Jonathan Evison Eine fast perfekte Ehefrau

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Inhaltsangabe zu „Eine fast perfekte Ehefrau“ von Jonathan Evison

Harriet ist 78, als sie nach anfänglichem Zögern an Bord eines Kreuzfahrtschiffes geht. Eigentlich meinte es das Leben bisher gut mit ihr: ein Beruf, ein Ehemann, mit dem sie glücklich war, ein Haus, zwei Kinder. Sie hatte alles, was man sich wünschen konnte – wenn man nicht so genau hinsieht. Auf dem Schiff und an der Seite ihrer Tochter, die plötzlich auftaucht, muss sie sich ihren Lebenslügen stellen, und die unantastbare bürgerliche Fassade bröckelt.
»Ein unwiderstehlicher Roman voller kluger Beobachtungen darüber, wie wir unser Leben leben – als Eltern, Kinder, Partner und Menschen« Jami Attenberg, Autorin von »Die Middlesteins«

Beachtlich, amüsant, clever und sehr unterhaltsam

— Callso

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    Eine fast perfekte Ehefrau

    Callso

    07. November 2017 um 09:28

    "This is your life, Harriet Chance" so ist der wundervolle Originaltitel des Buches, der irgendwie deutlich besser passt als die deutsche Variante "Eine fast perfekte Ehefrau".Dennoch überzeugt und funktioniert das Buch ganz prächtig- auch dank einer feinen, klugen Übersetzung. Jonathan Evison ist starker Beobachter und ein faszinierender Erzähler. Harriet Chance begiebt sich mit ihren 78 Jahren auf eine Kreuzfahrt nach Alaska. Ihr Mann Bernard ist kurz zuvor nach Alzheimer-Erkrankung gestorben. Und wie sich heraustellt, hat ihr Ehemann sie über 40 Jahre mit einer guten Freundin betroben.Aber es ist nicht die einzige Rücksack, den Harriet mit sich herumschleppt. Immer mehr Details, immer mehr Ungereimtheiten und Gemeinheiten kommen ans Tageslicht.Der Autor spielt gekonnt mit dem Leser, inszeniert ein Kammerspiel, nahe am Drama, das einen geschickt in den Bann zieht und bestens unterhält.Größtes Lob geht an die literatische Herangehensweise. Der Autor erzählt aus so einer einzigartigen Beobachterperspektive und hält Harriet Chance immer wieder den Spiegel vor das Gesicht hält. Und diese so schnell liebgewonnene Person Harriet Chance ist so rührselig, trottelig, so verunsichert und zugleich so anpackend, so still und manchmal vorpreschend, kurzum, sehr speziell, ein Uniqum und fast perfekt. Es darf gelacht, es darf mitgefiebert und immer wieder mitgelitten werden. Dabie ist die Kreuzfahrt wenige der Mittelpunkt, sondern vielmerh der Schwenk auf einzelne Lebensabschnitte der Hauptperson und ihre müden, trägen Ehe und die Schwierigkeiten mit den reifen Kindern.Beste Unterhaltung - besten Dank Jonathan Evison

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  • Szenen einer Ehe

    Eine fast perfekte Ehefrau

    Clari

    31. May 2017 um 18:14

    Harriet ist 78, als sie sich auf eine Kreuzfahrt nach Alaska begibt. Ihr Ehemann Bernhard ist tot, und ihre Freundin Mildred hat leider abgesagt. So begibt sie sich mit Hilfe ihrer Tochter auf das riesige Schiff, das ihr zunächst Angst macht.Ein unbekannter Erzähler beginnt, sie mit einzelnen Stationen ihres Lebens zu konfrontieren.Eigentlich war es ein gutes Leben. Leider kommen nach und nach Details ans Licht, die lebenslange Lügen überdeckt hatten. Der gute Ehemann Bernhard entpuppt sich in der Rückschau als ganz untreuer Gefährte, der sie Jahre lang mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Er gab vor, berufliche Dinge zu erledigen und nahm sich kaum Zeit zur Pflege ihrer ehelichen Beziehung. Die Kinder, ein Sohn und eine Tochter, hat sie praktisch alleine großgezogen. Zum besseren Verständnis ihrer Lage muss man wissen, dass ihr Vater ein erfolgreicher Anwalt war, während Bernhard nur so eine Art aufgestiegener Hausmeister ist.In Zahlreichen kleinen Episoden wird Harriets ganzes Leben transparent. Der Erzähler, den man auch als eine Art innerer Instanz betrachten kann, konfrontiert sie mit Tatsachen, die sie lange verdrängt hatte. Ob es ihr eigener Kindergeburtstag mit sechs Jahren war oder der ihrer Tochter, ob Bernhard Hochzeitstage ausfallen ließ und sich unter vorgeblicher Arbeit anderweitig verlustierte, ob Sex oder Gespräch, und dass sie ihr eigenes erstrebtes Jurastudium nie vollbrachte: es war alles in Allem ziemlich dürftig, was am Ende übrig blieb!In einer wunderbaren Szene wird an die Belastung mit dem an Alzheimer erkrankten Bernhard erinnert: Schreckliches hat sie mit ihm da erlebt! Unverhohlen beschreibt die innere Instanz ihren Hass auf diesen Mann, der nicht mehr ihr Bernhard ist, ganz abgesehen davon, dass seine geheime Liebe sich mit derlei Nöten nicht herumschlagen muss.Mit diesem subtilen Roman, in dem eine Lebensbilanz erstellt wird, ist Jonathan Evison eine hervorragende Sozialstudie gelungen. Er kann unterhaltend und ironisch, auftrumpfend und bissig von einer alten Dame erzählen, die die letzten Jahre alleine zubringen muss. Die Fülle des Lebens findet Raum in den zahlreichen Szenen aus unterschiedlichen Lebensabschnitten.Der Kunsttrick besteht darin, einen Erzähler als Gegenüber zu wählen, der Harriet mit all’ den Ungereimtheiten in ihrem eigenen und dem Leben ihres Mannes und ihrer Kinder zu konfrontiert. In jedem Leben mag es Vergangenes und Verdrängtes geben, das tief verborgen in uns allen schlummert und zuletzt ans Licht drängt. Hier findet diese Form der Unterhaltung ihre Krönung, indem der Spannungsbogen weit über die Jahre von der Kindheit bis zur Bahre ausgebreitet wird. Jeder Lebensabschnitt hat seine Glücksmomente und seine in den Tiefen der Seele versteckten traurigen und unglücklichen Momente. Die Offenheit und die Wahrheit machen ein Leben erst komplett.Jonathan Evison wurde für seinen ersten Roman „ Alles über Lulu“ ausgezeichnet und lebt mit seiner Familie in Bainbridge Island im Bundesstaat Washington.

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  • Am Ende eines Lebens

    Eine fast perfekte Ehefrau

    serendipity3012

    03. April 2017 um 17:54

    Am Ende eines Lebens Harriet ist 78 und seit einiger Zeit Witwe. Sie und Bernard heirateten jung und bekamen zwei Kinder. Harriet war meist zufrieden in ihrer Ehe. Jetzt hat sie sich ganz und gar noch nicht an das Leben ohne ihren Mann gewöhnt. Als er ihr als Geist erscheint, fürchten ihre Kinder Skip und Caroline sowie Vater Mullinix, bei dem sie spirituellen Beistand sucht, um Harriets Geisteszustand. Da bekommt sie einen Anruf: Bernard habe einige Zeit vor seinem Tod eine Kreuzfahrt ersteigert, die sie nun bald an seiner statt antreten müsse, da der Gutschein sonst verfalle. Nach anfänglichem Zögern beschließt Harriet, mit ihrer Freundin Mildred den Urlaub zu machen, nicht ahnend, dass die Reise anders verlaufen wird als geplant und dass sie schließlich mit verändertem Blick auf ihr Leben zurückschauen wird.Jonathan Evison wirft in seinem neuen Roman „Eine fast perfekte Ehefrau“ stets neue Schlaglichter auf das Leben seiner Hauptfigur, und er macht das auf stets erfrischende, leichte Art und Weise, sodass man zunächst nicht gleich bemerkt, wie tiefsinnig sein Roman gleichzeitig ist. Wir lesen einerseits chronologisch von den Ereignissen im Jahr 2015, das Jahr der Gegenwart der Geschichte, in der Harriet das Schiff besteigt – ohne Mildred, die einen Rückzieher macht, dafür bald aber in anderer Gesellschaft. Und auf der anderen Seite springen wir in Harriets Leben hin und her, erfahren von verschiedenen Episoden, wobei stets ihr jeweiliges Lebensalter exakt genannt wird. Diese Kapitel unterscheiden sich auch sonst von den übrigen, da Harriet hier von einer Stimme direkt angesprochen wird, die sich nicht eindeutig verorten lässt. Sie ist wie die Stimme der ungeschminkten Wahrheit, sie spricht aus, was Harriet sich nicht eingestehen möchte, sie redet nicht um den heißen Brei herum, sondern bringt die Tatsachen oder zumindest wahrscheinliche Möglichkeiten unumwunden ans Licht. Voller Ironie und ein wenig schnoddrig kommentiert sie Harriets Leben zum jeweiligen Zeitpunkt. In der deutschen Ausgabe immer mit der Höflichkeitsanrede des „Sie“ spart sie nicht mit Ausrufen, scheint die selbstbewusstere, lebenskluge Version der sonst eher unsicheren Harriet zu sein, vielleicht eine innere Stimme Harriets. Als sie 20 ist und eine Ausbildung zur Anwaltsgehilfin macht, sieht das zum Beispiel so aus:„Machen Sie was aus sich, Harriet Nathan! Doch die Wahrheit, die Sie allen und besonders Ihrem Vater verschweigen, sieht anders aus: Im turbulenten Büroalltag, im Rummel der Stadt, im ständigen Einerlei der juristischen Recherche sehnen Sie sich nach etwas weniger Ermüdendem, nach Stabilität, Verlässlichkeit, ja, nach einem weihnachtlichen Kamin mit festlich drapierten Strümpfen. Außerdem wünschen Sie sich einen Mann, Harriet. Kommen Sie, geben Sie’s einfach zu!“ S. 13Als Harriet dann mit 78 auf das Kreuzfahrtschiff steigt, stellt sich die Frage, was noch zu klären ist in ihrem Leben, dessen Ende sie sich nähert – „Machen Sie sich nichts vor, Harriet!“ würde die besagte Stimme wohl ausrufen. Es geht dabei um Bernard und um sie gleichermaßen. Da der Reiz der Geschichte vor allem in dem besteht, was man als Leser mit der Zeit erfährt (wobei einiges schon früh angedeutet wird und daher nicht unbedingt überrascht), möchte ich zum Inhalt nicht mehr verraten. Evisons Roman ist ein gelungenes Spiel mit den Perspektiven, ein zwar leichtes, aber keineswegs seichtes Buch um Verrat und Schuld, um Lügen und Vergebung. „Eine fast perfekte Ehefrau“ zeigt uns auch, dass ein Leben nicht nur linear verstanden werden kann, dass es ein Zusammenspiel aus Geschehnissen, Gedanken und Entscheidungen ist. Vieles wird erst in der Rückschau deutlich, mit Abstand. Auch mit knapp 80 kann man noch versuchen, reinen Tisch zu machen, wenn wir Jonathan Evison und seiner Heldin Harriet Chance Glauben schenken mögen. „Eine fast perfekte Ehefrau“ mag vielleicht zum Teil etwas vorhersehbar sein, andererseits ist der Roman aber auch voller Ideen und sehr akribisch konzipiert, was mir vor allem bei der erneuten Durchsicht nach der Lektüre auffiel. Jonathan Evison hat einen höchst unterhaltsamen Roman geschrieben, den ich gern weiter empfehle.

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