Jonathan Lethem Chronic City

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Inhaltsangabe zu „Chronic City“ von Jonathan Lethem

Chase Insteadman, ein ehemaliger Kinderstar, ist fester Bestandteil der New Yorker High Society. Sein soziales Ansehen verdankt er einem Unglück, das in der Klatschpresse für Furore sorgt: Seine Verlobte Janice Trumbull schwebt manövrierunfähig im Weltraum, von wo sie ihm herzzerreißende Liebesbriefe schreibt. Auch Chase treibt haltlos durch seinen Alltag, bis er den schielenden Kulturkritiker Perkus Tooth kennenlernt. Zwischen Migräneanfällen und durchkifften Nächtenscheint er als Einziger durch die glitzernde Oberfläche auf die Realitätzu blicken. Gemeinsam versuchen sie das Rätsel um einen Tiger, die Nebelschwaden über der Wall Street und den Schokoladengeruch in Manhattan zu lösen. Dabei entdecken sie auf der Insel, auf der alles käuflich ist, etwas äußerst Seltenes: die Wahrheit.

Anstrengender New York Roman

— Duffy
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  • Fantasy und Rausch

    Chronic City
    Skrutten

    Skrutten

    15. August 2016 um 09:13

    Eigentlich mag ich Geschichten nicht, in denen Rauschsequenzen und Süchtige beschrieben werden. Zum Glück spielen diese Exzesse in diesem Roman keine existenzielle Rolle. Dafür weist dieser Band die vom Autor schon gewohnten Fantasyelemente auf – übergroße Raubtiere und ein vermientes Weltall z.B. Mit viel Geduld gelingt es schließlich, sich als Leser den durchweg sperrigen Charakteren zu nähern und sie "lieben" zu lernen. Die Liebesbriefe aus dem Weltall führen nicht zu einem Happyend, aber der Roman wird noch "rund" – und so freue ich mich auf weitere Lethems – die schon bereit liegen!

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  • Leserunde zu "Die Bienen" von Laline Paull

    Die Bienen
    Klett-Cotta_Verlag

    Klett-Cotta_Verlag

    Und schon geht es in die nächste Leserunde! Wir möchten mit euch »Die Bienen«  von Laline Paull aus dem Tropen Verlag lesen. Seid ihr dabei? Infos zum Buch: Ihr Name ist Flora. Ihre Nummer 717. Sie ist ziemlich groß. Ihr Pelz ist struppig. Andere finden sie hässlich. Doch sie ist klug und mutig. Und sie kann sprechen! Flora 717 ist eine Biene. Laline Paull erzählt das ergreifende Abenteuer dieser außergewöhnlichen Biene in einer anderen und doch zutiefst vertrauten Welt. Flora 717 ist eine Säuberungsbiene aus der untersten Kaste im Bienenkorb. Ausgestattet mit Fähigkeiten, die ihren Rang weit überschreiten, steigt sie schnell auf und darf sogar an der Seite der Königin leben. Alles scheint perfekt. Doch ohne es zu wollen, gebiert Flora eines Tages ein Ei. Ein Umstand, der allein der Königin vorbehalten ist und bei Missachtung schwer bestraft wird. Es beginnt ein Wettlauf um Zeit, Nahrung und Geschicklichkeit, um ihr Leben und das ihres geliebten Kindes zu bewahren. Laline Paull inszeniert gekonnt einen Roman über Aufstieg, Liebe und Gerechtigkeit. HIER FINDET IHR EINE LESEPROBE Kurzinfos zur Autorin: Laline Paull studierte Englisch und Theaterwissenschaften in Oxford, Los Angeles und London, wo sie auch für das Royal National Theatre tätig war. Sie lebt mit ihrer Familie in England. »Die Bienen« ist ihr Debütroman. Seid ihr neugierig geworden? Dann bewerbet euch doch und gewinnt eines der zehn Leseexemplare von unseren Bienen! Am 02.10.14 ziehen wir die Gewinner.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Archibald Pynchon-Light

    Archibald Pynchon-Light

    09. August 2011 um 16:42

    Chase Insteadman verkehrt in der High Society Manhattans. Er lebt als ehemaliger Kinderstar von Tantiemen und gelegentlichen PR-Auftritten. Da er ständig auf Dinner-Partys und Charity-Events eingeladen wird, muss er sich nicht um sein leibliches Wohl sorgen. Alle nehmen Anteil am Schicksal seiner Verlobten, die als Astronautin in einer steuerlosen Raumkapsel um die Erde kreist. Doch Chase treibt ebenso orientierungslos durch Manhattan wie seine Verlobten durchs All und bleibt während ihrer Fernbeziehung auch nicht unbedingt treu. Die dekadenten Partys, auf denen er wie ein Maskottchen herumgereicht wird, höhlen ihn aus. Jeder Tag ist wie der andere, bis zu der zufälligen Begegnung mit Perkus Tooth, dem schielenden, ständig kiffenden Kulturkritiker, der in jungen Jahren seine Kritiken auf Plakaten überall in der Stadt aufhängte. Perkus lässt sich in langen Monologen über den Zeitgeist und den Zustand der Kultur aus. Er ist geradezu besessen von Marlon Brando und leugnet hartnäckig dessen Tod. Perkus erwartet seine Rückkehr als eine Art Erlöser, der die Stadt vor sich selbst retten wird. Bei Perkus lernt Chase Ooana Laszlo kennen, die als Ghostwriterin die Autobiografien von traumatisierten Sportlern verfasst. Auch Chases Freund Richard findet sich gelegentlich auf einen Joint in der Küche des Kritikers ein. Dort führen sie herrlich bekiffte Gespräche, wie z. B. als sie Pläne schmieden, um die Adlerplage an Richards Haus zu beseitigen, ohne dass die Tierschützer davon Wind bekommen. Lethem lässt immer wieder phantastische Elemente aufblitzen, ohne sie weiter zu vertiefen. Die gesamte Stadt wird seit Tagen von einem mysteriösen Schokoladengeruch durchweht, dessen Ursache sich niemand erklären kann. Ganze Häuser verschwinden im Erdboden und dann soll sich in der Gegend auch noch ein entlaufener Tiger herumtreiben, der immer mehr zu einer urbanen Legende wird. Daneben präsentiert er banalstes Alltagsleben wie die mitreißende Schilderung eines Bietwettstreits bei ebay: die Euphorie als Höchstbieter, die Anspannung in den letzten Sekunden des Angebotes und der Katzenjammer, nachdem man überboten wurde oder etwas völlig überteuert ersteigert hat, was man eigentlich überhaupt nicht braucht. Er führt die New Yorker Schickeria und Intellektuellenkreise vor. Exzentrische Millionäre, die ihr gesamtes Leben im Pyjama verbringen und schon mal ein ganzes Restaurant mieten, um mit Chase allein zu speisen. Künstler und Redakteure, die stundenlang über Filme, Musik, Malerei, Comics und Literatur fachsimpeln. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Kulturbetrieb. Die schönste fand ich den Verfasser des ziegelsteinschweren, tausendseitigen Romans Störrischer Staub mit dem Namen Ralph Warden Meeker. Leicht lässt sich dahinter David Foster Wallace erkennen. Lethem ist inzwischen von New York nach Kalifornien gezogen und hat die Stellung des verstorbenen Wallace am Ponoma College übernommen. Das Buch verfügt über einen faszinierenden Schauplatz, vier interessante Hauptfiguren, einen hervorragenden Stil und jede Menge skurrilen Witz, dabei bleibt allerdings die Handlung auf der Strecke. Die hervorragenden Zutaten werden leider durch die Geschwätzigkeit der Figuren und das ziellose Umherwandern in der Stadt so lange verdünnt, bis das gesamte Gericht ziemlich fad schmeckt.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Textravaganzen

    Textravaganzen

    30. June 2011 um 23:35

    Der einstige Kinderstar Chase Insteadman lebt vom Überrest seiner 15 Minuten Ruhm in Manhattan. Während seine Verlobte, die Astronautin Janice, vor den Augen der interessierten Presse im All auf einer Weltraumstation verloren ist, verliert sich Chase im süßen Nichtstun der Gesellschaft der Upper Eastside… “Much hides behind what’s assumed about the East Side, even if what’s assumed is true. There are things beyond what’s assumed and true.” (77) Eines Tages trifft Chase auf Perkus Tooth, der gar nicht auf das Schema des Dinnerparty-Smalltalkers passt. Die Beiden freunden sich an und verbringen fortan viele Stunden in Perkus’ Apartment. Dabei teilt Perkus nicht nur bereitwillig sein Marihuana mit Chase oder führt ihn in die sündhafte ‚Chaldron’-Liebhaberei ein, er weiht ihn auch in seine paranoiden Verschwörungstheorien ein. Manhattan ist seiner Meinung nach ein Simulacrum, ein Trugbild, eine Kopie, echter als das Original. Doch Chase ist stets abgelenkt – von einem seltsamen Schokoladengeruch über New York beispielsweise. Doch das eingespielte Team wird unerwartet auseinander gerissen, als Perkus’ Apartmentkomplex von dem mysteriösen entlaufenen Tiger, der Manhattan schon seit einiger Zeit auf Trapp hält, zerstört wird. Die darauf folgenden Geschehnisse sind für Chase dermaßen surreal, dass er viel zu lange braucht, um zu realisieren, dass das Hier und Jetzt kein schlechter Traum ist und er stattdessen gerade erst dabei ist, aus dem schlechten Traum seiner scheinbar so überschaulichen Realität zu erwachen – “for who hasn’t found themselves enlisted in this city’s reigning fictions from time to time?” (87) In Lethems Roman ist Chase Insteadmans Name Programm. Und ‚chronisch’ ist in der Tat der Zustand des Manhattans, wie es in Chronic City porträtiert wird. Chronic City ist sicherlich eine unterhaltsame und gleichsam kritische Ehrerbietung an das Manhattan/New York des 21. Jahrhunderts, doch man sollte bedenken, dass diese kleine, aber dicht bevölkerte Insel nichts Anderes als ein Vergrößerungsglas für unsere gesamte Gesellschaft ist. Hoffnung gibt es dennoch – dank früher Erkennung und guter Medikation lässt es sich auch mit chronischen Krankheiten ganz gut leben. Die Seitenangaben beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe im englischen Original, die 2010 im faber and faber-Verlag erschien.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    laughing_buddha

    laughing_buddha

    25. June 2011 um 21:48

    Eins vorweg genommen: Spass als Motivation ein Buch zuende zu lesen, zählt. Denn unabhängig von der kritisierbaren Qualität eines Buches ist diese subjektive Wahrnehmung stets respektables Mass für jede Lektüre. Ausserdem habe ich mich über den Autor erkundigt. Er ist - zumindest finanziell - über den Berg, so dass er Kritik ertragen kann. Lange Rede: Dieses Buch von der Beobachtung des langweiligen und gelangeweilten Dahinlebens reicher Menschen, Bohemians und sogenannter Künstler in New York ist so überflüssig wie ein dritte Drittelzeit beim Fussball: Zu spät, vorbei, gabs schon, vielleicht noch lustig mit einer originellen Geschichte, aber so? Auf keinen Fall! Dass die NYT auf dem Buchrücken "herrlich betrunkene Sätze, die es dennoch schaffen, aufrecht zu genen" honoriert, hämmert wie ein Stakkato auf JEDER Seite auf mich ein: Ja, genau - Hyper, Hyper oder (Zitat anfang) "Ich ass gerade etwas, dass wie eine Auster aussah, aber wie Foie Gras schmeckte, und das bestellt zu haben ich mich nur vage erinnerte." Herzlichen Glückwunsch für diese kreative Schreibleistung! Das beschriebene Papier wird auf dem - überdachten - Treppenabsatz unseres Mietshauses enden: "Zu Veschenken", damit sich jemand Anderes seiner erbarmen kann. Aber eigentlich ist auch das Quälerei: Du kommst in den Müll! Denn: Nur so kann der Schreiberling motiviert werden, uns beim nächsten Mal etwas Gelungeneres vorzusetzen. Und darüber hinaus, noch mehr Meinung: Es ist eine Schande, dass der Autor den großartigen David Foster Wallace am Lehrstuhl für Creative Writing beerbt hat.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Etsas

    Etsas

    Zum Inhalt braucht nicht mehr viel gesagt werden, es geht um Beeinflussung durch die Medien und Politik sowie das Leben (wenn man dies so nennen kann) von Chase Insteadman. Klingt interessant – ist es auch, eigentlich. Doch warum eigentlich? Die Spannung fehlt ganz einfach. Auch wenn die Figuren durchweg glaubwürdig erscheinen, wirkt die ganze Story irgendwie fade. Der Stil ist zwar so flüssig, dass das Lesen des Ganzen richtig flott geht – könnte aber auch daran liegen, dass wenig Inhalt in den Sätzen zu finden ist. Mit dem späteren Verlauf der Geschichte steigt die Spannung zwar ein wenig an, reißt den Leser aber leider alles andere vom Hocker. Davon abgesehen wirkt alles doch sehr wirr. Zum Ende kann ich wenig sagen, denn ich habe auf den letzten knapp 100 Seiten doch noch aufgegeben (und das passierte mir tatsächlich zum ersten Mal, wenn ich mal so weit bin, wird auch das Ende noch gelesen...), da ich irgendwann nur noch genervt war. Schade, denn die Geschichte an sich hat sehr viel Potential.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Erinnye

    Erinnye

    29. May 2011 um 20:10

    Chase Insteadman ist ein ehemaliger Kinderstar und wegen einer alten Fernsehserie berühmt. Er wohnt in Manhattan und erhält regelmäßig Liebesbriefe seiner Verlobten Janice Trumbull, die als Astronautin im All unterwegs ist. Dann lernt er zufällig Perkus Tooth kennen, der als Kulturkenner und individueller Einzelgänger sein Leben und seine Ansichten auch mit Hilfe von jeder Menge Joints und Kaffee verändert. Perkus ist auch der Ausgangspunkt dafür, dass Chase neue Leute kennenlernt. Unter ihnen die Ghostwriterin Oona Laszlo, der Stadt-Angestellte Richard Abneg und der Obdachlose Biller. Jeder von ihnen hat eine persönliche Charakterseite, die sich im Verlaufe des Buches ändert. Diese Entwicklung verfolgt man als Leser aus der Perspektive des Chase Insteadman. Am Ende ist nur eines wichtig: die Wahrheit. Denn die sieht bei jedem Beteiligten anders aus. Was als kritischer Roman erscheinen soll ist für mich leider lediglich eine Anhäufung von wirren Sätzen und Ansichten, gepaart mit Insider-Kultur-Wissen, für welches ich offensichtlich die falsche Generation und Zielgruppe bin. Außer dem öfter erwähnten Marlon Brando kann ich nichts mit den vorkommenden Namen angeblich großer Künstler anfangen. Bei den beschriebenen Gnuppets scheint es sich um die Muppets zu handeln, weswegen diese aber so oft erwähnt werden ist mir vollkommen schleierhaft. Auf dem Buckrücken wird damit geworben, dass dieser Roman herrlich betrunkene Sätze zu bieten hat. Das mag wohl stimmen. Ich selbst habe aber keinen großen Gefallen daran gefunden und mich irgendwann nur noch dazu gezwungen durch diese abstruse und vollkommen surreale Version des heutigen New York hindurch zu quälen. Sollte evtl eine Lehre darin enthalten sein, so muss ich sie mir mühsam konstruieren. Vielleicht, dass Glamour nicht immer toll ist? Die Geschichte hinterlässt mich ratlos. Der Schreibstil ist dabei fremd, wirr und unpersönlich, genau wie die Charaktere der auftretenden Personen. Warum diese ihre Ansichten so vertreten wie sie es tun oder warum sie diese oder jene Macke haben bleibt total im Dunklen. So leide ich mit dem Protagonisten Chase mit, der ja in der Ich-Form durch diesen Sumpf an Verrückten waten muss. Das dabei ständig mit irgendwelchen seltsamen Ereignissen und Deutungen herumgeworfen wird, macht das Ganze nicht besser. Stichwort Tiger, Stichwort Schokoladengeruch. Vollkommen absurd. Fazit: ein Fiebertraum einer Geschichte. Undurchsichtig, uninteressant, zu gestellt und einfach seltsam. Kann ich eigentlich nur Menschen empfehlen, die diese Art Literatur auch wirklich als Kunst empfinden können. Ich kanns nicht.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    27. April 2011 um 15:32

    Chronic City ist der mittlerweile achte Roman des in Deutschland noch immer recht unbekannten amerikanischen Autors Jonathan Lethem. Im Mittelpunkt stehen Chase Insteadman, ein ehemaliger TV-Serien Kinderstar, der eine sehr ferne Fernbeziehung zu seiner im Weltall festsitzenden Astronautin und Freundin Janice Trumball hat. So erhält er immer wieder mal Liebesbriefe aus dem All. Auf der Erde aber hat er ein heimliches Verhältnis mit Oona Laszlo, die ihr Geld als Ghostwriterin verdient und Autobiografien für Randexistenzen schreibt. Chase spricht nebenbei Audiokommentare für DVD-Veröffentlichungen recht obskurer Filmwerke. Dort, in den baufälligen Hallen der Produktionsfirma, lernt Chase Perkus Tooth kennen. Perkus Tooth ist ein früh gealterter Bohemien, der früher mit seiner Kunst in Manhatten für Aufsehen sorgte, jetzt aber als aussortierter und reichlich kiffender Rockjournalist sein Leben fristet. Da verwundert es nicht, dass er ständig mit rasenden Kopfschmerzen zu kämpfen hat. Beide sind gern gesehene Gäste auf rauschhaften High Society Partys und mondänen Abendveranstaltungen Manhattans, bei denen auch schon mal Lou Reed oder Laurie Anderson auftauchen können. Dann gibt es da noch einen alles fressenden Tiger, der durchaus eine Metapher für eine Tunnelbohrmaschine sein könnte und das Kaldron – eine merkwürdige Keramik, nach der sich Chase und Perkus im Internet umtun. Es ist ein Gefäß mit strahlender Anziehungskraft, welches in der Machtzentrale des Bürgermeisters steht. Auf sehr filmische und musikalische Art erzählt Jonathan Lethem von den nächtlichen Ausschweifungen der New Yorker Gesellschaft. Die schillernden Charaktere lassen einen sofort an das New York des schwulen Dandys Quentin Crisp oder die Dekadenz eines Tom Wolfe denken, aber auch an Dorothy Parker oder Paul Auster. „Chronic City ist ein pralles und überbordendes Buch über Schein und Realität, über Medien und Manipulation, über Täuschung und Sehnsucht und das ist alles wild durcheinander gewürfelt. Daher kann man dieses Buch auf sehr verschiedene Arten lesen und interpretieren. Wahrscheinlich ist es aber auch eine Abrechnung mit den Finanzmärkten und dem entfesselten Kapitalismus ebenso wie ein Roman über den Kunstbetrieb, Vermarktung und über das Klauen von Ideen und Identitäten. Dennoch wirken der Eskapismus dieser geschilderten Welt, die skurrilen Einfälle und Exzentrik dieser Gesellschaften nicht wirklich neu und etwas recycelt.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    sonjastevens

    sonjastevens

    14. April 2011 um 15:32

    Zuallererst muss ich darauf aufmerksam machen, dass ich mich entschieden habe, das Buch nach der Hälfte erstmal abzubrechen, ich habe aber fest vor, das Buch später, wenn ich mich wieder besser darauf konzentrieren kann zuende zu lesen. Warum die Entschuldigung mit der Konzentration? Ich finde dieses Buch recht schwierig, langweilig, nichtssagend - ich finde einfach keinen Draht zu der Geschichte. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass für mich so nervig war zu lesen - es stehen viele Worte da, die einfach wenig, sehr wenig Handlung beschreiben - ich habe das Gefühl, dass es kaum vorran geht in dem Buch. Seltenst bin ich an Stellen gekommen, die mir etwas Spaß gemacht haben zu lesen. Der Inhalt ist schnell erklärt: Dein ehemaliger Kinderstar lebt von seinen Tantiemnen und hat noch dazu eine fragwürdige Berühmtheit erlangt, weil seine Verlobte als Astonautin im All festhängt. Sie vermisst ihn und schreibt Briefe, welche in der Zeitung gedruckt werden. Sie ist ihm egal, er kümmert sich nur um sich, seine bekloppten Freunde und Alkohol und Kiffen und betrügt sie. Was für ein Bild von Mann... Das wäre es eigentlich fürs erste zu meiner Rezension - irgendwann wird dann auch noch der zweite Teil besprochen, falls es sich überhaupt noch lohnt darüber zu schreiben.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Babscha

    Babscha

    Lese auf der Anzeigetafel: Neuer Lethem unterwegs. Einfahrt: in Kürze. Für mich Grund genug, am Testleseschalter schnell ein Ticket zu besorgen und mich dann gemeinsam mit den Anderen in froher Erwartung zum Bahnsteig zu bewegen. Und dann fährt er ein, der „New-York-City-Express“, unser Testlesezug. Was zu diesem Zeitpunkt jedoch niemand ahnt, ist, dass alle Wagen der ersten Klasse abgekoppelt und wahllos durch Waggons der zweiten und dritten Kategorie ersetzt wurden, der Speisewagen nur weitgehend unverdauliche, schwer im Magen liegende Speisen mitführt, die Befüllung des Kohletenders nur für die Befeuerung von maximal der halben Strecke reicht und zu allem Überfluss Leerwaggons angehängt sind, die die Geschwindigkeit des Zuges streckenweise bis auf Kriechgeschwindigkeit verlangsamen werden. Guten Mutes aber steigt man erst mal vorne ein, macht sich´s bequem, schaut hinaus in die Leselandschaft und los geht´s: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Die story? Im Milieu der Upper East Side New Yorks lässt der Autor mehrere grundverschiedene Personen aufeinander treffen: Chase, antriebs- und orientierungslos, hält sich als geduldetes Anhängsel der Upper Class ganz passabel über Wasser, Richard, Vertrauter des Bürgermeisters, smart und mit allen Wassern gewaschen, auf der anderen Seite dann Perkus, die eigentliche Hauptperson des Buches, ein exzentrischer Intellektueller mit Hang zu Verschwörungstheorien und selbst gebastelten Joints, daneben Oona, seine Mitstreiterin aus Revoluzzertagen und spätere Geliebte von Chase. Sie alle werden in einem mehr oder weniger obskuren Handlungsrahmen so zueinander in Beziehung gesetzt, dass sie nach und nach Perkus´ eigenartiger Aura erliegen und teilweise die eigene Identität einbüßen. Dies hat Folgen. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Derweil im Zug? Erster Unmut unter den Mitreisenden. Fragen kommen auf: Wohin fahren wir überhaupt? Sind wir noch im richtigen Gleis? Eigentümliche, vernebelte Landschaften draußen lassen kein klares Urteil zu. Wo sind eigentlich Zugführer und Zugbegleiter abgeblieben? Erste Rufe nach Zwischenhalten werden laut. Alles setzt sich weiter Richtung hintere Waggons in Bewegung. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Halbe Strecke geschafft. Massive Verlangsamung des Zugtempos bereits an leichten Steigungen. Niemand da, an den man sich wenden könnte. Erste Fahrgäste haben die Notentriegelungen betätigt und erwägen den Absprung, können allerdings von den Mitreisenden noch abgehalten werden. Niemand möchte gern allein auf dem führerlosen Geisterzug zurück bleiben. Man drängt weiter Richtung Zugende in der Hoffnung, hier Antworten und Erklärungen zu finden. Werden Kohle und Dampf bis zur Ankunft reichen? Dann: Leichte Entspannung, der Nebel klart etwas auf, der Zug beschleunigt. Jetzt durchhalten. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Das Ende ist in Sicht. Der Zug rollt unerklärlicher Weise immer noch, angetrieben nur noch von gutem Willen und dem sehnlichen Wunsch, anzukommen. Jetzt endlich auch ein paar klärende Durchsagen an die Reisenden, die allerdings keine grundlegend neuen Erkenntnisse oder Stimmungsverbesserungen mehr bewirken. Endlich: Zieleinfahrt. Knirschend und ruckelnd kommt der Lesezug zum Stillstand. Weitgehend unzufriedene Gesichter. Soweit erkennbar aber alle noch an Bord. Erwartungsvolle Blicke des Empfangskomittees am Bahnsteig. Schweigendes Kopfschütteln als Antwort. Überstanden. Jetzt raus hier. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Fazit: Schade, aber aus meiner Sicht kein überzeugender neuer Wurf von Lethem. Da waren die New Yorker Vorgängerbände, vor allem die „Festung der Einsamkeit“, um Längen besser. Die verworrene story ist überfrachtet mit sich wiederholenden, teils episch lang ausgebreiteten Zustandsbeschreibungen der Beteiligten und hat keinen klaren, stringenten Handlungsfaden. Die Hauptprotagonisten bleiben blass und unspezifisch und können den Leser emotional weder für noch gegen sich einnehmen. Was bleibt, ist Ratlosigkeit. Hoffen wir auf die Zukunft.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    Robert_05_85

    Robert_05_85

    06. April 2011 um 12:56

    Es ist schon ein etwas seltsames Buch: Ein Tiger, der sich durch New York gräbt; ein einäugiger Kulturkritiker; merkwürdiger Schokoladengeruch, der über der ganzen Stadt liegt. All das verbindet Lethem zu einem großen N.Y.-Roman, während jedes Ereignis dennoch für sich bleibt. Doch von Anfang an: Wir lernen Chase Insteadman kennen, einen ehemaligen Kinderstar, der noch heute von den Tantiemen der Serie lebt, in welcher er vor Jahren mitgespielt hat. Abgesehen von seinem bezaubernden Charme, ist Chase auswechselbar, kaum er selbst und doch das Sinnbild eines jeden New Yorkers, der in der grauen Masse verloren geht. Er ist jedermann, nur nicht er selbst – der Name ist Programm: Instead_man. Während Chase' Verlobte, mit der er nie viel gemeinsam hatte und von der wir nur am Rande durch ihre Briefe erfahren, im Weltall festsitzt, widmet sich der Schauspieler den irdischen Dingen: Er lernt Perkus Tooth kennen, einen schrulligen Kulturkritiker, der hauptsächlich von Kaffee und Marihuana lebt. Die Sorte »Chronic City« wird bevorzugt geraucht und verleiht dem Buch seinen Namen. Die gemeinsamen Abende geben dem Buch – das muss gesagt sein – keine besonders handlungsgetriebene Geschichte, sondern leben eher von den Charakteren, welche größtenteils durch ihre offensichtliche Oberflächlichkeit wirken. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Chase in eine Ghostwriterin verliebt, welche genauso blass und unscheinbar daherkommt wie es der Name ihres Berufes suggeriert. Obwohl in das heutige New York verlegt, umgibt die Stadt eine Aura des Futuristischen: Es herrscht ein Krieg zwischen den USA und China, der im Weltall ausgetragen wird, es werden Kunstwerke in Form von Kratern im öffentlichen Raum erstellt und ein Tiger, der sich als Bohrer entpuppt, unterhöhlt die Viertel der Stadt – bevorzugt die weniger lebenswerten. Bürgermeister Arnheim erinnert dabei immer wieder an Rudy Giuliani und Michael Bloomberg, die echten Bürgermeister, die für eine Aufwertung der Lebensqualität eintraten/eintreten und es sich auf die Fahne geschrieben haben, neuen, günstigen Wohnraum zu schaffen. Dies alles geht natürlich nicht ohne Einschränkungen, weder in der Wirklichkeit noch im Roman von Lethem: das ›Einstampfen‹ der unpopulären Straßenzüge ist gleichermaßen Symbol dafür wie die erhöhte Polizeipräsenz. Belohnt wird der Bürger jedoch mit Straßen ohne Obdachlose und dem süßlichen Schokogeruch, der die Nasen erfüllt. Es ist mit Sicherheit nicht die Handlung, die dieses Buch ausmacht, denn von ihr gibt es nicht allzu viel während der immer wiederkehrenden Nächte, die man sich mit dem Gras-Genuss um die Ohren schlägt. Es sind die Töne, dazwischen, die die Lektüre so lesenswert machen. Die klangvollen Sätze, die so präzise ausgearbeitet (und grandios übersetzt!!!) sind wie die Straßenzüge der Stadt selbst. Die Dialoge führen so manche Diskussion ›ad absurdum‹ und versprühen stets einen sanften, unaufdringlichen Humor. Es ist sicher kein Buch für jedermann, aber wenn man sich einmal in die Welt von Chase und Perkus hineingefunden hat, wird man mit einer faszinierenden Sprache belohnt und mit Diskussionsthemen, wie man sie wohl in kaum einem anderen Buch findet.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    dyke

    dyke

    Ich habe mich entschlossen das Buch nach 148 Seiten abzubrechen. Die mir verbleibenden Lesezeit lässt es nicht zu ein Buch zu lesen, dass mich nach einem Drittel nur langweilt und mir geht jegliches Verständnis des geschriebenen ab. Das Leben von zwei von vergangenem Ruhm zehrenden und lebenden, die ihre Leben jetzt mit sinnlosem Gerede füllen ohne das je wieder etwas zur Gesellschaft beizusteuern bleibt für mich so, wie es erzählt wird: bekifftes Geschwätz. Schade, der Name Jonathan Lethem hat mir mehr versprochen. Wenn ich einen New York- und/oder Manhattan-Roman lese will, greife ich lieber nochmals Nick Cohns „Das Herz der Welt“ oder „Manhattan Babylon“. Lesen ist für mich ein Vergnügen und keine Quälerei.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    charlot

    charlot

    23. March 2011 um 16:48

    Was ist des Pudels Kern? Diese Frage stellt sich der Leser sehr lange, während er den neuen Roman von Jonathan Lethem „Chronic City“ liest. Der in Manhattan ansässige Chase Insteadman, ein ehemaliger TV-Serienstar und Verlobte einer Astronautin, die im Weltall gefangen ist und nicht zurückkehren kann, lernt den Musikkritiker Perkus Tooth kennen und gelangt durch ihn in eine Welt, die im Verborgenen liegt. Schon die Wahl der Namen erinnert an die Verbindung von Name und Person in den Werken von Dickens und ähnlich dicht ist auch die Handlung angelegt. Der Leser wird stark gefordert und benötigt viel Durchhaltevermögen, um der undurchsichtigen und surrealen Handlung zu folgen. Das Erstaunen, das zu einer Begeisterung führt, setzt erst im letzten Drittel des Buches ein, wenn die Zusammenhänge klar werden und der Leser entdeckt, dass er von Anfang an hinters Licht geführt wurde. Nichts ist so wie es den Eindruck erweckte zu sein und alles wird zu einem großen Ganzen zusammengeführt, wo vorher nur Bruchstücke eines dekadenten Lebens auf Charity Veranstaltungen und im Drogenmilieu gegeneinander gestellt werden. Leser, die in der Welt der PC Spiele zu Hause sind, werden kein Problem haben, dem Verlauf der Handlung zu folgen. Alle anderen können sich auf eine überraschende Entdeckungsreise einlassen, die letztendlich die Realität in Frage stellt. Wie viele Realitäten gibt es? In welcher verortet sich der Leser? Wie leicht lässt er sich verführen, an etwas zu glauben, was nicht existent ist? Sind wir alle nur eine Simulation, die in einer Hyperrealität leben? Baudrillard und seine Nachfolger schauen aus den Ecken der „Perkusspähre“ hervor und Lethem veranschaulicht, wie subjektiv die „Wirklichkeit“ ist. Der Roman ist eine herrausragende Lese-Erfahrung, die erst im Nachhinein wirkt und tiefe Spuren in den Gedanken hinterlässt.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    23. March 2011 um 12:00

    Degeneration und Auflösung Perkus Tooth hat das Zeug zur Kultfigur, auch wenn er gar nicht die alleinige Hauptfigur des epischen Romans von Jonathan Lethem ist. Dennoch ist diese Figur mit dafür zuständig, dass von Beginn an ein Hauch von surrealem Abgesang über dem ganzen Buch liegt. In Tooth bündelt sich nicht nur der Niedergang eines ehemals in seinen Kreisen bekannten Musikkritikers, ein Niedergang, der mit seiner Tätigkeit als professioneller Musikkritiker begann, sondern zugleich ist er auch ein Bild für eine Form des kulturellen Niedergangs der ehemaligen Kulturhauptstadt New York. Ein Bild dessen, dass die Stadt (und mit ihr durchaus allgemein geltend) ihren kulturellen Bodensatz verliert, den Humus der Subkultur und er freien Experimente innerhalb dieser.. Allein schon die Absteige, die Trooth Wohnung nennt, zeigt, wohin die ehemals Pop-Kultur orientierte Szene nach 2001 sich entwickelt hat. Auf diesen Perkus Tooth nun trifft der Ich Erzähler des Romans, Chase Insteadman (der „Statt-dessen Mann“) gleich im ersten Satz des Buches und von da an verbinden sich die vor sich hin mäandernden Geschichten der beiden Männer. Der Beginn einer „wunderbaren Freundschaft“, passend zur Tätigkeit von Chase Insteadman, der gerade eine Dokumentation zu einem längst vergessenen Film einsprechen soll. Eine wunderbare, alte Filmzeit, die Insteadman auch für sich hinter sich liegen hat als nun materiell relativ unabhängiger, ehemaliger Fernsehkinderstar. Und eine Freundschaft mit Folgen. Mit nicht sonderlich gesunden Folgen für Chase. Hinzu treten im Lauf der Zeit vielfache, ebenso exotisch gezeichnete Charaktere, die eines vor allem verbindet. Alle gehören in der ein oder anderen Form zu einer selbsternannten High Society der Stadt. Selbst die offizielle Verlobte von Chase Insteadman (neben seiner Geliebten, natürlich) ist eine Berühmtheit. Sie treibt als Astronautin in einer defekten Weltraumstation dem Tod entgegen und nutzt die ihr verbleibende Zeit, um einen rührenden Liebesbrief nach dem anderen an ihren irdischen Verlobten zu senden. Landesweit beachtet und abgedruckt, während Chase sich gutem Marihuana hingibt und in endlosen Diskussionen über Filme mit Perkus die Zeit verstreichen lässt, so nicht gerade eine Party ruft und lockt, die er als B-Promi schmückt. Bizarr und nicht ganz real ist diese Welt, die Lethem in seiner Geschichte entfaltet, aber doch real genug, um in all den fantastischen Begebenheiten erkennen zu lassen, wie sehr der Niedergang der vormaligen Intelligenz und Subkultur voranschreitet. Ein Symbol für dieses Verständnis vom Niedergang ist der Architekt Noteless im Buch, der sich als Künstler versteht, riesige Löcher in die Stadt schlägt und damit bildhaft zeigt, wie der Verfall voran schreitet. Was wundert es, dass Chase Insteadman in all diesem Taumel sich mehr und mehr „niedergeschlagen und verloren“ fühlt und hier und da daran zurückdenkt, wie gepflegt und, vor allem, rücksichtsvoll wohlerzogen er war, bevor er Perkus Tooth kennenlernte. Einer, der das Gefühl zu schildern weiß, sein „Leben entleert“ zu haben. Aber war es je gefüllt? Vieles ist nicht, wie es scheint, dass vor allem bleibt zum Ende der Lektüre. Selbst die melodramatische Geschichte der Astronautin und ihres irdischen Verlobten wird augenreibend sich noch ganz anders darstellen, als es zu Beginn scheint. Auch dies ein treffendes Bild für diese Geschichte, in der deutlich wird, das der Schein schon längst alles Sein überholt und hinter sich gelassen hat. Große Reden als heiße Luft, die durch nichts von Substanz gefüllt werden und hinter denen nur mehr die Vorherrschaft des Geldes und der Vermarktung die einzig wirklich tragende Rolle spielen. Ein Sujet, dass Lethem in bester Weise durch ein ständiges von Nebel, Schneefall oder Rauch getrübtes New York einfängt. Ein Dunst, der nicht mehr klar sehen lässt und in dem eine wirkliche Orientierung fehlt. Kurzlebiger Schein, das ist alles, was in dieser leicht ver-rückten Welt aus Chronic City noch antreibt und über bleibt. Auch Chase selbst ist ja einer derer, die ihr Leben nur gespielt haben (und, wie sich herausstellen wird, weiterhin in wesentlichen Teilen nur spielt). Oder ist das alles hier nur eine großangelegte Täuschung? Ein Buch gewordenes „Matrix“? Alle Namen des Buches deuten darauf hin, dass hier mit einer doppelbödigen Wirklichkeit gespielt wird, die keine wirklichen Anhaftpunkte für ein stabiles Leben mehr zu geben vermag. Auch die Hoffnung, die Chase in Trooth steckt für das Finden eines realen Ankerpunktes, trügen. Ein düsteres und dennoch wahres Bild, dass Lethem mit überbordender Fantasie und wortreicher Sprachmacht zeichnet. Ein Bild, dass einen nicht mehr loslässt, so man in die Welt von Chronic City einmal eingetaucht ist.

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  • Rezension zu "Chronic City" von Jonathan Lethem

    Chronic City
    PrinzessinMurks

    PrinzessinMurks

    14. March 2011 um 12:51

    Ich habe abgebrochen. Zumindest das lineare Lesen, denn jedem, der der Web-Lesegewohnheit etwas abgewinnen kann, empfehle ich, sich bei einem Kaffe in die Sonne zu fläzen, das Buch nach den ersten 6 Kapiteln einfach wahllos aufzuschlagen und dann so lange quer zu lesen, bis man in etwa in der Story wieder drin ist. Im ganzen scheint mir die Idee der Geschichte am Ende sehr interessant zu sein - allein die ausschweifende, pseudointellektuelle Erzählweise bricht dem Schinken das Genick. Apropos Schinken. Als Novelle, befreit von den Wucherungen des Schwafelns hätte mir die Story dahinter sehr gefallen. Deswegen auch der zweite Stern.

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