fischer baumler

Jonathan Safran Foer Hier bin ich

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Inhaltsangabe zu „Hier bin ich“ von Jonathan Safran Foer

Nach seinen Bestsellern 'Alles ist erleuchtet' und 'Extrem laut und unglaublich nah' wird Jonathan Safran Foers dritter Roman von der Presse als sein bester gelobt. 'Hier bin ich' ist ein großer amerikanischer Familienroman, der mit emotionaler und intellektueller Wucht vom Auseinanderbrechen einer jüdischen Familie erzählt.

Die Stimmung bei Julia und Jacob Bloch ist angespannt. Der älteste Sohn Sam bemüht sich redlich, von der Schule zu fliegen, Großvater Isaac weigert sich, ins Seniorenheim zu gehen, und der senile Familienhund Argus müsste endlich eingeschläfert werden. Kurz bevor die gesamte Verwandtschaft aus Israel eintrifft, um Sams Bar Mizwa zu feiern, entdeckt Julia auf dem Handy ihres Mannes unzweideutige Nachrichten an eine andere Frau.

Während die Familie Bloch in Washington D.C. auf ein Familiendrama zusteuert, braut sich im Nahen Osten eine Katastrophe mit globalen Folgen zusammen, die Jacob mit der Frage nach seiner jüdischen Identität konfrontiert.

Dem US-amerikanischen Schriftsteller Jonathan Safran Foer ist ein großer Familienroman gelungen, der den innersten Kern einer Familie beleuchtet. Seine unverwechselbare Mischung aus emotionaler und intellektueller Schlagkraft, bringt der Bestsellerautor in 'Hier bin ich' zur Meisterschaft.

Ein cleverer, herrlich komischer Schlagabtausch jagt den nächsten in dieser quirligen jüdischen Familie - fünf ganz eigene Charaktere, die allesamt weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen sind.

Jonathan Safran Foers Romane 'Alles ist erleuchtet' und 'Extrem laut und unglaublich nah' wurden verfilmt und waren große Kritiker- und Publikumserfolge. Auch sein Buch 'Tiere essen' wurde ein Bestsellererfolg. Sein Roman 'Hier bin ich' wird von der deutschen und der US-amerikanischen Presse als sein bisher bester gefeiert.

Amerikanisches Judentum im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Pathetisch, geistreich, redundant, sehr Woody-Allen-ish, viel zu lang,

— alasca

Kein Buch für zwischendurch

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Hier bin ich

    Buchtick

    07. March 2018 um 14:59

    Am Anfang hatte ich ziemliche Mühe, rein zu kommen. Vielleicht weil es mein erster Foer war. Das werde ich erst endgültig sagen können, wenn ich einen weiteren Foer gelesen habe - was ich bestimmt tun werde. Aber irgendwann - unbestimmbar wann genau - hat er mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Leben - ungeschminkt - einer Familie - aus jeder Perspektive aller Mitglieder. Schonungslos. Zugleich das Leben, die Vergangenheit und das Schicksal der Juden, ohne dass das Dritte Reich im Vordergrund stünde. Und das ist gut so und macht das Buch umso wertvoller.Ich werde das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen - irgendwann. Denn es ist ein Buch, das spüre ich ganz deutlich, das immer noch wieder etwas Neues, das man vorher übersehen, nicht wahrgenommen hat, offenbart. Vielleicht bekommt es dann von mir auch die 5 Sterne, statt der 4 (wegen des zähen Anfangs).

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  • Der Neue Safran Foer

    Hier bin ich

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. February 2018 um 11:51

    Ich habe mich riesig gefreut, als ich hörte das Jonathan Safran Foer endlich einen neuen Roman veröffentlicht hat. Ich habe die Vorgänger "Alles ist erleuchtet" und "Extrem laut und unglaublich nah" regelrecht verschlungen, die beiden gehören definitiv zu meine Lieblingsbüchern. Safran Foer schaffte es trotz eher tragischer Geschichten, dem Leser auch ein schmunzeln abzuringen. Nun der neue Roman. Der ist anderes als die Vorgänger, es gibt nicht die Zweiteilung der Geschichten in Gegenwart und Vergangenheit. Es wird von einem "Alltag" einer Familie erzählt, es passieren allerdings traurige Ereignisse, in dem Zeitraum, in dem uns Safran Foer am Familienleben teil haben lässt. Der Tod des Großvaters / Urgroßvaters, erst später ahnt man die Umstände seines Todes, ausgesprochen wird es Anfangs kaum. Es gibt ein fiktives Erdbeben in Israel, sowie damit verbundene Kämpfe im Nahen Osten. selbst Jacob, der männliche Protagonist überlegt, dem Aufruf des israelischen Premierministers zu folgen und für Israel zu kämpfen. Im Mittelpunkt steht allerdings die gescheiterte Ehe zwischen Jacob und Julia und ihre drei Söhne. In der Romanbeschreibung steht, sie hätten sich auseinander gelebt. Ich hatte eher das Gefühl, die beiden haben sich gelangweilt und gegenseitig angeödet, so habe ich es beim lesen empfunden. Es wird in beide Seelen und Gedanken des Ehepaares geschaut, leider muss ich sagen, dass Julia da für mich gar nicht gut bei weg kommt. Ehrlich gesagt empfand ich sie als sehr anstrengend, ihrem Mann und Söhnen gegenüber. Dennoch fiel es mir nicht schwer den Roman zu Ende zu lesen, Safran Foer schreibt weiterhin sehr flüssig und als Leser kann man der Geschichte dadurch gut folgen. Ich bin mir nicht sicher ob ich die neue Art zu schreiben von ihm mag und so ganz weiß ich auch noch nicht was ich von diesem Roman halten soll. Ich bin dennoch froh, dass ich den neuen Jonathan Safran Foer gelesen habe und es nach langer Wartezeit wieder etwas von ihm zu lesen gab. Hoffentlich dauert es nicht wieder so lange bis zum nächsten Roman.

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  • Jonathan Safran Foer | HIER BIN ICH

    Hier bin ich

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 16:07

    VORAB: Als mir vor etwa zehn Jahren durch puren Zufall Jonathan Safran Foers ALLES IST ERLEUCHTET in die Hände fiel, war ich mir nach der Lektüre sicher: Diesen Roman wird so schnell nichts toppen. Ich war wie von den Socken. Und auch heute noch zähle ich Foers Erstling zu meinen All-Time-Top-Five. Wenn ein Schriftsteller in so jungen Jahren (Foer war bei Erscheinen gerade mal fünfundzwanzig) einen solchen Geniestreich raushaut, gekoppelt mit dem Wohlwollen der Kritiker und Leser gleichermaßen, dann hängt die Messlatte für lange Zeit verdammt hoch. Nun sind seit dem letzten Roman einige Jahre ins Land gezogen, Foer meldet sich mit HIER BIN ICH bei seinen begierigen Lesern zurück und die Frage lautet: Hat sich das Warten denn nun gelohnt? INHALT: Als Julia Bloch zufällig ein zweites Handy ihres Mannes Jacob findet und darin einen SMS-Dialog deftig sexueller Natur mit einer anderen Frau entdeckt, steht es um die gemeinsame Ehe nicht mehr gut. Jacob und Julia, beide um die vierzig, seit vielen Jahren verheiratet und Eltern dreier Söhne, waren immer so etwas wie das Vorzeigepaar in ihrem Bekanntenkreis, und nun gerät alles ins Wanken. Auch ihr ältester Sohn Sam macht sich das Leben schwer. Seine Bar Mizwa steht kurz bevor, zu der ein großer Teil der Verwandtschaft aus Israel nach Washington eingeflogen wurde und bis zu der Urgroßvater Isaac, dem die Lebenskräfte schwinden, unbedingt durchhalten will. Außerdem wollen Jacob und Julia ihre Ehe bis nach der Feier aufrecht halten. Die jüdische Mündigkeitsfeier ist also nicht nur von religiöser, sondern auch von großer familiärer Bedeutung. Doch Sam hat arge Probleme in der Schule, will die Bar Mizwa verweigern und verliert sich mehr und mehr in einem Computerspiel namens Other-Life, in dem er als Samantha ein Parallelleben lebt. All diese Probleme schrumpfen plötzlich auf Erbsengröße als ein verheerendes Erdbeben Israel erschüttert, worauf die arabische Welt scheinbar nur gewartet hat. Innerhalb von zwei Wochen liegt das Land in Trümmern und ist mit der halben Welt im Krieg. Als der israelische Premierminister in einer letzten hilferufenden Rede um die Umkehrung der Diaspora bittet (alle Juden im wehrfähigen Alter sollen heimkehren), fasst auch Jacob den Beschluss, in den Krieg zu ziehen. Ein Beweis für die Loyalität zur Heimat? Oder eine Flucht vor seinen Problemen? FORM: Jonathan Safran Foer (*1977) zeigt auch in HIER BIN ICH sein ganzes handwerkliches Können. Der Roman ist sehr dialoglastig, was Foer meisterhaft beherrscht. Die Gespräche, ob wörtliche Rede oder per SMS/Chat/Telefon, sind großartig gelungen. (Ein Lob an dieser Stelle auch an den Übersetzer Henning Ahrens.) An manchen Stellen überlagern sich mehrere Handlungsebenen, und auch hier verliert Foer nie die Übersicht und lotst seinen Leser mit ruhiger Hand durch seinen vielschichtigen Plot. Etwa auf der Hälfte des Buches gibt es ein Kapitel, eine Art Chronik, in dem anhand von Presseberichten und den Schlagzeilen zweier Wochen die Zerstörung Israels und der Weg in den Krieg und den sicheren Untergang nachvollzogen wird. Mit dieser fiktiven Katastrophe beweist Foer auch seinen politischen Weitblick, eine Seite, die ich von ihm vorher nicht kannte. Nun ist HIER BIN ICH keineswegs ein politischer Roman, zumindest nicht vordergründig, aber mit einem scheuen Blick auf die Levante, die zurzeit mit vorsätzlich gelegten Buschbränden von sich Reden macht, trifft Foer genau ins Schwarze und zeigt einmal mehr, wie empfindlich die Lage dort ist. Doch genug des Lobes. Es gibt wirklich nicht viel zu bemängeln, aber eine Sache ging mir doch ziemlich auf den Wecker und das sind die Blochs selbst, jeder einzelne. Die Blochs – Jacob und Julia, die drei Söhne, Jacobs Vater und auch die eingeflogene Sippschaft – alles sind sie furchtbare Nörgler, Besserwisser und Querulanten. Jeder Furz wird bis ins kleinste Detail diskutiert und analysiert. Das fängt auf den ersten Seiten an und zieht sich bis ins letzte Kapitel, was mir manchmal echt den letzten Nerv raubte. Was für anstrengende Menschen! Nun muss man ja nicht immer mit den Protagonisten d´accord gehen, aber wenn die Sympathie vollends fehlt, bleibt der Lesespaß etwas auf der Strecke. Schade! FAZIT: Toller Roman, grandioser Plot, super geschrieben, aber mit Abzügen beim Personal – 4 Sterne. *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Hier bin Ich

    Hier bin ich

    schokoloko29

    26. August 2017 um 11:40

    Es geht um eine amrikanische, jüdische Familie, die in Washington DC lebt. Von außen sieht alles toll aus. Julia, die Mutter von drei Kindern und Ehefrau von Jacob, ist Architektin, plant neue Häuser und berät Kunden bei der Inneneinrichtung. Sie ist eine hingebungsvolle Mutter lebt sehr ökologisch und vegan.Jacon ist der Vater von drei Kinder (Sam, Max, Benji) und Ehemann von Julia. Er ist eigentlich Autor von Büchern, aber er denkt sich Geschichten für eine Fernsehsendung (Sitcom?? oder so ähnlich) aus. sie entwickeln Rituale für die Familie, z.B. beim Sabbat den Kindern Dinge ins Ohr flüstern, auf die sie stolz sind u.ä.Diese wunderschöne, heile Fassade fängt an zu blättern, als Sam eines Vergehens schuldig gesprochen wird, was Sam bestreitet. Er soll im Religionsunterricht auf einem Blatt sexistische und rassistische Wörter geschrieben haben. Der Rabbi wünscht sich, dass Sam sich entschuldigt, sonst kann er seine Bar Mitzwa nicht feiern. Doch das Auseinander driften der Eheleute Julia und Jacon steigert sich als es in Israel zu einem Erdbeben kommt. Dieses Erdbeben bricht auch die Fundamente der Ehe zusammen. Alles was vorher Halt gegeben hat, gibt es nicht mehr in dem Zusammennleben und am Ende zieht Jacob aus dem Haus aus und lebt woanders. Natürlich sind dies nur die Äußeren Inhaltsangaben. Im Endeffekt geht es um viel mehr. Es geht um die Sprachlosigkeit von schwierigen Problemen. Aus Angst vor Verletzungen und Enttäuschungen. Anders kann ich es mir nicht erklären, da das Ehepaar eigentlich alles ausdiskutieren; auch mit ihren Kindern. Dann geht es auch um die Unterschiede zwischen amerikanischen und israelische Juden.Die political correctness.Wieviel Jüdischsein soll man in den Alltag mitnehmen. Da Jacob eigentlich Atheist ist.Der Autor ist ein wunderbarer Beobachter. Er bringt während den Dialogen und den SMS die Feinheiten und die Nuancen gut heraus. Der Autor besitzt einen guten Humor, so dass man als Leser oftmals lachen muss und sich und sein Leben wiedererkennt.Die Aspekte, die den Leser herausfordern:Es ist anstrengend, da einzelne Personen so überzeichnet sind wie bei einer Slapstick- Komödie (à la Ben Stiller). Die Kinder geben Dialoge von sich, die nicht kindgerecht sind. Sie sind eher eine Figur in diesem Buch, als dass sie "echte" Menschen sind.Es ist intensiv und je länger ich das Buch gelesen habe, um so trauriger wurde ich. Da sie sich wirklich trennen werden und alle Beteiligten sich dadurch nicht glücklicher sind.Fazit:Alles in allem ist es eine wundervolle Leseerfahrung für mich gewesen. Ich musste Pausen machen, um das Gelesene zu verarbeiten. Und am Ende war ich irgendwie traurig, dass es vorbei war. Denn die se Menschen in diesem Buch sind irgendwie Freunde für mich geworden, auch wenn sie anstrengend und nervig waren.Ein must- read!!

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    • 4
  • Leserunde zu "Marylin" von Arthur Rundt

    Marylin

    EditionAtelier

    Eine verhängnisvolle Liebe im New York der 1920er Für diese Leserunde verlosen wir 15 Exemplare des Romans »Marylin« von Arthur Rundt! Zum Buch:Der Architekt Philip Garrett führt ein unbeschwertes Leben in Chicago. Bis er eines Tages im Hochbahnzug eine junge Frau entdeckt, in die er sich sofort unsterblich verliebt. Fortan hat er nur noch Augen für Marylin, auch wenn sie sich seinen Annäherungen zunächst noch zu entziehen versucht. Und auch als sie endlich verheiratet sind und sich ein gemütliches Leben in New York eingerichtet haben, spürt er stets, dass Marylin etwas vor ihm verbirgt. Mit der lange herbeigesehnten Geburt ihres gemeinsamen Kindes kommt die Wahrheit endlich ans Licht – das denkt Philipp zumindest ...Als »Marylin« 1928 als Fortsetzungsroman in der »Neuen Freien Presse« erschien, stand Arthur Rundt hoch im Kurs bei den Wienern. Zwei Jahre zuvor war sein Reisebuch »Amerika ist anders« erschienen, auch seinen Roman »Marylin« siedelte der Journalist und Theaterkritiker im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an, darin räumte er gründlich mit den Amerika-Vorstellungen der deutschsprachigen Leser auf, schilderte vielmehr »eher graue Seiten des American Dream« (Herausgeber Primus-Heinz Kucher) und einen im ganzen Land schwelenden (Alltags-)Rassismus, der von allen einfach hingenommen wird und bekanntlich auch heute nichts an Aktualität verloren hat, sondern angesichts der neueren Entwicklungen weiter eskalieren dürfte. Was Arthur Rundt mit »Marylin« gelungen ist, ist beispiellos: Es ist Gesellschaftsdrama, Großstadtroman, Liebesgeschichte, Rassismuskritik und Amerikabuch in einem. Hier geht's zur Leseprobe! Es gibt 15 Exemplare (5 Printexemplare & 10 E-Books) zu gewinnen*, einfach bis zum 25.5. für ein Buch (print oder E-Book) bewerben. Jeder, der das Buch schon kennt, ist natürlich auch herzlich eingeladen, bei der Leserunde mitzumachen. Wir freuen uns schon auf eure Bewerbungen und eine spannende Leserunde, euer Team der Edition Atelier * Die Gewinner sind gebeten, im Anschluss an die Leserunde ihre Rezensionen hier bei LovelyBooks und auch auf weiteren Foren (eigenen Blogs, bei amazon etc.) zu verfassen und uns diese gern zu mailen. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Vielen Dank!

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    • 221

    Joachim_Tiele

    07. June 2017 um 10:24
    Beitrag einblenden
    Ein LovelyBooks-Nutzer schreibt ja ich denke das war nicht selten, ich kann mir gar nicht vorstellen wie es war in so einer Zeit zu leben. Ich habe auch versucht mich in Marylin reinzufühlen, es muss völlig zerrissen in ihr ...

    Sorry, dass ich mich hier schon mal "reinschmuggle", obwohl ich sonst noch nicht zu den einzelnen Leseabschnitten gepostet habe. Ich denke, dass das Problem, das du und Forti ansprecht, nicht ...

  • Großartig!

    Hier bin ich

    TanyBee

    02. May 2017 um 11:32

    „Hier bin ich“ lag lange auf meinem Nachttisch und hat mich vorwurfsvoll angeschaut. Erst wollte ich es unbedingt haben, dann hörte ich einige kritische Stimmen und  hatte  irgendwie gar keine Lust mehr darauf. Nun habe ich es endlich gelesen und kann sagen: 1. die Kritikpunkte sind durchaus berechtigt 2. Es ist (für mich) trotzdem ein großartiges Buch! Aber von vorne. Der Protagonist  im Buch heißt Jacob, lebt in Amerika und ist Jude. Sein Großvater Isaac ist nach dem zweiten Weltkrieg in die USA gekommen. Jacob ist verheiratet mit Julia, die beiden haben drei Söhne. Als beim ältesten Sohn Sam die Bar Mizwa ansteht, scheint in Jacobs Leben alles aus den Fugen zu geraten: Er hat eine Ehekrise mit Julia, die Bar Mizwa ist in Gefahr, der Hund ist krank, der Großvater soll ins jüdische Altersheim und der Konflikt im nahen Osten wird stärker denn je. Jacob ist Jude, und die Familie befolgt auch einige jüdischen Traditionen und Regeln. Und doch stellt er sein „jüdisch-sein“ immer wieder in Frage. Dies ist eines der Hauptthemen im Buch. Und ich muss sagen, dass ich bei diesen Abschnitten ganz schön ins Schwimmen gekommen bin, ich musste viele Wörter nachschlagen.  Foer lässt im Laufe der Handlung den Nahost-Konflikt eskalieren, und auch hier bin ich nicht genug im Thema, um alles zu verstehen. Und trotzdem, obwohl manche Abschnitte mir so fremd waren und  unzugänglich, hat mir das Buch sehr gefallen. Warum? Ich würde sagen, der Autor hat es einfach drauf! Vor allem die Schilderung des Familienalltags, der Ehekrise, der Söhne hat mir so gut gefallen. Oft plänkeln die Sätze so vor sich hin, und dann, ganz unerwartet, kommt ein Satz, der einen tief in die Magengrube trifft. Manchmal kam mir alles total wirr vor, der Erzähler springt in der Zeit, es wird von einem Ereignis in der Gegenwart berichtet, mitten im Absatz dann eine Anekdote aus der Vergangenheit eingeflochten, dann wird sogar in die Zukunft gesprungen. Und trotz allem, es fügt sich so wunderbar!  Nein, es ist nicht leicht und einfach zu lesen, aber die Mühe lohnt sich. Besonders mochte ich auch Humor. Vor allem bei den Dialogen gibt es immer wieder Stellen, wo man laut lachen könnte. Es kann allerdings gut sein, dass einem zwei Sätze später schon wieder zum Weinen zu Mute ist. Trotz des Themas, dass mich eigentlich nicht sonderlich interessiert, hat der Autor es geschafft, mich komplett zu bezaubern. Wenn das mal nicht eine Leistung ist! Dies war mein erster Foer, aber keinesfalls mein letzter.

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    • 4
  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 06.01.2018: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   294 Punkte Astell                                           ---    20 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  893 Punkte Beust                                          ---   424 Punkte Bibliomania                               ---   285 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  515 Punkte ChattysBuecherblog                --- 316 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   192 Punkte Code-between-lines                ---  199 Punkte DieBerta                                    ---   88  Punkteeilatan123                                 ---   96 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   343 Punkte Frenx51                                     ---  127 Punkte glanzente                                  ---   104 Punkte GrOtEsQuE                               ---   94 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   207,5 Punkte Hortensia13                             ---   199 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  222 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    109 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   153 Punkte 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    • 2656
  • Das Leben ist keine Generalprobe

    Hier bin ich

    Buchstabenliebhaberin

    "Ich muss es tun.""Für wen?""Für unsere Kinder. Und ihre Kinder.""Unsere Kinder haben keine Kinder." (S. 516)Ich würde gern jeden Abend 3 Seiten des Dialogs zwischen Julia und Jacob lesen. Diese Dialoge sind so klug und witzig, so tief- und scharfsinnig, so menschlich und rührend und voller Zweifel zur gleichen Zeit. Amüsant und anregend, und mit hohem sich selbst darin wiederfindenden Faktor."Nein", sagte ich, "weil man sich nicht erst selbst verstehen muss, um von anderen verstanden zu werden." (S.589) "Hier bin ich", ist Teil eines Begrüßungsrituals von zwei Blochs. Ursprünglich religiösen Ursprungs, macht dieser einfache Satz sich auch hierbei sehr gut. Jonathan Safran Foer entführt seine Leser mitten hinein in die Welt der Blochs, die im Grunde keine besondere, aber ebenso einzigartige Familie wie jede andere ist. Eine Ehe, die am Ende ist, und die Eheleute nicht so genau wissen, warum. Ein Ringen und Zweifeln, ein Nichtsagen und Zuvielsagen, kluge Kinder, merkwürdige Väter, Großväter und Kriege, aktuelle und vergangene.Der verhaltene Jacob, der nicht verwegen sein kann. Höchstens mit Worten, anonym am heimlich beschafften Zweithandy, das prompt der Ehefrau, die allerdings auch nicht die Hände in Unschuld wäscht, in dieselben fällt. Doch ist Julia die aktivere Ehehälfte. Die weniger liebende, oder die konsequentere? Das lässt sich nicht beantworten, wie ich finde.Ich bin parteiisch, ich habe mit Jacob mitgefiebert und gelitten, diese Figur ist mir unwahrscheinlich ans Herz gewachsen. Das kann er, der Autor, das ging mir schon bei "Alles ist erleuchtet" so. Und auch da überzeugt er schon mit seiner unglaublich brillianten Sprache, die er zwischenzeitlich weiter perfektioniert zu haben scheint.Mich irritierte der krasse SMS-Austausch am Anfang des Buches, und später dieser fiktive Krieg. Mir hätte das Buch ohne diese beiden Handlungsstränge besser gefallen, deshalb habe ich einen Stern abgezogen. Ich muss zugegeben, dass ich die Seiten zu den Unruhen quergelesen und später überblättert habe. Wäre das Buch ein Wunschkonzert, hätte ich lieber mehr über das neue Leben des Jacobs zum späteren Zeitpunkt gelesen. Das hätte mich brennend interessiert, der Teil war viel zu kurz.Und das Ende, das bricht einem das Herz. In seiner Banalität und gar nicht alltäglichen Alltäglichkeit.Und das Buch ist eine Liebeserklärung an das Judentum, auch oder gerade wegen der teilweise nur oberflächlichen Religiosität, seiner so belasteten Vergangenheit, der Traumen und der vielen Toten in jeder Familie. Es geht um Heimat, Familie, Tradition und Verbundenheit.Mein Fazit:Wer Wortwitz und Wortspielchen liebt, wer um die Faszination und Komplexität menschlicher Kommunikation und Beziehungen weiß, für den ist das Buch ein Muss.

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    • 3
  • Keine Wahl ist auch eine Wahl oder "Genieße, was übrig ist."

    Hier bin ich

    The iron butterfly

    12. February 2017 um 14:25

    Im Hause Bloch türmen sich die Probleme. Sam, der älteste der drei Söhne von Julia und Jacob, muss mit dem Rausschmiss aus der Schule rechnen, da er im Unterricht einen Zettel mit schmutzigen Ausdrücken verfasst haben soll. Julia und Jacob sind hin- und hergerissen, ob sie Sam oder dem Rabbi Glauben schenken sollen. Schließlich steht nicht nur die schulische Karriere und Sams‘ Ruf auf dem Spiel, sondern auch die bevorstehende Bar Mizwa. Die ganze Familie wurde eingeladen und zahlreiche Verwandte werden aus Israel nach Washington D.C. anreisen, nur um mit Sam seinen Übertritt in die Religionsmündigkeit feierlich zu begehen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und dabei ist deutlich zu spüren, dass Sam all die Zeremonien und Umstände nicht will. Ist sein „Schmierzettel“ ein Querschläger gegen die Pläne von Julia und Jacob? Zudem lehnt sich Jacobs Urgroßvater gegen die Verlegung ins Altersheim auf und revoltiert gegen die Bevormunder auf seine Art. Plötzlich müssen sich alle eingestehen, dass sich niemand wirklich verantwortlich für den Urgroßvater fühlt und die unliebsame Aufgabe der Gesellschaft und Pflege von sich weisen will. Da ist Argus, der Familienhund mit Hang zur Darmentleerung auf den Teppichen des Hauses Bloch, noch das kleinste Problem… denn Julia und Jacob müssen sich eingestehen, dass sie sich über die Jahre voneinander entfernt haben. Als Julia dann auch noch ein Handy mit eindeutiger Sex-Simserei findet, das wohl Jacob gehört, droht das Familiengebilde in sich einzustürzen. Mit „Hier bin ich“ greift Jonathan Safran Foer auf beinah grandiose Weise die Frage, die wohl jeden von uns einmal umtreibt auf: Wie groß ist die Kluft zwischen dem Leben, das ich führen wollte und dem Leben, das ich führe? Der Ausruf „Hier bin ich“ oder „Hineni“ gilt als mächtigster, verbindlichster Ausspruch in der hebräischen Sprache und deutet auf die vollkommene Verpflichtung, sich einer Aufgabe zu stellen hin. Hier bin ich, mit Leib und Seele! Aber auch Julia, Jacob, Sam und alle anderen erliegen den Versuchungen unserer Zeit und erheben ihren ganz persönlichen Anspruch auf Freiheit. Und schon wird es schwierig der fürsorgliche Vater, liebender Ehemann, mustergültiger Sohn oder der beste Freund zu sein. Jeder will sich und seine tiefsten Wünsche verwirklichen, Traditionen und Aufgaben über den Haufen werfen, für alle und jeden da sein, aber zu den eigenen Bedingungen. Auf 683 Seiten gibt es viel über jüdische Traditionen und diesen Witz mit Brausefaktor, tief verborgene Sehnsüchte und Ängste oder gar sich selbst zu entdecken. Foer machte mir die Lektüre wieder einmal leicht, denn er liest sich so schmeichelnd und doch muss man ihn einfach zur Seite legen, um seine beeindruckende Sichtweise, seine zwanglose Sprache manchmal sacken zu lassen. Danke, JSF!

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  • Ein intensives Lesevergnügen

    Hier bin ich

    Das_Leseleben

    10. February 2017 um 12:34

    Ich glaube Mitte Dezember war es, als ich erfuhr, das Jonathan Safran Foren in Berlin eine Lesung halten wird. Motiviert dadurch las ich erst sein früheres Werk ‚Extrem laut und unglaublich nah‘. Zudem Roman existiert bereits eine Rezension. Als ich dieses tolle Buch beendet hatte, begann ich im nächsten Moment ‚Hier bin ich‘. 
Die Lesung im großen Sendesaal von Radioeins rundete das gesamte Lesevergnügen ab. Auch wenn es mir den Tag nicht so gut ging, wie ich es mir gewünscht hätte. Dadurch wird es auch keinen extra Blogeintrag geben. 
Eins kann ich sagen, es war beeindruckend wie viel Menschen zu dieser Lesung gewandert sind. Der sehr witzige und doch sehr schüchtern Nathan Safran Foer war sichtlich überfordert mit diesen vielen Menschen, die wegen ihm gekommen waren.
Kommen wir erst einmal zu den Eckdaten: Der Roman ist im November 2016 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und hat 688 Seiten in der gebundenen Ausgabe. Inhalt: 
Vier Wochen die das Leben Jacob Bloch und seiner Familie völlig verändern. Er und seine Frau wollen sich scheiden lassen, aber wie soll man dies anstellen, ohne das die Kinder darunter leiden vor allem dann, wenn die Bar Mitzwa des Ältesten kurz bevor steht und die gesamte Verwandtschaft aus Israel anreist. In dem Moment als die lieben Verwandten landen bricht in Israel und seinen Nachbarstaaten ein schweres Erdbeben aus. Die Frage nach dem Wer bin ich und wo gehöre ich hin, stellt sich für alle beteiligten noch einmal ganz neu. Meine Meinung:
 Wer einen Roman von Jonathan Safran Foer liest der muss mit sehr eigenen Charakteren rechnen, die sehr gut und feinfühlig ausgearbeitet wurden. Dieser Roman besticht mit seinen drei Protagonisten Jacob und Julia Bloch, sowie deren Sohn Sam. Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Sichten der Drei erzählt. Als Leser lernt man so sehr gut nicht nur die Innensicht der jeweiligen Figur kennen, sondern auch wie die Beziehung zu den anderen Familienmitgliedern. Jacob hat zum Beispiel eine sehr unterkühlte Beziehung zu seinem Vater, fürchtet sich ein wenig vor seiner Frau Julia und seinem Sohn Sam gegenüber möchte er der coole, lockere Dad sein, nur wer ist er für sich selbst das muss er noch herausfinden. Diese Zerrissenheit macht Foer noch einmal an dem Bibelbild der Opferung Isaaks deutlich.
Für Alle die damit gar nichts anfangen können, hier noch einmal in aller Kürze: Abraham wird von Gott angewiesen seinen Sohn Isaak zu opfern. Als Abraham Gott Ansicht sagt dieser ‚Hier bin Ich‘. Als Issak bemerkt das etwas ganz und gar nicht stimmt, spricht er seinen Vater Abraham an und auch dieser antworten ‚Hier bin ich‘.(Mos. 1,22) 
Der Wunsch voll und ganz für Alles, Jeden und sich dazu sein zieht sich durch das gesamte Buch. Daraus entstehen nur allzu oft Situationen, die unseren heutigen Normen und Werte sehr gut wieder spiegeln. 
Die Dialoge die sich entspinnen sind sehr oft sehr witzig, gleichzeitig tiefsinnig und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Dialoge könnten auch so bei meiner Familie am Esstisch geführt werden.
Ich mag es, wenn dem Leser ein Mikrokosmos präsentiert wird, der dann noch mal in einzelne Facetten und Stimmungen aufgeschlüsselt wird. In aufschlüsseln und Atmosphäre schaffen ist Jonathan Safran Foer ein wahrer Meister. Dazu muss man wissen der Roman ist in acht Teile unterteilt. Und auch wenn man in dem einen oder anderen Teil denkt, was soll das jetzt, warum erzählt mir das der Autor? So merkt man doch am Ende jedes Teils, momentmal ich habe mich grade genau so gefühlt wie die Figuren in der jeweiligen Handlung. So gibt es eine Situation in der Jacob zum Warten verdammt ist und wirklich nicht viel geschieht. Ich dachte jetzt wird es aber doch etwas langwierig. Am Ende dieses Kapitels merkte ich, das diese Stimmung wohl vom Autor so gewollt war. Dieses Erlebnis hatte ich fasst immer. 
Dabei ist der Schreibstil sehr einfach zu lesen, dabei aber nicht blöd sondern eher gehoben, mit vielen großen und kleinen Anspielungen, auf das Judentum, Israel, Politik und die schöne neue Welt. Dieser Facettenreichtum hat den Roman zu einem besonders intensiven Lesegenuss gemacht, von dem es mir bis jetzt schwerfällt mich zu verabschieden.

‚Hier bin Ich‘ ist sicherlich nicht für jeden Leser die richtige Wahl, aber wer großartige Dialoge, ein intensives Leseerlebnis und großartige Figuren mag, mit denen der Leser einen Spiegel vorbehalten bekommt, der wird das Buch lieben.

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  • Hier bin ich!

    Hier bin ich

    Buecherschmaus

    27. January 2017 um 15:18

    „Hier bin ich“ heißt der neue Roman, den Jonathan Safran Foer nach langer Pause veröffentlicht hat. Sein bisher dritter.„Hier bin ich“. So antworten die Stammväter in der Bibel, nachdem Gott sie gerufen hat. Sie sind ganz für ihn da. Ohne Vorbehalte, ohne Bedingungen. Sei es Abraham, der seinen Sohn Issak als Brandopfer darbringen soll, sei es Moses vor dem brennenden Dornbusch.„Hier bin ich“ – diese Zusage zu bedingungsloser Solidarität seiner Eltern wünscht sich der 13 jährige Sam, als ihm wegen rassistischer und unflätiger Schmierereien droht, von der bevorstehenden Bar Mizwa, jener großen jüdischen Tradition an der Schwelle zum Erwachsensein, ausgeschlossen zu werden. Für seine Eltern eine mittlere Katastrophe, nicht nur weil schon alle Vorbereitungen inklusive der Anreise der israelischen Verwandtschaft abgeschlossen sind. Nein, obwohl nicht sonderlich religiös, hängt ihr jüdisches Selbstverständnis doch sehr an solchen Traditionen.Womit eines der zentralen Themen des Romans angesprochen ist: das jüdische Selbstverständnis, zumal in der säkularen Umgebung Washington DCs. Es ist ein immer wiederkehrendes Thema jüdischer, zumal US amerikanisch-jüdischer Autoren. Wie umgehen mit dem oft schweren Erbe, den unzähligen Opfern, der Sprachlosigkeit der Überlebenden, den Anfeindungen in der Gegenwart. Woran diese spezielle jüdische Identität festmachen, wen der Glaube bröckelt: an der Kultur, einer speziellen Erziehung, an der Positionierung gegenüber dem Staat Israel oder so etwas lapidarem wie dem jüdischen Humor? Ein Thema, das auch in diesem Text immer wieder durchdringt, besonders als im weiteren Verlauf ein schweres Erdbeben die Nahost-Region heimsucht, viele Todesopfer fordert, aber vor allem auch sämtliche Infrastruktur zerstört. Israel, Palästina, Syrien, Jordanien sind betroffen, bald brechen Seuchen aus und die feindlichen arabischen Staaten nutzen die „Gunst der Stunde“ um Israel den Krieg zu erklären. Eine wahrhaft gigantische Katastrophe, die die der bedrohten Bar Mizwa natürlich komplett in den Schatten stellt. Werden doch alle wehrfähigen Männer der Diaspora aufgerufen, zur Verteidigung der Heimat anzutreten. Ein Aufruf, dem auch Jakob, Sams Vater zusammen mit dem israelischen Cousin, der gerade auf Besuch ist, beinahe gefolgt wäre. Beinahe! Denn diese ferne Katastrophe bleibt irgendwie in weiter Ferne im Text. Ihr weiterer Verlauf wird eher lapidar und wie nebenher berichtet. Dient vielleicht nur der Kontrastierung zu den eigentlich kleinen, für ihn aber doch so existentiellen Sorgen des Jakob Bloch."Alle glücklichen Morgen gleichen einander, wie auch alle unglücklichen Morgen., und dass sie so furchtbar unglücklich sind, hat folgende Ursache: Das Gefühl, dass man ein solches Unglück schon einmal erlebt hat, dass alle Bemühungen, ihm vorzubeugen, das Gegenteil bewirken oder die Sache sogar noch verschlimmern, dass sich das Universum aus irgendeinem rätselhaften, überflüssigen, unfairen Grund gegen die harmlose Abfolge von Kleidern, Frühstück, Zähnen und nervigen Haarwirbeln, Rucksäcken, Schuhen, Jacken und Abschieden verschworen hat." Zunächst plagt dieser sich aber weniger um den Skandal in der Synagoge – er glaubt seinem Sohn, dass er unschuldig ist, leistet Schadensbegrenzung -, sondern mehr um seine Ehe mit Julia. Diese ist in die Jahre gekommen, drei Kinder wurden großgezogen, nicht nur die Leidenschaft, sondern auch Nähe, Gemeinsamkeiten und Gesprächsstoff abhandengekommen. Es ist dieser nicht zwangsläufige, aber doch so häufig eintretende Fall, unzureichend als Midlife Crisis beschrieben. Dass Foers Protagonisten noch nie davon gehört haben, darf ausgeschlossen werden. Und doch ist es für sie die große Katastrophe, verschärft dadurch, dass Ehefrau Julia ein Handy ihres Mannes mit einem heftigen Sex-SMS-Verkehr mit einer Kollegin findet. Julia will die Trennung, Jakob hofft auf Aufschub."Der Anschein von Glück. Könnten sie diesen Anschein aufrecht erhalten - nicht gegenüber Außenstehenden, sondern gegenüber sich selbst - dann käme er echtem Glück vielleicht so nahe, dass alles funktionierte."Aber auch Jakobs Großvater Isaac sieht einer persönlichen Tragödie entgegen.„Zu Beginn der Zerstörung Israels überlegte Isaac Bloch, ob er sich umbringen oder ins jüdische Seniorenheim gehen sollte.“ So genial und kraftvoll lauter der erste Satz des fast 700 Seiten starken Romans.Auch hier vermisst zumindest Sam das „Hier bin ich“ seiner Familie, das Einstehen auch für familiäre Verantwortung gegenüber dem – quasi – Stammvater der Familie, der nur knapp den deutschen Vernichtungslagern entronnen, versteckt im Wald, in einem Erdloch die Befreiung erlebte und in Amerika ein neues Leben begann. Nun soll er, zu „seinem eigenen Besten“ natürlich, sein Leben im Altersheim beenden. Jakob plagen zwar Gewissensbisse, aber er ist zu sehr mit der eigenen Identitätsfindung beschäftigt, als für seinen Großvater einzustehen. „Hier bin ich“ kann nur jemand sagen, der weiß, wer dieses „Ich“ überhaupt ist.„Er war ein Vater für seine Söhne, ein Sohn für seinen Vater, ein Ehemann für seine Frau, ein Freund für seine Freunde, aber wer war er für sich selbst?“ So elaborieren alle Mitglieder dieser Familie Bloch an ihren eigenen großen und kleinen Katastrophen. Erwähnt sei noch Jakobs Vater Irving, Zionist und scharfzüngiger Betreiben eines vielgeschmähten politischen Blogs. Sie alle reden, quasseln, diskutieren, streiten miteinander, durcheinander, aneinander vorbei – der Roman ist sehr dialoglastig. Das ist überwiegend sehr geistreich und witzig, gelegentlich auch anstrengend und ein wenig unglaubwürdig. Besonders die drei Söhne erscheinen wenig altersgemäß zu denken und zu sprechen. Entweder man nimmt das so hin, oder man schlägt auf alle Alter ca. fünf Jahre drauf – dann stimmt es wieder.Gelegentliche Längen sind bei derart umfangreichen Werken selten zu vermeiden. Insgesamt gelingt es Jonathan Safran Foer aber ausgesprochen gut, diese (nicht nur jüdische) Identitätssuche in unserem Zeitalter der ständigen Überforderung, dieses fast biblische Ringen um den Platz im Leben und in der Gesellschaft und nicht zuletzt in der Familie und einer Partnerschaft genauso authentisch darzustellen wie das Leben in der Familie und den Zerfall einer Ehe. Wie die einst Jakob vom Krankenhaus mitgegebenen "Zehn Gebote zur Fürsorge für ein Neugeborenes"."Doch das zehnte Gebot erschütterte Jakob. Du sollst nicht vergessen: Es wird nicht von Dauer sein." Er erzählt dabei eher konventionell, mit gelegentlichen Vorgriffen, nur wenigen formalen Experimenten. Dabei besitzt der Roman, obwohl eigentlich recht wenig passiert in diesen wenigen geschilderten Wochen, doch viel Rasanz, was vor allem den Dialogen geschuldet ist, viel Witz und auch eine ganze Portion Weisheit. Foer schreckt dabei auch von dem einen oder anderen, fast wie Sinnsprüche anmutenden Satz nicht zurück. Mir hat das sehr gefallen. Ich war berührt von der tiefen Traurigkeit des Buches, aber auch von der Hoffnung, die in ihm steckt."Zwischen zwei Geschöpfen, egal welcher Art, liegt eine unüberbrückbare, jeweils einzigartige Kluft, eine Freistatt, die andere nicht betreten können. Sie kann die Gestalt des Alleinseins annehmen. Sie kann die Gestalt der Liebe annehmen." Es ist sicher kein perfektes Buch, vielleicht noch nicht einmal ein sehr gutes, vielleicht steckt ein wenig zu viel eigene Ehe- und Scheidungsgeschichte Foers mit drin, aber es ist trotzdem ein großartiges Buch. Denn es macht etwas mit dem Leser, der es sicher nicht unbeteiligt zu schlägt. Und wenn es auch nur ein klein wenig gerüttelt hat, an unserem eigenen Denken und Fühlen, uns die Welt wieder ein winzig kleines Stück anders sehen lässt, dann hat es das getan, was großartige Literatur tun soll, auch mit kleinen Schwächen.

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  • Abrahams Erben

    Hier bin ich

    rallus

    16. December 2016 um 11:07

    „Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde“ Bibel 1.Mose Kapitel 22 „Abraham sagt nicht ‚Was willst Du?‘ Er sagt nicht ‚Ja?‘ Stattdessen antwortet er mit einer Feststellung ‚Hier bin ich.‘ Was auch immer Gott will oder braucht, Abraham ist ganz für ihn da, ohne Vorbehalte, Bedingungen, Einschränkungen oder das Bedürfnis nach Erklärungen.“ Genau dieses uneingeschränkte Hier-sein vermisst Sam. In seinem Leben, in seiner Familie. Sam ist der älteste Sohn von Jacob und Julia und bereitet sich auf seine Bar Mitzwa vor. Jacob und Julia sind seit zwanzig Jahren verheiratet, haben drei Söhne und sind Anfang vierzig. In Ihrer Ehe verstehen sie sich zwar blendend, doch ist ihr Liebesleben zerrüttet und es wird heikel, als Julia ein Geheimhandy von Jacob findet, auf dem sie eine pikante Konversation von Jacob mit einer Unbekannten lesen kann. Für die Bar Mitzwa reist auch die jüdische Verwandtschaft aus Israel nach Amerika. Gerade in Amerika angekommen erschüttert eine Naturkatastrophe den Nahen Osten, die den Fortbestand Israels in Frage stellt. Doch zuerst geht es um Jacob und Julia. Sehr einfühlsam beschreibt Foer die Nähe der Ehepartner aus der Sicht von Jacob. Die Nähe, das Kennenlernen und das allmähliche Erlahmen der sexuellen Spannung, das Aufreiben im Alltag: „So viele Tage, ihres gemeinsamen Lebens. So viele Erfahrungen. Wie hatten sie es geschafft, sich die letzten sechzehn Jahre hindurch voneinander zu entfremden? Wie hatte aus all der Anwesenheit Abwesenheit werden können?“ Jacob und Julia verstehen sich immer noch gut. Sie haben eine Art der Konversation gefunden, bei der mich Foer anfangs wirklich gefordert hat beim Lesen. Sehr rasant und immer um zwei Ecken weiter. Sehr vertraut, sehr nahe, aber im Grunde doch Lichtjahre entfernt. Sex findet nicht mehr statt, die Kindererziehung ist im Good Cop, Bad Cop erstarrt. In Erinnerung an ihre Hochzeit bringt es Julia auf den Punkt, können solche Gemeinsamkeiten, solch eine Nähe erhalten bleiben? Die Tradition, eine Glühbirne bei der Trauung zu zertreten, wird zur Allegorie der Ehe: „Also manche Leute meinen, er solle uns an all die Zerstörungen erinnern, die die Voraussetzung unserer größten Glücksmomente sind. Manche Leute halten es für ein Gebet: Lass uns glücklich sein, bis sich die Scherben der Glühbirne wieder zusammengesetzt haben. Manche halten es für ein Symbol der Zerbrechlichkeit. Aber die naheliegendste Interpretation habe ich nie gehört: So sind wir. Wir sind brüchige Individuen, die in einer brüchigen Welt eine brüchige Verbindung eingehen.“ Auch der offensichtliche Ehebruch, der zu Tage tritt, als Julia das Handy mit der sexuellen Konversation findet, dient nicht zum Dampf ablassen, es bleibt gesittet, Teller werden nicht geworfen, es ist nur ein weiterer logischer Schritt zum Abgrund. In weiteren Kapiteln kommen die Kinder zu Wort. Sam als Ältester hadert mit seiner nicht gewollten Bar Mitzwa, Max, der Mittlere, weiß nicht, wohin er sich wenden soll, zum Älteren oder zu Benji, dem Jüngeren, der schon sehr altklug wirkt und der Situation und seinen Eltern durch seinen kindlichen Blick eine andere Sichtweise vermittelt. Eingebunden ist dieser Mikrokosmos in Washington D. C., in die große Welt, die aber bei näherer Betrachtung auch nicht anders abläuft als der Ehealltag. Da ist der Großvater von Jacob, der ins Altersheim soll, aber nicht will und dann kurz vorher stirbt. Die Verwandten aus Israel reisen an. Auch hier war Nähe da, ist aber wieder verschwunden. Bei der wirklich wunderschönen Grabrede des Rabbiners bringt es dieser auf den Punkt. „Jemandem nahe zu sein, ist leicht, jemandem nahe zu bleiben aber fast unmöglich. […] Nähe kann man nur auf eine Weise erhalten; indem man festhält, was einem nahe sein soll. Damit kämpft. Es zu Boden ringt wie Jakob den Engel und sich weigert, loszulassen. Liebe ist nicht die Abwesenheit von Ringen. Liebe ist Ringen.“ Foer lässt den Nahen Osten noch sein Armageddon erleben, doch im Grunde ringen hier seine Hauptfiguren um Nähe um das Beieinandersein. Interessantes erfahren wir noch über jüdische und amerikanische Juden. Der verzweifelte Versuch, die Welt zu verstehen, wird nur noch überschattet von dem Versuch, den Anderen zu verstehen. Doch im Endeffekt heißt es ‚Hier bin ich – und kann nicht anders‘ wie Thursdaynext in Ihrem wunderschönen Beitrag schrieb. Dieses Verständnis ist im Grunde der Schlüssel: „Wir ziehen nicht weg. Dachte ich mir schon. Wir hatten es vor. Rivka war fast so weit. Aber jetzt ist die Sache vom Tisch. Was hat sich verändert? Alles. Nichts. Verstehe. Wir sind nun mal, wer wir sind. Dieses Eingeständnis stellt die Veränderung dar. Daran arbeite ich auch.“ Jonathan Safran Foer hat einen großen, unterhaltsamen, rasanten und sehr jüdischen Roman geschrieben. Der Leser wird wechselseitig im Mikro- und Makrokosmos hin- und her geschüttelt und muss aufpassen, den Faden nicht zu verlieren. Foer packt so viele Themen in sein Buch, dass es fast platzt. Teilweise konnte ich mich nicht mehr losreißen von diesem Buch, so manches Mal musste ich niederknien vor Foer, manches Mal hat mich die bis in die Spitze geschilderte Unentschlossenheit und Diskussionsbereitschaft in den Wahnsinn getrieben. Ein großartiger Roman mit klarer Leseempfehlung.

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  • In Krankheit und in Krankheit

    Hier bin ich

    serendipity3012

    10. December 2016 um 12:21

    In Krankheit und in Krankheit„In Krankheit und in Krankheit. Genau das wünsche ich dir. Suche oder erwarte keine Wunder. Wunder gibt es nicht. Nicht mehr. Und der Schmerz, der am meisten wehtut, kann nicht gelindert werden. Den Schmerz des anderen ernst zu nehmen und für ihn da zu sein – das ist das einzige Heilmittel.“ S. 332Jacobs und Julias Hochzeit ist ungefähr 15 Jahre her, als die beiden sich noch einmal an die Worte Deborahs, Jacobs Mutter, erinnern. Ungewöhnliche Worte auf einer Hochzeitsfeier, mahnende, oder zumindest doch solche, die den beiden einen gesunden Realismus auf den Weg mitgeben wollen, die sie wappnen sollen. Gesundheit, so der Rückschluss, „Gesundheit“ gebe es eigentlich gar nicht.15 Jahre später steckt die Ehe von Julia und Jacob dann trotzdem in einer tiefen Krise. Während der älteste Sohn Sam kurz vor seiner Bar Mizwa steht, auf die er eigentlich gar keine Lust hat, die aber stattfinden soll, „weil man das eben so tut“, während Jacobs Großvater hochbetagt in eine Seniorenresidenz umziehen soll, worauf dieser ebenfalls keine Lust hat und überlegt, sich stattdessen vielleicht lieber umzubringen und während auch die beiden jüngeren Söhne Max und Benji ihren Teil der elterlichen Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, stehen Jacob und Julia plötzlich vor der Frage, ob bei all der Liebe zu den Söhnen die Liebe füreinander auf der Strecke geblieben ist. Sam soll außerdem im Religionsunterricht ein paar „schlimme Wörter“ geschrieben haben, was er bestreitet – die Eltern können sich nicht einigen, ob sie dem Sohn Glauben schenken (sollen) oder nicht – ohne Geständnis und Entschuldigung steht die Bar Mizwa in Frage. Jacobs Cousin Tamir aber ist schon fast auf dem Weg in die USA, sein Teil der Familie lebt in Israel. Jacob versteht und definiert sich als Jude, gläubig ist er aber nicht.„Hier bin ich“, der neue, sehr seitenstarke Roman von Jonathan Safran Foer, malt ein Bild von Jacob und seiner Familie, wobei Jacob stets im Mittelpunkt dieses Bildes steht, die Geschichte meist von ihm ausgeht. Es sind oft seine Gedanken, Gefühle, sein Leben, seine Zerrissenheit, seine Wünsche, die im Mittelpunkt stehen. Julia und er führen ein finanziell abgesichertes Leben, beide sind um die 40 und an einem Punkt angelangt, an dem sie sich fragen, ob sie mit dem, was sie erreicht haben, zufrieden sind. So weit, so normal. Mitten in diese Orientierungsphase, in der vor allem die Frage steht, ob Jacobs und Julias Ehe noch zu retten ist, passiert eine Katastrophe in Israel, die sie alle betrifft und die schließlich das Weltgeschehen und die Krise Julias und Jacobs miteinander in Verbindung bringt (wobei beides von Foer literarisch in Beziehung gesetzt wird, wenn die Ebenen sich spiegeln) und die womöglich entscheidend für ihr weiteres Leben ist.Dass diese Figuren trotz der teilweisen Detailverliebtheit Foers immer ein wenig schwer zu fassen bleiben, ist sicher kein Zufall. Dass Jacob um die immer gleichen Fragen kreist, um das, was er erreicht hat und was er zu diesem Zeitpunkt erreicht haben wollte, um seine Söhne, vor allem, die er liebt und doch loslassen muss, während er nicht weiß, was er will, nicht zu einem Ergebnis kommt, das ist nur konsequent. Foers Roman ist für mich eine zwiespältige Leseerfahrung: Foer legt den Finger in die Wunde, entblättert das Innere seines Protagonisten gekonnt – trotzdem blieb dieser Jacob mir meist fremd und mit ihm seine gesamte Familie. Die Frage, ob Romanfiguren sympathisch sein müssen oder sollen, wurde schon oft gestellt und (von mir) immer wieder verneint – dennoch ist es einfacher, in einen Roman zu versinken, wie es hier der Fall hätte sein können, wenn man als Leser in den Charakteren etwas findet, an dem man sich festhalten kann. Das hat oft etwas mit der von mir empfundenen Schlüssigkeit einer Figur zu tun, die hinterhältig und fies sein kann, also keinesfalls zwingend sympathisch sein muss, die aber immer etwas Menschliches braucht, etwas Ambivalentes, etwas, das mich zu ihr zieht und mich an ihrem Leben teilhaben lassen möchte. Gerade im Mittelteil von Foers Roman aber war mir das Schicksal seiner Figuren über weite Teile egal. Ich empfand sie als nervig und besserwisserisch, ja, als selbstgerecht und als anstrengend in ihrem Bewusstsein, immer allen anderen um eine Nasenlänge voraus zu sein. Geschmackssache, sicher, mir hat Foers Zeichnung seines Personals zumindest teilweise die Lektüre erschwert, es haben mir Nuancen gefehlt, die andere finden. Trotzdem ist „Hier bin ich“ ein guter Roman. Ein Roman, dem aber auch ab und zu ein wenig die Puste ausgeht, in dem sich der Erzähler manchmal kurz verzettelt, den man sicher etwas hätte straffen können.Was Foer gut gelingt: Er zeichnet ein Bild davon, was es heißt, in heutiger Zeit ein Jude zu sein, er benennt die Unterschiede zwischen den (im Roman säkularen) amerikanischen Juden und denen, die in Israel leben. Vor allem macht er deutlich, dass die heutigen Juden wie die Deutschen von klein auf etwas mitbekommen: So wie wir mit der Schuld aufwachsen, mit dem Bewusstsein, „Täter“ oder doch zumindest Nachkommen von Tätern zu sein, so ist man als Jude stets Opfer. Hier wie dort – man kann nichts dagegen tun.„Hier bin ich“ ist ein detailversessener Roman und Charakterstudie eines jüdischen Mannes in heutiger Zeit, manchmal ärgerlich, oft schmerzhaft treffend. Eine Lektüre, die sich für mich am Ende dann doch gelohnt hat.„Ohne Liebe stirbt man. Mit Liebe stirbt man auch. Nicht jeder Tod ist gleich.“ S. 593

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  • Eine "Ballade vom traurigen Leben", das dennoch gelingen kann

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Joachim_Tiele

    04. December 2016 um 20:31

    Lori Ostlunds Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist eine von drei ins Deutsche übersetzten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2016, die ich wie eine Art Trilogie empfunden habe, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem aktuellen Zustand der modernen amerikanischen Familie beschäftigt. Justins Heimkehr von Bret Anthony Johnston war für mich das dystopisch düsterste dieser Bücher, das keine Chance für ein glückliches oder auch nur ansatzweise gelingendes Leben der Protagonisten in Aussicht stellt. Jonathan Saffran Foers Hier bin ich beschreibt das Ringen um ein gutes, reflektiertes und ethisch vertretbares Leben, das in zentralen Aspekten scheitert (die Ehe der Protagonisten zerbricht), stellt aber auch die philosophische Haltung heraus, zu der Rationalität, reflektiertes Handeln und eine insgesamt aufgeklärte Lebenseinstellung führen können. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist das optimistischste dieser Bücher, ohne allerdings weder dem Protagonisten, noch dem Leser falsche Versprechungen zu machen; ein Trostbüchlein hätte man es vielleicht in früheren Zeiten genannt. Aaron, der Protagonist, trennt sich mit zweiundvierzig Jahren am Weihnachtsabend von seinem Lebensgefährten Walter, mit dem er zwanzig Jahre lang ein Paar war, fährt nach San Francisco, lebt dort zum ersten Mal allein, findet eine neue Arbeitsstelle und gegen Ende des Romans vielleicht einen neuen Freund. Doch so scheinbar stringent verläuft der Weg nicht. Entgegen der Verlagsankündigung ist Das Leben ist ein merkwürdiger Ort kein Roman über das Ankommen, vermeidet aber auch die platte Botschaft, der Weg sei das Ziel. Aarons Leben ist eine lebenszeitlange Suchbewegung, heraus aus den Festlegungen seiner Herkunftsfamilie, die ihn gleichzeitig zeitlebens nicht loslassen. Da ist der gewalttätige, überhebliche Vater, ein Polizist, dem es Spaß macht, sein Selbstwertgefühl durch die Erniedrigung seines Sohnes zu stärken. Da ist die Mutter, die ihn ohne Ankündigung verlässt. Da ist Walter, der ihn als Fünfzehnjährigen kennenlernt, lange bevor zwischen ihnen eine sexuelle Beziehung entsteht, und der für seine Ausbildungskosten aufkommt. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist auf eine ungewöhnliche Weise ein psychologischer Roman. Eher an Freuds Technik der freien Assoziation orientiert als am fiktionalen Bewusstseinsstrom der literarischen Moderne, bezieht sich Ostlund ganz stark auf die existenzielle Psychologie und Psychotherapie (@Wikipedia). Dieser zufolge ist Psychotherapie nicht nur etwas für Kranke. Ihre Begründung liegt nicht im Leidensdruck, der normalerweise als conditio qua non für psychotherapeutische Inerventionen angesehen wird, sondern in der Neugierde das eigene Leben betreffend, seine Brüche ebenso wie seine Zusammenänge. Grundsätzlich fußt sie auf der Psychoanalyse, sieht sich aber stärker noch als diese als Kulturtechnik und bezieht Literatur, Philosophie und kulturelle Antropologie ein. Dabei verzichtet sie auf jede Art von Heilungsversprechen. Ein unglücklicher Mensch kann - und wird vermutlich - immer unglücklich bleiben; die Linderung des Leids besteht allein darin, dass er die Herkunft und die Gründe für dieses Leid besser verstehen kann. Daraus kann die Kraft entstehen, trotz widriger Voraussetzungen und Umstände ein selbstbetimmtes Leben zu führen, das die Bedürfnisse der Mitmenschen einschließt. Dazu gehört insbesondere die freie Wahl der Bezugsspersonen. Eltern sind in diesem Konzept eher Zufallsverwandte, die einen starken, in Einzelfällen auch verheerenden Einfluss auf ihre Kinder haben können. Man kann, auch wenn man darunter leidet und er das Lebensglück behindert, diesen prägenden Einfluss nie loswerden. Auch die Eltern selbst können einen zu einem späteren Zeitpunkt davon nicht freisprechen. Gleichfalls ist die Forderung des Verzeihens, in einigen psychotherapeutischen Konzepten die Vorbedingung einer Befreiung von den Eltern, häufig unrealistisch oder, wenn es denn stattfindet, wirkungslos. In Aarons Fall scheitert die Wiederbegegnung mit seiner Mutter als Erwachsener völlig. Der Privatdetektiv, der seine Mutter für ihn aufspürt, wird für einige kurze Momente für Aaron fast eine Art Götterbote, aber kurz darauf in einem völlig anderen Zusammenhang ermordet (möglicherweise sehr bewusst durch die Verfasserin, um auch den leisesten Anflug von Spannungsliteratur zu vermeiden). Der Privatdetektiv ist einer einer ganzen Reihe frei gewählter vorübergehender Gefährten Aarons, ebenso wie Walter oder dessen Schwester, die in beider gefühlter Seelenverwandtschaft ihm nahe steht wie eine eigene. Das Konzept dahinter ist ein Element dessen, was manche als das andere Amerika bezeichnen: eine Solidarität auf Zeit, die blutsverwandtschaftliche Bindungen in ihrer Verbindlichkeit weit übersteigen kann, im ländlich-konservativen Minnesota, aus dem Aaron stammt, ebenso wie im großstädtisch-progressiven San Francisco. Es geht darum, Außenseiter zu akzeptieren und bei Bedarf auch aufzufangen. Insbesondere San Francisco hat seit den frühen neunzehnhundertsechziger Jahren eine Tradition aus zivilgesellschaftlichem Protest ebenso wie Engagement. Legendär sind Ideen aus dem Summer of Love wie kostelose medizinische Versorgung in einem Land ohne Krankenversicherung und Geschäfte, in denen kostenlos eingekauft werden konnte (Free Food, Free Stores, Free Clinics) (1). Einige dieser Ideen, auch die der freien Liebe und der Toleranz für viele Formen sogenannter abweichender sexueller Orientierungen, prägen San Francisco bis heute. Aber diese Ideen müssen, sollen sie weiterbestehen, täglich nicht nur als Konzept sondern als Alltagspraxis fortgesetzt und verteidigt werden. Auch dafür steht dieses Buch, frei von Nostalgie und frei von falschen Versprechungen. Wer Bücher hauptsächlich liest, um in andere Welten entführt zu werden oder der Welt insgesamt zu entfliehen (Buch auf - Welt aus lautete die Statusmeldung einer Besucherin meines Profils hier bei LovelyBooks), ist bei Das Leben ist ein merkwürdiger Ort vermutlich verkehrt. Eher ist es eine Einladung, das Kennenlernen von Aarons Welt zum Anlass der Inspektion der eigenen zu nehmen, auch wenn für die meisten deutschen Leser vermutlich keine Eins-zu-eins-Entsprechungen zu erkennen sein werden. Abstraktionsvermögen, aber auch die Fähigkeit zur Übertragung (im psychologischen Sinne) sind erforderlich, die Bezüge von einem fremden Selbst zu seinem eigenen zu ziehen. Aber es kann gelingen, vielleicht dann, wenn einem selbst einmal etwas passiert, das man nur aus der Vergangenheit - ob aus seiner eigenen oder der anderer - verstehen oder erklären kann. Joachim Tiele - 04.12.2016 _______ (1) Der deutsche wie der englischsprachige Wikipediaartikel zum Summer of Love sind eher oberflächlich und reduziert auf Musik und Drogengebrauch. Der organisatorische Kern der Bewegung waren die Digger, auf deren Webseite man die ausführlichsten Informationen dazu finden kann: http://www.diggers.org/history.htm

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  • Der Albtraum der amerikanischen Familie

    Justins Heimkehr

    Joachim_Tiele

    28. November 2016 um 11:49

    Eine glückliche Familie erleidet einen schweren Schicksalsschlag, die Entführung eines Kindes, und erhält nach der überraschenden Rückkehr des Entführten die Chance, wieder eine glückliche Familie zu werden? Nein, niemand ist hier glücklich, war es je oder wird es in der Zukunft sein. Bret Anthony Johnstons Debütroman bietet eine nicht-voyeuristische Innenansicht einer amerikanischen Durchschnittsfamilie der unteren Mittelschicht, ironischer Weise der eines High-School-Lehrers, die ständig hinter dem nächsten Paycheck herhechelnd sich praktisch nichts leisten kann, als das Minimum zum Überleben. Selbst ein neuer Rasen für den Garten, anlässlich der Party, die die Heimkehr des entführten Justin feiern soll, wird zum finanziellen Problem. Der Roman spielt im texanischen Corpus Christi, der am Golf von Mexiko gelegenen, nach Angaben der US-Zensusbehörden zweitungebildetsten Stadt der USA (1), die auch ansonsten eher lebensfeindlich ist. Die klimatischen Verhältnisse, insbesondere im Sommer, sind für Europäer, die nie dort waren, kaum vorstellbar (der Rezensent hatte einmal im Juli den klimatisierten Bereich des nahegelegenen Houston International Airport verlassen, um eine Zigarette zu rauchen: nichts hatte ihn darauf vorbereit, Luft wie flüssiger Zement einzuatmen, und diese Zigarette hat er nicht zu Ende geraucht) – und auch sie durchziehen, wie andere Widrigkeiten des amerikanischen Alltags, den Roman auf jeder Seite. Beschrieben wird eine real existierende Dystopie im Hier und Jetzt, in der es der Entführung nicht bedurft hätte, um die albtraumartigen Lebensverhältnisse der Protagonisten (be)greifbar zu machen, die äußeren wie die inneren Verhältnisse. Denn es ist das beschädigte Innenleben der Beteiligten, das die Situation, die durch die Entführung entstanden ist, zusätzlich unerträglich macht, weil sie sich selbst kaum ertragen können. Die Folge ist eine weitgehende Kommunikations- (fast Interaktions-) -losigkeit der Familienmitglieder, verursacht durch Ängste und Schuldgefühle, erziehungsbedingte Unsicherheiten und unerfüllbare Anforderungen an ein (scheinbar) glückliches Familienleben. Dadurch, wie der Roman verlagsseitig beworben wird, (das US-amerikanische Original und stärker noch die deutsche Ausgabe) entsteht leicht eine Lesererwartung zwischen Thriller und Frauenroman, der irgendwie auch so etwas wie einen Anspruch hat (und auf der englischsprachigen Webseite von Random House findet man Materialien zur Lektüre an High Schools und Colleges). Der Thrilleraspekt erinnert an Denis Lehanes Mystic River, in dem auch ein Jugendlicher entführt wird, der danach völlig verstört ist, unterstrichen durch den Prolog, der eine Situation beschreibt, in der Spaziergänger in einem Hafenbecken eine Leiche entdecken, die auch der bald auftauchenden Polizei – ebenso wie dem Leser – Rätsel aufgibt. Interessanterweise hält sich die Rezensentin der New York Times nicht einen Moment lang damit auf (2), sondern zitiert ein Buch aus den sechziger Jahren, in dem es um die Beziehung von Kunst und Moral geht, und innerhalb der Literatur als Kunstform um die erzählerische Distanz des Autors, aus der heraus er seine Geschichte anlegt, und wie er die Beziehung zwischen dem Erzähler, den Charakteren und dem Leser gestaltet. Diese Distanz der Darstellung zu beherrschen, ist eine Technik des jeweiligen Autors, die uns – als Leser oder Rezensenten – so über das Buch reden lässt, als ob es auf die Technik, mit der es geschrieben wurde, gar nicht ankäme. Diese Fähigkeit des Autors, sich selbst zurückzunehmen und den Figuren ein eigenes Recht einzuräumen, als wären sie tatsächliche Personen mit eigenen Persönlichkeitsrechten, sieht die Rezensentin der New York Times als einen großen Verdienst von Justins Rückkehr. Die Frage, die sich durch den Roman stellt, ist daher im engeren Sinne gar nicht die, wie diese spezielle Familie mit genau diesem Entführungsfall umgeht, sondern die danach, was Fiktionalität heute kann, wie sie gesellschaftliche wie persönliche Verhältnisse ihrer Protagonisten und deren auf einander Ein- und Rückwirken beschreibt. Die Entführungsgeschickte um Justin ist lediglich der äußere Inhalt, die Themen des Romans sind andere: generationenübergreifende familiäre Strukturen, das US-amerikanische Bildungssystem und seine Folgen, die Abkoppelung der verarmenden gebildeten Mittelschicht von gesellschaftlicher Teilhabe, aber auch Journalismus, Selbstjustiz und die Todesstrafe. Soweit ein wichtiges und großartiges Buch, auch wenn die Freunde von Thrillern und gemütsbetonten Familienromanen möglicherweise überlange Reflexionen und ein nicht schlüssig in Richtung Familienglück weisendes Ende beklagen. Egal wie man seinen Leseschwerpunkt legt, die deutsche Ausgabe des Romans hat ein Problem – die Übersetzung. Vordergründig fallen unnötige Anglizismen auf, für die es – nicht nur für Sprachpuristen – eindeutige Übersetzungen gibt: Krabben, und Corpus Christi ist ein Zentrum der Krabbenfischerei, heißen durchgängig Shrimps und Eisbären, englisch polar bears, werden zu Polarbären. Okay, kann man durchgehen lassen, aber dass in einem Roman mit einem Lehrer für texanische Geschichte als einem der Hauptprotagonisten das texanische Nationalheiligtum The Alamo durchgehend als Alama auftaucht, zeigt, dass sich Übersetzerin wie Lektorat nicht wirklich mit dem Roman auseinandergesetzt haben. Das Hauptproblem der Übersetzung ist aber ein anderes: Auffällig viele Teilnehmer/innen der Leserunde hier bei LovlyBooks haben beklagt, dass sie nicht gut in den Roman hineingefunden hätten, und dies bei einem Prolog, der gleichlautend in einer Thrillervariante des Themas hätte stehen können. Das Problem ist das, was man in der Linguistik als grammatikalisches Zeitmanagement bezeichnet, das im Deutschen und Englischen stark voneinander abweicht. Die Übersetzerin hat die Zeiten (tenses) eins zu eins aus dem Englischen übernommen. Im Deutschen hätte man im Prolog das sogenannte historische Präsens erwartet, damit er den Leser, nach deutschen Lesegewohnheiten, richtig packt (3). Auch wenn, bei entsprechenden Sprachkenntnissen, das englische Original der deutschen Übersetzung sicherlich vorzuziehen ist, soll hier dennoch kein Punktabzug erfolgen. Dafür hat der Roman zu viel Substanz, der auch die Übersetzung nichts anhaben kann. Und er reiht sich ein in eine (nahezu und in Anführungszeichen, da es sich um jeweils eigenständige Bücher handelt) Trilogie von Romanen zum Zustand der amerikanischen Familie, die in diesem Jahr auf Deutsch erschienen sind: Jonathan Saffran Foers Hier bin ich (bei Kiepenheuer & Witsch) und Lori Ostlunds Das Leben ist ein merkwürdiger Ort (als Hardcover bei dtv). Insofern ist eine deutsche Übersetzung von Justins Heimkehr zu begrüßen. Allerdings hat der Beck Verlag als literarischer Verlag einen Ruf zu verlieren, wenn auch er aus Kosten- oder anderen Gründen bei Übersetzungen schlampt, insbesondere wenn man weiß, welche Sorgfalt amerikanische Verlage bei literarischen Übersetzungen aus dem Deutschen walten lassen. Spätestens zur Taschenbuchausgabe sollte die Übersetzung zumindest gründlich überarbeitet werden. Joachim Tiele – 28.11.2016 _________ (1) https://en.wikipedia.org/wiki/Corpus_Christi,_Texas (2) http://www.nytimes.com/2014/08/10/books/review/remember-me-like-this-by-bret-anthony-johnston.html?_r=0 (3) Das kann Jeder anhand der Leseprobe auf der Webseite des Beck-Verlages selbst für sich im Kopf ausprobieren: Die einfache Vergangenheitsform (Präteritum) ins Präsens setzen und Aussagen zur noch weiter zurückreichenden Vergangenheit (etwa im Plusquamperfekt) entsprechend anpassen. Dann liest sich der Prolog sofort flüssiger und ist eher geeignet, den Leser zu packen.

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