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Tatjana92

vor 1 Jahr

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In "Die Zelle" geht es um Sammy, einen elfjährigen Jungen, der mit seiner Familie nach Berlin in eine Jugendstil-Villa zieht. Beim Spielen im Luftschutzbunker entdeckt er eine Zelle, ausgekleidet mit Gummifolie, in der ein Mädchen eingesperrt ist. Nur durch ein kleines Guckloch kann er sie sehen und nimmt mit ihr Kontakt auf. Als am nächsten Tag die Zelle leer ist und das Mädchen verschwunden, ist für ihn klar, dass sein Vater dahintersteckt.

Das Buch wird dem Thriller zugeordnet, kann aber meiner Meinung nach auch schon als Psycho-Thriller mit leichten Horror-Zügen durchgehen. Es wird aus der Perspektive des elfjährigen Sammy erzählt, der den Leser ziemlich gut in seine doch kindliche, stellenweise aber - gerade für sein Alter- erwachsene Gedankenwelt mitnimmt. Nachdem Verschwinden des Mädchens, spioniert Sammy seinem Vater hinterher und fragt sich zunehmen, ob das Erlebte die Wirklichkeit oder bloß eine Fiktion, hervorgerufen durch seine Albträume und "Geschichten" rund um das Haus, darstellt. Auch der Leser fängt mit der Zeit an Sammys Gedanken zu hinterfragen. Schließlich kommt es noch heutzutage vor, dass sich Kinder aus Langeweile einen fiktiven Freund ausdenken. Doch spätestens die kleinen, in kursiv geschriebenen Passagen, die die Gedankenstränge des Täters zum Vorschein bringen, verschaffen Sammy die nötige Glaubwürdigkeit.
Das melancholische Verhalten des Vaters, der Komponist für Horror-Filme ist, lässt den Leser schnell mit einer klaren Antwort zurück: es kann nur er gewesen sein!
Dennoch ist der Handlungsverlauf nicht vorhersehbar und das Ende, gestaltet durch ein polizeiliches Protokoll und die Aufnahme eines Diktiergerätes, ziemlich überraschend.

Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig, leicht verständlich (da ja aus der Perspektive des kleinen Jungen erzählt wird) und sehr detailreich, was mir besonders gut gefallen hat. Ich muss zugeben, dass mich "Die Zelle" an manchen Stellen an den Film "Shining" erinnert hat, besonders, wenn es um die Geschichten zum Haus und Sammys fiktionale Erlebnisse am hellichten Tag ging. Dessen ungeachtet hat Jonas Winner eine völlig andere, grandiose und doch verstörende Geschichte niedergeschrieben, die den Leser schnell in seinen Bann zieht und ihn mit dem schlüssigen Ende auch noch Tage später nicht loslässt.
Mein Fazit ist, dass ich definitiv noch andere Bücher von Jonas Winner lesen werde.
Für den Rest - besonders Thriller-Fans - kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

Autor: Jonas Winner
Buch: Die Zelle
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