Jorge Luis Borges

 4,3 Sterne bei 213 Bewertungen
Autor von Fiktionen, Das Aleph und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Jorge Francisco Isidoro Luis Borges Acevedo † 14. Juni 1986 in Genf

Neue Bücher

Cover des Buches Labyrinthe (ISBN: 9783311102007)

Labyrinthe

Erscheint am 12.11.2026 als Gebundenes Buch bei Kampa Verlag.

Alle Bücher von Jorge Luis Borges

Cover des Buches Das Aleph (ISBN: 9783596105823)

Das Aleph

(29)
Erschienen am 01.07.1992
Cover des Buches Die Bibliothek von Babel (ISBN: 9783882437782)

Die Bibliothek von Babel

(24)
Erschienen am 01.09.2001
Cover des Buches Borges und ich (ISBN: 9783596105854)

Borges und ich

(8)
Erschienen am 01.01.1993
Cover des Buches Das Handwerk des Dichters (ISBN: 9783596175017)

Das Handwerk des Dichters

(7)
Erschienen am 01.02.2008
Cover des Buches Spiegel und Maske (ISBN: 9783596105892)

Spiegel und Maske

(7)
Erschienen am 01.10.1993
Cover des Buches Die unendliche Bibliothek (ISBN: 9783596905324)

Die unendliche Bibliothek

(8)
Erschienen am 16.05.2013
Cover des Buches 25. August 1983 und andere Erzählungen (ISBN: 9783940111050)

25. August 1983 und andere Erzählungen

(6)
Erschienen am 01.04.2007
Cover des Buches Einhorn, Sphinx und Salamander (ISBN: 9783596105847)

Einhorn, Sphinx und Salamander

(7)
Erschienen am 01.06.1993

Neue Rezensionen zu Jorge Luis Borges

Cover des Buches Fiktionen (ISBN: 9783596124039)
ninzi-jhs avatar

Rezension zu "Fiktionen" von Jorge Luis Borges

ninzi-jh
Das Buch, das Verrückte macht

Ich glaube, wenn man Borges richtig liest, dann kann man ihn nur gleichzeitig lieben und hassen, ihn einerseits verehren und bewundern und auf der anderen Seite zur Hölle wünschen. Was er geschrieben hat, giert geradezu danach, dass man seiner Genialität huldigt,  gleichzeitig erschüttert er einen in den Grundfesten der eigenen Lesegewohnheiten.

Dass Borges eine literarische Revolution auslöste, wie es auf dem Klappentext heißt, kann man sich sehr gut vorstellen. Mich amüsiert auch wahnsinnig, was er im Vorwort schreibt: Es sei »mühseliger und strapazierender Unsinn«, 500-Seiten-Bücher zu schreiben, wenn man den Kerngedanken in einem Gespräch innerhalb von wenigen Minuten ausdrücken könne. Besser wäre es, »so zu tun, als gäbe es diese Bücher bereits und ein Résumé vorzulegen«. Diese Überzeugung lebt er definitiv aus!

Ich denke, für manche seiner Geschichten hat er über zehn solcher 500-Seiten-Bücher erfunden, um sie zu stützen oder voranzutreiben. Und das funktioniert einfach wunderbar. Man merkt oft nicht, dass man in einer Erzählung steckt, bis fast zum letzten Absatz. Bis dahin wirkt alles nur wie trockene Theorie.

Er benutzt den Leser dabei als aktiven Teil seiner Geschichten. Er erzählt auf eine Art und Weise, dass man nur folgen kann, wenn man aufmerksam liest, darüber nachdenkt und sich darauf einlässt. Manche Erzählungen sind zugänglicher als andere, aber insgesamt folgen sie alle einem gewissen Muster. Dabei hat mir auch gefallen, dass es keine Aneinanderreihung verschiedener Erzählungen ist, wie man meinen könnte, sondern dass diese Erzählungen zusammengehören, denn oft tauchen Elemente aus einer früheren später wieder auf.

Der Titel Fiktionen ist auch sehr passend, denn irgendwie startet Borges immer in einem sehr realen, nüchternen Bereich und endet dann irgendwo in einer fantastischen Fiktion.

Ich bin eigentlich auf Borges gestoßen, weil einige meiner Lieblingsbücher deutlich darauf hinweisen, dass ihre Autoren Borges gelesen haben. Und ich wollte diesem Ursprung einmal auf den Grund gehen. Das fand ich wirklich sehr interessant und ich werde definitiv noch mehr von ihm lesen.

4,5 Sterne

Cover des Buches Fiktionen (ISBN: 9783596105816)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Fiktionen" von Jorge Luis Borges

Trishen77
Borges Passion: Faszination!

       Wenn ich jemandem drei Bücher empfehlen müsste, die anders sind, poetisch, phantastisch und einfach...; wenn jemand mir sagen würde, er wolle einmal so richtig fasziniert werden, dann würde ich ihm drei Bücher vorschlagen:  Die Nacht auf dem Rücken        von Borges Freund Julio Cortazár, der Sci-Fi Roman  Das Wort heißt Vollkommenheit        von E.A.Lynn und die Fiktionen von Jorge Luis Borges. In diesen drei Büchern steckt so viel faszinierende Verblüffung und Entdeckung, so viele Ideen, so viel Genialität, dass jede Geschichte (bzw. jeder Abschnitt) neue Wunder offenbart. Man kann sich immer wieder mit diesen Büchern beschäftigen.

"Ein mühseliger und strapazierender Unsinn ist es, dicke Bücher zu verfassen; auf fünfhundert Seiten einen Gedanken auszuwalzen, dessen vollkommen ausreichende mündliche Darlegung wenige Minuten beansprucht. Ein besseres Verfahren ist es, so zu tun, als gäbe es diese Bücher bereits, und einen Résumé, einen Kommentar vorzulegen."

Diese Beschreibung aus dem Vorwort bezieht sich eigentlich nur auf 2-3 der hier vorkommenden Geschichten, doch in diesem Satz steckt schon eine tiefgehende Philosophie, nach der Borges alle seine Bücher verfasst hat. Keinen Roman, keine langen Arbeiten über irgendetwas. Das bringt zweierlei mit sich:
1. Die Texte sind meistens - wenn auch nicht minimalistisch - so doch in jedem Wort durchgeplant; es ist eine Art von Borges, seine Geschichten komplett aus ihrer eigenen Materie zu weben und an jeder Stelle, an der das möglich ist, flüchtige Symbolik anzubringen. Man kann die Geschichten auch einfach so lesen, ohne die Symbolik zu begreifen, aber ein unnützes Wort ist nicht enthalten - das steigert die Fülle jeder Geschichte, verdichtet das Erlebnis
und
2. Statt einen Gedankengang völlig fertig serviert zu bekommen, muss der Leser selbst oft mitdenken, wenn Borges berichtet; ja, er sollte vielleicht sogar weiterdenken. Borges erzählt die Geschichten, die Skizzen, die Andeutungen und der Leser fühlt sich mit einem Mal von einer Welt gebannt, die er zum Teil von Borges erzählt, zum Teil noch selbst erforschen kann, in dem man über die Facetten nachdenkt, die nur erwähnt blieben - man kann es auch einfacher sagen: In jede Geschichte scheint noch so etwas wie ein zusätzlicher Raum für die Phantasie des Lesers zu sein.

Borges war stets, sein ganzes Leben lang, ein begeisterter Leser und Sammler. Er sammelte gute Kriminalromane (bis heute ist diese von ihm dokumentierte Sammlung eine Fundgrube an tollem Lesestoff, ich kam so zum Beispiel auf Leo Perutz ), Märchen, phantastische Erzählungen, Mythen über Himmel und Hölle, Philosophien aus allen Weltteilen und Kulturen. Seine Belesenheit und Sammlerleidenschaft spiegelt sich natürlich in jedem seiner Werke wieder, durchzieht sie, wie Oscar Wildes Märchen das Gefühl für Ästhetik und bestimmt sie, ihre Universalität und Einzigartigkeit, ihre leicht enyzklopädischen Winke und ihre überbordene Ideenreichung. Es sind intellektuelle Erzählungen, aber - sie sind auch spaßig und bei aller Gelehrtheit ist Borges doch kein Intellektueller, sondern einer, der immer wieder mit neuem Staunen die Wunder der Welt zu mehren sucht. Er ist genial und freundlich, er ist Geist und Witz. Und er hat vor allem ein Gespür für das letzte Mysterium, das letzte Phänomen und es findet sich als Ausprägung und Metapher immer wieder in seinen Texten.

"Es gibt am Abend eine Stunde, in der die Ebene kurz davor ist, etwas zu sagen; sie sagt es nie, oder vielleicht sagt sie es unaufhörlich und wir verstehen es nicht, oder wir verstehen es, aber es ist unübersetzbar wie Musik..."

Kriminalgeschichte, Philosophie, Anekdoten, menschliche & phantastische Geschichten, große Allegorien oder einfach geniale Konstruktion mit überraschendem Ende, es gibt kaum eine Disziplin, in der Borges sich nicht zu Hause fühlt und kaum eine, in dem man ihn nicht gerne liest. Die Fiktionen, mögen genau das sein: fiktive Bauten. Aber sie sind auch einige der vollkommensten ihrer Art. Und Borges ist einer dieser Schriftsteller, der mit seiner ganzen Eigenheit eine universelle Faszination geschaffen hat.

Cover des Buches Inquisitionen (ISBN: 9783596105830)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Inquisitionen" von Jorge Luis Borges

Trishen77
Vollkommene Faszination!

       Wenn ein Mensch im Traum das Paradies durchwanderte, und man gäbe ihm eine Blume als Beweis, dass er dort war, und er fände beim Aufwachen diese Blume in seiner Hand - was dann?"
Samuel Taylor Coleridge

"Zwei Tendenzen", schrieb Borges im Epilog, "habe ich beim Korrigieren der Druckfahnen in den vermischten Arbeiten dieses Bandes entdeckt.
Zum einen die Tendenz, religiöse und philosophische Ideen wegen ihres ästhetischen Wertes und dessentwegen zu schätzen, was in ihnen an Einzigartigem und Wunderbarem enthalten ist. Zum anderen die Tendenz, anzunehmen (und mich dessen zu vergewissern), dass die Zahl der Fabeln oder der Metaphern, die zu erfinden die Vorstellungskraft der Menschen fähig ist, begrenzt sei, dass aber die zählbaren Erfindungen jedem alles bedeuten können, wie der Apostel Paulus."

Jorge Luis Borges gehörte zu den seltenen Literaten, die ihr Leben nicht nur dem Schreiben, sondern vor allem dem Lesen und auch ihr Herz der Faszination und Bescheidenscheit weihten. Kaum einer, der seine Erzählungen ( Das Aleph , Fiktionen ), seine Gedichte ( Mond gegenüber ; Schatten und Tiger ) oder eben seine Essays liest, wird darin nicht einer der schönsten Ausformungen von gesetzter und doch von wundersamen Themen und Ideen angefühlter Sprache und Gelehrtheit begegnen.

"Die Musik, die Zustände des Glücks, die Mythologie, die von der Zeit gewirkten Gesichter, gewisse Dämmerungen und gewisse Orte wollen uns etwas sagen oder haben uns etwas gesagt, was wir nicht hätten verlieren dürfen, oder schicken sich an, uns etwas zu sagen; dieses Bevorstehen einer Offenbarung, zu der es nicht kommt, ist vielleicht der ästhetische Vorgang."

In diesem Buch teilen sich die Literatur, die Philosophie und die Geschichte das Feld. Von einer Notiz zum 23. August 1944 (Befreiung von Paris) und einer daraus folgenden These über das Böse an, über Literaten wie Kafka, Coleridge, Wilde, Valéry, Nathaniel Hawthrone (diesen Autor kann ich, dank Borges, nur jedem empfehlen!), bis zum etwas längeren Essays "Widerlegungen der Zeit", in dem Borges eine persönliche Theorie der Einheitlichkeit der Zeit vorstellt, wird der Leser auf einem Fluß der reinen Faszination mitgetragen. Ich denke man kann beim ersten Mal noch nicht alles fassen, was Borges hier in meist nur 3-5 Seiten langen Texte anschneidet, aber ich denke auch, dass jeder mit einer bestimmten Anregung oder neuem Wissen dieses Buch schließt - und es bestimmt wieder zur Hand nimmt!

Ohne Borges wäre sicherlich die südamerikanische Literatur nie ganz ins Rollen gekommen. (Er selbst schrieb lakonisch über die Argentinier: "Der Europäer und der Nordamerikaner sind der Ansicht, dass ein Buch, das irgendeinen Preis erhält, gut sein muss; der Argentinier gibt die Möglichkeit zu, dass es vielleicht nicht schlecht ist, trotz des Preises.) Borges muss eine unglaubliche faszinierende Gestalt gewesen sein. Seine Passion waren alle erdenklichen Ausformungen menschlichen Glaubens und Denkens; in seinen Essays hat er sie ausgebreitet, in seinen Gedichten bedacht, in seinen Geschichten kombiniert und verschmolzen.

"Im Laufe eines Lebens, das weniger dem Leben als dem Lesen gewidmet war, habe ich oft festgestellt, das literarische Absichten und Theorien nichts anderes sind als Reizmittel, und dass das abgeschlossene Werk sie meistens ignoriert und sogar widerlegt. Wenn in einem Autor etwas steckt, kann keine Absicht, mag sich noch so albern oder irrig, dem Werk einen Schaden unheilbarer Art zufügen."

Borges lesen, dass ist Träumen und Lesen zugleich. (Schopenhauer schrieb bereits, dass unser Leben unser Träumen Blätter desselben Buches seien und dass sie in der richtigen Reihenfolge lesen leben, sie durchzublättern träumen sei.)

Gespräche aus der Community

docetens avatar
doceten
Guten Morgen allerseits, Google ehrt heute den Literaturnobelpreisträger Jorge Luis Borges mit einem Doodle - der argentinische Phantastiker wäre heute 112 Jahre alt geworden. Obwohl ich den Namen bereits häufig gehört habe, sind mir seine Werke eher unbekannt. Ich habe mir gleich mal 'Fiktionen' und 'Die unendliche Bibliothek' bestellt, weils echt interessant klingt. :) Gibt es denn schon Jorge Luis Borges-Fans hier?
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5 Beiträge
Metulskis avatar
Metulski
Hallo! Wenn mir jemand sagen könnte, welche "normalen" Erzählbände der Fischer-Ausgabe ('Fiktionen', 'Das Aleph' usw.) in dieser Ausgabe ('Die Unendliche Bibliothek') aufgehen bzw. ob das Ganze eine Querbeetsammlung ist, dann wäre ich sehr glücklich;) Besten Dank schonmal, Metulski
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Zusätzliche Informationen

Jorge Luis Borges wurde am 24. August 1899 in Buenos Aires (Argentinien) geboren.

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