Kill Your Friends

von John Niven 
3,9 Sterne bei155 Bewertungen
Kill Your Friends
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Positiv (112):
Ambermoons avatar

Ein Roman voller Drogen-Exzesse und Gewalt und daher nichts für zarte Gemüter. Ich jedoch bin begeistert.

Kritisch (11):
Leila_Jamess avatar

Was bitte ist das für ein Buch 😂

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Inhaltsangabe zu "Kill Your Friends"

So wahr mir Mord helfe
Erfolg um jeden Preis. Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Die Folgen sind verheerend.
• Der ultimative Roman zum Untergang der Musikindustrie• Der Autor war selbst jahrelang als A&R-Manager tätig• Endlich ein Kultroman, der das Prädikat verdient

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453675445
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:379 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:04.02.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.03.2009 bei Universal Music erschienen.

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    Ambermoons avatar
    Ambermoonvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Roman voller Drogen-Exzesse und Gewalt und daher nichts für zarte Gemüter. Ich jedoch bin begeistert.
    Eigenleben vor Fremdleben

    FSK 16 J.

    Wer nichts von derben Kraftausdrücken hält, bzw. nichts für Romane mit solchen übrig hat, sollte jetzt gehen, wer die entschärfte Rezension lesen möchte, der möge auf Amazon ausweichen...falls sie dort überhaupt freigegeben wird. Alle anderen .... Herzlich Willkommen zu meiner zweiten FSK 16 J. -Rezension.

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    Erfolg um jeden Preis. Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Die Folgen sind verheerend...(Klappentext)


    Triggerwarnung für diesen Roman: Rassismus, Sexismus, physische und vor allem sexualisierte Gewalt

    "Das ist MEIN Job:
    Ich höre mir Musik an - Sänger, Bands, Songwriter - und entscheide, welche eine reelle Chance auf kommerziellen Erfolg haben.
    Dann kümmere ich mich darum, dass ihre Musik angemessen aufgenommen wird, und wir, die Plattenfirma,
    verkaufen sie schließlich an euch, die Öffentlichkeit.
    Klingt ganz einfach in deinen Ohren? Fick dich ins Knie - du würdest es keine zehn Minuten überleben."
    (S. 18)

    Steven Stelfox - 27 Jahre, erfolgreich, gut aussehend und ein aufgeblasenes Arschloch. Er ist arrogant, sexistisch, rassistisch und ein Egomane durch und durch. Steve Stelfox ist also alles andere als ein Sympathieträger und man kann ihn schon ab der ersten Seite nicht leiden.

    Durch diesen koksziehenden Vollidioten erhält man Einblick in seine Welt - in die Welt der Musikindustrie und die ist alles andere als ein Ponyhof. Diese besteht nämlich aus Intrigen, Machtgeilheit und noch mehr solcher Typen wie Steven. Eigenleben vor Fremdleben ist hier die Devise und Steven nimmt das nur allzu wörtlich. Muss er ja irgendwie, um seinen Lebensstandard weiterhin hoch zu halten - um sich weiterhin teure Klamotten, Koks und Nutten leisten zu können.
    Als sein Arsch auf Grundeis geht, genügt es nicht mehr anderen bloß ans Bein zu pissen und deren Karrieren zu zerstören, um weiters einer der Alpha-Gorillas im Musik-Business zu sein. Steven muss zu drastischeren Mitteln greifen, denn - Eigenleben vor Fremdleben.

    Man begleitet Steven ein Jahr lang und somit 12 Monate. Jedes Monat wird durch damalige News aus der Musikbranche eingeleitet und jedes Kapitel durch ein Zitat eines Produzenten oder Sänger, wie z.B.: Simon Cowell, Don Simpson, etc.

    Bis es zu einem Mord kommt, dauert es jedoch etwas. Bis dahin plaudert Steve über die Musikindustrie und wie sie wirklich ist, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet.
    Man besucht mit ihm Events, Puffs und Geschäftsessen, ballert sich die Birne mit teuren Alkoholika, Koks und sonstigen Drogen und Pillen zu und lernt dabei all die anderen Loser und Arschlöcher kennen. Hierbei wird geflucht was das Zeug hält. Dann ,wie aus dem NIchts und völlig unerwartet, quasi aus einer Laune heraus, geschieht es - der erste Mord. Einfach so und nahezu emotionslos, als wäre dieses Geschehen eine Nebensächlichkeit. Dies ist wohl das schockierender, als die ganze sexistische und abwertende Flucherei. Hier erkennt man dann erst mit was für einem Typ Mensch man es wirklich zu tun hat. Er ist nämlich nicht nur ein Arschloch, sondern ein berechnendes und gefühlskaltes Oberarschloch.

    Ihr mögt nun womöglich das Gefühl haben ich würde diesen Typen abgrundtief hassen..nun ja..nein. Das zwischen mir und diesem abgewichsten Arsch,der auf alles schimpft und scheißt, ist es sowas wie eine Hass-Liebe. Vielleicht seid Ihr auch der Meinung, dass meine Wortwahl derb und proletarisch ist. Nun, dann braucht Ihr hier überhaupt nicht mehr weiterlesen oder auf andere Rezensionen umschwenken, denn dann ist dieser Roman definitiv nichts für Euch. Wenn dem also so sein sollte, dann - Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Für sensible Gemüter ist dieser Roman nämlich definitiv NICHTS.

    "Während [das] Atmen von einem lauten, mühsamen Schnorcheln zu einem rasselnden Wispern wird und schließlich ganz aufhört,
    sehe ich Clips der Cardigans, Radiohead, Texas und die neue Blur-Single.
    Zufrieden, dass er tot ist, hole ich meinen Schwanz raus und pisse ihn voll."
    (S. 113)

    Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere sind durchwegs gut gezeichnet, wenn man auch fast niemanden leiden kann, da ja auch Steve niemanden leiden kann.
    Hier richtet sich der Protagonist an den Leser und erzählt seine Geschichte, mit seinen Ansichten und das in einem ziemlich tiefen Jargon - rassistisch, sexistisch, derb...so wie Steven eben ist. Dagegen sind meine Worte nahezu als niedlich zu bezeichnen. Dabei wird der Leser auch direkt angesprochen und man hat das Gefühl Steven gegenüber zu sitzen - mit einem teuren Whisky in der Hand und vor einem eine Line Koks auf dem Tisch. Man ist hier mitten drin, statt nur dabei. Manchmal wurde aber selbst mir das Gefluche und Geschimpfe zu viel, bzw. begann es mich zeitweise zu langweilen, da ich immerzu darauf hoffte, dass Steve wieder mal durchdreht. Was er dann auch tut...wieder völlig unerwartet und wie aus dem Nichts.
    Die Atmosphäre der 90er wird gekonnt eingefangen und wiedergegeben, sei es durch diverse Sprüche, wie z.B. "Coolio", oder durch damals angesagte Bands und Songs. Das erhöht natürlich den Lesegenuß, vor allem wenn man in dieser Zeit selbst durch die Clubs zog, wie ich.

    "Sein Nachname enthält einen Bindestrich, scheiße,
    und trotzdem redet er immer wieder wie ein mit Schuhcreme geschwärzter Dick Van Dyke -
    die gedehnten Vokale, die verschluckten Konsonanten -,
    weil er irgendwann mit fünfzehn mal eine HipHop-Platte gehört und beschlossen hat, die Dachpappen wären cool."
    (S. 45)

    Eine Freundin sagte mir, dass die Story sehr an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert und dem muss ich zustimmen. Der Schreibstil von Niven mach das Buch dennoch speziell - ein Niven eben und daher "American Psycho" zwar ähnlich, aber trotzdem ganz anders.

    Fazit:
    Ich bin ein absoluter Fan von John Niven und dieses Buch zu lesen hat mir richtig Spaß gemacht.
    Es ist verstörend, abartig, morbid, ein durchaus obszöner Roman voller Gewalt. Gleichzeitig hat mich die Story gefesselt und ich musste an mehreren Passagen sogar lauthals lachen. Dieses Gefühl von heiß-kalt, dem Wechsel zwischen ekelhaft und zum Schreien komisch, muss ein Autor erstmal bringen.
    Irgendwie ist dies eine spezielle Art gewisser schottischer Autoren. Irvine Welsh gehört z.B. auch zu dieser äußerst seltenen Autoren-Spezies.
    Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon, im Jänner wieder mit dem Wichser Steve abzuhängen. Da erscheint nämlich der 2. Teil "Kill 'em All".

    © Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe, Trailer Film zum Buch und Autoren-Info).

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    mrsmiserys avatar
    mrsmiseryvor 8 Monaten
    Nichts fü schwache Nerven - dennoch grandios

    „Kill Your Friends“, so viel sei vorab gesagt, zählt in jedem Fall zu Recht zum Verlag Heyne Hardcore.


    Der Roman spielt im Jahr 1997 und beschreibt, grob gesagt, das brisante Jahr des Protagonisten Steven Stelfox. Dieser ist A&R (=Artists and Repertoire) Manager einer Plattenfirma. Sein Job ist es, talentierte, neue Künstler der Musikbranche ausfindig zu machen, um sie unter Vertrag zu nehmen und mit ihnen das (nächste) große Geld zu verdienen.


    Nun, Steven ist jedoch alles andere als ein engagierter, ehrlich arbeitender Talentscout. Ja, man kann sagen, dass der Protagonist ein mehr als verachtenswerter und arroganter Mensch ist – und das würde er vermutlich lächelnd bestätigen. Geprägt von Drogen, Sex und immer dem passenden Quäntchen Glück, lebt Steven ein Leben in einer völlig anderen, unwirklichen Welt– und das wird beschrieben; in 12 Kapiteln für 12 Monate des Jahres 1997.


    Der Schreibstil ist auch das, womit dein persönliches Gefallen an diesem Buch steht oder fällt. Wenn du eher zart besaitet bist, wirst du diesen Roman vermutlich schnell wieder weglegen. Denn schon nach wenigen Sätzen wird klar: Niven schreibt extrem vulgär und beleidigt als sein alter Ego alles und jeden.


    Dass in manchen Romanen hier und da ein Schimpfwort fällt, ist sicherlich nichts ungewöhnliches mehr. Dass ein komplettes Buch jedoch aus einer Aneinanderreihung von obszönen Ausdrücken besteht, schon eher. Dabei sind die Formulierungen jedoch zum Großteil so eloquent, dass es schlichtweg sehr unterhaltsam ist. Über eine solche Strecke solch pointierte Bosheiten zu entwerfen, ist nahezu bewundernswert. Dazu kommen Beleidigungen gegen jedes Geschlecht und jede ethische Minderheit, die man sich nur vorstellen kann. Ich betone es noch einmal: Dieses Buch ist schon rein sprachlich nichts für schwache Nerven.


    Und die Sprache ist nur das genutzte Mittel, um den LeserInnen den Inhalt näher zu bringen, der, mit Verlaub, an Extremität und Perversion kaum zu übertreffen ist.


    Sehr plastisch und detailliert werden Drogenräusche, sexuelle Szenen und Gewalt beschrieben. Und auch all diese Sequenzen gehen auch wieder weit über das durchschnittliche Maß der Dinge hinaus.


    Nicht zu vergessen ist natürlich auch, die stetige Verbindung zur Musik. Wer Interesse an der musikalischen Entwicklung der 1990er Jahre hat, wird in jedem Fall viel dazu lernen. Und auch für weniger Interessierte bietet der Roman einen angenehmen Grad zwischen Fachwissen und Anekdoten für die nächste Cocktailparty.


    Letztlich muss man aber auch sagen, dass die Story für sich betrachtet, fernab der ungefilterten Sprache und beschriebenen Eskalationen relativ dünn ist. Die Erzähldynamik ist, was den roten Faden betrifft, sehr schleppend. Erst ab circa der Hälfte des Buches bekommt der Plot überhaupt erst einen erkennbaren Rahmen. Fortan nimmt die Handlung aber dann an Fahrt und sogar an Spannung auf, bis sie sich in einem stringent zu Ende gebrachten Stil auflöst.


    Wie anfangs erwähnt, ist „Kill Your Friends“ unter bei Heyne Hardcore erschienen. Dieses Label steht für Literatur fernab des Mainstreams und überzeugt durch stets unkonventionelle und qualitativ hochwertige Geschichten. DAS trifft definitiv zu. Wer sich einen Roman wünscht, der noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird, ist bei diesem Titel definitiv richtig.


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    dominonas avatar
    dominonavor 10 Monaten
    Kreuzung aus American Psycho und Trainspotting

    Man hat das Gefühl, dass es nur zwischen Alkohol, Drogen und Frauen hin und her wechselt. Alles mit dem Hintergrund des Musikgeschäftes und einer Hauptperson, die alle aus dem Weg räumt, die ihm im Weg stehen, weil er seine eigene Mittelmäßigkeit verdecken will. Ich fand das Buch oft sehr anstrengend, wie auch American Psycho, weil das ganze einen irgendwann völlig übersättigt. 

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    Aurea87s avatar
    Aurea87vor 2 Jahren
    Heftiger Tritt in die Eier des Musikbusiness

    Nachdem schon der gleichnamige Film hier zu seiner Besprechung kam, möchte ich euch das zugehörige Buch von John Niven natürlich nicht vorenthalten. Bühne frei also für einen richtig derben Tritt in die unteren Regionen des Körpers.

    Das steht drin



    Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle.




    Kritik


    Wer sich mal die Mühe gemacht hat, zwei Sekunden via Google über mich zu recherchieren, der weiß: Ich arbeite aktuell bei einer Lokalzeitung. Dort betreue ich unter anderem die Kulturseite, und dort haben wir wöchentlich eine Band aus der Region. Sie wird dort vorgestellt, meistens wenn sie ein neues Album (oder ihr erstes Album) herausbringt, auf Tour geht, irgendsowas. Für die Bands ist das jeweils toll: Sie kommen in einer Printzeitung vor, die den Lesern einfach in den Briefkasten gesteckt wird. Die Kulturseite kommt, und hier tun sich Abgründe auf, frühestens irgendwo in der Mitte der Zeitung. Bis dahin sind die meisten Leser wohl schon ausgestiegen. Über das Alter der Leser wollen wir gar nicht erst diskutieren. Trotzdem ist es meine Aufgabe, beinahe wöchentlich (manchmal übernimmt eine Kollegin die Aufgabe) irgendeine hoffnungsvolle Band oder einen hoffnungsvollen Musiker zu finden. Das ist meine magere Connection zum Musikbusiness. Was, zum Teufel, hat dieses Gelaber mit "Kill your Friends" zu tun?

    Irgendwo auf den ersten Seiten des Buches widmet John Niven diesen Besprechungen eine ganze Seite seiner Aufmerksamkeit. Erklärt süffisant, dass sowieo nur Menschen jenseits der 65, die 100 Meilen entfernt vom nächsten, relevanten Plattenladen leben, diese kleinen Artikel lesen. Nun ja, wir teilen heutzutage natürlich noch via Facebook und Twitter, aber sind wir mal ehrlich: Die Medienkompetenz der meisten Menschen reicht gerade einmal bis zum Display ihres Smartphones. Ich könnte euch jetzt Romane darüber erzählen, wie Menschen das Gefühl haben, sie könnten die verdammte Zeitung abfotografieren, auf ihrem Facebookprofil posten und sagen "schaut hier, ich stehe in der Zeitung", während ein teilbarer, online verfügbarer und generell lesbarer Artikel irgendwo im Nirgendwo versandet. Ich sagte ja, mit der Medienkompetenz isses nicht so gut bestellt. #Neuland und so.



    Jedenfalls, an dieser Stelle resonierte "Kill your Friends" das erste Mal heftig in mir. John Niven arbeitete lange Zeit selbst in der Musikbranche, Gerüchte besagen er hat damals Coldplay abgelehnt. Finanziell ein Debakel, geschmackstechnisch mindestens streitbar. Vermutlich hat er auch seine Dosis Bret Easton Ellis gelesen, denn sein Debütroman erinnert schon ab und an mal an "American Psycho". Doch hier ist mehr Narrative, nicht nur eine ewige Aneinanderreihung von Namen, Marken, Bands. Dabei wird munterer Hass gegen alles und jeden kanalisiert. Steven Stelfox, unser gar nicht liebenswerter Protagonist, ist großzügig mit seinem Hass. Jede Musikrichtung, jede Art von Label und Künstler, jede Person, jede Ethnie, jedes Geschlecht, er findet Sie alle gleichermaßen scheisse. Damit muss man beim lesen klarkommen. So begleitet man Steven bei seiner Tour durch ein ganzes Jahr, mit Höhen, Tiefen, Exzessen, Drogen jeder Art, Sex und Mord. Dafür braucht man zwar einen festen Magen, aber erfrischend wenig Geduld. Denn das Buch liest sich rasend schnell und schnörkellos.

    Wer sich nun gerne der Romantik des Britpop hingeben möchte, der ist hier an der falschen Adresse. Britpop starb 1997, in dem Jahr, in dem dieses Buch spielt. Ohne eine gewisse Basis an musikalischem Wissen aus dieser Zeit dürfte dem Leser hier einiges entgehen. Beispielsweise die pointierten Zusammenfassungen zu jedem Kapitelbeginn, die kurz rekapitulieren, was im entsprechenden Monat so los war. Stelfox schmeißt dabei, und das ist durchaus bemerkenswert, trotzdem mit einem Wissen um seine Szene um sich, und John Niven lässt seinem Protagonisten freien Lauf. Gebraucht hätte es diese American Psycho Einschläge mit sinnlosen Morden in dieser Melange vermutlich nicht. Dafür ist das grenzenlose Ego von Steven Stelfox allein unterhaltsam genug. Wer aber mal so richtig Hass auf ein Business fühlen will, der sollte zugreifen.


    Fazit



    Zartbesaitete, empfindliche Seelen sollten wohl eher einen Bogen um dieses Buch machen. Mit Steven Stelfox hat John Niven einen durch und durch unsympathischen, rassistischen, sexistischen Arschlochprotagonisten erschaffen. Einen, der einem immernoch beinahe täglich in Meetings, auf der Straße, bei Firmenevents über den Weg läuft. Ein Abstieg in die Welt des Musikbusiness, der einen mitreißt und am Ende gut durchgekaut wieder auf die nasse, dreckige und kalte Straße der Realität spuckt.

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    kattiis avatar
    kattiivor 4 Jahren
    Kurzmeinung: krass, heftig, direkt
    krass, heftig, direkt

    John Niven nimmer kein Blatt vor dem Mund ... Sex, Drugs & rock 'n' roll ... wenn man seine Vergangenheit kennt fragt man sich was da so autobiographisch ist .... Ich mag seine (leicht kranken) Bücher ... aber sicher nichts für sanfte Gemüter. 

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    Tanja-WortWeltens avatar
    Tanja-WortWeltenvor 7 Jahren
    Rezension zu "Kill Your Friends" von John Niven

    Ich muss zugeben, ich hab doch ein Weilchen gebraucht, bis ich mich von diesem Buch erholt habe. Und das sicherlich nicht deshalb, weil man echt ganz schön geschockt angeguckt wird, wenn man mit diesem Buch in der Hand draußen in der Welt herumläuft - und ich bezweifle auch irgendwie, dass mein soooo tolles Harry Potter-Lesezeichen da etwas dran geändert hat. ;)

    Im Grunde lese ich ja so ziemlich alles, aber dieses Buch ist wohl etwas GANZ anderes. Nicht nur, dass es im Verlauf der Geschichte einfach nur abartig wird und nur so vor Frauenfeindlichkeit, Menschenverachtung, Drogenverherrlichung und so ziemlich allem anderen strotzt, was man in der Gegenwart von Kindern beispielsweise nicht mal denken sollte. Nein, der Protagonist ist auch einfach ein sadistisches Arschloch - und anders kann man es wirklich nicht ausdrücken.

    Auf den ersten Seiten schmunzelt man noch darüber, wie er sich aufregt, als er in seinem Büro seine allmorgendliche Post durchgeht und dabei feststellt, dass kaum eine der Einsendungen mit seinem richtigen Namen versehen ist. Aber im Grunde fängt man schon da an, zu ahnen, dass Steven einfach ein piiiiiiiep ist. Dass er es noch nicht mal auf einer einzigen Seite im Buch schafft, das F-Wort auszulassen oder auch das nette Wörtchen, das mit S anfängt, unterstreicht das nur noch. Und ich darf erinnern, dass Steven gerade einmal siebenundzwanzig Jahre alt ist!

    Aber hindert ihn das daran, seinen wehrlosen und zugedröhnten Kollegen mit einem Baseballschläger tot zu schlagen und dessen Hund direkt danach mit demselben Schläger den Schädel einzuschlagen? Nein, nicht wirklich. Steven Stelfox hat nicht die geringsten Skrupel, kokst wie ein Wahnsinniger und rennt durch sein Leben ohne Rücksicht auf Verluste. Aber das schlimmste an alldem ist wohl noch, dass er klug genug ist, sich bei all seinen Machenschaften nie erwischen zu lassen.

    Er geht zur Beerdigung des Mannes, den er kaltblütig nur eines Jobs wegen - den er zunächst gar nicht bekommt - ermordet hat und ist fasziniert davon, dass er es war, der im Grunde dafür sorgte, dass die Mutter des Verstorbenen sich vor Schmerz und Trauer fast nicht halten kann. Für ihn ist das ein Gefühl der Macht, das er zutiefst genießt. Je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat mich dieser Mann einfach angewidert. Und jedes Mal, wenn er sich auf die Toilette verzogen hat, um sich dort eine Leine zu ziehen, musste ich voll Genugtuung an die Keime, Pilze und Bakterien denken, die Wissenschaftler schon auf Toiletten gefunden haben und sie stolz grinsend auf Glasschalen in Fernsehkameras gehalten haben - oh ja, ich weiß, das ist fies...aber sowas von gerecht.

    Aber unabhängig von Steven, diesem...nun, lassen wir das. Unabhängig von ihm erfährt man in Kill Your Friends eine ganze Menge über das Musikgeschäft in England in den 90ern. Feste Größen aus der Branche zu der Zeit, wie beispielsweise die Spice Girls oder Robbie Williams haben im Laufe der Geschichte kleinere Auftritte und werden von Steven Stelfox gnadenlos beleidigt.

    Dass dieses Ekel auf zwei Beinen allerdings trotz all seiner gigantischen Fehler unglaublichen Einfluss hat, zeigt sich daran, dass es ihm sogar gelingt, den Polizisten, der wegen des ersten Mordes vonseiten Steven ein Auge auf ihn haben soll, einzuwickeln. Und nicht nur das. Durch eiskalte Berechnung und Lügen über Lügen gelingt es ihm am Ende des Buches sogar, jenen Polizisten zu seinem Komplizen zu machen, der für ihn buchstäblich die Drecksarbeit erledigt. Insgesamt stirbt mehr als ein Mensch auf Steven Stelfox' Weg ganz nach oben, so viel sei verraten. Und wenn es ihn wirklich gäbe, dann bin ich sicher, dass das längst nicht alles war, bis er seinen Job an den Nagel hängt.

    Alles in allem liefert das Buch vieles, worüber man geradezu gezwungen ist, nachzudenken - und das nicht nur deshalb, weil es mir Angst macht, dass John Niven, der Autor des Buches selbst mal als A&R-Manager gearbeitet hat, genau wie sein Protagonist Steven Stelfox. ;)

    Bleibt nur noch die Frage offen, wie ein so gestörtes Buch in die Hände von niemand anderem als Robert Pattinson gelangt ist. Und da es so tolle Menschen gibt, die sich jeden Buchtitel notieren, den man in Roberts Hand sieht, bin ich dann auch dran gekommen...leider. Zugegeben, ich denke Kill Your Friends ist eine ganz gute Vorbereitung für jemanden, der ein absolutes Ekel aus dem 19. Jahrhundert in Frankreich spielt, wie Robert es ja in Bel-Ami getan hat.
    So schließe ich mit den Worten von Bela B. von den Ärzten - die ich eigentlich so gar nicht mag - : "Ein Hooligan von einem Buch...". Und noch dazu eines, worüber sich wohl jeder selbst ein Bild machen muss.

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    t-a-m-m-ys avatar
    t-a-m-m-yvor 8 Jahren
    Rezension zu "Kill Your Friends" von John Niven

    die Welt ist schlecht? Nein die Welt sicher nicht, aber die durchgeknallten Typen die sie vergiften. Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Du musst dich nur besaufen und ein richtiges Arschloch sein, dann kommst du weit, unendlich weit. Aber will Frau wirklich so einen Typen. Da frag ich mich doch wer sind diese Frauen? Ich gehöre nicht dazu.
    Das Buch ist unterhaltsam und doch sehr oberflächlich. Manches ist auch nicht richtig wiedergegeben - zumindest gibt es einiges daran auszusetzen

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    Garp1978s avatar
    Garp1978vor 9 Jahren
    Rezension zu "Kill Your Friends" von John Niven

    Krank, politisch absolut unkorrekt und unterhaltsam, jedoch auf Dauer zu dünn. Ein Jahr lang begleitet man den A&R-Manager Stephen auf seinen Abgründen durch die Musikindustrie und spätestens ab Juli wiederholen sich die Muster zu stark, so dass ich mich zum Ende hin ein wenig gelangweilt habe.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Kill Your Friends" von John Niven

    Geld, Sex, Musik, Drogen und Erfolg -
    um diese Bestandteile dreht sich das Leben von Steven Stelfox. Als A&R einer renomierten Plattenfirma hat er alles was er sich wünschen kann. Doch ebensoschnell wie der Erfolg kommt, geht er in seiner Branche auch und er greift zu drastischen Mitteln als sich sein Berufsumfeld ändert. Stellfox schreckt vor nichts zurück und ermordet sogar einen Arbeitskollegen. Seine Probleme türmen sich immer weiter auf und wachsen zu
    einem monumentalen Berg aus Koks, Sex, Mord und Gewalt.

    Ein sehr gutes Buch welches die Gefühle bewegt und ebenso erschüternd wie lustig ist.
    Ich bin extra auf die Lesung von Bela B nach Hamburg gefahren und kann dieses
    Buch sowie den Nachfolger "Coma" besten Gewissens empfehlen!
    - Nicht nur für Freunde des Musikbussines ein absolutes Muss -

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    fytschys avatar
    fytschyvor 9 Jahren
    Rezension zu "Kill Your Friends" von John Niven

    Ein krankes Buch :-) so wie ich es mag, fängt sehr gut an und man erwartet eigentlich nicht viel, hat ein wenig was von Bret Easton Ellis "Amercian Psycho" aber kommt natürlich nicht dran. Für zwischendurch ist es ganz gut, aber nicht perfekt. Ich war amüsiert :-)

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