John le Carré Verräter wie wir

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Inhaltsangabe zu „Verräter wie wir“ von John le Carré

Dima ist die Seele der russischen Mafia. Seit seiner Zeit als Gefangener im Gulag hat er sich an ihre Spitze hochgearbeitet. Sein Spezialgebiet: die Geldwäsche. Doch seine Tage sind gezählt. Er hat Feinde unter den mächtigen Weggefährten. Um das Überleben seiner Familie zu sichern, geht er einen Pakt mit dem Westen ein. Er bietet sein Wissen im Tausch gegen ein Leben in England. Eine Sensation für den britischen Geheimdienst, der einwilligt. Aber die Agenten stoßen auf einen bedrohlichen Widerstand. Der lange Arm der Mafia reicht bis weit in den Westen. Wie lange wird Dima seine russischen Freunde täuschen können? "Verräter wie wir" ist ein leidenschaftlicher Roman über die Korrumpierbarkeit des Westens und über die Zerbrechlichkeit der Demokratie.

Typisch für le Carré nimmt er sich viel Zeit für die Entfaltung seines Plots, erzeugt aber von Anfang an eine Atmosphäre latenter Gefahr.

— SalanderLisbeth

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Lass mich los

es konnte mich am Ende doch noch überzeugen, daran hatte ich schon nicht mehr geglaubt

victoriaskrams

Flugangst 7A

Wieder ein sehr guter Fitzek. Spannend und undurchschaubar bis zum Schluß.

sandrar44

Untiefen

Ich hätte mir von diesem Buch mehr erhofft.

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  • Le Carré in der Post-Karla-Ära

    Verräter wie wir

    Beust

    12. August 2017 um 23:50

    Dima ist nicht nur ein Mensch mit Vergangenheit, einem wertvollen Geheimwissen über die Geldwäschepraxis im postsowjetischen Russland, das er verhökern möchte, und einem Plan, wie er seine Geheimnisse an den (westlichen) Mann bringen will. Er ist vor allem ein Mensch mit Herz. John le Carré ist mit seinen Figuren in „Verräter wie wir“ ein großer Wurf gelungen, wobei vor allem Dimitri Krasnow, genannt „Dima“ ein kraftstrotzender Vertreter der russischen Seele ist: gemütvoll, breitbeinig, leutselig und trinkfest. Und dabei extrem gefährlich, ein Familienmensch, der über viele Leichen ging. Die Idee, dass Dima sein Wissen über die Geldwäsche russischer Mafiaclans an den britischen Geheimdienst verkaufen möchte, reflektiert die veränderten politischen Rahmenbedingungen in le Carrés Lieblingsspannungsfeld zwischen Russland und Großbritannien. Im ewigen Sowjetreich haben keine Masterminds wie „Karla“ mehr das Sagen, sondern menschenverachtende Raffgeier und Mafiosi. Das ist gelungen und schmeckt hochaktuell. Dass der britische Geheimdienst aus einer Mischung aus bürokratischem Phlegma und ebenso menschenverachtendem Dünkel Dima die Tour vermasselt, weil Menschen in dem großen Spiel nur hohle Figuren sind, passt zur Kälte der Welt er Spione. Dass aber ein Tennisturnier den Hintergrund bildet und das unschuldig ins Spiel gezogene Pärchen Oxford-Dozent Perry Makepiece und Rechtsanwältin Gail Perkins zum Überlaufzirkus gehört, beschert der Handlung einige Längen vor allem beim Einstieg in die Geschichte und wirkt nicht immer ganz rund. Unter dem Strich ein gelungener Geheimdienstroman mit hervorragend gezeichnetem Personal, aber gewiss nicht le Carrés stärkster Wurf.

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  • Der Überläufer Dima

    Verräter wie wir

    SalanderLisbeth

    04. July 2017 um 15:18

    John Le Carrés Spionagethriller sind bestens für Filmadaptionen geeignet, wie zahlreiche erfolgreiche Verfilmungen beweisen. In 'Verräter wie wir' des britischen Schriftstellers aus dem Jahr 2010 geht es um einen hochrangigen russischen Mafiosi, der nach Großbritannien überlaufen möchte. Perry Makepiece, ein britischer Oxford-Dozent und seine Freundin Gail Perkins, eine erfolgreiche Anwältin lernen im Urlaub in Antigua beim Tennisspielen eben diesen Dima kennen. Wie sich später herausstellt, ist er „Nummer Eins Geldwäscher von ganzer Welt“, genauer gesagt von einem Syndikat von sieben Wory-Bruderschaften. Ein Wory ist ein Mitglied der Mafia, die in den früheren russischen Gefangenenlagern entstanden ist. Nach der Ermordung seines Schützlings, der sich beim neuen Anführer des Syndikats, dem sogenannten „Prinzen“ unbeliebt gemacht hatte, sieht sich Dima ebenfalls auf der Abschussliste und fürchtet um sein Leben und das seiner Familie. Deshalb will er sich nun nach Großbritannien absetzen und bietet dem britischen Geheimdienst im Gegenzug für Asyl umfangreiche Informationen über die Geldwäscheaktivitäten des Syndikats an. Der potentielle Überläufer bittet Perry, den er Professor nennt und für einen Mann des Fairplays hält, Kontakt mit dem britischen Geheimdienst herzustellen. Der etwas naive, zurückhaltende Perry, der sich mit Anfang 30 Jahren in einer Art Sinnkrise befindet, ist von dem charismatischen Oligarchen Dima und seiner Welt fasziniert und willigt ein. Währenddessen hat sich Gail mit den Kindern, besonders mit der 16-jährigen Natascha angefreundet, die Gail ihre heimliche Schwangerschaft anvertraut. Aufgrund der Brisanz reagiert der MI6 erst mal zögerlich und überträgt dem altgedienten Agenten Hector Meredith diese inoffizielle Operation. Ohne Rückhalt seines Vorgesetzten fehlt dem Geheimagenten der Abteilung Sonderprojekte das Personal. Er beruft Luke Weaver in sein Team, einen Agenten, der nach einigen Fehlern in der Vergangenheit nichts mehr zu verlieren hat. Dima besteht auf der Beteiligung von Perry und Gail und das unbedarfte Akademikerpaar fühlt sich moralisch verpflichtet. Nach einer erneuten Kontaktaufnahme bei dem Finale der French Open 2009 in Paris fliehen Perry und Gail mit Dimas gesamter Entourage in einer dramatischen Aktion in die Schweiz. Während sie in einem entlegenen Dorf im Berner Oberland untertauchen, wird die Flucht nach England vorbereitet. Der MI6 mauert jedoch weiterhin, denn ob die Briten den Überläufer aufnehmen, ist längst nicht so sicher, wie Hector glauben machen will. Zahlreiche westliche Geschäftsleute und korrupte Spitzenpolitiker, sogar der ehemalige Leiter des britischen Geheimdienstes scheinen in die international organisierte Kriminalität verwickelt zu sein. Das Ende kommt dann leider wie erwartet, die bösen Vorahnungen trügen nicht. Am Anfang zog mich die Sprache sehr in den Bann und ich war sehr angetan von dem intelligenten Dialogwitz und dem ironischen Plauderton. John Le Carré lässt sich viel Zeit mit der Entfaltung seines Plots und beschäftigt sich ausgiebig und detaillastig mit Monologen, Überlegungen und Bedenken. Der Autor benötigt wirklich eine lange Anlaufzeit und die Geschichte dümpelt gemächlich vor sich hin. In der ersten Hälfte des Thrillers erzählen Perry und Gail minutiös und sehr sachlich fast im Verhörstil den Mitarbeitern des MI6 alles über die erste Kontaktaufnahme. In der zweiten Hälfte ist es Luke, dessen Erläuterungen und Gedanken wir bei der Durchführung des Tauschgeschäfts begleiten. Obwohl der Autor von Beginn an eine Atmosphäre der latenten Gefahr und Ungewissheit erzeugt, wird es erst zur Mitte der Geschichte richtig fesselnd. Bei den French Open in Paris entwickelt sich eine subtile Dramatik und hier zeigt sich die ganze Klasse des britischen Autors. Schauplätze und Personen werden äußerst präzise dargestellt, sodass ich das Gefühl hatte, ich bin mitten zwischen den bekannten und prominenten Personen in den VIP-Loungen der Tenniscourts und jubel Roger Federer bei seinem Sieg zu. Der damals 79-jährige Autor hat das Milieu aus Politik, Wirtschaft und Luxusgesellschaft hervorragend recherchiert. Eine Geschichte, die ihren Reiz daraus entwickelt, dass ganz normale Menschen zufällig in eine sich fatal entwickelnde Geschichte geraten, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Man fiebert mit den beiden Amateurspionen mit, die plötzlich zwischen Russenmafia und Geheimdienste und in einen Sog aus Kriminalität und Gefahr geraten.

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    • 3
  • Zufallsspionage

    Verräter wie wir

    walli007

    01. November 2013 um 13:27

    Vermutlich zufällig wendet sich der russische Wirtschaftsboss Dima an Perry, um ihn zu einem Tennismatch herauszufordern. Zwar verliert Dima, das Match hat es aber dennoch in sich. Denn Dima behauptet ein wichtiger russischer Geldwäscher zu seine, der über einige Praktiken der Geldmafia auspacken will. Perry, der Uni-Dozent, und seine Freundin Gail, die Anwältin, wissen nicht worauf sie sich einlassen. Zurück in London kontaktieren sie den britischen Geheimdienst, dem Dima seine Informationen zur Verfügung stellen will, gegen sicheres Geleit für sich und seine Familie. Spionage, Geldwäsche im großen Stil, Abhörtechnik - so weit hergeholt ist die Story gerade aus heutiger Sicht nicht. Zwar im Jahr 2010 erschienen wirkt die Handlung durch die freundliche zwischenzeitliche Unterstützung gewisser Entblätterer gewisser Gänseblümchen noch aktueller. Und wie schnell unbescholtene Bürger mitten ins Geschehen geraten können, ist schon erstaunlich. Ein spannendes Szenario, das ganz in Le Carré Manier ruhig erzählt wird. Fast unglaublich, was Dima enthüllt. Kaum zu glauben, dass niemand etwas dagegen unternimmt. Da werden unterschiedlichste Interessen berührt und zum Teil geschützt. Am Ende lässt die Geschichte einige Frage offen, was Absicht scheint.  Ein guter Thriller wie man es von John Le Carré gewöhnt ist.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    MJ_Sky

    09. January 2013 um 17:58

    Kurzbeschreibung: Dima ist die Seele der russischen Mafia. Seit seiner Zeit als Gefangener im Gulag hat er sich an ihre Spitze hochgearbeitet. Sein Spezialgebiet: die Geldwäsche. Doch seine Tage sind gezählt. Er hat Feinde unter den mächtigen Weggefährten. Um das Überleben seiner Familie zu sichern, geht er einen Pakt mit dem Westen ein. Er bietet sein Wissen im Tausch gegen ein Leben in England. Eine Sensation für den britischen Geheimdienst, der einwilligt. Aber die Agenten stoßen auf einen bedrohlichen Widerstand. Der lange Arm der Mafia reicht bis weit in den Westen. Wie lange wird Dima seine russischen Freunde täuschen können? Verräter wie wir ist ein leidenschaftlicher Roman über die Korrumpierbarkeit des Westens und über die Zerbrechlichkeit der Demokratie. Mein Eindruck: Über den Schreibstil des Autors gibt es nicht viel zu sagen. Er hat wieder sehr gut recherchiert und es war sehr angenehm zu lesen. Man kann das Ende ein wenig voraus ahnen, aber ansonsten war es sehr spannend. Mein Fazit: Wo "John Le Carré" drauf steht, ist auch "John Le Carré" drin. :)

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Wiesnschneckle

    01. December 2012 um 11:56

    sehr interessant geschrieben, für mich ein komplett neuer stil der auch gut zu lesen war. Die charactere sind gut ausgearbeitet und meist nachvollziehbar, manche sympathisch, ander wunderlich, ein sehr stimmiges Bild. Das Ende hat mich überrascht und erst etwas verwirrt zurück gelassen, da alles so abrupt geendet hat. Im nachhinein finde ich das ende aber super, da es den Leser wohl genauso zurück gelassen hat wie Perry. Hat dich meine Rezession verwirrt? Sorry :) Ich finde es ist ein sehr gutes Buch und wollte in der Rezession so wenig wie möglich verraten damit ees spannend bleibt.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    hanniball

    23. April 2012 um 10:28

    *Eine Parabel über Verrat und Verantwortungslosigkeit* Wer einen Spionage-Thriller erwartet hat, mag von diesem Roman enttäuscht sein. "Verräter wie wir" ist ein eher nachdenklicher Roman, der die Welt der Geheimdienste als Parabel nutzt, um uns die Kultur des Verats und die Kultur des unüberlegten Abenteurertums, die längst in unsere Gesellschaft Einzug gehalten hat, vorzuführen. Dima ist Chef-Geldwäscher der russischen Mafia, als solcher sehr erfolgreich, aber dem traditionellem Ehrgefüge der russischen Kriminellen verbunden. Als die nächste Generation von Kriminellen die Macht in der Mafia übernimmt, gerät Dima unter Druck. Seine Schützlinge und Vertrauten werden liquidiert und ihn selber schützt nur die Tatsache, dass er vorläufig noch der einzige Zeichnungsberechtigte für die gewaschenen Milliardenbeträge ist. Perry und Gail sind ein junges britisches Pärchen, das in der Sinnkrise steckt. Perry, ein etwas flatterhafter Sprach- und Literaturwissenschaftler, dessen akademische Bilderbuch-Karriere gerade kräftig in Gang kommt, überlegt, diese Karriere aufzugeben und statt dessen zukünftig als Lehrer zu arbeiten. Gail hingegen überlegt, ob sie ihr Dasein als aufstrebende Junganwältin weiterführen soll, oder vielleicht doch erstmal Perry zum Vater machen soll. In dieser Situation machen die beiden Urlaub in einem Tennishotel auf Antigua. Dort lernen sie Dima kennen. Nachdem Dima dafür gesorgt hat, dass Gail und Perry auch seine frisch verwaisten Nichten kennen und lieben lernen, überzeugt er Perry, einem Abenteuer nie abgeneigt und gerade auf der Suche nach einem tieferen Sinn, sich als Kontaktmann zum britischen Geheimdienst zu betätigen. Dima möchte mit dem britischen Geheimdienst einen Deal schließen: Den Schutz seiner Familie und seiner selbst gegen umfassende Auskunft über die Wege der Geldwäscherei und der Kontakte der russischen Mafia in britischen Politiker- und Wirtschaftskreisen. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf, Perry und Gail werden zu Hobby-Geheimdienstlern. Zusammen mit ihren Führungsagenten und Dima geraten sie in das Sperrfeuer einer entfesselten und skrupellosen, globalisierten Wirtschaftswelt, der, gerade im Zeichen der aktuellen Weltwirtschaftskrise Begriffe wie Anstand völlig fremd sind. John le Carré hat mit "Verräter wie wir" erneut ein Meisterwerk vorgelegt, das die Genre-Grenzen des klassischen Spionageromans weit hinter sich lässt und stattdessen der herschenden Klasse, aber auch unserer gesamten Gesellschaft den Spiegel vorhält, in dem nur noch die Fratzen des Verrats und der Verantwortungslosigkeit zu erkennen sind. Nicht unerwartet gelingt John le Carré dies in einer gewohnt eindringlichen und schönen Erzählweise, die in aller Ruhe Wunden unserer Gesellschaft aufzeigt ohne dabei verbittert und bösartig zu werden.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. February 2012 um 20:03

    Kurzbeschreibung: Dima ist die Seele der russischen Mafia. Seit seiner Zeit als Gefangener im Gulag hat er sich an ihre Spitze hochgearbeitet. Sein Spezialgebiet: die Geldwäsche. Doch seine Tage sind gezählt. Er hat Feinde unter den mächtigen Weggefährten. Um das Überleben seiner Familie zu sichern, geht er einen Pakt mit dem Westen ein. Er bietet sein Wissen im Tausch gegen ein Leben in England. Eine Sensation für den britischen Geheimdienst, der einwilligt. Aber die Agenten stoßen auf einen bedrohlichen Widerstand. Der lange Arm der Mafia reicht bis weit in den Westen. Wie lange wird Dima seine russischen Freunde täuschen können? Verräter wie wir ist ein leidenschaftlicher Roman über die Korrumpierbarkeit des Westens und über die Zerbrechlichkeit der Demokratie. Mein Eindruck: Über den Schreibstil des Autors gibt es nicht viel zu sagen. Er hat wieder sehr gut recherchiert und es war sehr angenehm zu lesen. Man kann das Ende ein wenig voraus ahnen, aber ansonsten war es sehr spannend. Mein Fazit: Wo "John Le Carré" drauf steht, ist auch "John Le Carré" drin. :)

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. September 2011 um 16:51

    Im ganzen Buch wartet man darauf, dass die Spannung steigt...bis zum Ende... aber so recht gelingt das nicht...es ist trotzdem interessant zu lesen, jedoch hält das buch nicht was der Klappentext verspricht...

  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Susanne-Henke

    25. June 2011 um 16:07

    Makabres Milliardenmatch Ein junges englisches Paar in der Umbruchphase – Perry will seinen Dozentenposten in Oxford aufgeben, Gail schwankt zwischen Anwaltskarriere und Kindern – gönnt sich einen Tennisurlaub in der Karibik. Nach dem Auftaktmatch mit einem indischen Pärchen fordert ein millionenschwerer Russe Perry zu einem Spiel heraus. Dass dieser Dima sie vor Betreten des Courts von seinen Leibwächtern filzen lassen will, verletzt vor allem ihre Gefühle. Leicht befremdet sind sie von der skurrilen "Familie", die auf der Tribüne Aufstellung bezogen hat: Tamara, die Verrückte, diverse "Vettern", Natascha, die entrückte Schönheit, Tochter von Dima, aber nicht von Tamara. Die Zwillinge, Söhne von Dima und Tamara, und nicht zuletzt die beiden Mädchen Katja und Irina, deren Eltern vor einer Woche bei einem "Autounfall" in Moskau ums Leben gekommen sind und die Gail sofort mit Beschlag belegen. Stutzig werden sie erst, als Perry die Waffe im Hosenbund eines der "Vettern" entdeckt. Allerdings nicht genug, um der verschwörerisch organisierten Einladung zur Geburtstagsüberraschungsparty für die Zwillinge nicht Folge zu leisten. Dort offenbart Dima sich als "Nummer 1 Geldwäscher von ganzer Welt" im Dienste der russischen Mafia. Da er auf der Abschussliste des neuen Prinzen dieser ehrenwerten Gesellschaft gelandet ist, bittet er Perry, seinen "Professor für Fairplay", einen Kontakt zum britischen Geheimdienst herzustellen. Ein "Nein" ist zu diesem Zeitpunkt nur noch eine sehr theoretische Möglichkeit und so bemüht Perry sich mit einer Mischung aus Patriotismus und Beschützerinstinkt erfolgreich um eine Verbindung. In einem sicheren Haus in London treffen sie Luke und später Hector, Direktor der Abteilung Sonderprojekte, der Luke mit der Rekrutierung für seinen Kampf gegen die Finanzgeier aus der nach einem missglückten Einsatz in Bogotá erfolgten Verbannung in die Verwaltung befreit hat. Die Informationen, mit denen Dima den Dienst anfüttert, überzeugen Hector. In Paris soll Dima weiteres Material liefern und dann, begleitet von Gail und Perry, mit seiner Familie in der Schweiz auf die Weiterreise nach England warten. Denn ob die Regierung Ihrer Majestät den Überläufer wirklich aufnehmen will, ist längst nicht so sicher, wie Hector glauben macht. In gepflegtem Plauderton erzählt John le Carré von der nahezu naiven Faszination der Perry und Gail erliegen. Wunderbar absurd ist es zum Beispiel, Perry zu beobachten, wie er das irritierende Gefühl verspürt, auserwählt zu sein, während er den biographischen Details des "guten Mörders" lauscht. Alles ganz normal. Wie die Geldwäschepraktiken, die, so fiktiv sie auch sein mögen, schon selbstverständlicher Teil unserer täglichen Zeitungslektüre geworden sind. Die illustre Runde, die sich in der VIP-Lounge des Pariser Tenniscourts einfindet, um Dimas Abgesang einzuläuten, erscheint wie ein Who is Who aus Politik und Wirtschaft. Das Führungspersonal einer Gesellschaft, die ihre Leitungsträger danach beurteilt, was sie sich leisten können. Mit einer Leichtigkeit in Szene gesetzt, die das Makabre unterstreicht.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    buecherwurmolli

    12. May 2011 um 19:22

    Mehr Realität als Literatur Was für ein Buch ! Das muss ich gleich zu Anfang sagen, denn ich habe nach der Leseprobe, wie viele andere, nicht viel erwartet. Das Buch schien wirklich leicht öde, jedoch wurde ich eines Besseren belehrt. Das Buch war grandios! John le Carre´ versteht etwas vom Schreiben, dass ist wohl klar, jedoch kenne ich keinen anderen Autor, welcher die Charaktere für sein Buch mit so viel Liebe und Hingabe gestalltet, wie er es tut. Ich liege teilweise immernoch nachts wach in meinem Bett und denke darüber nach, wie es wohl Perry, dem Oxford Dozenten, welcher mit seiner Frau Gail nichtsahnend einen Urlaub buchte, um zu entspannen, geht. Doch fangen wir von forne an. Perry ist ein Oxford Dozent und lehrt das Fach Englisch. Er ist unzufrieden mit seinem Job und da es ihm im Moment eh nicht sehr gut geht, bucht er für seine Freundin Gail und sich einen Urlaub in einem luxuriösen Tennisresort. Als er Dima, einen russischen Mafiosi kennenlernt, wirkt sein Leben von einem Moment auf den anderen nichtmehr annähernt langweilig. Dima ist ein Todeskandidat. Er hat die Mafia verraten und will nun kurz vor seinem Tod die Beichte bei einem englischen Geheimdienst ablegen. So spricht er Perry an und informiert in über seine Geschäfte. In England zurück verständigt Perry den Geheimdienst und es beginnt eine Zeit der Verhöre, Verfolgungen und der Angst. Wie le Carre` seine Bücher schreibt, ist eine Klasse für sich. Er scheut keine Zeit und Mühe, wie es scheint, um dem Leser die Situation möglichst verständlich und aus mehreren Blinkwinkeln zu schildern. So welchselt oft die Erzählperspektive von Perry zu Gail, zu Dima oder zu Luke. Alle Charaktere wirken bis aufs letzte Detail perfektioniert und genau richtig an ihrem Platz. Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass le Carre` das Ende des Buches offen lässt. Ist das Flugzeug mit dem freien Dima an Bord wiklich abgestürzt? und wenn ja warum ? So sollte es sein ! die Fantasie des Lesers sollte gefordert sein, damit jeder Leser sein eigenes "persönliches" Ende findet. Insgesammt hat dieses Werk vier Sterne verdient, da man wirklich eine Zeit lang braucht, um sich in der Situation zurecht zu finden. Vor allem die häufigen Rückblenden, Pespektivwechsel und Ortswechsel mögen wohl literarische Meisterlistungen sein, jedoch sind diese für den "Ottonormalleser" schwer verständlich.

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  • Frage zu "Das Buch der Toten" von Jonathan Kellerman

    Das Buch der Toten

    Thomas Grünenwald

    Hallo, ich suche wirklich ein sehr spannendes Buch (Krimi, Spionage, Psychothriller etc. ...)

    • 10
  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Erinnye

    19. February 2011 um 18:49

    Das Paar Perry und Gail macht Urlaub auf Antigua. Dort lernen sie den russischen Dima kennen, welcher auch sofort seine sportlichen Fähigkeiten mit Perry im Tennis austesten will. Zu dem Match erscheint Dimas' komplette Familie, bestehend aus zwei Söhnen, drei Töchtern und einer Frau. Soweit ist alles okay, es wird ein friedlicher Urlaub, es folgt eine Einladung zum Kindergeburtstag. Jedoch bleibt nicht alles so friedlich. Dima ist alles andere als ein normaler Urlauber. Er hat ein Ansinnen, für welches er Perry's "fair play"-Einstellung benötigt: Dima will sich mit dem englischen Geheimdienst in Verbindung setzen um eine Einreise nach England für sich und seine Familie zu erreichen. Denn Dima ist ein Krimineller. Dies Alles erfährt man mehr oder weniger zerstückelt über das ganze Buch hinweg. Es ist selten möglich, an einer bestimmten Stelle im Buch eine konkrete Aussage darüber zu machen, was gerade passiert, da der Autor mit den Perspektiven der Personen genauso locker umzuspringen weiß wie mit Zeiten, Orten und Geschehen. Allzu oft muss man Passagen nochmals lesen um vollständig zu begreifen, wer etwas sagt oder um wen es denn eigentlich gerade geht. Manche Kapitel hingegen sind auch einfach nur langweilig. Ich musste mich seitenlang durch öde Beschreibungen, nichtige Aktionen und uninteressante Schilderungen von uninteressanten Geheimdienst-Agenten kämpfen. Ist man endlich am Ende angekommen - welches zumindest ein klein wenig Spannung verspricht - so ist dies dermaßen lasch und unverschämt kurz und unspektakulär gehalten, dass man als Leser wirklich nur auf ganzer Linie enttäuscht ist. Fazit: ich weiß nicht so richtig, was mir dieses Buch eigentlich sagen wollte und bin relativ froh, es ausgelesen zu haben. Der Werdegang eines russischen Kriminellen könnte auch interessanter und vor allem wesentlich übersichtlicher gestaltet werden. Mir scheint dieses Buch eine krude Mischung aus Langeweile und Chaos zu sein.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    lenchen_196

    08. January 2011 um 01:06

    Verräter im Osten und Westen Das neue Buch vom Bestsellerautor John le Carre wirkt schon bei der Aufmachung sehr solide und verspricht gute Unterhaltung. Das goldene Cover sieht edel aus, das Papier ist dick und wirkt teuer, was den allgemeinen Eindruck von dem Buch noch mehr steigen lässt. Inhaltlich ist der neue Roman von John le Carre eben ein Roman und kein Action-Krimi. Mann muss genau aufpassen, wer was sagt und wer was macht, um alle Stränge richtig zu zuordnen. Denn nur diejenigen, die aufmerksam der Geschichte folgen, können die Intrige letztendlich verstehen. Alle Kleinigkeiten und Untertöne spielen auch große Rollen im Plot. Das ist typisch für den Autor, genau so wie sein Stil, sarkastisch und detaillastig. Die Handlung entwickelt sich nicht rasant, wie man vielleicht von einem Spionage-Thriller erwarten kann. Dafür mangelt es nicht an Dialogen, inneren Zweifeln und Überlegungen, Verhörsberichten und Familienszenen. Dima, einer der Hauptfiguren der russischen Mafia, Spezialist für Geldwäscherei, wird langsam in den höheren Kreisen des organisierten Verbrechens immer mehr unerwünscht. Es geht jetzt um sein Leben. Um seine Familie und sich selbst zu schützen, hofft er auf die Rettung im Westen. Er knüpft Kontakte zu einem englischen Urlauber-Pärchen und mit dessen Hilfe zu den Agenten in London. Sein ganzes kriminelles Wissen bietet er für die Möglichkeit friedlich in England leben zu können an. Der britische Geheimdienst freut sich darüber, aber er freut sich zu früh. So einfach lässt die Mafia seinen Feind nicht gehen. Und auch in England gibt es Leute, die kein Interesse daran haben, Dimas geheime Informationen lüften zu lassen. Die Intrige ist also mehrschichtig, viele Fäden ziehen sich dorthin, wo keiner sie erwartet… Die Handlung wechselt ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die Spannung wächst von Seite zu Seite. Das Ende kommt aber eher erwartet vor, ich zumindest hatte schon nach der Hälfte der Geschichte eine böse Ahnung, dass es genau so enden wird. Wie alle seine „Auslands“-Romane, ist dieser auch gut von le Carre recherchiert, es gibt fast nichts auszusetzen. Das einzige, was mir negativ aufgefallen ist, ist dass der Autor „Dimas“ als Bezeichnung für die ganze Familie verwendet, was immerhin falsch ist, weil Dima nur ein Vorname ist und nach einem Vornamen (wenn auch des Oberhauptes) nennt man in Russland nie eine Familie. Allerdings stammt der Klappentext an dem Cover bestimmt nicht von dem Autor selber, mit der Erwähnung des Gulags, wo Dima sich angeblich an die Spitze der Mafia hochgearbeitet hat. Ist Gulag für den Schreiber dieses Textes der russische Knast im Allgemeinen? Gulag existierte seit 1960 nicht mehr, und in dieser Zeit hatte Dima bestimmt noch einen Schnuller in der Hand und kein schmutziges Geld zum Waschen. Nun ja, das sind nur Kleinigkeiten, die das Interesse am Buch nicht schmälern. Der Roman regt zum Nachdenken an und ist empfehlenswert für alle, die in einem Spionage-Thriller nicht unbedingt nur Action sehen wollen.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    Karr

    01. January 2011 um 17:16

    Ein wunderbar vielschichtig und zugleich verspielt erzählter Thriller aus dem Milieu der Geheimdienste und des Finanzverbrechens. John le Carre auf der Höhe seines Könnens. Bei ihrem Urlaub auf Antiqua machen Perry und Gail aus London eine wirklich ungewöhnliche Bekanntschaft: es ist Dima, der Russe, samt seiner unüberschaubaren Entourage aus Ehefrau, Kindern, Familie und Leibwächtern. Diese Dima ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Einmal der grobe neureiche Russen-Proll, für den es offenbar nicht erstrebenswerteres gibt als von einem britischen "Gentleman" wie dem Literaturdozenten Perry und der schicken Anwältin Gail ernst genommen, akzeptiert zu werden. Auf der anderen Seite: der kaltschnäuzige Gangster aus dem Bodensatz der Russenmafia. Und dann schließlich - und das überrascht alle: der Finanzhai, der Geldmann, der Banker des organisierten Verbrechens zwischen Moskau und Perm. Was Dima alles arrangiert, um Perry und Gail scheinbar zufällig zu treffen und den steifen Perry zu seinem Tennismatch zu überreden, das allein ist schon ganz große unterhaltsame Literatur. Aber was John le Carré noch dazufügt, macht es erst zu einem typischen LeCarré Thriller: Es ist die Geschichte, wie Perry und Gail, das so arglose Pärchen, sich dem britischen Geheimdienst von ihrem seltsamen russischen Freund berichtet. Nicht, um Dima zu verraten - sondern in Dimas Auftrag. denn Dima will überlaufen und über die Finanzdeals auspacken, mit denen die Russenmafia ins ehrbare Londoner Bankengeschäft einsteigen will.

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  • Rezension zu "Verräter wie wir" von John Le Carré

    Verräter wie wir

    rumble-bee

    Das Buch, das aus der Kälte kam - und besser dort geblieben wäre Ein Autor von Weltruhm, der für seine Spionage-Thriller bekannt ist. Eine Leserin, die noch nie ein Buch von ihm in der Hand hatte, und zudem auf dem Parkett der politischen Themen nicht sehr firm ist. Eine Neu-Veröffentlichung eines Wälzers, nicht einmal ein Jahr nach dem letzten Buch. Passt das alles zusammen? Nach langem inneren Hin und Her muss ich leider sagen, nein, nicht wirklich. Inwiefern das nun tatsächlich der Qualität des Buches anzulasten ist, möge der geneigte Leser der Rezension selbst beurteilen. Ein Buch beginnt vorne, eine Rezension auch. Womit haben wir es, laut Klappentext, eigentlich zu tun? Mit Dima, der "Seele der russischen Mafia". Seine Tage seien gezählt, und deshalb gehe er einen Pakt mit dem britischen Geheimdienst ein. Er sei also ein klassischer "Überläufer", und das Buch behandle die "hochbrisante Frage nach der Bedeutung der internationalen Geldwäsche", sowie die "Zerbrechlichkeit unserer Demokratien". Was erwarte ich als Leser da? Eine spannende, breit angelegte Handlung, internationale Verwicklungen, eigenes Mitfiebern, die Guten und die Bösen, lebendige Charaktere, und einen klassischen Showdown. Bekomme ich das auch? Jein. Ich möchte gerne einräumen, dass man das Buch erst dann richtig versteht, wenn man es bis zur allerletzten Seite gelesen hat. Denn es endet mit einem bestürzenden Knalleffekt. Das große "Aber" folgt jedoch auf dem Fuße. Der Weg zu diesem Ende ist steinig, langatmig, und mühsam. Jedenfalls für den Leser. Es war für mich einfach überhaupt NICHT das, was ich von einem spannenden Spionage-Thriller erwartet hätte. Schon in der Leseprobe hatte ich mich gewundert, welch eine bedächtige und weit ausgreifende Erzählweise der Autor anwendet, und hatte gehofft, das Buch nimmt danach noch Fahrt auf. Doch weit gefehlt. Es dauert geschlagene hundert Seiten, oder sogar mehr, bis erst einmal das Verhör erzählt ist, dem sich das britische Pärchen nach seinem Karibik-Urlaub unterziehen muss... das ist fast ein Drittel des Buches! Und auch danach geht es größtenteils genauso unspannend weiter. Immer nur taktische Vorbereitungen, Berichte per Telefon oder Tonband, Gespräche unter vier Augen, Gedanken einer Person. Kaum eigentliche Handlung. Erst auf ungefähr den letzten hundert Seiten wird es annähernd dramatisch, als nämlich Dimas Familie, und mit ihnen Perry und Gail, in der Schweiz untertauchen und die Flucht nach England vorbereiten müssen. Entschuldigung, aber das ist für mich kein Thriller! Der Spannungsbogen war also teils nicht existent, teils ungeschickt konstruiert. Für mich reicht es einfach nicht, einen "Knall" ganz am Ende einzubauen, und damit 412 mehr oder weniger plätschernde Seiten zu rechtfertigen! Wie sieht es mit den behandelten Themen aus, die ich erwartet hatte? Internationales Parkett, ja schon, politische Fragen, hm, na ja. Aber WIE das gemacht war, hat mich echt nicht vom Hocker gerissen. Im Gegenteil, an manchen Stellen war ich schlicht verwirrt und überfordert. Wie ich schon weiter oben sagte, gibt es kaum Handlung - das allermeiste spielt sich entweder in Gesprächen, oder in den Gedanken eines der beteiligten Geheimdienstler ab. Das ist sehr ermüdend zu lesen! Ich möchte Beispiele nennen. Die Bedeutung, die Dima in Russland wirklich hat, erfahren wir nicht etwa durch Ermittlungen - nein, eine ellenlange Aufzählung aller seiner Geschäfte wird schlicht durch die Wiedergabe eines Tonbandes präsentiert, das Dima noch auf Antigua besprochen und dann Perry mitgegeben hat. Seiten um Seiten neue Verwicklungen, neue Geldgeschäfte, neue geheime Transaktionen. Schon nach kürzester Zeit gab ich auf, alles verstehen zu wollen. Zweites Beispiel. Wer bewegt sich eigentlich alles in Dimas Kreisen? Auch das wieder sehr geballt dem Leser mitgeteilt. Per Zufall - ach nein - hat wieder ein englisches Pärchen eine Yacht gefilmt, auf der sich Dima und seine Gäste tummelten. Und genau dieser Film wird im Verhörraum abgespielt und kommentiert. Hier dauerte es nicht einmal zwei Seiten, bis ich den Faden verlor. Wer nun wer war, wer wohin gehörte, wer in was alles verwickelt war... und ob das alles auch noch plausibel war, das kann ich schon gar nicht beurteilen. Meine Güte. Drittes und letztes Beispiel. Der Aufbau des britischen Geheimdienstes. MUSS man das denn auch noch derart verkomplizieren?? Ich will doch bloß eine Geschichte! Abwechselnd aus den gedanklichen Perspektiven zweier Geheimdienstmitarbeiter wird erzählt, dass ausgerechnet die Abteilung, an die unsere beiden Zivilisten Perry und Gail geraten sind, auch noch geheimer als geheim ist, eigentlich eher eine private Initiative eines ehemals erfolgreichen Mitarbeiters, Hector. Nichts wird erklärt, alles muss sich der Leser selbst zusammenreimen, da Luke und Hector in diesen Abschnitten nur jeweils vor sich hin denken. Ungeschickt gemacht! Und außerdem reichlich unlogisch. WENN sich schon ein Zivilist an den Geheimdienst wendet, dann müsste er doch eigentlich gleich bei den "Offiziellen" landen, und nicht bei einer Unterabteilung, die die Genehmigung für ihre Aktion erst noch einholen muss?? Und SO einfach sollte das gehen, über einen ehemaligen Uni-Dozenten?? ("hatten Sie da nicht mal...") Nie im Leben!! Noch einen Punkt möchte ich erwähnen, und zwar die Tatsache, dass eben manches arg unlogisch erschien - zumindest für mich unpolitischen Leser, der allein nach Wahrscheinlichkeit urteilt. Wie gesagt, zwei Zivilisten suchen den Geheimdienst, und finden ihn - fast wie per "Gelbe Seiten"... unglaublich. Zweitens, ich KANN mir einfach nicht vorstellen, dass ein wirklicher Geheimdienst einfache Zivilisten derart involvieren würde! Sicher, sie hätten wohl das Band abliefern und über ihre Erlebnisse mit Dima auf Antigua berichten können, aber mehr auf keinen Fall! Gegen Ende des Buches bestand erhöhte Lebensgefahr, und dafür sollte eine zweiwöchige "Schulung" reichen ?? Und die wurde auch noch derart lachhaft geschildert, dass ich mich an eine billige Parodie von James Bond erinnert fühlte! Tagsüber technisches Spielzeug betrachten, und abends ein Weinchen am Kamin mit Hector. Ja, nee, ist klar. Die ganze Geschichte hat geradezu haarsträubende logische Löcher, die ich hier nicht alle aufzählen möchte, zumal ich merke, dass ich mich gerade in Rage zu schreiben beginne. Fahren wir also lieber fort in der Liste der Kritikpunkte, denn die ist noch nicht abgearbeitet. Der Autor scheint beim Schreiben einen "Tunnelblick" auf das gewünschte Ende hin gehabt zu haben. Deswegen hat er wohl einiges außer Acht gelassen. Ich habe ja wirklich nichts gegen offene Enden, aber das hier reicht. Es bleibt einfach zu Vieles ungeklärt! Was wird denn nun aus Dimas Familie, und was aus Perry und Gail? Fliegt Hectors Unterabteilung nun auf oder nicht? (dieses ganze Gemauschel um den Geheimdienst habe ich sowieso nicht verstanden.) Was ist nun mit dieser internationalen russischen Mafia, kann sie in England Fuß fassen oder nicht? (DAS Thema war für mich dermaßen komplex, dass ich es auch schon nach kurzer Zeit aus den Augen verloren habe.) Was ist mit Nataschas Schwangerschaft?? Und so weiter, und so fort. Ein ganz, ganz großer Mangel des Buches ist die Tatsache, dass man sich mit keiner einzigen der geschilderten Personen wirklich identifizieren kann. Es gibt weder einen einheitlichen Erzähler, noch eine Perspektive, die stringent durchgehalten würde. Das Buch springt dauernd von einem Erzähler bzw. einer Perspektive zur nächsten, es ist keinerlei Muster erkennbar. Personen tauchen auf und gehen wieder. Dazu noch ein, zugegeben, relativ lockerer und flapsiger Erzählton, der aber nicht variiert wird. An manchen Stellen scheint der Autor geradezu absichtlich Distanz zum Erzählten erzeugen zu wollen, besonders gegen Ende, in der Schweiz. Da finden wir Formulierungen wie "Aber wann, o wann?" oder diesen unglaublichen Satz: "doch selbst diese düstere Geschichte hakt irgendwo, und sosehr Luke sich auch das Hirn zermartert, sie will einfach nicht aufgehen". Ja was denn nun?? Wenn der Autor selbst keine Anworten weiß oder anbieten will, brauche ich dieses Buch nicht lesen! Habe ich auch Positives über dieses Buch zu sagen? Ja, und zwar, was die Sprache, den Stil betrifft. Man merkt schon, dass der Autor ein großer Stilist ist, dass er mit Worten jonglieren kann. "Spritzig" könnte man es stellenweise nennen. Auch das Russen-Deutsch bzw. -Englisch Dimas ist sehr gut wiedergegeben! Nur kann das eine verfahrene Storyline nicht retten. Der Übersetzer tut wirklich sein Bestes, um den Glanz des Originals zu bewahren, indem er zum Beispiel eine Wortschöpfung wie "Beichtiger" ( in Anlehnung an "Gläubiger" oder "Peiniger") oder das altmodische, mir bislang unbekannte Wort "resch" benutzt. Nur manchmal übersetzt er englische Redewendungen zu wörtlich, und das passt einfach nicht. ("Er war im Stand der Gnade" ist nur ein Beispiel.) Insgesamt habe ich einfach den Eindruck, dass Le Carré geglaubt haben muss, es sei mal wieder ein Buch von ihm fällig - und so kramte er in seinen Notizen, fand etliche Charakterskizzen, und erfand "mal eben" eine Story drumherum. Ein runder Gesamteindruck entsteht für mich jedenfalls nicht, was eben vorrangig an diesen Aspekten liegt: fehlender Spannungsbogen, etliche Unglaubwürdigkeiten, teilweise zu gedrängte und unverständliche Informationsverbreitung, und zu viele offene Fragen gegen Ende.

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