Letzte Nacht in Twisted River

von John Irving 
4,0 Sterne bei183 Bewertungen
Letzte Nacht in Twisted River
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Positiv (139):
Mrs_Nanny_Oggs avatar

Der Roman verläuft wie ein Twisted River - er durchläuft wild rauschend Höhen und Tiefen von zwei Menschen und reißt seine Leser mit.

Kritisch (14):
Binemauss avatar

der erste Irving, der mich trotz mehrerer Versuche nicht in der Geschichte halten konnte. sehr schade, denn sein Stil ist unübertroffen

Alle 183 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Letzte Nacht in Twisted River"

Die Odyssee eines Kochs und seines Sohns durch New Hampshire und halb Amerika, ausgelöst durch eine tragische Verwechslung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257240993
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:736 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:24.01.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    Mrs_Nanny_Oggs avatar
    Mrs_Nanny_Oggvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Der Roman verläuft wie ein Twisted River - er durchläuft wild rauschend Höhen und Tiefen von zwei Menschen und reißt seine Leser mit.
    Von Bären, Unfällen und Schriftstellern - ach ja, ein Irving!

    Dieses Buch hat mich - ich muss es zugeben - am Anfang ein wenig herausgefordert. Es erschien mir zu langatmig, zu abschweifend, ich wollte endlich, dass die Erzählung konkret wurde, auf den Punkt kam, was - verflixt nochmal? - will John Irving denn diesmal erzählen?
    Doch das Durchhalten wurde belohnt, mehrfach. Denn all die kleinen Geschichten und Motive, die am Anfang auf vielleicht etwas umständliche Art erzählt und erwähnt wurden, gewannen im Verlauf der Geschichte an Bedeutung. Besonders berührend fand ich, dass der erste Satz der Geschichte auch der letzte der.

    Worum geht es diesmal?
    Wer schon mehr von John Irving gelesen hat, weiß, dass er oft mit den Motiven Bär, Schriftsteller und unvorhersehbare, aber doch vorausgesagte Unfälle arbeitet. Auch diesmal sind diese Motive vorhanden. Es wird die Reise eines ganzen Lebens von Vater und Sohn beschrieben.
    Hier die absolute Kurzfassung:
    Alleinerziehender Vater lebt mit 12jährigen Sohn als Koch in einem Holzfällercamp, Der Sohn verwechselt die Geliebte des Vaters mit einem Bären und erschlägt sie. Darauf treten die beiden eine lebenslange Flucht vor dem anderen Liebhaber der Getöteten an. Unterstützt werden sie dabei von einem fluchenden, aber herzensguten Holzfäller namens Ketchum.

    Es ist eine wirklich lange Reise über viele Stationen, die quer durch Nordamerika und Kanada führt. Immer wieder bauen sich die beiden ein Leben auf, ab und an begleitet von Frauen. Der Vater ist passionierter Koch, der Sohn wird ein hervorragender Schriftsteller. Immer wieder kommt ihnen der Verfolger auf die Spur, trotz zahlreicher Namenwechsel.
    Dieses Buch ist gewaltig, wie die Wassermassen eines Flusses. Es reißt mit und ist manchmal in seiner Kraft nicht zu fassen, auszuhalten, so sehr fiebert man mit den Protagonisten mit. Man leidet und freut sich, wie das eben so ist, im Laufe eines langen Lebens.

    Lasst euch von dieser Geschichte, diesem lebenslangen Abenteuer, mitreißen!

    Kommentare: 1
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    Sariis avatar
    Sariivor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend mit vielen unvorhersehbaren Entwicklungen!
    Eine nervenaufreibende Geschichte

    „Der junge Kanadier […] er hatte zu lange gewartet“
    Dieser Satz führt den Leser in die spannende und nervenaufreibende Geschichte von drei Männern bzw. einem Jungen zur Zeit der Holzfäller in New Hampshire um 1954 ein. Der Vater, ein Koch, und der Sohn sind eng mit dem bunten Vogel Ketchum befreundet, jedoch spürt Danny, der Junge, dass die Freundschaft der Erwachsenen ein Geheimnis verbirgt. Jedoch müssen Vater und Sohn nach einem Unfall plötzlich fliehen und Ketchum zurücklassen. Dieser verhilft den Beiden zur Flucht und kümmert sich auch in der Ferne weiterhin um sie. Danny und sein Vater sind gezwungen sich ein neues Leben aufzubauen, jedoch müssen sie aufgrund ihres düsteren Unfalls mehrmals den Wohnort wechseln und scheinen nicht zur Ruhe zu kommen. Der Leser wird somit auf deren Reise mitgenommen, erlebt das Erwachsenwerden des Jungens und auch die verschiedenen Lebensphasen aller Beteiligten. Fraglich ist nur, ob die Protagonisten jemals zur Ruhe kommen und alle Geheimnisse gelüftet werden können?!
    Neben der Geschichte ist besonders die komplexe und außergewöhnliche Gestaltung der Charaktere hervorzuheben. Diese wirken sehr real, da sowohl positive als auch negative Charakterzüge thematisiert werden und auch deren Beschreibung sehr detailliert ist. Aufgrund dieser Beschreibung und der authentischen Erzählweise des Autors fühlt man sich als Teil der Familie und erlebt deren Höhen und Tiefen intensiv mit. Hinzukommt, dass auch das Schreiben, Erzählen und Autor sein selbst einen großen Raum im Roman einnimmt, was ich persönlich sehr interessant fand. Besonders gut ist auch die erzählerische Gestaltung des Endes gelungen. 
    Für mich durchweg ein gelungener und spannender Roman. 

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    CarolinLuisaMarias avatar
    CarolinLuisaMariavor 2 Jahren
    Solider Irving

    Es mag vielleicht nicht sein bestes Buch sein, aber es ist auf jeden Fall - vor allem für Fans seiner anderen Bücher - sehr lesenswert.

    Was mir besonders an seinen Büchern gefällt, ist der lange Handlungsspielraum. Meistens begleiten seine Erzählungen die Charaktere vom Kindesalter bis (fast) zum Ende ihres Lebens. So passiert es auch hier.
    In "Letzte Nacht in Tiwsted River" wird das zunächst wenig spannende Leben der beiden Baciagalupos durch eine Reihe absurder Zufälle gehörig auf den Kopf gestellt. Der Leser begleitet die beiden daraufhin auf ihrer Flucht quer durch den östlichen Teil Nordamerikas. Die Handlung entwickelt sich meistens spannend oder zumindest interessant, wenn auch mit kleinen Längen zwischendrin (vor allem kurz vor Ende). Das Ende selbst hat mir persönlich sehr gut gefallen, da es die Geschichte perfekt abgerundet.

    Die Charaktere, die die Geschichte interessant machen sind meiner Meinung nach nicht Danny und Cookie selbst, sondern vor allem der Holzfäller Ketchum, dessen Figur erstaunlich tiefgehend ist, sowie einige der zahlreichen Nebencharaktere, u. A. Indianer-Jane, die korpulente Tellerwäscherin, die chinesischen Brüder mit ihren Weisheiten und Lady Sky, die Unbekannte, die aus dem Himmel stürzt.

    Alles in Allem ein typischer Irving (bei dem natürlich die Bären, das Ringen und der Schriftsteller nicht fehlen dürfen) der beim Lesen Freude bereitet und den man trotz der Dicke des Buches sehr schnell verschlingen kann.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine wundervolle Geschichte über alleinerziehende Väter, Bären und eine Welt voller Unfälle
    Letzte Nacht in Twisted River - John Irving

    Nach "Das Hotel New Hempshire" ist dies der zweite Roman von John Irving den ich gelesen habe. Dabei fallen mir ein paar Gemeinsamkeiten auf:

    1. Die wichtige Rolle zweier Bären

    2. Das sich Jagen unwahrscheinlicher Unglücke


    Es gibt sicherlich mehr, so spielen beide Romane zum Teil in New Hempshire, aber eigentlich sind das alles Belanglosigkeiten.

    Viel wichtiger, trotz all ihrer Absurdität sind beide Romane irgendwie wundervoll. Noch wichtiger, zumindest ich muss um diese Bücher zu lesen dafür in der Richtigen Stimmung sein, ansonsten fände ich sie wahrscheinlich schwer zugänglich und langweilig. So sind sie tragisch komischer Zeitvertreib.

    Letzte Nacht in Twisted River handelt von alleinerziehenden Vätern, von Beziehungen und dem Wunsch aller Eltern ihre Kinder so lange wie möglich vor der Welt zu beschützen. Manchmal funktioniert das, viel häufiger nicht.

    Dabei hat dieser Roman noch einen netten Kniff im letzten Kapitel, der sich davor schon anbahnt und mir sehr gut gefallen hat. Auch die Verwendung der Kapitelüberschriften, die den Fokus immer auf einen besonderen Aspekt des Kapitels lenken, treffen voll meinen Geschmack.

    Für mich ein wundervolles Buch.

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 3 Jahren
    Von der Notwendigkeit nicht aufzugeben, auch wenn es deine Feinde ebenfalls nicht tun

    Dominic Baciagalupo sorgt mit seinen Kochkünsten in den Wäldern von New Hampshire für das leibliche Wohl der Männer und Frauen im Flößer- und Holzfällercamp. Im beengten Kochhaus lebt er mit seinem 12-jährigen Sohn Danny, den er mit gutem Essen und väterlicher Fürsorge im rauhen Gefüge zwischen Mensch und Natur erzieht. Als der kleine Danny eines Nachts im Dunkeln die Geliebte seines Vaters mit einem Bären verwechselt, ist der Tod nicht das erste Mal zu Besuch bei ihnen, aber dieses Mal müssen Dominic und Danny um ihr Leben fürchten, denn der brutale Dorfpolizist wird die Schmach des Gehörnten nicht auf sich sitzen lassen.

    Auf ihrer Flucht begleitet Dominic und Danny jedoch nicht nur die stetige Angst vor Constable Carls Rache, sie lernen auch viele neue Küchen und Restaurants, schmackhafte Rezepturen und besondere Menschen kennen. Und immer bleibt da der Kontakt zum bärbeißigen Holzfäller Ketchum, der die Stellung in Twisted River hält, weil das Leben in der Stadt ihm sowieso nicht gefällt und er Constable Carl so besser unter Beobachtung halten kann.

    Eine Geschichte um alleinerziehende Väter und ihre Söhne, um mächtig große Frauen und ihre Stärken und Schwächen. Es wird ein wenig im Wettkampf und viel mit dem Leben gerungen, es wird gekocht, gegessen, geliebt, gehasst, es wird geflüchtet und getötet. Irving erzählt von wichtigen Vorbildern, echten Freunden, vielen Engeln und den tiefverwurzelten Ängsten geliebte Menschen zu verlieren, und es geht um die Schriftstellerei und um John Irving selbst. Letzte Nacht in Twisted River erscheint mir ein sehr persönlicher Roman zu sein, ein Rückblick auf ein Werk, aber auch auf ein Leben. Aber jedes Ende ist der Beginn von etwas Neuem und so darf nicht nur Danny Baciagalupo am Ende die Hoffnung auf das große Abenteuer seines Lebens äußern, auch die Irving Gemeinde darf sich auf alles Weitere freuen.

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    littleowls avatar
    littleowlvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Roman, bei dem man sich wünscht er möge niemals enden.
    Rezension zu "Letzte Nacht in Twisted River"

    Inhalt:

    Die Geschichte beginnt Mitte der 1950er Jahre in einem Holzfällercamp in New Hampshire. Dort wohnt der 12-jährige Danny zusammen mit seinem Vater Dominic, der im Camp als Koch arbeitet. Die beiden haben sich eine behagliche Existenz aufgebaut, doch ein tragisches Ereignis zwingt sie zur Flucht: Im Dunkeln verwechselt Danny die Geliebte seines Vaters mit einem Bären und erschlägt sie. Von diesem Moment an ist ihnen Janes Mann, der gewalttätige Dorfpolizist, auf den Fersen. Ihr Verfolger zwingt Danny und seinen Vater die nächsten 50 Jahre zu einer wahren Odyssee. Von New Hampshire aus geht es nach Boston, Vermont, Iowa und schließlich Kanada. Während dieser Zeit durchleben beide die Höhen und Tiefen, die das Erwachsen- und Älterwerden nun mal mit sich bringen. Dominic ist in Küchen zuhause, egal, wo er gerade lebt, und Danny steigt zum Bestsellerautor auf. Die einzige echte Konstante in ihrem Leben ist Dominics alter Freund aus New Hampshire, der Holzfäller Ketchum.

    Schreibstil:

    Wie alle Romane von John Irving ist auch dieser ein ziemlicher Wälzer, aber zum Glück angenehm zu lesen. Irving hat irgendwie eine sehr ruhige, unaufgeregte Art zu erzählen. Dadurch entwickelt die Geschichte eine echte Sogwirkung. Man verliert sich ganz in dem Roman und die Seiten fliegen nur so dahin. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und es gibt viele Zeitsprünge. Dabei spielt der Autor meisterhaft mit den unterschiedlichen Zeitebenen. Wenn ein Abschnitt des Romans beendet ist, dann kommt oft ein großer Zeitsprung, nach dem im Rückblick Stück für Stück enthüllt wird, was in der Zwischenzeit passiert ist. Dadurch wird Spannung aufgebaut und Vergangenheit und Gegenwart scheinen teilweise zu verschwimmen.

    Handlung:

    Wir verfolgen sowohl Dannys Leben als auch das von Dominic und Ketchum über einen langen Zeitraum. Danny lernen wir als kleinen Jungen kennen und sehen ihn dann aufwachsen und zum Teenager werden. Ich fand es sehr faszinierend, ihn durch alle Höhen und Tiefen als junger und nicht mehr ganz so junger Mann zu begleiten. Die enge Beziehung zu seinem Vater, die Dannys ganzes Leben prägt, ist wirklich rührend. Besonders gut gefallen hat mir, wie der Autor Dannys Dasein als Schriftsteller darstellt. Eine so anschauliche Beschreibung des kreativen Prozesses kann wohl nur jemand liefern, der selbst Schriftsteller ist. Gestört hat mich nur, dass Irving in Dannys Jugend so viel Zeit darauf verwendet, von seinem Sexleben zu berichten. Das waren mehr Details als ich jemals wissen wollte. Natürlich war es auch spannend, zuzusehen, wie Ketchum und der Koch älter werden und sich verändern. Die Botschaft, dass echte Freundschaften wirklich alles überdauern, hat mir gut gefallen.

    Charaktere:

    Dadurch, dass man sie über einen so langen Zeitraum begleitet, lernt man die Protagonisten unglaublich gut kennen. Sie sind alle vielschichtig und gut ausgearbeitet, sodass sie beim Lesen wirklich vor dem inneren Auge lebendig werden. Weder der Koch noch sein Sohn oder Ketchum ist perfekt, jeder von ihnen macht im Laufe seines Lebens große Fehler. Dabei ist es schwer, allgemeine Aussagen über ihre Persönlichkeit zu machen, weil sie sich ständig verändern, wie das im Leben nun mal so ist. Irving schafft es, die Art von Figuren zu erschaffen, die man vermisst, wenn man das Buch zugeschlagen hat.

    Fazit:

    Diese wunderbaren Charaktere durch fast ein ganzes Leben zu begleiten, war mir ein großes Vergnügen.

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    CarolinHafens avatar
    CarolinHafenvor 4 Jahren
    Ich will nicht, dass es endet!

    Väter und Söhne

    Irving setzt seine Figuren immer grotesken Zufällen und Unfällen aus. Erst ertrinkt der  15-jährige Angel, und später stirbt die Geliebte des Kochs. Der Sohn des Kochs, der 12-jährige Daniel verwechselt die stämmige, schwarzhaarige Frau mit einem Bären und erschlägt sie mit einer Bratpfanne, im Glauben sie würde seinen Vater angreifen. Leider ist die Frau auch die Freundin des Sheriffs, der sich rächen will, am Koch und dessen Sohn. Eine lebenslange Flucht beginnt.

    Eintauchen, sich treiben lassen

    Vater und Sohn leben allein, Rosie die Ehefrau und Mutter, ertrank, als Daniel zwei Jahre alt war. Lange Zeit erfährt Daniel nicht die Umstände ihres Todes. Die Ereignisse; der Unfalltod der Mutter, die erschlagene Bären-Frau, die Flucht, machen aus Daniel einen Schriftsteller. Schon als Teenager fängt er an zu schreiben, sieht in sich selbst einen zurückgebliebenen Jungen, der die Lücken seines eigenen Lebenslaufs mit seiner Fantasie stopft. Einzig sein Lehrer Mr. O´Hara liest seine Geschichten. Gerade dieser Umstand ist für mich, und für den Leser, besonders spannend. Daniel sammelt Informationen über seinen Vater, seine Mutter und ihre gemeinsame Vergangenheit wie Puzzlestückchen. Er legt sie zusammen, und so wie er die Umstände erfährt, bekommt sie auch der Leser.  Den Rest muss sich Daniel selbst zusammen reimen. Irving lockt uns, seine Leser mit Brotkummen ins Hexenhäuschen, lässt uns schmoren. Wenn er will, dass wir leiden, und aufgeregt das dicke Ende kommen sehen, dann haut er uns nochmal eins über. Immer gespickt mit seiner Detailverliebtheit. Ich kann gut verstehen, warum manche Leser überhaupt keinen Zugang zu Irvings Bücher finden. Entweder man liebt ihn für seine Details, für seine Ausschweifungen und Längen, oder man legt das Buch frustriert beiseite, doch so legt man nie das ganze Puzzle zusammen. Denn alle Details sind wichtig.

    Ich persönlich finde es, beispielsweise, großartig, dass Irving uns Leser auf seiner Reise der Geschichte immer genau erklärt, was passieren wird, warum, und wie. Ich sehe es immer kommen, und bin dann doch überrascht. Er lässt uns an seinen Kniffen teilhaben und ist dabei sein größter Kritiker. Kein einziger Kritiker, könnte ihn so sehr auseinander nehmen, wie er es selbst tut. Die ersten 200 Seiten handeln davon, wie es zur Flucht kommt.  Der Leser erfährt die wichtigsten Dinge, das Leben des Kochs, bevor er heiratete und Daniel geboren wurde, das Leben der Mutter, alles über die Bären-Frau und auch über den besten Freund vom Koch; Ketchum. Die zentrale Figur des Romans, und meiner Meinung nach, verdammte Elchscheiße, auch der liebenswerteste Kerl weit und breit.   Ketchum begleitet die beiden, als Beschützer und Freund. Anfangs dachte ich, Ketchum wäre ein Stereotyp, ein absolutes Klischee. Nur Iving schafft es, aus einem Klischee etwas wundervoll Individuelles zu machen.

    Daniel beginnt also zu schreiben, das was er kennt, was er erlebt hat. Der Lehrer O´Hara hält diese Geschichten natürlich für grotesk, und absolut erfunden (Wem passieren schon solche Dinge?). O´Hara sagt und denkt und vermittelt dem Leser all das, was er beim Lesen vielleicht selbst gedacht hat. Mit O´Haras Stimme zerpflückt Irving seine eigene Geschichte, bis ins Kleinste, liefert die Gründe warum man ihm kein Wort glauben sollte, und dann doch jedes Wort für bare Münze nehmen kann (wenn man will), und sorgt dafür, dass man all die Figuren, Daniel und seinen Vater, die Bären-Frau und Ketchum, noch liebenswerter noch realer, empfindet. Während O´Hara die Geschichte, die Daniel schreibt, zerpflückt und bewundert, stehlen sich die Figuren ganz heimlich ins Herz der Leser. An diesem Punkt glaubt man schon, sie persönlich zu kennen.

    Die Leser werden es für ein Kochbuch halten

    Daniel schreibt weiter, stopft die Lücken, verändert die Details, kommt der Wahrheit sehr nahe, und doch ist alles erfunden. O´Hara ist noch verwirrter und wir als Leser können es uns nun aussuchen: Ist die Geschichte, die uns Irving erzählt die eigentliche Geschichte? Oder die Geschichte, der Daniel nachspürt, die Geschichte seines Lebens? Wer ist der Autor von Letzte Nacht in Twisted River?

    Er wird älter, schreibt noch mehr, noch mehr Details, er wird Vater, und er flieht vor dem Sherriff, vor seiner Vergangenheit.

    she bu du

    Einen Irving-Roman zu lesen ist für mich immer ein wenig so, als würde ich mich in den Schreibschuppen von Irving schleichen, seinen Hund Dickens ein bisschen hinter dem Ohr kraulen und mich in eine stille Ecke setzten, und ihm bei der Arbeit zusehen. Er spielt mit dem Leser, vermischt Fiktion und Autobiografisches, wobei für mich die Frage danach, was „echt“ und was erfunden ist, unerheblich ist.  Ich glaube, die Frage ist auch für Irving unerheblich. Details erlebter Dinge wandelt er so um, wie er es für die Geschichte brauchen kann, und so sind auch autobiografische Dinge erfunden. In dem Buch steckt Iving, vielleicht mehr, als er selber weiß, und doch überhaupt nichts von ihm. Was macht es schon, wenn man es nicht so genau weiß, wenn man sich als Leser einfach in die Figuren verliebt? Die Gefühle ändern sich dadurch ja nicht.

    Ich persönlich mache immer wieder Zwangspausen, ich lese eine Irving-Geschichte nicht in einem Rutsch.  Am Anfang bin ich aufgeregt, will die Figuren kennen lernen, mitten drin, wenn ich dann Gefühle für sie habe und mit fiebere, leg ich das Buch beiseite. Ich weiß, sie werden viel verlieren. Gliedmaßen, geliebte Menschen, so ziemlich alles. she bu de schreibt Irving, und übersetzt es mit Ich kann es nicht ertragen loszulassen. So geht es mir auch. Kaum war ich über die 500ste Seite hinaus, dachte ich; Oh, er leitet das Ende schon ein.

    Ich will nicht, dass es endet!

    Aber es endet. Und alle Details sind wichtig. Alle Rezepte und Gerichte, schließlich geht es um einen Koch und seinen Sohn, um ihre Reise, das Überdauern von fünf Jahrzehnten, und wie sie das Leben ausgekostet haben, trotz aller Widrigkeiten. Mein persönlicher Lieblingsroman ist immer noch Zirkuskind, aber der hier, Letzte Nacht in Twisted River kommt dem verdammt nahe.

    Kommentare: 1
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    kingofmusics avatar
    kingofmusicvor 4 Jahren
    Tour de Force durch 50 Jahre

    John Irving - entweder man liebt oder man hasst diesen Autor. Etwas dazwischen gibt es glaube ich nicht. Nach der Lektüre von "Letzte Nacht in Twisted River" gehöre ich definitiv zu ersterer Gruppe. Auch wenn ich die immer wieder viel zitierten Bücher "Garp" und "Gottes Werk und Teufels Beitrag" noch nicht gelesen habe, kann ich mir beileibe nicht vorstellen, dass man dann von "Letzte Nacht..." so enttäuscht ist, dass man das Buch schon nach 50, 100 oder 500 Seiten weglegt. Nun, ich bin froh, dass ich mich nicht von den vielen negativen Meinungen hab runterziehen lassen und dass ich das Buch als drittes innerhalb eines Jahres auf den Fahrten von/zur Arbeit im Bus komplett durchgelesen habe.

    Etwas irritiert war ich am Anfang von den vielen Klammersätzen und den häufigen Wiederholungen einer Situation/eines Ortes usw.; ein Stilmittel, was John Irving wohl aber prägt und auch gleichzeitig so einzigartig macht. Am Ende fand ich die Wiederholung von weiter zurückliegenden Ereignissen sogar recht hilfreich, weil dann sofort wieder Assoziationen zu der Stelle im Buch auftauchten, an der das Ereignis das erste Mal aufgetreten war. So waren die Verbindungen sehr schnell wieder hergestellt und ich habe mit Spannung weitergelesen.

    Die Geschichte beginnt tragisch und endet Hoffnung machend. Hoffnung machend darauf, dass trotz aller Widrigkeiten im Leben immer irgendwo ein Licht am Ende des Tunnels leuchtet (möge er noch so lang sein!). Der Tunnel vereint Tragik (an manchen Stellen im Buch hätte selbst ich fast geweint *g*), Komik, Liebe, Politik und Kochrezepte in einzigartiger Weise.

    Entgegen einiger Meinungen, die Figuren in "Letzte Nacht in Twisted River" wären blass und nicht ausgereift, finde ich hier viele tragische Helden mit großem Herz. Dafür zählt für mich an erster Stelle Ketchum. Er hat mich mit seinen markigen Sprüchen, seiner politischen Einstellung, aber letztendlich auch mit seiner tiefsitzenden Zerrissenheit über die Ereignisse in der Nacht als Danny´s Mutter starb, absolut mitgerissen und sein (frei gewählter) Tod war für ihn die einzig logische Konsequenz aus dieser Zerissenheit ("Nur Ketchum kann Ketchum töten" - ein Satz, den ich nie wieder vergessen werde!!!). Ich hatte das ganze Buch über Respekt vor Ketchum und hab mich über jede einzelne Passage mit ihm gefreut.

    Aber auch Cookie, Danny, Sixpack Pam und wie sie alle heißen: ja, sie alle haben mich in den letzten Monaten im Bus begleitet und ich bin über jeden einzelnen von ihnen froh, sie kennengelernt zu haben. Einzig und allein Constable Carl habe ich von vornherein nicht gemocht und er hat auch (meiner Meinung nach) das Leben von Joe (Danny´s innig geliebten und einzigen Sohn) auf dem Gewissen - auch wenn es nur angedeutet wird. Aber es kann ja nicht nur gute Figuren geben; das Leben besteht auch aus Freunden und Menschen, denen man am liebsten überhaupt nicht begegnen würde oder die man am liebsten von hinten sieht :-)

    Somit bleibt mir als Fazit nur festzuhalten, dass ich von "Letzte Nacht in Twisted River" absolut gefesselt war und ich von nun an John Irving einen festen Platz in meinem Bücherregal geben werde. Well done, Mr. Irving!!!

    Kommentare: 4
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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 5 Jahren
    Irving halt

    Eine kurze Rezension über einen Irving-Roman zu schreiben ist eigentlich unmöglich.

    Die Grundhandlung dieses neuesten Romans von John Irving wiederzugeben ist nicht schwer. Dominic ist Koch in einem Holzfäller- und Flößercamp in Amerika Mitte der 50iger Jahre. Er lebt dort mit seinem 12jährigen Sohn Danny.
    Eines nachts erschlägt Danny die Geliebte des einheimischen Polizisten mit einer Bratpfanne als sie gerade mit seinem Vater schläft, weil er sie für einen Bären hält. Um seinen Sohn zu schützen flieht Dominic mit ihm jahrzehntelang quer durch Amerika bis nach Kanada, weil der Polizist nach Rache sinnt.
    Auf ihren jeweiligen Stationen während dieser Flucht arbeitet Dominic in den unterschiedlichsten Restaurants.

    Rund um diesen Erzählstrang ranken sich viele Nebengeschichten und -episoden mit ebenso vielen skurrilen Charakteren wie man es von Irving gewohnt ist. Auch seine Lieblingsbausteine wie Bären, Ringen und New Hampshire sind natürlich auch wieder mit dabei.

    “Letzte Nacht in Twisted River” ist nicht ganz so spektakulär und abgefahren wie zum Beispiel “Das Hotel New Hampshire” oder “Garp und wie er die Welt sah”, aber glänzt dafür mit einem Tiefgang, den man gerade in seinen späteren Werken findet. Kernthema in diesem Roman sind die Liebe und die Schriftstellerei. Es liegt die Vermutung nahe, dass John Irving auch etwas aus seinem Leben mit in diesem Roman verarbeitet hat.

    Für Irving-Liebhaber ist dieser Roman Pflichtlektüre. Für Einsteiger würde ich eher die oben erwähnten Klassiker “Das Hotel New Hampshire” oder “Garp” empfehlen.

    Ich habe es jedenfalls genossen nach langem mal wieder einen so guten John Irving zu lesen.

    Im Mittelteil hatte der Roman in einigen Phasen gefühlt ein paar kleine Längen (oder lag es an dem heißen Juliwetter?), aber das fulminante letzte Drittel des Buches hat das alles wieder wett gemacht.

     

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    T
    TinSoldiervor 5 Jahren
    Drei ???

    Drei ??? 

    Letzte Nacht in Twisted River? 
    In Wirklichkeit waren es viele Nächte oder doch zumindest Abende, die ich in Twisted River verbrachte: 
    Zwar nur in Gedanken beim Lesen des Buches, aber es war kein leichter Aufenthalt für mich! 
    Die Geschichte ist von komplizierter Einfachheit. Und kompliziert ist auch mein Verhältnis zu ihr und zu ihrem Autor. 
    Was also soll in meiner Rezension stehen? 
    Zunächst: Es war mein erster Irving – und zumindest für die nächste Zeit auch garantiert mein letzter! Ich brauch jetzt erstmal was leicht verdauliches! 
    Soll das nun ein Verriss werden?? Nein, so einfach ist es nicht. 
    Die Geschichte beginnt eigentlich ganz gut und Irving ist, dass muss man bescheinigen, ein guter Erzähler. Aber auch ein guter Erzähler muss darauf achten, dass er seine Leser bei der Stange hält. Dazu bedarf es einer Handlung, die fesselt. Die fand ich hier auf Dauer leider nicht. Oder anders gesagt: Ich fand einfach keinen Zugang zum Buch, zur Geschichte und zum Autor. 
    So gut die Geschichte, wie bereits gesagt, auch beginnt (und obwohl es auch keinen Mangel an skurrilen Gestalten und Begebenheiten darin hat), sie zu lesen war aus irgend einem Grunde für mich sehr anstrengend. Aber Lesen soll doch mehr Vergnügen machen als anstrengen, dachte ich mir – und las trotzdem weiter. Kommt schon noch. 
    Leider kam es nicht. Die Geschichte beginnt irgendwann sehr zähflüssig zu werden, eine Handlung im eigentlichen Sinne konnte ich über lange Strecken nicht so recht entdecken, bzw. diese wurde nicht vorangetrieben. Vielmehr wirkt das Ganze sehr statisch, in Reflexionen der Protagonisten verharrend, langatmig. 
    Ich gestehe, ich bin an dem Buch gescheitert: In der Mitte angekommen, gab ich auf. 
    Warum? 
    Nun, da warten noch viele Bücher auf mich, die gelesen werden wollen. 
    Und meine Zeit ist knapp! 

    Fazit: 
    Für Irving – Liebhaber möglicherweise ein empfehlenswertes Buch. 
    Für alle anderen: Drei ??? 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    curlysues avatar
    Ich habe vor einiger Zeit versucht "Letzte Nacht in Twisted River" von John Irving zu lesen und hab das Buch nach etwa 200 Seiten weggelegt, weil ich es ganz furchtbar finde. Nun kommt es aber wirklich selten vor, dass ich ein Buch nicht zu Ende lese und irgendwie wurmt es mich, dass ich das nicht geschafft habe. Kann mir irgendwer von Euch einen Tipp geben, wie man diesen John Irving knackt?
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