Früchte des Zorns

von John Steinbeck 
4,5 Sterne bei131 Bewertungen
Früchte des Zorns
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Vinschens avatar

Erschreckendes Hauptwerk, auch das war Amerika.

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Ein Klassiker!

Alle 131 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Früchte des Zorns"

"Früchte des Zorns" legte den Grundstein zu John Steinbecks literarischem Ruhm; ein Jahr nach Erscheinen des Romans erhielt er den Pulitzer-Preis. Aufgrund seiner harten Kritik an der herrschenden Gesellschaftsordnung löste das Buch jedoch auch heftige Kontroversen aus und wurde zeitweilig sogar verboten. Der Autor schildert naturverbundene, einfache Menschen. Im Mittelpunkt steht die Mutter, die in Not und Verzweiflung der Familie immer wieder neue Kraft zu geben vermag. Steinbeck schreibt mit großer Menschlichkeit und sprachlicher Kraft vom Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783552051911
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:640 Seiten
Verlag:Zsolnay, Paul
Erscheinungsdatum:18.02.2002

Rezensionen und Bewertungen

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    TashaWinters avatar
    TashaWintervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine fantastische Familiensaga mit politischem Hintergrund
    Tom Joads Kampf

    Dieses Buch hat uns damals meine Englisch-Lehrerin empfohlen, neben "1984" und "Brave New World". Da ich sehr viel bei ihr gelernt habe, habe ich diese Bücher auch alle gelesen. "Grapes of Wrath" hat mich damals sehr beeindruckt. Ich war der Meinung, dass ich es eben lesen würde, weil es zum amerikanischen Litereaturkanon gehört und dass ich mich vermutlich ziemlich durchkämpfen muss. Ich hätte nicht erwartet, dass es mich so sehr fesselt.

    Das Buch spielt in den 30er Jahren. Es geht um Tom Joad, der gerade aus dem Gefängnis verlassen wird, als er erfährt, dass seine Familie ihre Farm in Oklahoma verlassen muss, da während der Sandstürme ihre gesamte Ernte eingegangen ist. Sie wollen nach Kalifornien wo es angeblich genügend Arbeitsplätze auf den Obstplantagen gibt. Tom schließt sich seiner Familie an, obwohl er als Entlassungsauflage Oklahoma eigentlich nicht verlassen darf. Fortan begleitet man die Familie auf der beschwerlichen Reise nach Kalifornien. Je näher sie ihrem Ziel jedoch kommen, desto öfter hören sie das Gerücht, dass es in Kalifornien keine Arbeit für sie geben wird, da zu viele Familien dorthin ziehen, die ihre Farmen auf Grund der Sandstürme aufgeben müssen. Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf.

    Ich weiß noch, dass ich damals als ich das Buch gelesen habe wirklich das Gefühl hatte, mit der Familie unterwegs zu sein. Der Charakter des Tom Joad hat mich nachhaltig beeindruckt. Später habe ich außerdem gelesen wie sehr das Buch nach seiner Veröffentlichung in der Kritik stand, weil es die Situation der armen so deutlich hervorhebt. Mir sit damals vielleicht zum ersten Mal wirklich klar geworden, was für eine Macht Literatur haben kann. Nicht, dass man es mir vorher nicht schon gesagt hätte, aber damals ahbe ich es zum ersten Mal wirklich verstanden. 

    Ich lese zur Zeit "East of Eden", ebenfalls von Steinbeck, habe damit aber meine Probleme. Es aht mich noch nicht so in den Bann gezogen wie "Grapes of Wrath", das mir wirklich schlaflose Nächte bereitet hat, weil ich unbedingt weiterlesen musste.

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    CarolinHafens avatar
    CarolinHafenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: "Alles was lebt, ist heilig." Traurig und schlimm, hoffnungsvoll und realistisch. Krass, in jeder Zeile.
    Alles, was lebt, ist heilig.

    Tom Joad wird aus dem Gefängnis entlassen und kommt gerade noch rechtzeitig nach Hause. Seine Familie hat alle Habseligkeiten verkauft und will mit einem umgebauten LKW nach Kalifornien fahren – dort werden Arbeiter gebraucht. Pflücker für Orangen, Pfirsiche und Baumwolle. Ihre Farm müssen sie aufgeben, die anhaltende Dürre macht jede Ernte zunichte, große Firmen kaufen die Farmen auf, Traktoren ersetzen die Arbeit der Menschen. Jedes Pferd wird besser behandelt als die Farmer.

    Die Familie Joad steht vor dem Nichts und macht sich mit großen Hoffnungen auf nach Kalifornien. Der ehemalige Prediger Casy schließt sich der Familie an. Es sieht Anfangs so aus, als wäre Tom Joad die Hauptfigur, bald wird aber klar, es ist seine Mutter – sie und alle Frauen dieser Zeit.

    John Steinbeck erzählt die Geschichte dieser Flüchtlingsfamilie, stellvertretend für hunderttausende, die hungrig ihre Farmen aufgeben und ihr Glück woanders suchen. So wechseln auch die Kapitel ab, zwischen die Ereignissen, denen die Joads ausgesetzt sind,  und der Stimmung, die das ganze Land befällt. Er schafft es geschickt, ein großes Ganzes mit dem Einzelschicksal zu verbinden. Ein Beispiel: In einem Kapitel, das eigentlich nichts mit den Joads zu tun hat, will ein Mann Brot kaufen, für seine Frau und seine Söhne. Er geht in ein Diner, fragt nach Brot für 10 Cent. Das Brot kostet aber 15 Cent, das kann sich der Mann nicht leisten. Derweil stehen seine Buben vor einer Vitrine mit Zuckerzeug. Der Koch, der die Diskussion der Kellnerin und des Farmers mitanhört, herrscht sie an, sie solle das Brot für 10 Cent hergeben. Die Leute sind hungrig, in Gottes Namen, sie haben nicht mehr. Zwei LKW-Fahrer sehen das alles mit an. Die Kinder trauen sich nicht nach dem Zuckerzeug zu fragen, sie waren schon lange nicht mehr richtig satt und wissen, dafür fehlt das Geld. Der Mann stellt fest, dass er noch einen Penny übrig hat und fragt, was eine Zuckerstange kostet.

    Die Kellnerin lügt: „Zwei Zuckerstangen für einen Penny.“ Die Buben bekommen also doch etwas Süßes, die Familie geht von dannen. Heute war ein guter Tag.

    Die LKW-Fahrer, die alles mitangesehen haben, bezahlen ihren Kaffee und geben Trinkgeld, wie sich das gehört. Am Schluss stellt die Kellnerin fest, das Trinkgeld reicht für das Brot und die Zuckerstangen. Das alles ist nicht rührselig, nicht kitschig, aber so beklemmend, dass ich geheult hab und das Buch beiseitelegen musste. Und sowas passiert mir selten. Ich habe mir dann die Mühe gemacht, mal zu schauen, wann das Buch entstanden/veröffentlicht wurde. 1938/1939. Und jetzt finde ich es noch krasser, weil das Buch bzw. diese Geschichte über siebzig Jahre später weder inhaltlich noch sprachlich an Brisanz verloren hat. Im Gegenteil. Wenn ich heute das Haus verlasse, dann höre ich all die Sätze, die in dem Buch vorkommen:

    Das sind keine Menschen. Wie soll das noch werden? Die nehmen uns die Arbeit weg. Wo kommen die alle her? Und wo wollen sie hin?

    Die Aussage des Buches ist schlicht: „Alles, was lebt, ist heilig.“ Und wenn man das dann gelesen hat, liegt eine krasse, realitätsnahe, schmerzhafte Familiengeschichte vor einem. Die Mutter hält alles zusammen, sie ist der Kern der Geschichte, der Familie und dieser Prämisse. Zwischen all dem, liegt Hoffnung, liegt Optimismus. Aber man muss wirklich genau hinsehen um das zu bemerken.

    Die letzten drei Wochen – und so lange habe ich gebraucht um diesen Wälzer zu lesen – hat mich diese Geschichte geplagt und begeistert. Es war schlimm und traurig und gleichzeitig großartig. Und so manövrierte sich „Früchte des Zorns“ auf Platz 1 meiner Buch-Perlen in diesem Jahr.

    Ich will es eigentlich gar nicht extra sagen, aber ich tu´ es trotzdem. Geh los, und lies dieses Buch.

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    Angel10vor 2 Jahren
    Früchte des Zorns

    John Seinbeck erzählt die Geschichte der Familie Joad aus Oklahoma, die von ihrer Farm vertrieben wird. Staubstürme vernichten die Ernte  und bringen die Farmer um ihre Existnez. In Kalifornien wollen sie sich ein neues Leben aufbauen, in ein paar Jahren wieder ein Stück Land haben.
    Dort erwarten sie schlechte Löhne, die kaum fürs Essen reichen, ständig kommen neue Familien an, die für noch weniger Geld arbeiten.

     Die Geschichte spielt während der großen Depression in den dreißiger Jahren.

    John Steinbeck bekam 1962 den Nobelpreis für Literatur.

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein aufwühlendes und bedrückendes Buch mit Themen die immer noch aktuell sind und es wahrscheinlich auch immer bleiben werden
    Geschichtsunterricht wie er sein sollte!

    In "Früchte des Zorns" von John Steinbeck begleiten wir die Familie Joad und beobachten wie sie von der Bank und neumodischen Landwirtschaftsmaschinen von ihrem Hof verttrieben wird um dann mit Sack und Pack den langen Weg nach Kalifornien anzutreten, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch die Gier der Banken, die Überproduktion von Nahrungsmitteln mit fehlenden Absatzmärkten, Lohn-Dumping und die Angst der Menschen (kurzgesagt die Wirtschaftskrise) machen der Familie einen Strich durch die Rechnung.

    Man merkt schon, dass man nach dem Lesen dieses Klassikers ein einigermaßen fundiertes Wissen über die Hintergründe der Wirtschaftskrise in den USA der 30er Jahre aufweisen kann. Überraschenderweise ist dieses Buch aber weder langweilig noch kompliziert gewesen! Man liest, was der Familie Joad alles zustößt und versteht, wie sich eine Familie auf der Flucht fühlen muss, die doch nur ein lebenswertes Leben leben möchte. Zwischendrin hat Steinbeck immer wieder kurze Kapitel eingefügt, die sich von der Familie Joad entfernen und einen bestimmten Aspekt der Krise näher beleuchten. Diese Kapitel sind lebhaft und eindrücklich beschrieben und haben etwas von impressionistischer Kunst.

    Von Zeit zu Zeit war es wirklich geradezu schmerzhaft dieses Buch weiterzulesen. Nicht weil es nicht gut gewesen wäre sondern weil die menschlichen Schicksale, die dort beschrieben werden einfach zu niederschmetternd sind. Und man weiß, dass es nicht besser wird. Wenn widererwartend doch mal etwas glücklich verlaufen ist, war man als Leser geradezu dankbar!

    Alles in Allem fühle ich mich nach dem Lesen dieses Buches wesentlich gebildeter und gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise sollte man eigentlich jedem dieses Buch um die Ohren hauen, denn an Aktualität hat es nichts verloren.

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    AnMich_09vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Bedrückend. Grandios. Aktuell.
    Lehrstunde in Menschlichkeit

    "Früchte des Zorns" beschreibt die Erlebnisse der Familie Joad, die von ihrer Farm vertrieben wird und hoffnungsvoll ins vermeintlich "gelobte Land" voller Orangenbäume, also zu ihrem großen Traum, aufbricht. Hierbei stehen sowohl die Entwicklung der Familie, die Veränderung der Familienmitglieder durch das Erlebte, gleichwertig neben den geschichtlichen Beschreibungen im Fokus. Die Situation der Flüchtenden, der "Oakis", ist bedrückend. Wohin sie auch blicken, sind sie ungewollt, nur geduldet damit sich Großbauern an ihrer Arbeitskraft bedienen können.
    Das beinahe autonome und eigenverwaltete Flüchtlingscamp hat fast schon den Charakter von einem Zuhause. Schlimm genug dass die Armut so groß ist, dass die Familie von diesem weit und breit einzigen halbwegs friedlichen Ort wieder aufbrechen muss, um Arbeit zu suchen.
    Tom wird zu einer "Flucht inmitten der Flucht" getrieben, weil er geradlinig reagiert hat. Man macht sich das ganze Buch lang Gedanken, wie denn in den jeweiligen Situationen moralisch zu bewerten ist, die Reaktionen und möglichen Handlungsweisen, diese unerträgliche Ungerechtigkeit betreffend. Ich habe mich gerade im letzen Drittel des Buches oft gefragt, wann denn den Oakis soviel Gewalt angetan worden ist, dass sie sich zusammentun und auf die Barrikaden gehen. Wieviel Tiefschläge und Enttäuschungen diese Familie verkraften kann, bevor sie endgültig auseinanderbricht. Aber es tut dem Buch gut, seiner nachdenklichen Grundstimmung, dass eben dies nicht passiert.
    Und man lässt die Gedanken weiter laufen zum Heute.
    Die Ursache für all dieses Leid wird von Steinbeck in einer Scharfsinnigkeit analysiert, die mich schockiert. Was noch viel mehr schockiert, ist, dass sich an den Prozessen und Umständen, die hier geschildert werden, bis heute nichts geändert hat. Was er beschreibt, trifft noch heute genau so zu.
    Scheinbar sind derlei Entwicklungen periodisch wiederkehrend; leider aufgrund dessen, dass die Menschen offenbar aus der Geschichte nicht lernen.
    Irgendjemand, irgendeine Volksgruppe an einem beliebigen Ort der Erde wird immer ein "Oakie" sein, unterdrückt und fortgejagt werden.

    Steinbeck hat absolut aufgerüttelt, hat den Finger in die Wunde gelegt.
    Dieses Buch sollte jeder lesen. Mich lässt es sprachlos zurück. Und sehr nachdenklich.


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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: “The wheat fields waving and the dust clouds rolling…” (Woody Guthrie; This land is your land).
    Das Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

    Sogenannte dust clouds, Staubwolken, waren in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gefürchtete Wetterphänomene in den Staaten des mittleren Westens der USA, besonders in Oklahoma. Sie entstanden durch die extensive landwirtschaftliche Nutzung, die zugunsten des Weizenanbaus die schützende Grasnabe des Bodens unterpflügte und die ungeschützte Ackerkrume freilegte. Eine jahrelange Dürre mit heftigen Stürmen ließ den Boden erodieren, blies ihn einfach weg und raubte damit die Existenzgrundlage der zahlreichen Kleinfarmer. In der Umgangssprache wurde diese Region in den USA als „dust bowl“, als Staubschüssel, bekannt und sie bildet den geographischen Ausgangspunkt des Romans. Große Trecks ruinierter Farmer mitsamt ihren Familien in klapprigen Fahrzeugen machten sich erneut auf nach Westen, um im gelobten Land, in diesem Fall Kalifornien, einträgliche Arbeit zu finden.
    John Steinbeck schildert am Beispiel der Großfamilie Joad und deren ältesten Sohn Tom, der gerade auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde und zu seiner Familie zurückkehrt deren mühselige, schier unendliche Reise mit einem altersschwachen Auto ins Land der Verheißung. Wehmütig, aber gleichzeitig auch ein wenig euphorisch macht man sich auf den Weg. Steinbeck schildert mit ruhigen, eindringlichen Worten und schlichten, fast kargen Dialogen deren teilweise einschneidenden Erlebnisse (unter anderem der Tod von Toms Großeltern auf der Fahrt, die den Verlust der Heimat nicht verkraften können), die ihnen widerfahren.
    Es findet langam, aber unaufhaltsam ein Niedergang familiärer Bindungen und sozialer Werte statt, an deren Ende die Auflösung fast der gesamten Familie steht. Die Joads und die vielen anderen auf den Trecks jener Jahre sind Fremde, sie sind Flüchtlinge im eigenen Land, ohne die Möglichkeit seßhaft zu werden und Mitmenschlichkeit, Solidarität zu finden. Es findet auch langsam eine Umkehrung von Werten statt, bei der in der Familie traditionell der männliche Teil für Führungsstärke und Zusammenhalt der Gruppe sorgte aber im Verlauf der Fahrt wird Mutter Joad mehr und mehr zur Leit- und Integrationsfigur, die um fast jeden Preis die Familie, die letzte Bastion vor dem Untergang zusammenschließen und sie leiten und beschützen will, als sie bemerkt, wie ihr Mann dieser Rolle nicht mehr gerecht wird.
    Steinbeck gelang ein Klassiker der amerikanischen Literatur, der bis heute nichts von seiner Brisanz und Aktualität eingebüßt hat.

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    dominonavor 4 Jahren
    Hartes Los

    So kann es kommen: Ein Jahr großes Pech mit dem Wetter und schon wird einem von der Bank das Land weggenommen und man soll sich zum Teufel scheren. Die Familie zieht nach Kalifornien - und wir mit ihr. Der letzte Rest wird zusammengekratzt und dann muss man sich durchschlagen. Wenn dann noch ein ehemaliger Priester dabei ist, wird die Moral der Menschen in Notsituationen in Frage gestellt und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, muss einer aus der Familie noch aufpassen, dass er seine Bewährung einhält. Eigentlich wollen alle nur überleben.
    Steinbeck hat einen interessanten Stil. Die Schilderungen der Geschehnisse in der Familie wechseln sich ab mit telegrammstilartigen Gedankensprüngen, an die man sich erst gewöhnen muss. Trotzdem kann man sich so in die dargestellte Welt einfühlen und ich muss sagen: Hut ab, wie letztendlich immer weiter gemacht wird, egal, wie schlimm es kommt, denn eins steht fest: Hass ist schon böse, aber unbegründeter Hass ist eine Katastrophe.

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    Windflugvor 5 Jahren
    Früchte des Zorns

    Oklahoma, Anfang der Dreißiger Jahre. Die Familie Joad wird von Banken und großen Landwirtschaftsfirmen von ihrem Land vertrieben und wandert nach Kalifornien aus, wo sie von Flugzetteln wissen, dass man dort als Obstpflücker sein Auskommen haben kann. Aber sie müssen feststellen, dass auch dort die Orangen ihnen nicht in den Mund wachsen, dass sie auch hier ums Überleben kämpfen müssen - sogar mehr als je zuvor ...


    "The Grapes of Wrath" ist eine Familiengeschichte, vor allem aber ist es eine Geschichte der Armut, der Not und der Ausbeutung, die hier erzählt wird. Es ist die Geschichte von Menschen, die alles verlieren und doch weitermachen, weil sie nicht anders können, so wie Mutter es einmal ausdrückt:

    "Alles, was wir machen - alles zielt aufs Weiterleben hin. So kommt's mir vor. Sogar Hunger haben und krank sein. Manche sterben, aber die andern werden zäher. Ihr müßt versuchen, nur für den Tag zu leben, nur für einen Tag."

    Und es ist die Geschichte eines Exodus, der auch immer wieder wie ein solcher beschrieben wird. Die Joads sind ganz individuelle Charaktere mit einer eigenen Geschichte, aber sie sind auch ein Symbol, sie repräsentieren eine ganze Masse von Menschen. Die Teile, in denen das Einzelschicksal der Familie beschrieben wird, sind ganz glatt und klar aus ihrer Perspektive geschrieben - nicht so sklavisch an die personale Erzählweise gebunden, wie es heutzutage üblich ist, aber es geht doch immer um ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse. Aber zwischendurch wechselt die Erzählweise von ihnen aufs Allgemeine, und dort erinnert der Stil tatsächlich so manches Mal beinahe an biblische Sprache. Diese Teile sind unglaublich eindringlich und gingen mir jedes Mal glatt ins Herz - und auch in die Sprachsynapsen, die glücklich aufleuchteten trotz des schweren Themas.

    Mehr kann ich kaum dazu schreiben - außer einem: Lest das. Lest es, es ist großartig und furchtbar und schön und hoffnungslos und trotzdem voller Überlebenswillen und Menschenfreundlichkeit, und es geht direkt ins Herz hinein. Kein Wunder, dass das damals ein sofortiger Kassenschlager war und den Pulitzerpreis gewonnen hat - und John Steinbeck 1962 den Nobelpreis.

    Ich habe es nicht verschlungen. Man kann dieses Buch nicht gut verschlingen, dazu ist es zu gehalt- und kraftvoll. Ich brauchte immer wieder ein bisschen Abstand, aber sobald ich es wieder in die Hand nahm, war ich sofort wieder dort, litt und lebte und liebte und lachte auch ab und zu mit den Joads und all den Menschen auf der Suche nach einem Leben - man kann nicht mal sagen "einem besseren Leben", sondern einfach nur einem Leben.

    Und Tom, Mutter, Vater, Al, die beiden Kinder, Rosasharn (Kurzform von Rose of Sharon) und Casy, der Ex-Prediger - nein, die vergisst man nicht so schnell, die werden noch lange bleiben.

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    Arunvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Mein Buch des Jahres 2013
    Moderner Klassiker

    Klappentext
    "Früchte des Zorns" legte den Grundstein zu John Steinbecks literarischem Ruhm; ein Jahr nach Erscheinen des Romans erhielt er den Pulitzer-Preis. Aufgrund seiner harten Kritik an der herrschenden Gesellschaftsordnung löste das Buch jedoch auch heftige Kontroversen aus und wurde zeitweilig sogar verboten. Der Autor schildert naturverbundene, einfache Menschen. Im Mittelpunkt steht die Mutter, die in Not und Verzweiflung der Familie immer wieder neue Kraft zu geben vermag. Steinbeck schreibt mit großer Menschlichkeit und sprachlicher Kraft vom Leben.

    Meine Meinung
    Dieses war mein erstes Buch welches ich von John Steinbeck gelesen habe.
    Ein wahrlich grandioser Roman der uns das Leben einer Großfamilie aus Oklahoma im Jahre 1930 näher bringt.
    Durch enorme Umwälzungen bedingt durch die große Depression in den USA, durch Klimaveränderung und auch die Weltwirtschaftskrise ist die Familie Joard gezwungen ihr angestammtes Farmland in Oklahoma zu verlassen.
    Sie macht sich auf in Richtung Westen, auf der berühmten Route 66 fährt sie quer durch die USA um in das sogenannte „gelobte Land“ Kalifornien zu kommen.
    Angelockt durch falsche Versprechungen begeben sich zehntausende von Menschen auf die Reise nach Westen um Arbeit und ein besseres Leben zu finden.
    John Steinbeck deckt in seinem sozialkritischem Roman die Machenschaften von Politik, Großgrundbesitzern, Banken, Arbeitsvermittlern, Gebrauchtwagenhändlern, Shopbesitzern,
    Ordnungsbehörden, der Polizei und vielen andern auf.
    Die Menschen werden in der ganzen Palette ihrer Empfindungen und Gefühle beschrieben und abgebildet.
    Für mich ein großartiges Sittenbild der 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.
    Eine Anklage gegen die herrschende Gesellschaft und Ordnung welche uns die USA in einem anderem Licht erscheinen lässt.
    Der Autor erinnerte mich von seiner Betrachtungsweise und Thematik her an Upton Sinclair auch ein Schriftsteller der es verdient gelesen zu werden.
    „Früchte des Zorns“ gehört für mich zu den besten Büchern die ich in diesem Genre bisher gelesen habe, deshalb volle Punktezahl.

    Kommentare: 3
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    Alexander_Ballys avatar
    Alexander_Ballyvor 7 Jahren
    Rezension zu "Früchte des Zorns" von John Steinbeck

    Früchte des Zorns gehört ohne Zweifel zu den Meisterwerken der Literatur des 20. Jahrhunderts. Es ist ein bewegendes Buch, verstörend, beunruhigend, vor allem, weil es bei aller fiktionalen Überarbeitung stets unerfunden und wahr erscheint, als ein Destillat authentischer Geschichten. Nebenbei ist es auch noch ein erzählerisches Meisterstück.

    Die Geschichte beginnt in der Dustbowl Oklahomas um 1930, wo die Farmer reihenweise in Folge der Wirtschaftskrise Haus und Hof an Banken beziehungsweise große Agrarunternehmen verlieren. Eine Landflucht immensen Ausmaßes ist die Folge. So packten auch die drei Generationen der Familie Joad ihr Hab und Gut auf einen kleinen, klapprigen Lastwagen und folgt den Verheißungen eines Werbeplakates, das angenehme Arbeit als Erntehelfer in den Obstplantagen des fernen Kalifornien verspricht.

    Es sind drei Figuren, die die Geschichte tragen: Tom, der älteste Sohn, der gerade noch rechtzeitig aus dem Gefängnis, wo er für einen Totschlag im Affekt einsaß, entlassen wurde, um seine Familie zu begleiten. Er ist stark, körperlich wie seelisch. Die seelische Stärke teilt er mit seiner Mutter. Ihr Ziel ist es, die Familie zusammenzuhalten, ein Anspruch, an dem sie unter den sich immer widriger darstellenden Umständen wächst und Format gewinnt, auch wenn sie Ihr Ziel letztlich verfehlen muss. Der gescheiterte Wanderprediger Casey ist der dritte. Er zweifelt an Gott und seiner Mission, darf sich aber den Joads anschließen und öffnet immer wieder den Blick auf die moralischen Aspekte und den größeren Zusammenhang.

    Die Reise beginnt als Abenteuer, doch schon bald wird klar, dass dieser Eindruck trügerisch ist. Zu groß ist der Exodus der Farmer, zu deutlich ist die Ablehnung, die entlang der Straße den „Oakies“ begegnet. Bald schon gibt es Opfer zu beklagen. Die Großeltern bleiben auf der Strecke - buchstäblich - und müssen, da für eine anständige Beerdigung kein Geld da ist, am Straßenrand verscharrt werden. Ein Zettel in einem Marmeladenglas muss den Grabstein ersetzen.

    Als man endlich in Kalifornien ist, entpuppt sich der Traum vom Werbeplakat als Albtraum. Das Überangebot an Erntearbeitern drückt die Löhne. Da aber bei den Joads genau, wie bei fast allen anderen, Geld, Vorräte und Benzin gerade ausgereicht haben, um das Ziel zu erreichen, muss man akzeptieren. So mittel- und wehrlos, stets vom Hungertod bedroht, sind die Wanderarbeiter schamloser Ausbeutung ausgeliefert, die jede Hoffnung auf bessere Zeiten schwinden lässt. Alle Versuche mit Solidartität und Eigeninitiative die Situation zu verbessern, werden von den Plantagenbesitzern und den Behörden rigoros unterbunden. Man duldet die „Oakies“ als billige, sklavenähnliche , Arbeitskräfte für die lokalen Plantagen, doch neue und vor allem arme Siedler will man nicht dulden.

    Immer kleiner wird das Häufchen der Joads. Als schließlich Casey von Plantagenwächtern erschlagen wird, muss Tom in den Untergrund und Mama Joad sieht einer ungewissen Zukunft entgegen, die den Menschen nicht mehr lässt, als das nackte Leben. Dennoch verlässt der Leser die Joads mit einem Bild höchster Mitmenschlichkeit.

    Die Früchte des Zorns sind – streng genommen – zwei Bücher: Die geraden Kapitel verfolgen die Geschichte der Joads, während die ungeraden Kapitel eine Sammlung kurzer Geschichten präsentieren, die nur lose mit dem Roman verbunden sind. Diese erzählerischen Kabinettstückchen stimmen auf den folgenden Abschnitt der Reise der Joads ein, führen aber oft auch oft ganz nebenbei auch ganz unauffällig in die Symbolik der Erzählung ein.

    Auch heute noch ein Buch, das unbedingt als lesenswert zu bewerten ist, nicht nur, aber auch, wegen der gewaltigen Wirkungsgeschichte.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Hallorins avatar

    Wir lesen Klassiker der Weltliteratur

    Im November konnten wir uns nicht entscheiden und werden daher zwei Leserunden gleichzeitig abhalten.

    Früchte des Zorns (Titel des englischen Originals von 1939: The Grapes of Wrath) ist das bekannteste Werk des US-amerikanischen Schriftstellers und späteren Nobelpreisträgers John Steinbeck, für das er 1940 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Das Magazin Time zählt den Roman zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden.

    Was diesen Roman so besonders und lesenswert macht, werden wir dann ab dem 1.11. selbst ergründen!

    Die zweite November-Leserunde ist hier zu finden:
    http://www.lovelybooks.de/autor/George-Sand/Ein-Winter-auf-Mallorca-144655070-w/leserunde/1202305560/

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