Jonas T. Bengtsson Wie keiner sonst

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Inhaltsangabe zu „Wie keiner sonst“ von Jonas T. Bengtsson

Ein Roman, der tief unter die Haut gehtVater und Sohn. Gemeinsam führen sie einen Überlebenskampf am Rand der Gesellschaft. Immer wieder ziehen sie um, ein Leben wie auf der Flucht. Und doch fehlt es dem Jungen an wenig. Der Vater lehrt ihn nicht nur lesen, schreiben und rechnen, sondern erklärt ihm auch das Leben. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Sie vertrauen und lieben einander bedingungslos. Doch das scheinbar sorglose Dasein wird von einem folgenschweren Ereignis überschattet.

Sehr besonderer Schreibstil und Aufbau des Buches. Hat etwas Märchenhaftes.

— -Leselust-
-Leselust-

Sehr schön geschilderte Vater-Sog-Beziehung im ersten Teil des Buches. Der Rest bleibt stark dahinter zurück.

— Georgia
Georgia

Eine unaufgeregte Reise in schöne Worte gehüllt,bei der man Menschen und Orte kennenlernt.-Wenig spannend,etwas langatmig,aber gut erzählt.

— Esme--
Esme--

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  • Ein Buch wie ein Roadmovie

    Wie keiner sonst
    Esme--

    Esme--

    21. December 2014 um 15:05

    Inhalt: Vater und Sohn sind mit wenig Geld unterwegs, kompensieren dies aber mit großem Improvisationstalent. Sie Reisen von einem Ort zum anderen. Der Vater sucht sich Gelegenheitsjobs und lehrt den Sohn in Eigenverantwortung das, was eine Schule ihm bieten sollte. Ständig, wie auf der Flucht, lernen sie gute und schlechte Menschen kennen, lassen sie an sich heran und verlassen sie ohne Wehmut. Als sich irgendwann auch der Weg zwischen Vater und Sohn trennt, findet der Sohn seinen Halt in der Malerei; etwas, was ihn an den Vater erinnert. Sein Leben verläuft weiterhin ziel- und rastlos. Charaktere: Die Geschichte wird aus der Sicht des Sohnes erzählt. Er ist von Natur aus ruhig. Nicht nur, dass er wenig Gefühlsregungen zeigt, er ist auch kein Meister der vielen Worte. Stattdessen beherrscht er das Schweigen umso mehr. Er urteilt nicht über die Menschen, denen er begegnet; er wertet nicht. Stattdessen nimmt er sie so, wie sie sind. Der Vater ist ein wahrer Überlebenskünstler. Er versucht trotz wenig Geld, seinem Sohn alles zu bieten, was er sich wünscht. Erzählstil: Der Roman wird in einem ruhigem, unaufgeregtem Ton erzählt. Oftmals bleiben Erzählstränge offen. Vermutlich möchte der Autor damit zum Nachdenken und zum eigenen Interpretieren einladen. Als Zeitform hat der Autor die Gegenwartsform gewählt. Die Kapitel hält er mit oftmals nur drei Seiten relativ kurz. Jonas T. Bengtssons Roman lässt sich wohl am ehesten mit einem Roadmovie vergleichen. Der Leser reist mit den Protagonisten von einem Ort zum anderen. Er lernt Charaktere kennen und erhält keinerlei Wertung zu ihren Verhaltensweisen aufgedrängt. Vielmehr kann er sich seine eigene Meinung bilden und stellt vielleicht fest, dass ein erstmals fragwürdiger Mensch im weiteren Verlauf mit unerwartet positiven Zügen doch noch punkten kann. Die Reise, die Vater und Sohn machen, bleibt eine solche. Der Handlungsstrang ist entsprechend schwach. Hier gibt es kein Ziel oder keinen stabilen roten Faden, dem der Leser folgen darf. Kritiken: Auf dem Taschenbuch findet man verschiedene Romankritiken. Im Nachhinein empfand ich diese als irreführend. Der Roman hat den ansatzweisen Vergleich mit einem Thriller nicht verdient. Es gibt wenige Stellen, die aus der gleichmäßigen Ruhe ausbrechen. Wer Spannung sucht, der wird sie hier nicht finden. Auch die Aussage, dass die Vaterfigur eine der großartigsten Romancharaktere aller Zeiten darstellt, ist überspitzt. Der Vater versucht seinem Sohn alles zu ermöglichen. Er versucht durch das Leben zu kommen. Fazit: Auch wenn Jonas T. Bengtsson einen anschaulichen und intensiven Schreibstil pflegt, der dem Leser die Bilder nahezu vor die Augen zaubert, empfand ich seine Geschichte als sehr langatmig. Immer wieder lernt man neue Charaktere kennen, man reist von einem Ort zum anderen und ist nirgendwo zu Hause. Zwar animiert die Lektüre zum Nachdenken und zur Eigeninterpretation, doch oftmals landet man auch gerade durch die offenen Enden kurzzeitig in der Luft, bis man wieder Halt in der weiteren Reise des Hauptcharakters findet. Auch wenn man in der Mitte des Romans einen Wendepunkt als Leser erhält – nämlich den, dass Vater und Sohn voneinander getrennt werden -, so sucht man Aufruhr und Spannung in diesem Roman vergebens.

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  • zum Nachdenken geschrieben

    Wie keiner sonst
    andrea_strickliesel

    andrea_strickliesel

    05. June 2014 um 10:45

    Die Welt eines sieben jährigen Jungen, der nicht zur Schule geht und von seinem Vater groß gezogen wird, der sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser hält. Oft sind sie auf der Flucht, ziehen von einer "Wohnung" in die nächste. Auf der Flucht vor der "weißen Königin und ihren Männern". Der Vater nimmt was er braucht, erklärt dem Sohn, dass das nur rechtens sei. "Die hätten genug und könnten teilen." Der Vater unterrichtet den Jungen selber, bringt ihm schreiben und lesen,  französisch, Latein und Rechnen bei, beim einkaufen ohne Geld. Er geht mit ihm durch den Wald und bringt ihm die Welt bei. Dabei nimmt der Vater keine Rücksicht auf seinen Sohn, dem oft genug die Tränen kullern. Es gibt nichts, woran der Junge sich halten kann, ein unstetes Leben, keine Freunde, keine Familie. Ein typischer Satz: "Irgendwann haben wir aufgehört, an Dinge zu glauben, die wir nicht verstehen. Die feinen Nackenhaare sind uns aus gefallen, seit wir in den Städten wohnen."  Das Buch Der Text ist in der Ich-Form geschrieben. Der Junge erzählt seine Welt in kurzen Sätzen. Er bewertet nicht, beobachtet nur. Leidet leise vor sich hin, ohne dem Vater Vorwürfe zu machen. Auch später, als der Junge, pubertär bei seiner Mutter lebt, erzählt er von der beobachtenden Seite. Selbst im Erwachsenenalter, als er seinen Vater, bzw sein Vater ihn findet, erzählt er emotionslos.  Meine Meinung Ich habe über die Beurteilung dieses Buches lange nachgedacht.  Die Schreibweise von J. Bengtsson hat mich nicht unbedingt in Ihren Bann gezogen. Immer wieder habe ich mein Buch weggelegt und nachgedacht. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Absicht ist. Wir sollen nachdenken! Das Leben des kleinen Jungen ärgert, macht traurig. Da ist einer der alles für seinen Sohn tut. Aber nicht von der Welt verstanden wird. Immer wieder sind Beide auf der Flucht, verstecken sich vor Dingen, wie den "weißen Männern". Der Junge verarbeitet viel indem er zeichnet und malt. Verwirrende Bilder, grausame Bilder, die später in der Pubertät, Ärger einbringen.  Es ist ein Buch zum Nachdenken, zum selber interpretieren. Nichts wird vorgegeben, du bist frei mit deinen Gedanken...man könnte sagen, ein modernes Märchen!

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  • Konfus, interessant, rätselhaft und alles andere als vollkommen

    Wie keiner sonst
    Callso

    Callso

    22. October 2013 um 08:56

    Mit großen Erwartungen bin ich in das Buch gestartet, DIe Schreibstil des Autors ist schon gewöhnsbedürftig. Kurze Kapitel, viel Raum für Spekulation, vieles wird nur angedeutet. Autor Bengtsson deutet an und lässt den Leser häufig im Unklaren und lässt ihn rätseln. Gleichwohl: eine interessante Story, der man doch gerne folgen möchte. Aber vielfach kommt das Buch zu ruppig rüber. Die kurzen Kapitel wirken etwas emotionslos, etwas zu kühl. Manch Sprung in der Geschichte kommt auch etwas überraschend daher, eben auch weil die Charaktere nicht umfänglich beschrieben werden... Und der Autor lässt den Leser über die Motive im unklaren. Schade. Ein interessantes Buch, tolle Ansätze, etwas schwer umgesetzt und deswegen für mich nur bedingt zu empfehlen...

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  • Leserunde zu "Wie keiner sonst" von Jonas T. Bengtsson

    Wie keiner sonst
    KEIN & ABER Verlag

    KEIN & ABER Verlag

    Liebe Lovelybooks-Freunde! »Wie keiner sonst« ist die Geschichte einer ergreifenden Beziehung, über ein Band, das stärker ist als alles andere. Erzählt wird sie von einem der interessantesten Autoren der jungen dänischen Literatur. Mit seinem Vater lebt er am Rande der Gesellschaft. Warum er nicht zur Schule geht, keine Freunde hat und ständig umziehen muss, weiß der Junge nicht. Doch er weiß, dass es ihm an nichts mangelt, dass sein Vater ihn die wichtigen Dinge des Lebens lehrt, ihn beschützt und bedingungslos liebt. Zehn Jahre später: Etwas Unerklärliches ist vorgefallen, und der mittlerweile junge Mann schlägt sich nunmehr allein durch die Straßen von Kopenhagen. Allein, und doch immer begleitet von seinem Vater, von dessen Worten und Gedanken. Er fasst den Entschluss, die dunkle Vergangenheit des Vaters zu beleuchten, und begibt sich auf eine Reise, die ihn durch ganz Dänemark und schließlich nach Berlin führt. Warum ist sein Vater so, wie er ist? Und kann sein Sohn aus diesem Schatten heraustreten? Die klare und eindringliche Sprache von Jonas T. Bengtsson lässt Freiräume für mannigfaltigste Schattierungen entstehen. Eine bildstarke Geschichte, die ohne Sentimentalität auskommt und tief unter die Haut geht. Wir suchen 20 neugierige Leserinnen und Leser, die Lust haben, Bengtssons Roman zu lesen und eine Rezension zu schreiben. Hierfür verlosen wir Bücher inklusive eBook-Download, damit Ihr »Wie keiner sonst« klassisch gebunden oder praktisch auf Eurem Reader lesen könnt! Dazu beantwortet uns bis zum 10. März folgende Frage: Was verbindest Du mit Dänemark? Die Gewinner des Bengtsson-Pakets werden am 11. März an dieser Stelle bekannt gegeben! Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns auf die Leserunde! Euer Kein & Aber Team

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    • 371
  • Leben im Hier und Jetzt

    Wie keiner sonst
    Literatur

    Literatur

    25. April 2013 um 14:06

    Am Rande der Gesellschaft und immer auf der Flucht lebend wächst der Protagonist des Romans "Wie keiner sonst" bei seinem Vater auf. Seine Kindheit ist geprägt von Verzicht - dem Verzicht auf den Schulbesuch, dem Verzicht auf eine Mutter, Freunde und andere weitere zwischenmenschliche Bezugspersonen, dem Verzicht auf Konstanten und Kontinuität -, aber auch von einer außergewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung, einer intensiven Liebe und der lehreichen Schule des Lebens. Und letztere stellt die Vater-Sohn-Bindung auf eine explosive und geheimnisvolle Probe. Inhaltlich erinnerte mich der Roman lange Zeit an eine Patchworkarbeit: Jedes einzelne Teilchen fügt sich teils passend, teils originell in das große Ganze. Die schnellen und nicht immer nachvollziehbaren Entwicklungen der Handlung haben mich zunächst verwirrt, rückblickend fügt sich jedoch jede Szene, jede Beschreibung, jeder Gedanke in die große Patchworkdecke, wobei das zusammenfügen der einzelnen Elemente jedem Leser selbst überlassen bleibt. Zu Beginn erinnerte mich der Sprachstil und die Perspektive aus Sicht eines kleinen Jungen stark an den Roman "Raum" - sodass es mir zeitweise schwerfiel, mich bei der Lektüre von diesem Vergleich zu lösen. Erst im Verlauf konnte der Roman mich von seiner Einzigartigkeit und seinem individuellen Charme überzeugen. Sprachlich fand ich am Anfang den Stil sehr treffend aus der Perspektive des Kindes gewählt, allerdings hat sich der Stil meines Erachtens zu wenig an das Heranwachsen des Protagonisten angepasst. Jonas T. Bengtsson führt den Leser ein in die Welt aus Sicht eines naiven und besonderen Kindes, in die Welt eines liebenden und verzweifelten Vaters und in die Welt der Außenseiter, der von der Gesellschaft Verstoßenen und der menschlichen Abgründe. Es handelt sich um ein Leben ohne Perspektive, ein Leben im Hier und Jetzt, im Zufälligen und Unplanbaren. Und dennoch ist es das, was den Jungen glücklich zu machen scheint. Diese Momente fängt Bengtsson ohne Melancholie, ohne Wertung, ohne Emotionsgeladenheit auf, stellt wesentliche Fragen anstatt oberflächliche Antworten zu geben und erzeugt dadurch eine im positiven Sinne bestürzende Wirkung. "Wie keiner sonst" ist ein Roman, dessen Lektüre nicht mit der letzten Seite aufhört, sondern dessen Botschaft noch nachwirkt und zum erneuten Lesen anregt.

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  • Wie keiner sonst - Vater Sohn Geschichte

    Wie keiner sonst
    thursdaynext

    thursdaynext

    "Pro/Contra - eine kontroverse Diskussion" zwischen Rallus und Thursdaynext Unser Projekt des gemeinsamen Lesens und rezensierens, stieß wegen unterschiedlicher Meinungen plötzlich an Grenzen. Zu unterschiedlich waren die Eindrücke und Gefühle so dass wir uns entschlossen unsere kontroverse Unterhaltung in etwas ungewohnter Form, ABER zusammen zu veröffentlichen. 2 Personen. Ein Vater und sein 6 jähriger Sohn. Alleine. Warum sie so leben wissen wir nicht. Beide leben am Rande der Gesellschaft und haben eine ungewöhnliche Beziehung. Der Vater geht, verdient Geld, der Junge sorgt sich, malt und wartet. In einfachen Skizzen beschreibt Bengtsson, wirft uns hinein in eine Geschichte und treibt uns durch Nicht-Wissen zum Weiterlesen. Getrieben wie die Protagonisten, ein Leben ohne Glück, Wärme, annähernd emotionslos. Ein Leben außerhalb der Wärme einer Familie, beide haben nur sich. Der Vater versucht dem Jungen all das zu geben was er vermisst. Der erste Teil hat mich sehr mitgenommen, sei es die unterschiedlichen Stationen des Jungen, eine Schreinerei, wo der Junge lernt, Madenlöcher zu bohren um Möbel älter aussehen zu lassen, ein Striplokal, ein Theater. Der Junge spürt, dass er anders ist, weil er nicht zur Schule geht, keine gleichaltrigen Freunde hat, die Liebe und die fast symbiotische Art mit dem Vater zu leben, kompensiert dies. Vermischt wird dies mit märchenhaften Elementen die Bengtsson einbaut, der Vater versucht dem Jungen die Defizite des normalen Lebens auch durch Märchen zu erleichtern. R <=> T Ein sechsjähriger Junge. Ein Kind ohne Fröhlichkeit , Freude , Freunde. Introvertiert, still, brav, heimatlos.? Er fragt nicht viel, denkt umso mehr. Sammelt die Informationsbruchstücke zu seinem Leben, die ihm der Vater zukommen lässt, kommentarlos. Seine Wünsche und Hoffnungen sind bescheiden. Bleiben oft unausgesprochen. Er hinterfragt seinen Vater nicht. Widerspricht nicht. Vertraut. Liebt. Will ihm gefallen, ihn beschützen. Ein unerkanntes Gefängnis. Eine fast farblose Welt. Etwas geschieht, sein Vater und er ziehen mit einem Minimum an Ballast um. Immer wieder. Über seine Mutter weiß er, dass er ihr ähnelt. Sie war schön, sagt sein Vater. Nach einigen Jahren der Bruch. Der Vater ist fort. Er ist 16., lebt bei seiner Mutter, seinem Stiefvater, seiner Halbschwester. Verbirgt seine Intelligenz, fällt dennoch auf. Es gibt Ärger. Gleichzeitig verliebt er sich. Er lernt die Familie seines Vaters kennen. Forscht in der Vergangenheit. Findet wieder nur Bruchstücke, hässliche Puzzleteile. Immer mehr davon. Er kehrt nicht zurück. Beendet die Schule nicht. Taucht ab in der Parallelgesellschaft. Die Wandlung vom Kind zum Teenager der frei ist sich für sein Leben zu entscheiden war der Part des Romans in dem ich endlich losgelöst von Mitleid für dieses herumgestossenen Kind aufatmen konnte. Fand sie auch frischer erzählt. Leider nur kurz. Denn der aufmüpfige Teenager ist zu gefangen in seiner Geschichte um sich zu befreien. Der zweite Teil beginnt mit einem großen Jahressprung, der Junge lebt nun bei seiner Mutter, der Vater ist aus seinem Leben verschwunden. Nun hat er die familiäre Wärme, ein "normales" Leben, doch der Vater fehlt ihm, zu sehr hat er das "andere" Leben kennengelernt. Das Nomadensein seiner Kindheit verhindert eine feste Beziehung zu Frauen, Menschen, Freunde hat er nicht. Auch flieht er früh aus der Familie und sucht seine Wurzeln. Dieser Teil ist karg, spärlich bebildert, ziel- und orientierungslos auch für den Leser. R <=> T Erwachsen, beziehungsunfähig, ziellos, aussichtsreicher Anwärter auf die Auszeichnung; komplizierter, geheimnisumwitterter Liebhaber , hält er sich mit Hiwi Jobs über Wasser, getrieben von vererbter oder sozialisationsbedingten Heimatlosigkeit. Seine Liebe, zu seinem Vater, abgesehen von der Malerei zu der es ihn drängt, die einzige Konstante in seinem Leben. Eine fast symbiotische Beziehung, der Vater prägt den Jungen für sein ganzes Leben, er gibt ihm all die Liebe die er hat, kann aber den Verlust nicht verhindern und scheitert an seiner eigenen Situation, an der Flucht vor seinem Leben. R <=> T Die Beziehung ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Fast alles bleibt unausgesprochen, ungefragt. Für mich kaum vorstellbar, dass ein Kind dieses Alters sich damit zufrieden gibt. Jeder hat, nach Ansicht des Vaters, das Recht auf Geheimnisse. Es gibt beiderseitige zurückhaltende Zärtlichkeit, Liebe, Fürsorge. Geistigen Input in Form von Museumsbesuchen, oder väterlichen Kommentaren zur Weltsicht. Weniger scheint diesen zu interessieren was sein Sohn denkt. Klassische Schulbildung verweigert er ihm. Ein Team gegen den Rest der Welt. Sie leben im Jetzt. Früher gibt es nicht, nur lautes SCHWEIGEN. trägt die Beziehung. Später klassische Fürsorgeumkehr. Der Sohn übernimmt die verantwortliche Rolle. Sprache & Stil Direkt, karg, spärlich, aber im ersten Teil auch märchenhaft, mit wunderschönen Bildern, Hoffnung, im zweiten Teil wie eine Reise durch eine verlassene Industrielandschaft zerrissen, kaputt, einsam. R <=> T Lakonisch , prägnant mit Unmengen Subtext, der viel Interpretationsspielraum lässt. Sehr kleine, versteckte Satzperlen „ Der Wind raucht meine Zigarette. Regentropfen drohen sie zu löschen.“ vermitteln den Eindruck, dass der Autor durchaus lebendiger, detailreicher erzählen könnte, sich aber aus künstlerischer Intention zurückhält und so die im Roman vorherrschende Tristesse verstärkt. Fazit: Ich war etwas zwiegespalten ob den verschiedenen Teilen und dem enttäuschten Ende, doch die nachfolgenden Diskussionen und Gedanken, eigene Jugenderlebnisse, Gefühlen zu Eltern, Kindern, haben mich entschädigt. Ein Buch was soviel auslöst ist wichtig! Auch wenn mir vieles unklar war, was der Autor nun gemeint hat und mir die Aufklärung einfach zu wenig gab, hat er mir doch durch die Vermischung von märchenhaften Szenen und karger Rand-Sozialdarstellung etwas gegeben. Auch die Diskussion mit meiner Mitrezensentin war aufregend und kontrovers. Ein Buch der Extreme und des Diskurs, es lässt einen jedenfalls nicht gleichgültig zurück. R <=> T Sprache, Stil, die gesamte die gesamte Dramaturgie des Buches fußt auf den zuhauf verstreuten losen Erzählfäden die sich im Nichts verlieren und schlussendlich nicht aufgelöst werden. Am Ende des Buches kam ich mir wie ein Esel vor, dem man die Karotte vor der Nase, die ihn zum Laufen treibt, auf immer vorenthält. Dieser Esel ist verärgert! Bengtsson hätte die Handlung zu einer Kurzgeschichte verdichten können anstatt den Plot, mit wenig Poesie, in epischer Breite zu strecken. Kurzgeschichtenverschmäher wie ich hätten sich dann womöglich nicht auf das Buch eingelassen. Aber die Liebhaber, depressionsverhafteter, humorfreier skandinavischer Literatur wären immer noch auf ihre Kosten gekommen. Die Atmosphäre des Lebens am Rande der Gesellschaft ist gelungen inszeniert. Dennoch. Für mich ein farbloser, ermüdender Roman über die Negierung des Glücks auf den ich gut verzichten hätte können. Die anschliessende Diskussion hingegen verschafft ihm den wohlwollenden zweiten Stern.

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    • 2
  • Pro/Contra - eine kontroverse Diskussion

    Wie keiner sonst
    rallus

    rallus

    22. April 2013 um 15:36

    Pro/Contra - eine kontroverse Diskussion zwischen Thursdaynext und Rallus Unser Projekt des gemeinsamen Lesens und rezensierens, stieß wegen unterschiedlicher Meinungen plötzlich an Grenzen. Zu unterschiedlich waren die Eindrücke und Gefühle so dass wir uns entschlossen unsere kontroverse Unterhaltung in etwas ungewohnter Form, ABER zusammen zu veröffentlichen. 2 Personen. Ein Vater und sein 6 jähriger Sohn. Alleine. Warum sie so leben wissen wir nicht. Beide leben am Rande der Gesellschaft und haben eine ungewöhnliche Beziehung. Der Vater geht, verdient Geld, der Junge sorgt sich, malt und wartet. In einfachen Skizzen beschreibt Bengtsson, wirft uns hinein in eine Geschichte und treibt uns durch Nicht-Wissen zum Weiterlesen. Getrieben wie die Protagonisten, ein Leben ohne Glück, Wärme, annähernd emotionslos. Ein Leben außerhalb der Wärme einer Familie, beide haben nur sich. Der Vater versucht dem Jungen all das zu geben was er vermisst. Der erste Teil hat mich sehr mitgenommen, sei es die unterschiedlichen Stationen des Jungen, eine Schreinerei, wo der Junge lernt, Madenlöcher zu bohren um Möbel älter aussehen zu lassen, ein Striplokal, ein Theater. Der Junge spürt, dass er anders ist, weil er nicht zur Schule geht, keine gleichaltrigen Freunde hat, die Liebe und die fast symbiotische Art mit dem Vater zu leben, kompensiert dies. Vermischt wird dies mit märchenhaften Elementen die Bengtsson einbaut, der Vater versucht dem Jungen die Defizite des normalen Lebens auch durch Märchen zu erleichtern. R <=> T Ein sechsjähriger Junge. Ein Kind ohne Fröhlichkeit , Freude , Freunde. Introvertiert, still, brav, heimatlos.? Er fragt nicht viel, denkt umso mehr. Sammelt die Informationsbruchstücke zu seinem Leben, die ihm der Vater zukommen lässt, kommentarlos. Seine Wünsche und Hoffnungen sind bescheiden. Bleiben oft unausgesprochen. Er hinterfragt seinen Vater nicht. Widerspricht nicht. Vertraut. Liebt. Will ihm gefallen, ihn beschützen. Ein unerkanntes Gefängnis. Eine fast farblose Welt. Etwas geschieht, sein Vater und er ziehen mit einem Minimum an Ballast um. Immer wieder. Über seine Mutter weiß er, dass er ihr ähnelt. Sie war schön, sagt sein Vater. Nach einigen Jahren der Bruch. Der Vater ist fort. Er ist 16., lebt bei seiner Mutter, seinem Stiefvater, seiner Halbschwester. Verbirgt seine Intelligenz, fällt dennoch auf. Es gibt Ärger. Gleichzeitig verliebt er sich. Er lernt die Familie seines Vaters kennen. Forscht in der Vergangenheit. Findet wieder nur Bruchstücke, hässliche Puzzleteile. Immer mehr davon. Er kehrt nicht zurück. Beendet die Schule nicht. Taucht ab in der Parallelgesellschaft. Die Wandlung vom Kind zum Teenager der frei ist sich für sein Leben zu entscheiden war der Part des Romans in dem ich endlich losgelöst von Mitleid für dieses herumgestossenen Kind aufatmen konnte. Fand sie auch frischer erzählt. Leider nur kurz. Denn der aufmüpfige Teenager ist zu gefangen in seiner Geschichte um sich zu befreien. Der zweite Teil beginnt mit einem großen Jahressprung, der Junge lebt nun bei seiner Mutter, der Vater ist aus seinem Leben verschwunden. Nun hat er die familiäre Wärme, ein "normales" Leben, doch der Vater fehlt ihm, zu sehr hat er das "andere" Leben kennengelernt. Das Nomadensein seiner Kindheit verhindert eine feste Beziehung zu Frauen, Menschen, Freunde hat er nicht. Auch flieht er früh aus der Familie und sucht seine Wurzeln. Dieser Teil ist karg, spärlich bebildert, ziel- und orientierungslos auch für den Leser. R <=> T Erwachsen, beziehungsunfähig, ziellos, aussichtsreicher Anwärter auf die Auszeichnung; komplizierter, geheimnisumwitterter Liebhaber , hält er sich mit Hiwi Jobs über Wasser, getrieben von vererbter oder sozialisationsbedingten Heimatlosigkeit. Seine Liebe, zu seinem Vater, abgesehen von der Malerei zu der es ihn drängt, die einzige Konstante in seinem Leben. Eine fast symbiotische Beziehung, der Vater prägt den Jungen für sein ganzes Leben, er gibt ihm all die Liebe die er hat, kann aber den Verlust nicht verhindern und scheitert an seiner eigenen Situation, an der Flucht vor seinem Leben. R <=> T Die Beziehung ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Fast alles bleibt unausgesprochen, ungefragt. Für mich kaum vorstellbar, dass ein Kind dieses Alters sich damit zufrieden gibt. Jeder hat, nach Ansicht des Vaters, das Recht auf Geheimnisse. Es gibt beiderseitige zurückhaltende Zärtlichkeit, Liebe, Fürsorge. Geistigen Input in Form von Museumsbesuchen, oder väterlichen Kommentaren zur Weltsicht. Weniger scheint diesen zu interessieren was sein Sohn denkt. Klassische Schulbildung verweigert er ihm. Ein Team gegen den Rest der Welt. Sie leben im Jetzt. Früher gibt es nicht, nur lautes SCHWEIGEN. trägt die Beziehung. Später klassische Fürsorgeumkehr. Der Sohn übernimmt die verantwortliche Rolle. Sprache & Stil Direkt, karg, spärlich, aber im ersten Teil auch märchenhaft, mit wunderschönen Bildern, Hoffnung, im zweiten Teil wie eine Reise durch eine verlassene Industrielandschaft zerrissen, kaputt, einsam. R <=> T Lakonisch , prägnant mit Unmengen Subtext, der viel Interpretationsspielraum lässt. Sehr kleine, versteckte Satzperlen „ Der Wind raucht meine Zigarette. Regentropfen drohen sie zu löschen.“ vermitteln den Eindruck, dass der Autor durchaus lebendiger, detailreicher erzählen könnte, sich aber aus künstlerischer Intention zurückhält und so die im Roman vorherrschende Tristesse verstärkt. Fazit: Ich war etwas zwiegespalten ob den verschiedenen Teilen und dem enttäuschten Ende, doch die nachfolgenden Diskussionen und Gedanken, eigene Jugenderlebnisse, Gefühlen zu Eltern, Kindern, haben mich entschädigt. Ein Buch was soviel auslöst ist wichtig! Auch wenn mir vieles unklar war, was der Autor nun gemeint hat und mir die Aufklärung einfach zu wenig gab, hat er mir doch durch die Vermischung von märchenhaften Szenen und karger Rand-Sozialdarstellung etwas gegeben. Auch die Diskussion mit meiner Mitrezensentin war aufregend und kontrovers. Ein Buch der Extreme und des Diskurs, es lässt einen jedenfalls nicht gleichgültig zurück. R <=> T Sprache, Stil, die gesamte die gesamte Dramaturgie des Buches fußt auf den zuhauf verstreuten losen Erzählfäden die sich im Nichts verlieren und schlussendlich nicht aufgelöst werden. Am Ende des Buches kam ich mir wie ein Esel vor, dem man die Karotte vor der Nase, die ihn zum Laufen treibt, auf immer vorenthält. Dieser Esel ist verärgert! Bengtsson hätte die Handlung zu einer Kurzgeschichte verdichten können anstatt den Plot, mit wenig Poesie, in epischer Breite zu strecken. Kurzgeschichtenverschmäher wie ich hätten sich dann womöglich nicht auf das Buch eingelassen. Aber die Liebhaber, depressionsverhafteter, humorfreier skandinavischer Literatur wären immer noch auf ihre Kosten gekommen. Die Atmosphäre des Lebens am Rande der Gesellschaft ist gelungen inszeniert. Dennoch. Für mich ein farbloser, ermüdender Roman über die Negierung des Glücks auf den ich gut verzichten hätte können. Die anschliessende Diskussion hingegen verschafft ihm den wohlwollenden zweiten Stern.

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  • Ein anderes Märchen

    Wie keiner sonst
    Buchina

    Buchina

    17. April 2013 um 18:37

    Dies ist mein erster Roman von Jonas T. Bengtsson und wahrscheinlich nicht mein letzter. Eine Vater-Sohn-Geschichte aus Sicht des Sohnes erzählt. Vater und Sohn ziehen immer wieder um, der Sohn darf nicht zur Schule, warum und weshalb wird nicht geklärt. Auch das Verbleiben der Mutter wird mit keinem Wort erwähnt. Trotz des unsteten Lebens oder gerade deshalb haben Vater und Sohn ein sehr liebevolles Verhältnis zueinander, wobei manchmal die Grenzen verschwimmen, wer auf wen aufpasst. Gekonnt wiedersetzen sie sich den gesellschaftlichen Konventionen, in dem sie sich von allem offiziellem Ballast befreit haben.  Das führt natürlich auch dazu, dass der Vater keine regulären Jobs annehmen kann. Er findet aber immer wieder Arbeit, die sie über Wasser hält. So lernen sie auch andere besondere Menschen kennen. Plötzlich ändert ein Ereignis alles. Jahre später ist aus dem Jungen ein junger Mann geworden, der nach Antworten bezüglich seiner Vergangenheit sucht.   Jonas T. Bengtsson schafft es mit seiner Sprache ein modernes Märchen mit sozialkritischem Hintergrund. Dabei deutet er viel an, aber spricht es nicht aus. Das lässt dem Leser Raum für eigene Vorstellungen und Gedanken. Trotz der kurzen Sätze und der zum Teil emotionslosen Sprache war ich sofort von dem Buch und seiner Charaktere gefangen. Den ersten Teil des Romans habe ich förmlich verschlungen. Leider kann Bengtsson diese Spannung und Mitgerissenheit im zweiten Teil nicht ganz halten. Viele Fragen sind für mich offen geblieben, was ich persönlich schade fand. Aber dennoch ein Buch, was ich unbedingt empfehlen möchte.  

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  • Eine ruehrende Geschichte

    Wie keiner sonst
    Jarven

    Jarven

    15. April 2013 um 10:43

    In “Wie keiner sonst” geht es um einen Jungen, der  bei seinem Vater lebt.  Sie scheinen keinen Namen zu haben und auf der Flucht zu sein. Der Junge lebt alleine mit seinem Vater und ist vom Sozialleben, das Kinder in seinem alter normalerweise fuehren, abgekapselt. Er besucht keine Schule und wird statt dessen von seinem Vater unterrichtet. Dieser lehrt ihm nich nur lesen, schreiben und rechnen sondern auch das Leben und, wie eine Gesellschaft funktioniert.  Der Vater legt auch grossen Wert auf mitlerweile vergessene Dinge, wie zum Beispiel das Sehen bzw. die Welt und die Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind. Das bringt er ihm auch anschauliche Weise bei. Die beidensind ein eingespieltes Team. Sie vertrauen einander  und lieben einander bedingungslos.   Sie muessen oft umziehen, aber der Vater  ist in der Lage immer einen Job zu finden. Bis dieser einen Fehler mit schwerwiegenden Folgen begeht . Darauf folgt ein Zeitsprung von ca 10 Jahren.  Der Junge lebt bei seiner Mutter und deren Mann. Er hat nun eine kleine Schwester und geht zur Schule. Quasi ein Leben, welches er sich frueher immer gewuenscht hatte.  Aber er hat sich entwickelt und ist zu etwas herangewachsen, was man schwer erziehbarer Teenager nennt.  Er kifft und ist kurz davor von der Schule zu fliegen. Als er eines Tages seine Oma und Familie von seinem Vater besucht, wird ihm klar, dass er nicht mehr dieses Leben fuehren will und faehrt nach Kopenhagen auf die Suche nach seiner eigenen Persoehnlichkeit und dem Versuch seinen Vater zu verstehen. Dort beginnt dann sein Weg… Meiner Meinung nach ist “Wie keiner sonst”  ein atemberaubenes  Buch. Es ist toll geschrieben und zieht einen in seinen Bann. Man fuehlt mit mit dem kleinen Jungen, der sich so sehr ein blaues Fahrrad wuenscht und zur Schule gehen will.  Er ist gekenntzeichnet durch das staendige Umziehen, die Lehren von seinem Vater und dessen Geschichten, die von einer Koenigen Handeln, die sie toeten muessen. Man versucht die ganze Zeit zu verstehen, warum der  Vater staendig umziehen muss und nur als Schwarzarbeiter arbeiten kann.  Ein Teil seiner Vergangenheit wird immer nur Haeppchenweise geliefert. Ich finde es schade, dass seine Vergangenheit nicht vollstaendig aufgeklaert wird, weil mich das schon sehr interessiert haette.  Alles in einem ist das Buch toll. Es erzaehlt von einer Vater und Sohn  Beziehung, die es glaube ich nicht haeufig auf der Welt giebt. Ich finde, dass jeder unbedingt dieses Buch lesen sollte.

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  • Für die Verwundeten und Unangepassten

    Wie keiner sonst
    alasca

    alasca

    11. April 2013 um 12:31

    Ode an die Unangepassten Ein Vater ist mit seinem sechsjährigen Sohn auf der Flucht, immer wieder müssen sie an einem anderen Ort neu anfangen. Der Junge ist ein aufgewecktes Kind, das sich die Welt mit seinem Zeichenstift zu eigen macht; er ersetzt ihm Freunde und Schulkameraden. Wenn sein Vertrauen in den Vater auch grenzenlos ist, merkt er doch, dass ihr Leben anders ist und stellt ihm Fragen. Zur Erklärung erfindet der Vater das Märchen von der Weißen Königin – hier haben wir den Bezug zum Originaltitel. Aber die Ähnlichkeit mit einem Märchen ist nur oberflächlich: Es ist ein trauriges Drama, das hier in 3 Teilen – oder Akten – erzählt wird. Am Ende des ersten Teils tut der Vater etwas, das dem gemeinsamen Leben ein abruptes Ende setzt. Anders als meine Mitrezensenten lese ich dieses Buch nicht in erster Linie als eines über eine liebevolle Vater-Sohn-Beziehung oder einen idealistischen Aussteiger, der seinen Sohn das richtige „Sehen“ lehrt. Das ist es auch, aber nicht nur. Für mich ist dies eher ein Buch über die Deformierungen, die Kindern von ihren Eltern zugefügt werden und von denen sie, wenn überhaupt, nur schwer genesen. Vor allem ist dies, wie schon „Aminas Briefe“, ein Buch über Menschen, die die Anpassung an die geltende Norm der Gesellschaft nicht leisten können. Auch der Junge ist so eine Figur: Durch sein Vagabundenleben mit dem Vater geprägt, findet er später seinen Platz im bürgerlichen Leben nicht; er hält an der Außenseiterrolle fest. Auch wenn er als Erwachsener die Gründe für das Verhalten seines Vaters verstanden hat, verhindert die ständige Wachsamkeit seiner Kindheit, dass er vertrauen oder sich öffnen kann. Die einzige Konstante in seinem Leben bleibt das Zeichnen, später die Malerei. Sobald seine Beziehungen Tiefe bekommen, muss er wieder fliehen und setzt so die Lebensweise seines Vaters fort. Dabei ist seine Liebe zu ihm unverbrüchlich; er ist und bleibt für ihn „wie keiner sonst“. Sein Handeln am Schluss ist gleichzeitig ein Akt der Liebe und der Selbstbefreiung, mit dem er auch für sich ein Stück Handlungsfreiheit jenseits des ererbten Musters zurückgewinnt. So etwas wie Hoffnung kommt auf. Bengtssons Art der Schilderung lässt viel Raum zwischen den Zeilen. Vieles muss der Leser sich selbst denken. Das könnte zusammenhanglos wirken, erzeugt aber im Gegenteil Tiefe und Dichte. Meisterhaft ist Bengtssons Schilderung aus dem jeweiligen Lebensalter des Jungen in der Ich-Form, sein Stil ist dabei knapp und scheinbar einfach, so dass bei aller Nähe keine Sentimentalität aufkommt. Trotzdem ist es ein anrührendes, ja aufwühlendes Buch, das zum Verständnis für die Unangepassten unserer Gesellschaft einlädt. Unbedingte Leseempfehlung.

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  • Ein außergewöhnliches Leben!!

    Wie keiner sonst
    Xirxe

    Xirxe

    09. April 2013 um 14:07

    Ein kleiner Junge erzählt von seinem gemeinsamen Leben mit seinem Vater. Es ist nicht einfach, dieses Leben, weder für den Jungen noch für den Vater. Ständige Umzüge, immer wieder drastischer Geldmangel - aber der Junge ist trotzdem glücklich, denn er liebt seinen Vater über alle Maßen. Und wird von ihm ebenso geliebt. Doch dann passiert etwas Unvorstellbares - und alles ändert sich. Es ist ein Geheimnis um den Vater, der vor wem auch immer auf der Flucht zu sein scheint. Als der Junge alt genug ist, macht er sich auf dieses Geheimnis zu lösen und damit auch seinen eigenen Weg zu finden. Ein ungewöhnliches Leben wird hier erzählt: Der Vater ist anspruchslos, ausreichend zu Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf ist genug. Dafür ist er unabhängig, niemandem verpflichtet außer seinem Sohn. Trotz seiner außerordentlichen Fähigkeiten ist er sich für keine Arbeit zu schade, aber wenn es ihm nicht passt, geht er. Frei von jeglichem Konsumterror leben beide oft in überaus ärmlichen Verhältnissen, doch der Vater lehrt seinen Jungen, dass dies kein Mangel ist. Sie haben sich und das Leben und sind frei, zu tun was sie wollen. Der Roman wird vollständig aus der Sicht des Jungen erzählt, beginnend im Alter von sechs Jahren. Es sind recht kurze Abschnitte, meist nur zwei bis vier Seiten lang, die Momente, Situationen, Ereignisse schildern, die sich dem Jungen eingeprägt haben. Die Sprache ist kindgerecht, ohne jedoch jemals kindisch oder einfältig zu werden und so entsteht ein Gefühlt der Unmittelbarkeit, als ob man dem Jungen direkt zuhören würde. Je älter der Junge wird, umso erwachsener wird auch seine Sprache, aber das geschieht so unauffällig, dass es kaum auffällt. Ein sehr eindringlicher Roman, der vieles in der Schwebe lässt, dafür aber den eigenen Gedanken und Vorstellungen genügend Möglichkeiten bietet. Oder vielleicht auch einer Fortsetzung…

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  • Vater-Sohn-Beziehung

    Wie keiner sonst
    passionelibro

    passionelibro

    Jona T. Bengtsson erzählt mit seinem Roman "Wie keiner sonst", der im Kein & Aber Verlag erschienen ist, die Geschichte eines Vaters, der eine sehr enge Beziehung zu seinem Sohn hat. Die Geschichte beginnt im Jahr 1986, der Junge ist gerade 6 Jahre alt, als Olof Palme erschossen wurde. Sie leben wie in einer Blase am Rande der Gesellschaft – der Junge geht nicht in die Schule, der Vater bestreitet ihren Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten und charismatischer Überzeugungsarbeit und sie ziehen alle paar Monate weiter. Ihr Eigentum passt in den Kofferraum eines Autos, aber den Jungen stört es nicht, denn sein Vater liebt ihn, umsorgt ihn und erzählt immer wieder eine Geschichte, ein Märchen, dass er mit der Realität verknüpft. Außerdem vermittelt er ihm nicht nur das Wissen, was er auf einer Schule lernen würde, sondern gleichzeitig auch die wichtigen Dinge des Lebens. Der Junge entdeckt seine große Leidenschaft, das Malen. Diese Leidenschaft wird ihn auf seinem Lebensweg begleiten. Zehn Jahre später sind Vater und Sohn getrennt und der Junge wurschtelt sich doch das Leben, letztendlich wird er in Berlin landen und dort, vielleicht, seinen Durchbruch als Maler erleben. Dadurch, dass das Buch aus Sicht des Jungen geschrieben wird, erlebt der Leser das Älterwerden und das Verstehen der Welt auf einfühlsame Weise und aus Sicht des Jungen ohne kindisch oder platt zu wirken. Das Buch erzählt in kurzen Sätzen, unaufgeregt das Leben zweier Außenseiter, die durch ein starkes Band verknüpft sind, dass bis in den Tod halten wird.

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    • 2
  • Bedrückend, berührend, begeisternd

    Wie keiner sonst
    Lilli33

    Lilli33

    04. April 2013 um 18:53

    Inhalt: Dänemark,1986-1989. Zu  Beginn des Romans ist der Junge 7 Jahre alt. Er lebt mit seinem Vater meist am unteren Rand der Gesellschaft. Ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und gegenseitige unbedingte Liebe, das reicht, um glücklich zu sein. Sie leben in ihrer eigenen kleinen Welt, lassen die anderen nur so weit an sich heran, wie es unbedingt notwendig ist zum Überleben. Immer wieder ziehen sie um, fangen irgendwo, wo sie keiner kennt, neu an. Der Junge geht nicht zur Schule. Der Vater unterrichtet ihn. Er lehrt ihn Lesen, Rechnen, Deutsch und Latein, Geschichte und Religion. Er lehrt ihn, Dinge zu sehen, die sonst keiner sieht. Der Sohn ist sein Ein und Alles, und umgekehrt. Nichts kann ihre innige Zuneigung erschüttern. Oder?   Dänemark, Berlin, 1996-2000. Der Junge ist auf sich allein gestellt. Seine äußeren Lebensumstände sind weit angenehmer als in seiner Kindheit, doch glücklicher ist er nicht. Er macht sich auf den Weg, das Geheimnis um seinen Vater und dessen Familie aufzudecken.   Meine Meinung: Der Junge fungiert als Ich-Erzähler, wobei die Komplexität der Sprache jeweils dem Alter des Kindes bzw. später des jungen Mannes angepasst ist. Doch keine Angst! Es wirkt zu keiner Zeit kindisch oder trivial. Naturgemäß bekommt der Junge durch diese Erzählweise die größte Tiefe von allen Personen. Der Leser weiß nicht mehr als er.   Jonas T. Bengtsson ist ein ganz außergewöhnlicher Erzähler. Mit knappen Worten und kurzen Sätzen versteht er es auf geniale Weise, nachhaltige Bilder im Kopf seiner Leser entstehen zu lassen. Seine Sprache ist schnörkellos und präzise, jedes Wort ein Treffer. Die Atmosphäre wirkt anfangs noch hoffnungsvoll, entwickelt sich aber immer bedrückender und erscheint dabei so echt, dass einem manchmal die Luft wegbleibt. Schon bald spürt man, dass die Handlung bei aller Liebe zwischen Vater und Sohn auf eine Katastrophe zuläuft. Die Frage ist nur, wann etwas passieren wird und was. Geschickt deutet Bengtsson Details an, ohne zu sagen, was genau geschieht. Dies bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, auch wenn man in der Regel doch eine ganz klare Vorstellung davon hat, was gemeint sein könnte. Sicher kann man sich nicht sein. Dies zieht der Autor bis zum Schluss durch, sodass man als Leser noch lange darüber grübeln kann, was eigentlich passiert ist. Das mag nicht jedermanns Geschmack treffen – ich finde es in diesem Fall klasse!   Fazit: Ein einzigartiges Buch, einzigartig gut!

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  • Wie keiner sonst...

    Wie keiner sonst
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. April 2013 um 11:14

    Wie keiner sonst … bringt der Vater seinen Sohn durch die Welt. Sie sind arm, aber nie obdachlos und ohne Essen. Sie ziehen dauernd um und irgendwann merkt der kleine Junge, dass dies an einem Geheimnis liegt, das der Vater schon lange mit sich herum trägt. Doch was verbirgt er und warum führt das dazu, dass der Junge kein normales Leben führen darf? Er würde gerne zur Schule gehen und Freunde kennen lernen, stattdessen wird er von seinem Vater über die Kuriositäten der Welt unterrichtet, lernt immer wieder Menschen kennen, die mit der normalen Welt abgeschlossen haben und so komisch und verwirrend sind, wie der Vater am Anfang der Geschichte und der Sohn am Ende, als er zu einem jungen Mann heranwächst. Um hinter das Geheimnis seines Lebens zu kommen, reist er quer durch Dänemark und Deutschland. Dabei lernt er endlich den Rest seiner Familie kennen, nur hilft ihm das eher nicht bei der Lösung. Alles wird nur verwirrender und noch schwerer begreifbar. Er flieht vor seiner Familie und vor sich selbst, doch entkommt er nie so ganz seiner Vergangenheit und seinem Vater, zu dem er schon längst keinen Kontakt mehr hat. Ein Buch, das mit seiner großen Einfachheit fesseln und berühren kann. Nur das Ende ist eben nicht das, was ich erwartet habe. Und leider hat mich das Unerwartete enttäuscht. Zum Ende hin stumpft die ganze Geschichte ab und das Gefesseltsein lässt dramatisch nach. Langeweile schleicht sich ein. Sprachlich gesehen ist das Buch aber hervorragend und sieht man vom Ende, dass mir nicht gefallen hat, ist es ein großartiges Buch.

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  • Ein Vater & sein Sohn - Immer wie auf einer Flucht

    Wie keiner sonst
    Lese-Krissi

    Lese-Krissi

    01. April 2013 um 11:36

    **Inhalt** Das Buch "Wie keiner sonst" von Jonas T. Bengtsson handelt von einem Vater, der mit seinem kleinem Sohn in Dänemark ständig umzieht. Der Junge geht in keine Schule und wird nur vom Vater "unterrichtet". Der Vater scheint etwas dagegen zu haben, dass sein Sohn in die Schule geht. Sie werden nicht sesshaft. Irgendetwas passiert und der Vater nimmt alle nötigen Sachen und wieder gibt es einen Umzug. Der Junge malt gerne und eines Tages verkaufen sie auch eines seiner Bilder. Nach einem seltsamen und grausamen Vorfall verändert sich die Lebensgewohnheit für den Jungen. Es gibt einen Zeitsprung und plötzlich lebt er nicht mehr mit seinem Vater zusammen. Er lebt bei seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner Halbschwester. Außerdem geht er nun zur Schule. Doch er scheint nicht unbedingt glücklicher zu sein. Wird er seinen Vater wiederfinden und erfahren, weshalb sie so gelebt haben? Wird er seine Leidenschaft zum Malen wiederfinden? **Meine Meinung** Dieses Buch war vom Stil mal etwas anderes, als das was ich in letzter Zeit so gelesen habe. Der Schreibstil ist schon ganz anders. Zwar wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht des Jungen geschrieben. Doch viele Dinge bleiben im Verborgenen. Man erfährt nicht den richtigen Namen des Jungen und auch nicht die Gründe für manche Sachen, die im Roman passieren. Ich konnte dadurch das Buch nicht in einem Stück lesen und brauchte immer wieder mal eine Pause. Es gibt Situationen im Buch, da konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Der Junge hat kein wirklich schönes Leben. Er wird von einer Wohnung in die nächste mitgeschleppt, geht nicht zur Schule, obwohl er mehrfach den Wunsch äußert. Sein Vater benimmt sich sehr seltsam. Man kann ein ungutes Gefühl bekommen bei manchen Stellen im Buch. Das spricht aber eigentlich auch wieder für den Schreibstil des Autors. Er kann trotz kurzer Sätze den Eindruck einer berührender Geschichte erwecken. Doch ich hätte gerne das Gefühl gehabt das Buch nicht hin und wieder weglegen zu müssen. Es hat mich leider nicht so gefesselt, wie andere Leser. Vom Ende hätte ich auch etwas mehr erwartet. Ich dachte, Fragen die offen waren, würden geklärt werden. Das war leider etwas zu wenig für mich. So wie das Buch endet, könnte es vielleicht sogar eine Fortsetzung geben. Es ist ein offenes Ende, finde ich. Gut fand ich, dass die Kapitel nicht zu lang waren. So klappte es doch hin und wieder, dass ich weiter gelesen habe, weil ich dachte, die zwei Seiten lese ich jetzt auch noch ;-). Interessant war, dass man das Leben des Jungen mitverfolgen konnte. Erst ist er 6 oder 7 Jahre alt. Dann gibt es einen Zeitsprung und man erlebt ihn im Alter zwischen 16 und 20 Jahre. Zu den Hauptpersonen fand ich nicht so den Draht. Sie handelten anders als ich erhofft hätte. (Ich bin halt ein Happy-End-Liebhaber ;-)). Aber ich will auch positives schreiben. Ich finde, der Autor hat eine interessante Geschichte erschaffen. Das Buch ist halt anders als viele andere. Und so auch eher einzigartig (behaupte ich jetzt mal, da ich nicht oft solche Bücher in diesem Stil lese)... Ich finde, Jonas T. Bengtsson hat die Regionen, wo das Buch spielt auch gut beschrieben. Dadurch das ich in Kopenhagen schon einmal war, kamen mir einige Standorten wie der Nyhavn und das Tivoli nicht unbekannt vor. Auch Berlin hat er gut beschrieben. **Mein Fazit** Ich gebe dem Buch drei Sterne, da man erst einmal auf so eine Geschichte kommen muss. Es ist anders als viele andere Bücher. Ich bedanke mich, dass ich an der Leserunde teilhaben durfte und das Buch gewonnen habe :-). Darüber habe ich mich sehr gefreut!

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