Jon McGregor

 4.3 Sterne bei 34 Bewertungen
Autor von Nach dem Regen, So oder so und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jon McGregor

Interessant gewöhnlicher Mittelschichten-Autor: Der 1976 auf den Bermudas geborene britische Schriftsteller bezeichnet sich selbst als den zweitbesten britischen Short-Story-Autor und war eine Überraschung für seine Eltern, denen gesagt wurde, sie können keine Kinder mehr bekommen. Aufgewachsen ist er in Norwich und Norfolk und studierte an der Bradford Universität Medientechnologie- und produktion. Mit 26 Jahren veröffentlichte er 2002 sein erstes Werk „Nach dem Regen“ und wurde dafür prompt mit dem Somerset Maugham Award und dem Betty Trask Prize ausgezeichnet. Er konnte es selbst kaum fassen. Im Jahre 2010 machte ihn die Universität von Nottingham zum Ehrendoktor und zwei Jahre später bekam er für „Als letztes die Hunde“ den International IMPAC Dublin Literary Award. Es folgte der Roman „Speicher 13“, der ihm den Costa Book Award bescherte. McGregor selbst sagt, er schreibe über gewöhnliche Menschen mit gewöhnlichen Leben, dass es aber gerade diese Menschen seien, die alles andere als gewöhnlich, nämlich anders seien, denn er hält jede Lebensgeschichte für interessant. Heute lebt er mit seinen drei Kindern, von seiner Frau getrennt in Nottingham und fungiert als Professor für Kreatives Schreiben.

Alle Bücher von Jon McGregor

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Jon McGregorNach dem Regen
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Nach dem Regen
Nach dem Regen
 (11)
Erschienen am 02.01.2008
Jon McGregorSo oder so
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So oder so
So oder so
 (9)
Erschienen am 07.09.2010
Jon McGregorSpeicher 13
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Speicher 13
Speicher 13
 (8)
Erschienen am 22.01.2018
Jon McGregorAls Letztes die Hunde
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Als Letztes die Hunde
Als Letztes die Hunde
 (1)
Erschienen am 10.09.2011
Jon McGregorIf Nobody Speaks of Remarkable Things
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If Nobody Speaks of Remarkable Things
If Nobody Speaks of Remarkable Things
 (4)
Erschienen am 04.11.2003
Jon McGregorIf Nobody Speaks of Remarkable Things: 21 Great Bloomsbury Reads for the 21st Century (21st Birthday Celebratory Edn)
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If Nobody Speaks of Remarkable Things: 21 Great Bloomsbury Reads for the 21st Century (21st Birthday Celebratory Edn)
Jon McGregorEven the Dogs
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Even the Dogs
Even the Dogs
 (0)
Erschienen am 02.02.2010
Jon McGregorSo Many Ways to Begin
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So Many Ways to Begin
So Many Ways to Begin
 (0)
Erschienen am 21.12.2010

Neue Rezensionen zu Jon McGregor

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Speicher 13" von Jon McGregor

Das Leben geht weiter
Gwhynwhyfarvor 6 Monaten

Der erste Satz: »Sie versammelten sich im Morgengrauen auf dem Parkplatz und warteten auf Anwei-sungen.«

Menschen verschwinden, einfach so. Das passiert täglich in der Großstadt, erregt meist kein Aufse-hen, wer nicht persönlich betroffen ist, vergisst die Geschichte schnell. Wie wirkt sich ein solches Ereignis in einem Fünfzigseelendorf aus? Vergisst man hier? In einem Dorf in den East Midlands von England, in Derbyshire, verschwindet bei einem Spaziergang die dreizehnjährige Rebecca, die mürrisch hinter den Eltern herstapfte, weit abgeschlagen. Hin und wieder drehten sie sich um, ir-gendwann ist die Tochter nicht mehr zu sehen. Die Polizei, das ganze Dorf ist auf den Beinen. Das Moor, die Berge, jede Ecke wird abgesucht, die dreizehn Wasserreservate werden von Tauchern ab-gesucht. Das Mädchen bleibt verschwunden. Unheil schwebt über dem Dorf. Hat sie sich verlaufen, ist in eine Schlucht gefallen, ist im Moor ertrunken, in einen Speicher gefallen, ertrunken, oder hat sie jemand …? Jemand aus dem Dorf?

»Aber er wurde doch so oft gesichtet, dass der Eindruck entstand, er könne einfach nicht wegbleiben. Es gab Gerüchte, er und die Mutter des Mädchens hätten sich getrennt, und zu der Zeit wurde er noch häufiger gesehen.«

Die Zeit vergeht, das Mädchen wird nicht gefunden. Die Eltern verschwinden, kommen wieder, su-chen, der vorwurfsvolle Blick. Doch das Leben im Dorf geht weiter. Die Mutter zieht ins Dorf, schreitet wie eine Bedrohung die Straße entlang. Auch der Vater kommt manchmal vorbei. Nach eineinhalb Jahren zieht die Mutter wieder fort. Es gibt viele Protagonisten in diesem Dorf, am An-fang heftig viel. Doch irgendwann, im Lauf der Jahre lernt der Leser sie kennen. Alte sterben, Babys werden geboren, man sieht sie aufwachsen. Alte wollen nicht aus dem Haus ziehen, trotz aller Un-wegsamkeit. Einige heiraten, andere lassen sich scheiden, Träume, Versuche, Geschäfte aufzubauen, manches gelingt, anderes nicht. Ein Abbild unserer Gesellschaft: Stadtflucht. Aber auch Städter, ver-suchen auf dem Land ihr Glück. Die Zeiten sind schwierig, irgendwie versucht jeder zu überleben. Und immer wieder die 13! Das Unglück schwebt über allem.

»Der Sommer war verregnet gewesen, aber im September klärte es auf, und der Schlamm auf den Feldwegen trocknete zu dicken Furchen. Unter den Buchen hinter dem Close saßen Springschwänze, die sich durch das bröseliger Laub am Boden bohrten, und irgendwo tief unter der Laubschicht legte ein Männchen seine Spermien ab.«

Jon McGregor schreibt wellenartig, monoton, in kurzen Sequenzen, völlig unaufgeregt beobachtet er. Mensch, Tier, Pflanzen im Einklang mit der Natur, fasst ein Jahr manchmal in zwei, drei Seiten zu-sammen und alles ist gesagt. Er schafft es in einem Satz, Natur und die Ereignisse in zwei Familien zusammenzufassen, präzise, kompakt, aber mit Empathie. Jahreszeiten werden durch immer wieder-kehrende prägnante Beschreibungen sichtbar: Die Schwalben bauen Nester, Ernte wird eingefahren, kalter frostiger Wind, Boden gefriert, Lämmer werden geboren, geschoren, es war ein gutes Jahr für Haselnüsse, es war ein gutes Jahr für Hagebutten usw., eine Vokabel reicht, und der Leser fühlt, riecht, schmeckt. Die Sprache ist rhythmisch, bewegt sich wellenartig, lang, kurz, eine Woge bricht herein, Beruhigung. Genauso wird die Geschichte erzählt, kurz, lang, zwischendurch ein Kracher.

»Das vermisste Mädchen hieß Rebecca, oder Becky, oder Bex.«

Ein Satz, der immer wieder auftaucht. Irgendetwas erinnert immer wieder an sie. Ein verrottetes Ab-sperrband in einem Busch, eine Erinnerung, ein spätes Geständnis, der Vater taucht wieder mal auf … Fährten werden dem Leser von Jon McGregor präsentiert, komische Typen, ein Kapuzenpul-lover, eine blaue Weste, Geständnisse, ein merkwürdiger Heizungskeller. Der Leser will den Fall ab-schließen, wie auch die Dorfbewohner. Am Ende des Romans sind 10 Jahre ins Land gegangen.

Jon McGregor, auf den Bermudainseln geboren und wuchs in der Grafschaft Norfolk auf. Er hat einen Erzählungsband und vier Romane veröffentlicht, für die er mehrfach ausgezeichnet worden ist, u.a. mit dem »Somerset Maugham Award«, dem »Betty Trask Award« und dem« International Dublin Literary Award«. Dieser Roman »Reservoir 13« war 2017 für den »Booker Prize« nominiert.

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N

Rezension zu "Speicher 13" von Jon McGregor

Beobachtungen aus dem Mikrokosmos Dorf atmosphärisch erzählt.
Nomadenseelevor 8 Monaten

Zu den Dingen, welche mir in der Literatur wichtig sind, gehört entweder ein originelles Thema oder eine originelle Herangehensweise. Letzteres kann man Speicher 13, gemeint sind Speicherseen, wirklich nicht abschlagen.

*Ein Mädchen / Kind verschwindet* ist kein neuer Ansatz, für den Autor ist es jedoch der Anlass, die über Jahre Geschichte eines Dorfes zu erzählen. Und da dieses Dorf weit draußen in der Natur liegt, wird auch der Kreislauf der Natur mit eingebunden, die die Paarung und Aufzucht verschiedener Wildtieren, wobei vor allem der Zyklus der Füchse eine Rolle spielt.

Es wird beobachtet, wie die Dorfbewohner mit dem Unglück umgehen, wobei die Eltern nur ein Paar von vielen sind. So kommt einem Mädchen aus dem Nachbardorf die ausgesprochen schlechte Idee, sich anziehen wie das verschwundene Mädchen und sich als Zombie zu schminken; Unternehmen werden gegründet und vergehen, Ehen werden geschlossen und scheitern.

Wer einen Spannungsroman sucht, der wird enttäuscht werden, das Buch zieht die Spannung aus den Beobachtungen der verschiedenen Figuren. Allerdings kam mir dies auf den letzten 50 Seiten sehr gehetzt vor, als wenn der Autor noch viel mehr erzählen wollte und dies einfach ohne längere Ausführungen ins Buch gestopft hat.

Fazit

Beobachtungen aus dem Mikrokosmos Dorf atmosphärisch erzählt.

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Haverss avatar

Rezension zu "Speicher 13" von Jon McGregor

Der Kreislauf des Lebens
Haversvor 8 Monaten

Ein Dorf in Mittelengland. Mitten in Hügeln und Mooren. 13 Reservoire in der Umgebung dienen als Wasserspeicher. In umgebauten Scheunen werden Ferienwohnungen angeboten. Es ist die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine Familie verbringt dort ihren Urlaub. Mutter, Vater, Kind. Von einer Wanderung kommen nur die Eltern zurück, das Mädchen ist verschwunden. Rebecca Shaw, 13 Jahre alt. Eine großangelegte Suchaktion wird eingeleitet. Das gesamte Dorf ist auf den Beinen. Ein Hubschrauber fliegt die Gegend ab. Erfolglos, keine Spur von dem vermissten Mädchen.

Soweit die Ausgangslage in Jon McGregors „Speicher 13“. Nun könnte man meinen, dass der englische Autor in seinem 2017 für den Booker Prize nominierten Roman daraus einen Thriller komponiert hat. Weit gefehlt, doch spannend ist die Geschichte, die er zu erzählen hat, allemal, denn er verlagert den Fokus. Weg von dem verschwundenen Kind, hin zu den Bewohnern des Dorfes. Wie geht die Dorfgemeinschaft mit diesem Ereignis um, können sie ihr Leben einfach so weiterleben, als ob nichts geschehen wäre? 13 Jahre in 13 Kapiteln, immer beginnend mit dem Silvester-Feuerwerk, und danach dem Jahreslauf folgend.  Kurzer Exkurs: In der Numerologie steht die Zahl 13 für den Wandel, für Veränderung, für Abschied und Neuanfang, für Loslassen und Festhalten.

Es ist ein stetiger Kreislauf: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Flora und Fauna. Knospen, Blüten, Verwelken, Vergehen. Vögel bauen Nester, ziehen ihre Jungen groß und fliegen wieder davon. Die Dörfler leben ihren Alltag, Banalitäten. Paare finden und verlieren sich. Kinder werden geboren. Existenzen gehen zu Bruch. Alles ist im stetigen Fluss. Als im Moor ein Kleidungsstück gefunden wird, kommen Erinnerungen an das verschwundene Mädchen wieder an die Oberfläche, aber sie tauchen schon nach kurzer Zeit wieder ab. Andeutungen, die der Autor macht, aber nicht weiterführt. Und so vergeht Jahr um Jahr.

McGregor nutzt eine ungewöhnliche Erzählweise. In kurzen, scheinbar willkürlich aneinandergereihten Sätzen beschreibt er das dörfliche Leben in Bruchstücken. Wörtliche Rede wird nicht kenntlich gemacht. Für den Leser ist dies anfangs verwirrend, ist das Personentableau zu Beginn doch recht unübersichtlich. Mit jeder Seite kommen weitere Informationen hinzu, und so gewinnen die Personen allmählich an Kontur, sodass man mit Interesse ihr Werden verfolgt.

Ein ungewöhnlicher, herausragender Roman, der aber zu Beginn Durchhaltevermögen erfordert. Lassen Sie sich darauf ein – Sie werden es nicht bereuen!

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