Jon McGregor So oder so

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Inhaltsangabe zu „So oder so“ von Jon McGregor

Über die unendlichen Möglichkeiten, jeden Tag neu zu beginnen … David Carter ist Kurator an einem Museum in Coventry. Seit seiner Kindheit sammelt er Erinnerungsstücke, die er zu einer Art privatem Museum zusammengetragen hat. Mit Hilfe dieser Alltagsobjekte, die er fein säuberlich beschriftet, bringt er eine gewisse Ordnung in sein Leben. Doch eines Tages erfährt David durch Zufall, dass er nicht der leibliche Sohn seiner Mutter ist, und mit einem Schlag brechen alle Gewissheiten für ihn zusammen. Er begibt sich fortan auf die Suche nach seiner Vergangenheit – eine Suche, die zur Obsession wird und die ihn immer wieder dahin zurückführt, dass es nicht nur „so“ oder „so“, sondern immer auch noch ganz anders gewesen sein könnte ... Nominiert für den Booker Prize.

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  • Rezension zu "So oder so" von Jon McGregor

    So oder so
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    02. September 2008 um 14:46

    "So oder so" von Jon McGregor ist ein wunderbarer Roman. Es ist ein melancholisch durchtränkter Roman, faszinierend einfühlsam geschrieben, mit einer ganz unverwechselbar eigenen Stimme. Ein Buch, das als eines der Hauptthemen die Suche nach der (biologischen) Mutter von David hat, jedoch auch die Lebensgeschichte von David (der mit seiner Sammelleidenschaft Museumsmitarbeiter ist), seiner Frau Eleonore, seiner Mutter und seiner "Tante" Julia hat. Die einzelnen Kapitel sind auch dementsprechend wie Museumsexponate betitelt und behandeln jeweils ein bestimmtes Ereignis, das mit dem jeweiligen Exponat (das auch eine Erinnerung sein kein) zu tun hat. Aus diesen Lebensexponaten entwickelt Jon McGregor langsam seine Geschichte, die sich immer mehr zusammenfügt, bis sie ein Ganzes ergibt. Virtuos, wie das passiert. Ein großartiger Roman, bei dem es (auch) um Enttäuschungen, Liebe und Freundschaft geht. Jon McGregor hat mit "So oder so" seinem wunderbaren Erstling "Nach dem Regen" ein weiteres faszinierendes Buch folgen lassen, das den Leser trifft und betroffen zurücklässt, ein Buch, das in seinem Innersten aber Hoffnung macht, stärkt und trotz aller Melancholie glücklich macht, auch dass man "So oder so" gelesen hat.

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  • Rezension zu "So oder so" von Jon McGregor

    So oder so
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2008 um 11:44

    Emotionale Intelligenz Verlorene Seelen auf einer verwirrten Suche nach ihren Wurzeln. Mit seinem zweiten Roman bestätigt Jon McGregor wieder einmal, dass auch das Unbeachtliche, Gewöhnliche wert sein kann, darüber eine Geschichte zu erzählen. Wirft man einen flüchtigen Blick auf den im Buchumschlag abgebildeten Autor Jon McGregor, so meint man optisch den älteren Bruder von Harry Potter vor sich zu haben. Dieser junge englische "Zauberlehrling" hat sich bereits mit seinem ersten kühnen, formell recht abenteuerlichen und unregelmäßig interpunktierten Roman Nach dem Regen einen beachtlichen Namen gemacht. Und nahezu "zauberhaft" mutete auch der Aufstieg des damals sechsundzwanzigjährigen Tellerwäschers aus Nottingham an, als er 2002 innerhalb weniger Monate in Großbritanniens Schriftstellerelite gepusht wurde: Man setzte ihn auf die Long List des Man Booker Prizes. Nun liegt sein zweiter Roman vor, der 2005 erneut und auch zu Recht auf der Nominierungsliste stand. Seinen Schreibstil hat McGregor erfreulicherweise weiterentwickelt und vorteilhaft sediert. Zuweilen spürt man noch ein schwaches Klingeln seiner vormaligen Affektiertheiten, aber die übermäßigen "Rokokoschnörkel" seines Debüts hat der Autor merklich reduziert. So oder so ist in einer wohltuend ungeschmückten Prosa geschrieben, die dem Inhalt explizit gerecht wird. Abermals interessiert sich McGregor für individuelle Auswirkungen von ungewissen, unvorhersehbaren und überraschenden Lebenswendungen, richtet dieses Mal jedoch besonderes Augenmerk auf deren Anfänge: "Diese Dinge, wie sie geschehen. Wie sie beginnen." Er wirft Fragen derlei Art auf wie: Gibt es einen persönlich vorbestimmten Lebensweg, ein unentrinnbares Schicksal? Ist alles im Leben Zufall? Hätte man vielleicht zu einem früheren Zeitpunkt sehen können, ob sich etwas in diese oder vielleicht in eine andere Richtung entwickelt? Wäre alles ganz anders gekommen, wenn...? Gleichwohl ist McGregor von den kleinen Lebenswegen, von Schicksalen gewöhnlicher Charaktere fasziniert. Es sind nicht immer die großen Dramen von Bedeutung, meint der Autor: "Das Leben wurde bewegt durch noch viel kleinere Auslöser, zufällige Begegnungen, belauschte Gespräche, das Hängen und Stolpern, das den Lauf der Dinge ständig verändert und neu ordnet und in neue Bahnen bringt; Geschichte entstand aus einer Million bruchstückkleiner Augenblicke, so vielen, dass man sie unmöglich alle ordnen oder kennen oder verzeichnen konnte." Alles ist möglich, entweder: So oder so. Genau diesen Reflexionen stellt sich der Ich-Erzähler David Carter. Es "schlich sich bei ihm das Gefühl ein, daß die Dinge nie wirklich anders werden würden, daß er in dieses Leben hineingestolpert war, daß er von etwas gefangengehalten wurde, das er weder verstehen noch beeinflussen konnte." Aber auch alle anderen Agierenden in diesem großartigen, sehr tiefsinnigen und raffiniert aufgebauten Roman sind mehr oder weniger auf der Suche nach sich selbst. Die Romanhandlung an sich ist simpel: David Carter, 1945 in London geboren, wächst in Coventry heran, wo er später auch als Kurator am städtischen Museum arbeitet. Seit frühester Kindheit ist er von allem begeistert, was durch "komprimierte Erinnerungen und die verdichtete Zeit" eine Geschichte erzählen kann. Jedem Gegenstand, und sei er noch so profan, wird Beachtung geschenkt, denn "dies ist ein kleines Stück von dem, wo ich herkomme". David stilisiert seinen "Schutt der Zeit" zu kleinen, ganz persönlichen Artefakten und gestaltet das Schlafzimmer zu seinem eigenen, ganz persönlichen Museum um: ein stiller Akt der Bewahrung. Diese Sammelleidenschaft ist gleichzeitig Konstrukt für McGregors komplette Romanhandlung. Davids Andenken werden überall im Buch akribisch aufgeführt und prägen die Kapitelüberschriften. Da erscheinen Ansichtskarten, Briefe, Fotos, Urkunden. Aber auch so profane Dinge wie zwei Kinokarten, eine Tabakdose, ein leeres Tablettenröhrchen, ein Schlüssel oder ein beschrifteter Weinkorken sind Verbindungsglieder zu differenzierten Schlüsselerlebnissen. Im Oktober 1968 heiratet David ziemlich überstürzt die junge Schottin Eleanor Campbell aus Aberdeen. Deren Entfremdung von ihrer Familie (verursacht durch eine dramatische Kindheit, geprägt von einer verbitterten Mutter, die ihr kleinste Verfehlungen mit brutaler Gewalt und Essensentzug heimzahlt und einem Vater, der mit stummer Anteilslosigkeit zuschaut) und der Enttäuschung über die Zerstörung einer vielversprechenden Karriere als Geologin, münden in einer tiefen und chronischen Depression, die nur durch die Geburt der gemeinsamen Tochter Kate eine kurzzeitige Stagnation erfährt. Die Beziehung zwischen David und Eleanor, von der Jugend bis ins Alter, begleitet den Leser durch das komplette Geschehen. Beide verbindet, trotz ihrer Unvollkommenheit, eine tiefe Liebe. Entscheidendes Schlüsselerlebnis ist für David, als er mit einundzwanzig Jahren unerwartet von seiner wahren Abstammung erfährt. Die Suche nach seiner wahren Mutter, wer er war, verfolgt ihn sein ganzes Leben: "Es war wie ein Hunger, ein unstillbarer Hunger, dieser Drang, es zu wissen." Im Jahr 2000 scheinen sich die Wege zu bündeln. Ein Hinweis deutet nach Donegal (Irland), führt aber trotzdem nicht zum Ziel, wenigstens nicht in der Art, wie er es sich vorgestellt hat. Bereits zu Beginn wird der Leser mit jeder Menge ungelöster Rätsel konfrontiert. Vieles ist unklar, wird nur wage angedeutet. Aber mit Hilfe von Davids Artefakten (genaugenommen sind es 62), lösen sich nach und nach die "Geheimnisse" seines Umfeldes und bringen verborgene Erinnerungen ans Licht. Was David nicht weiß, versucht er zu konstruieren oder aus bestimmten Handlungs- bzw. Verhaltensvarianten zu erfinden. Ständig wägt er Alternativen ab: War es vielleicht so oder so? "Er versuchte, sich eine alternative Lebensgeschichte aus den verbliebenen Resten zusammenzuflicken." In einer harmonischen Mischung aus prosaischen, teils schockierenden oder gar brutalen Tatsachen (McGregor wählt dabei einen klar strukturierten, einfachen, kurzen Satzaufbau) und langen, blumigen Gedankengängen über viele Zeilen, schafft der Autor eine grandiose Symbiose von Nüchternheit und Melancholie. Dies wird durch die fabelhafte Übersetzung von Anke Caroline Burger gleichwohl hervorragend im Deutschen reflektiert. Viele Andeutungen und abrupte Sprünge zwischen mehreren Zeitebenen fordern mitunter zum Rückblättern zum Ursprung des Gedankens auf. Aber gerade dieser, ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration insistierende Stil, erzeugtt etwas ungeheuer Reizvolles. Durch intensive literarische Gefangennahme generiert McGregor beim Leser eine latente Auseinandersetzung mit dessen ureigenstem Lebensfaden. Ganz persönliche Erinnerungen formen sich. Der Leser ist versucht, die Fragen David Carters nun sich selbst zu stellen: Was wäre wenn...? Am Ende bleibt nur eine Antwort: gleichgültig, ob sich vergangene Geschehnisse so oder so entwickelt haben, nur im Jetzt besteht direkter Einfluss auf die zukünftige Entwicklung, entweder so oder so. Fazit: Eines der schönsten stillen Bücher des Spätsommers 2007, geprägt von einer glasklaren Sprache, außerhalb jeglicher übertriebenen Reizüberflutung: eine Hervorhebung der Schönheit des Einfachen und Unspektakulären. So oder so öffnet die Augen für das Gewöhnliche, aber nicht minder Attraktive. Das Buch ist eine Ode an den Augenblick. McGregor gibt dem oft achtlos dahergesagten "Carpe diem" mehr Sublimität: "Carpe diem, so oder so."

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