Jonathan Shay Achill in Vietnam

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Inhaltsangabe zu „Achill in Vietnam“ von Jonathan Shay

Welche seelischen Verwüstungen richtet der moderne Krieg an. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wohl aber ist die Politik einer Nachkriegszeit in manchen Aspekten die Fortsetzung des Krieges In diesem bemerkenswerten Buch untersucht der amerikanische Psychiater Jonathan Shay die seelischen Verwüstungen, die der moderne Krieg im Menschen anrichtet, indem er die Aussagen seiner Patienten mit denen in Homers Ilias vergleicht. Seine Patienten sind ehemalige Vietnamkämpfer, die an schweren posttraumatischen Störungen leiden; die Ilias beschreibt, wie der Krieger Achill aus Trauer über den Tod seines Freundes Patroklos "zum Berserker" wird. Wie entsteht ein Verhalten, das den modernen Soldaten wie den historischen Krieger die zivilisatorischen Hüllen abstreifen läßt? Wie kommt es, daß es ihm nach Beendigung der kriegerischen Ausnahmesituation oft unmöglich ist, sich wieder in "normalen Verhältnissen" zurechtzufinden? Für Shay hat das posttraumatische Syndrom seine Ursache in der Regel nicht so sehr im grausigen Kriegsgeschehen selbst, sondern in einer Art moralischer Entgrenzung, die der Soldat erlebt, wenn zudem seiner sittlichen Wertordnung zuwidergehandelt wird, wenn das verletzt wird, was - ungeachtet kriegsbedingter Gewalt - "recht ist". Die Verletzung dessen, was "recht ist", scheint die Verletzung einer Grenze zu bedeuten, die nötig wäre, damit der Soldat seine psychische Verbindung zu einem Status außerhalb des Krieges nicht verliert. "Schwere psychische Schäden haben ihren Ursprung in der Zerstörung des Vertrauens, und sie führen zur Zerstörung der Fähigkeit zu vertrauen", schreibt Shay. Die weiteren Folgen: zwanghafte Wiederholung des traumatisierenden Erlebnisses im Schlaf- und Wachzustand; stark herabgesetzte psychische Belastbarkeit; Verlust jeden Interesses an der Welt schlechthin. Jonathan Shays kluges, einfühlsames Buch zeigt, daß Krieg eine fortdauernde individuelle Pathologie sein kann; es zeigt, daß die dabei durchlaufene psychische Transformation universell ist, den klassischen Krieger mit dem modernen Soldaten verbindet; und es zeigt nicht zuletzt, welch permanente Zerstörungen der Krieg in jedem Zeitalter hervorruft. Jonathan Shay arbeitet als Psychiater mit Vietnamveteranen, die an posttraumatischer Belastungsstörung leiden, im Department of Veterans Affairs Outpatient Clinic in der Umgebung von Boston. Er gehört außerdem der Fakultät der Tufts Medical School an und lebt in Cambridge, Massachusetts.

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Schön geschrieben über schwere und leichte Abschiede, aber in erster Linie wohl eher etwas für Fans von Zimmer frei

JuliB

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  • Faszinierend und schrecklich zu gleich

    Achill in Vietnam

    HenryRottler

    25. February 2014 um 10:31

    Als Psychiater skizziert Jonathan Shay hier den geistigen und körperlichen Verfall von Menschen, die verraten und verkauft weit über die Grenzen des Gesunden hinweg getrieben wurden. Dazu zieht er Parallelen zu Homers Elias und stell fest: Achills tragisches Wirken und seine Berserkerwut folgen identischen Pfaden von Soldaten mit Belastungsstörungen, deren inneres Gleichgewicht und Vertrauen so nachhaltig und dauerhaft zerstört wurde, das ein Weg zurück in die Wertegemeinschaft der „westlichen Zivilisation“ unmöglich erscheint. Ein spannendes Fachbuch über die menschliche Psychologie.

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