John Wray Das Geheimnis der verlorenen Zeit

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Inhaltsangabe zu „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ von John Wray

"Das Geheimnis der Zeit" ist einer der megalomanischsten Romane der jüngeren amerikanischen Literaturgeschichte: ein gewitzter, raffinierter Mix aus Wissenschaft, Philosophie, Pop und Unterhaltung. Ein wilder Abenteuertrip, vom Wien der Jahrhundertwende bis ins Manhattan der Gegenwart, von der ersten Dimension in die vierte. Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. (Aber vielleicht hat er auch nur zu viel Science-Fiction gelesen.) Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. (Glaubt er.) Ein grandioses Panorama breitet sich aus: Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren. Drei Generationen von Tollivers – Genies, Kriminelle, Verlierer, Visionäre - ruhen fortan nicht, das Geheimnis zu lüften, obwohl bald ein deutscher Patentamtsangestellter namens Einstein mit ganz ähnlichen Theorien Schlagzeilen machen wird … Um es mit Jonathan Lethem zu sagen: "John Wray ist die nächste Welle der amerikanischen Literatur."

Dichte und spannende Geschichte mit äußerst grotesken Charakteren. Ein großes Lesevergnügen!

— letusreadsomebooks
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    Das Geheimnis der verlorenen Zeit
    raven1711

    raven1711

    12. December 2016 um 18:31

    Klappentext:Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. (Aber vielleicht hat er auch nur zu viel Science-Fiction gelesen.) Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. (Glaubt er.)Ein grandioses Panorama breitet sich aus: Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren.Drei Generationen von Tollivers – Genies, Kriminelle, Verlierer, Visionäre - ruhen fortan nicht, das Geheimnis zu lüften, obwohl bald ein deutscher Patentamtsangestellter namens Einstein mit ganz ähnlichen Theorien Schlagzeilen machen wird …Meinung:Waldemar hat ein Problem. Er sitzt in einer Zeitblase fest, die sich im Apartment seiner Tanten befindet, ohne Aussicht, diese je wieder verlassen zu können. Also sinniert Waldemar über sein Leben und das seiner Familie, schreibt Briefe an seine große Liebe und erzählt ihr, wie sein Urgroßvater das Geheimnis über die verlorene Zeit fand und gleich darauf verlor und wie seine Familie sich seitdem auf die Suche nach dieser befindet. Somit stellen sich im Roman die zwei großen Fragen: Was ist das Geheimnis um die verlorene Zeit? Und wird es Waldemar gelingen, der Zeitblase zu entkommen?John Wray hat sich sehr genau mit seinen Charakteren auseinander gesetzt, und man merkt ihnen ihre Tiefe und Komplexität an. Egal ob es sich um Waldemar, seine Tanten, die mysteriöse Mrs. Haven oder andere Figuren handelt, alle bestechen mit ihren Eigenarten, Charakterstärken und -schwächen, sowie den gut ausgearbeiteten Hintergründen. Mir haben die Protagonisten wirklich gut gefallen und mal mehr, mal weniger Sympathien bei mir hervorgerufen. Die Charaktere greifen schlüssig ineinander, wirken teilweise geheimnisvoll und sorgen so für genügend Spannung in der Handlung.Der Handlungsverlauf selber ist komplex, tiefsinnig und bedarf einiger Aufmerksamkeit beim Lesen, denn neben der Familiengeschichte kommt auch allerlei Fachwissen in diesem Roman vor. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass der Roman sehr umfangreich und komplex wird, auf der anderen Seite ist es aber kein Roman, den man mal soeben nebenbei liest. Man muss Zeit und Ruhe mitbringen, um hinter die Mysterien der Geschichte zu blicken, doch es lohnt sich, diese mitzubringen. Denn man erhält hier auch ein spannendes Bild durch die Zeitgeschichte, einen Liebesroman und eine Familienepos neben so einigen mystischen Elementen und physikalischen Einsichten. Der Sprachstil ist weitestgehend eingängig und sorgt für einen angenehmen Lesefluss, ist man erst einmal in der Geschichte eingetaucht. Neben Waldemars Briefen an Mrs. Haven finden sich Rückblicke auf seine eigene Geschichte, die das Verhältnis zur Briefempfängerin beleuchten und Kapiteln, in denen die Familiengeschichte Waldemars beginnend bei seinem Großvater chronologisch erzählt wird.Fazit:Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein fantastisch anmutender Roman, über physikalische Größen, Familien, Liebe, Verluste und die eigene Identität. Ein wenig Zeit sollte man sich auf jeden Fall für dieses Werk nehmen, denn eine seichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch auf keinen Fall. Wer Bücher von David Mitchell mag, sollte ruhig einen Blick auf diesen Roman riskieren :)Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.Vielen Dank an die Rowohlt Verlage für das Rezensionsexemplar.

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    Das Geheimnis der verlorenen Zeit
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    14. November 2016 um 14:05

    Gefangen in einer Blase aus angehaltener Zeit, befindet sich der junge Waldemar Tolliver in einem zugemüllten Apartment in New York am Central Park, wo er versucht seine Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht hat er aber auch einfach nur zu viele Science-Fiction Romane gelesen. Er glaubt, dass wenn er seine knapp hundertjährige Familiengeschichte entschlüsselt und versteht, er wieder einen Weg zurück in die Welt findet… (…)der Same von Waldemars Theorie der verlorenen Zeit – die Vorstellung, dass Chronologie eine Illusion, wenn nicht gar eine zweckgerichtete Lüge sei und der stetige Verlauf der Zeit in eine einzige Richtung, der wir zu folgen haben, in Wahrheit einem Wirrwarr sphärischer ‚Chronokosmen‘ entspreche, die sich in alle Richtungen durchreisen lassen, sofern das Bewusstsein nur dank einer entsprechenden Kraft aus dem vorherbestimmten Umlauf gestoßen wird – dieser Same also war stetig gewachsen (…) Was ist Zeit? Wie lässt sich Zeit messen? Verläuft Zeit wirklich chronologisch? Alles Fragen, die in dem Roman Das Geheimnis der verlorenen Zeit des Autors John Wray eine zentrale Rolle spielen. Erzählt wird die Geschichte von Waldemar Tolliver, oder einfach nur Waldi, der nach und nach versucht, die Geheimnisse seiner Familie zu entschlüsseln. Er fängt in der k. u. k. Zeit in Wien an und geht bis in das moderne Manhattan und berichtet von drei Generationen von Tollivers, die alle mehr oder weniger skurrile Personen sind. Den Anfang macht Waldis Großvater, der glaubt, das Geheimnis der verlorenen Zeit entschlüsselt zu haben, aber nur wenige Minuten später überfahren wird. Danach machen sich seine Söhne daran, die Forschungen des Vaters zu entschlüsseln. Die Familie der Tollivers ist bevölkert von Visionären, Verbrechern und Wissenschaftlern, aber alle sind mehr oder weniger groteske Gestalten. Die einzige Ausnahme ist Waldis Großvater, der vor den Entwicklungen seiner Zeit die Augen verschließt. Seine Tanten Entian und Gentian sammeln in ihrem Appartement scheinbar unnütze Dinge und werden zu einer lokalen Attraktion, in deren Wohnung sich alle paar Wochen Persönlichkeiten wie Joan Didion treffen. Waldemars Vater schreibt Softporno- Science-Fiction Romane und wird ungewollt zum Begründer einer neuen großen Religion. Die Auszüge aus seinen Büchern sind großartig und voller Humor. Der geheimnisvollste Verwandte ist Waldis Großonkel und Namensvetter Waldemar, der während des zweiten Weltkriegs an der russischen Grenze geheime Menschenversuche durchführt. Aber auch die Nebencharaktere bleiben in Erinnerung, wie etwa Richard, der Sektenführer, der versucht durch vollkommene Langeweile ewiges Leben zu erlangen und Begründer der „autosuggestiven Psychostasis“ ist. Es fällt schwer diesen Roman zu beschreiben. Die Themenvielfalt ist riesig und das Buch eine Mischung aus spannender Unterhaltung, Geschichte, Zeitreise -Theorien, Physik und Philosophie. Beim Lesen stellt sich zudem immer wieder die Frage, ob Waldemar, der anscheinend auch unter starkem Liebeskummer leidet, überhauptvertrauenswürdig ist als Erzähler. Denn eigentlich schreibt er für Mrs. Haven, die verheiratet ist und die er auf einer Party unter dem Küchentresen kennengelernt hat. Schnell wird klar, dass der Name „Haven“ für die Tollivers eine besondere Bedeutung hat. Zum Glück ist es nicht nötig, alle physikalischen Theorien zu kennen und richtig zu verstehen, um der Handlung und den Gedankengängen folgen zu können. Ein Grundinteresse an Fragestellungen, welche die Bedeutung der Zeit betreffen, sollte aber vorhanden sein. Daneben spielen Theorien von Darwin, Newton und Heisenberg eine Rolle. Bei aller Theoriedichte und schweren Themen lässt sich der Roman aber dank des Stils des Autors sehr gut lesen und bietet ebenso Unterhaltung und Spannung. Die Sprache ist ausschweifend, abwechslungsreich und detailliert. Nebenbei treten bekannte Persönlichkeiten wie Wittgenstein auf und es werden die Stimmungslagen verschiedener Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beschrieben. Viele der Details entstammen nicht dem Einfallsreichtum des Autors, sondern es gibt sie wirklich, wie etwa ein Postkartenmotiv eines Mannes, der auf einer phallusartigen Gewürzgurke reitet. Zusätzlich gibt es lauter intertextuelle Bezüge, die der aufmerksame Leser entdecken kann. Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein dichtes Buch, mit vielen kleinen Details, die Seiten später plötzlich entscheidend sind. Dazu eine Familiengeschichte, in der es nur so von seltsamen Verwandten wimmelt. Wer nennt seine Zwillingstöchter bitteschön Entian und Gentian? Voller Humor, Wissenschaft und Geschichte, kurz gesagt ein spannender Roman, der mit seinem Sprachstil und skurrilen Charakteren noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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