionen sorgt.Hier bedient sich Irving einer unverblümten Sprache. Der Leser wohnt mehrmals einer Geburt, sowie einer Abtreibung bei, mit und ohne Komplikationen. Für Zartbesaitete könnten daher so manche Passagen etwas am Magen kratzen. Ich persönlich fand es vom historischen und med. Standpunkt her mehr als nur interessant.Das zweite große Thema ist das Erwachsenwerden, seinen Weg in der Welt und somit sich selbst zu finden. Den Weg den jeder von uns beschritten hat und der keineswegs leicht ist. Dazwischen tauchen immer wieder Themen wie Alzheimer, häusliche Gewalt, eine Dreiecksbeziehung, Einfluß es 2. Weltkrieges auf die amerikanische Zivilbevölkerung und vieles mehr auf. Schwierige wie traurige Themen. Tja, die Welt und das Leben sind eben kein Ponyhof.Man möchte meinen, dass dieses Buch aufgrund des harten Stoffes nicht zu lesen ist, ohne in Depressionen zu verfallen, aber genau hier unterscheidet sich Irving von so vielen Autoren. Genau hier wird die schriftstellerische Kunst sichtbar.Der Schreibstil ist keineswegs schwer und drückend, sondern flüssig und angenehm. Der Erzählstil fesselnd und weist, trotz schwerer Kost, immer wieder eine gewisse Situationskomik auf. Dieser Roman ist durchzogen mit bissigem und schwarzem Humor und skurrilen Figuren. Ich habe selten so viel gelacht und geschmunzelt wie beim Lesen von diesem Buch. Manchmal mit etwas schlechtem Gewissen, da die Grundsituation alles andere als zu lachen war, aber man kann irgendwie nicht anders. Hier wechseln sich Tragik und Komödie gekonnt ab, sodass es für den Leser niemals langweilig oder unterträglich wird, sondern einem sogar noch zum Nachdenken anregt und das mit einem Schmunzeln im Gesicht.Dieser Roman enthält ebenso sehr viel Gefühl, Figuren die einem ans Herz wachsen und unglaublich viel Aussagekraft.Fazit:Ich bin einfach nur begeistert von diesem Werk, welches sehr harten Stoff als Thematik beinhaltet und mich trotzdem in seinen Bann zog.Die Mischung aus skurriler Situationskomik und der schweren Thematik, aus flüssig-lockerem Schreibstil und tief gehender Aussagekraft, gefühlvoll und unverblümt, hat mich schlichtweg umgehauen.Diese Kombinationen machen diesen Roman zu Recht zu einem modernen Klassiker, den jeder mal gelesen haben sollte. Denn DAS nenne ich schriftstellerische Kunst vom Feinsten.Daher gibt es von mir nichts anderes als eine absolute Leseempfehlung.Dies war bestimmt nicht mein letzter Irving!

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    • 18
  • An Detailreichtum unübertroffen

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Wortmagie

    Homer Wells ist anders als die anderen Kinder im Waisenhaus von St. Cloud’s, denn er möchte nicht fort. Er versuchte mehrfach, eine neue Familie und ein neues Zuhause zu finden – ohne Erfolg. So kommt es, dass der Leiter des Waisenhauses, Dr. Wilbur Larch, Homer erlaubt zu bleiben und ihn unter seine Fittiche nimmt. Dr. Larch lehrt Homer Gottes Werk und Teufels Beitrag: Entbindungen und Abtreibungen. Für viele Frauen ist St. Cloud’s der einzige Ort, an den sie gehen können, wenn sie ungewollt schwanger werden. Während Homer älter wird, beschleichen ihn jedoch Zweifel. Hat nicht auch ein Fötus eine Seele? Er weigert sich, selbst Abtreibungen vorzunehmen und hadert mit seinem scheinbar vorbestimmten Schicksal als Arzt, trotz seines unbestrittenen Talents. Als ein junges Paar St. Cloud’s besucht, ist Homers Chance auf eine andere Zukunft gekommen. Candy und Wally nehmen Homer mit sich auf die Apfelplantage Ocean View der Familie Worthington, wo er sich fortan als Hilfskraft verdingt. Hier, zwischen Äpfeln und verwirrenden Beziehungen, begreift Homer, dass das Leben sich nicht um Moralvorstellungen schert. Und dass er seiner Bestimmung nicht entkommen kann. Das ist es also, das große Werk von John Irving. Ich denke, ich habe selten ein Buch gelesen, das „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ an Detailreichtum übertrifft. Ich halte diese Eigenschaft des Romans sowohl für seine größte Stärke als auch für seine größte Schwäche zugleich. John Irving ist ein Schriftsteller, der jeder einzelnen Figur seiner Geschichte eine eigenständige, individuelle Biografie zugesteht und sich für jeden dieser Werdegänge brennend interessiert. Auf diese Weise entsteht ein dichtes Geflecht persönlicher Schicksale, die mal außergewöhnlich, mal durchschnittlich sind und faszinierend ineinander greifen und mit einander interagieren. Die Beziehungen seines Romans sind skurril und zum Teil wahrhaft ungesund, nichtsdestotrotz aber realistisch. Während des Lesens fiel es mir gar nicht so auf, doch jetzt im Nachhinein bin ich überzeugt, dass Kommunikation eines der Schlüsselthemen ist. All die Dinge, die nicht gesagt werden – aus Stolz, aus Angst, aus Rücksicht, aus der verdrehten Vorstellung heraus, dass es sich ethisch oder moralisch nicht schickt. Seine moralischen Vorstellungen und Ansprüche sind die größten Hindernisse, die Homer im Weg zu einem glücklichen Leben stehen. Dadurch zwingt er seine Gefühle in ein enges, straffes Korsett, das es ihm verbietet, mit der Frau zusammen zu sein, die er liebt und das ihn daran hindert, seine wahre Bestimmung zu akzeptieren: ein Leben als Arzt, der ungewollt schwangeren Frauen die Möglichkeit zur Entscheidung schenkt, obwohl es illegal ist. Irving outet sich in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ unmissverständlich als Befürworter von Abtreibungen und meines Erachtens nach argumentiert er durch die Figur des Dr. Larch lückenlos. Ungewollte Schwangerschaften führen zu ungewollten Kindern, die zu Waisenkindern werden. Manchmal ist eine Abtreibung die beste Option für alle Beteiligten. Nehmen wir als Beispiel Melony, die gemeinsam mit Homer in St. Cloud’s aufwächst, aber einen völlig anderen Weg einschlägt und mit ihrer harten, spröden Art einen scharfen Kontrast zu seinem sanften, nachdenklichen Wesen darstellt. Schon als Kind ist sie verbittert, permanent zornig und überzeugt, dass das Leben niemals etwas Gutes für sie bereithalten wird. Sie war niemals unschuldig, weil sie zu früh grausam enttäuscht wurde. Es mag zynisch klingen, doch hätte ihre Mutter eine Abtreibung in Betracht ziehen können; wäre Melony niemals geboren worden, hätte sie auch nie all den Hass, all den Schmerz und das Leid ertragen müssen. Melony ist von Beginn an eine Einzelgängerin, unfähig, anderen zu vertrauen und überwindet ihren Zorn ihr ganzes Leben lang nicht. Ich könnte stundenlang über sie schreiben, weil sie – wenn auch zutiefst unsympathisch – wahnsinnig kompliziert ist. Eine Analyse von Irvings Charakteren könnte wohl ein gesamtes Buch füllen – das ändert jedoch nichts daran, dass ich mit ihnen allen so meine Probleme hatte. Ich mochte niemanden so richtig, weil sie alle grenzwertige Entscheidungen treffen, doch ich denke, das spielt gar keine Rolle. Irving versucht nicht, den ersten Preis für Sympathie zu gewinnen, sondern zeichnet Figuren, die facettenreich und lebensnah sind. Natürlich hat mich das beeindruckt, allerdings erwähnte ich ja bereits, dass der Detailreichtum seines Schreibstils durchaus auch einen negativen Aspekt für mich hatte. Irving schwafelt. Er ergeht sich in Kleinigkeiten und kommt nicht zielgerichtet genug auf den Punkt. Ich halte ihn für einen tollen Schriftsteller, bin als Leserin jedoch eher ein gradliniger Typ. Ich hätte die unzähligen Schnörkel aus den Leben von Nebenfiguren nicht gebraucht, um mich für die Geschichte begeistern zu können. So erforderte es zu viel Geduld und Durchhaltevermögen, um mich uneingeschränkt darin wohl zu fühlen. „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist gleichermaßen Gesellschaftskritik wie Dokumentation des Lebens. Ich kann verstehen, warum John Irving von vielen LeserInnen leidenschaftlich verehrt wird, da er mutig und sensibel Tabuthemen anspricht, einen feinsinnigen, subtilen, oftmals tragikomischen Humor vermittelt und darüber hinaus meisterhaft facettenreiche Charaktere gestaltet. Trotz dessen bin ich mir noch nicht sicher, ob er tatsächlich der richtige Autor für mich ist. Ich werde wohl noch mindestens ein weiteres Buch von ihm lesen müssen, bevor ich das entscheiden kann. Ich kann „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ durchaus empfehlen, weil es wirklich brillant konstruiert ist und es zu den Werken gehört, die man einfach mal gelesen haben sollte. Ihr solltet jedoch darauf vorbereitet sein, dass John Irving äußerst detailverliebt schreibt und ihr weit mehr über seine Figuren erfahren werdet, als ihr vielleicht erwartet habt.

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    • 2
  • Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Traeumerin109

    13. June 2016 um 21:39

    Im Waisenhaus in St. Cloud´s werden nicht nur heimatlose, ungewollte Kinder aufgenommen, sondern auch illegale Abtreibungen durchgeführt. Der Leiter der Einrichtung, Doktor Wilbur Larch glaubt fest an Gottes Werk, wie er es nennt. In der Hoffnung auf einen würdigen Nachfolger in seiner Mission, versucht er diese Haltung auch Homer Wells, einer der Waisen, der ihm besonders ans Herz gewachsen ist, zu vermitteln. Dieser jedoch verlässt das Waisenhaus und hat von nun an mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Auf einer Apfelplantage baut er sich ein ansehnliches Leben auf, was jedoch geprägt ist von Lügen und einer unbestimmten Sehnsucht nach St. Cloud´s. Erst spät merkt er, dass er wohl nie von diesem Ort loskommen wird. John Irving ist für mich ein absolut genialer Autor. In seinen Büchern finde ich eine unglaubliche Sprachgewalt wieder, die es ihm ermöglicht, scheinbar nebenbei über all das zu schreiben, was uns im Innersten bewegt, wirklich bewegt, unser ganzes Leben lang. Das ist eine seltene Kunst, und sie bringt solche beeindruckenden Geschichten hervor, die mir jedes Mal noch eine Weile nachhängen. So auch in diesem Fall: Homer Wells, Wilbur Larch und all die anderen sind mir schnell ans Herz gewachsen mit ihren Besonderheiten, Macken und ihrem Versuch, in dieser Welt einen Platz zu finden. Das ist genau wie im richtigen Leben nicht einfach und auf der Suche kann es passieren, dass wir andere verletzen. Sehr menschlich werden hier Schwächen und Versagen aufgedeckt, ohne im Geringsten darüber zu urteilen. Das zentrale Thema, das sich durch das ganze Buch zieht, ist das der Abtreibung, die im wahrsten Sinn des Wortes über ganze Leben entscheidet. In unserer heutigen Gesellschaft zwar nicht mehr geächtet, eher geduldet und hier und da leicht missbilligt, ist es immer noch eine hochaktuelle und heiß diskutierte Frage: Inwiefern spielen wir Gott, wenn wir entscheiden, wann ein Leben lebenswert ist? „Richtig“, würde Homer jetzt sagen. Wie die meisten anderen Menschen habe ich auf diese Frage scheinbar eine relativ klare Antwort und dennoch mahnt dieses Buch mich wieder um Verständnis für andere Ansichten. Denn worum geht es eigentlich in unserem Leben? Wir selbst entscheiden, wohin der Weg führt, und es steht uns genauso frei, unseren Weg einzuschlagen, wie anderen Menschen, den ihren zu wählen. Dazu kommt auch eine äußerst feinfühlig verflochtene Geschichte um eine Gruppe von Menschen, die wir jahrelang begleiten: Besonders ans Herz gewachsen ist mir Melony, seit ihrer Geburt ein wütendes Mädchen, das aber auch eine große Hingabe beweist. Ich kann nicht anders, als die unterschiedlichen Charaktere zu bewundern, die nur mit einer hinreichenden Kenntnis des menschlichen Innenlebens und einer gehörigen Portion Humor so skizziert werden können wie sie eben sind. Ganz großes Kino oder eben ganz große Literatur! Fünf Sterne sind das mindeste, was ich diesem Buch geben kann.

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  • Rezension zu "Gottes Werk und Teufels Beitrag"

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    ElkeK

    16. February 2016 um 13:45

    Inhaltsangabe: Homer Wells ist eine Waise und er wächst mit vielen anderen Kindern im Waisenhaus von St. Cloud’s in Maine auf. Drei Paare haben versucht, ihn zu adoptieren, aber er kommt immer wieder „nach Hause“. Dr. Larch und die Schwestern Angela und Edna ziehen Homer groß. Sie bemerken sehr schnell, das er einfach nach St. Cloud’s gehört und somit ist er nicht nur ein Waisenkind, sondern fast der Sohn für Dr. Larch. Der Arzt ist nicht nur asexuell, sondern auch noch äthersüchtig und nie um eine Ausrede oder Lüge verlegen. Dr. Larch hilft in dem Waisenhaus jedoch nicht nur Kindern auf die Welt, sondern führt auch unentgeltlich und illegal Abtreibungen durch. Er unterweist Homer in die Geburtstechniken und zeigt ihm auch, wie eine Abtreibung vorgenommen wird. Dennoch lehnt Homer es strikt ab, weil er der Meinung ist, das es bereits ein Leben ist. Selbst als Erwachsener lebt Homer noch in St. Cloud’s, als er Wally und Candy kennen lernt. Candy läßt in St. Cloud’s eine Abtreibung vornehmen. Homer verliebt sich in sie und ist bereit, in die Welt hinaus zu gehen. Er hilft auf der Apfelfarm von Wally und lernt sehr viele Dinge über das Leben und über die Liebe. Und seine Devise heißt stets abwarten! Wally geht freiwillig zur Armee und wird in den zweiten Weltkrieg geschickt. Als alle glaubten, Wally wäre tod, trösten Candy und Homer sich, was auch nicht ohne Folgen bleibt. Schließlich bekommen sie das Kind – „Angel“ und dann trifft plötzlich die Nachricht ein, das Wally doch noch lebt. Und wieder heißt es für Homer „abwarten“. Er braucht ziemlich lange, um zu merken, wo er wirklich hingehört. Mein Fazit: Dieser Irving lag mir etwas schwerer auf dem Magen. Der Anfang und das Ende des Buches sind klasse, ganz nach Irving mit seinen Irrungen und Wirrungen (und irgendwie laufen alle Fäden auch da zusammen … in den Wirrungen). Die Mitte des Buches wurde meiner Meinung nach zu weit ausgeschmückt. Das hätte ruhig um ein paar Seiten gekürzt werden können. Dennoch habe ich stellenweise lachen müssen, wie der Autor skurile Situationen beschrieb oder den Personen einfach verschrobene Charakterzüge gab. Es ist wirklich ein Wunder, das man da nicht durcheinander kommt. Einfach herrlich. So etwas kann auch nur Irving, der den Leser in eine ganz andere Welt entführt. Dabei hat er sich nie angemaßt, irgendetwas zu beurteilen. Er stellte die Dinge einfach dar und das so köstlich einfach. Ich freue mich auf den nächsten Irving, den ich hoffentlich bald lesen werde. Anmerkung: Die Rezension stammt von Januar 2007.

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  • Absolut fesselnd

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    AnjaFrieda

    Ich hab das Buch auf einem Flohmarkt gefunden und es lange im Regal stehen gelassen, bis ich mich ran getraut habe. Aber dann konnte ich es kaum aus der Hand legen. Im englischen Original heißt das Buch übrigens: The Cider House Rules. Dieser Titel würde sicher besser passen, aber deutsche Titel ist auch nicht so ganz daneben. Das Buch wurde bereits verfilmt und gibt einen kleinen Ausschnitt aus dem Buch wider. Ich habe den Film gesehen und finde ihn gut gelungen, auch wenn die Handlung hier und da abweicht. Der Grundgedanke ist stimmig. Es geht in erster Linie um ein Waisenhaus in Maine, St. Cloud´s, mit seinen besonderen Bewohnern. Der Leiter der Anstalt, Dr. Wilbur Larch, seine zwei Krankenschwestern - von denen eine in ihn verliebt ist - und natürlich die Waisen. Jede hat seine eigene Geschichte. In diesem Buch wird die Geschichte der Abtreibung behandelt. Wer mit sowas Probleme hat, sollte es also nicht lesen. Irving beschreibt den medizinischen Vorgang an sich schon sehr detailreich. Aber schlimmer sind die Abtreibungen, die schief gegangen sind. Die, die in schmutzigen Hinterzimmern irgendwelcher Spelunken stattfinden und die dann oft mit dem Tod durch Verbluten enden. Für zartbesaitete könnte das wohl etwas viel sein. Das Buch ist gegliedert in 11 Kapitel, teilweise macht er große Zeitsprünge und erklärt dann im neuen Kapitel was in der Zwischenzeit passiert ist. Anfangs wird sehr ausführlich der Werdegang von Dr. Wilbur Larch erzählt. Das ist zum einen wichtig, weil man dadurch verstehen lernt, warum der Dr. Abtreibungen durchführt, obwohl sie verboten sind, zum anderen, weil man Dr. Larch wirklich zu schätzen lernt. Auch wenn er dem Äther mehr als zuträglich ist. Es dauert beinahe 100 Seiten bis seine Geschichte erzählt ist. Aber langweilig wird einem nicht. Dr. Larch setzt sich mit Herz und Verstand für die Frauenrechte ein. Für ihn ist alles "Gottes Werk". Er stellt alle Frauen, die zu ihm ins Waisenhaus kommen vor die Wahl, ob sie lieber eine Abtreibung oder eine Waise haben wollen. Denn es ist klar für ihn, dass das Kind, sollte es ausgetragen werden, im Waisenhaus landen würde. Was ist also besser für das Kind? "Hier in St. Cloud´s haben wir nur ein Problem, und sein Name ist Homer Wells." Homer Wells ist ein Waisenjunge, der irgendwie nicht adoptiert werden kann. Irgendwelche unvorhergesehenen Ereignisse lassen jeden Adoptivversuch scheitern. Die sind zum einen sehr witzig, weil sie so grotesk sind, dass man sich fragt, ob das wirklich passieren könnte, auf der anderen Seite, aber doch sehr tragisch. Im allgemeinen schreibt Irving einen schmalen Grad zwischen realem Leben und totaler Absurdität. Weil Homer nicht vom Waisenhaus wegkommt, wird er kurzerhand Dr. Larchs Assistent, der ihm alles über Geburtshilfe und auch Abtreibung lehrt. Bis Homer für sich feststellt, dass auch ein Fötus eine Seele hat. "Wir haben Homer Wells an die Welt verloren." Und dann eines Tages geht er doch weg von St. Cloud´s. Auf der einen Seite findet Dr. Larch das sehr bedrückend, auf der anderen steht seine Meinung, dass der Junge unbedingt seine eigenen Erfahrungen sammeln muss, fest. Er unterstützt ihn, tut aber alles, um die Rückkehr vorzubereiten. Und das tut er sehr genau. Denn er ist sicher, dass Homer eines Tages wieder zurückkehrt. Schließlich gehört er zu St. Cloud´s. In der Zwischenzeit allerdings erlebt Homer ein anderes Leben auf einer Apfelplantage. Alles in Allem geht es in diesem Buch um so viele Dinge, dass sich eine detaillierte Inhaltsangabe kaum machen lässt. Aber hauptsächlich ist eine Geschichte über die Liebe. Über die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Über die Liebe zu einem besten Freund und zu seiner großen Liebe. Und über die Liebe zu den Menschen. Über den Wert des Einzelnen. Das Recht selbst entscheiden zu dürfen, wohin einen das Herz trägt. Vor dem Hintergrund einer moralisch doppelzüngigen Gesellschaft, in der Frauen vergewaltigt werden dürfen, aber eine Abtreibung des daraus entstandenen Kindes, verboten wird. Irving hat eine Sprache, mit der ich sehr gut zurecht komme und die mir absolut gefällt. Er geht tief ins Detail, aber gerade das ist es, was diese Geschichte ausmacht. Da sind Schachtelsätze mit zahllosen Bindestrichen und Kommas keine Seltenheit. Durch seine klare Sprache versteht man das aber sehr gut und kann alles ohne Probleme nachvollziehen - jedenfalls hatte ich keine Schwierigkeiten damit. Jede wichtige Person in diesem ausführlich beschrieben. Und das ist wichtig, weil man auf diese Weise die Charaktere besser nachvollziehen kann. 

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  • Immer wieder toll

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Samaire

    Homer Wells wächst im Waisenhaus St. Clouds auf. Als es mit einer Adoption nicht klappt beschließt der Arzt des Hauses, dass Homer sich "nützlich machen" müsse und unterweist ihn in der Medizin - sowohl in Geburtstechnik, als auch in der damals noch verbotenen Kunst der Abtreibung. Als Homer älter wird und eine besondere Patientin im Waisenhaus auftaucht, verlässt Homer sein Heim, um die Welt kennenzulernen. Es beginnt eine Reise, die ihn zu sich selbst und seinem eigenen Weg führt sich "nützlich zu machen". Ich habe "Gottes Werk und Teufels Beitrag" bereits einmal gelesen und dachte jahrelang, ich sollte noch einmal zurückgehen. Zurück zu Homer und Dr. Larch und ihrer besonderen Beziehung. Ich habe es nicht bereut. Das Buch ist in jedem Falle ein klassischer Irving (es gibt die immer starke Frauenrolle in Form von Melody, eine Eltern-Kind Beziehung der besonderen Art zwischen Homer und Dr. Larch und natürlich Maine), wunderschön geschrieben und sehr, sehr berührend. Über Jahre begleitet man Homer dabei, wie er versucht seinen Platz in der Welt zu finden, nur um am Ende festzustellen, dass er diesen bereits gefunden hatte. Man lacht und weint und fühlt mit ihm auf jeder einzelnen Seite. Ich als großer Irving Fan kann dieses Buch nur wärmstens weiterempfehlen. Lesen und sich verlieben. Verlieben in all die Details in all das, was dieses Buch zu einem Irving macht. Und am Ende, am Ende fühlt man sich selbst ein bisschen wie ein Prinz von Maine, ein König von Neuengland. 

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  • Ein Meisterwerk moderner Literatur

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    FrieGro

    04. September 2015 um 10:53

    Sprachlich und philosophisch ganz weit vorne, ich kann dieses Buch immer wieder lesen.

  • Irvings bester Roman!

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Leselotte61

    14. April 2015 um 12:07

    Ich habe fast alles von John Irving gelesen - aber dieses Buch hat mich besonders berührt. Es breitet eine ganze Welt aus und man ist traurig, wenn man diese Welt verlassen muss. Obwohl die Themen Abtreibung und Waisenkinder zunächst sperrig klingen, ist es ein einfühlsamer, humorvoller und trauriger Roman zugleich.

  • Wie immer bei Irving: Man braucht Zeit um "warm zu werden", aber dann...

    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Carlali

    10. February 2015 um 12:26

    Homer Wells wächst in einem Waisenhaus auf. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein gewöhnliches Waisenhaus, denn es ist angeschlossen an eine Klinik. In Dieser Klinik können Frauen Kinder bekommen (Gottes werk) oder Abtreibungen vornehmen lassen (Teufels Beitrag).  Leiter dieser Einrichtungen ist Dr. Larch, welcher Homer nach zahlreichen gescheiterten Adoptionsversuchen zu seinem Assistenten ausbildet.  Doch damit beginnt erst die Reise des Homer Wells...   Rezension: Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Jungen vom Säuglingsalter bis hin zum erwachsenen Mann. Mir ist Homer und auch alle im Buch erscheinenden Charaktere sehr ans Herz gewachsen. Nach 848 Seiten hatte ich fast das Gefühl als würden sie in der Nachbarschaft wohnen. Dabei ist John Irving ein großer Geschichtenerzähler. Er berichtet detailliert von Alltagsbegebenheiten und der Vergangenheit und Zukunft jeder Person und lässt den Leser somit noch intensiver teilhaben. Dies mag zu Beginn ungewohnt sein und manchmal mag man sich fragen "hätte er das nicht kürzer fassen können", aber wenn man sich einmal an diese Erzählweise gewöhnt hat dann ist es unheimlich schön und vielschichtig. Gerade Homer und Dr. Larch sind zwei unheimlich liebenswerte Personen, welche ich nach dem Buch gerne persönlich kennengelernt hätte. Auch die Themen dieses Buches wie zB. Abtreibungen, illegale anonyme Geburten bis hin zum Kindesmissbrauch sind bis heute noch aktuell. Ich würde Ihnen dieses Buch wärmstens empfehlen. Gerade die Figuren machen diese Geschichte zu etwas ganz besonderem. Ein Juwel der Erzählkunst und eine Geschichte die einen nachdenken lässt über die Frage was richtig und was falsch ist.

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