Dona Flor und ihre zwei Ehemänner hat mich mit einer Wärme empfangen, die schnell vielschichtiger wird, als der heitere Ton zunächst vermuten lässt. Jorge Amado führt nach Salvador da Bahia, in eine Stadt voller Gerüche, Musik, Essen, religiöser Rituale und leidenschaftlicher Gespräche. Dort lebt Dona Flor, eine Kochlehrerin, deren Ehe mit dem charmanten Glücksspieler Vadinho sie zwischen Glück, Scham, Armut und Begehren erschöpft. Als Vadinho während des Karnevals stirbt, beginnt für sie ein Schmerz, der ebenso widersprüchlich ist wie ihre Erinnerung an ihn. (Mehr: https://love-books-review.com/de/dona-flor-und-ihre-zwei-ehemaenner-von-jorge-amado/)
Vadinho war unzuverlässig, verschwenderisch und oft verletzend. Trotzdem besitzt er eine Unmittelbarkeit, die Dona Flor nicht einfach auslöschen kann. Ihr zweiter Ehemann, der Apotheker Teodoro Madureira, scheint dagegen alles zu verkörpern, was ihr nach der ersten Ehe fehlt: Verlässlichkeit, Rücksicht und ein geordnetes Leben. Ich mochte, dass Amado diese Gegenüberstellung nicht platt behandelt. Teodoro ist nicht lächerlich, weil er bieder ist, und Vadinho wird nicht entschuldigt, weil er aufregend bleibt. Beide Männer stehen für Bedürfnisse, die in Dona Flor gleichzeitig leben.
Als Vadinho in körperloser Gestalt zu ihr zurückkehrt, wird der Roman phantastisch, ohne seine Alltagsnähe zu verlieren. Für mich ist dieses Wunder keine bloße komische Idee. Es macht sichtbar, wie Erinnerung und Verlangen die Grenzen des Vernünftigen überschreiten können. Dona Flor muss nicht nur zwischen zwei Männern wählen. Sie muss herausfinden, ob ein erfülltes Leben aus Sicherheit oder aus Leidenschaft bestehen soll, und ob diese Trennung überhaupt gerecht ist.
Besonders gefiel mir, wie eng der Roman seine Figuren mit Salvador verbindet. Die Stadt ist keine dekorative Kulisse. Ihre Straßen, Küchen, Nachbarschaften und afrobrasilianischen Glaubenswelten prägen jede Entscheidung. Essen erhält dabei eine eigene Sprache. Flor unterrichtet Frauen im Kochen, und die Rezepte erzählen ebenso von Fürsorge, Überfluss und Sinnlichkeit wie die Liebesgeschichte. Amado schreibt großzügig und mit sichtbarer Freude an Nebenfiguren, Anekdoten und Ausschweifungen.
Ich las Dona Flor nie als einfache Fantasie über zwei ideale Ehemänner. Vadinho bleibt destruktiv, und Teodoros Güte kann Flor ebenfalls einengen, wenn sie nur noch als Schutz vor dem Chaos verstanden wird. Ihre Lage wirft eine ernsthafte Frage auf: Darf eine Frau mehr wollen, als die Gesellschaft ihr in einer Ehe zugesteht? Amado beantwortet sie nicht mit einem moralischen Lehrsatz. Stattdessen erlaubt er seiner Heldin, ihren eigenen, eigensinnigen Ausgleich zu finden.
Am Ende blieb mir vor allem Dona Flors Entwicklung im Gedächtnis. Sie ist keine passive Figur zwischen männlichen Ansprüchen. Sie lernt, ihre Wünsche nicht länger als Fehler zu behandeln. Das Ende wirkt verspielt, aber auch überraschend souverän. Es bewahrt die Komik und die Magie des Romans, ohne seine Erfahrungen mit Verlust und Abhängigkeit zu vergessen. Für mich ist Dona Flor und ihre zwei Ehemänner ein sinnlicher, kluger Roman über Liebe, Erinnerung und die Freiheit, ein Leben nach eigenen Maßstäben zu gestalten.





















