Straight White Male

von John Niven 
4,2 Sterne bei61 Bewertungen
Straight White Male
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sunlights avatar

Niven begeistert mich mit seinen satirischen Romanen immer wieder. Der Einstieg ist allerdings grenzwertig...dran bleiben, es lohnt sich.

Denise_Bretzs avatar

Nivens kranke Charaktere sind der Hammer. Auch mit "straight white male" hat er mal wieder voll den irisch-zynischen Geschmack getroffen.

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Inhaltsangabe zu "Straight White Male"

Scharfzüngig und wunderbar komisch

Kennedy Marr ist ein Autor der alten Schule. Irisch, zynisch bis zum Anschlag, ein Borderline-Alkoholiker und Sex-Süchtiger. Sein Mantra lautet: hart trinken, gut essen und jede Frau flachlegen, die bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mittlerweile als Drehbuchautor in L. A. ansässig, flucht er sich durch die kalifornische Literatur- und Filmszene. Doch sein verschwenderischer Lebensstil bringt ihn an den Rand des Bankrotts, bis sich unverhofft eine Lösung anbietet. In England wird er für einen hoch dotierten Literaturpreis vorgeschlagen. Um an das Geld zu kommen, gilt es allerdings, mehrere konfliktbeladene Auflagen zu erfüllen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453268487
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:20.01.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 10.02.2014 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Nane2812s avatar
    Nane2812vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schonungslos, kritisch und klassisch John Niven.
    Wie immer... schonungslos und ohne Blatt vorm Mund!


    Kennedy Marr ist Schriftsteller. Als Autor hat er Bestseller veröffentlicht und schreibt nun Drehbücher für Hollywood. Aber sein Leben lief nicht immer so glamourös. Nach der Uni ist Kennedy zunächst auf die Unterstützung seiner Ehefrau angewiesen. Sie arbeitet und versorgt sie beide. Zusammen haben sie eine Tochter.
    Aber Kennedy ist untreu. Er verlässt seine Frau und schläft sich durch die Welt.
    Plötzlich sieht sein Leben aber nicht mehr ganz so rosig aus - das Finanzamt bittet um eine deftige Steuernachzahlung. Um seinen Lebensstil, bestehend aus Drogen, Sex und Alkohol, weiterhin finanzieren zu können, muss Kennedy einem unliebsamen Filmprojekt das Drehbuch schreiben und zurück nach Irland reisen, um dort eine Gastprofessur für einen Preis anzutreten, der zufällig mit einer halben Million Pfund dotiert ist. Dabei trifft er wieder auf seine Exfrau. Und auch der Rest seiner Vergangenheit holt ihn wieder ein.

    Das Buch von John Niven ist wieder sehr ehrlich, sehr schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste geschrieben. Das macht es aber auch gut lesbar. Man fiebert vollständig mit Kennedy mit. Man fragt sich immer: Ist das jetzt noch charmant ehrlich oder unverschämt und der Kerl gehört weggesperrt.

    Dabei wird auch Kennedys selbstkritische Art hervorgehoben. Er weiß, dass er nicht perfekt ist, aber ändern will er sich dennoch nicht. Immer wieder schweifen seine Gedanken in die Fehler seiner Vergangenheit. So lernt man auch, warum er ist, wie er ist.

    Die Story ist witzig, ehrlich und spannend. Ich hatte richtig Freude beim lesen. Das nächste Buch von John Niven ist bereits bestellt. :)

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    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Niven schreibt gnadenlos und tiefgründig, mit derbem Humor gespickt über die fundamentalen Fragen des Lebens. Lesenswert!
    Gnadenlos, derbe und tiefgründig!

    Inhalt / Klappentext:

    Kennedy Marr ist ein Autor der alten Schule. Irisch, zynisch bis zum Anschlag, ein Borderline-Alkoholiker und Sex-Süchtiger. Sein Mantra lautet: hart trinken, gut essen und jede Frau flachlegen, die bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mittlerweile als Drehbuchautor in L. A. ansässig, flucht er sich durch die kalifornische Literatur- und Filmszene. Doch sein verschwenderischer Lebensstil bringt ihn an den Rand des Bankrotts, bis sich unverhofft eine Lösung anbietet. In England wird er für einen hoch dotierten Literaturpreis vorgeschlagen. Um an das Geld zu kommen, gilt es allerdings, mehrere konfliktbeladene Auflagen zu erfüllen.

    Meine Meinung:

    Das ist wieder einer dieser John-Niven Romane der gnadenlosen, direkten und tiefgründigen Art. Nachdem der Autor uns in "Kill your Friends" Einblick in die Musikszene gibt, in "Gott bewahre" die TV-Szene aufs Korn nimmt, geht es hier nun um die Buch- und Filmszene. Kennedy Marr, der Protagonist, ist Schriftsteller und Drehbuchautor und verdient damit Millionen. Aber noch schneller gibt er das Geld für rauschende Partys, teure Restaurants, sehr viel Alkohol, protzige Villen und seinen ausschweifenden Lebensstil wieder aus, so dass er mehr Schulden als Vermögen hat.

    Er ist mir als Leserin zunächst völlig unsympathisch, der totale Macho, der in jeder Frau ein Sexobjekt sieht. Total egoistisch und ohne Rücksicht auf Verluste nimmt er sich, was er haben will. Als er dann einen Buchpreis gewinnt, der mit einem Semester an einer Uni verbunden ist, wo er unterrichten muss, wird er von L.A. zurück in seine Heimat England geschickt. Dort wird er konfrontiert mit seiner Exfrau, seiner jugendlichen Tochter und seiner todkranken Mutter, die er allesamt sehr vernachlässigt hat. Und auch die Erinnerung an seine jüngere Schwester, die mit Anfang Dreißig einen Drogentod gestorben ist, plagt ihn täglich. 

    Und nun wird ihm vor Augen geführt, was er alles verpaßt hat: seine Tochter ist schon fast erwachsen, seine Mutter hat nicht mehr lange zu leben. Und er beginnt seinen oberflächlichen Lebensstil infrage zu stellen und ob es das alles wert war. Ob er nicht doch mehr für seine Schwester hätte tun können, sie von ihrem elenden Leben hätte bewahren können. Was wohl richtig oder wichtig ist im Leben, seine Freiheit und seine Begierden oder soziale Zwänge und Verantwortung zu übernehmen. Und ob er als Schriftsteller nicht genau durch diese Abgründe gegangen sein muß, um über das Wesentliche, das Leben und den Tod zu schreiben?

    Er wird deshalb aber nicht zum braven Lämmchen, sondern macht währenddessen weiter mit seinen Eskapaden, läßt keine Gelegenheit aus, sich sinnlos zu besaufen, rumzupöbeln und natürlich auch "rumzuvögeln". Wobei er in manch absurde Situation gerät, was auch viel zum Schmunzeln bietet.

    Niven führt uns durch das Innenleben dieses Schriftstellers, er wühlt auf, geht den Dingen auf den Grund, nimmt den Leser mit auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Wobei er derbe und direkt die Dinge formuliert, da wird nichts geschönt, eher etwas übertrieben. Und wenn man sich nicht wirklich mit dem Protagonisten identifizieren kann, so doch mit den Erfahrungen, die er macht, mit den Gedanken, die ihn plagen und den großen Fragen über Leben und Tod, die ihn quälen.

    Das ist genau das, was mich an den Büchern von John Niven so reizt, mir so gut gefällt: tiefgründig und sehr straight!

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    WortGestalts avatar
    WortGestaltvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Sex, drugs and literature! John Niven erzählt ziemlich straight von einem white male! Ein Entwicklungsroman, aber einer, der rockt! ;)
    Sex, drugs and literature!

    Ganz ohne Vorgeplänkel starte ich dieses Mal meinen Text, denn da das Buch nicht lange um den heißen Brei herumredet, verzichte ich auch darauf und lege direkt los.

    Das Buch beginnt sprachlich recht derbe, die Umschreibung „Kraftausdrücke“ kommt einem da fast niedlich vor. Aber das Buch ist bei „Heyne Hardcore“ und nicht bei „Heyne Blümchenwiese“ erschienen und inhaltlich hat das letztlich auch alles seine Richtigkeit und entfaltet zu gegebener Zeit seine Wirkung. Vor allem dann, wenn die Kapitel vom fluchenden Protagonisten Kennedy Marr zu den anderen Akteuren des Buches wechseln, merkt man dann sofort, erstens, Niven kann schreiben, und zweitens, die Schimpftiraden samt unflätiger Worte gehören zur Charakterzeichnung der Hauptfigur.

    Und die hat es in sich. Kennedy Marr ist ein weltweit erfolgreicher Bestseller-Autor, lebt nun als Drehbuchautor in Los Angeles, prasst was das Zeug hält und verbringt seine Tage mit Sex, Alkohol und Drogen. Dabei ist ihm wenig heilig und schon gar nichts wichtig, ein Leben im Überdruss, zu viel Frauen, zu viel Geld, zu viel Ruhm. Doch zumindest das Geld neigt sich langsam dem Ende zu, sein überbordender Lebensstil bringt ihn trotz horrender Tantiemen an den Rand des finanziellen Ruins, er ist mit diversen Drehbuchprojekten in Verzug und Steuerschulden tun ihr übriges. Wie gerufen kommt da ein lukratives Angebot aus England: Kennedy Marr wurde für einen hochdotierten Literaturpreis erwählt, dessen Prämie seine Geldsorgen auf einen Schlag beheben könnte. Wäre da nicht ein winziger Haken an der ganzen Sache. Kennedy soll für ein akademisches Jahr an der Universität von Deeping im englischen Warwickshire unterrichten.

    An dieser Stelle würde in einem Theaterstück das Publikum in schallendes Gelächter ausbrechen, weil der Schauspieler einen wahnsinnig guten Witz erzählt hat. Kennedy Marr an einer Uni? In England? Auf dem Land? Unterrichten? Die Vorstellung ist ungefähr so absurd wie die eines Elefanten auf einem Einrad. Aber in der Not frisst der Teufel fliegen, und Kennedy Marr unterrichtet Studenten. Unnötig zu erwähnen, dass an ebendieser Uni auch seine Ex-Frau unterrichtet und mit der gemeinsamen Tochter ganz in der Nähe wohnt.

    Was nun folgt, ist eigentlich ein Entwicklungsroman, denn der Leser erlebt, wie sich die Figur Kennedy Marr zunehmend mit Sinn und Unsinn seines Lebens auseinandersetzt, Verpasstes betrauert, Getanes bereut und dabei trotzdem von einer absurden Situation in die nächste stolpert. Das Buch bietet dabei eine ganze Palette an ironisch-satirischen Anspielungen auf die Filmbranche und den Literaturbetrieb, aufs Stars, Sternchen und vermeintliche Künstlerseelen. Nicht zu kurz kommt dabei ein gewisser Tiefgang, viele Figuren und ihr Leben agieren als Gegenpol zum glamourösen Hollywood-Lifestyle und zeigen Kontraste auf, die so kaum deutlicher hätten werden können.

    John Niven ist hier in meinen Augen ein wirklich guter Roman gelungen. Die Handlung ist recht vorhersehbar, aber das machte mir in diesem Falle nichts aus, denn die Geschichte ist einfach irre gut erzählt. Niven lässt seinen Protagonisten erst ganz laut und provokativ und dann später immer leiser und reflektierter werden, bis am Ende selbst der Leser ganz versöhnt ist mit dem zu anfangs unausstehlichen Kennedy Marr.

    Fazit: Ein Entwicklungsroman, der rockt! Sex, drugs & literature, ja das funktioniert hier wirklich gut! Für mich war es mein erster Niven, es wird aber nicht mein letzter sein, denn man merkt, dass hier jemand erzählen kann und dabei auch noch etwas zu sagen hat!

    Bewertung:

    Stil: 5 Sterne
    Idee: 3 Sterne
    Umsetzung: 5 Sterne
    Figuren: 5 Sterne
    Plot-Entwicklung: 4 Sterne
    Tempo: 4 Sterne
    Tiefe: 4 Sterne
    Komplexität: 3 Sterne
    Lesespaß: 5 Sterne

    Durchschnittliche Bewertung: 4,22 Sterne

    Gesamteindruck: 4 dicke, zufrieden lächelnde Sterne

    Rezension auch auf:
    http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de

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    J
    jahfabyvor 4 Jahren
    Die Romanversion von Californication


    Kennedy Marr ist ehemals erfolgreicher Autor, der viel trinkt und gerne fickt, einem Charles Bukowski nicht unähnlich. Mittlerweile in L.A. angekommen, versucht er irgendwie über die Runden zu kommen und das Verhältnis zu seiner Tochter einigermaßen gut zu halten. Aus finanzieller Verzweiflung nimmt er Dozentenstelle an einer Universität an, um jungen Menschen das schreiben beizubringen. Umgeben von vielen jungen Frauen nimmt das Schicksal seinen Lauf.
    Ich habe den Roman gerne gelesen. Er ist gut und flüssig geschrieben und hat seine tiefen Momente. Aber leider zieht er bei jedem Vergleich ganz knapp den kürzeren:
    Straight White Male vs. Californication
    Wer die Serie Californication kennt, erkennt hier große Ähnlichkeiten, und das ändert sich auch bei der Lektüre des Romanes nicht: Straight White Male ist die Romanversion von Californication. Ja, die Hauptpersonen heißen anders und nicht beide kommen aus Irland, aber das war es dann auch mit den großen Unterschieden. Was aber überhaupt nicht schlimm ist. Ich kenne und lese John Niven schon seit einigen Büchern und mag seine derbe und extreme Schreibweise. Zusammen mit dem Thema versprach das ein großer Spaß zu werden. Ist es auch. Es ist derb, extrem, skurril und lustig, wie seine anderen Bücher auch. Und es ist sehr nah an Californication. Das tut dem Lesevergnügen erstmal keinen Abbruch, aber mit der Serie hat das Buch einen ebenso derben und guten Konkurrenten. Und natürlich vergleicht man andauernd, wenn man beides kennt. Dabei kommt raus: Die Serie ist krasser, hat die größeren Ausschläge und komischen Momente. Aber der Roman ist menschlicher. Hank Moody aus Californication ist ein geiler Typ, keine Frage. Aber man will nicht mit ihm tauschen. Kennedy Marr dagegen macht auch extreme Sachen, aber hat eine große menschliche, zweifelnde Seite, er ist nicht ganz so abgebrüht, wie Moody. Und das lässt das Buch glänzen und gibt ihm seine guten Momente. Von der Story her aber ist die Serie größer.
    Straight White Male vs. die anderen Bücher von John Niven
    Wie gesagt, der Roman liest sich super und macht unglaublich Spaß, meiner Meinung nach hat John Niven aber mit Gott bewahre und Coma geschrieben. Ich habe diesen hier gern gelesen. Aber ich freue mich auf neue, stärkere Bücher.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Sie haben sich an der Liebe vergangen!

    John Niven war vor Straight White Male absolut unbekannt für mich. Ich hatte noch NIE etwas von ihm gehört. Dann las ich das Buch und habe einen neuen Lieblingsautoren gefunden.

    Straight White Male beschönigt nichts, es verherrlicht nichts, es erzählt einfach die Geschichte von dem Autor Kennedy Marr. Kennedy Marr ist ein totaler Antiheld. Er gibt sich während Straight White Male große Mühe, dass man ihn hasst und ihm die Pest an den Hals wünscht. Aber je mehr man von ihm liest, desto tragischer wird diese gebrochene Figur eines Mannes. Er hat alles und doch ist er einer der ärmsten Protagonisten, von denen ich bisher gelesen habe. Man begleitet Kennedy dabei, wie er fest jede Situation in seinem Leben verhaut. Er steht oft an Kreuzungen. An der einen Straße steht „richtiger Weg“ und an der anderen Straße „total falsche Entscheidung“ und irgendwie entscheidest sich Kennedy Marr sehr oft für die „total falsche Entscheidung“.
    Er überlebt trotzdem und man muss ihm einfach folgen. Denn so gemein und arschig er ist, so empfindet man auch Mitleid und hofft, dass er sich irgendwann einmal richtig entscheidet.

    Straight White Male ist ein sehr emotionales Buch und an manchen Stellen stand mein Mund offen vor Unglaube. Hatte der Typ das gerade gemacht? Ist das wirklich gerade geschehen? Hat er das wirklich gesagt? Warum redet noch jemand mit diesem Typen?
    Es ist ein einmaliges Buch und wirklich eine extreme Bereicherung des Buchmarktes.

    Jetzt etwas zu John Niven:
    Den Schreibstil von Straight White Male fand ich fantastisch. Er war nicht blumig oder verschnörkelt. Er war direkt und tabulos. Niven hat sich Situationen erdacht und sie unbeschönigt niedergeschrieben. Sein Humor ist knochentrocken und schwarz wie die Nacht. Es ist einfach wirklich sehr gut geschrieben und konstruiert, mit einer einzigartigen Wortwahl.
    John Niven erzeugt bei Straight White Male eine Spannung. Man muss das Buch weiterlesen und dabei ist dieses Buch nicht mal ein Thriller. Man muss einfach erfahren, wie es am Ende der fast 400 Seiten mit Kennedy Marr steht, weil Niven es versteht den Spannungsbogen zu spannen.

    Schluss-Fazit:

    Als ich Auszüge von Straight White Male während der Lesung hörte, dachte ich es handelt sich um ein lustiges Stück Trivialliteratur. Aber als ich das Buch selbst las entpuppte sich dieser Roman als eine bittersüße und harte Gesellschaftskritik gegenüber den Straight White Male. Wirklich extrem empfehlenswert!

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 4 Jahren
    Straight white male; John Niven; straight great writer -

    „Es ist besser auszubrennen als zu verblassen“ - Barbar Curgan aus Highlander

    Ein alternder, selbstverliebter,  überheblicher Mann auf der immerwährenden, verlustreichen  Jagd nach dem orgiastischen Höhepunkt der ihm Unsterblichkeit verleiht.

     

     

    Tragisch. Und komisch. Und widerlich ihm beim wichsen über die Schulter und in seine Gedanken zu schauen. Er ist armselig. Hat alles versaut was wichtig ist. Betäubt sich mit allem was er kriegen kann. Kurz: Der Erfolgsschriftsteller, arrivierte und begehrte Drehbuchschreiber Kennedy Marr ist ein absolutes Arschloch, nur seinen hedonistischen Instinkten verschrieben, scheut vor jeder Pflicht, Routine zurück. Verweigert sich ihr.

    Irischstämmig, klischeehaft versoffen und keiner körperlichen Auseinandersetzung abhold besitzt er in seinem Umfeld nur wenige Sympathien.

    Frauen existieren zu seiner Befriedigung. Loyalität ist ihm fremd.

     

    John Niven hat es dennoch erreicht, bei mir zuerst widerwillige, später tiefere Sympathie und etwas was an Verständnis grenzt, für diesen infantilen  Menschen zu wecken.

    Da ist seine Liebe zu seiner Tochter, seine Liebe zur Literatur, seine Verehrung für die Liebe, und, in den spätabendlichen, einsamen  Absackerstunden, seine aufrichtige Verehrung für Lyrik.

    Seine Exzentrik, seine Eitelkeit, seine Affinität zu guten Schuhen, und Autos und die bodenlose Einsamkeit die ihn immer wiederkehrend überwältigt und nur mit Alkohol und Drogen in Schach zu halten ist.

     

    Kennedy Marr ist ein Schwein. Ein egomanischer Narzisst. Dies ist ihm bewusst in seinen dunklen Stunden.. Aber er genießt es. Er lebt nur für den Genuß. Er kann nicht anders.

    Er strampelt sich dermassen ab dafür und verliert alles was wirklich zählt.

    Er kann nicht anders. Er versucht es bis ihm das Hirn wieder in den Schwanz sackt. Wie bei seiner zweiten Hochzeit die damit endet, dass er, stockbesoffen  auf der Behindertentoilette, a Tergo in der besten Freundin seiner Frischangetrauten steckend, von dieser sowohl eine gescheuert als auch die sofortige Scheidungserklärrung erhält.

    Sein eigentlich so ausgeprägter Wille ist wandelbar wenn ein neuer Höhepunkt in Form von unwiderstehlichen Lippen , dazu passenden Brüsten und lockendem Steiß winkt.  

     

    Niven versteht es diesen Charakter mit Leben und Esprit zu füllen. Diesen „straight white male” im Stile Faulkners, Hemigways, Mailers, Fitzgeralds, Updikes, Millers, deren Antrieb und Intentionen er in diesem großartigen Roman wunderbar direkt überzeichnet.

     

    Todessehnsucht, Hybris , Arroganz, panische Angst vor dem Altern  und Unmengen Testosteron . Alles vereint in einem Manne mit schwächstens ausgeprägter Diplomatiebegabung, dafür erheblichem Adrenalinspiegel.

     

    Nivens Kunst  ist die  Darstellung und die Authenzität des Charakters Kennedy Marr. Dessen unbeschränktes Selbstbewusstsein sein ewigwährender, aussichtsloser aber erbitterter  Kampf gegen die Nichtigkeiten und Kleinlichkeiten des Lebens, die nervende Scheiß Pille Palle, welchen er sich erst dank seiner ersten Frau, später mithilfe seines Geldes weitestgehend zu entziehen versucht.

    Natürlich wird und muss er daran scheitern. Man ahnt es aber der Weg ist das Ziel und Kennedy auf diesem Weg zu begleiten ist dank Nivens ausgefeilten herrlich zynischen und fiesen Dialogen und Situationen  wahre Freude und höchst amüsant unterhaltsamer Lesegenuß, der in den Spuren und Biographien  der ganz großen amerikanischen Autoren wildert. So man sie denn für groß hält.

    Vorausgesetzt man hält die Obszönitätäten aus, die zartere Leser womöglich bereits auf den ersten Seiten dazu bringen könnten sich angewidert abzuwenden. Denn Marr hält, wie bereits erwähnt nichts von Triebstau. Ebensowenig wie Niven von sachten Umschreibungen. Da geht es direkt zur Sache.

     

    „Die komplette Judy Garland Nummer: Man wollte sich die ganze Welt packen und sie durch die Nase ziehen. Aber wie sollte man wissen, dass man genug hatte, bevor es zuviel war?“

     

     

     

     

     

    Welchen Weg Kennedy wählt, es scheint vorgezeichnet und doch gibt es jederzeit Möglichkeiten, es gibt immer die Möglichkeit sein Leben zu verändern.............

     

     

     

     

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    Haverss avatar
    Haversvor 4 Jahren
    Respektlos, direkt und grundehrlich!

    Der erfolgreiche Mittvierziger Kennedy Marr stammt aus Irland und ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Wie so viele Iren ist er der geborene Geschichtenerzähler, und so beginnt er in jungen Jahren mit dem Schreiben, was ihm schlussendlich eine Nominierung für den Booker Prize und eine Auflagenstärke in Millionenhöhe beschert. Aber richtig Geld verdient man nicht mit dem Schreiben von Romanen sondern im Filmgeschäft, und so verlagert er seinen Wohnsitz nach Los Angeles und schreibt Drehbücher. Sein Bankkonto füllt sich, doch Marr pflegt einen aufwendigen Lebensstil mit Sex und Suff und jeder Menge Rock’n’Roll. Kein Wunder, dass die Honorare kurz nach Eingang schon wieder weg sind und er ständig unter Geldknappheit leidet.

    Einen Ausweg aus der akuten finanziellen Misere bietet die Verleihung eines englischen Literaturpreises mit einem üppigen Preisgeld. Aber die Geschichte hat einen Haken, denn die Bedingung, die an die Annahme desselben geknüpft ist, verursacht Kennedy Marr Bauchschmerzen, denn er muss für ein Jahr zurück nach England und einen Lehrauftrag an einer Universität annehmen. Ein grässlicher Gedanke, und die Vorstellung sich mit seinen zurückgelassenen Familienmitgliedern auseinandersetzen zu müssen, trägt auch nicht zu seinem Wohlbefinden bei…

    Eine schillernde Hauptfigur, die sich John Niven in seinem neuesten Roman „Straight White Male“ ausgedacht hat - ein sexsüchtiger, undisziplinierter irischer Kerl, aber dennoch liebenswert, unter dessen stachliger Schale ein weicher Kern verborgen liegt, obwohl dieser nur ab und an durchblitzt. Ein Raubein auf Sinn- und Selbstsuche.

    Wie bereits in seinen andren Romanen pickt sich der schottische Autor einen Bereich heraus – in diesem Fall die  geschäftstüchtige Industrie rund um Buch und Film – und seziert diesen gnadenlos. Er schaut durch ein Vergrößerungsglas, spielt mit den Eitelkeiten und karikiert das Verhalten aller Beteiligten.

    Die Sprache ist rotzig und direkt, oft auch vulgär, sodass empfindliche Leser schon ihre Schwierigkeiten mit diesem Roman haben könnten. Das wird aber durch den rabenschwarzen Humor des Schotten aufgewogen, den wir bereits aus „Kill your friends“, „Coma“ und „Gott bewahre“  kennen – respektlos, direkt und grundehrlich, herzerfrischend und saukomisch. Lesen!

    Kommentare: 2
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    Caastorbs avatar
    Caastorbvor 5 Jahren
    Testosteron pur

    Kennedy Marr ist ein erfolgreicher, irischer Romanautor in Amerika. Er führt einen verschwenderischen Lebensstil, trinkt gerne, fickt gerne, prügelt sich gerne und lebt in seiner eigenen Männerwelt. Seine Schreibhemmungen bringen ihn in Terminschwierigkeiten, seine Steuerschulden sind ihm über den Kopf gewachsen und wegen einer Prügelei in einer Bar und sexueller Nötigung muss er eine Therapie besuchen. Schwanzgesteuert pflügt der Mittvierziger durch sein Leben. 
    Um seine Steuerschulden begleichen zu können, muss er für ein halbes Jahr eine Stelle als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt annehmen. Kennedy hasst den biederen Universitätsbetrieb. Mit seiner ausschweifenden Lebensart provoziert er einen Skandal nachdem anderen. Aber da sind dann noch seine Ex-Frau, seine Tochter und seine sterbenden Mutter. Die Konfrontation mit seiner Vergangenheit, mit seiner Kindheit lösen bei ihm einen Klärungsprozess aus. Als er erfährt, dass er seine Männlichkeit verlieren wird, kommt es zum Zusammenbruch. 
    Das Buch ist brutal männlich geschrieben - also nichts für sensible Gemüter. Kennedy lässt kein Fettnäpfchen aus. Er holt sich vom Leben, was er kriegen kann. Mein nächstes Buch ist der Bestseller 'Kill your friends' von John Niven. Sein Stil hat mich begeistert.


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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Straight White Male - John Niven

    Klappentext

    Kennedy Marr ist ein Autor der alten Schule. Irisch, zynisch bis zum Anschlag, ein Borderline-Alkoholiker und Sex-Süchtiger. Sein Mantra lautet: hart trinken, gut essen und jede Frau flachlegen, die bei drei nicht auf den Bäumen ist.

    Er schreibt Filmskripte in LA, säuft, beleidigt und flucht seinen Weg durch die kalifornische Gesellschaft, doch leidet er auch unter einer Schreibblockade und unbezahlten Steuern. Aber eine unerwartete Lösung bietet sich an. Marr soll als unwahrscheinlicher Kandidat den W. F. Bingham Preis erhalten für einen herausragenden Beitrag zu modernen Literatur. Der Preis ist eine halbe Million Pfund wert. Doch dafür muss er auch einen Preis bezahlen: Er muss ein Jahr in England verbringen und an einer Universität unterrichten, im selben Ort wo auch seine Ex Frau und seine Tochter wohnen.

    Am Anfang

    Er sitzt ganz bequem in einem Klubsessel, blickt aus dem Fenster, und gibt vor über die Frage nachzudenken. Wenn er nach Osten blickt, sieht er Downtown Los Angeles, brütend heiß in der Juli-Hitze. Die Amerikaner sagen »Broiling« und, obwohl er schon seit 8 Jahren hier lebt, weiß er immer noch nicht was das heißen soll. War das irgendwas zwischen braten und kochen? Also »frying and boiling«? Wäre »Froiling« nicht besser? Was auch immer, es war 11 Uhr und es war unerträglich heiß. Aber hier sitzt er zum Glück in der angenehmen Kühle einer Klimaanlage. Es wird ihm bewusst, dass Dr. Bendle – einer der wahnsinnigsten Kreaturen dieser wahnsinnigen Stadt – ihn erwartungsvoll anschaut, sein ernstes, verkniffenes Gesicht fordert eine Antwort. Kennedy realisiert, dass er die Frage vergessen hat. Er ist kein Zuhörer.

    Meine Meinung

    Warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte? Wieder einmal war der Sebastian »Büchermonster« schuld. Wenn er ein Buch mit 9/10 bewertet, dann muss es gut sein und seine Rezension hat mich sehr neugierig gemacht.

    Kennedy Marr kommt aus Irland, wohnte für einige Jahre in London und lebt nun seit 8 Jahren in LA, Kalifornien. Er ist nicht »böse« aber er ist der unmöglichste, unsympathischste Mensch, der mir je in einem Buch begegnet ist! Sein Alkoholkonsum würde jeden normalen Menschen zu einer Alkoholvergiftung verhelfen. Sein Zigarettenkonsum wird zumindest durch die sehr strengen Nichtrauchergesetze in den USA eingeschränkt. Es gibt fast keinen Satz aus seinem Mund, der nicht ein f*** dies oder f*** das enthält und auf jeden Fall sollte, nach seiner Meinung, jeder sich irgendwas dorthin stecken, wo die Sonne nicht scheint, um es halbwegs höflich auszudrucken.  Er kann sich nicht an das Datum seiner Hochzeit erinnern, aber an allen Details einer sexuellen Begegnung, egal wann, egal wo, egal mit wem. Im Wörterbuch, unter dem Begriff Narziss, steht 100% der Name Kennedy Marr. Gar nicht leicht diesen Mann zu beschreiben in einem Text, der Jugendfrei sein sollte!

    Die Charakterisierung von Kennedy Marr ist großartig! Ich dachte zuerst, dass es sehr klischeehaft sei, einen Iren als Alkoholiker dazustellen. Ich habe gegoogelt und wollte wissen, ob die Iren wirklich so viel trinken. Ich habe tatsächlich einen Artikel gefunden über eine EU-Umfrage zum Thema Alkoholexzessen und dort steht schwarz auf weiß: »Spitzenreiter bei der Frage, wie oft man im vergangenen Jahr fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander konsumiert hat, ist Irland mit 44 Prozent«. Ich muss aber dazu sagen, dass Österreich und Deutschland den dritten Platz teilen mit 36 Prozent. Also kein Klischee, die Iren lieben ihr Bier und ihren Whisky.

    Wir verfolgen Kennedy Marr durch ein absolut chaotisches halbes Jahr. Wenn er nicht immer schon so gewesen wäre, könnte man sagen er ist in einer Midlife-Crisis. Doch Kennedy ist schon seit vielen Jahren ein sexsüchtiger Alkoholiker mit einem Hang zu Obszönität, die einem die Socken auszieht. Dazu kommt, dass er auch noch ziemlich streitsüchtig ist und in Pub-Schlägereien gerät. Er scheut sich nicht einem Berg von einem Mann zu sagen, wo er etwas hinstecken kann, das hat Folgen. Aber, er ist ein erfolgreicher Autor, dessen erstes Buch in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Derzeit hat er seit Jahren kein Buch geschrieben, schreibt aber Skripts für Filme. Darin ist er genauso erfolgreich und verdient sehr viel Geld, so viel, dass er 1,4 Millionen Dollar Steuerschulden hat.

    Es gibt in Kennedys Leben auch Menschen, die ihm wichtig sind, auch wenn man glauben könnte, dass er nur sich selbst liebt, was aber eher einer Hass-Liebe gleicht. Seine kranke Mutter und sein jüngerer Bruder Patrick in Irland, seine Ex-Frau Millie und seine 16-jährige Tochter Robin. Tragische Ereignisse in seiner Vergangenheit tragen vielleicht dazu bei, dass er so ist, wie er jetzt ist. In diesem halben Jahr gerät er von einer unmöglichen Situation in die nächste, aber er trägt auch die Konsequenzen für sein Handeln. Seine Ausschweifungen sind jenseits von Gut und Böse. Und zum Schluss hat John Niven es geschafft, dass ich diesen Mistkerl mag, auch wenn ich um alles Geld der Welt nicht mit ihm tauschen möchte.

    Die Darstellung, wie es in Hollywood zugeht, wie sich Stars, Produzenten und Regisseur benehmen, ist vielleicht auch ein Klischee, aber es ist einfach zu unterhaltsam, zu humorvoll und schlussendlich doch halbwegs glaubwürdig genug um darüber hinweg zu sehen.

    Das Ende vom Buch war ab einem bestimmten Zeitpunkt fast vorhersehbar, und auch wieder nicht. Es hat einfach perfekt gepasst. Wer sich vor obszönen Ausdrücken nicht scheut und eine absolut glänzende Unterhaltung mit rhetorischem Niveau möchte, mit viel Zynismus, Ironie und schwarzem Humor, gewürzt mit etwas Tragik, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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    didionlines avatar
    didionlinevor 5 Jahren
    Straight White Male

    In John Nivens neuem Roman "Straight White Male" geht es sowohl inhaltlich als auch sprachlich heftig zur Sache: Sein Antiheld Kennedy Marr läßt nichts aus, Partys, Sex und Drogen stehen auf seiner Tagesordnung, und sein Umgangston ist derb, vulgär und zynisch - eben so, wie man sich einen arroganten, egozentrischen Drehbuchautor in Hollywood vorstellt. Im Verlauf des Buches zeigt sich Marr aber auch von einer anderen Seite, immer mehr treten seine Verletzlichkeit und seine persönliche Sinnsuche zutage. Dadurch bekommt der anfänglich unsymphatische Charakter durchaus liebenswerte Züge, und die eigentlich über weite Strecken vorhersehbare Geschichte wird zunehmends unberechenbarer. Letzten Endes macht aber nicht die Story, sondern der erfrischende, rabenschwarze Humor den Reiz dieses äußerst unterhaltsamen Romans aus.

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