Jonas Ludwig von Heß Hamburg - Beschreibung einer Stadt Gesamtausgabe

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Inhaltsangabe zu „Hamburg - Beschreibung einer Stadt Gesamtausgabe“ von Jonas Ludwig von Heß

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  • Hamburg - Politische und historische Beschreibung einer Stadt

    Hamburg - Beschreibung einer Stadt Gesamtausgabe
    Liane-von-Z

    Liane-von-Z

    06. March 2014 um 17:04

    Unlängst wurde erstmals nach über 200 Jahren das hochgelobte und von der Wissenschaft als bedeutend eingestufte literarische Werk „Hamburg – politisch, historisch und topographisch beschrieben“ von Jonas Ludwig von Heß neu herausgegeben. Dieses Ereignis hat in Hamburg bei Medien und Kulturinteressierten keine Beachtung gefunden, mich aber veranlasst, mich wieder mit dem Autor zu befassen. Der ist heute weitgehend vergessen, obwohl er anerkanntermaßen zu den herausragenden Persönlichkeiten der Hamburger Geschichte zählt. Ich selbst erinnere mich an ihn, weil er während des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert ein viel zitierter Mann gewesen ist. Wer sich mit dieser Zeit beschäftigt, kommt nicht an ihn vorbei. Es war die Periode der Klassik in Deutschland und alles, was zur Literatur gehörte, hatte ernst und tiefsinnig zu sein. Heß ist in seinen Werken ernst, wenn er es für angebracht gehalten hat, humorvoll bzw. witzig an den richtigen Stellen und immer tiefsinnig. Zeitgenossen haben ihn als „geistreichen Literaten“ bezeichnet. Auch aus diesem Grund ist es merkwürdig, dass man ihn heute im sogenannten Land der Dichter und Denker und in der Stadt, der er auf vielfältige Art gedient und für die er nicht nur mit der Feder gekämpft hat, schnell und bedenkenlos übergeht. Jonas Ludwig von Heß hat mit seinen Büchern nicht zur Volksbelustigung beigetragen, nie ist er ein Autor der breiten Masse gewesen. Seine Leser gehörten zum gebildeten Bürgertum, zur intellektuellen Oberschicht. Es sind vermutlich gesellschaftliche Gruppen, die es heute nicht mehr gibt. Heß hatte sich in seinen Werken zur Bürgerrepublik in Gestalt der Freien Reichsstadt bekannt, wovon alle bis auf vier von fürstlichen Nachbarn geschluckt worden waren. Ein Erinnern an die verlorene Unabhängigkeit und Freiheit war im monarchistisch geprägten 19. Jahrhundert nicht erwünscht und folgsam entfernte sich seinerzeit das Bürgertum von solchen Gedanken. In diesem Klima konnte das Pflänzchen Jonas Ludwig von Heß nur verkümmern. Ein kleiner Verlag hat sich jetzt an die Mammutaufgabe herangewagt, das dreibändige Hauptwerk von Jonas Ludwig von Heß zu bearbeiten und unter Verwendung von umfangreichem, von Heß hinterlassenem Material neu herauszubringen. Der Titel „Hamburg – Beschreibung einer Stadt“ dient der respektvollen Unterscheidung von den historischen Ausgaben. Was nun vorliegt, ist inhaltsschwer. Hamburg wird nicht nur detailliert beschrieben, es ist ein Blick in eine andere Welt, die es so nicht mehr gibt. Diese Stadt ist im Brand von 1842 in Asche gesunken. Auch wenn es viele Straßen und Gebäude nicht mehr gibt, hat Heß zahlreiche Begebenheiten aus der Vergangenheit vor dem Vergessen bewahrt. Aus der Vielzahl der Anekdoten hier eine Auswahl. Heß erzählt von:       -          den Inhaftierten beiderlei Geschlechts, die in der Frohnerei, dem Haus des   Henkers, dahinvegetiert haben. Es sind nicht wenige gewesen, die man hier auf engstem Raum oft für Jahre angekettet hat.       -          Lehrjungen der Schornsteinfeger, die im Chor von den Dächern herab, die Schläge des Büttels,  die für den Rücken eines Verurteilten bestimmt gewesen sind, laut mitgezählt haben. Er berichtet, was dahinter gesteckt hat.       -          den tatsächlichen Ereignissen um die Gefangennahme und Hinrichtung Störtebekers, von Legende und Wahrheit. Heß erinnert an mysteriöse Vorfälle, die nie aufgeklärt werden konnten. So fiel während der Hinrichtung eines untreuen Ratskämmerers plötzlich ein Schuss. Ein junger Mann aus der Zuschauermenge stürzte tödlich getroffen nieder, gleichzeitig entfernten sich die Hufschläge eines davongaloppierenden Pferdes. Der Erschossene war der Sohn des Senators Peter Röver. Der Mörder wurde nie entdeckt und man vermutete, dass es sich um eine Tat aus Eifersucht gehandelt haben könnte … Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen:       -          Henker Valtin Matz hat ein weiches Herz. Verspürt er Mitleid mit Verurteilten, wird seine Hand unsicher. Als wieder einmal erst beim dritten Hieb der Kopf fällt, empören sich die Zuschauer. Sie bestürmen die Richtstätte, um den miserablen Henker zu töten, doch es gelingt Stadtsoldaten, ihn in Sicherheit zu bringen. Valtin Matz verliert sein Amt, wenig später ist er zurück. Weil er meint, sich gut in der Anatomie auszukennen, bietet er in der Stadt seine Dienste an – als Arzt und Chirurg …       -          eine Prinzessin nimmt ihren Wohnsitz in Hamburg, führt ein zurückgezogenes Leben. Unbemerkt von der Öffentlichkeit heiratet sie heimlich – einen evangelischen Pfarrer. Für den Fall ihres Todes besorgt sie sich eine Gruft unter einer Kirche. Als sie stirbt, beginnt der Streit ums Erbe. Im Sarg liegend, bleibt ihre Leiche jahrelang im Flur ihres Hauses stehen …       -          im Winter, bei fürchterlicher Kälte, wird ein Missetäter gehenkt. Als man in der Nacht die Leiche vom Galgen nimmt, ist sie steif gefroren. In der warmen Stube kommt der Hingerichtete wieder zu sich …       -          Scharfrichter Stoeff soll einen Kopf abschlagen, doch er trifft schlecht, haut dem Verurteilten nur die Schädeldecke herunter …       -          der Vogt auf der Nordseeinsel Neuwerk, der gegen Seeräuber vorgehen soll, wird selbst zum Piraten. Mit seinen Knechten überfällt er ein Schiff, lässt die gesamte Besatzung töten und die Wertsachen rauben. Im Laderaum aber hatte sich ein junges Mädchen versteckt, das ans Ufer und nach Ritzebüttel gelangt. Durch sie erfährt der dortige Amtmann vom Vorfall. Es werden Bewaffnete ausgeschickt, um die Räuber dem Henker zuzuführen … Begebenheiten aus tausend Jahren hat Heß zusammengetragen und mit der Beschreibung der Örtlichkeiten verwoben. Jede von ihnen, gleichgültig ob kurz oder umfangreich, ist der Wirklichkeit entnommen. Die Geschichten ranken sich um altehrwürdige Gemäuer und ihre oft merkwürdigen Bewohner. Dazu gehören auch das Zuchthaus, die Verwahrorte für Arme und Waisen und der Krankenhof, wo Dahinsiechende, Wahnsinnige und Kranke untergebracht sind. Wie man seinerzeit mit diesen umging, lässt den heutigen Leser nicht kalt, so unvorstellbar ist manches. Die Informationen, die diese drei Bände enthalten, ersetzen eine ganze Bibliothek. Die Fülle der Fakten überwältigt, doch das Lesen bleibt ein kurzweiliges Vergnügen, bedingt durch den Schreibstil des Herrn von Heß. Dieser Stil war es, durch den er sich zur Goethezeit die Anerkennung der Literaturwelt erarbeitet hat. Der Text kommt unerwartet leicht daher, ist flüssig geschrieben und aufgelockert mit heiteren, ja witzigen Passagen. Nicht nur hier beweist Heß, dass man ihn als einen modernen Autor zu sehen hat. Sein Humor wirkt nie altbacken, auch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, er hätte Teile seines Werks für die heutige Zeit geschrieben.

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