John le Carré Marionetten

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Inhaltsangabe zu „Marionetten“ von John le Carré

Ein junger Muslim, aus Tschetschenien stammend, reist illegal durch die Türkei und über Schweden und Dänemark nach Deutschland ein. Im Hamburger Stadtteil Altona bittet er eine türkische Familie um Hilfe. Nur langsam finden die verängstigten Gastgeber heraus, wer der Fremde, der kein Deutsch spricht, wirklich ist und was er in der Hansestadt will. Offenbar hat er in der Türkei im Gefängnis gesessen und eine gewisse Zeit in Krankenhäusern verbracht. Körperlich ist der Mann schwer gezeichnet. Er bittet die junge Anwältin Annabel Richter, ihm zu helfen. Vor allem möchte er Einsicht nehmen in ein Schwarzgeldkonto, das offenbar sein Vater in Hamburg eingerichtet hat. Der Wunsch des jungen Illegalen: mit Allahs Hilfe Medizin zu studieren. So beginnt John Le Carrés meisterhaft komponierter Roman über unsere Gesellschaft des Verdachts nach dem 11. September 2001. In einem Netz aus privaten und politischen Interessen bewegen sich seine Figuren zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Die Bedrohung durch den islamistischen Terror wird zur Kulisse für ein skrupelloses Spiel der Geheimdienste.

Ein klassischer LE CARRÉ...

— zahnfee2812

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  • Hängen an den Fäden in Händen eines Anderen

    Marionetten

    Beust

    19. August 2017 um 14:06

    Das Aktuelle dieses Romans ist sein schonungsloser Blick in die Panikreaktionen der Gesellschaft, die festgefahrenen Handlungsmuster und die einfache Schwarz-Weiß-Schematik des Freund-Feind-Denkens im so genannten „Kampf gegen den Terror“. John le Carré zeigt dies in den mechanischen Reaktionen der Geheimdienste, die um den verdächtigen in Hamburg auftauchenden Flüchtling Issa Karpow ein Interpretationskunstwerk aufhäufen. Diese Mechanismen erklären sich aus den vermeintlichen Versäumnissen der Vergangenheit, als nämlich niemand die mörderischen Pläne der Hamburger Zelle aufdeckte, die zu den Anschlägen am 11. September 2001 geführt hatten. Gleichzeitig offenbaren die Winkelzüge, die die Behörden anstrengen, um Issa als Werkzeug gegen den schon lange verdächtigen Terrorfinanzier Dr. Abdullah einsetzen zu können, die menschliche Kälte, mit der Geheimdienste die Schicksale Einzelner instrumentalisieren. Sowohl die ins Visier Genommenen als auch die Schlapphüte, die durch das Visier schauen, sind hierbei Marionetten an Handlungsfäden, die durch übergeordnete Prinzipien festgelegt werden: Sicherheit geht vor Freiheit. John le Carré führt die Kritik daran - wie in allen seinen Romanen - durch eine langsam und sorgfältig erzählte Handlung vor. Vor allem die Hauptpersonen bestechen durch eine vielschichtige Konstruktion, wobei Issa Karpow und der Privatbankier Tommy Brue hier besonders hervorstechen. Sie sind verbunden durch Schwarzgelder, die Issas sinisterer Vater in der Privatbank deponiert hatte. Beide Figuren lassen sich überdies durch ihren Vaterkonflikt parallelisieren, der letztlich auch als ein Marionettendasein beschrieben werden kann, insofern jeder Mensch an den Fäden der Verwandtschaft und Vergangenheit hängt, die ihn mit seinem Vater verbindet. Die Handlung entwickelt sich nur langsam, so dass der Roman nicht so spannend erscheint: Issa und das Geld werden von den Hamburger Beamten Günther Bachmann und Erna Frey ins Zentrum ihrer Versuche gestellt, an Dr. Abdullah heranzukommen. Beweise seines Terrorgeschäftes sollen von Bankier Tommy Brue und der Flüchtlingsanwältin Annabel Richter beschafft werden, die sich beide gegen ihre Grundsätze hierfür einspannen lassen. Am Ende reißt dem amerikanischen Geheimdienst der Geduldsfaden, was zu einem abrupten Ende führt, das gleichwohl zum her pessimistischen Tonfall des Buchs passt. Es ist vor allem lesenswert im Hinblick darauf, wie Vorurteile Handlungsmuster auslösen können, die durch individuelle Unvoreingenommenheit vermieden werden könnten, „Marionetten“ ist ein gutes und hintergründiges Buch, dem man Zeit geben sollte, um seine Vielschichtigkeit darlegen zu können.  

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  • Spannend und realistisch

    Marionetten

    badwoman

    28. February 2016 um 12:01

    Die drei Hauptfiguren dieses Buches werden unschuldig in einen Strudel geheimdienstlicher Tätigkeiten hineingezogen, die nach den Ereignissen des 11. September sehr hart und übereifrig ablaufen. Da zählt das Leben des Issa, eines tschetschenischen Flüchtlings, gar nichts, schließlich hat es AMERIKANISCHE Tote gegeben. Er wird als Lockvogel für einen zwielichtigen Mann missbraucht, und letztendlich für die Zwecke der Geheimdienstler geopfert. Da haben dann auch die Deutschen, obwohl sich dieses Drama in Deutschland abspielt, nicht viel zu melden. Sehr ergreifend und nachdenklich stimmend fand ich das Ende des Romans. Es gibt leider kein Happy End, was aber der Glaubwürdigkeit der Geschichte nur zugute kommt. Das Buch selber war für mich stellenweise ein wenig verwirrend, da gab es einige konkurrierende Geheimdienste, so dass ich schon mal den Überblick verloren hatte und eine Seite ein zweites Mal lesen musste, um zu verstehen, wer zu wem gehört. Nebenbei war interessant zu lesen, dass Geheimdienstler auch mal einen alten Pferdestall als Arbeitsplatz akzeptieren müssen. Die Geschicht wirkt sehr realistisch nach allem, was wir nach dem 11. September in den Medien erfahren mussten (Murat Kurnaz usw.), und gerade deshalb auch so erschreckend!

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  • Philip Seymour Hoffmans letzte Hauptrolle

    Marionetten

    Holden

    Hamburg im Jahr 2007: Die ganze Welt mißtraut nach wie vor der deutschen Geheimdienstarbeit, nachdem mehrere Terrorpiloten des 11. September sich in aller Ruhe in Hamburg treffen und dort die Anschläge auf World Trade Center und Pentagon vorbereiten konnten. Auf einem ehemaligen Gelände der SS wurde eine Spezialeinheit gegründet, die einem neugeschaffenen Kontrollgremium untersteht, das die Geheimdienstarbeit effizienter machen soll. Als ein tschetschenischer Terrorverdächtiger über Schweden und Dänemark einreist und bei einer türkischen Durchschnittsfamilie in Hamburg-Altona aufgenommen wird, sorgt das für Verwirrungen zwischen den Geheimdiensten und bei einer Hamburger Privatbank, die ein geheimes Schwarzgeldkonto an ihn auszahlen soll. Typisch le Carre, ich habs wirklich kaum aus der Hand gelegt, und die Hintergrundinformationen über BND, BKA usw. sind außerdem sehr erhellend.

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    • 2
  • Spionagethriller mit den Qualitäten eines existenzialistischen Dramas

    Marionetten

    WolffRump

    02. August 2013 um 18:54

    Genre: Spionagethriller (mit satirischen Elementen).  Inhalt: Ein muslimischer Flüchtling aus Tschetschenien reist illegal nach Deutschland ein. Er erbt von seinem Vater ein mit über 12 Millionen Dollar Blutgeld gefülltes Schwarzkonto bei einer angesehenen Hamburger Privatbank. Deutsche, britische und amerikanische Geheimdienste werden auf den Flüchtling aufmerksam. Aufgrund seiner Herkunft und seiner Einreise mit Hilfe von Schleusern verdächtigen sie ihn, mit terroristischen Aktivitäten zu sympathisieren. Sie haben es jedoch auf einen dickeren Fisch abgesehen, einen angesehenen islamischen Gelehrten, den sie der Finanzierung von Terrororganisationen bezichtigen. Es gibt keine belastbaren Beweise, aber Indizien, die ihnen ausreichend erscheinen. Das Ziel: sie wollen den für seine gemäßigte Haltung bekannten Gelehrten in eine Situation bringen, die es ihnen ermöglicht, die Daumenschrauben anzulegen und den Verdächtigen umzudrehen, so dass er als Agent der westlichen Geheimdienste wertvolle Informationen über geplante Anschläge und deren Hintermänner liefern muss. Sie zwingen die Anwältin des Flüchtlings und den Bankier, der sein Erbe verwaltet, einen Kontakt zum Gelehrten herzustellen. Der Flüchtling, der das Geld selbst aus religiösen Gründen nicht haben will, soll bewogen werden, die Summe dem Gelehrten und den von ihm benannten wohltätigen islamischen Organisationen zu spenden, hinter denen die Geheimdienste terroristische Aktivitäten vermuten. Kurz nach der Überweisung des Geldes soll der Gelehrte entführt und umgedreht werden. Der Autor: John le Carré war in den 60er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als Angehöriger eines britischen Nachrichtendienstes in Bonn und Hamburg stationiert. Zahlreiche seiner Thriller sind im Spioneagemilieu angesiedelt. Eine Kleine Stadt in Deutschland spielte in Bonn und nahm die Bonner Republik aufs Korn, der vorliegende 21. Roman von John le Carré ist in Hamburg angesiedelt, in der Zeit nach 9/11, als die Geheimdienste angesichts ihres Versagens, den Anschlag zu verhindern, jeden Verdächtigen, der auch nur halbwegs in ihr Raster passte, ihrer Verfolgung aussetzten. Der reale Hintergrund: John le Carré hat in Vorbereitung des Romans den Deutsch-Türken Murat Kurnaz interviewt, der 2001 von den USA während einer Pakistanreise nach Guantanamo verschleppt und dort mehr als vier Jahre festgehalten wurde, weil man ihn verdächtigte, ein „ungesetzlicher Kombattant“ zu sein. Obwohl die USA der BRD seine Rückführung bereits 2002 angeboten hatten, wurde dies von deutscher Seite offenbar abgelehnt. Die Koordinierungsprobleme zwischen Verfassungsschutz, BND und CIA, sowie Vorwürfe, Kurnaz sei von Bundeswehrangehörigen in Guantanamo gefoltert worden, haben zwei Untersuchungsausschüsse des Bundestages beschäftigt, ohne zu befriedigenden Erkenntnissen zu führen, u. a. , weil Unterlagen der Behörden spurlos verschwunden sind. Alle Anklagen gegen Kurnaz wurden fallengelassen. Ob er dennoch radikale politische Positionen vertritt, ist strittig. Auch die im Roman genannte Hilfsorganisation für Asylbewerber hat einen realen Hintergrund. Der tatsächliche Name der Organisation ist flucht.punkt. Struktur und Spannungsbogen: John le Carré versteht es geschickt, aus einem harmlosen Drama um einen tollpatschigen und wirren Flüchtling und seine gutwilligen Helfer einen Thriller zu machen, in dem weder der Leser noch die agierenden Figuren einen Durchblick über die wirkliche Sachlage haben. Jeder glaubt das zu sehen, was er sich in seinem Inneren wünscht, obwohl jederzeit auch das exakte Gegenteil möglich scheint. Jede Figur im Roman versucht die anderen zu manipulieren und übersieht in ihrem Eifer, das sie selbst ebenso manipuliert wird. Die Realität als Orientierungsanker gerät mehr und mehr in den Hintergrund, bis sie durch den Anschein als neue Realität vollständig ersetzt wird. Revierkämpfe, Kompetenzgerangel und persönliche Befindlichkeiten lassen den Thriller in der letzten Phase seiner Metamorphose in einer Posse oder einer Politsatire gipfeln, in der jeder guten Willens war und doch jeder kläglich versagt hat. Das Ende ist ebenso schwarz wie offen. Jeder verliert. Übrig bleibt beim Leser das ungute Gefühl, dass diese Satire eben doch nahezu genau so ablaufen könnte, so unwahrscheinlich dies dem vernunftbegabten Menschen auch erscheinen mag. Das Wenige, was aus der Welt der Geheimdienste – in der Regel zufällig (Pleiten, Pech und Pannen) oder aus plumper Unfähigkeit der beteiligten Bürokraten – bekannt wird, bestätigt diese Hypothese. Dass Guantanamo bis heute existiert, hat seinen Grund. Mangelnde Gefängniskapazitäten in den USA darf man ausschließen. Dass Carré den Roman im Epizentrum des naiven Gutmenschentums, also in Deutschland, angesiedelt hat, ist ein geschickter Schachzug. Die hiesigen Behörden und Geheimdienste wirken in ihrer provinziellen Unfähigkeit auf den ersten Blick harmlos, sie lassen sich damit allerdings auch umso leichter durch andere instrumentalisieren, z. T. mit fatalen Folgen für die Opfer. Ein weiterer kluger Zug von le Carré: er schafft keine schwarz-weiße Landschaft, in der die Welt der Flüchtlinge und Asylbewerber tugendhaft und jene der Geheimdienste verwerflich ist. Es bleibt bis zum Schluss offen, ob hinter dem Flüchtling nicht doch ein geschickter Krimineller und hinter dem gemäßigten Gelehrten nicht doch ein Terrorpate steckt. Le Carré ist als ehemaliger Praktiker nicht naiv. Diesen Fluchttunnel aus der Wirklichkeit bietet er dem menschelnden Leser nicht. Charaktere: Hier liegt die Stärke des Romans. Es ist ein zutiefst menschliches Buch, dessen Handlung hinter den Figuren zurücksteht. Das Genre Thriller trifft insofern nur bedingt zu. Alle Hauptfiguren streben nach Rettung. Gleichzeitig münden ihre (gutgemeinten) Versuche im exakten Gegenteil. Die Anwältin des Flüchtlings hat jüngst einen Asyl-Mandanten durch Suizid verloren. Sie sucht die Rettung von ihrer Schuld in der Rettung des Flüchtlings. Sie liest aus den wirren Verhaltensweisen des Flüchtlings - nach anfänglichem Misstrauen - immer das heraus, was ihr Wunschdenken bestätigt. Für Zweifel bleibt kein Raum. Sie will ihn retten – um jeden Preis. Und genau diesen Umstand nutzen die Geheimdienste aus. Den englischstämmigen Privatbankier plagt die innere Leere seines Lebens. Anfangs ganz der sich an den Konventionen seines Berufsstandes orientierende Bankier, der dem Flüchtling mit gebotenem Misstrauen begegnet, verliebt er sich alsbald in die weitaus jüngere Anwältin und erklärt sie zu seinem (einzigen) Ausweg aus der Sinnlosigkeit seines Tuns und aus seiner privaten Misere. Er ordnet sein Handeln von diesem Augenblick an ausschließlich der Frage unter, ob seine Angebetete seine Aktionen gutheißen würde oder nicht. Auch seine Abhängigkeit machen sich die Geheimdienste zunutze. Der Flüchtling selbst sucht seine Rettung in religiösen Idealen, die er nicht versteht und denen er folglich auch nicht gerecht werden kann, so ehrlich sein Bemühen auch sein mag. Gleichzeitig verliebt er sich in seine Anwältin, die er einerseits verklärt und bewundert, die er aufgrund seiner religiösen Überzeugungen (oder dem, was er dafür hält) als Mann allerdings übertrumpfen muss, um sich ihrer als würdig zu erweisen und der Stellung des Mannes gegnüber der Frau in der islamischen Gesellschaft gerecht zu werden. Sie legt ihm ein Verhalten nahe, das ihr der Geheimdienst nahegelegt hat, damit sie ihn retten und ihm einen deutschen Pass besorgen kann. Er folgt den Vorschlägen, um in ihrem Ansehen aufzusteigen. Erst indem er den Anweisungen der Geheimdienste Folge leistet, genügt er den Anforderungen, die sie selbst an einen Terrorverdächtigen stellen. Sein Verhalten wirkt auf seine Umwelt widerspüchlich, so dass sich jeder die ihm genehme Interpretation seines Verhaltens aussuchen kann. Die Anwältin sieht in ihm den hilflosen Gefolterten, die Geheimdienste den cleveren Kriminellen, der Bankier versucht in ihm das zu sehen, was die Anwältin in ihm sieht und der islamische Gelehrte versucht in ihm den tiefreligiösen Wohltäter zu erkennen, obwohl jede seiner Fragen eine Antwort erhält, die alle Alarmglocken in ihm schrillen lassen. Der deutsche Geheimdienstler, der die Operation gegen die Terrorverdächtigen leitet, startet im Roman als kampferprobter Praktiker, der eine einsame Schlacht gegen die Bürokraten der konkurrierenden deutschen Geheimdienste führt und der gleichzeitig einen operativen Treffer landen muss, um seine eigene Existenz zu rechtfertigen. Er endet als bedeutungslose Marionette, die sich zwischen Befehlen, Nichtbefehlen und möglichen Befehlen seiner Vorgesetzten verheddert, die ihren Wunsch nach Bedeutung und ihre Angst vor Verantwortung als Wortschrauben tarnen, die beliebig interpretiert werden können. Geköpft wird bei Fehlschlägen immer der Handelnde, belohnt wird im Erfolgsfall immer der Bürokrat. Schließlich wird der deutsche Geheimdienstler von denjenigen aus dem ‚Projekt’ gerammt (und das ist wörtlich zu nehmen), die die deutsche Flügellähme als Einladung begreifen, ihre eigenen Ziele umzusetzen: die CIA. Sprache/Duktus: Die Sprache ist bildreich und detailverliebt, jedoch zu keiner Zeit unangemessen im Hinblick auf die transportierten Inhalte. Die Charaktere werden sprachlich nuanciert und lebendig ausgeleuchtet. Mit Klischees wird gespielt, sie werden jedoch nicht platt gesetzt, sondern durch die Doppeldeutigkeit der Figuren immer wieder in Frage gestellt. Aber das ist eine bekannte Stärke von John le Carré, die man in seinem 21. Roman voraussetzen darf, ohne sie vertiefen zu müssen. Die Beschreibung des Settings kommt m. E. manchmal etwas zu kurz, was angesichts der Anlage des Romans aber zu verschmerzen ist. Der Text ist sprachlich nicht außergewöhnlich anspruchsvoll, keine Hochliteratur, aber für einen Unterhaltungsroman sicher in der oberen Liga. Wie viel die deutsche Übersetzung ‚vergeigt’ hat, kann ich nicht beurteilen, weil ich den Roman nur in der deutschen Übersetzung gelesen habe, was ich bei englischen Texten idR zu vermeiden versuche. Fazit: Ich würde den Roman gerne als Theaterstück realisiert sehen. Trotz des für Bildungsbürger verdächtigen Herkunftsstempels ‚Spionagethriller’ hat er alle Qualitäten eines existenzialistischen Dramas. Die Hilflosigkeit der Figuren, ihr Scheitern an der Realität und an sich selbst, ihre Ausrichtung auf ein hehres Ziel, das der Überprüfung nicht standhält, erinnern mich an Stücke von Sartre und Camus, aber insbesondere an ‚En attendant Godot’ von Beckett. Auch hier wird das Drama zur Farce, zur Gesellschaftssatire, Ideale werden betriebsblind verfolgt, Anzeichen als Beweise umgedeutet, nur um seinem Handeln einen Sinn zu geben, und um die Hoffnung nicht zu verlieren, die einen antreibt.

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  • Der Altmeister...

    Marionetten

    Bella5

    01. May 2013 um 16:31

    ...kann's einfach! Le Carré beweist einmal mehr, dass Schreiben eben doch eine Kunst ist. Besonders beeindruckt hat mich seine differenzierte Figurenzeichnung, der Sprachwitz, der Aufbau, der leise Sarkasmus. Vordergründig ein Thriller, ein Krimi ? Der Autor widerlegt die These, dass ein Krimischriftsteller eben "nur" spannend schreiben können muss. Zum Inhalt will ich nicht zuviel verraten: "Ein junger Moslem reist illegal über die Türkei und Dänemark nach Deutschland ein. Im Hamburger Stadtteil Altona bittet er eine türkische Familie um Hilfe. Nur langsam finden die verängstigten Gastgeber heraus, wer der Fremde ist und was er in der Hansestadt will. So beginnt John le Carrés meisterhaft komponierter Roman über unsere Gesellschaft des Verdachts nach dem 11. September 2001. In einem raffiniert gesponnenen Netz aus privaten und politischen Interessen bewegen sich seine Figuren zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Die Bedrohung durch den islamistischen Terror wird zur Kulisse für ein skrupelloses Spiel der Geheimdienste." Issa, Erna Frey und wie sie alle hiessen, konnte ich förmlich vor meinem inneren Auge sehen... Plastisch, fantastisch, meisterhaft erzählt und noch immer am Puls der Zeit. 5 Sterne, mindestens.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    monja1995

    30. April 2012 um 23:33

    Marionetten Ich habe lange mit mir gehadert, überhaupt eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben... Anfangs war die Handlung fesselnd und ich mochte es nicht zur Seite legen, jedoch wurde es ab der zweiten Hälfte holperig. Der Hauptakteur wird immer mehr in den Hintergrund gedrückt, dabei erscheint gerade er so wichtig, dass ich gerne mehr über ihn erfahren hätte. Irgendwann ging es nur noch darum, wie sich die einzelnen Organisationen versuchen, das Brot vom Brot zu klauen und im letzten Drittel hab ich enttäuscht aufgegeben, da ich die Hoffnung aufgab, dass es wieder besser wird. Eigentlich schade..... Entweder ist John le Carré einfach nicht mein Fall, oder er lehnte sich mit diesem Buch einfach zu weit aus dem Fenster. Anfangs war seine Schreibweise flüssig und fesselnd, ab dem zweiten Drittel wurde diese holperig und zu Anfang des letzten Drittels hatte ich den Eindruck, dass er nicht mehr wußte, was er schreiben soll. Ein für mich leider enttäuschendes Buch

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    hanniball

    23. April 2012 um 11:17

    *Marionetten wie wir* Auch dieser Roman gehört für mich zu den Spitzenwerken von John LeCarre, dessen Werke immer mehr vom anspruchsvollen Spionageroman zum literarischen, politischen Roman mutieren, wobei das Genre des Spionage-Thrillers genutzt wird, um politische Irrwege unserer Gesellschaft aufzuzeigen, um uns selbst den Spiegel vorzuhalten. So wird John LeCarre immer mehr zum Verfechter einer freiheitlichen, toleranten Gesellschaft, in dem seine Spionage-Thriller benutzt, um aufzuzueigen, wohin unsere Welt driftet, wenn die Angst vor Terrorismus geschürt und missbraucht wird, um bürgerliche Freiheiten, Menschenrechte und Toleranz einzuschränken. Marionetten ist für meinen Geschmack noch nicht so ausgereift wie das spätere Werk Verräter wie wir, aber trotzdem schon ein Hochgenuss.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    melcherroy

    27. July 2011 um 09:26

    Hat mich leider nicht sooo vom Hocker gerissen. Der Schreibstil gefählt mir sehr gut, doch mir persönlich kam Hamburg zu kurz (dafür dass damit geworben wird), hätte in jeder Stadt spielen können und die Geschichte ist irgendwie... naja... ok aber nicht super. :)

  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    smutcop

    28. May 2011 um 17:36

    Nach dem Zerfall der UDSSR bringen russische Offiziere, inzwischen Mafiosos ihr Geld über ein ehrwürdiges Bankhaus mit Sitz in Hamburg, in Liechtenstein in Sicherheit. Einer dieser Männer vergewaltigte einst ein tschetschenisches Mädchen. Dem daraus resultiernedem Kind nahm er sich an. Dieser Halbtschetschene, Islamist, vielleicht sogar Radikaler, flieht aus einem türkischen Gefängniss über Schweden nach Hamburg, um mit dem Blutgeld seines" Vaters" seine Ausbildung zu finanzieren. Helfen dabei tut ihm die Flüchtlingsanwältin Annabel Richter. Nur ist Issa illegal in Deuschland und schwebt jeden Tag in Gefahr geschnappt zu werden. Von dem damaligen Deal mit der Bank haben auch die Geheimdienste Kenntniss und wollen nun mittels Issas an große Fische der islamistischen radikalen Zellen kommen und so beginnt sich das Netz um die junge Anwältin und ihren Mandanten immer enger zu ziehen und sie weiß bald nichtz mehr wer Freund und wer Feind ist. Ein mittelmäßiger Agenten-Islamkrimi der wenigstens in Deutschland spielt.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    MichaelSterzik

    26. May 2009 um 13:22

    Mit dem 9/11/2001 (11.09.2001) hat sich durch den terroristischen Anschlag auf das symbolträchtige World Trade Center der USA, das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben auf immer verändert. Diese Form von radikalsten und bis dato gewaltbereiten Terrorismus hat alle Staaten der Welt gezeigt, dass man an sich total schutzlos ist. Die Frage die sich nicht nur die Geheimdienste aller Nationen, und alle Regierungen stellen ist: Wie konnte es überhaupt dazu kommen das 19 sehr junge Islamisten etwas zeitgleich vier Passagierflugzeuge kapern und diese auf das Pentagon und den beiden Twin Tower steuern?! Welche enorme logistische und individuelle bis in kleinste Detail Planung dafür notwendig war, z.B. Ausbildung der Attentäter zu Piloten, finanzielle Mittel, aber auch die ideologische Überzeugung, ist erschreckend. Erschreckend deswegen, weil trotz der Zusammenarbeit der Geheimdienste verschiedener Nationen einige Täter bekannt waren, aber nicht genug oder nur fahrlässig recherchiert, observiert und informiert. Etwas mehr an Kommunikation, etwas mehr Zusammenarbeit, vielleicht wäre es dann nicht zur Katastrophe gekommen bei der über 3000 Menschen den Tod fanden. Warum war die CIA, der israelische Mossad, der britische MI6 und der Deutschen Bundesnachrichtendienst sowie andere derartig machtlos? Gab es keine Anzeichen, keine Warnungen von Agenten die in den al Qaida oder anderen Terrorzellen im Untergrund tätig waren, Kontakte hatten und hellhörig wurden?! Fragen die vielleicht erst die Zeit klären mag. Nach dem Terroranschlag wurde durch die Bush-Doktrin und seiner Politik ein Präventivkrieg ausgelöst der auch heute sieben Jahre später in Afghanistan und dem Irak noch kein Ende gefunden hat. Bürgerkriegsähnliche Zustände die ein Flächenbrand auslösen könnten, damit wäre ein "Religionskrieg" gemeint der schließlich auch Europa erreichen könnte. Viele terroristische Anschläge in den Jahren danach haben die Regierungen, die Geheimdienste und dem Militär unter einer kalten Dusche gestellt, die wahrlich wachrüttelten. Das Rad der Zeit kann man zwar nicht mehr zurückdrehen, doch kann man die Gegenwart beeinflussen, damit in naher und ferner Zukunft so etwas nicht mehr passieren soll. Inzwischen sind die Geheimdienste verschiedenster Nationen enger zusammengerückt um der terroristischen Gefahr entgegenzuwirken, ein neuer "kalter" Krieg indem viele einfache Menschen nur Marionetten dieser Geheimdienste sind, als Agenten, Spione, Analysten, Diplomaten u.a., aber wer ist zieht die Fäden? Wer lässt die "Marionetten" nach seinen Spielregeln auf der Bühne tanzen? John le Carre gibt in seinen neuen Roman "Marionetten" einen interessanten Einblick in die Schattenwelten der Geheimdienste. Inhalt Issa ist ein merkwürdiger, sonderbarer Flüchtling, ein Moslem der nach Hamburg, nach Altona über verschiedene Stationen gereist ist um nun endlich sein gewünschtes Ziel erreicht zu haben. Langsam, aber vorsichtig, fast schon ängstlich folgt der junge Mann "Big Melik", einem jungen aufstrebenden türkischen Boxer, der einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Issa fordert auf einen Stück Papier was er den jungen Türken in die Hand drückt um die Bitte ihn aufzunehmen. Doch Melik Reaktion sieht zuerst ganz anderes raus, rüde möchte er den jungen am liebsten davonjagen, doch seine Mutter Leyla sieht in dem streunenden Mann, Gottes Willen und entspricht seinem Wunsch nach einer Bleibe voller Mitleid. Auch Melik bekommt Mitleid und schämt sich für seine barschen Worte, als er die Folternarben auf Issas Rücken erblickt. Issa kann sich kaum verständlich machen, er ist tschetschenischer Herkunft, aber seine Zukunft sieht er schon fest vor sich. Er will Deutsch lernen, möglichst schnell, er möchte Medizin studieren ein großer Arzt werden der das Leiden von Menschen mindert. Seine einzigen Habseligkeiten ist ein Päckchen mit 500 recht druckfrischen Dollars und einen auf kyrillisch verfassten Brief. Melik kann nur eine sechsstellige Zahl identifizieren. Doch Issa ist schon längst einer inoffiziellen Abteilung des Bundesnachrichtendienstes bekannt. Hamburg ist schließlich die Stadt aus der der Attentäter Mohammend Atta zusammen mit einigen anderen aufbrach um den Vereinigten Staaten zu zeigen was Terror bedeutet, indem sie das WTC vernichteten und das Pentagon beschädigten. Damit wurde eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt die die Eskalation nur noch weiter vorantreiben sollte. In Hamburg betitelt man die Geheimdienste, nimmt man den Nachnamen als "Böse Feen". Der erfolgreicher schottischer Investment-Banker Tommy Brue macht wenig später ebenfalls Bekanntschaft mit dem mysteriösen Flüchtling Issa. Als Vermittlerin fungiert die ebenso undurchsichtige Annabel Richter, eine Anwältin aus bester Familie. Die sechsstellige Zahl ist der Code für einen Schlüssel zu einem dubiosen Depot das Brue von seinem ebenfalls im Finanzwesen tätigen Vater geerbt hat. Mit diesen Mitteln soll sich der naive Issa eine Zukunft aufbauen, doch zu welchem Zweck? Der deutsche Geheimdienst und bald nicht nur dieser hat jetzt nicht nur Issa im Visier, ebenso die türkische Familie, die Juristin Annabel Richter, sowie der Investment-Banker Tommy Brue widmet man sich nun mit dem größten Interesse und alle werden Spielbälle der Geheimdienste die ganz eigene Interessen verfolgen. Kritik John le Carre, selbst ein Ex-Agent des britischen Geheimdienst kennt die Verbindungen und die Methoden aus eigener Erfahrung und setzt sein etwas spezielles Wissen gerne in seine Romane ein. Er ist ein Altmeister der Geheim- und Spionagedienste und Kritiker sagen von dem Schriftsteller er würde seine Handlungen sehr real erzählen. Auch "Marionetten" weist eine sehr reale Handlung auf die le Carre spannend, wenn auch in Längen erzählt. Seine detailreiche Beschreibung über die Methoden von Agenten die observieren, recherchieren und analysieren ist thematisch eindrucksvoll und realistisch beschrieben. Das Dreh- und Angelpunkte wie der Hamburger Hauptbahnhof von Geheimdiensten observiert werden, dass Agenten sich unter die Passanten mischen und durch Drohung oder Bestechung Informationen erschleichen ist wohl nicht einfach nur ausgedacht. Gerade wenn man daran denkt das Hamburg einige Terroristischen Zellen beherbergte. Stellt sich doch nun verdächtigerweise die Frage; Wie viele gibt es noch und in welchen Städten? Sind es aktive Mitglieder terroristischer nicht nationalen Gruppierungen die Anschläge planen und vorbereiten, oder sind es "nur" Mittelsmänner, Informanten, vielleicht sogenannte Schläfer die irgendwann oder gar nicht aufwachen um aktiv zu werden, aber sonst das biedere Leben normaler Menschen innerhalb ihrer sozialen Stellung führen. Genau diese Fragen beschäftigen die Geheimdienste in "Marionetten". Welchen Geistern jagt man nach die sich später vielleicht als sehr real und menschlich entlarven? John le Carre erzählt in "Marionetten" sehr plastisch und schildert auch zynisch die Arbeit der Geheimdienste die wiederum für andere Kollegen noch viel Geheimer wirken können. Eine wahre Karikatur bürokratischer Arbeitsmethodik die man nicht wie erwartet kaum zu folgen vermag. In der ganzen Handlung ist die Atmosphäre recht bedrückend. Es herrscht die Angst, die Panik vor Terroristischen Anschlägen nachwievor, ebenso aber grassiert hinterlässt der Gedanke des Scheiterns dieses nicht früh genug erkennen zu können einen bitteren Nachgeschmack. Ist es das Wert die Freiheitsrechte einzelner Menschen quasi außer Kraft zu setzen? Was wiegt das Schicksal einer einzelnen Person im Gegenzug zu unheimlich vielen Menschen? Die Protagonisten sind intensiv und detailreich erzählt, auch wenn man mit wirklich keiner sonderliche Sympathie entwickelt. Einzelne Schicksale der Persönlichkeiten werden final nicht abgeschlossen und unserer Phantasien und Theorien überlassen. Zu wenig wie ich finde. John le Carre`s Motivation und das hat er auch in seinem Roman umgesetzt war es den Protagonisten, und hier wirklich allen den Stempel und den Status einer Marionette aufzudrücken. Das jeder Geheimdienst aufgrund der Ereignisse von vor sieben Jahren seine eigenen Interessen stärkt und seine Ziel verfolgt, oftmals ohne Rücksicht auf Verluste, kleinere Kollateralschäden nimmt man halt in Kauf, zeigt der Roman eindrucksvoll und absolut nachvollziehbar. John le Carre rückelt auch die Leser wach und nimmt die Rolle des Animateurs ein? Was ist aus unserer Gesellschaft geworden? Ein Opfer seiner selbst? Ein Produkt aus Ursache und Wirkung, und wir sind nur ausversehen in den Unfall verwickelt? Aber zahlen dann auch den Preis, der uns zu hoch erscheint, den wir aber nicht entrinnen können? Seine Dramaturgie ist bestechend und die Spannung bleibt konstant, allerdings steigt sie leider nicht an und das Ende des Romans ist offen wie die Handlung mitsamt seiner Personen. Fazit "Marionetten" ist bedingt zu empfehlen. Dem Leser erwartet kein Roman der unmittelbar nach 9/11 spielt, sondern die Handlung spielt in der Gegenwart, auch wenn immer wieder auf die Vergangenheit und seine Auswirkungen Rücksicht genommen wird. John le Carre ist schon zu alt und viele Romane geschrieben, so das sein Stil immer der gleiche ist, seine Form zu erzählen fasst er in sehr langen Sätzen. Die Dialoge seiner Protagonisten sind manchmal verworren und man liest dann gerne die eine oder andere Passage nochmal, was ermüdend wirkt. Die Spannung, bzw. das Interesse an der Handlung und den Personen ist Anfangs recht hoch, später allerdings wenn dem Leser klar wird, dass alle Protagonisten egal ob nun verdächtig oder nicht, ob nun Geheimdienstler des CIA oder des Bundesnachrichtendienstes verwirrend konzipiert sind. Die Botschaft die uns John le Carre vermitteln will ist spiegelbildlich und sehr real gezeichnet und konfrontiert uns mit der recht aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage. Welche Macht räumt man den Geheimdiensten noch ein, und wer bewegt sich in dieser Schattenwelt noch? Sind alle Abteilungen eigenverantwortlich, oder existieren andere Geheimdienstliche "Zellen" denen fast jedes Mittel recht ist, um etwaige Verdächtige als Terroristen zu überführen? Viele Fragen die sich dem Leser stellen und die er mit sich selbst oder auch mit anderen ausdiskutieren sollte. John le Carre bezieht seine eigene Stellung, als ehemaliges Mitgliedes des Hamburger Konsulats und Agent hat er einen viel detailierten internen Bezug zur aktuellen Politik der Geheimdienste. "Marionetten" ist ein authentischer Roman mit einer interessanten, ja auch spannenden Geschichte, die leider viel zu viel längen beinhaltet und am Ende zu viele Fragezeichen hinterlässt. Autor: John le Carré, geboren 1931 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig war. "Der Spion, der aus der Kälte kam" begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Der Autor lebt mit seiner Frau in Cornwall und London Produktinformation • Gebundene Ausgabe: 366 Seiten • Verlag: Ullstein Hc (3. November 2008) • Sprache: Deutsch • ISBN-10: 355008756X • ISBN-13: 978-3550087561 Michael Sterzik

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    Ani

    15. April 2009 um 20:53

    Hamburg nach dem 11. September 2001. Der illegal eingereiste Tschetschene Issa appelliert an die Gastfreundschaft einer türkischen Familie. Mutter und Sohn leben durch ihren Gast in ständiger Angst vor einer Entdeckung durch die Behörden, denn beide hatten die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Doch die Tatsache, dass sie Issa illegal in ihrem Haus Unterschlupf gewähren, gefährdet die Genehmigung des Antrags. Niemand darf davon erfahren, alles muss so normal wie sonst ablaufen. Issa benimmt sich sehr merkwürdig und schürt so den Argwohn der beiden, als sie jedoch erfahren, dass er gefoltert und misshandelt wurde, stehen sie zu ihm. Doch dann bekommt Issa hohes Fieber und die türkische Familie muss unauffällig nach einem Arzt suchen. Der Tschetschene hat sich als Zielort seiner illegalen Einwanderung bewusst für die Stadt Hamburg entschieden. Denn dort wartet angeblich bei dem ansässigen privaten Bankhaus Brue Frères ein kleines Vermögen auf ihn. Das Geld aus dem Erbe ist ihm genauso verhasst wie sein verstorbener Vater. Doch da er ohne das Geld nichts an seiner ausweglosen Lage ändern kann, wendet er sich an eine Hamburger Flüchtlingsorganisation. Dort arbeitet die Juristin Annabel Richter, sie erhält von Issa den Auftrag, bei dem Bankier Tommy Brue die Auflösung und Auszahlung des geheimen Kontos zu beantragen. Obwohl die Juristin und der Bankier sehr auf die Geheimhaltung der Transaktion achten, sind die Geheimdienste ihnen schon längst auf der Spur. Denn der gläubige Issa steht auf der Liste terrorverdächtiger Personen und wird international gesucht. Langsam zieht sich das Netz um Issa, seine Anwältin Annabel und den Bankier Brue immer enger. Meine Meinung : John le Carré ist für seine brilliant geschriebenen Spionageromane bekannt und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Buch. Die Figur des muslimischen Terrorverdächtigen Issa, blieb zunächst so geheimnisvoll und düster, wie die vom Autor geschaffene Atmosphäre. Die Angst der türkischen Familie vor der Entdeckung, wurde sehr gut beschrieben und auch das Misstrauen, welches der junge Türke Melik gegen den Tschetschenen entwickelte. Denn zu ungewöhnlich erschien ihm der achtlose Umgang mit dem Koran für einen wahrhaft Gläubigen. Doch auch Issas Verhalten gab Anlass zur Sorge, denn er zog sich immer mehr in sein Versteck zurück und Fragen die er nicht beantworten konnte oder wollte, wurden von ihm als irrelevant abgetan. Die Hauptprotagonisten wirkten menschlich und lebendig. Obwohl mich die so engagiert wirkende Anwältin Annabel mit ihrem Verhalten enttäuscht hat. Der Privatbankier Brue dagegen, konnte mich durch sein Handeln und Verhalten überzeugen und wirkte auf mich sehr glaubhaft. Doch leider konnte mich die Handlung dieses Roman nicht überzeugen, denn sie war so gar nicht das, was ich aufgrund des Klappentextes und der Leseprobe erwartet hatte. Denn der Terrorverdächtige Issa geriet in den Hintergrund und die Geheimdienste begannen ihr Spiel. Aufgrund der eigenen Erfahrungen des Autors wurde dieses Spiel auch umfassend geschildert, doch ich konnte dem Handlungsverlauf keine Spannung mehr abgewinnen. Im Gegenteil, stellenweise musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen, da mir das Geschehen zu langweilig wurde. Ausserdem wurde ich dadurch unkonzentriert, da mich die Handlung einfach nicht fesselte. Der Titel "Marionetten" ist meiner Meinung nach allerdings sehr passend. Denn in diesem Roman bekommt man einen Einblick, welche Möglichkeiten die Geheimdienste im Zeichen der Terrorverfolgung haben. Menschen werden wie Marionetten im Puppentheater bewegt, egal ob Großmutter, Kasperl, Polizist oder Krokodil. Denn der Puppenspieler im Hintergrund hält alle Fäden in der Hand und kann so aus bösen Menschen wieder reingewaschene Unschuldslämmer erschaffen. Doch leider kann er mit einer Bewegung aus Unschuldigen auch Schuldige machen. Er selbst bleibt dabei allerdings unerkannt im Hintergrund. Trotzdem bewerte ich diesen Roman nur mit drei Sternen, da ich aufgrund des Klappentextes mal wieder in die Irre geführt wurde und eigentlich etwas ganz anderes erwartet hatte. Ausserdem fehlte mir hier ganz einfach die Spannung und eine durchgehend fesselnde Handlung. Für echte le Carré Fans die das Katz und Maus Spiel der Geheimdienste lieben, ist dieser Roman sicher trotzdem empfehlenswert.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    villawiebke

    17. March 2009 um 10:37

    Gefangen im Spiel der Geheimdienste Hamburg nach dem 11.09.2001. Issa, ein tschetschenischer Flüchtling, hält sich illegal in Deutschland auf und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie um Hilfe. Melik, der Sohn der Familie, ist von der Bitte des Fremden völlig irritiert und versucht ihn abzuweisen. Seine Bemühungen sind nicht von Erfolg gekrönt, da seine Mutter Leyla Mitleid mit dem Schwerkranken hegt und so verstecken sie ihn gemeinsam in ihrer Wohnung. Was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht ahnen können, der unbekannte Fremde ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Im Verlaufe des Geschehens übernimmt die Anwältin Annabel Richter, die für eine Hamburger Hilfsorganisation tätig ist, die rechtliche Unterstützung für Issa. Von Zweifeln geplagt, versucht sie bei Issa alles richtig zu machen. Denn schon einmal hat sie einen Mandanten verloren, der trotz ihrer Unterstützung abgeschoben wurde. Voller Engagement hängt sie sich in die Sache rein, bis auch sie zur Zielperson des Verfassungsschutzes wird und mit ihnen zusammenzuarbeiten muss. Weitere Hilfe erfährt Issa durch den Bankier Tommy Brue, der nach anfänglicher Skepsis Issa seine volle Unterstützung gewährt. Als Besitzer einer Privatbank verwaltet er das Erbe des Flüchtlings, schmutziges Geld aus Russland, angelegt vor Jahren noch von seinem Vater auf einem so genannten Lippizanerkonto. Sein Interesse an Issa besteht vorrangig darin, sich der Altlasten seines Vaters zu entledigen und die Bank von ihnen zu säubern. All diese Geschehnisse werden zunächst unbemerkt, später aber offensichtlich, von verschiedensten Organisationen, ob nun Verfassungsschutz oder Geheimdienste überwacht und als diese ihre Chance wittern, über Issa an einen noch größeren Fisch heranzukommen, schlagen diese erbarmungslos zu. Alle Skrupel werden dabei über den Haufen geworfen und zurück bleiben letztendlich nur die Opfer. Und Opfer sind sie alle in diesem Spiel. Der Autor John le Carre, selbst ein Ex-Agent des britischen Geheimdienstes profitiert von seinem Wissen und den Erfahrungen in dieser Branche, die er gezielt in seinen Romanen einsetzt. Sprachlich recht anspruchsvoll unter Bezugnahme einzelner, sehr relitätsnah umgesetzter Charaktere versteht er es, den Leser stellenweise gut zu fesseln. Leider stolpert dieser aber immer wieder über langatmige Passagen oder Protagonisten, denen es einfach am nötigen Tiefgang fehlt und die dadurch zunehmend blass erscheinen. Das Thema des Buches ist sehr aktuell gewählt. Die Auseinandersetzung mit moralischen Grundsätzen unserer heutigen Zeit wird aus verschiedenen Positionen heraus verarbeitet, so dass der Leser während des Lesens gezwungen ist, des Öfteren nachdenklich einzuhalten. Alles in allem, ein gut gewählter Stoff. Und trotzdem konnte mich dieser Roman insgesamt nicht so richtig überzeugen. Es bleibt das Gefühl, dass der Autor durch das Buch einen Weg gefunden hat, seine Wut und die Unfähigkeit, Dinge verändern zu können, verarbeitet. Man selbst als Leser bleibt aber ziemlich unzufrieden zurück.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    axwa

    03. February 2009 um 16:25

    John le Carré zeigt auch in seinem neuen Roman "Marionetten", dass er der unumstrittene Meister des Spionageromans ist. Im Mittelpunkt steht Issa, ein junger Mann mit russisch-tschetschenischer Abstammung, der als Flüchtling in Deutschland landet und hofft hier die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen und auch Medizin studieren zu können. Seine Hoffnungen scheinen nicht unbegründet, da er Anspruch auf eine größere Summe Geld hat, welches bei einer englischen Bank hinterlegt ist. Der erste Reflex macht Issa zu einem verdächtigen Islamisten, aber bald wird dem Leser klar: bei Issa handelt sich es um einen herzensguten Jungen, der schon früher Opfer von ethnischen Vorurteilen, Polizeiverfolgung und auch Folter war. Und auch in Deutschland wird er zum Spielball der Geheimdienste. Le Carré baut eine atmosphärisch dichte und bis zum Schluß spannende Geschichte, in der fast Niemand Herr seines Handelns bleibt. Die sprachlichen Mittel des Autors sind gewaltig und die psychologische Entwicklung der wichtigsten Protagonisten wird eindringlich und plausibel gezeichnet. Die Handlungsverläufe scheinen zwingend und unabwendbar. Während die verschiedenen Sparten der Spionage-und Nachrichtendienste Europas sich gegenseitig austricksen, behindern und sich dabei auf die Schulter klopfen, läßt der amerikanische Geheimdienst den Rechtsstaat beiseite und setzt sich zur Wahrung amerikanischer Interessen über alle Vereinbarungen hinweg. "Amerikanische Gerechtigkeit,...Gerechtigkeit, die nicht lange fackelt." Ob dies nun wieder nur die Bedienung eines Klischees ist, kann ich nicht sagen, aber ich empfehle dieses Buch jedem, der Lust hat über seine eigenen Vorurteile nachzudenken.

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  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    beowulf

    25. January 2009 um 21:07

    Das Schlimme an diesem Buch ist, dass John Le Carre weiß wovon er schreibt, dass er letzlich Non- Fiction schreibt. Das was den Hintergrund der Geschichte angeht ist real, real in dem Deutschland in dem wir leben.

  • Rezension zu "Marionetten" von John Le Carré

    Marionetten

    Klusi

    15. January 2009 um 14:04

    John le Carré beschreibt seine Charaktere so genau und ausführlich, dass man beim Lesen den Eindruck hat, als würde man die Protagonisten persönlich kennen. Die verschiedenen Personen werden jeweils aus unterschiedlichen Sichtwinkeln betrachtet, und man wird immer wieder hin- und her gerissen zwischen Mitleid und Misstrauen. Es stellt sich die Frage, ist der junge gesuchte Muslim kriminell und gehörte wirklich einer militanten Organisation an oder ist er ein zu Unrecht Verfolgter, dessen einziges Verbrechen ist, sich illegal in Deutschland aufzuhalten? Als „Operation Felix“ gerät Issa in den Fokus der Ermittlungen und mit ihm die Menschen, die ihm helfen und Obdach gewähren. „Marionetten“ ist ein sehr passender Titel für diesen Roman, denn Issa und seine Helfer sind Darsteller in einem rücksichtslosen und grausamen Spiel. Die Fäden werden von allen möglichen Organisationen, Geheimdiensten und vom Verfassungsschutz gezogen. Jeder will immer bestens informiert sein, lässt sich aber selbst nicht in die Karten schauen. Vertrauen wird zum Fremdwort in diesem Netz aus Ermittlungen, Spionage, Korruption und Verrat. Erschreckend aber durchaus nicht erstaunlich ist die große Rolle, die auch hier das Geld spielt. Ich habe mir überlegt, ob es bei realen Ermittlungen und Verfahren dieser Art annähernd ähnlich zugeht. Wenn dem so wäre, fände ich das sehr erschreckend. Da wird gefeilscht wie auf dem Jahrmarkt. Für jede Kooperation gibt es Zugeständnisse im Angebotspaket. Und am Ende ist doch alles anders…. Der Roman hat mich beeindruckt und gefesselt, und auch nachträglich beschäftigt mich die Geschichte noch sehr stark. Das ziemlich offene Ende lädt zum Nachdenken ein.

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