Jon Bassoff Zerrüttung

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Inhaltsangabe zu „Zerrüttung“ von Jon Bassoff

Joseph Downs ist ein Irak-Veteran. Sein Gesicht schrecklich entstellt vom Kampfsprengstoff IED. Als der Motor seines Chevy Trucks nicht mehr anspringt, geht er in Stratton, einer Stadt voller Backsteingebäude und verfaulter Bungalows, ins Del Loung und verliebt sich Hals über Kopf in ein Mädchen, das von ihrem gewalttätigen Ehemann drangsaliert wird. Er eilt ihr zu Hilfe und prügelt sich mit dem Ehemann. Nachts bekommt er in seinem Motelzimmer Besuch von ihr. Sie ist von ihrem Mann zusammengeschlagen worden. Downs beginnt eine Affäre mit ihr, in deren Verlauf Lilith ihn dazu drängt, ihren Mann zu töten, um mit Downs ein neues Leben anzufangen. Was ist verrückt und was nor­mal? Wo liegt die gefährliche Grenze zwischen Liebe und Besessenheit? Jon Bassoff hat einen Roman Noir voller Gewalt, Verzweiflung, Wahnsinn, Einsamkeit und Leere geschrieben.

Studie einer korrodierten Psyche. Sehr düster und nur etwas für Noir-Profis.

— Gulan

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  • Mr.Hyde und Mr.Hyde

    Zerrüttung

    Gulan

    15. April 2017 um 20:50

    Etwas Zeit verstrich. Ich stieg aus dem Pick-up. Der Schnee knirschte unter meinen blutbefleckten Stiefeln. Im Schlafzimmer ging Licht an, und ich sah Lilith am Fenster stehen. Sie trug ein langes weißes Nachthemd, ihr Gesicht wie aus einer anderen Welt. Ich stand vor meinem Leichenwagen und ließ das Gewehr runterbaumeln, als wäre es ein Stahlfortsatz meiner Hand. Irgendwo in der Ferne pfiff ein einsamer Zug. Ich strich mir das Haar zurück und ging langsam auf die Tür zu. Und jetzt wusste ich, was ich tun würde, was ich tun musste. Man hat keine Wahl. Es gibt keinen freien Willen. (S.97) Der Irak-Veteran Joseph Downs ist mit seinem Wagen irgendwo in Colorado unterwegs, als sein Auto kurz vor der Stadt Stratton liegenbleibt. Er lässt den Wagen stehen, läuft in die Stadt und begibt sich erst einmal in eine heruntergekommene Bar. Dort wird er Zeuge, als ein Mann seine Frau mit Gewalt aus der Bar holen will. Er zieht dem Mann eine Bierflasche über den Schädel. Während sein Wagen repariert wird, bleibt Downs die nächsten Tage in der Stadt und beginnt eine Affäre mit Lilith, der angegriffenen Frau aus der Bar. Schließlich versucht Lilith Downs zu überreden, ihren Mann umzubringen und sich mit ihr die Lebensversicherung zu teilen. Das klingt jetzt erstmal ziemlich genretypisch, da hört man den Postmann zweimal klingeln, aber, aber - der Rest der Story verläuft definitiv anders als man vielleicht gedacht hat. Düsterer, schwärzer. So richtig. Autor Jon Bassoff hat die Figur des Joseph Downs als Ich-Erzähler ausgewählt, allerdings als unzuverlässigen, wie sich nach und nach herausstellt. Downs ist mit seiner Einheit auf einem Humvee im Irak in eine Sprengfalle geraten und hat nur knapp überlebt, sein Gesicht ist auf ewig entstellt. Es ist anfangs nicht ganz klar, was ihn in dieses Kaff in Colorado gebracht hat, aber es umgibt ihn von Beginn an eine Aura der Gewalt. Die Story umfasst mehrere Teile, den zweiten Teil erzählt Benton Faulk. Ein 16jähriger, dessen Mutter an einer tödlichen Krankheit dahinvegetiert. Sein Vater hält sich ein bizarres Labor voller Ratten im Keller, mit denen er Versuche unternimmt, um die Krankheit der Mutter zu heilen. Der Haushalt verwahrlost zusehends und Benton entwickelt währenddessen eine unheilvolle Anziehung zu der Kellnerin Constance. Irgendwann wird dem Leser klar, dass Benton und Joseph zwei Seiten der Medaille sind. Nein, eigentlich die gleiche Seite. Mr.Hyde und Mr.Hyde, wie es Thomas Wörtche in seiner Besprechung zu diesem Buch treffend ausdrückt. Also heirateten wir, und es war eine ganz stille Angelegenheit ohne Familie und Hochzeitstorte, und sie lag zusammengerollt da, die Schultern hoben und senkten sich, überall rotes Haar, Blut rann aus ihrer Nase, ein Auge war zugeschwollen und ein bisschen lila. (S.158) Jon Bassoff hat hier einen intensiven Roman verfasst, bei dem man als Leser teilweise nicht weiß, woran man ist und dann eiskalt erwischt wird. Eine wilde Melange aus Wahn, Furor, bitterer Wahrheit, Trauma und Lüge. Dem Country Noir kann man ihn durchaus zuordnen. Die Schauplätze sind verfallene Kleinstädte mit zugenagelten Geschäften auf der Main Street, Autowracks am Ortseingang, versiffte Hotels, eine Hütte im Wald. Schneegestöber. Dazu merkwürdige Gestalten, (pseudo)religiöses Geschwurbel, Kriegstraumata. Und doch wird das Ganze nochmal eine Nummer heftiger, denn dieser Joseph Downs ist nicht nur angeknackst, sondern innerlich quasi zerrüttet oder korrodiert („Corrosion“ ist der Originaltitel). Ein äußerst intensives Buch, das der Polar Verlag hier (erfreulicherweise) dem deutschen Leser zumutet. Ich habe noch nicht viel Vergleichbares gelesen, aber ich vermute, dass das hier schon die ganz dunkle Schule des Noir darstellt.

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  • Trümmerfeld zerbrochener Existenzen

    Zerrüttung

    sapperlot

    04. January 2017 um 01:13

    Wenn es ausnahmsweise mal ein Buch aus meinem heimlichen Lieblingsgenre "Country-Noir" ins Feuilleton einer grossen Tageszeitung schafft und dort auch noch sehr gute Kritiken bekommt, dann darf ich mir dieses Werk nicht entgehen lassen. Elmar Krekeler hat in der "Welt" diesen eisenharten Roman wohlwollend besprochen und zur Lektüre empfohlen. Als eingefleischter Noir Leser kann ich nur mit dem Kopf nicken und mich seiner Meinung anschliessen.Das Adjektiv "eisenhart" passt einerseits zur heftigen Geschichte und andererseits weil der verflixte Rost dem Metall habhaft werden kann. Wenn man ihn gewähren lässt, frisst er sich langsam aber unaufhaltsam vorwärts bis er alles überzogen und zersetzt hat. Im übertragenen Sinne kann man das auch für die Psyche der Menschen sehen. Wenn sich dunkle Schatten auf das Gemüt legen und man diese gewähren und wachsen lässt, kann sich eine geistige Verwitterung ausbreiten und die Seele ernsthaft anknacksen. Unbehandelt können tumorartige Hirngespinste wachsen bis sich der Wahnsinn hartnäckig im Kopf festgesetzt hat. Krampfhaft. Unverrückbar. Endgültig.Die Kurzbeschreibung klingt ehrlich gesagt nicht besonders Originell und wie ein Stoff der schon hunderte Male in Film, Fernsehen und Literatur verwendet wurde. Ein körperlich schwer lädierter Soldat kehrt aus dem Irakkrieg heim und schlägt sich knapp an der Armutsgrenze durchs Leben und durchs amerikanische Hinterland. Eine Sprengfalle hat seine verheerende Wirkung für immer in seinem entstellten Gesicht hinterlassen. Als sein Auto ausgerechnet in einem gottverlassen Kaff irgendwo im Nirgendwo von Colorado verreckt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein paar Tage in dieser verlorenen Siedlung zu verbringen. Das die Werkstatt einen gebrauchten Motor eines ausgedienten Leichenwagens in seinen Pick-Up einbaut kann als unheilvolles Omen für den weiteren Verlauf der Geschichte angesehen werden.Die Erzählung nimmt eine Wendung, die ich so nicht erwartet habe und macht diese finstere Geschichte zu etwas Eigenständigem. Das Leben einiger Figuren erscheint wie eine Qual in der Knechtschaft des wartenden Todes. Existenzen in Trümmern und Menschen die nie Hoffnungen für ein besseres Dasein hatten. Eine Flucht aus seiner abgedrehten wie schrecklichen Welt bietet der amerikanische Autor Jon Bassoff nicht. Allerdings verzichtet er darauf Handlungsstränge bis zum Ausfransen zu erzählen sondern beschränkt sich auf knackige 240 Seiten.Dies ist keine erbauliche Lektüre und für genrefremde Gelegenheitsleser kaum geeignet. Es ist Spartenliteratur für die hartgesottene Schar der Romane Noir Leser und dürfte da auf viel Wohlwollen stossen.

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  • Bitteres Psychogramm einer verstörten Seele.

    Zerrüttung

    Andreas_M_Sturm

    12. November 2016 um 13:14

    Entstellt durch die Detonation einer Sprengfalle, kommt Joseph Downs aus dem Irakkrieg zurück. Eine Autopanne zwingt ihn in Colorado Station zu machen. Hier lässt er sich auf eine Affäre mit der verheirateten Lilith ein und findet einen Job bei einer Mülldeponie. Eigentlich scheint Joseph ein ganz umgänglicher Typ zu sein: er hat für sein Land gekämpft und beschützt eine ihm fremde Frau vor den Schlägen ihres gewalttätigen Ehemanns. Aber manchmal ist der Schein eben nicht die Realität. Jon Bassoffs Roman lässt den Begriff Noir in dunkelstem Licht erscheinen: kaputte Typen, beißende Sprache, eine Welt ohne Hoffnung. Hinzu kommt eine flüssige sprachliche Umsetzung und die schonungslose Bloßlegung der tiefgründig skizzierten Charaktere. Als Fazit möchte ich gern den Klappentext zitieren: Jon Bassoff ist mit 'Zerrüttung' eine düstere psychologische Geschichte gelungen, in der sich das Leben manchmal nur aushalten, aber nicht leben lässt.

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