John Wray

 3,6 Sterne bei 96 Bewertungen
Autor von Retter der Welt, Das Geheimnis der verlorenen Zeit und weiteren Büchern.
Autorenbild von John Wray (© Sarah Sarchin)

Lebenslauf

Kreatives Potenzial zweier Welten: John Wray wird 1971 als John Henderson in Washington, D.C. geboren. Seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater US-Amerikaner, sodass er sowohl in Österreich, als auch in New York aufwächst. Er studiert am Oberlin College Biologie, bricht sein Studium jedoch ab und arbeitet im Anschluss in verschiedenen US-Bundesstaaten als Platzwart, Vogelbeobachter, Fremdsprachentutor und Taxifahrer, bis er als Schriftsteller erfolgreich wird. 2001 erscheint sein Debütroman „Die rechte Hand des Schlafes“, der den „Withing Award“ erhält. Wray wird von der Zeitschrift „Granta“ zu einem der besten jungen amerikanischen Romanautoren gekürt und für seine Kurzgeschichte „In The Tunnel“ 2007 mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Er schreibt neben seinen Romanen regelmäßige Beiträge für das New York Times Magazine. Zudem war er 2010 Fellow an der American Academy in Berlin und ist außerdem als Dozent für Kreatives Schreiben an der New Yorker Columbia Universität tätig.

Alle Bücher von John Wray

Cover des Buches Retter der Welt (ISBN: 9783644000131)

Retter der Welt

(59)
Erschienen am 15.02.2022
Cover des Buches Das Geheimnis der verlorenen Zeit (ISBN: 9783499270536)

Das Geheimnis der verlorenen Zeit

(11)
Erschienen am 24.07.2018
Cover des Buches Gotteskind (ISBN: 9783499273186)

Gotteskind

(8)
Erschienen am 21.04.2021
Cover des Buches Die rechte Hand des Schlafes (ISBN: 9783499273193)

Die rechte Hand des Schlafes

(7)
Erschienen am 17.11.2017
Cover des Buches Unter Wölfen (ISBN: 9783498002466)

Unter Wölfen

(4)
Erschienen am 14.05.2024
Cover des Buches Madrigal (ISBN: 9783498001681)

Madrigal

(3)
Erschienen am 21.04.2021
Cover des Buches Gotteskind (ISBN: B07CNJNK3Q)

Gotteskind

(0)
Erschienen am 22.01.2019
Cover des Buches Lowboy (ISBN: 9781847671523)

Lowboy

(2)
Erschienen am 21.07.2010

Neue Rezensionen zu John Wray

Cover des Buches Madrigal (ISBN: 9783498001681)
Aischas avatar

Rezension zu "Madrigal" von John Wray

Aischa
Irr-Real

John Wray, 1971 in Washington, D.C. geboren als Sohn eines Amerikaners und einer Österreicherin, ist zweisprachig aufgewachsen. Mit Madrigal legt er erstmals ein Werk vor, das er direkt auf Deutsch geschrieben hat.

Der Band versammelt Kurzgeschichten, die sich zwischen realistischen Beobachtungen und surrealen Brechungen bewegen. Schon früh wird deutlich, dass Wray ein Meister darin ist, Falltüren in andere Wirklichkeiten zu öffnen: Alltägliche Szenen kippen ins Groteske, Vorstadt-Melancholie verwandelt sich in Horror, scheinbar banale Begegnungen entwickeln sich zu beklemmenden Szenerien.

Im Zentrum stehen fast durchweg beschädigte Existenzen, Menschenr, die mit sich selbst und ihrer Umwelt hadern – Figuren, die düster und toxisch wirken, deren Darstellung aber gleichzeitig von Witz und Humor getragen ist. Wrays literarische Logik folgt oft der Paranoia: Was sicher erscheint, kippt ins Abgründige, manchmal auch ins Komische.

Als Leserin oder Leser bewegt man sich in diesem Spannungsfeld zwischen Realität und Surrealität, zwischen Unterhaltung und Verstörung. Manche Geschichten sind schlichtweg großartig – etwa das schonungslose Psychogramm eines Pädophilen, das auf bedrückende Weise tief ins Innere einer zerrissenen Gedankenwelt führt. Hier zeigt sich Wray als Autor von großer literarischer Kraft. Es gab die ein oder andere Story, die mich nicht völlig überzeugt hat, auch eine, die ich schlichtweg nicht verstehe.

Und doch ist Madrigal in seiner Gesamtheit ein starker, mutiger Band. Er zeigt, wie die Literatur nicht nur Abgründe auslotet, sondern auch ihre eigene Macht reflektiert: Geschichten können beunruhigen, verstören, unterhalten – und manchmal alles zugleich.

Fazit: John Wray gelingt mit seinem ersten deutschsprachigen Werk ein bemerkenswerter Spagat zwischen Realität und Surrealität. Madrigal ist düster und komisch, beklemmend und unterhaltsam – ein riskantes, aber lohnendes Experiment, das zeigt, wie vielschichtig Gegenwartsiteratur sein kann.

Cover des Buches Unter Wölfen (ISBN: 9783498002466)
Christian1977s avatar

Rezension zu "Unter Wölfen" von John Wray

Christian1977
Keep On Rockin'

Kip Norvald kann es sich nicht erklären. Immer wieder überkommen den Teenager diese Gewaltausbrüche, dieses rauschhafte Weiß, das ihn völlig außer Kontrolle geraten lässt. Im Florida der späten 1980er-Jahre ist er genau so ein Außenseiter wie der schwarze bisexuelle Leslie Z und das Trailer-Girl Kira Carson. Was die drei so unterschiedlichen Charaktere verbindet, ist eine gemeinsame Liebe: die zum Heavy Metal. Über das Erwachsenwerden dreier Außenseiter:innen in den 80er- und 90er-Jahren und vor allem über die Kraft der Musik schreibt John Wray in seinem neuen Roman "Unter Wölfen", der in der deutschen Übersetzung aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben bei Rowohlt erschienen ist. Rock'n'Roll pur!

Hat es jemals zuvor einen literarischen Roman über Heavy Metal gegeben? Ich wage dies zu bezweifeln, auch wenn aktuell beispielsweise Karl Ove Knausgård kongenial und philosophisch den norwegischen Black Metal in seine "Morgenstern"-Reihe integriert. In diesem Umfang und mit dieser Hingabe ist John Wrays "Unter Wölfen" allerdings ein Novum. Dabei stammt der Autor selbst eher aus der Rockszene und musste sich für das Buch erst in die Metalszene einlesen, wie er im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur verriet. Nun ist ihm dies überwiegend hervorragend gelungen.

Der Roman teilt sich in drei große Abschnitte, die sich sowohl in den Handlungsorten als auch den jeweiligen Musikrichtungen stark unterscheiden. Teil eins spielt in Venice, Florida, wo die drei Hauptfiguren ihre Liebe zum Death Metal und aufkommenden Bands wie Death, Deicide oder Cannibal Corpse frönen. Im Mittelteil reisen die Drei nach L.A. und lernen dort den Glamrock in all seinen Facetten kennen und - so geben sie es zumindest vor - hassen. Der Schlusspart führt die Leserschaft gar nach Bergen in Norwegen - und damit tief in das düstere Herz des norwegischen Black Metal zu Beginn der 90er-Jahre mit Bands wie Mayhem, Emperor und Burzum. 

Zu loben ist auf jeden Fall, wie abwechslungsreich sich nicht nur musikalisch "Unter Wölfen" präsentiert. Von einem Coming-of-Age-Roman mit auch sprachlichem Rock'n'Roll entwickelt sich das Buch nämlich zu einem Liebesroman und am Ende gar zu einer Art literarischem Thriller, der zwar nicht das Unheimliche von Bret Easton Ellis' "The Shards" erreicht, aber durchaus gekonnt mit Ellis-haften Motiven spielt.

Hervorragend eingebunden sind auch die nerdigen Metal-Insiderfakten, die John Wray immer wieder ins Spiel bringt. Dies führt sogar dazu, dass Metal-Legenden selbst diverse Auftritte haben. Ob Vince Neil von Mötley Crüe oder im Schlussteil Euronymous von Mayhem, Samoth von Emperor oder der unsägliche Count Grishnackh: Sie alle geben sich in "Unter Wölfen" ihr Stelldichein. Für Metalheads definitiv ein großer Spaß! In einer besonders genialen Szene entdeckt Kip beispielsweise die legendären Polaroid-Fotos, die Euronymous nach dem Tod des Mayhem-Sängers Dead von dessen Leiche geschossen hat. Wray bindet dies als Randnotiz ein, ohne Pelle Ohlin alias Dead überhaupt namentlich zu erwähnen. Ein Gimmick für Metalfreund:innen, von denen es in dem Roman zahlreiche zu entdecken gibt. 

Wenn man etwas kritisieren möchte, dann sind das einerseits die Figuren, die sich gerade in den manchmal etwas nervigen Dialogen zu wenig entwickeln. Zudem wirkt der Roman durch ein paar belanglose Szenen doch etwas zu lang. Aus Metalsicht ist jedoch das größte Ärgernis, dass im letzten Abschnitt zwischen Black Metal-Figuren wie Euronymous und dessen späteren Mörder Varg Vikernes alias Count Grishnackh zu wenig differenziert wird. Beide wirken auf die Leserschaft wie satanistische, ideologisch rechts stehende Musiker, die irgendwo zwischen Bedrohung und Knallchargentum agieren. Dabei kommen Euronymous' kommunistische Ansichten ebenso zu kurz wie das spätere Täter-Opfer-Verhältnis der beiden.

Kleinere Wermutstropfen eines insgesamt aber spannenden und unterhaltsamen Romans, der insbesondere Metal-Fans aller Genres und Musikliebhaber:innen ohne Scheuklappen ansprechen sollte. Keep on rockin', John!

Cover des Buches Unter Wölfen (ISBN: 9783498002466)
wortknaeuels avatar

Rezension zu "Unter Wölfen" von John Wray

wortknaeuel
Harte Schale, weicher Kern

Nie hätte ich gedacht, dass in einem Sonnenstaat wie Florida eine Musikrichtung wie Death Metal gedeihen könnte. So geschehen in den späten 1980er Jahren, zu einer Zeit, als ich (noch präpubertär) der Neuen Deutschen Welle anhing. Somit ist der Roman „Unter Wölfen“ von John Wray für mich ein Blick in eine Parallelwelt, fremdartig und faszinierend zugleich. Wieder mal ein Buch, das mich zum Googeln und Spotifyen brachte – Neugier geweckt, Neues entdeckt.


Der amerikanisch-österreichische Autor beschreibt die Zeit von Bands mit Namen wie „Deicide“ (Gottesmord), „Obituary“ (Nachruf) oder „Death Angel“ (Todesengel). Im Mittelpunkt steht der Teenager Kip Norvald, der aus einer problematischen Familie stammend gerade zu seiner Großmutter nach Venice gezogen ist. Schnell freundet er sich mit Leslie an, der – schwarz, androgyn und in bunte Glam-Metal-Leggins gekleidet – selbst innerhalb der Metal-Szene eine Zielscheibe darstellt. Zusammen mit Kira, die dem „White Trash“ Milieu entfliehen will, ziehen sie von Florida nach Los Angeles. Im harten Sound des Heavy Metal fühlen sie sich verbunden und helfen einander, mit ihren seelischen Narben und den Wirren des Erwachsenwerdens fertig zu werden.


Die drei Außenseiter besuchen viele Konzerte, so liest sich der Roman zuweilen wie eine Sammlung von Musik-Kritiken, während die Charaktere für mich eher blass bleiben. Im zweiten Teil wird die Handlung jedoch plötzlich so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Als Kip mit Leslie zusammen nach Norwegen reist, um in der extrem düsteren Black Metal Szene nach der verschwundenen Kira zu suchen, wird aus dem Coming-of-Age-Roman plötzlich ein Thriller mit nordisch-mystischem Touch. Man könnte meinen, was dort geschieht, ist zu verrückt, um wahr zu sein, doch das Internet verriet mir, dass die Realität noch viel unglaublicher war.


„Unter Wölfen“ liest sich wie zwei Bücher in einem – zuerst ein Abriss des Florida Death Metal Ende der 80er Jahre, dann eine spannende Episode aus der (leider realen) düsteren Bandgeschichte von „Mayhem“ in Norwegen. Interessant für Metal Heads und unvoreingenommene Musikliebhaber. Anderen hat dieses Buch eher wenig zu bieten.

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