Jon Bauer

 3.9 Sterne bei 17 Bewertungen

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Steine im Bauch

Steine im Bauch

 (18)
Erschienen am 06.11.2014
Rocks in the Belly

Rocks in the Belly

 (0)
Erschienen am 01.08.2011

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Rezension zu "Steine im Bauch" von Jon Bauer

Ein außergewöhnliches Romandebüt
WinfriedStanzickvor 3 Jahren



Ein außergewöhnliches Romandebüt des in England geborenen und seit 2009 in Australien lebenden Schriftstellers Jon Bauer ist hier anzuzeigen und vorzustellen. Aus der Sicht eines namenslos bleibenden Ich-Erzählers wird eine Familiengeschichte und eine Mutter-Sohn- Beziehung beschrieben, wie ich sie dichter und bewegender schon lange nicht  mehr gelesen habe.

Nach vielen Jahren im Ausland kehrt der Erzähler, beinahe dreißigjährig zu seiner Mutter nach Hause zurück. Sie ist an einen Hirntumor erkrankt und hat nicht mehr lange zu leben. Im wechselnden Zeitebenen ist der Erzähler zum einen in der Gegenwart bei seiner kranken in hinfälligen Mutter und zum anderen mit seinen Erinnerungen in einer Phase seiner Kindheit, als er etwa sieben Jahre alt gewesen ist.

Die Erlebnisse in dieser Phase seiner Kindheit sind auch der Grund dafür, dass er seiner Mutter in der Gegenwart nur mit Wut und Zorn begegnen kann. Denn er hat nie verwunden, dass seine Familie, federführend die Mutter früher immer wieder Pflegekinder aufgenommen hat. Beim Ich-Erzähler, einem Einzelkind, führte das zu Eifersucht und dem bohrenden Gefühl, vernachlässigt zu werden.

Als irgendwann ein neuer Pflegejungen, der 12- jährige Robert, in die Familie kommt, nimmt die Eifersucht des Siebenjährigen obsessive Züge an. Dieser Zeitraum nimmt auch den  größten Teil eines Buches ein, dessen Hauptfigur bis unter die Haut gehend nachvollziehbar geschildert wird als ein zerrissenes menschliches Wesen, voller Verzweiflung und Abscheu gegen sich selbst.

Jon Bauer hat mit „Steine im Bauch“ eine kindliche Seele ausgelotet und sie beschrieben bis in die Tiefen verzweifelter Abgründe. Eine bewegende, stellenweise kaum, auszuhaltende Lektüre, die einen gespannt auf den zweiten Roman dieses begabten Autors warten lässt.





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Miamous avatar

Rezension zu "Steine im Bauch" von Jon Bauer

Über die Macht der Erinnerungen....
Miamouvor 3 Jahren

Die Mutter des Ich-Erzählers nimmt immer wieder Pflegejungen auf, obwohl ihr eifersüchtiger Sohn, ein Einzelkind, furchtbar darunter leidet. Als der verschlossene Robert in die Familie kommt, der vermeintlich perfekt ist und Liebling der Mutter wird, nimmt die Eifersucht obsessive Züge an. Der 28-jährige Ich-Erzähler kehrt in das Haus seiner Kindheit zurück, weil seine Mutter schwer erkrankt ist. Als kleiner Junge litt er darunter, dass die Pflegejungen, die die Mutter aufnahm, immer den Vorzug bekamen und sie seine hilflosen Schreie nach Liebe missverstand oder ignorierte. Der Pflegejunge Robert brachte schließlich das Fass zum Überlaufen - mit Folgen, die noch in der Gegenwart sichtbar sind. Weder Mutter noch Sohn haben jemals wieder über die Ereignisse gesprochen, und nun, da sich die Machtverhältnisse aufgrund der Krankheit der Mutter umkehren, nimmt der Sohn auf subtile Weise Rache.

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Jon Bauer erzählt hier eine Geschichte die sehr intensiv und ungewöhnlich zugleich ist. Er fragt nicht nach dem Schicksal der Pflegekinder, sondern er fragt nach dem Kind, das dafür immer und immer wieder zurückstecken muss. Oft hätte der Ich – Erzähler selbst die Unterstützung und ein offenes Ohr von Seiten der Mutter gebraucht, stattdessen schenkte diese jedoch den ständig wechselnden Pflegekindern ihre Liebe und schaffte damit für das eigene Kind eine Art Pflegefamiliensituation, in der es nicht oft an Konkurrenzdenken, Eifersucht und dem Gefühl der eigenen Mutter nicht genug zu sein fehlt.

Bereits im Alter von 8 Jahren beginnt der Junge daher unter ständigen Druck für seine Mutter liebenswert zu sein, um mit den Schicksalen der Pflegekinder mithalten zu können. Der Autor schafft einen sehr dynamischen Wechsel zwischen Kindheits – und Erwachsenenperspektive, wodurch eine recht tragische Rückschau auf eine unglaubliche Familiengeschichte erzeugt wird, deren Unglück nicht auf einen Einzigen abgewälzt werden kann: Roberts Unfall, der die Familie auseinanderreißt und auf eine harte Probe stellt und auch das gegenwärtige Geschehen noch stark beeinflusst.

Unmissverständlich macht „Steine im Bauch“ klar, welche Macht Erinnerungen haben und wie machtlos man ihnen gegenübersteht, wenn sie nicht aufgearbeitet werden können. Der Autor zeigt hier einen sehr offenen Einblick in das Innenleben eines Kindes und eines Erwachsenen, der aus ihm geworden ist, ohne sich dabei in Schubladendenken zu verzetteln. Die Sprache, die er dabei verwendet ist sehr bildhaft und verstärkt das verstörende Bild, welches sich durch das gesamte Buch zieht und nicht einfach zu verdauen ist.

Ein sehr mutiges Thema für einen Debütroman…

Kommentare: 5
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Lilith79s avatar

Rezension zu "Steine im Bauch" von Jon Bauer

Berührend und verstörend
Lilith79vor 4 Jahren

"Steine im Bauch" wird aus Sicht eines Ich-Erzählers erzählt, dessen richtigen Namen wir nie so wirklich erfahren. Er kehrt nach Jahren im Ausland im Alter von Mitte/Ende 20 zu seiner Mutter nach Hause zurück, die schwer an einem Gehirntumor erkrankt dem Tode nahe ist. Die Geschichte erzählt immer abwechselnd eine Szene aus der jetzigen Zeit und eine Rückblende in die Kindheit des Jungen, als er etwa 7 Jahre alt war.

Es wird schnell klar, dass der Erzähler seiner Mutter immer noch voller Wut gegenüber steht und dass er seine Kindheit nie wirklich überwunden hat. Die Familie hat früher immer wieder Pflegekinder aufgenommen, etwas das den 7-jährigen Jungen überfordert hat und bei ihm ständig zu dem Gefühl fühlte, von seinen Eltern benachteiligt und vernachlässigt worden zu sein. Wie viel davon reine Eifersucht war und wie viel tatsächliche Benachteiligung erfährt man dabei nie wirklich, da alle Geschehnisse aus Sicht des Jungen erzählt werden. Der Hauptteil der Kindheitsgeschichte spielt zu einer Zeit als ein neuer Pflegejunge, der 12-jährige Robert, in die Familie kam, dem der Junge ganz besonders eifersüchtig gegenüber stand, den Robert erschien einfach "perfekt", höflich, liebevoll, gut, ...während der Junge ständig das Gefühl hatte, alles falsch zu machen und "böse" zu sein.

Das Buch ist sprachlich wirklich hervorragend, die Szenen, die aus Sicht des 7-jährigen Jungen geschrieben sind, wirken nie wie wenn ein Erwachsener versucht als Kind zu schreiben, sondern man kann sich wirklich bei jedem Satz vorstellen, dass ein 7-jähriger genauso fühlt. Das Buch ist wirklich unglaublich berührend, denn die Gefühle des Jungen und seines erwachsenen Pendants sind so eindrücklich und verzweifelt, dass man ständig zwischen tiefem Mitleid für den Jungen/Mann und gelegentlichem Abscheu für sein Verhalten hin- und hergerissen wird. Einige Passagen fand ich schwer auszuhalten, da sie wirklich sehr grausam und verstörend auf mich wirkten, so dass ich mich knapp vor der Mitte sogar einmal kurz zwingen musste, weiterlesen. Das lohnt sich aber, denn die Geschichte ist insgesamt wirklich großartig. Ich kann mich selten erinnern, die tiefe Verzweiflung einer Romanfigur derart nachvollziehen zu können und der Ich-Erzähler ist eine wahrlich faszinierende zerrissene Figur, jemand der gegen die Dämonen in sich selbst ankämpft und selbst dann immer wieder das Falsche tut und andere und sich selbst verletzt, wenn er versucht das Richtige zu tun. Gegen Ende hat mich das Buch sogar kurz fast zum Weinen gebracht, was mir so gut wie nie passiert.

Ob ich für dieses Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen würde, weiß ich gar nicht, es ist sicher keine leichte Kost, aber gleichzeitig eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe.

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