Stoner

von John Williams 
4,5 Sterne bei367 Bewertungen
Stoner
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Inhaltsangabe zu "Stoner"

Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423143950
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.12.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.09.2013 bei Der Audio Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    papaverorossos avatar
    papaverorossovor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Mich persönlich hat das Buch etwas gelangweilt.
    Wie das echte Leben - langweilig

    Wen ich nur frage, jeder erzählt begeistert von diesem Buch. Als Fan von guten Romanen konnte ich nicht anders, als es zu kaufen. Leider muss ich zugeben: Ich bin nicht begeistert. Ich bin auch nicht enttäuscht. Das Buch hinterlässt ein flüchtiges Gefühl der Mittelmäßigigkeit. Es ist leise dahingeplätschert, um schnell wieder zu vergehen.


    Ich denke, „Stoner“ und ich sind charakterlich inkompatibel. Ich liebe starke Gefühle und besondere Geschichten. Stoner ist portraitiert ein stinknormales Leben eines Menschen, der nicht übermäßig viel von seiner Zeit auf Erden hatte. Dem oft Steine in den Weg gelegt wurde und der daruf mit großer Passivität reagiert. Der Mal geliebt hat, sich wirklich begeistern konnte, jedoch nur zeitweise, um dann wieder zu resignieren. Stoner könnte jeder von uns sein. Jedoch „Jeder von uns“ ist nichts, worüber ich lesen möchte, davon habe ich im Alltag genug.


    Gut geschrieben, jedoch etwas nichtssagend und ermüdend. Wie das echte Leben.

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    unimatrix_zeros avatar
    unimatrix_zerovor 9 Monaten
    Ein trostloses Leben

    Klappentext:
    Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. 

    Mein Eindruck:
    Der, aus einfachen Verhältnissen stammende Stoner beginnt, allen Widrigkeiten zum Trotz ein Studium der Agrarwirtschaft. Während des Studiums fühlt sich der junge und fleißige Student aber mehr und mehr zur Literatur hingezogen. Obwohl er seinen Vater, einen Farmer, mit seiner Entscheidung enttäuscht, wechselt er das Studienfach. Jahre später unterrichtet er leidenschaftlich als Dozent an der gleichen Universität, aber auch als Professor hat er es nicht leicht mit Kollegen und Studenten, die ihn nicht wertschätzen. Er findet zwar eine Frau, diese liebt ihn jedoch nicht. Eindringlich wird das erdrückende Leben Stoners erzählt, der sich allem fügt und alles erträgt. Man möchte direkt ins Buch springen und ihn wachrütteln. So wunderbar geschrieben, das es einen quält und dennoch fesselt. Und es lässt mich traurig und nachdenklich zurück mit der Frage: Was bleibt am Ende?

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    monerls avatar
    monerlvor 9 Monaten
    Ein Meisterwerk!

    Eine nicht allzu dicke, dafür umso intensivere und eindringliche Geschichte! Ein so vielseitiger Roman in seiner Thematik, die man erst zum Schluss hin begreift. 

    Der Protagonist William ist zu Anfang sehr sperrig. Erschien er mir auf eine bestimmte Art und Weise tumb und an sich und seiner Umwelt recht uninteressiert. In weiser Voraussicht wurde er von seinem Vater auf die Universität geschickt, damit er durch ein landwirtschaftliches Studium in die Lage versetzt wird den elterlichen Hof übernehmen zu können und ihn an die Erneuerungen und den Fortschritt der Landwirtschaft anzupassen, um dadurch für sich und seine Familie ein besseres Leben zu ermöglichen!

    Doch das Studium der Landwirtschaft begeistert ihn kaum. Schicksalhaft kommt er mit der englischen Literatur in Berührung und schon ist es um ihn geschehen. Ein Feuer wird in ihm entfacht, dass ab jetzt seinen Lebensinhalt formt und ihn zu einem vollständigen Menschen macht.

    In Liebesdingen und Menschenkenntnis war William ebenso unbeholfen und naiv, sodass er sich quasi sehenden Auges in sein Eheunglück stürzt. Als Leser weiß man es besser, doch William gibt sich und seinem Leben eine Chance einen Weg einzuschlagen, der ihm und seinem Charakter nicht entspricht. Und so begleitet man einen eigentlich genügsamen Mann, der einerseits viel Liebe in sich trägt, sie aber nicht richtig herauslassen kann. Er ist viel zu einfach und unheldenhaft, und schafft es nicht aus seiner Haut herauszukommen. So muss er zusehen, wie er beruflich übergangen wird, wie die Frau an seiner Seite ihn nur erträgt und wie sein einziges Kind ihm entfremdet wird. Wie gelähmt lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen und malträtiert den Leser damit bis aufs Höchste. 

    Wer ist dieser William, der so ein schwieriger Held seiner eigenen Geschichte ist? Er ist wie so viele von uns, die keine hochtrabenden Ziele haben und einfach ein schönes, unkompliziertes und glückliches Leben führen wollen. Aber es wird William einfach nicht gegönnt. Und genau das ist der Punkt, der dem Leser so wehtut! Wir wollen für William und für uns viele Möglichkeiten im Leben, die das Leben lebenswert machen.

    Das wundervolle an diesem Buch ist, dass es zeigt, dass das Leben kein Ponnyhof ist. Auch nicht für Protagonisten in ihren Geschichten.   

    Zum Hörbuch:
    Hin und wieder habe ich in das Hörbuch reingehört und war sofort von der Erzählerstimme Burghart Klaußners gefesselt! Er ließ William und sein Leben vor meinen Augen entstehen, sodass ich mich kaum aus der Geschichte lösen konnte. Seine gewisse Kühle in der Stimme, gibt diesen einfachen und distanzierten William Stoner sehr gut wieder. Absolute Hörempfehlung!

    Fazit:
    Diese Geschichte ist ein erzählerisches Meisterwerk! Ich begleitete gespannt, wie William stoisch seine Hochs und Tiefs ertrug und dabei für die Literatur brannte. Ein leidenschaftlicher Geist in einem leidenschaftslosen Leben, bis auf eine einzige Ausnahme. Doch wie das Leben eben so spielt... Absolute Leseempfehlung!

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    Charleas avatar
    Charleavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Muss für Liebhaber klassischer Literatur
    Ein Muss für Liebhaber klassischer Literatur

    Cover / Artwork / Aufbau des Romans

    Das Cover mag ich richtig gerne, da ich finde, dass der Titel hier richtig gut zur Geltung kommt. Auch die Farbgebung hat mich schnell für sich eingenommen. Der Roman ist mit circa 300 Seiten relativ kurz und da die Schreibe sehr flüssig ist, lässt sich das Buch auch sehr schnell lesen.

     

    Inhalt

    „Stoner“, so der Titel des Buches, ist der Name des Protagonisten – William Stoner. Er kommt eigentlich aus sehr armen Verhältnissen, seine Eltern beackern einen kargen Boden und wollen ihrem Jungen dieses Schicksal zumindest für die Zeit eines Studiums ersparen. Doch aus dieser Zeit wird bald mehr, denn William entdeckt nicht nur, dass Agrarwissenschaft nicht sein Fachgebiet werden wird, sondern vielmehr die Literatur und beginnt, an der Uni in diesem Fach zu brillieren.

    Er lernt eine junge Frau kennen und geht mit ihr den Bund der Ehe ein, doch wie es bei guten Büchern der Fall ist, passiert so viel mehr zwischen den Zeilen und „glücklich“ ist so ungefähr das letzte Wort, mit dem man den Protagonisten beschreiben würde.

     

    Fazit

    Ich habe jeden Satz des Buches genossen und fast vergessen, die Rezension zum Buch zu schreiben. Es ist eins dieser Bücher, bei dem es im Grunde egal ist, was auf dem Klappentext steht, ja, worum es im Buch geht, denn die Schreibe des Autors hat mich nach wenigen Sätzen so in ihren Bann gezogen, dass ich am liebsten nicht mehr aufgehört hätte zu lesen. John Williams wurde zurecht wiederentdeckt und wem auch immer ich dafür danken muss – es sei an dieser Stelle getan. Die Charakterzeichnung ist tiefgründig ohne zu ermüden und erschafft plastische Protagonisten, die man lieben und hassen lernt und die Geschichte wirkt darüber hinaus realistisch und überzeugend. Ich freue mich schon auf andere Bücher des Autors und bin gespannt ob ich von diesen auch sagen werden kann, dass sie mein Haus niemals wieder verlassen werden.

    Kommentare: 1
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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Melancholischer Roman über das mittelmäßige Leben des duldsamen William Stoner – ein Meisterwerk

    Vom Sohn eines Farmers zum Literaturdozenten

    Auf den ersten Blick scheint diese unspektakuläre Lebensgeschichte etwas langweilig zu sein: William Stoner, Farmersohn aus ärmlichen Verhältnissen, wird Literaturprofessor. Er macht keine Karriere, will es auch nicht. Seine Ehe ist unglücklich; von der einzigen Tochter entfremdet er sich. Die kurze Affäre mit einer jüngeren Dozentin lässt ihn einmal in seinem Leben das Glück der Liebe erleben, aber sie trennen sich unter dem gesellschaftlichem Druck für immer. Stoner erkrankt mit über 60 an Krebs und stirbt daran.

    Für mich ist dieser Campusroman ein Meisterwerk, das in ausgefeilter Sprache tiefe Einblicke in die Seele der Hauptperson Stoner gibt, ein bescheidener, gradliniger, integrer, allzu duldsamer Mensch. Es ist ein Buch über Entsagungen und Verzicht, über Einsamkeit und die Frage nach dem Sinn des Lebens, über den Umgang mit dem Tod.

    Meint man auf den ersten Blick, Stoner habe ein unglückliches Leben gehabt, so kann ich doch am Ende nur dem Autor zustimmen:

    "Ich finde, er ist ein wahrer Held«, sagte John Williams selbst. "Viele Leser des Romans meinen, Stoner hätte ein trauriges und schlechtes Leben gehabt. Ich glaube aber, er hatte ein sehr gutes Leben. Jedenfalls hatte er ein besseres Leben als die meisten Menschen. Was er tat, tat er gern, und er besaß ein Gespür dafür, dass das, was er tat, wichtig war. Er war ein Garant für die Werte, die wirklich zählen."

    Der Beginn ist seltsam unattraktiv, wirkt wie eine Art Klappentext, der den beruflichen Werdegang des Literaturprofessors in aller Kürze schildert und dann seine Kindheit und Jugend auf einer Farm, wo er schon als Kind harte Arbeit leisten musste. Wahrscheinlich wurde hier der Grundstein für Stoners stoische Duldsamkeit gelegt.

    Seine Eltern ermöglichen ihm ein Studium der Landwirtschaft und dort begegnet er der Literatur, die ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen wird. Man könnte sagen: dies war seine erste und größte Liebe, die ihm Trost spendet, sein Leben erfüllt und der er alles andere unterordnet.

    "Es ist Liebe, Mr. Stoner, erwiderte Sloane fröhlich. Sie sind verliebt. So einfach ist das." (29)

    Er kann an dieser Universität bleiben, wird allerdings nie Karriere machen und will es auch nicht, "hatte er doch an der … jene Art von Sicherheit und Geborgenheit kennengelernt, die er daheim hätte fühlen sollen, aber nie empfunden hatte." (54)

    Dann macht er den Fehler seines Lebens: Er heiratet die 20-jährige Edith aus guter Familie. Schon beim Kennenlernen hätte er seine Schlüsse aus ihrem distanzierten Verhalten ziehen müssen. Sie bleibt steif und unnahbar, entzieht sich ihm, bleibt stumm. Anscheinend hat sie eine verkorkste Erziehung genossen, wo alles Sexuelle negativ besetzt war und totgeschwiegen wurde.

    "Nach einem Monat wusste er, dass seine Ehe scheitern würde, nach einem Jahr hoffte er nicht mehr darauf, dass es je besser werden würde. Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." (96)

    Trotzdem bleiben sie zusammen, für den Leser ziemlich unverständlich. Sie erduldete ihn und er fühlt sich schuldig. Daran ändert auch die Geburt einer Tochter nichts. Es wird alles nur immer schlimmer durch den Psychoterror, den Edith ausübt. Ihre Launen und Sprunghaftigkeit wäre heutzutage sicher ein Thema für einen Psychotherapeuten oder einen Psychiater.

    Auch beruflich ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Stoner kann mit den Intrigen und Boshaftigkeiten eines neuen Professors nicht umgehen und räumt auch hier kampflos das Feld. Das alles lähmt ihn.

    "Er begann sich nämlich zu fragen, ob sein Leben lebenswert sei, ob es das je gewesen war." (227) - Er ist erst 42, aber "vor sich sah er nichts, auf das er sich zu freuen wünschte, und hinter sich nur wenig, woran er sich gern erinnerte." (229)

    Doch dann kommt Katherine Driscoll, eine 20 Jahre jüngere Dozentin und Studentin. Sie verlieben sich und verbringen eine intensive Zeit miteinander.

    "In seinem dreiundvierzigsten Jahr erfuhr William Stoner was andere, oft weit jüngere Menschen vor ihm erfahren hatten: dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und dass Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen."

    Obwohl Edith diese Affäre duldet, wird der gesellschaftliche Druck so groß, dass Katherine und Stoner sich für immer trennen. Meiner Meinung nach stellt Stoner seine Liebe zur Literatur über die zu Katherine. Aber darüber kann man streiten und Stoner zustimmen, dass es keine Lösung ist, zusammen wegzugehen:

    "Denn dann … würde all das keine Bedeutung haben – nichts von dem, was wir getan haben, was wir füreinander gewesen sind. Ich würde sicher nicht mehr unterrichten können, und du … du würdest zu einer anderen werden. Wir würden beide zu jemand anderem werden, zu jemand anderem als wir selbst. Wir würden zu – nichts."

    Er kehrte zu dem einzigen Leben zurück, "das ihn nie enttäuscht hatte" (278), aber er ist stark gealtert.

    Nur noch einmal – als er Katherines Buch mit einer Widmung in Händen hält, fühlt er den Verlust:

    "Da brach sich das so lang aufgestaute Verlustgefühl Bahn, überflutete ihn, und er ließ sich mitreißen, verlor alle Beherrschung. Aber sofort danach lächelte er liebevoll wie über eine Erinnerung, und ihm kam der Gedanke, dass er auf die sechzig zuging, weshalb er eigentlich über solche Leidenschaften erhaben sein sollte, über eine solche Liebe."

    Er erkrankt an Krebs und am Sterbebett machen Edith und er ihren Frieden miteinander:

    "Sie hatten sich das Leid vergeben, das sie einander zugefügt hatten, und betrachteten selbstversunken, was aus ihrem gemeinsamen Leben hätte werden können." (342)

    'Stoner' ist ein Buch, das einen noch eine Zeitlang beschäftigt: Hätte Stoner anders handeln können oder müssen? Karriere an der Universität machen? Sich gegen Edith wehren? Um seine Tochter kämpfen? Hätten er und Katherine gemeinsam weggehen sollen? Was heißt es, ein erfolgreiches, glückliches Leben geführt zu haben? Welche Rolle spielen falsche Entscheidungen? Welche das Schicksal?

    5 Fakten zu Stoner (dtv-Verlag): https://www.dtv.de/blog/jetzt/5-fakten-zu-john-williams-und-stoner/

    Mir geht es wie der französischen Übersetzerin Anna Gavalda: "Ich habe mich in ihn verliebt", wobei ich den Roman meine. Auch andere sind begeistert:

    Bernhard Robben, der Übersetzer

    Er hat u.a. auch Ian McEwan und Salman Rushdie übersetzt. "Aber selten habe ich einen so großartigen Text wie 'Stoner' in den Händen gehalten." Er habe am Schluss richtig Mühe gehabt, diesen liebenswürdigen William Stoner wieder loszulassen. "Ein stilles Buch, das ein wohltuendes Gegengewicht zu unserer hektischen Welt darstellt." Stoner wehrt sich nicht, aber Robben sieht das nicht als Schwäche, im Gegenteil: "Es gibt immer Gründe,warum er nicht zurückschlägt. Letztlich ist seine eigentliche Kraft, dass er sich mit dem Erdulden durchsetzt und am Ende auf stoische Weise auch triumphiert."

    Er sieht Stoner nicht als Kämpfernatur, sondern als typischen Land-Menschen: "Farmer lernen die Launen der Natur zu erdulden; sie akzeptieren, dass nicht sie über gute oder schlechte Ernten zu entscheiden haben."

    Andere Stimmen

    "John ist dafür berühmt, dass er nicht berühmt ist. Er ist ein Hemingway ohne Gepolter, ein Fitzgerald ohne Firlefanz, ein Faulkner ohne Pomp." Dan Wakefield 1986

    Ian McEwan nannte den Roman ein Buch, bei dem man sich von Beginn an in 'sehr, sehr guten Händen' wisse, denn Williams Prosa sei 'so klar wie Glas'. Es handele sich um eines jener seltenen Bücher, bei denen es die Sprache als Instrument der Vermittlung gar nicht zu geben scheine. Sie sei so klar, dass der Leser direkt durch sie hindurch auf die Welt von Stoner zuzugreifen meint. Wichtiger als das Was ist bei John Williams stets das Wie, der leise Ton, die unterschwellige, verführerische Melodie der Worte. Von den ersten Sätzen an soll der Leser seiner Sprachmusik verfallen und zugleich nie merken, wie er in den Text hineingezogen wird.

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    Meteorits avatar
    Meteoritvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Warum flasht mich dieses Buch so, wenn es doch nur um ein ganz normales Leben eines Mannes geht? Wahnsinn!
    Wow, was für eine literarische Wucht!

    Rezension zu "Stoner" von John Williams


    Das Buch Stoner ist mit 352 Seiten am 23. August 2013 im dtv Verlag erschienen. Williams schrieb diesen Roman aber schon 1965.

    Klappentext:

    Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

    Cover:

    Das Cover drückt die Trostlosigkeit des William Stoners perfekt aus und passt hervorragend zum Buch.

    Meine Meinung:

    Wow, völlig erschlagen von dem Buch brauchte ich erst einmal paar Tage um das Gelesene zu verarbeiten. Da schafft es ein Autor, ein ganz normales, fast sogar trostloses Leben eines Mannes niederzuschreiben und dabei den Leser dermaßen zu berühren, dass man die ganze Zeit mit Stoner mitfühlt.

    Der zur Landwirtschaft erzogene junge Student Stoner beschließt seiner Liebe zur Literatur zu folgen, wird Professor, findet sogar eine Frau, doch hat er mit ihr nur Probleme. Nichts als Probleme hat er auch als Professor, denn Kollegen und Studenten machen es ihm schwer. Stoisch erträgt er sein trostloses Leben, ohne jedoch die Lust am Leben zu verlieren.

    ,,Manchmal, wenn er in die Bücher vertieft war, überkam ihn eine Ahnung dessen, was er alles nicht wusste, was er noch nicht gelesen hatte, und die Ruhe, auf die er hinarbeitete, wurde von der Erkenntnis erschüttert, wie wenig Zeit ihm doch im Leben blieb, um so viel zu lesen, um all das lernen zu können, was er wissen musste." S. 36

    John Williams schafft es, das normale Leben so erdrückend zu erzählen, dass man mitfühlt, seine unerschütterliche Art versteht und alles akzeptiert. Er zaubert literarisch Worte aufs Papier, die einen richtig umhauen.

    ,,In seinem dreiundvierzigsten Jahr erfuhr William Stoner was andere, oft weit jüngere Menschen vor ihm erfahren hatten: dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und dass Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen." S.245

    Fazit:
    Ein Geschenk für jeden, der die Liebe zur Literatur und den Büchern nachvollziehen kann. Eine Qual für jene, die dem stoischen Leben von Stoner nichts abgewinnen können.
    Sicher ein Buch, welches nicht jedem gefällt.
    Nichtsdestotrotz eine wichtige Wiederentdeckung amerikanischer Literatur.

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    H
    Hamburgerinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: wenn man ihn mögen kann, ist das Buch ein Genuss
    Wenn man ihn mögen kann, ist das Buch ein Genuss

    Wie man an den 4 Sternen sehen kann, ist es mir gelungen, Stoner zu mögen. Zugegeben, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. 


    Der Roman, eine als Wiederentdeckung gehypte Publikation, schildert das Leben des William Stoner von 1910 bis 1956. Stoner, Sohn eines Farmers, soll eigentlich Agrarwissenschaften studieren, entdeckt jedoch seine Liebe zur Literatur und wird Professor an der Universität Missouri.


    Alle weiteren Figuren bleiben sehr blass, was mich zunächst gestört hat, mir dann aber nachvollziehbar erschien. Es geht um William Stoner und fertig.


    Seine Geschichte wird unaufgeregt erzählt, sowohl seine Jugend zwischen Feldarbeit und wortkargen Eltern, sein beruflicher Werdegang, das Leben auf dem Campus, seine Eheschließung mit einer offensichtlich gestörten Frau und seine Versuche, guter Vater einer Tochter zu sein und schließlich sein Tod. 


    Höhepunkte finden nicht statt, nicht einmal seine Affäre, die ihn kurzzeitig aus dem kalten Ehealltag erlösen soll, kommt sonderlich romantisch daher. Ein Held ist er auch nicht, wehrt sich nicht oder nur schwach gegen allerlei Gehässigkeiten, die ihm begegnen und selbst, als auf seinem Campus gegen ihn intrigiert wird, fällt es ihm nicht ein, woanders zu unterrichten.


    Es hat mich erstaunt, dass ich eine solche Figur wirklich mögen konnte, nach anfänglichem Gähnen dann doch wissen wollte, was geschieht. Am Ende habe ich um Stoner geweint.


    Das muss man erstmal hinkriegen! John Williams ist es ganz sanft gelungen, mich in seine Geschichte zu ziehen und darin zu verwickeln, Zuneigung für seinen Stoner zu wecken, der sein Schicksal stoisch erträgt und dabei so bemüht ist, Rücksicht zu nehmen, niemanden zu verletzen oder im Weg zu sein. Ich hätte ihm mehr Liebe und mehr Lachen gewünscht.


    Allerdings zeigt dieses Buch auf berührende Weise, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

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    dominonas avatar
    dominonavor 2 Jahren
    Normale Leben

    Wir begleiten Stoner durch sein Leben, sehen, wie er Universitätsprofessor für englische Literatur wird, trotz seiner einfachen Herkunft, und wie er sich verliebt, eine Familie gründet, sich alle entfremden, Schwierigkeiten auftreten, aber Stoners Leben immer weiter geht. 
    Was ich zu Beginn langweilig fand, hat sich zu einer sehr angenehmes Erzählung über etwas entwickelt, das alle, die schon etwas älter sind, kennen und genau deshalb sollte man das Buch lesen - um vielleicht zu sehen, wie man es nicht macht, wie eins aus dem anderen entsteht und wie man manches einfach nicht verhindern kann. Mir hat es gefallen, aber es hatte seine Längen und der Protagonist kam mir manchmal zu gut bei allem weg.

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    Arizonas avatar
    Arizonavor 2 Jahren
    Wiederentdeckung eines vergessenen Romans der USA


    William Stoner, geboren 1891 auf einer Farm in Missouri, beginnt 1910 an der Universität sein Studium. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt vom arbeitsintensiven Leben auf der Farm. Eigentlich war ein naturwissenschaftliches Studium geplant, jedoch ist Stoner so begeistert von seinem Literaturprofessor, dass er umsattelt und Philosophie, Geschichte und Literatur studiert. Er knüpft dort erste Freundschaften, der erste Weltkrieg bricht herein, er verliebt sich und heiratet Edith. Seine Ehe verläuft jedoch eher unglücklich, nur seine Tochter gibt ihm noch Halt. Und er geht auf in seiner Arbeit - der Alltag an der Uni, seine Lehre und Forschung, das ist sein Lebensinhalt. Und er entwickelt tiefere Gefühle für eine seiner Studentinnen...

    Wir begleiten Stoner durch die eher unglücklichen Jahre seines Lebens. Der Roman ist recht melancholisch geprägt. William wird alt, seine Leistungen lassen nach, zuhause ist alles ziemlich deprimierend. Zwischenzeitlich wurde mir das ehrlich gesagt alles zu viel. Jedoch wird klar, dass er sein Leben ganz für seine Berufung, seine Lehre und Forschung opfert. Die Arbeit an der Uni ist seine ganze Leidenschaft. Das Ende hat mich dann wieder mit dem Roman versöhnt. Denn es geht auch darum, dass William trotz allen Widrigkeiten versucht ein aufrichtiges Leben zu führen. 


    Dieses Buch ist eines der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur, er wurde bereits 1965 geschrieben und wurde jetzt erst wiederentdeckt.  

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    Keksisbabys avatar
    Keksisbabyvor 2 Jahren
    I wasn't expecting that

    William Stoner wächst auf einer Farm auf und sieht das entbehrungsreiche, karge Leben seiner Eltern. Diese schicken ihn auf die Universität, damit er Landwirtschaft studiert. Doch das ändert Stoners Leben von Grund auf. Er besucht eine Einführungsvorlesung in englischer Literatur und in dem genügsamen Studenten wird die Liebe zur Literatur völlig unerwartet geweckt. Nach seinem Abschluss der Literaturwissenschaften beschließt er an der Universität als Dozent zu bleiben und nicht auf den elterlichen Hof zurückzukehren. Bald schon verliebt er sich in die scheue Edith, die eher aus Vernunftgründen in eine Ehe einwilligt und das leidenschaftsloseste Wesen ist, dass Stoner sich vorstellen konnte. Von daher ist diese Ehe eher ein Schlachtfeld, besonders nachdem seine Tochter geboren wurde, aus Eitelkeiten, Verletzungen und Missgunst. Eine karmische Entschädigung scheint durch die junge Doktorandin Katherine in sein Leben zu kommen, doch die Affäre wird durch die Missgunst eines seiner Kollegen beendet. Am Ende seines Lebens bleiben Stoner nur die Liebe zu seinen Büchern und die Erinnerung an Katherine.

     

    Dieses Buch mag auf den ersten Blick langweilig erscheinen, denn es gibt keine großen Ausschläge. Selbst einschneidende Erlebnisse, wie die lieblose Ehe, der Streit um die gemeinsame Tochter und der Kleinkrieg mit dem Kollegen, bringen Stoner nicht aus seiner stoischen Ruhe. Doch es gelangt dem Autor trotzdem und ich weiß ehrlich gesagt nicht wie, mich zu fesseln. Das Leben von William Stoner ist so trivial und endet ohne großen Paukenschlag und der Autor erzählt so faszinierend darüber, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es bedarf eines enormen dichterischen Talents ein durchschnittliches Leben eines Literaturprofessors so fesselnd zu beschreiben, dass ich wünschte John Williams hätte noch mehr solcher Bücher herausgebracht. Es bedurfte einiger Zeit ehe ich mit dem doch recht wortkargen Protagonisten angefreundet habe, aber ebenso wie Stoner seine Liebe zur Literatur in einer Einführungsveranstaltung entdeckt, entdeckte ich mit jeder Zeile mehr die Liebe zu der Figur. Am meisten bewundert habe ich seine Prinzipientreue. Stoner weicht nicht von dem ab, was er für richtig hält auch wenn es das vorzeitige Aus seiner akademischen Laufbahn bedeutet.  Im Verlauf des Buches litt ich so mit, dass ich vor Wut über die Intrigen seines Konkurrenten in die Tischkante hätte beißen können und ich weinte am Ende, um einen Professor, der mich mit seiner Liebe zur Literatur beeindruckt hat.

     

    Ein wirklich tolles Werk, in das man sich erst auf den zweiten Blick verliebt, dann aber richtig und das noch lange nach dem Lesen nachwirkt.

     

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    TanyBees avatar
    Wir möchten gerne das Buch "Stoner" von John Williams zusammen lesen, wie in der Runde "SuB-Aufbau mit Niveau - Die literarische Runde 2017 / 2018" geplant.

    Wir lesen mit eigenen Büchern, es werden keine verlost.

    Jeder, der mitlesen möchte, ist herzlich willkommen!
    Charleas avatar
    Letzter Beitrag von  Charleavor einem Jahr
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