John McCabe Paper

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  • Rezension zu "Paper" von John McCabe

    Paper

    sabisteb

    12. January 2011 um 18:38

    Darren White ist Postdoc in einem biologisch-medizinischen Labor. Sein Leben ist Routine, seine Arbeit belanglos. Als Student hatte er noch Träume, er wollte der Welt mit seiner Forschung verändern, er wollte etwas bewirken, entdecken etwas sein. Nun hat ihn nach einigen Jahren Forscherleben die Realität eingeholt. Er ist frustriert, hasst seinen Job und kann seine Kollegen nicht ausstehen. Sie nerven ihn, alles geht ihm auf die Nerven. Da beschließt er Operation Mwimi (make Work more interesting) zu starten. Er kleidet sich seltsam, lässt sich einen Bart stehen, gelt sein Haar, aber keiner reagiert. Also legt er einen drauf, er bestellt sich aus dem Laborversand ein paar exotische Drogen auf Laborkosten. Natürlich hat er keine Ahnung von Dosierung und Einnahme und entschließt einfach 5% der LD50 sollten OK sein. Und ja, Operation Mwimi hat Erfolg! Das forschen macht wieder Spaß. Darren liest ein Lehrbuch nach dem anderen, verschlingt Paper über Paper und entwickelt eine großartige Neue Theorie über die Formel des Lebens. Unglücklicherweise vernachlässigt er dabei seine eigentliche arbeit, ignoriert die Verwarnungen und wird gefeuert. Wie gut, dass ein guter Kumpel aus Studienzeiten bei ihm einzieht und er hat was dabei: ein Laptop, gebraucht zwar, aber unschlagbar billig und es sind sogar spannende Daten drauf: Sequenzierungen und Gele. Zunächst ist Darren an den alten Daten nicht interessiert, ihn interessiert nur seine Formel des Lebens, aber nach und nach üben diese Fremden Daten eine unglaubliche Faszination auf ihn aus. Er versucht sie zu verstehen, auszuwerten und kommt einem viele Jahre alten Verbrechen auf die Spur, deren Hauptverdächtige einige seiner Kollegen waren. John McCabe ist selber Genetiker und in der klinischen Forschung tätig und mit diesem Buch hat er sich wohl seinen Frust von der Seele geschrieben. Jeder, der eine zeitlang in der Forschung tätig war kennt dieses Gefühl der Sinnlosigkeit. Man erforscht etwas, das nur eine handvoll Menschen interessiert, damit man Anträge schreiben kann, um Geld zu bekommen, damit man weiter etwas erforschen kann, das nur eine handvoll Menschen interessiert. Ein sinnloser Kreislauf, der viele Idealisten einfach nur schafft. Sie geben auf und suchen sich einen vernünftigen Job oder sie greifen wie Darren zum Laborkatalog und bestellen interessante Chemikalien für den Selbstversuch, um diesen desillusionierenden Alltag weiter zu ertragen. Darren hat noch weitere Probleme. Er ist allein, hat keine Freundin, und als Wissenschaftler ist er daran gewöhn alles anzuzweifeln, um sicherzugehen, dass sein Hypothese richtig ist. Diese negative Sichtweise auf alles hat sich in sein Leben geschlichen, er ist desillusioniert und Realist. Da die Handlung meist aus Darrens Sicht geschrieben ist, ist die erste hälfte ziemlich mühselig. Erst ergeht er sich in sarkastischen Beschreibungen seiner Kollegen, und später wird es teils sehr verschwommen, weil er aufgrund seines Drogencoctails einiges nicht mehr so richtig mitbekommt und die Realität für ihn ein wenig verschwimmt. Der eigentliche Kriminalfall schleicht sich langsam ein. Zunächst sind da einige Kapitel, die einfach nicht in die Geschichte passen wollen. Sie fallen aus dem Kontext und irritieren. Man weiß nicht, ob es Darren ist, der sie erzählt oder jemand anderes. Das ist irgendwie unbefriedigend gelöst. Die drei Sichtweisen des Schuldigen, Darren und Karens wechseln sich in den Kapiteln ab, ohne dass das angekündigt währe. Teils merkt man erst mitten im Kapitel, dass es sich nicht um den Haupterzählstrang handelt, teilweise überschneiden sich diese Handlungen so, dass ganz falsche Eindrücke entstehen, die einen eine Handlung glauben lassen die gar nicht stattfinden und man muss sich mitten im Kapitel komplett neu orientieren. Das ist teils überraschend, aber auch irritierend. Wer es war und warum, das bleibt bis zum Schluss unklar. Ein gelungenes Verwirrspiel mit einer überraschenden Lösung, die durchaus innovativ ist. Besonders ungewöhnlich ist auch der Aufbau des Buches. Die Geschichte ist wie eine wissenschaftliche Veröffentlichung aufgebaut in Abstract, Introduction, Materials and Methods, Results, Conclusions, Discussion und Summary. Fazit: Ein ungewöhnlicher Krimi, der sich jedoch die erste Hälfte des Buches unglaublich zieht, aber durch seine ungewöhnlichen Wendungen bei mir gewonnen hat. Man sollte jedoch solide biologische Grundkenntnisse in Genetik mitbringen, um der Kriminalhandlung folgen zu können und auch das umgangssprachliche Englisch sehr gut beherrschen, besonders das umgangssprachliche Englisch der etwas gröberen männlichen Art.

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