Cover des Buches Letzte Nacht in Twisted River (ISBN: 9783257067477)
Rezension zu Letzte Nacht in Twisted River von John Irving

Rezension zu "Letzte Nacht in Twisted River" von John Irving

von Ein LovelyBooks-Nutzer vor 12 Jahren

Rezension

Ein LovelyBooks-Nutzervor 12 Jahren
John Irving hat eine große Fangemeinde. Seine Figuren sind immer ziemlich schräg, seine Texte mit zahlreichen Kleinigkeiten versehen, die vielen Lesern Freude bereiten. Ich selbst habe bisher nur "Garp, oder wie er die Welt sah" gelesen und habe mich schwer getan mit diesem hochgelobten und geliebten Bestsellerwerk. Irvings Schreibstil findet meinen Gefallen nicht. So auch im vorliegenden neuesten Roman des gefeierten Amerikaners. Erzählt wird eine Vater-Sohn-Geschichte über viele Jahre. Während Dominic früh Vater und fast genauso früh Witwer wird, ist das Schicksal seines Sohnes ähnlich. Die falsche Frau schenkt Daniel einen Sohn, läßt diesen aber schon früh bei seinem Vater zurück. Alle verbindet eine Flucht, ausgelöst durch eine Pfanne, die auf dem Schädel der Geliebten von Dominic - auch "Der Koch" genannt - niedergeht, als sich beide gerade mitten in einem Sexualspiel befinden. Der zwölfjährige Daniel hingegen vermutet den Angriff eines Bären auf seinen Vater und schlägt mit aller Wucht zu. Da Jane, die Geliebte, jedoch eigentlich die Freundin des Hilfssheriffs ist, der für seinen Jähzorn und seine Gewalttäigkeit bekannt ist, bleibt den beiden nur die Flucht aus dem Flößerort, in dem auch ihr Freund Ketchum wohnt. Dieser begleitet sie zumindest gedanklich und mit allerlei Ratschlägen über die ganzen Jahren. So wissen Daniel und der Koch immer, dass sie nach wie vor in Gefahr vor der Rache des Sheriffs sind. Sie nehmen einen neuen Namen an, beginnen ein neues Leben und das nicht nur einmal im Laufe der Zeit. Daniel wird erwachsen, studiert und wird Schriftsteller. Sein Sohn wächst ebenso heran, bis am Ende alle doch noch das Schicksal einholt. "Letzte Nacht in Twisted River" ist wohl ein waschechter Iriving. Zahlreiche Details spicken die Geschichte, politische Ereignisse werden - für meinen Geschmack viel zu beiläufig - eingeflochten und die Dialoge sind hölzern und oft mit unwichtigsten Dingen angereichert. Humor kann ich in diesen Passagen keinen entdecken. Für mich machte es das Werk sehr zähflüssig. Auch ist der Roman stark autobiografisch geprägt und man findet viele Motive wieder, die Irving häufig in seinen Büchern verwendet. Dennoch fand ich das Buch nicht so schlecht, wie der Leser dieses Beitrages vermuten könnte. Die Figuren, allen voran die Figur des Ketchum, sind gelungen und liebevoll gezeichnet. Die Skurrilität der Geschichte setzt sich in den Protagonisten fort und zumindest dieser Aspekt findet meine Anerkennung. Warm werde ich dennoch nicht mit John Irving. Vermutlich wird es mein letzter Roman von ihm gewesen sein.
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