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Anni_im_Leseland

vor 12 Monaten

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Der 11-jährigen Sammy zieht gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder in eine große unheimliche Villa in Berlin. Von diesem Moment an ist nichts mehr wie zuvor und mysteriöse Vorkommnisse häufen sich und verändern das Leben des Jungen. So stößt dieser bei einer Erkundungstour seines neuen Zuhauses auf unterirdische Gewölbe, wo er in einer Zelle ein etwa 15-jährigens verängstigtes Mädchen findet, das dort eingesperrt ist. Einzig durch einen kleinen Schlitz in der Tür kann er sie sehen und mit ihr kommunizieren. Als Sammy seinen Vater zur Hilfe holen will, gerät das Mädchen in Todesangst. Sammy, der am nächsten Tag erneut zu dem Mädchen geht, findet die Zelle verwaist vor. Das Mädchen ist verschwunden.

Er ist sich sicher- sein über alles geliebter Vater muss mit dieser erschreckenden Entdeckung etwas zu tun haben.

Wem soll er sich jetzt anvertrauen? Wird ihm überhaupt jemand Glauben schenken?

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir von Anfang an leicht, da der Autor über einen kurzweiligen, schnörkellosen Schreibstil verfügt, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.Die kurzen Kapitel, die teilweise mit Cliffhangern enden schafften es immer wieder mich zu überzeugen ein weiteres Kapitel zu lesen, obwohl ich schon längst hatte aufhören wollen.

Das Buch wird rückblickend vom heute Erwachsenen Sammy aus der Ich-Perspektive erzählt, der dem Leser von seiner Schreckenszeit und seinen mysteriösen Erlebnissen in Berlin berichtet.

Leider ist die Darstellung von Sammys elfjährigen Ich in meinen Augen oftmals nicht sehr gut gelungen. So konsumiert der Junge auf seinem Streifzug ohne mit der Wimper zu zucken Alkohol, kann wie selbstverständlich Whiskey von Bier unterscheiden und am Geruch erkennen.
Auch, wird das Verhalten des Jungen stark sexualisiert. Ich wage zu bezweifeln, dass Jungen in diesem Alter derart auf die sowohl primären als auch sekundären Geschlechtsmerkmale einer Frau fixiert sind und sogar daran denken mit ihr zu schlafen. Insgesamt waren die Gedanken und Handlungen für einen Jungen in diesem Alter in meinen Augen einfach oft unglaubwürdig und unrealistisch.

Sammys Vater blieb dem Leser generell eher fremd. Durch sein merkwürdiges Verhalten konnte man ihn aber nur schwer einschätzen, sodass man Sammys Verdacht, dass sein Vater mit alledem zu hat, durchaus nachvollziehen konnte.

Die Nebenfiguren wie Sammys Mutter, seinen Bruder Linus sowie das Au-pair Mädchen Hannah lernen wir nur oberflächlich kennen. Der Fokus des Buches steht deutlich auf Sammy und seinem Vater.

Besonders interessant fand ich die Kapitel, die aus Sicht des Täters geschrieben sind und in denen wir seinen abstrusen und perversen Gedanken und Taten folgen können.

Der Leser wird direkt im Buch angesprochen, sodass man sich in die Geschichte integriert fühlt und mitfiebert, was als nächstes passieren wird „Kennt ihr das?“ (S.21) Außerdem nutzt der Autor oft Fragen als Stilmittel in seinem Roman, um den Leser in Sammys Überlegungen einzubeziehen und ihn selber miträtseln zu lassen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wie diese Geschichte enden würde. Ich liebe Bücher, die immer neue überrraschende Wendungen zu bieten haben und es schaffen mich so in ihren Bann zu ziehen. Und das hat dieses Buch definitiv geschafft! Es hat mich oft überrascht, mich beim Lesen die Luft anhalten lassen und vor Spannung an den Fingernägeln kauen lassen, weil ich endlich wissen wollte, was in diesem Haus in Berlin merkwürdiges vor sich geht. Auch gab es Szenen in denen es mir eiskalt den Rücken heruntergelaufen ist und ich mich gegruselt habe- was bei mir bei Büchern defintiv nicht oft vorkommt. Aber Vorsicht an alle Leser mit schwachem Magen: Es gibt auch Szenen, die durchaus eklig sind und bei denen ich angewidert das Gesicht verzogen habe.

Ich habe mich oft gefragt, ob alles vielleicht nur Sammys kindlicher Fantasie entsprungen ist, das ganze Einbildung, Realität, ein perfides Spiel, ein Traum oder sogar eine Inszenierung ist. Um was es tatsächlich handelt, muss natürlich jeder Leser selbst herausfinden. Hierzu sei gesagt, dass bei einer Rezension zu diesem Buch jedes Wort zu viel sein könnte. Nur so viel: Man verdächtigt zum Schluss alles und jeden.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich endlich einen neuen deutschen Thrillerautoren gefunden habe, der mich mit seiner Geschichte und seinem Schreibstil überzeugen konnte. Dies wird definitiv nicht mein letztes Buch von Jonas Winner gewesen sein.

Autor: Jonas Winner
Buch: Die Zelle
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