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Mr. Rail

vor 9 Jahren

(39)

Historisch brillant recherchierte Darstellung des Genozids aus Tätersicht.

Dieser Täter ist genau das nicht, was man gerne verdaut hätte - ein überzeugter NAZI. Nein - im Gegenteil, er ist wie wir alle oft sind, zielstrebig, verführbar, oberflächlich und genau dann unterwürfig und karriereorientiert, als es noch Zeit ist die Richtung zu wechseln.

Dieser Täter veranschaulicht so vieles, was ohne ihn nie so deutlich ausgesprochen wurde. Kein Himmler, kein Heydrich - nein der "normale" Mitläufer ohne große Konturen und doch ein gewissenloser Massenmörder....

Littell schreibt das Unaussprechliche, formuliert das Unsägliche und denkt das Undenkbare.

Ich sehe keine bedienten Klischees, kein Suhlen in Grausamkeiten und keinen Voyeurismus - ich finde brutalen Realismus und die andere Seite des Grauens, die dem Leser - trotz zeitlicher Distanz - hinreichend viele Aufgaben mit auf den Weg gibt.

Nicht das Buch ist pervers - die Zeit und das System, die Mitläufer und Täter waren es.

Ich kann noch lernen........

Autor: Jonathan Littell
Buch: Die Wohlgesinnten
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