John Irving Straße der Wunder

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Inhaltsangabe zu „Straße der Wunder“ von John Irving

Juan Diego und seine für alle anderen unverständlich sprechende Schwester Lupe sind Müllkippenkinder in Mexiko. Ihre einzige Überlebenschance: der Glaube an die eigenen Wunderkräfte. Denn Juan Diego kann fliegen und Geschichten erfinden, Lupe sogar die Zukunft voraussagen, insbesondere die ihres Bruders. Um ihn zu retten, riskiert sie alles. Verführerisch bunt, magisch und spannend erzählt: zwei junge Migranten auf der Suche nach einer Heimat in der Fremde und in der Literatur.

Bin froh, dem Roman nach einem Drittel doch noch eine Chance gegeben zu haben. Es lohnt sich weiter zu lesen. Super!

— BluevanMeer

Eine Enttäuschung. Hat er an Garp anknüpfen wollen? Groteske Charaktere mit viel Potential und doch verliert sich Vieles im Schmuddelkram.

— Huebner

Bekannte Figuren und Themen aus anderen Irving Romanen - diesmal in Mexiko angesiedelt

— Nerissa

Ein gelungener "Irving"

— Vinschen

Braucht Zeit, ist aber dann eine skurrile und schöne Reise ganz nach Irving Art.

— Samaire

Typisch Irving: sterbende Kinder, Zirkus, Löwen, usw. Die Geschichte ist nicht schlecht, aber SEHR langatmig.

— zukunftskind

Irving ist eben Irving, er kann erzählen, fabulieren, unterhalten – auch über 770 Seiten. Und letzten Endes möchte man keine davon missen.

— hasirasi2

Hinter jeder Reise steckt ein Grund.

— CarolinHafen

Wunderbare skurrile Charaktere, toller Schreibstil.

— Sikal

Gewohnt gute Unterhaltung mit einigen Längen und zur Ermüdung führenden Wiederholungen typischer Irving-Themen und Motiven.

— Maldoror

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  • John Irving | STRASSE DER WUNDER

    Straße der Wunder

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:45

    INHALT: Juan Diego Guerrero, ein alternder Schriftsteller, der auf einer Müllkippe im mexikanischen Oaxaca aufgewachsen ist, macht sich auf die Reise zu den Philippinen, um die Grabstätte des Vaters eines Freundes zu besuchen. Durch Unregelmäßigkeiten bei der Einnahme seiner Blutdrucktabletten fällt er bei den Flügen und Hotelaufenthalten immer wieder in intensive Traumphasen, bei denen die Bilder seiner Jugend heraufbeschwört werden: Wie er sich als Kind selbst, allen Umständen zu Trotz, das Lesen und Schreiben beibrachte; der Unfall, der ihn für den Rest seines Lebens zum Krüppel machte; die Zwischenstation in einem mexikanischen Wanderzirkus; seine unkonventionellen Adoptiveltern; und natürlich seine alle anderen überstrahlende Schwester Lupe, die Gedanken lesen kann und für die Zukunft seines Bruders alles opfert. Auf seiner Reise macht er Bekanntschaft mit Miriam und Dorothy, einem sexuell eher unkomplizierten Mutter-Tochter-Gespann, das sich auf magische Weise unter die Geister seiner Vergangenheit zu mischen scheint. FORM: Eins vorneweg: Ich bin seit vielen Jahren ein großer Irving-Bewunderer und habe ALLE seine Romane gelesen. Dieser Mann hat mir die schönsten Lesestunden meines Lebens verschafft und dafür werde ich ihn auch immer verehren. Dass er nicht mehr die Qualität von GARP oder OWEN MEANY erreicht, war schon länger offensichtlich (ich halte BIS ICH DICH FINDE für seine letzte Großtat), und meine Erwartungen an einen waschechten Irving-Roman sind zugegebenermaßen immer sehr hoch, aber was er hier mit STRASSE DER WUNDER auftischt, hat mich echt sprachlos gemacht – Was für ein langweiliger Schinken! Dabei ist Irving stilistisch nichts vorzuwerfen; natürlich kann der Mann erzählen! Die Sätze sind auch hier die gewohnt verschwurbelten und einlullenden Konstrukte mit dem leisen Humor. Was mich bei STRASSE DER WUNDER schier wahnsinnig gemacht hat, war das ewige Widerkäuen einzelner Themen. Bestimmte Schlüsselszenen in Juan Diegos Leben oder Charaktereigenschaften einzelner Figuren werden immer und immer wieder neu aufgegossen. Ab der Hälfte dachte ich, wenn ich noch ein einziges Mal etwas über Betablocker oder die Jungfrau Maria lesen muss, schmeiß ich den ganzen Scheiß an die Wand! (Hab ich natürlich nicht gemacht, obwohl mich die Betablocker und auch die Jungfrau Maria bis auf die letzten der fast 800 Seiten begleitet haben.) Mit anderen Worten: Irving hat in diesem Roman ein erhebliches Redundanzproblem. Ganz große Schwächen sehe ich auch bei der Figurenzeichnung. Sicher sind alle Protagonisten auf ihre Art verschroben und herzerweichend fehlerhaft – aber keiner macht irgendeine Entwicklung durch. Alle sind wie sie sind und bleiben wie sie sind; keine Erleuchtung, keine Erkenntnis, keine Epiphanie. Die einzige Ausnahme macht Lupe, die Schwester der Hauptfigur, deren Fähigkeit Gedanken zu lesen, ihre Taten bestimmt. (Ihr Bruder ist übrigens der einzige, der Lupe versteht, weil sie ein so undeutliches Kauderwelsch spricht. Juan Diegos Aufgabe besteht darin, ihre meist sehr direkten Äußerungen möglichst diplomatisch zu übersetzten; ein Umstand, den Irving ebenfalls wieder und wieder und wieder beschreibt.) Überhaupt: Dieser ganze esoterische Kitsch mit dem Gedankenlesen und den Geistern der Vergangenheit ist so gar nicht meine Baustelle – das dürfte (mit Verlaub) Coelho-Leser eher ansprechen. FAZIT: Es tut mir in der Seele weh und meine Finger verkrampfen sich über der Tastatur, aber ich kann für diesen lang ersehnten Roman (unter Berücksichtigung des Fan-Boy-Bonusses) nicht mehr als zwei Sterne vergeben. Wer noch nichts von John Irving gelesen hat (solche Leute soll’s ja geben) empfehle ich, STRASSE DER WUNDER als erste Wahl zu meiden und stattdessen lieber zu den »Klassikern« zu greifen, sonst versaut man sich möglicherweise einen großartigen Autor. *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Enttäuscht abgebrochen

    Straße der Wunder

    Duffy

    22. May 2017 um 09:55

    Zuerst einmal: Wenn man ein Buch nicht zuende liest, verbieten sich eigetentlich die Bewertungen. Doch ohne Sternchen geht ja hier nichts und so werden die drei Sterne im Widerspruch zum Abbruch der Lektüre nach der Hälfte des Buches doch vergeben. Doch die sind nur für Irvings handwerkliche Leistung, die unbestreitbar die eines Spitzenerzählers ist. Was man von Aufbau und Inhalt diesmal nicht sagen sagen kann, denn die Geschichte der beiden Müllkippenkinder aus Mexiko, die sich schon über die erste Hälfte des Buches mühsam und zäh dahinzieht, nimmt den Leser nicht, wie sonst bei Irvings Büchern gefangen, sondern läuft träge und mit wenigen Höhepunkten dahin. Die in den Rezensionen kolportierten "Schläge gegen den Katholizismus" sind dann doch nur kleine Seitenhiebe und auch sonst passiert nichts weltbewegendes. Das Spannungslevel ist gleichbleibend niedrig und es will sich nicht der Effekt einstellen, das Buch nicht aus der Hand legen zu können. Das ist für einen Fan von Irving, wie der Rezensent sich bezeichnen würde, fast nicht zu akzeptieren, immer wieder versucht er daran zu glauben, dass die Geschichte Fahrt aufnimmt und der übliche Springbrunnen Irvingscher Fantasie zu sprudeln beginnt. Aber nach 330 Seiten, also fast der Hälfte, gibt der wohlgesonnene Rezensent auf und hat nicht das Gefühl, er hätte etwas versäumt, wenn er sich nicht durch die zweite Hälfte quält. Das ist einerseits natürlich sehr schade, auf der anderen ist Irving kein Übermensch, der mit jedem seiner umfangreichen Bücher eine neue qualitative Bestmarke setzt. Er muss niemandem mehr etwas beweisen und so darf man sich auf das nächste Werk freuen. Dieses hier schwächelt erheblich, aber niemand hat während einer so langen Karriere nicht schon mal einen "Hänger" gehabt. Das diese Meinung eben subjektiv ist, braucht nicht erwähnt zu werden, die einen werden dieses Buch goutieren und seinen Reiz in Themen sehen, die andere eben nicht so erleben. So ist das mit der Kunst.

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  • genervt abgebrochen

    Straße der Wunder

    dominona

    09. December 2016 um 11:12

    Nach ungefähr einem Drittel konnte ich Juan Diego in seiner Reise zwischen Erinnerungen und Realität nicht mehr folgen. Irvings Motivik, die natürlich wieder da ist, ging mir hier sehr auf die Nerven und die Sprünge haben mich immer wieder herausgerissen. Insgesamt fand ich auch die Figuren sehr langweilig, weil es, selbst für Irving, viel zu viele Wiederholungen gibt. Es gab auch lustige Stellen, aber der Rest hat mich einfach fertig gemacht und deshalb werde ich mir sehr überlegen, ob ich nochmal zu diesem Autor greife.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • "In jedem Leben kommt ein Moment, in dem man loslassen muss."

    Straße der Wunder

    The iron butterfly

    02. November 2016 um 19:01

    Wer kennt sie nicht, diese Ansichten unendlich anmutender Müllberge. Die Überbleibsel unseres Konsums, unseres Alltags. Unsere Reste, die zu groß und gegenwärtig sind, um ignoriert oder in die Natur integriert zu werden. Sie häufen sich zu stinkenden und giftigen Ungetümen auf, sind Tummelplatz für Vögel, Hunde und allerlei anderem Getier. Der kleine Juan Diego und seine Schwester Lupe leben im mexikanischen Guerrero auf dem Gelände eines solchen Müll-Ungetüms. Lupe ist ein ungewöhnliches Mädchen, denn sie spricht eine Sprache, die nur Juan Diego versteht und kann zudem die Gedanken von Mensch und auch manchem Tier lesen. Juan Diego ist ein nicht minder ungewöhnlicher Junge, denn er liest alles, was er aus dem Müllberg lesbares zu retten vermag und entspricht in keinster Weise dem naiven und vor Dreck strotzendem Waisenkind, das man unter all dem Müll und Unrat vermuten mag. Da Pater Alfonso und Pater Octavio etliche Bücher aus der Bibliothek des Jesuitenordens auf der Müllkippe entsorgten, ist so manch theologisches Werk zur Lektüre von Juan Diego geworden. Bruder Pepe will den Müllkippenleser, wie Juan Diego genannt wird, jedoch mit einer größeren Bandbreite an Literatur versorgen und sucht die Kinder bei Rivera, dem el jefe der örtlichen Müllkippe. Er ist zwar vermutlich nicht der Vater der Kinder, aber er kümmert sich Esperanza zuliebe um die beiden. Esperanza, die immer ein wenig wirr daher redet, im Waisenhaus saubermacht, aber ansonsten ihr Geld mit Liebesdiensten verdient. Fatal schlägt das Schicksal aber erst zu, als el jefe mit seinem Pick-up über Juan Diegos Fuß fährt und ihn damit zu lebenslangem Hinken verdammt. Wie immer bei Irving ist die Geschichte zu verflochten, zu phantasievoll, zu prall, um in wenigen Sätzen zusammengefasst zu werden. Das soll hier auch gar nicht geschehen. Erzählt wird die Geschichte des kleinen Juan Diego und seiner wunderlichen Schwester Lupe vom in die Jahre gekommenen Juan Diego, der mittlerweile als Autor seine eigene Literatur unter die Menschen bringt. In Rückblicken und Zeitsprüngen pendelt der Leser zwischen damals und heute und taucht in diese Welt ein, die keinen Verlust auslässt, von Liebe, Sehnsüchten und Hoffnungen erzählt und wieder einmal Figuren erschafft, die man nie zu träumen gewagt hat und doch am Ende zu kennen glaubt. Es ist ein Irving, zum guten Glück!

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    • 2
  • Über die Macht der Wunder...

    Straße der Wunder

    Samaire

    10. September 2016 um 16:28

    "Und was glaubte Juan Diego, damals und heute? [...] Manches Unerklärliche geschieht wirklich." Juan Diego wächst als Müllkippenkind in Mexiko auf. Er und seine Schwester Lupe, die Gedankenlesen kann, scheinen keine Perspektive zu haben. Doch ein Unglück, die Bekanntschaft zu einem amerikanischen Priester und der Zirkus verändern für die beiden alles. Was habe ich mich, als eingefleischter Irving Fan, auf den neuen Roman gefreut. Es klang einfach alles zu gut: Wunder, Zirkus, Vorhersagen der Zukunft. Einfach alles, was der gemeine Fan für unterhaltsame Lesestunden braucht. Vieles davon funktioniert auch einfach wunderbar: Die Szenen im Zirkus haben mich wirklich sehr begeistert, auch wenn der Ort an sich von Irving eher als trist und zukunftsraubend beschrieben wird. Dennoch für mich ein sehr starker Teil des Romans. Auch die Geschichte um Edward Bonshaw rührt zu Herzen und funktioniert ohne Ausnahme. Was mich wirklich zu Anfang sehr gestört hat, waren jedoch die ständigen Zeitsprünge. Die Geschichte wechselt immer zwischen der Vergangenheit Juan Diegos in Mexiko und der Gegenwart, in der er zu einer Reise nach Asien aufbricht. Ich bin nun schon generell kein großer Freund von Zeitsprüngen in Romanen, was man Irving natürlich nicht vorwerfen kann, hier kamen diese aber wirklich manchmal sehr schnell und haben es mir zu Anfang schwer gemacht in die Geschichte zu finden. „Die Straße der Wunder“ braucht Zeit, ist aber dann ein großes Vergnügen. Zwar in meinen Augen nicht so gut, wie der Vorgänger „In einer Person“, aber für jeden Irving Fan ein Muss.

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  • Nette Geschichte, aber langatmig

    Straße der Wunder

    zukunftskind

    01. August 2016 um 22:17

    Typisch Irving: sterbende Kinder, Zirkus, Löwen, usw. Die Geschichte ist nicht schlecht, aber SEHR langatmig. Die letzten Kapiteln habe ich gerade mal so überstanden - die Dialoge wurden immer länger, wiederholten sich und die Geschichte war schon sowieso klar. Wenn man ein Buch von Irving gelesen hat, hat man sie schon alle gelesen... Und dieses kann man mit seinen Hauptwerken (Witwe für ein Jahr oder Garp) einfach nicht vergleichen.

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  • Irving hat mich wieder überzeugt!

    Straße der Wunder

    hasirasi2

    10. June 2016 um 16:26

    Juan Diego ist Schriftsteller und lebt seit 40 Jahren in den USA. Geboren wurde er allerdings in Mexico. Er verbrachte seine Kindheit zusammen mit seiner Schwester Lupe als Müllkippenkind. Die beiden Kinder bilden die perfekte Symbiose, sie ist sprachbehindert, kann aber die Gedanken Anderer und auch ein bisschen die Zukunft lesen und er versteht sie und übersetzt. Zusammen glauben sie an Wunder, was sonst bleibt ihnen auch bei ihrem Dasein. Ihre Mutter kümmert sich kaum, die Väter sind unbekannt. Ein Wunder ist, dass Juan sich selbst das Lesen beigebracht hat, mit Büchern, die er von den brennenden Müllstapeln rettet (weshalb er Brandwunden an den Händen hat). Als die Jesuiten das entdecken, versorgen sie ihn mit „richtiger“ Literatur, das Genie muss schließlich gefördert werden. Mit 14 hat Juan einen Unfall, bei dem sein Bein verkrüppelt wird. Kurz darauf stirbt ihre Mutter, also suchen die Kinder ihr Heil im Zirkus. Doch Lupe weiß (!): Juans Zukunft liegt nicht in Mexico, nicht im Zirkus und so riskiert sie alles, um ihn in die richtige Richtung zu stupsen ... 40 Jahre später macht sich Juan auf eine Reise nach Manila, um eine alte Schuld zu begleichen und diese Reise wird zugleich zu einer Reise in seine Vergangenheit, durch Träume und Erinnerungen wird er in seine Kindheit zurückversetzt.   Ich hatte mich sehr auf John Irvings neues Buch gefreut, weil ich ihn seit „Witwe für ein Jahr“ kenne und verehre. Ein zusätzliches Schmankerl war noch, dass ich ein Ticket für die Deutschlandpremiere von „Straße der Wunder“ in Berlin ergattern konnte und mich die Lesung, seine ganze Art sehr beeindruckt hat. Er liest nicht nur vor, er lebt die Szenen regelrecht. Irving ist sehr charismatisch – aber er schreibt ja auch in seinen Büchern immer wieder, dass er vor allem von Frauen gelesen wird. Ein zentraler Satz des Buches ist: „Es sind die Frauen, die Lesen.“ Und Juan Diego scheint sein Alter Ego zu sein. Schriftsteller, erfolgreich, von den Frauen verehrt: „Nur eingefleischte Fans erkennen ihn, vor allem ältere Frauen und viele Studentinnen“. Außerdem lässt Irving ihn „seine“ Bücher schreiben, unter anderen Titeln natürlich, aber man erkennt sie wieder. Der Roman ist voller Anspielungen z.B. auf „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Zirkuskind“, „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ und „Witwe für ein Jahr“ ... Er erwähnt sogar seinen aktuellen Roman „Straße der Wunder“ – das macht ihm so schnell keiner nach. Außerdem schreibt er über den Entstehungsprozess eines Romans an sich, die Figuren, deren Anlehnung an die Wirklichkeit – alles extrem interessant. Deswegen fürchtete ich, dass es sein letztes Buch ist, quasi die Abrechnung mit seinem Werk. Um so beruhigter war ich, als er im Rahmen der Lesung erzählte, dass er schon die letzten Sätze für 2 weitere Romane hat (er fängt immer mit dem letzten Satz an).   John Irvings Protagonisten sind gewohnt skurril aber sehr liebenswert. Der Junge Juan ist ein Kämpfer, ein Genie; nicht ungläubig, aber er glaubt – sucht – Wunder, nicht Religion. Seine Schwester Lupe hat seine Zukunft gesehen und will ihn in ihrem Sinne beeinflussen, er soll nicht vom Weg abkommen, dafür riskiert sie viel. Die Pater (Jesuiten) des Waisenhauses, die ihn mit Büchern versorgen, reiben sich im Streitgespräch immer wieder aneinander, halten aber zusammen, wenn es um die Kinder geht. Und dann verliebt sich einer der beiden auch noch in den Transsexuellen Flor. Irving spricht sich damit wieder gegen die sexuelle Diskriminierung aus. Dann ist da noch das sehr undurchsichtige Mutter-Tochter-Gespann Miriam und Dorothy, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden. Sind sie real oder Geister, vielleicht sogar Verkörperungen der Jungfrau Maria?! Das ist alles sehr mystisch. Die Mutter ist edel, aristokratisch. Die Tochter eher bäuerlich. Beide verführen ihn. Miriam erinnert mich an Marion Cole und Dorothy an Ruth.   Die Handlungsstränge verschwimmen zwar etwas, verwirren mich aber nicht. Doch auch seine Kritiker haben (leider) recht: Irving wiederholt sich. Er schreibt immer wieder über den Glauben, die Kirche, Wunder und den Marienkult, aber auch über Geister und den Tod, Juans Träume und seine „Experimente“ mit den Medikamenten. Dadurch ist leider schnell klar ist, wie das Buch ausgehen wird. Aber er will ja auch, dass seine Protagonisten vorhersehbar / begreifbar sind. Zudem hat man stellenweise das Gefühl, im Geschichtsunterricht zu sitzen. Und es geht natürlich um Sex: in seinen Büchern geht es immer auch um Sex. Insgesamt hat mich die „Straße der Wunder“ wieder sehr gut unterhalten. Irving ist ein Meister der Schreibkunst. Er kann erzählen, fabulieren, unterhalten – auch über 770 Seiten. Und letzten Endes möchte man keine davon missen. Abschließen möchte ich mit dem Zitat: „Das Lesen Deiner Bücher hat mich gerettet“.

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    • 17
  • Straße der Wunder

    Straße der Wunder

    Sikal

    Der Roman beginnt in Oaxaco (Mexiko) und zieht sich über Amerika bis zu den Philippinen. Juan Diego wächst mit seiner Schwester Lupe und vielen Hunden am Rande einer Müllkippe auf, Mutter Prostituierte, Vater teilweise unbekannt. Während sich Juan Diego selbst das Lesen aus weggeworfenen Büchern beibringt, kann Lupe Gedanken lesen und tut dies auch lautstark kund – doch keiner außer Juan Diego kann sie verstehen. Viele in ihrem sozialen Umfeld helfen den beiden, indem sie Bücher herbeibringen, dafür sorgen dass sie erst in einem Waisenhaus, später in einem Zirkus und zuguterletzt bei dem schrägen Paar Missionar/Transvestit untergebracht werden. Der Protagonist der Geschichte, Juan Diego, wurde zu einem bedeutenden Schriftsteller und Lehrenden. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt. Er befindet sich auf einer Reise und schwelgt – aufgrund seiner Experimente mit Betablockern und Viagra – zwischen Traum und Wirklichkeit, findet sich zurückversetzt in die Kindheit, dann wieder mal im siebten Himmel der Gegenwart. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realem vermischen sich und lassen den Leser manches Mal rätseln wohin die Reise denn nun geht. Der Autor John Irving bringt hier eine Menge Themen aufs Tablett, sei es die Kirchenkritik, sowie den zweifelhaften Glauben an Marienwunder oder auch die Toleranz dem Fremden, dem Anderen gegenüber – die Charaktere reichen von Zirkusartisten, Löwenbändigern bis hin zu Transvestiten und Gringos. Allesamt etwas schräg, auch (oder vor allem) die „gesellschaftsfähigen“ Berufe wie Ärzte und Priester. Sein Schreibstil ist wunderbar leicht zu lesen, geprägt von Sarkasmus und latenter Kritik. Der Protagonist gefällt mit seiner etwas hilflosen Art und Weise wie er durchs Leben stolpert. Seine Welt ist die Literatur und nicht das Alltagsleben, so fällt es ihm auch schwer damit zurecht zu kommen. Immer wieder findet er Menschen, die sich ihm annehmen und ihn bei Kleinigkeiten unterstützen. So ist er auch mehr oder weniger durch Zufall auf Dorothy und Miriam gestoßen, die sein Leben in die Hand nehmen und Juan Diego ziemlich vereinnahmen. Doch diese Geistererscheinungen gegen Ende und das Nichtwissen woher und wohin die beiden Frauen kommen, waren für meine Begriffe ein Zuviel. Das hat mich etwas irritiert und meine anfängliche Begeisterung für das Buch etwas geschmälert. Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbares Buch, das sich leicht lesen und Tiefgang nicht vermissen lässt.

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    • 3
  • Raus aus Litauen.

    Straße der Wunder

    CarolinHafen

    John Irving hält, einem Zirkusartisten gleich, wahnsinnig viele Bälle in der Luft. Er tut das gekonnt, er tut das brillant. Er lässt keinen Ball fallen. Als Leserin muss ich mitdenken, meine Augen dauernd auf seinen Trick gerichtet lassen. Wir sind die Wundersamen. Irving mag Dickens. Das ist bekannt. „Die Weihnachtsgeschichte“ erwähnt er mit keinem Wort und doch ist „Straße der Wunder“ vom Geist der Vergangenheit, vom Geist der Gegenwart und vom Geist der Zukunft durchwirkt. Juan Diego wird heimgesucht, von diesen drei, die in ihren Zeitebenen hin und her springen, Traum und Wirklichkeit verschwimmen lassen. John Irving ist ein Zirkuskind, das seine Tricks verrät. Ständig teilt er mir als Leserin mit, wie er es macht, wie er mich manipuliert und dran kriegt und doch kann ich meine Augen nicht abwenden, obwohl ich weiß, dass es ein Trick ist. Hinter jeder Reise steckt ein Grund. Ich sehe die Zusammenhänge, auf irgendeiner Ebene meines Bewusstseins verstehe ich die Verbindung zwischen dem Artistenmädchen, dem Wunder Dolores und Dorothy, die Tochter, die den Schriftsteller verführt. Ich weiß, dass Dorothy im Prinzip die Liebe Frau von Guadalupe ist. Ich weiß auch, das Miriam das Monster Maria ist. Meistens weiß ich, wann Juan Diego träumt und wann nicht. Manchmal spielt es aber gar keine Rolle. Alles verschwimmt. Alles ist verbunden. Es ist nie ganz klar ob die zwei Frauen wirklich existieren oder nur in der Einbildung des Schriftstellers. Es gibt wieder wahnwitzige und schnelle Dialoge, das perfekt choreografierte Chaos. In jedem Leben kommt ein Augenblick, wo man loslassen muss - mit beiden Händen. John Irving entfaltet seine Charaktere langsam, er braucht seine Zeit. Er ist ein langsamer Schreiber. Und er entfaltet das Ende, schon hundert Seiten vor Schluss. Die Stimmung ändert sich: Eine Geschichte enden lassen, das kann er verdammt gut. Ich weiß was kommt. Ich sehe es. Er sagt mir ja, was er da mit mir macht. Trotzdem oder deswegen haut es mich um. Und dann lässt er mich zurück in dieser Stimmung, traurig und hoffnungsvoll zugleich. Das kann keiner so gut wie er. Das Buch hat seine Längen, es kommt sehr viel Sex und Glaube darin vor. Aber wäre es nicht so, es wäre kein Irving-Roman. Wir müssen nicht erklären, was ein Wunder ist oder nicht ist - wir haben es gesehen. Lupe, diese shakespearesche Hexe des Schicksals; die Motive in Irvings Romanen mögen bekannt sein und doch ist hier so einiges anders. Ich will nicht zu viel verraten, ich habe eh schon wild gespoilert. Sorry. Straße der Wunder ist eine Mischung aus Gottes Werk, Zirkuskind, Dickens und Shakespeare. Juan Diego tritt eine Reise an, die er lange aufgeschoben und letztlich nicht selbst organisiert hat. Jedes Mal, wenn er die Augen schließt, ist er wieder 14, zurück in Mexiko und erlebt die Geschichte, wie er da raus gekommen ist. Es ist die Geschichte, wie aus dem Müllkippenkind ein Schriftsteller wird. Seine letzte Chance aus Litauen raus zu kommen. Juan Diego hat Zeit geschenkt bekommen und das Opfer war groß. Deshalb bin ich traurig und froh zugleich. Juan Diego ist im Irving Universum ein klein wenig anders. Er ist Schriftsteller, aber kein Vater. Er ist ein Zirkuskind, aber kein Artist. Er ist gläubig, aber nicht religiös. Er ist einsam, aber nicht allein. John Irving erzählt nichts einfach so. Alles hat am Schluss seinen richtigen Platz, kein Detail ist unnötig. Er ist ein Mann der Wiederholung, ein Mann der Details. Wer „Zirkuskind“ gelesen (und gemocht) hat, wird Martin wieder erkennen, den jesuitischen Zwillingsbruder und John D. Juan Diego und John D. haben die selben Initialen. Zufall? Ich glaube nicht! Es kommt einem so vor, als würde man eine lange Strecke zurücklegen, weil es anstrengend ist, aber im Grunde beackert man altes Terrain - man bleibt auf vertrautem Gebiet. Einzig das deutsche Cover irritiert mich. Juan Diego und Lupe auf einem Fahrrad? Es ist eine schicksalhafte Welt; das Unvermeidliche wirft seine dunklen Schatten voraus. Juan Diego sagt, er schreibe nicht über sich. Nein, John Irving lässt Juan Diego sagen, er schreibe nicht über sich. Vermutlich ist das wahr und gleichzeitig nicht. Letztendlich ist es aber egal. Eine Autobiografie ist immer nur eine Seite der Geschichte. Sie ist unvollkommen in seiner Gesamtheit. Irving versucht alles unterzubringen, den Anfang, das Ende, die Hoffnung, alle unschönen Details, die Verwicklungen, die Unfälle und die Träume. Vor allem die Träume. In jedem Buch steckt auch die Anleitung wie er es gemacht hat, wie man ein Buch schreibt. Juan Diego und/oder John Irving dozieren gern. Und ich höre zu.

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    • 4
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Irving in Top-Form!

    Straße der Wunder

    renie

    18. May 2016 um 21:13

    Müllkippenkinder, Geistliche, Transvestiten, Löwenbändiger und ein Mädchen, das Gedanken lesen kann .... Dies sind nur einige der Charaktere aus John Irving's Roman "Straße der Wunder".Schräge Typen findet man in all seinen Romanen und sind mit ein Grund, warum ich Irving's Geschichten mag. Wenn dann noch Sarkasmus und ein großes Maß an Situationskomik in einem Irving-Roman zu finden sind, bin ich eine glückliche Leserin. "Straße der Wunder" hat mich glücklich gemacht. Zwar nicht berauschend glücklich, doch immerhin ziemlich glücklich ;-) Worum geht es in diesem Roman?Juan Diego und seine Schwester Lupe wachsen auf einer Müllkippe in Oaxaca, Mexiko, auf. Die beiden sind ungewöhnliche Kinder. Juan Diego konnte sich selbst das Lesen und Schreiben beibringen. Unterrichtsmaterial hatte er genug: Bücher und Zeitungen, die auf dem Müll gelandet sind. Lupe hat eine Sprachstörung und spricht daher in einem Kauderwelsch, der nur von Juan Diego verstanden werden kann. Er ist ihr Dolmetscher, wenn es darum geht, mit anderen zu kommunizieren. Lupe besitzt die Gabe, Gedanken zu lesen und die Zukunft vorauszusagen. Nachdem sie einige Jahre in einem katholischen Waisenhaus verbracht haben, schließen sie sich irgendwann einem Zirkus an. Denn ihr Gefühl sagt ihnen, dass ihnen der Zirkus die einzige Möglichkeit bietet, aus ihrem Leben etwas zu machen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Juan Diego, der Jahre später - mittlerweile ist er Mitte Fünfzig - als Schriftsteller in Amerika lebt. Juan Diego ist gesundheitlich angeschlagen. Aufgrund einer Herzschwäche muss er Medikamente nehmen, die ihn sehr müde machen. Jedesmal, wenn er ein Nickerchen macht (und das macht er häufig ;-)), driftet er in seinen Träumen in Kindheitserinnerungen ab. Und so erfährt der Leser, was damals in Mexiko geschehen ist, was aus Lupe und den Freunden aus der Kindheit geworden ist, und warum Juan Diego der Mann ist, der er heute ist. "Dass ein Müllkippenkind sich ein so anspruchsvolles Vokabular aneignen konnte, war kaum vorstellbar; abgesehen von der schmeichelhaften Zuwendung, die dem Jungen durch Bruder Pepe zuteil wurde, hatte Juan Diego nie eine Schulbildung genossen. Dennoch war es ihm nicht nur gelungen, sich selbst das Lesen beizubringen, er drückte sich auch sehr gewählt aus und sprach sogar Englisch - dabei war er ausschließlich über die amerikanischen Touristen mit gesprochenem Englisch in Kontakt gekommen." (S. 69) Ein zentrales Thema in diesem Roman sind die Lehren der katholischen Kirche sowie die teilweise fanatische Marienverehrung, die in manchen Ländern betrieben wird. Irving läuft zur sarkastischen Höchstform auf, wenn es darum geht, den Hype, der um die Jungfrau Maria betrieben wird, breit zu treten.Die beiden Kinder Juan Diego und Lupe verbringen einen Teil ihrer Kindheit unter der Obhut von Jesuiten, so dass sie mit den Geschichten um die Jungfrau Maria mehr als vertraut sind. Und doch können sie die uneingeschränkte Begeisterung für diese Figur nicht teilen: Pilgerstätten und Kirchen geraten zu Schauplätzen von kommerziellen Massenspektakeln; je lauter und schriller das Gebet, desto "gläubiger" ist der Betende. Trotz des Einflusses der Kirche auf ihre Erziehung schaffen es Juan Diego und Lupe, sich ein gewisses Maß an Zweifeln zu bewahren und stehen der Kirche sowie ihrer Marienverehrung mehr als kritisch gegenüber. "Tatsächlich fehlte es Juan Diego nicht am Glauben. Die meisten Müllkippenkinder sind auf der Suche nach Wundern. Wenigstens wollte Juan Diego an das Wunderbare glauben, an alles mögliche Unerklärliche, doch er zweifelte die Wunder aus der kirchlichen Mottenkiste an, die mit der Zeit immer unglaubwürdiger wurden. Was dem Müllkippenleser gegen den Strich ging, war die Kirche insgesamt: ihre Politik, ihre Eingriffe in die Gesellschaft, Geschichte und Sexualität." (S. 296) Mit Juan Diego hat Irving eine Figur geschaffen, die einen tiefen Einblick in die Seele eines alternden Schriftstellers gewährt. Mittlerweile in den Fünfzigern geht Juan Diego ein wenig unbeholfen durchs Leben. Er benötigt immer jemanden, der sich um ihn kümmert, für ihn organisiert und ihn durch den Alltag manövriert. Juan Diego hat etwas an sich, was bei anderen Menschen ein Helfer-Syndrom auslöst. Und so trifft er auf Miriam und Dorothy - Mutter und Tochter, die durch die Weltgeschichte reisen. Miriam und Dorothy sind zwei überaus mysteriöse Charaktere in diesem Buch. Man weiß nicht genau, wo sie herkommen und welche Pläne sie haben. Juan Diego fühlt sich zu beiden hingezogen. Und beide vereinnahmen ihn mit Haut und Haaren - mal die Eine und mal die Andere. Doch die beiden haben etwas Übersinnliches an sich. Man fragt sich immer wieder, ob diese Figuren real sind. Doch da Miriam und Dorothy auch von anderen Charakteren wahrgenommen werden und in die Handlung eingreifen, gehe ich davon aus, dass sie mehr als eine Fantasieerscheinung von Juan Diego sind - auch wenn gewisse Zweifel bleiben. In diesem Roman haben die Frauen das Sagen. Irving scheint seinen weiblichen Protagonisten eine gehörige Portion Dominanz zuzugestehen.Angefangen bei Lupe, die zwar jünger als ihr Bruder, aber trotzdem die Reifere und Entschlossenere von beiden ist. Ihren Entscheidungen hat Juan Diego alles zu verdanken.Miriam und Dorothy natürlich, die Juan Diego bemuttern und ihm alle Entscheidungen abnehmen - ob er will oder nicht.Sogar die Kirche wird von Frauen dominiert. Denn Lupe meint:  "'Was hat Gott schon zu melden?', fragte ihn Lupe. 'Die Jungfrauen haben das Sagen - nicht dass sie wirklich Jungfrauen wären, nicht dass wir überhaupt wüssten, wer sie sind.'" (S. 466) Einer meiner Lieblingssätze in diesem Roman ist folgender:"An dem Tag, an dem Frauen aufhören zu lesen, an dem Tag stirbt der Roman!" (S. 59)Ich frage mich, ob dies als Irvings Verbeugung und Dankeschön an seine größtenteils weibliche Leserschaft zu verstehen ist. Zumindest schmeichelt es der geneigten Leserin doch ungemein;-) Der Grund, warum Irving aus mir nur eine "ziemlich glückliche Leserin" machen konnte, ist übrigens folgender:Zum Ende bekommt in dieser Geschichte das Übersinnliche einiges an Raum. Die geheimnisvollen Miriam und Dorothy sowie Geister, die auf Hoteltoiletten und in Kirchen auftauchen sind Mysterien, gegen die sich mein gesunder Menschenverstand aufs Heftigste zur Wehr setzt. Ich bin froh, dass diese "Störfaktoren" erst in den letzten 150 Seiten auftauchen, denn so ist mein Lesegenuss erst zum Ende hin geschmälert worden. Fazit:Ich bin ein großer John Irving Fan und habe fast jedes Buch von ihm gelesen. Ich liebe an seinen Büchern, dass man nie weiß, wo die Lesereise hingeht. Irvings Bücher stecken voller Überraschungen. Die Handlungen in seinen Büchern nehmen gern Wendungen an, die selten vorhersehbar sind.Wenn Irving in Topform ist, sind seine Romane großartig und zeichnen sich durch viele Dinge aus, die ich an einem Irving-Roman so sehr schätze: skurrile Charaktere, Ironie und Sarkasmus, Situationskomik und Überraschungseffekte. Bei "Straße der Wunder" ist Irving fast wieder zur Topform aufgelaufen. Die ersten 600 Seiten waren für mich ein Hochgenuss, bei dem ich aus dem Grinsen nicht mehr herausgekommen bin. Und auch wenn mich Irving mit den verbleibenden 150 Seiten abgehängt hat - mit Übersinnlichem kann ich einfach nichts anfangen - , hat mir dieser Roman großartige Lesestunden beschert. © Renie

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  • Im Labyrinth der Erinnerungen des John Irving

    Straße der Wunder

    Havers

    17. May 2016 um 19:11

    Wer mit den Werken John Irvings vertraut ist, wird auch von seinem neuesten Roman „Straße der Wunder“ nicht enttäuscht werden. Virtuos wie immer variiert er die Motive, die wir bereits aus seinen früheren Geschichten kennen. Da gibt es eine dysfunktionale Familie, Kinder mit besonderen Begabungen, schräge Ersatzeltern, einen Zirkus und – natürlich – einen Schriftsteller, diesmal mit Namen Juan Diego. Dieser ist erfolgreich, ein Mann in den besten Jahren, aber mit gesundheitlichen Problemen, die medikamentös behandelt werden. Und genau diese Pillen sind dafür verantwortlich, dass er immer wieder wegdämmert und durch Erinnerungsfetzen mäandert. Vaterlos aufgewachsen in Mexiko am Rande einer Müllkippe, die unendlich viele Schätze in Form von Büchern birgt, die Juan Diego aus dem Abfall klaubt. Gesellschaft leistet ihm seine Schwester Lupe, ein Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Sie kann Menschen lesen und in die Zukunft schauen, aber sich nur ihrem Bruder gegenüber verständlich machen, der ihr Ein und Alles ist. Für ihn ist sie sogar bereit, ihr Leben zu riskieren. Aber es gibt noch weitere Menschen, die Juan Diego auf seinem Weg begleiten. Ob das nun der Chef der Mülldeponie, der Lehrer an der Jesuitenschule, der Doktor oder der Missionar ist, der ihn schließlich mit ins gelobte Land Amerika nimmt – sie alle haben Anteil an dem, was aus ihm geworden ist. Es sind diese Fragen nach Herkunft und Begegnung, die ausnahmslos immer im Zentrum von John Irvings Romanen stehen. So auch in „Straße der Wunder“. Da der Autor mit einer Vielzahl von Personen und Orten arbeitet und durch die Zeiten springt, fabuliert und assoziiert, benötigt der Leser Geduld und Zeit, um in die Geschichte hineinzufinden. Man mag dem Autor vorhalten, dass er die Themen, die ihn bewegen, schon unzählige Male in den verschiedensten Variationen in seinen Romanen verwendet hat. Das ist durchaus zutreffend, schmälert allerdings nicht deren Unterhaltungswert. Denn die Virtuosität, mit der Irving fabuliert und assoziiert, sucht ihres gleichen.

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  • Die skurrile und wunderbare Welt des John Irving

    Straße der Wunder

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    “O Herr, bewahre uns vor törichter Andacht und sauertöpfischen Heiligen!” Lässt John Irving Bruder Pepe, die leibhaftige Verkörperung des berühmten Gebets der Teresa von Ávila, denken.Über 70 ist er nun, der Lieblingsautor mit dem verschmitzten Blick, der literarisch umgesetzt immer hält, was er verspricht. Sein Mantra könnte lauten: “Shit happens, but life’s going on.” Für seine Protagonisten wurde Murphys Law erfunden. Juan Diego aus “Straße der Wunder” bildet hier keine Ausnahme. Abgewandelt gilt Teresa von Ávilas Bitte auch für Irvings literarisches Werk, ersetzt man Heilige durch Schriftsteller.Juan Diego, Schriftsteller mit mexikanischen Wurzeln, reist auf Einladung seines ehemaligen Protegés zu einem Vortrag. Mit leichtem Gepäck. Seine Gedanken allerdings sind schwerer Ballast. Verwirrt durch unüberlegte und unverantwortliche Betablockereinnahme und zusätzlich verwirrt von der Damenwelt, die sich ein wenig wie die Groupies from Hell gerieren, möchte er… Ja was? Zu Beginn der Reise weiß er nicht exakt zu artikulieren was genau er sich erhofft. Der Weg scheint auch hier wieder einmal das Ziel zu sein und wer Irving kennt weiß, dass dieser für dessen Romane so typische Suchende am Ende nicht unbedingt das Erwartete finden wird. Stattdessen – expect the unexpected.Beglückend ist dieses wunderbar komische und doch zugleich ernste Lesevergnügen nicht nur für eingefleischte John Irving Liebhaber – für sie aber ganz besonders – wobei, wie Irving seinen Hauptcharakter oft betonen lässt, hauptsächlich wohl Frauen die Leserinnen sind. Hier fließt viel Eigenerleben aus jahrzehntelanger Erfahrung ein. Aus eigenem Erleben weiß ich, dass gerade die Leserinnen es zu schätzen wissen werden in der Straße der Wunder diese ganzen herrlichen Anspielungen auf John Irvings bisheriges Œuvre zu entdecken. So ist der Roman fast schon ein vollständiges Résumé seiner Werke. Protagonist Juan Diego ist in Anteilen sicherlich John Irvings Alter Ego, wenn er denn autogiographische Romane schriebe.“Verschonen Sie mich mit hätte sollen,” entgegnete Juan Diego, seine Romane waren alle Lehrstücke der Hätte – sollen – und Was – wäre – wenn- Abteilung.”Der Meister (Irving) zitiert und erläutert John Irving.“Dieser Schriftsteller ist ein Meister des Kollisionskurses”, sagte Clark French, der ausgewiesene Guerrerro Spezialist, zu seiner Frau. “Es ist eine schicksalhafte Welt; Das Unvermeidliche wirft seine dunklen Schatten voraus.”Geprägt ist aber auch Straße der Wunder vom wunderbar Plauderton des Autors, der nebenbei leichtfüßig bitterböse Kirchen- und Religionskritik hübsch verpackt in ihrer ganzen Idiotie serviert und es wie gewohnt dem Leser selbst überlässt, anhand der Absurdität und tiefen Komik mancher Gebräuche und Rituale und ihrer Anhänger, seine Schlüsse zu ziehen.So lebt der Hauptcharakter in der Vergangenheit, erlebt die Verluste, die ihn prägten immer wieder, ist auf der Suche – doch Gegenwart und nahe Zukunft verpasst er dabei. Dabei ist dadurch dieser unselige Kreislauf erst entstanden. Durch das Verpassen des Präsens, weil er in der Vergangenheit gefangen ist. Dieser Wechselwirkung trachtet Juan Diego zu entfliehen, indem er versucht, den einschneidenden Erfahrungen seiner Jugend zu begegnen und sich ihnen zu stellen. Zu spät möchte man rufen. Carpe Diem! Doch die Ohren des humpelnden Schriftstellers sind verschlossen, hinken ebenfalls – wie seine Gedanken – der Zeit hinterher.Nun entwickelt sich erneut eine Tragödie, gemildert durch die ureigene feine Komik die allen Romanen John Irvings zu eigen ist. Fiktion kann einfach mehr als Realität. Auch um die Kunst des Geschichtenerzählen geht es, transportiert im freundschaftlichen Disput der beiden Schriftsteller Clark French, dem zielgerichteten Moralisten, der Werte vermitteln möchte, und Juan Diego der meint: “wirkliche Menschen wären nicht rund genug, um als Figuren in einem Roman zu funktionieren.”Diese Dispute zwischen den beiden Schriftstellern, dem ehemaligen Lehrer und seinem erfolgreichen Schüler sind ein Highlight der Straße der Wunder. Eines von vielen zugegebenermaßen. Für mich waren sie allerdings eine Offenbarung. Jeder gute Roman sollte einen tief innen berühren und Irving hat das bei mir jedesmal aufs Neue erreicht. Seine Romane waren und sind Augenöffner und mindopener und auch in diesem Buch – obwohl ich die Hauptfigur etwas schrullig und geistig bereits klapprig empfand – ist der Funke übergesprungen. Alles dreht sich am Ende nur um die Liebe zum Schreiben, zum Geschriebenen und zu Büchern, die einem schlicht gefallen und Geschichten, die es wert sind erzählt zu werden. Gleichgültig ob autobiographisch oder der Phantasie entsprungen, oder bestenfalls beides. Wichtig ist, ob genug Raum zum weiter phantasieren und philosophieren bleibt, um ihn mit individuellen Gedanken zu füllen. Hinfort mit den Schubladen, die das Denken und Schreiben einkasteln. Sprache und Stil, das Handwerkszeug muss sitzen, aber mit der Ablösung von engen Rahmen erreicht man die Gefühle der Leser.Und diese Kunst des Fabulierens, immer ein wenig abseits der realen Welt, zugleich surreal und komisch und doch inmitten der Wirklichkeit beherrscht John Irving meisterhaft.So bleiben am Ende dieses wie gewohnt an Detailreichtum und Phantasie überbordenden Romans der natürlich auch von Krieg und seinen fürchterlichen Folgen; Waisenkindern, Liebe, nicht in die Norm passenden Menschen, schicksalhaften Löwen, Glück, übernatürlichen Gaben und Jungfrauen aller Arten sowie ihrem Gegenpart handelt, noch offene Fragen und die große Hoffnung, dass der Autor – der Meister- hier nicht seinen Schwanengesang darbietet, indem er sein bisheriges Gesamtwerk in die Straße der Wunder eingeflochten hat, sondern seine Leserschaft demnächst in einem neuen Roman mitnimmt zu weiteren “Wundern”, die seinem humorvollen, positiven und dabei doch kritisch beobachtendem Geist bestens bereinigt entspringen.Bis dahin lohnt es sich immer wieder, seine anderen Romane hervorzuholen und in sie einzutauchen. Zirkuskind und Owen Meany, sowie die Wilde Geschichte vom Wassertrinker, Gottes Werk und Teufels Beitrag sind hier ganz klar meine Favoriten.

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