Jonathan Cott

 4,3 Sterne bei 25 Bewertungen

Lebenslauf

Jonathan Cott ist Autor zahlreicher Bücher, veröffentlichte u. a. Interviewbände mit Glenn Gould, Henry Miller und über John Lennon und Yoko Ono. Er war langjähriger Redakteur des Rolling Stone und schrieb u. a. für die New York Times und den New Yorker. Cott lebt in New York.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jonathan Cott

Cover des Buches The Doors und Dostojewski (ISBN: 9783311140382)

The Doors und Dostojewski

(22)
Erschienen am 01.01.2024
Cover des Buches Leonard Bernstein (ISBN: 9783442748921)

Leonard Bernstein

(2)
Erschienen am 13.10.2014
Cover des Buches Nahaufnahme (ISBN: 9783311140580)

Nahaufnahme

(0)
Erschienen am 21.08.2025
Cover des Buches Search for Omm Sety (ISBN: 9780385237468)

Search for Omm Sety

(0)
Erschienen am 19.05.1987

Neue Rezensionen zu Jonathan Cott

Cover des Buches The Doors und Dostojewski (ISBN: 9783442713622)
EmmaWinters avatar

Rezension zu "The Doors und Dostojewski" von Susan Sontag

EmmaWinter
"Ich mag Interviews"

1978 interviewte Jonathan Cott vom Rolling Stone Magazin die amerikanische "Multiintellektuelle" Susan Sontag. Das Interview begann in der Pariser Wohnung von Sontag und wurde fünf Monate später in ihrem New Yorker Loft beendet. Insgesamt zwölf Stunden dauerte das Gespräch.

Der Titel bezieht sich auf die Wertschätzung Sontags, die sie sowohl der sogenannten Hochkultur als auch der Pop(ulär)kultur entgegenbrachte. Dieser Ansicht hat sie in ihrer Essaysammlung "Kunst und Antikunst" (1966) Ausdruck verliehen und stieß damit in vielen Teilen der Intellektuellen auf Unverständnis. Die eifrige Kinogängerin Sontag, die sich für alles begeistern konnte, war aber ihrer Zeit weit voraus. Denn was bestimmt heute den Alltag? Ist es die Hoch- oder die Populärkultur? Es hat eine Verschiebung stattgefunden, an die die Medien einen damals unvorstellbaren Anteil haben. In einer anderen ihrer bekannten Essaysammlungen, "Über Fotografie" (1977), kommen Gedanken zum Tragen, die sich auf die heutige Social-Media-Generation anwenden lassen. Im Interview spricht sie von einer "Vereinnahmung" durch die Kamera (S. 67). Andere spannende Passagen des Gespräches beziehen sich auf die Krebserkrankung der Autorin und die "Metaphern", die damit verbunden sind. Das Buch "Krankheit als Metapher" (1977) räumt mit vielen Vorurteilen gegenüber der Krankheit auf und macht bewußt, wie wir sprachlich damit umgehen. Es sei eine sehr ernste Krankheit, aber eben keine selbstverschuldete oder gar ein Stigma.

Das verschriftlichte Interview ist mit 127 Seiten bequem an einem Nachmittag zu lesen. Ein erläuterndes Vorwort sowie ein hilfreiches Personen- und Titelregister runden das Büchlein ab. Mir hat es wirklich gefallen und es liest sich auch gut, weil Sontag quasi druckfähig - großartig ausformuliert - in ganzen Absätzen auf die Fragen von Cott eingeht. Da haben die Antworten wirklich Substanz und man kann Gedanken der Autorin nachvollziehen. In Ergänzung zu ihren Texten und Biographien über sie (Schreiber gefällt mir besser als Moser) kann ich das Interview sehr empfehlen.

Cover des Buches The Doors und Dostojewski (ISBN: 9783455503302)
ladyhopelesss avatar

Rezension zu "The Doors und Dostojewski" von Susan Sontag

ladyhopeless
Von einer, die dachte.

Susan Sontag – The Doors und Dostojewski
Susan Sontag ist drei Jahre alt, als sie lesen lernt. Mit sechs liest sie die Biografie von Madame Curie – das erste Buch, das sie wirklich fasziniert, wie sie sagt. Sie liest alles, was zu Hause so rumliegt. Mit dreizehn sind es Mann, Gide, Eliot, Kafka. Mit vierzehn trifft sie sich mit Thomas Mann, um mit ihm über den Zauberberg zu diskutieren. 1950 heiratet sie mit 17 den Soziologen Philip Rieff. Mit 19 bringt sie ihren Sohn David zur Welt. 1958 lässt sie sich scheiden und geht nach Paris. Fortan nennt sie zwei Städte ihr Zuhause – New York und Paris. Sie publiziert, schreibt Romane, inszeniert Stücke, dreht Filme, reist, um davon zu berichten. Unter anderem 1968 nach Hanoi. Das Leben einer Hochbegabten auf der intellektuellen Überholspur. Sie lebt, um zu denken – denkt, um zu leben - meint man, wenn man beginnt, sich mit ihrem Leben und ihrem Werk auseinander zu setzen. Sie ist regelrecht bildungssüchtig und sie scheut sich nicht, eine Meinung zu haben und sie zu vertreten. Auch wenn diese kontrovers ist oder im Widerspruch zu früher geäußerten Gedanken steht. Sie entwickelt sich weiter. Sie gestattet sich Perspektivwechsel. Ebenso wie sie sich gestattet, Kafka zu lieben und zu Bill Hailey zu tanzen. 

Als ich das erste Mal in “The Doors und Dostojewski” reinschnupperte, war mir Susan Sontag natürlich ein Begriff - als Autorin per se – aber, wenn ich ehrlich bin, eher als Lebenspartnerin der Fotografin Annie Leibovitz. Über Sontags Werk, ihr Leben, ihre Rolle als streitbare Intellektuelle der amerikanischen Gesellschaft wusste ich so gut wie nichts. Doch nach wenigen Sätzen war klar, dass dieses schmale Buch für mich Pflichtlektüre sein würde. Themen wie Musik, Literatur, Fotografie, Ästhetik, Moral, Ideologie und vieles mehr griffen Jonathan Cott und Susan Sontag auf, als sie sich im Jahre 1978 zweimal für ein Interview trafen, das Cott im Auftrag des Rolling Stone führen sollte. Für den ersten Teil kamen die beiden in Paris zusammen. Nach drei Stunden brach Sontag das Gespräch ab, da sie noch verabredet war, doch bat sie Cott, sie doch bald in New York zu treffen, da sie noch einiges zu sagen hätte. Sontag mochte Interviews. Diese Art des Dialogs lag ihr, denn auch aus dem Austausch bezog sie Inspiration. Und so sahen sie und Cott sich im November 78 wieder und redeten bis spät in den Abend. Am Ende wurde 1979 ein Drittel dieses Gesprächs im Rolling Stone veröffentlicht und 2014, zehn Jahre nach dem Tod Susan Sontags, erscheint das ungekürzte Interview - man möchte sagen „Endlich!“ - auch auf Deutsch. 

„The Doors und Dostojewski“ ist der perfekte Einstieg, um sich mit Susan Sontag und ihrem Werk in einem ersten Schritt vertraut zu machen. Sie schaffte es, eine Brücke zwischen Hoch- und Popkultur zu bauen. Sie extrahierte aus ihrem persönlichen Lebensweg so allgemeingültige Erkenntnisse, dass sie jenseits der persönlichen Betroffenheit neue Perspektiven boten - insbesondere, wenn man an ihre Essays „Krankheit als Metapher“ oder „Über Fotografie“ denkt. Beide Werke entstanden Mitte der siebziger Jahre und bilden den Gesprächsschwerpunkt im Interview. Sontag schrieb sie in einer Zeit, als sie den Krebs das erste Mal in ihrem Leben bekämpfen musste. Als sie sich mit Cott traf, hatte sie den Krebs so gut wie besiegt, dennoch war sie nach wie vor in Behandlung. Die Unmittelbarkeit dieser Erfahrung wird im Gespräch immer wieder spürbar, jedoch wirkt Sontag dabei distanziert, beobachtend und man beginnt zu ahnen, wie sehr sie vom Akt des Denkens durchdrungen ist - immer auf der Suche nach Zusammenhängen und neuen Erkenntnissen, egal in welcher Situation.

Meine persönliche Erkenntnis nach der Lektüre dieses Buches: Für mich bleibt Sontag auch zehn Jahre nach ihrem Tod ein faszinierender Charakter. Ihre Äußerungen sind auch 36 Jahre nach ihrem Gespräch mit Jonathan Cott noch immer von bestechender Logik, eingefühlt, differenziert und reflektiert. Susan Sontag war eine hochintelligente Persönlichkeit, die das Leben einer Gelehrten lebte, und dennoch greifbar blieb - weit davon entfernt, in einem Elfenbeinturm über den Dingen zu schweben. Und ihre Gedanken sind auch nach so vielen Jahren kein bisschen unmodern.



Cover des Buches Leonard Bernstein (ISBN: 9783570580370)
M

Rezension zu "Leonard Bernstein" von Jonathan Cott

M.Lehmann-Pape
Rezension zu "Leonard Bernstein" von Jonathan Cott

Interview mit einem leidenschaftlichen Menschen

1990 ist Leonard Bernstein im Alter von 72 Jahren gestorben. 2 Jahre zuvor, anlässlich seines 70. Geburtstages, führte der Musikjournalist Jonathan Cott ein umfassendes und ausführliches Interview mit Bernstein. Mehr übrigens ein intensives, stundenlanges (über 12 Stunden) Beisammensein mit Bernstein stand damals im Raum. Weniger ein trockenes Interview mit abzuarbeitenden Fragen. Bei Bernstein zu Hause. Jenem Ausnahmedirigenten, Komponisten und von Musik besessenem Mann, dem kaum ein Musikliebhaber emotionslos und neutral gegenüber stehen konnte. Ein Interview mit einer komprimierten Einführung zur Person.

Aufgrund des Rahmens des „Rolling Stones“, in dem das Interview zum damaligen Zeitpunkt abgedruckt wurde, erschien das ursprüngliche Interview natürlich komprimiert und gekürzt. Nun also legt Jonathan Cott jene letzte Begegnung mit Bernstein, dem Mann, der zu diesem Zeitpunkt sich eigentlich seit Jahren bereits und längst nicht mehr für Interviews zur Verfügung stellte, in voller Breite der Begegnung vor. Und es lohnt sich, 22 Jahre nach dem Tod Bernsteins, sich diesem umfassenden musikalischen Menschen noch einmal zu widmen. Einerseits die persönlichen Seiten (und Marotten) Bernsteins vor Augen führen zu lassen, seine engen Verbindungen mit manchen „Mitstreitern“ (Strawinski, Gould) und seine Animositäten gegenüber dem ein oder anderen Dirigentenkollegen oder Kritiker ebenfalls auf der Zunge zergehen zu lassen.

Ebenso aber, und dies bildet einen der wichtigen Kerne des Gespräches, wird durch die Zeilen auch immer wieder jene Kraft der Musik deutlich, die zeitlos seit Beginn der Zivilisation die menschliche Kultur begleitet. Wenn Bernstein einzelne Stücke mit ganzem Körpereinsatz auch im Interview vorführt, erläutert, seine innere Bewegung, Anrührung beredt verdeutlicht.. Wobei vor allem seine Verehrung für Mahler, aber auch für Beethoven intensiv spürbar wird. An diesen Stellen taucht immer wieder im Gespräch der wunderbare Lehrer Bernstein auf. Er, der über Jahre hinweg vor allem Kindern die klassische Musik nahebrachte, erlebbar machte, er führt auch den Journalisten in die Tiefen mancher Zeiten überdauernder Meisterwerke und ist über all diese vielen Stunden bis spät in die Nacht und früh am morgen präsent, lebendig, leidenschaftlich. Bis dahin, in den frühen Morgenstunden noch eine CD aufzulegen, die nun aber „unbedingt“ noch gehört werden muss.

Fließend wechselten die Themen und hier und da sah sich der Journalist selbst in der Rolle des Befragten, durchaus auch in ganz privater, fast intimer Hinsicht ab und an. Und auch darin spiegelt sich die überfließende, grenzüberschreitende Persönlichkeit Bernsteins. Privat und als Musiker, falls dies bei ihm überhaupt getrennt werden kann, vollständig dem Leben zugeneigt. Nicht zügellos, aber intensiv. Auf dem Dirigentenpult. Beim Komponieren. In seinen erotischen Weitschweifigkeiten und seiner Feierfreude.

„Leben ohne Musik ist undenkbar. Musik ohne Leben ist akademisch“. Die Verschmelzung von Note und Emotion, das „Durcherleben“ des Dirigenten und das „fließen lassen“ dieser inneren tiefen Emotionen in das jeweilige Orchester hinein. Das machte Bernstein aus. Für die einen als Genie, für die anderen als „zappelnder Selbstdarsteller und Egomane“. Immer aber mit ganzem Herzen und ganzer Seele.

„Vor allem war Bernstein in jedem Abschnitt seines Lebens und seiner Arbeit ein grenzenloser Enthusiast“. Ein Kern der Persönlichkeit, den Cott in diesem Buch umfassend von vielen Seiten her mit Bernstein im Gespräch aufnimmt und darstellt.

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