Jonathan Littell Die Wohlgesinnten

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Inhaltsangabe zu „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell

Im Februar 2008 erschien im Berlin Verlag der Roman, den Jorge Semprun als »das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte « bezeichnet: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Über Monate hielt er die deutsche Literaturkritik in Atem. Mit den fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, zeichnet Jonathan Littell ein erschreckend detailgenaues Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten aus Sicht eines Täters. »Das ist ein Roman, und das ist ein Autor, vor denen man sich verneigen muss«, schrieb Andreas Isenschmid in der NZZ am Sonntag. Die Wohlgesinnten erscheint im Oktober 2009 im Berliner Taschenbuch Verlag.

Über weite Strecken ein grandioses Buch, das seinen eigenen, intensiven Sog entfaltet. Leider fällt die Handlung gegen Ende hin ab.

— Mundus
Mundus

Ein in jeder Hinsicht monströses und schonungsloses Buch. Hervorragend geschrieben und recherchiert.

— Stefan_Henschel
Stefan_Henschel

Ein wahnsinniger Roman. Lässt den Leser verstört mit dem Wissen zurück, dass es so ähnlich gewesen sein muss.

— Gulan
Gulan

Fesselnd, verstörend. Das Buch geht an die Grenzen und wirkt sehr lange nach.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Ich lese gerade das englische E-Book - und bin begeistert! Doch, dieses Buch "muss" einfach sein. Wenn man es schrecklich findet, liegt das an der damaligen Zeit - nicht am Buch! Ich finde, das erste Kapitel, "Toccata", sollte Pflichtlektüre in allen Schulen werden. Es führt uns vor Augen, dass wir es uns oft sehr einfach machen mit der "Schuldfrage". Womit ich natürlich nichts entschuldigt haben will...

— rumble-bee
rumble-bee

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  • Harter Tobak

    Die Wohlgesinnten
    dominona

    dominona

    19. October 2014 um 15:31

    Fiktiv aber treffend wird ein Einblick in die Wehrmacht des zweiten Weltkriegs gegeben - mit einer Hauptperson, von der man nicht weiß, wie man sie einschätzen soll und wer die Wohlgesinnten sind, ist eine Frage der Interpretation. Ein großes Thema ist auch der exessiv betriebene Holocaust und spätestens diese Beschreibungen lassen einen nicht kalt. Das Buch ist erstaunlich gut im vermitteln von Situationen und Stimmungen durch Dialoge. Die Naturbeschreibungen gehören dazu, um es abzurunden, sind aber eigentlich nur Beiwerk. Wer das Thema so nah an sich heranlassen kann, um dem SS-Mann über die Schulter zu schauen, sollte unbedingt zugreifen.

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  • - Hypochrisy -

    Die Wohlgesinnten
    Hypochrisy

    Hypochrisy

    28. July 2014 um 14:21

    Seit Goldhagens Hitlers willige Vollstrecker hat kein Buch, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, für so viel Aufsehen gesorgt wie Jonathan Littells Die Wohlgesinnten. Hymnischer Beifall begleiten das Erscheinen des Werks in Deutschland ebenso wie vernichtende Fundamentalkritik.

  • Spannungs-Pakete für den Winter aus dem Knaur Verlag gewinnen!

    Todeskleid
    Eltragalibros

    Eltragalibros

    Ihr seid Fans blutiger Spannung? Dann lest weiter! Die Verlagsgruppe Droemer Knaur verlost an euch 5 Buchpakete mit je 4 aufregenden Krimis und Thrillern! Eine brutale Mordserie an jungen Mädchen, der Beginn einer komissarischen Karriere, der >Eismumien-Mörder< und zwei tote Amerikaner kreuzen euren Weg in diesem spannungsgeladenen Quartett. Karen Rose: Todeskleid Privatdetektivin Paige Holden vertritt einen Klienten, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Unschuldig, behauptet er. Wer aber hat den brutalen Mord an dem 12-jährigen Mädchen im blauen Kleid verübt? Die attraktive Privatdetektivin findet heraus, dass es eine ganze Serie toter Mädchen gibt. Alle blondgelockt, alle blau gekleidet. Durch ihre Ermittlungen bringt sich Paige selbst in größte Gefahr. Ein Scharfschütze verfehlt sie nur um Millimeter. Höchste Zeit, den charismatischen Staatsanwalt Grayson Smith um Hilfe zu bitten … Andreas Föhr: Totensonntag TOTENSONNTAG erzählt Kommissar Wallners allerersten Fall: Im Herbst 1992 ist Clemens Wallner frischgebackener Kriminalkommissar. Bei einem Besäufnis auf einer Berghütte am Tegernsee, zu dem Kreuthner ihn mitgenommen hatte, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme. Vom Geiselnehmer erfährt Wallner von einer dramatischen Geschichte, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ereignet hat und die Kreuthner alias »Leichen-Leo« den Hinweis zur Entdeckung seiner ersten Toten liefert. Es handelt sich um ein Skelett in einem edelsteinbesetzten Sarg mit einer Kugel im Schädel … Lisa Jackson: Vipernbrut Eine Villa im Hamburger Süden und darin zwei tote Amerikaner. Außerdem: ein schnüffelnder Ex-Kommissar, ein paar sehr höfliche Autonome, eine durchgeknallte Schwedin, Immobilienhaie, eine Freundin, die vielleicht ein Kind bekommt, ein schnöseliger Kollege – und überall der mafiose Behördensumpf. Mittendrin stapft Staatsanwältin Chas Riley durch den Novembernebel und braucht all ihre Kraft, um nicht darin unterzugehen. Simone Buchholz: Schwedenbitter Der neueste Fall für Detective Selena Alvarez und Regan Pescoli: In der Kleinstadt Grizzly Falls, Montana, werden mehrere Frauen vermisst. Eine der Vermissten taucht schließlich auf bizarre Weise wieder auf: nackt eingefroren in einen kunstvoll bearbeiteten Eisblock, integriert in ein Weihnachtskrippenensemble. Schon wenig später stoßen die Detectives auf die nächste Frauenleiche – positioniert als eisige Skulptur in einem Vorgarten. Schauerliches Detail: Die Tote trägt ein Schmuckstück von Selena Alvarez. Der »Eismumien-Mörder« macht Schlagzeilen. Steht die Polizistin im Visier dieses Psychopathen? Ihr habt Lust auf 4x puren Nervenkitzel? Dann bewerbt euch für eines der 5 Buchpakete! Bis einschließlich 18. Dezember habt ihr Zeit folgende Bewerbungsfrage zu beantworten: Was war für euch die schockierendste oder gruseligste Mordvariante, von der ihr je gelesen habt?

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    • 632
  • Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

    Die Wohlgesinnten
    DamonWilder

    DamonWilder

    25. June 2013 um 11:47

    Darf ein SS-Offizier sympathisch, intelligent und gebildet sein? - Dieser Frage geht Jonathan Litell in seinem preisgekrönten Roman “Die Wohlgesinnten” unter anderem nach und meine antwortet lautet: ja er darf. Der Autor nimmt den Leser mit auf die Reise quer durch das Europa zwischen 1933 - 1945 von der Machtübernahme der Nazis bis zu Hitlers Selbstmord im Führerbunker und der deutschen Kapitulation. Erzählt wird das alles aus Sicht eines hohen Nazi-Offiziers, der sich noch rechtzeitig nach Frankreich absetzen kann und in den 80ern seine Geschichte retrospektiv erzählt. Litell verknüpft historische Wahrheit und Fiktion gekonnt zu einem großen Ganzen und hat einen sehr ergreifenden Roman geschrieben, der einen zwiespältig zurücklässt, weil man sich letztlich die Frage stellt, welche Rolle und Haltung man als Deutscher wohl selbst im zweiten Weltkrieg eingenommen hätte.

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    kelso

    kelso

    Es steht schon so lange hier rum und ich traue mich nicht ran...teils wegen der gewaltigen Seitenanzahl, teils aber auch wegen der Rezensionen hier...was soll ich nur tun...???

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    TheSaint

    TheSaint

    01. August 2012 um 21:50

    1.359 Seiten. Auf diesen Seiten werden dem Leser durch einen äußerst begabten, mit einer teilweise sprachlos machenden Gabe des Erzählens versehenen Autors die abgrundtiefen Seiten der menschlichen Spezies vor Augen geführt. Jede Seite des Romans bestätigt es aus tiefster Inbrunst: Die Spezies Mensch ist wohl die abstossenste Spezies, die auf dieser Welt ihr Dasein fristet... während sich andere Gattungen nur der Arterhaltung wegen bekämpfen und töten, macht der Mensch die abscheulichsten und absolut unsinnigsten Sachen, um seiner eigenen Art in beinahe jeder erdenklichen Art und Weise zu schaden... ohne Rücksicht darauf, dadurch auch andere Gleichgewichte der Natur ins Wanken zu bringen. Der Autor, der unheimlich viel und auch genau rechcheriert haben mag, neigt leider bei einigen Passagen dazu, dieses Erfahrene allzu detailgetrau einzubauen und diese Wucht an Namen, Orten und Szenen lähmt den Erzählfluß etwas... verwirrt und langweilt trotz der Wichtigkeit des Geschehenen. Auch die Präsentation des familiären Backgrounds dieses Dr. Maximilian Aue ist ein weiterer sehr gewaltiger Brocken, der allein schon ein Buch füllen könnte. Hier verliert sich der Autor etwas in der verworrenen Familienkonstellation und führt den Leser in einen tiefen, sehr dunklen erotischen Morast. Das Ende dieser Tour de force ließ mich dann aber doch etwas unzufrieden ein Buch schließen, welches ein wahres MUSS für den Leser von historischen Geschichten ist! ABSOLUT ZU EMPFEHLEN!

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    einMalTee

    einMalTee

    19. February 2012 um 18:50

    Der Inhalt ist überall nachzulesen. Warum dieses Buch so genial ist, liegt wohl an der Art und Weise, wie der Auor Jonathan Littell seinen Protagonisten Dr. Maximilian Aue in Szene setzt. Und der Reiz der harschen Kritik, die an dem Buch ausgeübt wurde, macht es interessant. Natürlich kann man fiktiv über Ereignisse über den 2. Weltkrieg schreiben. Wieso nicht?! Wenn es wie in diesem Fall so gut recherchiert ist, steht dem nichts im Wege. Die Zweifel und nach außen hin entschiedene nationalsozialistische Überzeugung von Aue, sowie seine ausgelebte Homosexualität, machen ihn sympathisch, auch wenn er genauso schuldvoll an der Judenvernichtung ist, wie alle anderen Beteiligten auch. Ein Widerspruch. Zu Loben ist, dass selten von Hitler gesprochen wird, sondern die Macht und der Einfluss Himmlers deutlicher im Vordergrund steht. Trotzdem ist Aues Handeln oft nachvollziehbar. Littell zieht den Leser in einen Sog, in dem man dringend die Distanz wahren muss, sonst findet man es irgendwann noch gut, was er macht. Ohne groß auszuholen: Das Buch ist faszinierend, oft sehr erschreckend und doch auf eine gewisse Art und Weise sehr menschlich. Auch die 1370 Seiten lassen sich sehr schnell lesen, da die Spannung nie loslässt. Dringende Leseempfehlung!

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    Thaila

    Thaila

    In einem Kraftakt habe ich das Buch bewältigt. Mir hat es allerdings nicht besonders gut gefallen. Das Buch scheitert an seinem Grundparadoxon: Max Aue soll gleichzeitig die Durchschnittlichkeit der Täter symbolisieren, die nicht aus Sadismus oder Hass, sondern nur aus Pflichterfühlung töten, gleichzeitig ist er alles andere als durchschnittlich. Er hat eine Affäre mit seiner Schwester, tötet seine Mutter und ist die nie über den Verlust seines Vaters hinweggekommen - offensichtliche Züge eines pathalogischen Täters. Littell vermengt hier zwei vollkommen unteschiedliche Modelle von Täterschaft. Das ganze ist unlogisch und psychologisch unglaubwürdig. Ungefähr 600 Seiten weniger hätten dem Buch sicherlich nicht schlecht getan. Nach dem 20 Fäkaltraum hat es wohl auch der letzte Leser verstanden. Die Länge, wie den gesamte Erzählstil, fand ich ziemlich prätentiös: eine Sosse aus Psychoanalyse, Hannah Arendt und ein bißchen Kafka. Die unglaubliche Aufregung um diesen Roman kann ich wirklich nicht verstehen, hat es doch Edgar Hilsenrath in seinem Roman "Der Jude und der Friseur" sehr viel früher schon sehr viel besser gemacht - leider war die Zeit, als sein Roman erschien, noch nicht reif!

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    Bibipiano

    Bibipiano

    05. November 2011 um 13:24

    Das Buch muss ich erstmal verarbeiten...

  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    HelgeDenker

    HelgeDenker

    18. June 2011 um 16:30

    1380 Seiten, da habe ich mir was vorgenommen. Doch ich glaube, es muss sein.

  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    Darkforest

    Darkforest

    04. April 2011 um 22:21

    Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Genial.

  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    Rabenfrau

    Rabenfrau

    14. August 2010 um 16:39

    „Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen wie es gewesen ist.„ Der jüdische Autor Jonathan Littell versetzt sich in seinem Debütwerk „Die Wohlgesinnten“ mit seiner Figur Max Aue, SS-Obersturmbannführer mitten hinein in die Zeit des Nationalsozialismus, der Völkervernichtung und Judenverfolgung. Er versucht nicht nur zu beschreiben was damals geschehen ist, sondern sucht einen Weg die Beweggründe des Einzelnen auszuloten, wie sich die Täterschaft von innen anfühlt, um die Zeit-Online zu zitieren. An sich ein interessanter Ansatz, allerdings schleppt sich dieses über 1300 Seiten lange Werk dahin. Der Autor ergötzt sich an Nichtigkeiten, seitenlanger Beschreibungen von für die Handlung komplett unwichtiger Dinge, der Idealisierung sowie des versuchten Suchens nach Sympathie für den philosophisch veranlagten Max Aue. Der Roman schebt oft zwischen Splatter und Softporno, und hält bei aller Liebe nicht das was er verspricht. Es kommt mir eher vor wie eine Verherrlichung des Nationalsozialismus, eben auch deswegen weil Hauptfigur Max Aue nichts von dem was er getan hat bereut. In der französischen Presse wurde das Buch gefeiert, ich selbst allerdings muss sagen, dass ich diese Lobeshymnen bei aller Liebe nicht verstehen kann. Stattdessen frage ich mich, wie man diese langatmigen und vor allem langweiligen Ausführungen, gewürzt mit viel Blut, herumfliegenden Gedärmen, vielen Toten und Sex überhaupt durchhalten kann. Ich bin mir, nach knapp 300 Seiten nicht sicher, ob ich das Buch jemals beenden werde. Vielleicht wenn es das einzige Buch in meiner Nähe ist, das ich zum Lesen zur Verfügung habe. Das letzte Buch auf der Welt quasi. Aber das wird wahrscheinlich eher nicht vorkommen. Kurz, es wird wohl auf ewig auf dem Stapel meiner unbeendeten Bücher versauern.

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    PaulTemple

    PaulTemple

    05. July 2010 um 16:56

    Vielschichtig, fesselnd, detailliert. Mit diesen drei Adjektiven lässt sich die Lektüre aus meiner Sicht gut auf (zugegebendermaßen) drei Punkte bringen. Vielschichtig: Der Autor versteht es auf nahezu brillante Weise, das Romangeschehen auf mehreren geistige Ebenen anzusiedeln. Zum einen die "normale" Handlung, bei der der Protagonist und ehemalige SS-Obersturmbannführer Maximilian Aue seine Handlungen und Karriere zwischen 1941 mit dem Beginn des Russlandfeldzugs und der Zerstörung Berlins im Frühjahr 1945 darlegt. Aue ist insbesondere mit der Organisation der "Endlösung" der Judenfrage beauftragt und der Leser bekommt die Geschehnisse aus der Täter-Perspektive mitgeteilt. Doch der Autor lässt Aue nicht bloss die historischen Geschehnisse berichten und einschätzen, sondern ebenso auch seine eigene persönliche Geschichte erzählen, die mitunter von Inzest und Muttermord geprägt ist. Hier werden Verbindungen zur griechischen Tragödie sehr deutlich. Littell schafft es zudem, eine ständige Verbindung zwischen den historischen und persönlichen Ereignissen seines Protagonisten herzustellen, die den Roman als ein "Ganzes" erscheinen lassen. Fessselnd: Der Erfolg eines Romans steht und fällt mit dem Talent des Autors, den Leser zu fesseln. In diesem Fall lässt Littell den fiktiven Erzähler Aue immerhin knapp 1400 Seiten Bericht erstatten. Und dies gelingt mit Bravour: Sehr detailliert, mitunter sehr grausam und ekelerregend, mal eher philosophisch, dann wieder berichtend, später sehr emotional: Der Schreibstil des Autors steckt voller Facetten, die die jeweiligen Geschenisse umso authentischer und "lebhafter" gestalten. Der Roman ist wahrlich keine leichte Kost, weder auf intellektueller, noch auf sexueller oder gewalttätiger Ebene. Detailliert: Littell hat exzellente Recherche betrieben und so trumpft der Roman mit einer Vielzahl von Details mitunter zur damaligen Organisationsstruktur von Militär und Staat auf. Dies lässt die Beschreibungen des Protagonisten nochmals um einiges glaubwürdiger erscheinen. Seien es zeitliche Abläufe, die Aufgabenbereiche einzelner Abteilungen, Diskussionen über mögliche Problemlösungen etc. Auch hier wirkt der Roman wie aus einem Guß. Fazit: Ich habe bislang noch keinen Roman gelesen, der die Judenvernichtung des Dritten Reichs dermaßen vielschichtig, detailliert und umfassend thematisiert. Klare Kaufempfehlung!

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  • Liebe Lesende, gibt es Bücher, die euch richtig wütend gemacht ha...

    DaniM

    DaniM

    Liebe Lesende,
    gibt es Bücher, die euch richtig wütend gemacht haben? Nicht weil sie so schlecht geschrieben sind oder weil die Geschichte so langweilig war, sondern wegen des Inhalts ?

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  • Rezension zu "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten
    Gert

    Gert

    03. December 2009 um 19:35

    Ein sehr umstrittenes und seit seinem Erscheinen 2007 viel diskuttiertes Buch eines fiktiven SS Offiziers und seiner Karriere im Dritten Reich. Dieses Buch ist 1400 Seiten lang und hat mich bis zum letzten fasziniert. Zum einen die Sprache, Sehr brutal, detailliert und grausam. Die ganze Sache brachte mich zu dem Punkt : Wo stand und wie war mein Vater ? Das Buch endet in dem Inferno in Pommern, wo mein Vater fiel, und Berlin. Dann die Frage: Wie hätte ich reagiert ? Wahrscheinlich wäre ich auch Nazi geworden. Das Buch sagt, jeder kann es gewesen sein oder geworden sein. Das Buch bringt eine Unzahl von historischen Details, sie sind wahrscheinlich auch richtig. Aber der ganze Plot wird zu einem sprachlichen Inferno. Vieles habe ich dann, ebenso wie nicht endenwollende Details über Amtzuständigkeiten etc, überlesen, weil die Sprache einfach keine Reaktionen über die Grausamkeiten mehr hervorrufen konnte bei mir. Aber das ist großartig. Ebenso natürlich die Figuren, die Beschreibung der Situationen, der Arroganz. Es ist immer eine Flasche Cognac da und die Uniform sitzt und ist sauber. Bin sehr beeindruckt und werde dieses Buch nochmals detaillierter lesen.

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