Zirkuskind

von John Irving 
4,0 Sterne bei237 Bewertungen
Zirkuskind
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Positiv (173):
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Eine absolut wilde Fahrt durch Indien, ganz nach Irving-Art!

Kritisch (15):
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@ berka: Da stimme ich dir zu :o)

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Inhaltsangabe zu "Zirkuskind"

Verführerisch bunt und schillernd wie Bombay, unberechenbar magisch und spannend wie ein akrobatischer Seiltrick, das ist John Irvings lang erwarteter Roman ›Zirkuskind‹, ein Arzt- und Zirkusdrama der ganz anderen Art. Dr. Daruwalla sucht das ›Zwergen-Gen‹ und einen Golfplatzmörder. Was er findet, ist Possenspiel und Grusel zugleich.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257229660
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:976 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:28.03.1997

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    Samaires avatar
    Samairevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Eine absolut wilde Fahrt durch Indien, ganz nach Irving-Art!
    Eine absolut wilde Fahrt durch Indien, ganz nach Irving-Art

    Farrokh Daruwalla ist ein Mann auf der Suche nach seiner Identität. In Kanada ist er zu sehr Inder, in Indien zu sehr Kanadier. Dennoch kann er nicht von Indien lassen, auch wenn er es eigentlich hasst. Grund dafür ist auch sein Ziehsohn John D., der in Indien ein großer Bollywood-Star ist. Eine Tatache, an der Dr. Daruwalla nicht ganz unschuldig ist. Als in dem elitären Duckworth Club ein Mitglied ermordet wird, gerät der Doktor mitten in eine Mordserie, die mehr mit ihm zu tun hat, als ihm lieb ist.

    John Irving goes Indien und ich muss gleich vorweg sagen: Ich habe jede einzelne Seite genossen. Natürlich gibt es viel, was man von Irving kennt, die gewohnt starke Frauenrolle ist natürlich auch dabei, dennoch war es, dank des exotischen Settings, etwas neues. Die Geschichte, die gegen Ende zu einem wahren Kriminalfall wird, ist in keiner Minute langweilig und ich kann das Buch nur besten Gewissens jedem empfehlen, der Irving kennt und natürlich auch jedem, der ihn noch nicht kennt. Ein gewisser Hang zur Absurdität muss, wie eigentlich bei jedem Irving, aber gegeben sein.

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    BluevanMeers avatar
    BluevanMeervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wirklich gelungener Roman, der allerdings einen absolut zähen Anfang hat. Aber Durchhalten wird belohnt! :)
    Mord in Indien

    Ich habe dieses Jahr bisher sechs Irvings gelesen und was ich zumindest schon einmal sagen kann: es kommen Bären und Zirkusse vor und ein Haufen schrulliger Figuren. Gut, in die vierte Hand kommen keine Bären vor und auch hier wird es keine Bären geben. Dafür ein Zirkusdrama, inklusive Mord und getrennten Zwillingen, die sich wiederfinden und das ganze vor der Kulisse Indiens.


    Doch langsam, eins nach dem anderen. Der Roman beginnt mit einem Vorwort, in dem sich Irving quasi für seinen ausufernden Roman entschuldigt - und diese Entschuldigung hat mir auch über die ersten zweihundert Seiten geholfen.


    Die Geschichte kommt nur langsam in Fahrt, alles wirkt zäh und künstlich und die Hauptfigur, Dr. Daruwalla, ein Orthopäde, der eigentlich Kanadier ist, aber einige Zeit des Jahres in seinem Geburtsland Indien verbringt, ist nun leider auch nicht der geborene Sympathieträger. Er ist unsicher, leidet unter dem Alltagsrassismus seiner Mitmenschen und lebt für das Drehbuchschreiben am Feierabend und kann damit sogar in Indien erfolgreich sein. Sein Kriminalhauptkommissar Dhar wird als unsympathischer Besserwisser im Land gehasst, aber Dr. Daruwalla hat seine Freude an der Figur. Er hat sie seinem Adoptivsohn auf den Leib geschrieben, der kein Problem mit der Rolle hat. Ansonsten forscht Daruwalla mit "Zwergenblut" und hält sich oft im Zirkus auf, um dort Kleinwüchsige Menschen kennen zu lernen und ihr Blut auf genetische Defekte zu untersuchen, denn Kleinwüchsige leiden häufig an bestimmten orthopädischen Fehlstellungen der Gelenke. Aber mit seiner Forschung geht es nicht weiter und auch sein neuer Kommissar Dhar-Film hängt in der Luft. Daruwalla hatte sich mit dem letzten Streifen nicht unbedingt nur Freunde gemacht, weil er in einem Rundumschlag gerne verschiedene Religionsgemeinschaften durch den Kakao zog. Zudem wird Daruwalla seit geraumer Zeit von anonymen Anrufen terrorisiert..


    Der Roman beginnt mit einem Mord. Im Club des Arztes wurde ein langjähriges Mitglied umgebracht und Dr. Daruwalla beginnt sich als Hobbydetektiv zu betätigen. Aber auch nur am Rande, denn dann geht es um den Zirkus, einen verschollenen Zwillingsbruder seines Adoptivsohnes der als katholischer Missionar und Priester nach Indien fährt und einen transidentitären Mörder. Ein bisschen musste ich mich durch den Anfang quälen, aber dann konnte ich das Buch kaum noch zur Seite legen. Farrokh Daruwalla wird immer sympathischer, es passieren so viele wilde Dinge, die man gar nicht an einer Hand aufzählen kann und es geht auch darum, wie Schriftsteller schreiben und Geschichten erzählen und es geht um Sex und den Zirkus. 


    Das klingt alles ein wenig absurd, aber nach den letzten Seiten habe ich das Buch zugeklappt und war einfach nur glücklich, diese tolle Geschichte gelesen zu haben. Denn alle, und das ist das tolle, alle angelegten Handlungsstränge klären sich am Ende auf. Und das ist wirklich große Erzählkunst, auch wenn ich einige Anlaufschwierigkeiten hatte.

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 4 Jahren
    People are strange when you're a stranger, faces look ugly when you're alone...

    Farrokh Daruwalla ist auf der Suche. Als indischer Einwanderer in Toronto sucht er die Akzeptanz seiner Mitmenschen, die ihn schon anhand seiner Hautfarbe auf den ersten Blick als Fremdling oder eine potenzielle Bedrohung identifizieren. Als Arzt und praktizierender Orthopäde sucht er nach Erfüllung, indem er während seiner Aufenthalte in Indien Hilfsbedürftige behandelt. Aber er sucht auch nach der Herausforderung in der Erforschung des Zwergen-Gens. Dafür bietet die bunt schillernde Zirkuswelt Indiens jede Menge an Versuchspersonen an, aber auch hier endet seine Suche nicht. Seinem Ziehsohn John D. schrieb er die Rolle des Inspektor Dhar auf den Leib und sucht damit nicht nach Ruhm und Anerkennung durch das Publikum, denn kaum jemand weiß, dass er hinter den provokanten Drehbüchern rund um den indischen Ermittler und seinen zweifelhaft realistischen Fällen steht, viel eher sucht er das väterliche Bindeglied zu John D.. Farrokh sucht auch die Nähe zu seiner österreichischen Frau Julia, er sucht nach einem Weg John D. mit seinem Zwillingsbruder Martin bekanntzumachen und er sucht den Mörder von Mr. Lal, der im elitären Duckworth Golfclub auf dem Green mit seinem eigenen Putter erschlagen wurde…eine endlos erscheinende Suche in alle Himmelsrichtungen.

    Irvings „Zirkuskind“ stellt mit der Kulisse Indiens, den gewohnt skurill-menschelnden Protagonisten und seinen voluminösen 970 Seiten durchaus eine Herausforderung für den Leser dar. Der geübte Irving Leser lässt sich wagemutig darauf ein und erlebt diese speziellen Momente im Schwall der Phantasie John Irvings. Pralle Momente tiefer Zuneigung, geliebter Abnormitäten, Momente der Skurillität, der brennenden Sehnsucht und voll wohliger Wärme und innigem Verständnis. Kein anderer kann mit seiner gefühlsintensiven Aussage so gut von hinten durch die Brust ins Auge zielen, wie Irving. Er verhaspelt sich nicht in den zahlreichen Handlungssträngen, er wagt es wild zu erzählen.

    Wieder geht es um die Position, die wir im Leben einnehmen und das Gefühl, das in uns erwacht, wenn wir uns bewusst werden, dass wir nicht alle Träume verwirklichen werden; nicht jeder uns mit einem Lächeln begrüßen wird und wir selbst auch nicht jeden vor seinem unheilvollen Schicksal retten können. Der Mensch als Molekül im Kosmos Leben. Wir entstehen und schwimmen im Fluss der Ursuppe, docken uns an lieblich erscheinende Moleküle an, gehen Verbindungen ein, produzieren Abfallprodukte und trennen uns auch schon mal wieder, um erneut haltlos dahin zu trudeln. Wir wachsen in warmer, gefühlvoller Atmosphäre und ziehen uns ganz klein zusammen, wenn es frostig um uns herum wird. Wir bleiben auf ewig Einwanderer, Fremde, wenn wir nicht die Menschen finden, die uns in die Augen sehen wollen.

    Lesen, wenn man Irving mag. Ansonsten besser irgendeinen Bestseller vom Stapel wählen, denn dies ist ein absoluter Irving.

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    katermurrs avatar
    katermurrvor 6 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    Ich habs aufgrund einer Empfehlung also mal wieder probiert, mit Irving warm zu werden. Und auch, weil ich den Film über ihn gesehen hab und gut fand. Doch es hilft alles nichts. Von den letzten paar Seiten abgesehen, fand ich das Buch viel zu skurril, irreal, langatmig und nichtssagend. Die letzten 150 Seiten hab ich quergelesen, weil ich einfach nur noch fertig werden wollte - hab mir noch die Schlüsselszenen rausgepickt, also die Verhaftung des Mörders und das Zusammentreffen der Zwillinge. Doch auch hier: kaum Spannung, keine interessanten Gedanken, keine Überraschungen, nur ausufernde Fantasie und viel zu oft quasi im leeren Raum hängende, blutleere, endlose Schilderungen.von Details, die für mein Verständnis, oder besser Unverständnis, irgendwie keinen schlüssigen, in den Bann ziehenden Zusammenhang haben. Sorry, John, ich versteh Dich vielleicht falsch, aber ich kann mit Deiner Kunst nix anfangen.....

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    Duffys avatar
    Duffyvor 6 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    Es ist sehr schwer, eine Inhaltsangabe zu diesem 1000 Seiten starken Buch zu schreiben. Dr. Daruwalla, ein Orthopäde und Drehbuchschreiber ist die zentrale Figur, von dem eine Vielzahl von Handlungsstränge ausgehen. Der Arzt mit dem Doppelleben und ausgeprägten Einwanderermentalität lebt abwechselnd in Bombay und Toronto. So unterschiedlich wie diese beiden Standorte sind auch die Kulturen. Diese Diskrepanz führt zur einzigen Konstante im Leben des Arztes, nämlich seiner fehlenden Zugehörigkeit zu einem Land und einer Gesellschaft.
    Darüber fächert Irving ein farbenprächtiges Spiel aus Krimi, Liebesroman, Kulturbetrachung, Posse, Komödie, Drama, Philosophie auf, das so verwoben ist, dass man sich selbst wundert, mit welcher Leichtigkeit man den Faden nicht (!) verliert. Stimmungen von traurig bis lustig, nachdenklich bis tolldreist, alles hat Irving hier untergebracht, mit der Leichtigkeit des versierten Schreibers, immer den Überblick behaltend, immer für erstaunliche Wendungen sorgend, die den Leser in Atem halten und dieses Buch mit einem großen Suchtpotential versehen. Es gibt wirklich nicht viele Schreiber, die das so beherrschen. Wenn man dann beim Epilog angelangt ist, fürchtet man schon beinahe, dass das Buch zuende ist. Dann verharrt man beim Arzt und seiner Melancholie des Heimatlosen, die wie eine ununterbrochene Linie durch den Roman gegangen ist. Und man ist erleichtert, dass Irving einen angemessenen Schlusspunkt unter einen Roman setzt, an dem er vier Jahre gearbeitet hat und das wohl zu seinem reifsten Werk als Schriftsteller zählen muss. Rubrik: Meisterwerk

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    Trinexxs avatar
    Trinexxvor 6 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    John Irving ist mein Lieblingsautor, auch wenn mir seine Bücher nicht immer zu 100 % gefallen.

    Mit Zirkuskind" hat John Irving wieder ein Buch ganz nach meinem Geschmack geschrieben.
    Skurril und bizarr wie gewohnt, verschiedene Handlungsstränge, die nach und nach zueinanderfinden.
    Es dauert ein bisschen, bis man mit den Charakteren warm wird und man sich eingelesen hat. Aber man wird reich belohnt!(Es geht nicht alles gut aus. Aber das ist im richtigen Leben ja auch so).
    Hat man sich erst einmal eingelesen, öffnet sich wieder ein Füllhorn.
    Die Handlung insgesamt ist rasant wie in einem Zirkus. Menschen suchen ihren Platz in dieser Welt/diesem Zirkus, der Manege des Lebens.
    Eine Suche nach der eigenen Identität, jedenfalls bei den Hauptakteuren.

    Die Geschichte ist prall gefüllt mit interessanten Charakteren und Themen.
    Dr. Daruwalla - Orthopäde, der nach dem Zwergen-Gen sucht, ist der Erzähler.
    Da sind Deepa und Vinod, ein Zwergen-Ehepaar. Deepa hatte die Nase des Orthopäden schon einmal unbeabsichtigt an ihrem Steißbein, und Vinod ist, nach einem skurrilen Unfall im Zirkus, Taxiunternehmer und privater Chauffeur von Dr. Daruwalla, wenn er in Indien ist.
    Mr. Sethna, der Butler im Duckworth Club, der alles missbilligt.

    Es begegnen einem bemalte Mordopfer, Transsexualität, Homosexualität, Christentum, ein Filmschauspieler in Bollywood, ein Bettlerjunge, eine Kinderprostituierte, ein rassistischer Affe, und und und.
    Lesen und Staunen, wie bei einer Zirkus-Attraktion.

    Ist das Buch ausgelesen, sollte man gleich noch einmal von vorne anfangen, weil einem bestimmt vieles entgangen ist.

    Intensiven Lesegenuss wünscht
    Trinexx

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    vormis avatar
    vormivor 7 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    Mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Buch von John Irving.
    Es ist mir zu langatmig und verwirrend gewesen.
    Ich habe das Buch zwar zu Ende gelesen und es war auch eine Geschichte zu erkennen, aber ich konnte leider nicht viel mit dem etwas konfusen Schreibstil anfangen.
    Ich hab es lieber wenn nicht zuviel drumrum geredet wird und das Wesentliche kurz und knapp auf den Punkt gebracht wird.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    Inhalt:
    Dr. Farrokh Daruwalla lebt in Toronto, doch immer wieder zieht es ihn sein Heimatland nach Indien zurück. Er arbeitet als Orthopäde und behandelt in Bombay verkrüppelte Kinder, doch seine Leidenschaft sind die Zwerge, die in den Zirkussen Indiens leben. Doch er hat auch noch ein geheimes Leben, dass nur einige wenige Menschen kennen.
    Als er wieder einmal im Duckworth Club mit seinem Freund John D. speist, der in Indien ein bekannter und verhasster Film-Inspektor ist, wird auf dem Golfplatz eine Leiche gefunden. Schnell wird klar, dass der Täter es auf John D. abgesehen hat und das dieser Mord etwas mit einem Mordfall zu tun hat, der vor zwanzig Jahren in Goa geschah und bei dem Dr. Daruwalla als Arzt hinzugezogen worden war.

    Rezension:
    Am Anfang fand ich das Buch doch sehr irritierend. Ein Zwergenblut sammelnder Orthopäde, der weder in Toronto, noch in Indien wirklich Zuhause ist. Doch wenn man sich erst einmal eingelesen hat, wird man von diesem spannenden Roman rasch in den Bann gezogen. John Irving schafft es wieder einmal den Leser über keinen seiner Charaktere im Unklaren zu lassen, so dass man verstehen kann, warum sie so und nicht anders handeln. Ganz nebenbei erfährt man noch ein wenig über Indien, dessen Zirkusse, die Bettler, das Rotlicht-Milieu, die Transvestiten und Hijras. Irving fährt interessante Personen auf: den Zwerg Vinod, ein amerikanisches Hippy-Mädchen, einen Transsexuellen, einen übereifrigen Priester, den gutmütigen Dr. Daruwalla, den undurchsichtigen Schauspieler John D., einen alten Butler, einen brutalen Transsexuellen und einen echten indischen Inspektor. Wer ist der Mörder und wie kann er dingfest gemacht werden?
    Mir gefiel besonders die Zerissenheit des Dr. Daruwalla sehr gut, der sich nirgends Zuhause fühlt und der sein Hobby gerne stärker ausgelebt hat, aber ich konnte auch sehr schnell Inspector Dhar, Vinod und sogar Martin Mills in mein Herz schließen.

    Fazit: Ein vielschichtiger Krimi, der auch nach 970 Seiten nicht langweilig wird. Emotionen, Humor, Spannung und starke Charaktere - Ein kleines Meisterwerk.

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    Laxs avatar
    Laxvor 8 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    „Zirkuskind“ Irvings achter Roman ist ein phantasievoller Roman, der sich in einigen Punkten von seinen anderen Romanen unterscheidet – es kommen keine Bären vor -, doch bleibt der Romancier sich in vielen anderen Dingen treu, vor allem beim Geschichtenerzählen.

    Dr. Daruwalla ist ein in Bombay (Mumbai) geborener Orthopäde, der mit seiner Österreichischen Frau in Toronto lebt. Doch immer wieder kehrt er in sein Geburtsland zurück, vornehmlich um den chondrodystrophen Zirkuszwergen Blut abzunehmen. Eines seiner Hobbys ist neben dem Drehbuchschreiben, die Genetik. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gen zu finden, das verantwortlich ist für diese Art von Minderwuchs. Doch sein diesjähriger Aufenthalt wird überschattet von Morden, die in die Vergangenheit des Doktors zurückführen, dem Auftauchen eines Missionars und einer dildoschwingenden Amerikanerin. „Als der Fahrer sich umdrehte, schlug sie ihm den riesigen Penis mitten auf die Nase.“
    Der achte Roman von John Irving (geb. 1942) unterscheidet sich in einigen Punkten von seinen anderen bisher zwölf Romanen. Zum einen ist „Zirkuskind“ neben „Laßt die Bären los“, der einzige Roman, der nicht in Neu England spielt, sondern in Indien. Zum anderen tauchen weder Bären auf, noch behandelt er das Ringen. Doch er bleibt sich treu mit seinem Hang zu abstrusen Situationen, „Nicht jeder Christ hat das Glück, von der Jungfrau Maria erschlagen zu werden“, und auch abgesägte Squashschläger kommen wieder vor.
    Der Beginn des Buch ist ein richtiges Ärgernis. Auf den ersten knapp zweihundert Seiten wird die Geschichte arg überstrapaziert. Es werden zu viele Adjektive gebraucht und Irivng versucht fast in jedem Satz etwas humorisitsches unterzubringen, dass dieser Teil wie eine Zirkusnummer wirkt, bei der schon am Anfang abzusehen ist, dass die Nummer keinen Höhepunkt hat und um dies zu überdecken, werden noch mehr Details eingebaut. „...sich in einer von ihm selbst kreierten Zirkusnummer verheddert zu haben, einem ärgerlichen unentrinnbaren Zwang zu erliegen, Dinge hinauszuzögern.“ Danach erst ist der Autor gewohnt stark und die Geschichte vermag trotz einiger Schwächen vollkommen zu überzeugen. Eine dieser Schwächen ist die Beschreibung von Indien. Irving schreibt in seinem Vorwort, dass er Indien kaum kennt, er war nur knapp einen Monat dort. Deswegen ist sein Indien auch dreckig, voller Prostituierter, Bettler und inkompetenter und bestechlicher Polizeibeamten. „Er hatte ein natürliches Talent bewiesen, die Leute vor den Kopf zu stoßen.“ Doch dies passt sich gut in die Geschichte ein und manche unnötige Beschreibung ist bei den fast eintausend Seiten des Romans zu verzeihen.
    Die Bücher von John Irving sind sehr vielschichtig, dies zeigt sich auch bei „Zirkuskind.“ Der Roman behandelt auch die Themen, sexuelle Identität und Xenophobie. Der Orthopäde Daruwalla fühlt sich überall als nicht zugehörig, weder in Kanada, wo man ihn aufgrund seiner Hautfarbe als Ausländer aussieht und auch so behandelt, noch in Indien, wo er sich nicht heimisch fühlt. So kann er keinen Ort als seine Heimt ansehen und erst am Ende der Geschichte begreift der Mann, was seine wahre Heimat ist. Das ist einer der wenigen Moment, die sehr melancholisch sind. Der Rest der Geschichte vermag kaum zu Tränen zu rühren, da der Fokus eindeutig auf den irrwitzigen Szenen liegt. „Vielleicht beinahe eine Jungfrau – vielleicht fast“, „Sie hatte sich vollständig von ihrer Ermordung erholt.“ Zudem gewinnt der Roman an Spannung, durch die Suche nach dem Mörder, der die Ermordeten mit einer Elefantenskizze bemalt. „...obwohl es inzwischen ziemlich spät war, war es für ihn noch zu früh, um dahinterzukommen.“
    Die Geschichte ist hervorragend aufgebaut, die Fäden werden gesponnen und vereinen sich am Ende. „Der Ausgang der Geschichte war in gewisser weise als Keim schon in der Anfangsszene enthalten.“ Da sich Irving überdies häufig mit der Schriftstelleierin seinen Romanen beschäftigt, hier geht es ums Drehbuchschreiben, gibt es oft parallel verlaufende Handlungsstränge.
    Der Orthopäde Daruwalla schreibt eine Geschichte über einen verkrüppelten Jungen, der in den Zirkus kommt und dort ein Artist werden will. Für seine Geschichte verwendet er Personen aus seinem Umfeld. Realität – wenn man sagen kann, dass eine fiktive Person real ist -, vermischt sich mit der Fiktion. „...daß der echte Daruwalla Teil einer sich parallel entwickelnden Geschichte war.“ Auffällig in diesem Roman ist die Behandlung der Sexualität. Sei es Selbstbefriedigung, Prostitution oder Erotik. „...daß er sich erbarmungslos, ja geradezu zwanghaft mit Sexualität beschäftigte.“
    Dieses Buch ist somit eine typische Irving-Geschichte, die dem Leser etwas Zeit abfordert, um eintauchen zu können in diese überbrodelnde Zirkuswelt. Doch wird der Leser dafür mehr als entschädigt. „Geschichtenerzählen war ein erbarmungsloses Geschäft.“
    970 Seiten

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    venis avatar
    venivor 9 Jahren
    Rezension zu "Zirkuskind" von John Irving

    Leider konnte ich mit diesem Irving gar nichts anfangen. Erst nach der ersten Hälfte des Buches begann für mich die Geschichte und plätscherte dann so dahin ohne richtigem Höhepunkt. Schade!

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