Jonathan Swift Reise nach Lilliput Gullivers Reisen - Erster Teil

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Inhaltsangabe zu „Reise nach Lilliput Gullivers Reisen - Erster Teil“ von Jonathan Swift

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    Reise nach Lilliput Gullivers Reisen - Erster Teil
    sabisteb

    sabisteb

    26. September 2011 um 10:39

    Lemuel Gulliver tritt einen Posten als Wundarzt auf einem Schiff, welches nach einem Sturm untergeht. Schiffbrüchig langet Gulliver auf der Insel Liliput. Als er nach langer Bewusstlosigkeit wieder zu sich kommt, stellt er fest, dass Sechs Zoll kleine Menschlein (Liliputs) ihn mit Seilen und Stricken gefesselt haben, er ist nun ein Gefangener des Kaisers von Liliput, der ihn zur Unterhaltung und als Geheimwaffe einsetzen will. Gullivers Reisen (Gulliver's Travels) ist wohl das bekannteste Werk des irischen Schriftstellers Jonathan Swift, nicht zuletzt wegen der vielen Verfilmungen, die dieses Buch, besonders die erste Reise, erfahren hat. Meist jedoch beziehen sich diese Umsetzungen auf die zweiteilige (deutlich zensierte) Kinderbuchausgabe und stellen die Geschichte als Kinderbuch dar. Dem ist jedoch mitnichten so. Gullivers Reisen sind alle vier gefrustete Abrechnungen des Autors mit seinem Heimatland England aus der Irischen Verbannung heraus (zumindest hat der Autor es wohl als Verbannung empfunden). Diese erste Reise wird von einem Vorwort von Sir Walter Scott eingeleitet, in welchem er eine Kurzbiografie des Autors zusammenstellt, damit der Leser die Geschichte besser versteht und auch warum der Verleger von Swifts Werken damals mehrfach Verklagt wurde. Einerseits ist diese Geschichte durchaus innovativ. Swift entwirft noch vor Tolkien und Star Trek eine erste Kunstsprache und hat laut Scott nur wenig Inspiration von anderen Büchern für sein Werk herangezogen. Jedoch hat das Buch aus heutiger Sicht auch einige deutliche Mängel. Zum einen ist Swift sehr darauf fixiert seinen Helden seine Notdurft verrichten zu lassen, und beschreibt das in wenigen Seiten gleich drei Mal sehr ausführlich: "Dies tat ich in vollem Maße, zum Großen Erstaunen der Leutchen, die aus meinen Bewegungen auf mein Vorhaben schlossen und sogleich rechts und links eine Gasse öffneten, den Strom zu vermeiden, der mit solchen Getöse und solcher Heftigkeit aus mir hervorbrauste" (1. Kapitel). Danach noch mal im 2. Kapitel "Schon seit einigen Stunden wurde ich von Naturbedürfnissen heftig gedrängt, und die war kein Wunder, denn schon seit zwei Tagen ahtte ich mich nicht entledigt... Von dieser Zeit an war es stets meine Gewohnheit, sobald ich aufstand, dies Geschäft in der freien Luft so weit weg, als es meine Ketten gestatteten abzutun; und jeden Morgen ward auch gehörig Sorge getragen, daß der anstößige Stoff, ehe Gesellschaft anlangte, von zwei dazu abgestellten Dienern auf Karren fortgebracht." Und als wenn das nicht reichen würde, gleich noch mal im Sowdown als das Schloss brennt und Gulliver dieses Feuer einfach auspinkelt. Einmal ist lustig, zweimal OK, dreimal wirkt schon ein wenig fixiert und erinnert an moderne Autorinnen mit dem gleichen Problem was Körperflüssigkeiten und Körpersäfte angeht. Diese erste Reise ist eine persönliche Abrechnung Swifts mit all den Politikern und einflussreichen Menschen der damaligen Zeit, von denen er sich persönlich beleidigt fühlte. Leider ist das ohne die Fußnoten für den modernen Leser kaum noch nachvollziehbar, zumal man die meisten nicht mehr kennt. Indem Gulliver dem Kaiser sein Heimatland England erklärt, rechnet er auch damit ab. In dier ersten Reise noch zum großen Teil im übertragenen Sinne, was ohne Kenntnis der politischen Hintergründe einfach nur peinlich albern wirkt. So stehen die hohe und niedere Absätze für die Hochkirch und Niederkirche deren Streitigkeiten bis ins einzelne lächerlich gemacht werden. Der hinkende Gang macht den Der Prinz von Wales (spätere König George I) lächerlich, von dem man nie wußte, welcher Partei seine Gunst gehörte und das Öffnen der Eier steht für die Streitigkeiten zwischen römischer und anglikanischer Kirche um die Sakramente. Das Auspinkeln des Schlossbrandes und der Kaiserin Schauder hingegen ist eine Anspielung auf die Ungnade, in die Swift bei Königin Anna fiel wegen seines Märchens von einer Tonne. Fazit: Die Satire hat im Laufe der Jahrhunderte deutlich an Brisanz, Biss und Spitzen verloren, vor allem weil die politischen Verhältnisse von damals, vor allem für nicht Briten, unbekannt sind. Einiges ist auch heute noch treffend anderes wirkt eher infantil und platt. Heutzutage doch eher ein nettes Kindergeschichtchen, mit Fäkaldetails à la Charlotte Roche.

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