John Williams Stoner

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Inhaltsangabe zu „Stoner“ von John Williams

Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Eins dieser Bücher, die man mindestens einmal im Leben lesen sollte.

— hannipalanni

Ein wunderbares stilles Buch vom Leben eines duldsamen Mannes, über die Leidenschaft zur Literatur und die Liebe in vielen Facetten.

— ulrikerabe

Über das Sein und die Liebe zur Literatur, leider passen nicht alle Handlungsstrenge zusammen

— Das_Leseleben

Großartiges Buch, in einer eindrucksvollen Sprache geschrieben.

— Wolkenschaf

Großartig!

— Etoile

Die ersten 50 Seiten sind meiner Meinung nach sehr zäh, danach sehr fesselnde Geschichte!

— celinasavannah_

Erzählerischer Hochgenuss. Lebensgeschichte eines Menschen, der still und demütig sein Schicksal erträgt. Ruhig erzählt dennoch intensiv.

— Lies-inger

Warum flasht mich dieses Buch so, wenn es doch nur um ein ganz normales Leben eines Mannes geht? Wahnsinn!

— Meteorit

Wow! Was für ein ehrliches, tragisches und fesselndes Buch!!!

— Code-between-lines

wenn man ihn mögen kann, ist das Buch ein Genuss

— Hamburgerin

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  • Melancholischer Roman über das mittelmäßige Leben des duldsamen William Stoner – ein Meisterwerk

    Stoner

    Federfee

    16. November 2017 um 12:56

    Vom Sohn eines Farmers zum LiteraturdozentenAuf den ersten Blick scheint diese unspektakuläre Lebensgeschichte etwas langweilig zu sein: William Stoner, Farmersohn aus ärmlichen Verhältnissen, wird Literaturprofessor. Er macht keine Karriere, will es auch nicht. Seine Ehe ist unglücklich; von der einzigen Tochter entfremdet er sich. Die kurze Affäre mit einer jüngeren Dozentin lässt ihn einmal in seinem Leben das Glück der Liebe erleben, aber sie trennen sich unter dem gesellschaftlichem Druck für immer. Stoner erkrankt mit über 60 an Krebs und stirbt daran.Für mich ist dieser Campusroman ein Meisterwerk, das in ausgefeilter Sprache tiefe Einblicke in die Seele der Hauptperson Stoner gibt, ein bescheidener, gradliniger, integrer, allzu duldsamer Mensch. Es ist ein Buch über Entsagungen und Verzicht, über Einsamkeit und die Frage nach dem Sinn des Lebens, über den Umgang mit dem Tod.Meint man auf den ersten Blick, Stoner habe ein unglückliches Leben gehabt, so kann ich doch am Ende nur dem Autor zustimmen:"Ich finde, er ist ein wahrer Held«, sagte John Williams selbst. "Viele Leser des Romans meinen, Stoner hätte ein trauriges und schlechtes Leben gehabt. Ich glaube aber, er hatte ein sehr gutes Leben. Jedenfalls hatte er ein besseres Leben als die meisten Menschen. Was er tat, tat er gern, und er besaß ein Gespür dafür, dass das, was er tat, wichtig war. Er war ein Garant für die Werte, die wirklich zählen."Der Beginn ist seltsam unattraktiv, wirkt wie eine Art Klappentext, der den beruflichen Werdegang des Literaturprofessors in aller Kürze schildert und dann seine Kindheit und Jugend auf einer Farm, wo er schon als Kind harte Arbeit leisten musste. Wahrscheinlich wurde hier der Grundstein für Stoners stoische Duldsamkeit gelegt.Seine Eltern ermöglichen ihm ein Studium der Landwirtschaft und dort begegnet er der Literatur, die ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen wird. Man könnte sagen: dies war seine erste und größte Liebe, die ihm Trost spendet, sein Leben erfüllt und der er alles andere unterordnet."Es ist Liebe, Mr. Stoner, erwiderte Sloane fröhlich. Sie sind verliebt. So einfach ist das." (29)Er kann an dieser Universität bleiben, wird allerdings nie Karriere machen und will es auch nicht, "hatte er doch an der … jene Art von Sicherheit und Geborgenheit kennengelernt, die er daheim hätte fühlen sollen, aber nie empfunden hatte." (54)Dann macht er den Fehler seines Lebens: Er heiratet die 20-jährige Edith aus guter Familie. Schon beim Kennenlernen hätte er seine Schlüsse aus ihrem distanzierten Verhalten ziehen müssen. Sie bleibt steif und unnahbar, entzieht sich ihm, bleibt stumm. Anscheinend hat sie eine verkorkste Erziehung genossen, wo alles Sexuelle negativ besetzt war und totgeschwiegen wurde. "Nach einem Monat wusste er, dass seine Ehe scheitern würde, nach einem Jahr hoffte er nicht mehr darauf, dass es je besser werden würde. Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." (96)Trotzdem bleiben sie zusammen, für den Leser ziemlich unverständlich. Sie erduldete ihn und er fühlt sich schuldig. Daran ändert auch die Geburt einer Tochter nichts. Es wird alles nur immer schlimmer durch den Psychoterror, den Edith ausübt. Ihre Launen und Sprunghaftigkeit wäre heutzutage sicher ein Thema für einen Psychotherapeuten oder einen Psychiater.Auch beruflich ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Stoner kann mit den Intrigen und Boshaftigkeiten eines neuen Professors nicht umgehen und räumt auch hier kampflos das Feld. Das alles lähmt ihn."Er begann sich nämlich zu fragen, ob sein Leben lebenswert sei, ob es das je gewesen war." (227) - Er ist erst 42, aber "vor sich sah er nichts, auf das er sich zu freuen wünschte, und hinter sich nur wenig, woran er sich gern erinnerte." (229)Doch dann kommt Katherine Driscoll, eine 20 Jahre jüngere Dozentin und Studentin. Sie verlieben sich und verbringen eine intensive Zeit miteinander."In seinem dreiundvierzigsten Jahr erfuhr William Stoner was andere, oft weit jüngere Menschen vor ihm erfahren hatten: dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und dass Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen."Obwohl Edith diese Affäre duldet, wird der gesellschaftliche Druck so groß, dass Katherine und Stoner sich für immer trennen. Meiner Meinung nach stellt Stoner seine Liebe zur Literatur über die zu Katherine. Aber darüber kann man streiten und Stoner zustimmen, dass es keine Lösung ist, zusammen wegzugehen:"Denn dann … würde all das keine Bedeutung haben – nichts von dem, was wir getan haben, was wir füreinander gewesen sind. Ich würde sicher nicht mehr unterrichten können, und du … du würdest zu einer anderen werden. Wir würden beide zu jemand anderem werden, zu jemand anderem als wir selbst. Wir würden zu – nichts."Er kehrte zu dem einzigen Leben zurück, "das ihn nie enttäuscht hatte" (278), aber er ist stark gealtert. Nur noch einmal – als er Katherines Buch mit einer Widmung in Händen hält, fühlt er den Verlust:"Da brach sich das so lang aufgestaute Verlustgefühl Bahn, überflutete ihn, und er ließ sich mitreißen, verlor alle Beherrschung. Aber sofort danach lächelte er liebevoll wie über eine Erinnerung, und ihm kam der Gedanke, dass er auf die sechzig zuging, weshalb er eigentlich über solche Leidenschaften erhaben sein sollte, über eine solche Liebe."Er erkrankt an Krebs und am Sterbebett machen Edith und er ihren Frieden miteinander:"Sie hatten sich das Leid vergeben, das sie einander zugefügt hatten, und betrachteten selbstversunken, was aus ihrem gemeinsamen Leben hätte werden können." (342) 'Stoner' ist ein Buch, das einen noch eine Zeitlang beschäftigt: Hätte Stoner anders handeln können oder müssen? Karriere an der Universität machen? Sich gegen Edith wehren? Um seine Tochter kämpfen? Hätten er und Katherine gemeinsam weggehen sollen? Was heißt es, ein erfolgreiches, glückliches Leben geführt zu haben? Welche Rolle spielen falsche Entscheidungen? Welche das Schicksal?5 Fakten zu Stoner (dtv-Verlag): https://www.dtv.de/blog/jetzt/5-fakten-zu-john-williams-und-stoner/Mir geht es wie der französischen Übersetzerin Anna Gavalda: "Ich habe mich in ihn verliebt", wobei ich den Roman meine. Auch andere sind begeistert:Bernhard Robben, der Übersetzer Er hat u.a. auch Ian McEwan und Salman Rushdie übersetzt. "Aber selten habe ich einen so großartigen Text wie 'Stoner' in den Händen gehalten." Er habe am Schluss richtig Mühe gehabt, diesen liebenswürdigen William Stoner wieder loszulassen. "Ein stilles Buch, das ein wohltuendes Gegengewicht zu unserer hektischen Welt darstellt." Stoner wehrt sich nicht, aber Robben sieht das nicht als Schwäche, im Gegenteil: "Es gibt immer Gründe,warum er nicht zurückschlägt. Letztlich ist seine eigentliche Kraft, dass er sich mit dem Erdulden durchsetzt und am Ende auf stoische Weise auch triumphiert."Er sieht Stoner nicht als Kämpfernatur, sondern als typischen Land-Menschen: "Farmer lernen die Launen der Natur zu erdulden; sie akzeptieren, dass nicht sie über gute oder schlechte Ernten zu entscheiden haben."Andere Stimmen"John ist dafür berühmt, dass er nicht berühmt ist. Er ist ein Hemingway ohne Gepolter, ein Fitzgerald ohne Firlefanz, ein Faulkner ohne Pomp." Dan Wakefield 1986Ian McEwan nannte den Roman ein Buch, bei dem man sich von Beginn an in 'sehr, sehr guten Händen' wisse, denn Williams Prosa sei 'so klar wie Glas'. Es handele sich um eines jener seltenen Bücher, bei denen es die Sprache als Instrument der Vermittlung gar nicht zu geben scheine. Sie sei so klar, dass der Leser direkt durch sie hindurch auf die Welt von Stoner zuzugreifen meint. Wichtiger als das Was ist bei John Williams stets das Wie, der leise Ton, die unterschwellige, verführerische Melodie der Worte. Von den ersten Sätzen an soll der Leser seiner Sprachmusik verfallen und zugleich nie merken, wie er in den Text hineingezogen wird.

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    • 4
  • Wow, was für eine literarische Wucht!

    Stoner

    Meteorit

    26. August 2017 um 21:24

    Rezension zu "Stoner" von John Williams Das Buch Stoner ist mit 352 Seiten am 23. August 2013 im dtv Verlag erschienen. Williams schrieb diesen Roman aber schon 1965. Klappentext: Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Cover: Das Cover drückt die Trostlosigkeit des William Stoners perfekt aus und passt hervorragend zum Buch. Meine Meinung: Wow, völlig erschlagen von dem Buch brauchte ich erst einmal paar Tage um das Gelesene zu verarbeiten. Da schafft es ein Autor, ein ganz normales, fast sogar trostloses Leben eines Mannes niederzuschreiben und dabei den Leser dermaßen zu berühren, dass man die ganze Zeit mit Stoner mitfühlt.Der zur Landwirtschaft erzogene junge Student Stoner beschließt seiner Liebe zur Literatur zu folgen, wird Professor, findet sogar eine Frau, doch hat er mit ihr nur Probleme. Nichts als Probleme hat er auch als Professor, denn Kollegen und Studenten machen es ihm schwer. Stoisch erträgt er sein trostloses Leben, ohne jedoch die Lust am Leben zu verlieren.,,Manchmal, wenn er in die Bücher vertieft war, überkam ihn eine Ahnung dessen, was er alles nicht wusste, was er noch nicht gelesen hatte, und die Ruhe, auf die er hinarbeitete, wurde von der Erkenntnis erschüttert, wie wenig Zeit ihm doch im Leben blieb, um so viel zu lesen, um all das lernen zu können, was er wissen musste." S. 36John Williams schafft es, das normale Leben so erdrückend zu erzählen, dass man mitfühlt, seine unerschütterliche Art versteht und alles akzeptiert. Er zaubert literarisch Worte aufs Papier, die einen richtig umhauen. ,,In seinem dreiundvierzigsten Jahr erfuhr William Stoner was andere, oft weit jüngere Menschen vor ihm erfahren hatten: dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und dass Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen." S.245Fazit:Ein Geschenk für jeden, der die Liebe zur Literatur und den Büchern nachvollziehen kann. Eine Qual für jene, die dem stoischen Leben von Stoner nichts abgewinnen können.Sicher ein Buch, welches nicht jedem gefällt.Nichtsdestotrotz eine wichtige Wiederentdeckung amerikanischer Literatur.

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    • 6
  • Wenn man ihn mögen kann, ist das Buch ein Genuss

    Stoner

    Hamburgerin

    17. April 2017 um 15:33

    Wie man an den 4 Sternen sehen kann, ist es mir gelungen, Stoner zu mögen. Zugegeben, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Der Roman, eine als Wiederentdeckung gehypte Publikation, schildert das Leben des William Stoner von 1910 bis 1956. Stoner, Sohn eines Farmers, soll eigentlich Agrarwissenschaften studieren, entdeckt jedoch seine Liebe zur Literatur und wird Professor an der Universität Missouri.Alle weiteren Figuren bleiben sehr blass, was mich zunächst gestört hat, mir dann aber nachvollziehbar erschien. Es geht um William Stoner und fertig.Seine Geschichte wird unaufgeregt erzählt, sowohl seine Jugend zwischen Feldarbeit und wortkargen Eltern, sein beruflicher Werdegang, das Leben auf dem Campus, seine Eheschließung mit einer offensichtlich gestörten Frau und seine Versuche, guter Vater einer Tochter zu sein und schließlich sein Tod. Höhepunkte finden nicht statt, nicht einmal seine Affäre, die ihn kurzzeitig aus dem kalten Ehealltag erlösen soll, kommt sonderlich romantisch daher. Ein Held ist er auch nicht, wehrt sich nicht oder nur schwach gegen allerlei Gehässigkeiten, die ihm begegnen und selbst, als auf seinem Campus gegen ihn intrigiert wird, fällt es ihm nicht ein, woanders zu unterrichten.Es hat mich erstaunt, dass ich eine solche Figur wirklich mögen konnte, nach anfänglichem Gähnen dann doch wissen wollte, was geschieht. Am Ende habe ich um Stoner geweint.Das muss man erstmal hinkriegen! John Williams ist es ganz sanft gelungen, mich in seine Geschichte zu ziehen und darin zu verwickeln, Zuneigung für seinen Stoner zu wecken, der sein Schicksal stoisch erträgt und dabei so bemüht ist, Rücksicht zu nehmen, niemanden zu verletzen oder im Weg zu sein. Ich hätte ihm mehr Liebe und mehr Lachen gewünscht.Allerdings zeigt dieses Buch auf berührende Weise, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

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  • Normale Leben

    Stoner

    dominona

    22. December 2016 um 10:35

    Wir begleiten Stoner durch sein Leben, sehen, wie er Universitätsprofessor für englische Literatur wird, trotz seiner einfachen Herkunft, und wie er sich verliebt, eine Familie gründet, sich alle entfremden, Schwierigkeiten auftreten, aber Stoners Leben immer weiter geht. Was ich zu Beginn langweilig fand, hat sich zu einer sehr angenehmes Erzählung über etwas entwickelt, das alle, die schon etwas älter sind, kennen und genau deshalb sollte man das Buch lesen - um vielleicht zu sehen, wie man es nicht macht, wie eins aus dem anderen entsteht und wie man manches einfach nicht verhindern kann. Mir hat es gefallen, aber es hatte seine Längen und der Protagonist kam mir manchmal zu gut bei allem weg.

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  • Wiederentdeckung eines vergessenen Romans der USA

    Stoner

    Arizona

    23. November 2016 um 22:00

    William Stoner, geboren 1891 auf einer Farm in Missouri, beginnt 1910 an der Universität sein Studium. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt vom arbeitsintensiven Leben auf der Farm. Eigentlich war ein naturwissenschaftliches Studium geplant, jedoch ist Stoner so begeistert von seinem Literaturprofessor, dass er umsattelt und Philosophie, Geschichte und Literatur studiert. Er knüpft dort erste Freundschaften, der erste Weltkrieg bricht herein, er verliebt sich und heiratet Edith. Seine Ehe verläuft jedoch eher unglücklich, nur seine Tochter gibt ihm noch Halt. Und er geht auf in seiner Arbeit - der Alltag an der Uni, seine Lehre und Forschung, das ist sein Lebensinhalt. Und er entwickelt tiefere Gefühle für eine seiner Studentinnen... Wir begleiten Stoner durch die eher unglücklichen Jahre seines Lebens. Der Roman ist recht melancholisch geprägt. William wird alt, seine Leistungen lassen nach, zuhause ist alles ziemlich deprimierend. Zwischenzeitlich wurde mir das ehrlich gesagt alles zu viel. Jedoch wird klar, dass er sein Leben ganz für seine Berufung, seine Lehre und Forschung opfert. Die Arbeit an der Uni ist seine ganze Leidenschaft. Das Ende hat mich dann wieder mit dem Roman versöhnt. Denn es geht auch darum, dass William trotz allen Widrigkeiten versucht ein aufrichtiges Leben zu führen. Dieses Buch ist eines der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur, er wurde bereits 1965 geschrieben und wurde jetzt erst wiederentdeckt.

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  • I wasn't expecting that

    Stoner

    Keksisbaby

    William Stoner wächst auf einer Farm auf und sieht das entbehrungsreiche, karge Leben seiner Eltern. Diese schicken ihn auf die Universität, damit er Landwirtschaft studiert. Doch das ändert Stoners Leben von Grund auf. Er besucht eine Einführungsvorlesung in englischer Literatur und in dem genügsamen Studenten wird die Liebe zur Literatur völlig unerwartet geweckt. Nach seinem Abschluss der Literaturwissenschaften beschließt er an der Universität als Dozent zu bleiben und nicht auf den elterlichen Hof zurückzukehren. Bald schon verliebt er sich in die scheue Edith, die eher aus Vernunftgründen in eine Ehe einwilligt und das leidenschaftsloseste Wesen ist, dass Stoner sich vorstellen konnte. Von daher ist diese Ehe eher ein Schlachtfeld, besonders nachdem seine Tochter geboren wurde, aus Eitelkeiten, Verletzungen und Missgunst. Eine karmische Entschädigung scheint durch die junge Doktorandin Katherine in sein Leben zu kommen, doch die Affäre wird durch die Missgunst eines seiner Kollegen beendet. Am Ende seines Lebens bleiben Stoner nur die Liebe zu seinen Büchern und die Erinnerung an Katherine.   Dieses Buch mag auf den ersten Blick langweilig erscheinen, denn es gibt keine großen Ausschläge. Selbst einschneidende Erlebnisse, wie die lieblose Ehe, der Streit um die gemeinsame Tochter und der Kleinkrieg mit dem Kollegen, bringen Stoner nicht aus seiner stoischen Ruhe. Doch es gelangt dem Autor trotzdem und ich weiß ehrlich gesagt nicht wie, mich zu fesseln. Das Leben von William Stoner ist so trivial und endet ohne großen Paukenschlag und der Autor erzählt so faszinierend darüber, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es bedarf eines enormen dichterischen Talents ein durchschnittliches Leben eines Literaturprofessors so fesselnd zu beschreiben, dass ich wünschte John Williams hätte noch mehr solcher Bücher herausgebracht. Es bedurfte einiger Zeit ehe ich mit dem doch recht wortkargen Protagonisten angefreundet habe, aber ebenso wie Stoner seine Liebe zur Literatur in einer Einführungsveranstaltung entdeckt, entdeckte ich mit jeder Zeile mehr die Liebe zu der Figur. Am meisten bewundert habe ich seine Prinzipientreue. Stoner weicht nicht von dem ab, was er für richtig hält auch wenn es das vorzeitige Aus seiner akademischen Laufbahn bedeutet.  Im Verlauf des Buches litt ich so mit, dass ich vor Wut über die Intrigen seines Konkurrenten in die Tischkante hätte beißen können und ich weinte am Ende, um einen Professor, der mich mit seiner Liebe zur Literatur beeindruckt hat.   Ein wirklich tolles Werk, in das man sich erst auf den zweiten Blick verliebt, dann aber richtig und das noch lange nach dem Lesen nachwirkt.  

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    • 2

    enii

    03. June 2016 um 19:51
  • Ein stinknormales Leben großartig erzählt

    Stoner

    letusreadsomebooks

    09. December 2015 um 11:43

    William Stoner wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Sohn einfacher Farmer geboren. Seine Eltern beschließen, ihn an die Universität zu schicken, wo er Agrarwissenschaften studieren soll. Schnell entdeckt Stoner an der Universität seine Leidenschaft für die Literatur und wird schließlich Professor. Während des Studiums lernt er seine Frau kennen, mit der er eine Tochter bekommt. John Williams Roman Stoner erschien bereits im Jahr 1967 und wurde im Jahr 2006 wiederveröffentlicht. Erzählt wird hier die Geschichte eines eigentlich normalen Mannes, dessen Leben vor allem vom Lernen und der Liebe beeinflusst wird. Der Leser begleitet Stoner bei seiner Entwicklung und hat dabei Teil an seinen Entscheidungen und Gedanken. Sein Leben verläuft ohne große Dramen und auch ohne besondere Höhepunkte. Seine Ehe ist unglücklich, an der Universität muss er die Feindschaft von Kollegen ertragen. Teilweise fand ich es schwer, die scheinbare Gleichmütigkeit, die Stoner an den Tag legt und mit der den Umständen seines Lebens begegnet, zu ertragen und wartete darauf, dass er sich endlich einmal richtig zu Wehr setzt und für sich kämpft. Obwohl ich mit seinem Verhalten oft nicht einverstanden war und ständig hoffte, dass er zum Beispiel seiner Frau klare Widerworte gibt, war er mir als Hauptcharakter sympathisch. Ständig tauchte ich tief in seine Gedankenwelt ein und konnte an seiner Selbstreflexion teilhaben. Stoner ist weder Held noch Schurke, sondern ein Mann aus armen Verhältnissen, der vom einfachen Farmer zum Universitätsprofessor aufsteigt. Besonders schön war es, ihn in den Phasen seines Lebens zu begleiten, in denen er wirklich glücklich und zufrieden war. Was das Buch für mich zu etwas wirklich Besonderem macht, ist der einfache und klare Stil des Autors, der teilweise schon fast wehmütig oder lakonisch ist. Zurückhaltend und ohne zu werten beschreibt Williams das Leben von William Stoner und findet dabei immer die richtigen Worte, sei es um die unglückliche Ehe zu beschreiben, das schwierige Leben als Lehrer an der Universität oder die seltenen Phasen des Glücks. Ohne viele Sätze und Ausschweifungen verarbeitet der Autor verschiedene Themen wie die Liebe, die Leidenschaft für die Literatur oder die Bedeutung von Freundschaft. Die detaillierten Charakterstudien regen zum Nachdenken und Hinterfragen an. Der Roman Stoner gehört zu den besten, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Die Art wie Williams hier das Leben seines Protagonisten beschreibt war sehr ergreifend. Das Leben von Stoner ist nicht besonders aufregend, aber trotzdem regt das Buch zum Nachdenken an und die stark ausgearbeiteten Charaktere sind sehr plastisch beschrieben. Obwohl mir Stoner als Person nicht wirklich immer sympathisch war, habe ich ihn sehr gerne durch sein trauriges und anrührendes Leben begleitet. Dieser Entwicklungs- und Eheroman ist jedem zu empfehlen.

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  • ...natürlich viel besser.

    Stoner

    laughing_buddha

    Steh ich so nach einer Lesung im Buchladen. Sagt der Buchhändler: "Was suchen Sie denn?" Ich so: "Eine schöne Geschichte." Er dann: "Ist zwar auf der Spiegel Bestseller Liste, aber trotzdem..." Ich nun: "Na gut."

    Danke liebe Buchhandlung Lentner, Balanstrasse 14, München!!!!

    • 4
  • Melancholisch und doch berührend

    Stoner

    Franzis2110

    31. October 2015 um 18:06

    Das Buch handelt von einem Mann, der als Sohn armer Farmer geboren wurde, bis er schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt. Er wechselt das Studienfach und wird später Professor. Die Geschichte eines genügsamen aber auch wahrhaftigen Lebens. Der Roman behandelt viele Themen – es geht um Freundschaft, Ehe, den Campus und über harte, erbarmungslose Arbeit auf Farmen. Aber es geht auch um Liebe in all ihren Facetten. Ein Roman über das Menschsein. Meinung „[…] Die Liebe zur Literatur, zur Sprache, zum Mysterium des Verstandes und des Herzens, wie sie sich in den kleinen, seltsamen und unerwarteten Kombinationen von Buchstaben und Wörtern zeigt […], diese Liebe begann er nun offen zu zeigen, zögerlich zuerst, dann mutiger und schließlich voller Stolz.“ (S. 144) John Williams hat einen eher kühlen, schnörkeligen aber doch sehr eingehenden und anmutigen Schreibstil. Ohne große Ausschmückungen und Höhepunkte erzählt er uns die Geschichte von John Stoner. Er wird als Sohn armer Farmleute geboren und lebt ihn einer sehr kühlen Familie, in der es kaum Emotionen geschweige den ein Familienleben gibt. Und genauso schreibst Williams. Diese ständige unterkühlte Stimmung, dieses harte Leben vollkommen ohne Ehrgeiz von Stoner transportiert er dadurch sehr glaubhaft. Zunächst studiert Stoner im Landwirtschaftskurs. Jeder Student muss allerdings einen Einführungskurs in Literatur mitmachen. Und plötzlich entdeckt Stoner seine Liebe zur Literatur und schafft es schließlich bis zum Assitenzprofessor. Aber auch keinen Schritt darüber hinaus. Sein Leben lang arbeitet er Tag ein Tag aus ohne auch nur den geringsten Anspruch an seine Arbeit und seine Zukunft zu haben. Er ist gefangen in seiner eigenen Lustlosigkeit und einer ziemlich verkorksten Ehe. Sein Leben meistert er nur durch einen unerschütterlichen Gleichmut und seine Leidensfähigkeit gegen die Zumutungen die das Leben im aufbürdet. Aber nicht nur das hilft ihm, sondern vor allem seine Liebe zu Büchern und zu seiner Arbeit. Dort findet er tagein tagaus Trost. Ihr seht also, Stoner führt ein sehr unspektakuläres, langweiliges Leben und Williams schafft es, diese Atmosphäre so gut zu transportieren, das ich selber schon ganz bedrückt und irgendwie deprimiert wurde. Was ich fast schon wieder gut finde, denn so konnte ich mich sehr gut in das Leben von Stoner hineinversetzten. Trotz fehlender Höhepunkte und dieser dauerhaften kühlen Atmosphäre ist das Buch dennoch berührend und ich konnte es kaum aus der Hand legen. “Den Älteren bedeutet sein Name eine Erinnerung an das Ende, das sie alle erwartet, für die Jüngeren ist er bloß ein Klang, der ihnen weder die Vergangenheit näherbringt, noch eine Person, die sich mit ihnen oder ihrer Karriere verbinden ließe.” (S. 7/8) Es ist eine Geschichte über einen Menschen, der gebrochen ist und in einer kalten Ehe voller Hass gefangen ist ohne zu wissen, wie das geschehen konnte. Eine Geschichte über ein Leben voller Niederschläge, über einen jahrzentelangen, persönlichen Kampf. Ein Roman über einen Menschen, der lebte ohne zu leben, ein Roman über ein gescheitertes Leben. Fazit Stoner ist eine sehr eigenwillige Geschichte. Es gibt keine Höhepunkte, das ganze Buch transportiert eine sehr kühle und melancholische Stimmung. Und dennoch konnte mich Williams damit berühren und schafft es, Stoners Liebe zur Literatur auf eine einzigartige Weise zu transportieren. Das Buch hat mich nicht unterhalten aber berührt und zum Nachdenken gebracht und ist deswegen auf seine Art eine gelungene Geschichte.

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  • Stoner – die Geschichte eines Lebens

    Stoner

    Herbstrose

    Dies ist die Geschichte von William Stoner, der 1891 als Sohn eines armen Farmerehepaares in Missouri zur Welt kam. Schon früh musste er mithelfen, den kargen trockenen Boden zu bewirtschaften. Im Alter von neunzehn Jahren wird er von seinen Eltern zum Studium der Agrarwirtschaft auf die University of Missouri in Columbia geschickt. Trotz großer Entbehrungen sehen sie darin eine Investition in die Zukunft. Doch bereits nach einem Jahr entdeckt Stoner seine Liebe zur englischen Literatur. Er wechselt ohne Wissen der Eltern sein Studienfach und macht seinen Magister in Literaturwissenschaft. Stoner kehrt nicht mehr auf die elterliche Farm zurück, er bleibt als Dozent an der Uni, wird es aber sein Leben lang nur bis zum Assistenzprofessor bringen ... „Stoner“ ist eine ruhige, leise Geschichte – kein Roman im üblichen Sinne, sondern eher die fiktive Biografie eines bescheidenen, genügsamen Mannes. Das Werk des Autors John Williams (1922 – 1994), eines aus Texas stammenden Literaturprofessors, erschien bereits 1965 erstmals in den USA in geringer Auflage, geriet jedoch in Vergessenheit und wurde erst nach dem Tod des Autors wieder entdeckt. Es erschien 2002 in Neuauflage, wurde dann in mehreren Sprachen übersetzt zum Welterfolg, und erschien erstmals 2013 in Deutschland. Einige Anklänge an das Leben des Autors lassen sich nicht verleugnen. In einer fast schon poetischen Sprache wird hier das Leben eines einfachen, schlichten Mannes erzählt, eines Mannes, der seinen Beruf über alles liebt, ansonsten aber nichts versteht, ja nichts verstehen will, das Leben hinnimmt wie es nun mal ist und lebt, so gut es eben geht. Sein Privatleben ist und bleibt bescheiden. Es gelingt ihm zwar die von ihm angebetete Edith Bostwick aus St. Louis zu erobern und zu heiraten, doch die Ehe ist von Anfang an freudlos. Bereits in der Hochzeitsnacht verweigert sich Edith, was der schüchterne Stoner aber mit stoischer Ruhe hinnimmt und sich stattdessen seinen Studien widmet. Die Eheleute führen gegenseitig einen Kleinkrieg, an dem auch die Geburt von Tochter Grace vier Jahre nach der Eheschließung nichts ändert. Erst im Alter von 41 Jahren erlebt Stoner kurzzeitig so etwas wie Glück, als er mit der jungen Doktorandin Katherine Driscoll eine Liebesbeziehung eingeht. Doch dieses Glück ist nicht von Dauer, Intrigen führen zur Trennung des Paares … Obwohl wenig geschieht, ist man als Leser schnell gepackt von der Geschichte. Man ist zutiefst berührt von Stoner, man fühlt mit diesem außergewöhnlichen und doch so genügsamen Mann, man freut sich mit ihm und man leidet mit ihm, auch wenn es manchmal schwer fällt seine Handlungsweise zu verstehen und nachzuvollziehen. Durch Stoner erlangt man letztendlich die Erkenntnis, dass man sich manchmal dem Unabänderlichen fügen muss … Fazit: Ein wunderbares Buch über das bescheidene Leben eines Mannes, der nach seinem Tod rasch vergessen wurde, dessen Geist aber in der Erinnerung des Lesers noch lange nachklingen wird.

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    • 5
  • Man muss sich fallen lassen, um diese Weltliteratur ganz zu spüren...

    Stoner

    Floh

    John Williams Weltbestseller „Stoner“ hat eine lange Geschichte hinter sich, lange ward dieser Roman verborgen, ich bin froh, dass dieses Meisterwerk, bzw. einige seiner Meisterwerke, wieder in aller Munde sind und neu aufgelegt wurden. Dieses Buch macht nicht nur mit seinem Titel „Stoner“ unheimlich neugierig, sondern auch mit einem sagenhaft ansprechenden Klapptext. Mit seinem Roman "Stoner" begibt sich der Autor mutig, aber entschlossen auf eine längst vergessene Lebensgeschichte der Literatur und des Protagonisten William Stoner. John Williams hat eine wunderbar gradlinige Sprachmelodie, die lange in meinem Kopf nachklingt und einen sehr bewegenden, anmutigen und tiefgründigen Roman voller Elan einmalig untermalt. Erschienen im dtv Verlag (http://www.dtv.de/) Ich habe kaum ein Buch gelesen, dass mich so lange gefangen hielt und zwischen Abbruch und Weiterlesen hin und her riss! Meine Erwartungen, nach diesen großen Lobeshymnen und den sehr mitreißenden Leserstimmen auf dem Buchrücken, waren nun sehr hoch. Aber dieses Buch hat einfach das gewisse ETWAS, was dieses Werk einfach zu etwas ganz Besonderen und sehr selten dagewesenen macht. Auf jeden Fall ist "Stoner" ein ganz kostbares Stück Literatur, welches mich dennoch sehr in den Bann gezogen hat und mich nun mit allerlei neuen Eindrücken, viel Wissen und Informationen und vor allem mit vielen bewegenden Gefühlen zurücklässt! Das Weiterlesen hat sich gelohnt und bezahlt gemacht. Inhalt / Beschreibung: "Stoner ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ. Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein." "Die Vergangenheit schälte sich aus dem Dunkel, in dem sie blieb, und die Toten erhoben sich, um vor ihm zum Leben zu erwachen; beide, die Vergangenheit und die Toten, mischten sich in die Gegenwart und unter die Lebenden, wodurch Stoner einen intensiven Moment lang eine Vision von Dichtigkeit überkam, in die er fest eingefügt war und der er nicht entkommen konnte, der er auch gar nicht entkommen wollte." Handlung: Obwohl das Buch keine im klassischen Sinne spannende oder aufbauende Handlung mit scharfen Kern hat, und keinen üblichen Plot mit Spitzen aufweist, da es sich hier um die Erzählung / die Lebensgeschichte des William Stoner handelt, so kann ich dennoch den Inhalt und Aufbau mit einer kurzen Widergabe beschreiben: Erzählt wird der Lebensweg des jungen Farmerssohn William Stoner, der seinen Weg zum Doktor der Philosophie an der Universität von Missouri im Fachbereich Englisch beschreibt. Das Jahr 1891 auf einer kleinen Farm im tiefsten Missouri entscheiden sich, die armen und kargen Eltern, dass ihr Sohn William Stoner es einmal besser haben soll als sie. Williams Eltern schicken ihn auf die Universität. Doch das Studium der Agrarwirtschaft bricht er kurz nach seinem ersten Semester ab. William trifft auf seinem Mentor Sonett und widmet sich fortan ausschließlich der Geisteswissenschaft. Hier entdeckt W. Stoner erstmals seine wirkliche Leidenschaft und wird sich seiner selbst bewusst. Doch wer war William Stoner? Was auf den ersten Blick zunächst wie eine eintönige und wenig interessante Lebensgeschichte anmutet, entpuppt sich im Verlauf der Erzählung als eine sagenhaft eindringliche und von Erfolg und Niederlage, sowie Liebe und Leid geprägte Biografie, die einzig aus Lieben und Lernen besteht. Allerdings scheitert der Protagonist William Stoner in gewisser Weise bei beiden. Seine spätere Frau, Edith Elaine Bostwick, wird von jähem Moment an, kaltherzig und abweisend. Ihre Flitterwochen geraten zu einer Farce. Schon bald wird William bewusst, dass diese Ehe scheitern wird, bzw. schon gescheitert ist, bevor sie begonnen hat. Gefangen in der leeren Hülle seiner Ehe und Einsamkeit, bricht auch die Welt der Universität und des Studiums unter ihm zusammen. Was bleibt ist seine Liebe zur Literatur, die er aber nicht an andere Studenten zu lehren vermag und auch hier zum Scheitern verurteilt ist… John Williams beschreibt eigentlich ein ganz normales Lebens, tut dies aber so überaus gekonnt, dass man sich noch lange nach Ende des Buches an William Stoner erinnern wird. "Den Älteren bedeutet sein Name eine Erinnerung an das Ende, das sie alle erwartet, für die Jüngeren ist bloß ein Klang, der ihnen weder die Vergangenheit näherbringt noch eine Person, die sich mit ihnen oder ihrer Karriere verbinden ließe." Meinung: Zunächst hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer neuartige und noch nie dagewesene Sprachmelodien liebt, der wird hier in "Stoner" reich beschenkt. Wer aber mit John Williams Sprachbildern und Stil warm geworden ist, wird sich in seinen Bildern, Darstellungen und in seinem Talent verlieren, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, die nicht genug bekommen können von poetischen Bildern, wortgewandten Dialogen, gehobener Sprache und erstaunlichen Intellekt: bitte greift zu diesem Werk und lasst euch verwöhnen mit schicksalhaften Begegnungen und einer komplexen Erzählung einer Lebensgeschichte inmitten der Gewalt des 1. Weltkriegs. Wie zuvor schon erwähnt, waren meine Erwartungen sehr hoch, aber ich war auch vorgewarnt, dass diese Literatur von besonderer Note ist und die Geister erhitzt. Dieses Buch hat Intellekt, Anspruch und viele Farben. Das Lesen ist nicht leicht und die Seiten müssen mit Muße verarbeitet und wirken gelassen werden, dieses Niveau muss der Leser erstmal halten können. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zur Mitte nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Der Kern dieses Buches erschließt sich erst recht spät, wenn es denn überhaupt einen eigentlichen Kern geben sollte, daher wankte ich zwischendurch mit Abbruch des Buches. Das wäre jedoch fatal gewesen, denn für die Leser, die durchhalten, offenbart der Roman noch einen ganz besonderen und sehr impulsiven und intensiven Lesegenuss. Es breitet sich ein Gefühl aus, als dass man der Handlung nicht mehr entfliehen kann, man fühlt sich als Gefangener John Williams Worte, Gefangener dieser einzigartigen Geschichte weit weg vom Mainstream und der Masse. Eine besondere Kost, die es zu genießen gilt. Zum Glück siegte meine Neugier, denn jetzt bin ich stolz, dieses Meisterwerk der hohen Schreibkunst und des großen Intellekts gelesen und aber auch genossen zu haben! Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau Stand zu halten, bin ich sehr begeistert von dem Buch. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten groben aber auch teils sehr leisen Sprache liegt. John Williams hat eine Poesie in seinem Schreibstil, welche unvergleichlich und unvergesslich ist. Ich kann mir vorstellen, dass der Übersetzer an seine Grenzen gestoßen sein mag um diese feinen Noten widergeben zu können. Meine Eindrücke reichen von… absolut fasziniert, völlig begeistert, total angetan, höchst überrascht und zutiefst bewegt bis hin zu poetisch verzaubert, sprachlich angereichert und literarisch gefesselt....aber auch stark herausgefordert, zum Durchhalten animiert und zur Muße getrieben… Hier habe ich endlich wieder einen Autor gefunden, der mit einer heutigen Novität längst vergangener Jahrzehnte glänzt und mich sehr überrascht hat. Zudem ist die Buchgestaltung und das Cover eine absolut hochwertige Rundung. Sagenhafte Charakterstudien, faszinierende Kulissen und wertvolle Botschaften. Ein Buch von Wert... "Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." Charaktere: Autor John Williams hat nicht nur die Macht und die Gewalt über die Worte, nein, er hat auch die Macht, die Eigenschaften und Details der einzelnen Charaktere, besonders des William Stoner, auszumachen und unglaublich genau einzufangen. Seine Beweggründe werden dem Leser jedoch erst schrittweise deutlich und klar gemacht. William Stoner: ein sagenhaft polarisierender und einprägsamer Hauptcharakter, der lange nach Beenden des Buches noch bewegt und im Kopf herumgeistert. Stoners Lebensweg lässt den Leser einfach nicht mehr los. Seine Liebe zur Literatur, für jeden Leser absolut faszinierend. Oder ist er gar besessen? Das überzeugende bei J. Williams Umsetzung und Darstellung der Protagonisten ist, wie er einfache kleine Handlungen der Charaktere detailliert beschreibt, bei denen man sich oft selbst ertappt fühlt. So werden diese auf den ersten Blick unbedeutsamen Taten zu großen Schlüsselelementen im Buch. Das ist auch der Grund, wieso das Buch einem so lange im Gedächtnis bleibt und man nach dem "Durchhalten" so stolz und fasziniert ist: Weil man die besonderen Botschaften des Weltautors John Williams empfängt und versteht, und seiner Phantasie folgen kann! Die überschaubaren Rollen und Nebenrollen verkörpern diese menschlichen Züge sehr genau. Der Krieg lässt die Menschen zu Egoisten werden, kalt, skrupellos, von Gier und Lust getrieben... Aber es gibt auch die wenigen, die die Menschlichkeit nie verloren haben. Der Autor fängt das damalige Leben und die Situationen in den Kriegsjahren so gekonnt ein, dass man glaubt Teil der Handlung zu sein. Der Autor: "John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas." Der Übersetzer: „Bernhard Robben, 1955 im Emsland geboren, studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg und Berlin. Für seine Übertragungen von Salman Rushdie, Ian McEwan, Peter Carey, John Burnside u.a. wurde er mit zahlreichen Stipendien gefördert und mehrfach nominiert. 2003 erhielt Bernhard Robben den Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW . 2013 wurde er mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet. Heute lebt Bernhard Robben als literarischer Übersetzer in der Nähe von Berlin.“ Cover / Buch: Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist angenehm, die Kapitel nicht allzu lang. Das Cover hat mich beeindruckt und ist stimmig zum besonderen Inhalt des Romans. Es könnte schöner und kunstvoller gar nicht sein. Fazit: Es gehört für mich ohne Zweifel zu den größten Werken der Literatur! Voller Poesie und Atmosphäre. Wer hinter die Fassade, blickt und beim Lesen durchhält, wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt! Sicherlich kein Buch für Jedermann, man muss besondere Literatur lieben, und sich fallen lassen, und um all die Nuancen aufzuspüren. 4 löblich intensive Sterne!

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    • 16

    Maki7

    24. August 2015 um 10:34
  • Gute Literatur

    Stoner

    rewareni

    08. August 2015 um 08:58

    Wenn man eine leichte Lektüre haben möchte, ist Stoner nicht dazu geeignet. Es ist ein sensibler, trauriger aber auch hoffnungsvoller Roman.Stoner, dessen Leben in armen Verhältnissen beginnt, entwickelt eine Leidenschaft, die ihn ein ganzes Leben begleitet. Die Literatur. Hier findet er Erfüllung und Glück. Seine Ehe ist nicht glücklich und er sucht immer wieder Zuflucht zu seinen Studenten die seine Leidenschaft mit ihm teilen. Ein kurzes Glück mit einer Studentin ist ihm noch vergönnt.  Selbst in seinen letzten Stunden hält er noch ein Buch in der Hand. Ein tief bewegender Roman in den man sich langsam hinein lesen muss. Selbst wenn man sich zu Beginn etwas schwer tut mit dem Thema, wird man immer mehr in das Leben Stoners hinein gezogen.

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  • Liebe und Lernen

    Stoner

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:11

    "Den späten Herbst kannst Du in mir besehen: Die letzten gelben Blätter eingegangen An Zweigen, die dem Frost kaum widerstehen, Und Chorruinen, wo einst Vögel sangen. In mir siehst Du den späten Tag sich neigen, Das Dunkel in die graue Dämmrung dringen, Die Nacht mit ihrer Schwärze langsam steigen Und Todes Bruder, Schlaf, die Welt umschlingen. In mir siehst Du die Glut von alten Bränden, Gebettet auf die Asche bessrer Zeiten - Ein Sterbelager, wo sie muss verenden, Verzehrt vom Brennstoff eigner Lustbarkeiten. Siehst Du all dies, wird's Deine Liebe steigern: Denn was Du liebst, wird Tod Dir bald verweigern." Das Sonett 73 von William Shakespeare, ein Gedicht über Liebe und Verlust, nimmt in dem bereits 1965 in den USA veröffentlichten, damals unverständlicherweise kaum wahrgenommenen und heute wieder neu entdeckten, wunderbaren Roman von John Williams (1922 - 1994) eine Schlüsselfunktion ein. Zum einen für seinen Protagonisten, zum anderen fungiert es als roter Faden, als literarisches Rahmengerüst für den gesamten Text. Einen Bogen von über 65 Jahre überspannt der amerikanische Autor in seinem empathischen, leisen Roman, der die Frage aufwirft: Was bleibt nach dem Tod von einem Menschen übrig, der nicht durch großes Getöse auf sich aufmerksam machte? Erzählt wird der Lebensweg William Stoners, einem Doktor der Philosophie an der Universität von Missouri im Fachbereich Englisch. 1891 auf einer kleinen Farm im tiefsten Missouri aufgewachsen, soll es der Sohn einmal besser haben als seine schon früh gealterten, leblosen Eltern. Sie schicken ihn auf die Universität. Doch das Studium der Agrarwirtschaft bricht er nach einem Einführungskurs in englischer Literatur und eben jener Begegnung mit dem Sonett des großen englischen Dichters ab, um sich fortan ausschließlich der Geisteswissenschaft zu verschreiben. Hier wird er sich erstmals seiner selbst bewusst. "Die Vergangenheit schälte sich aus dem Dunkel, in dem sie blieb, und die Toten erhoben sich, um vor ihm zum Leben zu erwachen; beide, die Vergangenheit und die Toten, mischten sich in die Gegenwart und unter die Lebenden, wodurch Stoner einen intensiven Moment lang eine Vision von Dichtigkeit überkam, in die er fest eingefügt war und der er nicht entkommen konnte, der er auch gar nicht entkommen wollte." Durch die Literatur lernt er zu sehen. Sie wird ihm zur Heimat, gibt ihm einen Platz und Hort, auch wenn das Leben und die Geschichte in großen, brausenden, zuweilen zerstörerischen Wellen über ihn hinwegzieht. Wer war William Stoner? "Den Älteren bedeutet sein Name eine Erinnerung an das Ende, das sie alle erwartet, für die Jüngeren ist bloß ein Klang, der ihnen weder die Vergangenheit näherbringt noch eine Person, die sich mit ihnen oder ihrer Karriere verbinden ließe." Was auf den ersten Blick wie eine langweilige Beschreibung eines gewöhnlichen, nichtssagenden Lebens aussieht, offenbart allerdings auf den zweiten eine außerordentlich genaue Beobachtungsgabe. Mit Scharfblick fokussiert John Williams seinen Plot auf die zwei Leidenschaften in Stoner Lebens: die Liebe und das Lernen. Allerdings scheitert sein Protagonist in gewissem Sinne bei beiden. Seine Frau, die maliziöse Edith Elaine Bostwick, wird von dem Moment an, da er sie trifft, kalt und abweisend. Ihre Flitterwochen, in denen sie sich ihm mit einer nahezu brutalen Abneigung unterwirft, geraten zur Farce. Schon bald wird mit einem Klang des Unvermeidlichen offensichtlich, "dass seine Ehe scheitern würde, nach einem Jahr hoffte er nicht mehr darauf, dass es je besser werden würde. Er lernte mit der Stille zu leben und nicht auf seiner Liebe zu beharren." Gefangen in der leeren Hülle seiner Ehe, "versagt" er allerdings auch im universitären Gefüge. Stoner wird weder ein großer Lehrer, noch ein bekannter Gelehrter, sondern widmet sich mit scheinbar stoischer Zufriedenheit seiner ersten Liebe: die zur Literatur. Doch fehlt ihm auch hier das Talent, diese auf seine Studenten zu übertragen. Seine tief verwurzelte Zurückhaltung versteckt er hinter einer Fassade der Teilnahmslosigkeit. Fazit: Nur wenigen, in ihren Grundzügen derart trauriger Geschichten, glückt es trotz alledem so unterschwellig zu triumphieren und zu berauschen wie diesem Roman. John Williams erzeugt in der Beschreibung von Stoners Schicksal auf unnachahmliche Weise eine seltene Welle der Empathie. In einer wunderschönen Sprache und plastischem Stil, der gerade in seiner Zurückhaltung eine immense Eloquenz aufweist, schildert der Autor das bescheidene, aber durchaus lebens- und beachtenswerte Leben eines Mannes und seine zunehmende Entfremdung von der modernen Welt. "Stoner" offenbart sich als College-, Liebes- und Entwicklungsroman, gehalten in leisen und zaghaften Tönen. Der Roman generiert großartige Charakterstudien, die zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Letztendlich ist das Buch auch eine Liebeserklärung an die Literatur, die Sprache, an das Mysterium des Verstandes und des Herzens. Ein Text, der trotz seines dunklen, trostlosen Timbres jede Zeile wert ist, gelesen zu werden, zudem wenn er so kongenial aus dem Amerikanischen übertragen wurden wie es Bernhard Robben gelungen ist.

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  • Der Stoiker oder die Bestimmung des Lebens

    Stoner

    BeaMilana

    William Stoner, auf der Farm seiner Eltern in Einsamkeit und harter Arbeit aufgewachsen, entdeckt 1910 als junger Student seine Liebe zur Literatur und macht seinen Weg als Dozent an der Universität von Missouri, die ihm ein neues Zuhause gibt. Er heiratet die falsche Frau, zeugt eher zufällig ein Kind mit ihr und entdeckt zwanzig Jahre später seine große Liebe, die er notgedrungen aufgibt. Das Leben, das er führt, ist freudlos, arbeitsreich und deprimierend. Hier ist nichts auf Erfolg getrimmt. Dennoch ist dieser Roman äußerst faszinierend. Warum? In erster Linie durch Identifikation und die sanfte Bescheidenheit und Klarheit der Sprache. Für die einen mag Stoner ein Held sein, für die anderen eher ein Antiheld, feststeht, er besitzt eine Würde und Stärke, die ihn trotz der Schüchternheit und Passivität als einen Charakter ausweist, der sich damit zufrieden gibt, das Los des Lebens zu akzeptieren. Stoner ist eine Figur, die das Annehmen als Lebensmaxime verinnerlicht hat. Stoner ist ein Stoiker. Der fast philosophische Roman behandelt also in erster Linie das menschliche Sein und seine Bestimmung, auch wenn der Klappentext andere Elemente nennt. So kann man Stoner als Gleichnis verstehen, das wir alle kennen, obwohl die Geschichte im vorherigen Jahrhundert spielt. Stoner konnte die Möglichkeit sein Leben aktiv zu gestalten nicht nutzen, da er sie von zuhause nicht mitbekam. In seinem Überlebenskampf blieben Träume und Gefühle auf der Strecke. Dennoch hat er seinen Platz in der Gesellschaft, seine Funktion als Lehrer akzeptiert, getragen von der Liebe zur englischen Literatur, die ihm die Worte gab, zu denen er selbst nicht fand. Das ist das Tröstliche (und zugleich Tragische) an diesem großartigen Roman, den ich an einem Wochenende durchgelesen habe, weil er brilliant erzählt ist. "Die Liebe zur Literatur, zur Sprache, zum Mysterium des Verstandes und des Herzens, wie sie sich in den kleinen, seltsamen und unerwarteten Kombinationen von Buchstaben und Wörtern zeigte, in der schwärzesten, kältesten Druckertinte – die Liebe, die er verborgen gehalten hatte, als wäre sie gefährlich und verboten, diese Liebe begann er nun offen zu zeigen, zögerlich zuerst, dann mutiger und schließlich voller Stolz." Wärmste Leseempfehlung!

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    • 11
  • Ein tragischer "Held", den man lange nicht vergessen wird...

    Stoner

    blauerklaus

    „Dieses Buch hat mich durchgerüttelt und gerührt und mein Herz umgedreht..wem dieses Buch nicht das Herz bricht, der hat keins.“ So beschreibt Elke Heidenreich im Literaturclub des Schweizer Fernsehens ihr Leseerlebnis zu Stoner und ich kann leider selber keine bessere Beschreibung hierfür finden. Der Roman erzählt das Leben von William Stoner, einem aus armen Verhältnissen stammenden Farmerssohn, der Anfang des 20. Jahrhundert von seinen Eltern auf eine Universität in Missouri geschickt wird um Agrarwirtschaft zu studieren. Das zweite Semester, in dem er einen Pflichtkurs über englische Literatur belegen muss, soll sein Leben für immer verändern. Ein Sonett von Shakespeare beeindruckt ihn so nachhaltig, dass er, obwohl ihm anfangs die Bedeutung des Sonetts noch gar nicht klar ist, versucht hinter die Geheimnisse von Shakespeare und der Literatur insgesamt zu kommen. Wie bei einer Offenbarung wird ihm seine wahre Bestimmung klar, er wechselt das Studienfach und vertieft sich fortan in das Studium der Literatur, wird später sogar Dozent. Stoner könnte ein glückliches Leben führen, leider verliebt er sich in die falsche Frau. Seine neurotische Ehefrau Edith ist nicht in der Lage seine Liebe zu erwidern, mehr und mehr macht sie ihm das Leben zur Hölle. Stoner erträgt das Leben mit seiner Ehefrau mit stoischer Gelassenheit. Als endlich eine Tochter geboren wird, glaubt er sein Glück gefunden zu haben, aber auch dieses wird ihm von seiner Frau nicht gegönnt. Seine Arbeit an der Universität und seine Liebe zu Literatur sind die einzigen Dinge, die ihn glücklich machen. Aber dort hat er es auch mit intriganten Kollegen zu tun, gegen die sich der idealistische Intellektuelle lange nicht wehren kann und will. Obwohl das Buch keine im klassischen Sinne spannende Handlung, keinen überraschend Plot hat, habe ich selten mit einer Figur so mitgelitten und -gefiebert wie mit William Stoner. Ständig hofft man, dass für die Hauptperson jetzt doch die Wendung zum Glücklichen kommt. John Williams beschreibt eigentlich ein ganz normales Lebens, tut dies aber so überaus gekonnt, dass man sich noch lange nach Ende des Buches an William Stoner erinnern wird. Für mich eine der ganz großen Entdeckungen der letzten Jahre und zusammen mit Bleak House von Charles Dickens mein ganz persönliches Lesehighlight im Jahr 2015. Wer an professionellen Meinungen der Literaturkritik interessiert ist hier der Link zur Besprechung im Literaturclub des Schweizer Fernsehens: http://www.srf.ch/sendungen/literaturclub/widmer-dicker-williams-und-lispector

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