John Wray

 3.7 Sterne bei 72 Bewertungen
Autor von Retter der Welt, Die rechte Hand des Schlafes und weiteren Büchern.
John Wray

Lebenslauf von John Wray

John Wray wurde als John Henderson als Sohn einer Österreicherin und eines US-Amerikaners geboren. Er wuchs in Österreich und dem Bundesstaat New York auf. Nachdem er am Oberlin College sein Biologiestudium abschloss, arbeitete Wray in verschiedenen US-Bundesstaaten als Platzwart, Vogelbeobachter, Fremdsprachentutor und Taxifahrer. Sein Dabutroman "Die rechte Hand des Schlafes" erschien 2001. Er wurde von der Zeitschrift Granta zu einem der besten jungen amerikanischen Romanautoren gekürt. Zusätzlich schreibt er regelmässig für das New York Times Magazine.

Neue Bücher

Gotteskind

Erscheint am 22.01.2019 als Hardcover bei Rowohlt.

Alle Bücher von John Wray

Retter der Welt

Retter der Welt

 (59)
Erschienen am 01.09.2010
Die rechte Hand des Schlafes

Die rechte Hand des Schlafes

 (6)
Erschienen am 01.01.2004
Das Geheimnis der verlorenen Zeit

Das Geheimnis der verlorenen Zeit

 (5)
Erschienen am 24.07.2018
Die rechte Hand des Schlafes

Die rechte Hand des Schlafes

 (1)
Erschienen am 17.11.2017
Gotteskind

Gotteskind

 (0)
Erschienen am 22.01.2019
The Lost Time Accidents

The Lost Time Accidents

 (1)
Erschienen am 02.06.2016
Canaan's Tongue

Canaan's Tongue

 (0)
Erschienen am 08.08.2006
Lowboy

Lowboy

 (0)
Erschienen am 15.03.2012

Neue Rezensionen zu John Wray

Neu
EsthersBuechers avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" von John Wray

Das Geheimnis einer verrückten Familie
EsthersBuechervor 3 Monaten

Dieses Buch musste ich einfach lesen. Das war mir klar, als ich diesen Klappentext gelesen habe:

"Ein Gurkenfabrikant und Hobbyphysiker entdeckt das Geheimnis der Zeit – und der Zeitreise! Leider geht es gleich wieder verloren. Drei Generationen später forscht sein Urenkel Waldemar Tolliver dem Familiengeheimnis nach. So beginnt ein großer, turbulenter Roman, der vom Wien der Jahrhundertwende bis ins Manhattan der Gegenwart führt, von der ersten Dimension bis in die vierte."

Dann habe ich den Fehler gemacht, die Bewertungen zum Buch auf Goodreads zu lesen. Und die hatten es in sich. Für die einen war es das beste Buch, das sie je gelesen haben, ein Meisterwerk. Für die anderen ungenießbar, langweilig, sinnlos.

Immerhin wusste ich, dass die wenigsten neutral an diesem Buch vorbeigehen können, was in meinen Augen ein gutes Zeichen ist.

Das Buch setzt im Gegenwart ein, das jüngste Mitglied der Familie Tolliver, Waldemar, sitzt in einer Zeitblase fest und nutzt seine nun nicht mehr voranschreitende Zeit dafür, seiner angebeteten Mrs. Haven seine Familiengeschichte zu erzählen – das ist das Buch, das wir in der Hand halten.

Und diese Familienchronik hat es wirklich in sich. Wie man bereits aus dem Klappentext erfährt, hat der Urgroßvater eine unglaubliche physikalische Entdeckung gemacht, die aber gleich darauf verloren gegangen ist. Zunächst machen sich seine Söhne auf die Suche nach der Lösung. Anfang des 20. Jahrhunderts verlassen beide das tschechiche Znojmo (und übrigens auch ihre Mutter), um in Wien Physik zu studieren. Über die Jahre entfernen sich die Brüder immer mehr voneinander. Kaspar distanziert sich von ihrer Forschung, während Waldemar immer fanatischer wird und letztendlich in der Nazizeit die Gelegenheit bekommt, seine Experimente an Menschen durchzuführen.

Dass unser Erzähler ebenfalls Waldemar heißt, ist kein Zufall. Für ihn heißt es, dass er den Kriegsverbrecher der Familie, der ja eigentlich schon längst tot ist, für immer erledigen muss. Wie er das bewerkstelligen soll, ist ihm aber unklar – er wird aber seine Gelegenheit bekommen.

Die Geschwister von Waldemars Vater, die Zwillinge Enzian und Gentian haben auch große Pläne, aber diese sind weniger durschaubar und werden erst am Ende des Buches klar. Waldemars Vater, Orson, will sich, ähnlich wie schon sein Vater, Kaspar, vom Familiengeheimnis loslösen.

Neben der Geschichte seine Familie und ihrer Suche nach dem Geheimnis des Urgroßvaters erzählt Waldemar auch über seine unglückliche Liebe zu Mrs. Haven.

Es gibt im Roman also viele Figuren, viele Erzählstränge, und allein schon die Tatsache, dass Wray keinen dieser Bälle auf den Boden fallen lässt, ist schon eine Kunst. Dabei sind Geschichte und Figuren nie langweilig, allerdings auch nie ganz dreidimensional. Die allesamt sonderbaren Namen machen es auch schwer, die Personen nicht als Figuren eines Romans wahrzunehmen. So wird zum Beispiel die Mutter, die eigentlich Ursula heißt, Kraut genannt (warum nur?), dann gibt es eine Person, die Nayagünem Menügayan heißt, die große Liebe wird fast nie anders, als Mrs. Haven genannt und die Reihe ließe sich noch fortsetzen.

Wenn man aber so viel Murakami gelesen hat, wie ich, kommt man doch recht gut mit unglaublichen Figuren und Wendungen zurecht. Wir sind in Wien und in New York, in bekannter Umgebung, aber wir sind auch fähig in der Zeit zu reisen, und dafür müssen wir uns nur in eine Holzkiste setzen? Warum auch nicht?

Trotzdem bin ich am Ende doch etwas unschlüssig mit meiner Bewertung. Ich fand das Buch nie langweilig, es konnte mich aber auch nicht so sehr hinreißen, dass ich es für das beste Buch halten würde, das ich je gelesen habe. Es gab viele sehr interessante Ideen (zum Beispiel die mit dem Vater, der aus einem Sci-Fi Autor zum Gründer einer Sekte wird), ich konnte aber gerade mit unserem Erzähler nicht so richtig warm werden.

Ich kann mir durchaus vorstellen, das Buch in einigen Jahren noch einmal zu lesen, in der Hoffnung, dass es sich mir dann besser erschließt. Und kann es jedem gerne empfehlen, der nicht davor zurückschreckt, über eine Familie zu lesen, deren Mitglieder allesamt entweder unglaublich genial oder völlig verrückt waren.


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raven1711s avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" von John Wray

Fordernd und spannend
raven1711vor 2 Jahren

Klappentext:
Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. (Aber vielleicht hat er auch nur zu viel Science-Fiction gelesen.) Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. (Glaubt er.)
Ein grandioses Panorama breitet sich aus: Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren.
Drei Generationen von Tollivers – Genies, Kriminelle, Verlierer, Visionäre - ruhen fortan nicht, das Geheimnis zu lüften, obwohl bald ein deutscher Patentamtsangestellter namens Einstein mit ganz ähnlichen Theorien Schlagzeilen machen wird …

Meinung:
Waldemar hat ein Problem. Er sitzt in einer Zeitblase fest, die sich im Apartment seiner Tanten befindet, ohne Aussicht, diese je wieder verlassen zu können. Also sinniert Waldemar über sein Leben und das seiner Familie, schreibt Briefe an seine große Liebe und erzählt ihr, wie sein Urgroßvater das Geheimnis über die verlorene Zeit fand und gleich darauf verlor und wie seine Familie sich seitdem auf die Suche nach dieser befindet. Somit stellen sich im Roman die zwei großen Fragen: Was ist das Geheimnis um die verlorene Zeit? Und wird es Waldemar gelingen, der Zeitblase zu entkommen?
John Wray hat sich sehr genau mit seinen Charakteren auseinander gesetzt, und man merkt ihnen ihre Tiefe und Komplexität an. Egal ob es sich um Waldemar, seine Tanten, die mysteriöse Mrs. Haven oder andere Figuren handelt, alle bestechen mit ihren Eigenarten, Charakterstärken und -schwächen, sowie den gut ausgearbeiteten Hintergründen. Mir haben die Protagonisten wirklich gut gefallen und mal mehr, mal weniger Sympathien bei mir hervorgerufen. Die Charaktere greifen schlüssig ineinander, wirken teilweise geheimnisvoll und sorgen so für genügend Spannung in der Handlung.
Der Handlungsverlauf selber ist komplex, tiefsinnig und bedarf einiger Aufmerksamkeit beim Lesen, denn neben der Familiengeschichte kommt auch allerlei Fachwissen in diesem Roman vor. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass der Roman sehr umfangreich und komplex wird, auf der anderen Seite ist es aber kein Roman, den man mal soeben nebenbei liest. Man muss Zeit und Ruhe mitbringen, um hinter die Mysterien der Geschichte zu blicken, doch es lohnt sich, diese mitzubringen. Denn man erhält hier auch ein spannendes Bild durch die Zeitgeschichte, einen Liebesroman und eine Familienepos neben so einigen mystischen Elementen und physikalischen Einsichten. Der Sprachstil ist weitestgehend eingängig und sorgt für einen angenehmen Lesefluss, ist man erst einmal in der Geschichte eingetaucht. Neben Waldemars Briefen an Mrs. Haven finden sich Rückblicke auf seine eigene Geschichte, die das Verhältnis zur Briefempfängerin beleuchten und Kapiteln, in denen die Familiengeschichte Waldemars beginnend bei seinem Großvater chronologisch erzählt wird.

Fazit:
Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein fantastisch anmutender Roman, über physikalische Größen, Familien, Liebe, Verluste und die eigene Identität. Ein wenig Zeit sollte man sich auf jeden Fall für dieses Werk nehmen, denn eine seichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch auf keinen Fall. Wer Bücher von David Mitchell mag, sollte ruhig einen Blick auf diesen Roman riskieren :)
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Rowohlt Verlage für das Rezensionsexemplar.

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letusreadsomebookss avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" von John Wray

Groteske literarische Reise durch das letzte Jahrhundert
letusreadsomebooksvor 2 Jahren

Gefangen in einer Blase aus angehaltener Zeit, befindet sich der junge Waldemar Tolliver in einem zugemüllten Apartment in New York am Central Park, wo er versucht seine Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht hat er aber auch einfach nur zu viele Science-Fiction Romane gelesen. Er glaubt, dass wenn er seine knapp hundertjährige Familiengeschichte entschlüsselt und versteht, er wieder einen Weg zurück in die Welt findet…

(…)der Same von Waldemars Theorie der verlorenen Zeit – die Vorstellung, dass Chronologie eine Illusion, wenn nicht gar eine zweckgerichtete Lüge sei und der stetige Verlauf der Zeit in eine einzige Richtung, der wir zu folgen haben, in Wahrheit einem Wirrwarr sphärischer ‚Chronokosmen‘ entspreche, die sich in alle Richtungen durchreisen lassen, sofern das Bewusstsein nur dank einer entsprechenden Kraft aus dem vorherbestimmten Umlauf gestoßen wird – dieser Same also war stetig gewachsen (…)

Was ist Zeit? Wie lässt sich Zeit messen? Verläuft Zeit wirklich chronologisch? Alles Fragen, die in dem Roman Das Geheimnis der verlorenen Zeit des Autors John Wray eine zentrale Rolle spielen. Erzählt wird die Geschichte von Waldemar Tolliver, oder einfach nur Waldi, der nach und nach versucht, die Geheimnisse seiner Familie zu entschlüsseln. Er fängt in der k. u. k. Zeit in Wien an und geht bis in das moderne Manhattan und berichtet von drei Generationen von Tollivers, die alle mehr oder weniger skurrile Personen sind. Den Anfang macht Waldis Großvater, der glaubt, das Geheimnis der verlorenen Zeit entschlüsselt zu haben, aber nur wenige Minuten später überfahren wird. Danach machen sich seine Söhne daran, die Forschungen des Vaters zu entschlüsseln. Die Familie der Tollivers ist bevölkert von Visionären, Verbrechern und Wissenschaftlern, aber alle sind mehr oder weniger groteske Gestalten. Die einzige Ausnahme ist Waldis Großvater, der vor den Entwicklungen seiner Zeit die Augen verschließt. Seine Tanten Entian und Gentian sammeln in ihrem Appartement scheinbar unnütze Dinge und werden zu einer lokalen Attraktion, in deren Wohnung sich alle paar Wochen Persönlichkeiten wie Joan Didion treffen. Waldemars Vater schreibt Softporno- Science-Fiction Romane und wird ungewollt zum Begründer einer neuen großen Religion. Die Auszüge aus seinen Büchern sind großartig und voller Humor. Der geheimnisvollste Verwandte ist Waldis Großonkel und Namensvetter Waldemar, der während des zweiten Weltkriegs an der russischen Grenze geheime Menschenversuche durchführt. Aber auch die Nebencharaktere bleiben in Erinnerung, wie etwa Richard, der Sektenführer, der versucht durch vollkommene Langeweile ewiges Leben zu erlangen und Begründer der „autosuggestiven Psychostasis“ ist.

Es fällt schwer diesen Roman zu beschreiben. Die Themenvielfalt ist riesig und das Buch eine Mischung aus spannender Unterhaltung, Geschichte, Zeitreise -Theorien, Physik und Philosophie. Beim Lesen stellt sich zudem immer wieder die Frage, ob Waldemar, der anscheinend auch unter starkem Liebeskummer leidet, überhauptvertrauenswürdig ist als Erzähler. Denn eigentlich schreibt er für Mrs. Haven, die verheiratet ist und die er auf einer Party unter dem Küchentresen kennengelernt hat. Schnell wird klar, dass der Name „Haven“ für die Tollivers eine besondere Bedeutung hat.

Zum Glück ist es nicht nötig, alle physikalischen Theorien zu kennen und richtig zu verstehen, um der Handlung und den Gedankengängen folgen zu können. Ein Grundinteresse an Fragestellungen, welche die Bedeutung der Zeit betreffen, sollte aber vorhanden sein. Daneben spielen Theorien von Darwin, Newton und Heisenberg eine Rolle.

Bei aller Theoriedichte und schweren Themen lässt sich der Roman aber dank des Stils des Autors sehr gut lesen und bietet ebenso Unterhaltung und Spannung. Die Sprache ist ausschweifend, abwechslungsreich und detailliert. Nebenbei treten bekannte Persönlichkeiten wie Wittgenstein auf und es werden die Stimmungslagen verschiedener Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beschrieben. Viele der Details entstammen nicht dem Einfallsreichtum des Autors, sondern es gibt sie wirklich, wie etwa ein Postkartenmotiv eines Mannes, der auf einer phallusartigen Gewürzgurke reitet. Zusätzlich gibt es lauter intertextuelle Bezüge, die der aufmerksame Leser entdecken kann.


Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein dichtes Buch, mit vielen kleinen Details, die Seiten später plötzlich entscheidend sind. Dazu eine Familiengeschichte, in der es nur so von seltsamen Verwandten wimmelt. Wer nennt seine Zwillingstöchter bitteschön Entian und Gentian? Voller Humor, Wissenschaft und Geschichte, kurz gesagt ein spannender Roman, der mit seinem Sprachstil und skurrilen Charakteren noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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