Jonathan Galassi

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Autor von Die Muse.

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Jonathan GalassiDie Muse
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Die Muse
Die Muse
 (4)
Erschienen am 25.08.2016

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Rezension zu "Die Muse" von Jonathan Galassi

Das Geheimnis der "Göttin"
RosaEmmavor 2 Jahren

Dieser Debütroman des amerikanischen Schriftstellers, Poeten und Verlegers Jonathan Galassi hat mich begeistert. Allein schon wegen des pointierten, hervorragend formulierten und in jeder Hinsicht wahrhaftigen Vorwortes lohnt es sich, das Buch zu lesen, denn es verheißt eine einzigartige Geschichte – und hält sein Versprechen auf bestmögliche Weise. Die Story beginnt im New York der 60er Jahre und gewährt einen sehr unterhaltsamen und aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des Verlagswesens mit seinen exzentrischen Gentleman-Verlegern, launenhaften Autoren und unscheinbaren, aber brillanten Lektoren, die mit Instinkt und einem besonderen Gespür für außergewöhnliche Manuskripte die Literaturwelt nachhaltig veränderten. Protagonist des Romans ist der introvertierte Enddreißiger Paul Dukach, der sich ganz der Literatur und insbesondere der Lyrik verschrieben hat. Als Schöngeist ist er in seiner Familie ein Außenseiter, denn er lässt sich nicht in das Männlichkeitsideal pressen, das sein strenger Vater schon seinen Brüdern auferlegt hat, die alle erfolgreiche Sportler sind.

Ein schöngeistiger Außenseiter

Schon früh geht Paul seinen eigenen Weg und nimmt während seines Studiums einen Aushilfsjob im Buchladen Pages von Morgan Dickerman an, die eine Art Ersatzmutter für ihn wird. Sie ist es auch, die sein Talent erkennt und ihn an Literatur und ihre vielfältigen (Stil-)Richtungen heranführt. Vor allem aber initiiert sie seine Liebe zur Lyrik, als sie ihm den Gedichtband Striptease der gefeierten und divahaften Dichterin, Ida Perkins, schenkt. Paul ist fasziniert von Idas innovativen, teilweise schockierend direkten Stil und verschlingt jedes ihrer Werke – eine Obsession, die fortan einen großen Teil seines Lebens bestimmt, denn es spricht sich schnell herum, dass der scheue Nerd d e r Experte ist, wenn es um Ida Perkins geht. Obwohl die renommierte Poetin als unzugänglich, arrogant und äußerst reserviert gilt, sind ihre schonungslos offenen Gedichte in aller Munde. Die Verlage reißen sich um die Göttin der Dichtkunst, die zum Superstar der Lyrik avanciert und auch mit ihrem für die damalige Zeit skandalösen Privatleben – vier Ehen und zahlreiche Geliebte – für Schlagzeilen sorgt.

Ein großmäuliger Mentor

Durch Morgans Beziehungen gelingt es Paul schließlich, einen Job bei einem der angesagtesten Independent-Verlage, Purcell & Stern (P&S), als Lekor zu erhalten. Obwohl sein Chef, der laute, großmäulige und aufschneiderische Verlagsinhaber Homer Stern, sehr gewöhnungsbedürftig ist, könnte Paul keinen besseren Lehrmeister und Mentor haben. Der überlebensgroße, nicht sehr belesene Verleger-Casanova mit einem Faible für kubanische Zigarren und Mercedes-Cabrios zeigt seinem Schützling auf seine ganz eigene Weise, worauf es in diesem speziellen Business ankommt. Und Paul lernt schnell: Gemeinsam mit seinen erfahrenen Kollegen – Romanautoren, Literaturkritikern und Querdenkern – entdeckt er viele neuartige, erfolgversprechende Autoren, die den Verlag als eine wichtige Instanz auf dem umkämpften Büchermarkt etablieren. Darüber hinaus erkennt er aber auch, worauf es neben aller Kompetenz und Liebe zur Literatur bei diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten noch ankommt: Sich von den Befindlichkeiten, Intrigen und Extravaganzen der Entscheidungsträger und Schriftsteller nicht beeindrucken lassen, sondern unbeirrt seinen eigenen Weg zu gehen und seinem Instinkt zu vertrauen. Und so wird Paul langsam aber sicher zu Sterns rechter Hand und Nr. 2 des Verlages.

Ein verhasster Konkurrent

Als Paul eines Tages Sterns direkten Konkurrenten, Sterling Wainwright, Eigentümer des renommierten Impetus-Verlages,  kennen- und schätzen lernt, ist sein Chef alles andere als begeistert, denn die beiden hassen sich bis aufs Blut – nur ihre gemeinsame Liebe zu Ida Perkins verbindet sie. Stern ist ganz besonders neidisch darauf, dass Perkins bei Wainwright unter Vertrag steht, was aber nicht überrascht, denn sie ist seine Cousine – eine Tatsache, die Stern widerwillig akzeptiert, denn auch für ihn ist die Familie heilig. Trotz Sterns Einwände und Bedenken schätzt Paul die regelmäßigen Treffen mit dem feinfühligen, erfahrenen und einflussreichen Geschäftsmann Wainwright sehr. Und tatsächlich gelingt ihm das Unmögliche: Ungeachtet der Dauerfehde der beiden ungleichen Wettbewerber schafft er es, mit beiden Mentoren ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen, ohne den jeweils anderen vor den Kopf zu stoßen. Paul ist in seinem Element und fühlt sich zum ersten Mal akzeptiert und angenommen.

Schicksalhafte Begegnung mit einer Göttin

Als Wainwright Paul eines Tages die Notizbücher von Perkins‘ ehemaligen, mittlerweile verstorbenen Liebhaber und Literaten, Arnold Outerbridge, überlässt, ist er zunächst ratlos, denn sie sind in einer Geheimsprache verfasst, die er nicht entschlüsseln kann. Als ihm dies schließlich nach langem Tüfteln doch gelingt, ist er enttäuscht: Die Notizbücher scheinen nichts als banale Termine zu enthalten. Als Wainwright ihm vor diesem Hintergrund ein Treffen mit Perkins an ihrem Rückzugsort, einem alten Palazzo in Venedig, vorschlägt, sieht sich Paul am Ziel seiner Träume. Was er nicht ahnt, ist, dass das Gespräch mit der in Würde gealterten Diva sein Leben für immer verändern wird, denn sie überlässt ihm ihr letztes Manuskript, das ihr gut gehütetes Lebensgeheimnis offenbart und sowohl ihr nahestehende Freunde als auch die Literaturwelt überraschen und verstören wird…

Ein überragendes literarisches Debüt mit unvergleichlichen Charakteren und einem Blick hinter die Kulissen der kapriziösen Verlagswelt

Galassis Erstlingswerk zählt für mich zu den besten Romanen des Jahres. Ich habe selten einen so fundierten, informativen und lehrreichen Einblick in die Verlagswelt erhalten wie in diesem literarischen Debüt. Angefangen von den 60er Jahren, in denen Bücher noch kostbare Preziosen waren, die wertgeschätzt wurden, bis hin zum unumgänglichen digitalen Umbruch, der das Verlagswesen mit Büchern als Massenware und E-Readern „entzauberte“, zeigt uns der Autor mit viel Insiderwissen, wie dieses ganz spezielle Business funktioniert, wie Verleger und Entscheidungsträger ticken und wie nachhaltige Trends und Veränderungen schließlich einen Wandel hervorbrachten, den man in seiner Dimension nicht voraussehen konnte.

Darüber hinaus hat Galassi Protagonisten erschaffen, über die man liebend gerne noch viel mehr erfahren hätte. Seine Dichterikone Ida Perkins ist ihm so lebensecht gelungen, dass viele Leser (mich eingeschlossen) sie gegoogelt haben, um zu erfahren, ob sie eine reale Person war, was aber nicht der Fall ist. Ihre Gedichte, die natürlich auch vom Autor stammen, sind ebenfalls eine Klasse für sich. Sie sind Poesie par excellence – unvergleichliche Verse, die beim ersten Lesen etwas befremdlich anmuten, die sich aber dann nach Auflösung am Ende wunderbar in das Gesamtbild einfügen. Auch mit dem Hauptcharakter Paul Dukach ist Galassi ein außergewöhnlicher Protagonist geglückt, der sehr wirklichkeitsnah und dessen Liebe zur Literatur spürbar ist. Gleiches gilt für weitere Charaktere seines Romans wie den großspurigen Homer Stern, den feinsinnigen Wainwright oder die vielen mehr oder weniger zartbesaiteten Verlagskollegen von Paul, die uns alle am Ende des Romans sehr vertraut geworden sind. Mein Fazit: Dieses Buch ist Leseabenteuer und Lesegenuss zugleich. Absolut lesenswert!

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Rezension zu "Die Muse" von Jonathan Galassi

Von »Trüffelschweinen« und von »Büchermachern«
LibriHollyvor 2 Jahren

Die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür. Zeit einmal einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs zu werfen, auch literarisch. Und wie könnte man dies besser als an der Seite eines Mannes, der weiß von was er spricht.

Jonathan Galassi, selbst Verleger beim renommierten New Yorker Verlag Farrar, Straus and Giroux und als Lektor Entdecker von so namhaften Autoren und literarischen Schwergewichten wie Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, hat  mit „Die Muse“ seinen ersten Roman vorgelegt.
Ein Mann, der weiß über was er schreibt, wenn er einen Roman über den Literaturbetrieb, Verlage, Lektoren, Autoren, Kritiker, den Buchhandel und die Liebe zu den Büchern schreibt. Ein Mann, der den ganzen Zirkus rund um die schönste Sache der Welt, das Lesen, kennt. Von innen und von außen. Als leidenschaftlicher Leser, Autor, Lektor und Verlegeger.
Kenntnisreich, mit spitzer Feder und feiner Lyrik durchwebt, nimmt er uns mit auf eine Zeitreise quer durch die Welt der Literatur und des Verlagswesens, vom Ende des 2. Weltkrieges bis in die heutige Zeit, und zeigt uns anhand der fiktiven Biographie der Lyrikerin Ida Perkins das ganze Spektrum, die Höhen und Tiefen dieser ganze eigenen Welt auf. Angefangen bei der endlosen Suche der Lektoren nach dem vielversprechenden Debüt, über den Kampf um Rechte und Autoren bis hin zum „quirligen“  alljährlichen „Mekka der Frankfurter Buchmesse.“


„Frankfurt war im Grunde alles außer gesellig, es war Raubtierkunst vom Feinsten, mit vornehm europäischem Gesicht. Die schicken Kleider, die Partys, die Zigarren, die übertriebenen Preise in Hotels und Restaurants, das enttäuschend schlechte Essen, alles gehörte dazu. Es war anstrengend, langweilig und deprimierend – aber niemand aus der Verlagswelt mit einem Funken Stil und Verstand hätte es verpassen wollen.“ (S. 138)


Ein Buch das mit einer Liebeserklärung an die Buchliebhaber dieser Welt von gestern und heute beginnt, denn:


„Dies ist eine Liebesgeschichte. Über die guten alten Zeiten, als Männer noch Männer, Frauen noch Frauen und Bücher noch Bücher waren, mit Klebebindung oder besser Fadenheftung, mit Leinen- oder Papiereinband, mit hübschen oder weniger hübschen Umschlägen und diesem modrig-staubigen Geruch: als Bücher unzählige Räume füllten und ihr Innenleben – magische Worte, Prosa und Poesie – ihren Liebhabern wie Wein war, wie Parfüm und Sex und Ruhm…..“ (S. 7)


Dies ist die Geschichte von einigen dieser Liebhaber und von einem ganz besonderes, Paul Dukach. Cheflektor bei P&S, immer auf der Suche nach dem nächsten Meisterwerk, dem absolut vollkommenen Stück Literatur auf der Spur …


„Paul hatte mit der Zeit verstanden, dass die meisten Verleger gerade von den Büchern heimgesucht wurden, die ihnen entwischt waren…“ (S. 69)


Dies sollte ihm nicht passieren. Er will das perfekte „Trüffelschwein“ sein. Privat ist er glühender Verehrer der Lichtgestalt und ebenso mondänen wie geheimnisvollen Diva und Dichterin Ida Perkins.


„Es war Liebe aufs erste Gedicht.“ (S.29)


Für ihn der Inbegriff von Perfektion. Und so verschlingt er über die Jahre hinweg Buch um Buch und wird so zu einem Kenner ihres Lebens und Gesamtwerkes wie kein Zweiter.
Als sich ihm nach vielen Jahren jedoch die Chance bietet, sein in Schönheit gealtertes Idol persönlich zu treffen, muss er erkennen, dass der Mensch hinter dem Mythos, hinter der berühmten Dichterin, ein ganz anderer ist und manches in Büchern manchmal anderes scheint, als es tatsächlich ist.


Ein Buch, das aufs meisterhafte Realität und Fiktion zu mischen versteht und bei dem man nicht den Lesespaß durch sinnlose Internetrecherchen unterbrechen oder gar sich verderben lassen sollte. Viele Personen, Verlage des Buches existieren in der Realität tatsächlich, andere nicht. Manche werden namentlich genannt, andere nicht. Aber im Grunde ist dies für die Handlung an sich irrelevant, denn um was es hier eigentlich geht, ist die ganz besondere Liebe zum geschriebenen Wort, diese ganz besondere Faszination, die Bücher auf ihre Leser ausüben….bis heute!!!!


Ein Buch, ideal zum Einstimmen auf die anstehende Buchmesse in Frankfurt.

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