Jordi Peidro

 4,8 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor*in von Mauthausen.

Lebenslauf

Jordi Peidro, geboren 1965 in Spanien, Comiczeichner und Autor zahlreicher Theaterstücke und Romane.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jordi Peidro

Cover des Buches Mauthausen (ISBN: 9783903022881)

Mauthausen

(5)
Erschienen am 10.04.2019

Neue Rezensionen zu Jordi Peidro

Cover des Buches Mauthausen (ISBN: 9783903022881)
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Rezension zu "Mauthausen" von Jordi Peidro

jacky_liest
Bewegende Bilder über die Brutalität einer Zeit

Mauthausen ist ein Comic, der mit jeglichen Bildnisverboten bricht und die Brutalität ungefiltert darstellt. Dabei werden Gewalt und Grausamkeiten nicht nur auf Textebene thematisiert, sondern auch auf Bildebene dargestellt. Hierbei sei auch angemerkt, dass der Comic nichts ausspart und dabei auch nicht für jede:n geeignet ist. Die Gewalt, das Leid und der Tod werden ungefiltert dargestellt und lassen einen mit vielen Emotionen zurück. Der Comic emotionalisiert, hat dies aber nicht zum Ziel, da die Aufklärung und das Nicht-Vergessen im Vordergrund stehen. Diese Zielsetzungen erfüllt der Comic in jeder Hinsicht, da sowohl die Bilder als auch die Thematik noch lange verweilen werden. 

Die Aufmachung des Comics ist gut gemacht, da anhand eines Einzelschicksals und deren narrative Führung hierdurch ein roter Faden gesponnen wird, aber dieser Faden wird immer wieder mit historischen Einschüben sowie subjektiven Anmerkungen kontextualisiert. Hieran ist erkennbar, dass sich der Comic auch an ein jüngeres Publikum richtet. 

Insbesondere die Nachworte der Kinder von Francisco Aura Boronat sind für das gesamte Werk wichtig. Der Comic arbeitet die Sicht der sogenannten ersten Generation heraus, während im Nachwort die zweite Generation zur Sprache kommt und damit das intergenerationale Trauma thematisiert wird. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Comic Sichtbarkeit für eine andere Gefangenengruppe der Konzentrationslager schafft und diese in den historischen Kontext einordnet sowie Informationen darüber hinaus gibt. 

Mauthausen ist ein Comic, der vor allem dem Vergessen entgegenwirkt und durch die Bildlichkeit stark emotionalisiert. An der ein oder anderen Stelle wäre ein weiter ausführender Text gut gewesen, aber im Großen und Ganzen ist der Comic sehr empfehlenswert und lesenswert.. Mauthausen ist kein Comic, der kurz wirkt, sondern dessen Bilder lange nachwirken werden: für alle, die sich mit dem Holocaust beschäftigen (wollen) und eine andere Sichtweise sehen möchten. 

Cover des Buches Mauthausen (ISBN: 9783903022881)
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Rezension zu "Mauthausen" von Jordi Peidro

mimitati_555
Verlorene Jugend

»Mindestens 90.000 Menschen verloren in Mauthausen ihr Leben. Von den über 7.000 republikanischen spanischen Häftlingen wurden mehr als 4.200 ermordet. Francisco Aura Boronat war der letzte noch lebende der etwa 2.800 aus Mauthausen befreiten Spaniern. Er verstarb am 27. November 2018, kurz vor seinem 100. Geburtstag.« (Seite 187)

Wenn ich an Konzentrationslager denke, fallen mir in erster Linie Auschwitz und Dachau ein, die Stadt Mauthausen war mir tatsächlich bislang noch nie untergekommen, was ich nach dem Lesen der großartigen Graphic Novel von Jordi Peidro erstaunlich finde angesichts der Gräuel, die dort passiert sind, und der Zahl der getöteten Menschen. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass Mauthausen sich in Österreich befindet, gelegen an der Donau. Errichtet wurde das Lager, um politische Gegner, Kriminelle oder als asozial bezeichnete Personen zu inhaftieren, wo sie zu Schwerstarbeit in Granitsteinbrüchen gezwungen werden sollten. Die ersten Gefangenen wurden durch die SS am 08. August 1938 überstellt, dabei handelte es sich anfangs um deutsche und österreichische Häftlinge, was sich nach Kriegsbeginn änderte, als Menschen aus ganz Europa ins KZ Mauthausen verschleppt wurden. Einer von ihnen war der spanische Widerstandskämpfer Francisco Aura Boronat, dessen Geschichte die vorliegende Graphic Novel erzählt.

»Die Erfahrung meines Vaters schwebte immer über unserer Familie. Es ist nicht möglich, ein Erlebnis von solcher Eindringlichkeit abzulegen. Man überlebt eine Deportation, aber sie begleitet einen für den Rest seines Lebens. Doch obwohl wir das so erlebten, weigerte ich mich lange, mich dem Schicksal meines Vaters zu stellen. Ich wollte nichts von seinem Leiden wissen…« (Javier Aura, Seite 191)

Die großartig gezeichneten Bilder und die Geschichte von Francisco Aura Boronat lassen mich tief bewegt zurück. Wieder einmal bin ich entsetzt darüber, was Menschen anderen Menschen antun und wie vielfältig das Böse seine Fratze zeigen kann. Besonders berührend fand ich dabei die Beiträge der Kinder von Francisco Aura Boronat zum Schluss des Buches; diese Worte haben mich buchstäblich zu Tränen gerührt. Hinzukommt der Umstand, dass ich historische Ereignisse und Fakten erfahren habe, die neu für mich waren. Eine bildliche Reise in die Vergangenheit, die großen Eindruck bei mir hinterlässt. Gegen das Vergessen.

Cover des Buches Mauthausen (ISBN: 9783903022881)
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Rezension zu "Mauthausen" von Jordi Peidro

Svenjas_BookChallenges
Eine Graphic Novel, die man gelesen haben muss

Als wir vor ein paar Jahren zum ersten Mal die Gedenkstätte des KZ Mauthausen in Österreich besucht haben, war das für mich eine unglaublich beklemmende und bewegende, aber auch eine sehr wichtige Erfahrung. Wie immer, wenn ich eine Holocaust-Gedenkstätte besuche, habe ich mir ein Buch mitgenommen, das ich jetzt endlich gelesen habe: die Graphicbio „Mauthausen“ von Jordi Peidro, aus dem Spanischen übersetzt von Manfred Gmeiner.

Sie erzählt die Geschichte des KZ-Überlebenden Francisco Aura, der im spanischen Bürgerkrieg kämpfte, als Geflüchteter nach Frankreich kam und nach der Besatzung Frankreichs durch die Deutschen schließlich nach Mauthausen deportiert wurde – so wie zahlreiche ehemalige Soldaten und Geflohene aus Spanien. Francisco Aura kam somit als politischer Gefangener in das Konzentrationslager und überlebte das jahrelange Martyrium bis zur Befreiung im Mai 1945.

Jordi Peidro erzählt das Schicksal Auras in präzisen, ungeschönten Worten und mit eindringlichen Comic Strips, die das Geschehene in ihrer Eindeutigkeit und durch eine düstere Farbgebung in Bilder fassen. Dass es vor allem einzelne Episoden sind, die sich zu einer unglaublich bewegenden und in ihrer Detailhaftigkeit grausamen Überlebensgeschichte zusammensetzen, spiegelt die Entstehung der Graphic Novel wider – 2 Jahre vor seinem Tod im Jahr 2018 hat Francisco Aura nämlich zugestimmt, einen Comic über sein Leben verfassen zu lassen. Die erzählten Episoden wirken daher wie die Abbildung seiner Erinnerungen.

Auch wenn mich die deutsche Übersetzung an einigen Stellen nicht ganz überzeugt hat (bzw. für meine Begriffe etwas holprig wirkte), möchte ich diese Graphic Novel jeder und jedem ans Herz legen. Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns auch heute noch mit den Schicksalen der Holocaust-Überlebenden beschäftigen, dass wir ihre Geschichten kennen und sie niemals vergessen. Und Francisco Auras Geschichte hat mich wahnsinnig betroffen gemacht – sie hat es verdient, dass man sie liest!

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