Joost de Vries Die Republik

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Inhaltsangabe zu „Die Republik“ von Joost de Vries

Ein beeindruckender Roman um Täuschung, Selbsttäuschung, Ambitionen, das Spiel mit der Geschichte und die Jagd nach dem perfekten Feind. Der berühmte Historiker Josip Brik fällt in Amsterdam aus einem Hotelzimmer und stirbt. Seine rechte Hand Friso de Vos ist bestürzt, sieht aber die Chance in Briks Fußstapfen zu treten, als plötzlich jemand anderes auf der Bildfläche erscheint und Interviews zum Tod seines Mentors gibt. Woher kommt diese Person? Was will sie? Es entwickelt sich eine abenteuerliche Gesellschaftssatire, die Anspielungen auf Literatur und Philosophie, Comics und Computerspiele, Popmusik und Hitlerstudien enthält.

An sich eine gelungene Gesellschaftssatire, allerdings mit sehr sehr eigenem Humor.

— letusreadsomebooks
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    Die Republik
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    01. August 2017 um 14:34

    Der berühmte Historiker Josip Brik war bei seinen Auftritten immer bereit, die wissenschaftliche Genauigkeit für eine bessere Inszenierung zu vernachlässigen. Sein Spezialgebiet ist die filmische Darstellung Hitlers. Als er aus dem Fenster eines Hotelzimmers in Amsterdam stürzt, ist sein engster Mitarbeiter und Vertrauert Friso de Vos geschockt. Er war die rechte Hand seines Mentors und so scheint es nur normal zu sein, dass Friso seine Nachfolge antritt. Doch woher kommt plötzlich diese fremde Person, die überall auftritt und Interviews gibt zu Josip Brik? Zu Beginn von Joost de Vries zweitem Roman die Republik entwickelt sich bereits im Prolog eine abstruse Situation: die eigentlich zentrale Figur Josip Brik stirbt direkt am Anfang. Doch trotzdem dreht sich hinterher alles um ihn und er ist ständig präsent. Denn Josip Brik ist nun mal nicht irgendwer. Er ist ein berühmter Historiker mit legendenhaftem Ruf und ebenso berüchtigt wie brillant. Sowohl ein Philosoph als auch ein Akademiker, der sich mit Popmusik und Hollywood-Blockbustern beschäftigt. Sein größtes Faible sind aber die Hitlerstudien und mit Der Schlafwandler ist er Herausgeber der wichtigsten Zeitschrift auf diesem Gebiet. Chefredakteur ist sein Vertrauter Friso de Vos. Bei Briks Ableben befindet sich Friso dummerweise gerade in Chile, um dort einen Mann zu treffen, dessen Familie seit Generationen Hitler heißt. Zudem ist er schwer erkrankt und kann nicht an der Beerdigung teilnehmen. Als plötzlich mit Philip de Vries ein zweiter Ziehsohn auftritt und statt ihm eine Trauerrede hält, ist er völlig irritiert. Dieser Platz hätte doch eigentlich ihm zugestanden und von Philip hat er auch vorher nie gehört. „Woher weißt du das alles?“ Pippa wusste solche Dinge als Kunsthistorikerin vermutlich besser als ich, würde so etwas aber nie sagen. Und wenn ich ganz ehrlich war, bestand mein Trick darin, dass ich es nicht wirklich wusste. Die Kunst liegt darin, die Sprache zu kennen, das Vokabular, die Querverweise, um in jedem Gegensatz, in jedem Schwarz und jedem Weiß einen Widerspruch zu finden und diesen als einen Ausdruck von Ambivalenz anzuführen, als Doppeldeutigkeit, als konkurrierende Paradigmen. War nicht sämtliche Kunst und waren nicht alle Bücher und Filme und die Musik einfach nur eine Frage von sich verschiebenden Referenzen? Joost de Vries führt den Leser in eine Akademikerwelt, in der es vor allem um Aufsätze, Renommee, Konferenzen und den eigenen Wert in diesem Milieu geht. Der Ich-Erzähler Friso de Vos ist Brik-Experte und  steht dem anderen Experten Philip de Vries gegenüber. Beide wollen sich als geistiger Nachfolger ihres großen Vorbilds präsentieren. Der Studienschwerpunkt liegt ausgerechnet auf den Hitlerstudien. Im Verlauf der Handlung entwickelt sich ein immer größeres Netz aus Ränken, Intrigen, Verwechslungen und Neid, in dem sich Friso immer mehr von Spionen und Verschwörungen umgeben sieht. Der Autor schreibt seine Gesellschaftssatire mit einem eigenen Humor und Sarkasmus. Tahl war nicht zu unterschätzen. Er hatte an der Universität von Delhi einen Fachbereich für Hitlerstudien ins Leben gerufen, dessen Bedeutung bei all seiner Mittelmäßigkeit auf das Budget zurückzuführen war, mit dem er Professoren für eine Gastvorlesung oder auch zwei (Gattin oder Geliebte inklusive) aus westlichen Ländern einfliegen lassen und in Hilton-Suiten unterbringen konnte. Seitdem tauchte er auf jedem Kongress auf und kolportierte Studien und Artikel, die zwar niemanden besonders interessierten, die aber auch niemand ausdrücklich ablehnen wollte, um die Dreisterne-Einladungen nicht zu verpassen. Schon seit einem halben Jahr ging er mit einem Essay hausieren, vom dem er annahm, er sei originell, und in dem er Hitler mit Voldemort verglich. Das sich Joost de Vries für Hitlerforscher als Protagonisten entschieden hat, macht das Ganze umso skurriler. Im Buch finden sich immer wieder Bilder von Katzen, Duschgel-Verpackungen und Häusern, die eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Hitler haben. Und auch im Roman selbst trifft Friso auf einige Personen, die sich mit beängstigender Hingabe dem Leben Hitlers widmen. In einem Laden für Antiquitäten wird Friso in einem geheimen Raum geführt, in dem die Inhaber Gegenstände aus der NS-Zeit sammeln und ausstellen. Ihr wertvollster Besitz ist die Waffe mit der Hitler Selbstmord begangen haben soll. Doch nicht nur Verweise auf Hitler spielen eine Rolle. Es gibt auch zahlreiche Anspielungen auf popkulturelle Phänomene wie Der Herr der Ringe und Harry Potter, sowie viele weitere mehr, die der Leser finden und entschlüsseln kann. Doch Joost de Vries verlässt sich nicht nur auf Humor und skurrile Situationen, sondern schafft es ebenso, eine spannende Geschichte zu erzählen, die immer mehr an Fahrt aufnimmt und auch die eine oder andere Überraschung bietet. Dabei gelingt es dem Autor auch, immer wieder nachdenkliche Passagen einzubauen. Denn neben seiner Auseinandersetzung mit dem unbekannten Konkurrenten muss Friso nicht nur die Trauer um seinen Mentor und Freund bewältigen, sondern er durchlebt gleichzeitig eine Trennung von seiner langjährigen Freundin. Auch für diese Abschnitte findet Joost de Vries die richtigen Worte. Die Republik ist eine ironische Gesellschaftssatire, die es gleichzeitig auch schafft, ernste Themen anzusprechen. Voller Anspielungen auf die allgegenwärtigen Hitlerstudien und Pop-Phänomene, zeichnet Joost de Vries ein Bild des akademischen Milieus, in dem nicht die wissenschaftlichen Ergebnisse im Vordergrund stehen, sondern die Menge an veröffentlichten Aufsätzen und das jeweilige Renommee. Aufgrund des teilweise sehr eigenen Humors aber nicht unbedingt für jeden zu empfehlen. „Und dann sah er mich so an und sagte: ‚Mädchen, lass uns nicht von les mots reden, bei dir interessieren mich eher les choses.‘“„Oh, wow, das ist, als würde Foucault einem den Hof machen.“

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