Cover des Buches Die Mauer (ISBN: 9783608963915)Motte_s avatar
Rezension zu Die Mauer von John Lanchester

Die Mauer

von Motte_ vor 2 Jahren

Review

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Motte_vor 2 Jahren

Der Meeresspiegel steigt, die Ressourcen werden knapp und Großbritannien schützt sich mit einer die komplette Küste umspannenden Mauer gegen die „Anderen“ – Menschen, die hoffen, auf der Insel eine Zuflucht zu finden.
Jeder junge Mensch ist zu einem zweijährigen Wachdienst auf dieser Mauer verpflichtet, so auch Kavanagh, der Protagonist des Romans.

Das Leben auf der Mauer ist eintönig. Es ist kalt, die Schichten vergehen nur langsam. Dieses Gefühl kann der Autor sehr eindrücklich vermitteln – so werden die verschiedenen Arten von Kälte im Detail beschrieben und man kann über zwei Seiten miterleben, wie der Protagonist einen Müsliriegel verzehrt, wie oft er kaut und wie er sich nach einem Achtel, der Hälfte, respektive Dreiviertel der Mahlzeit fühlt.

Dabei bedient sich Lanchester sehr kurzer Sätze, was stellenweise etwas anstrengend wird. Ab und zu lässt er leichten Humor durchklingen.

Leider baut der Klappentext große Erwartungen auf, hinter denen das Buch zurück blieb. So wird es als kritisches Werk über Klimawandel, Brexit und Migration angepriesen, während diese Themen höchstens am Rand tangiert werden und vage bleiben. Relevant sind sie nur für den Rahmen der Handlung: Meeresspiegel steigt, daher weniger Platz, daher Mauer zu Abschottung. Wer sich mehr erhofft, wird enttäuscht. Im Mittelpunkt stehen Kavanagh, sein Liebesleben und sein täglicher Dienst – nicht das große Ganze. Die aktuelle politische Situation, die genauen Fehlentscheidungen, die zu der Misere geführt haben – irrelevant.
Dadurch kommt das Buch anfangs immerhin ohne erhobenen Zeigefinger aus, auch wenn die Moral der Geschichte später etwas zu offensichtlich vermittelt wird.
Aber auch Kavanagh ist eine recht blasse Figur, deren Frustration über das Versagen der älteren Generation zwar sehr glaubhaft vermittelt wird, die ansonsten aber eher eindimensional wirkt.

In Anbetracht des Klappentextes für mich also eher eine Mogelpackung, und auch wenn ich diesen ausblende, leider nur zähe Erlebnisse eines konturlosen Erzählers.

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