Jorge Luis Borges

 4.3 Sterne bei 181 Bewertungen
Autor von Fiktionen, Das Aleph und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jorge Luis Borges

Jorge Francisco Isidoro Luis Borges Acevedo † 14. Juni 1986 in Genf

Alle Bücher von Jorge Luis Borges

Sortieren:
Buchformat:
Fiktionen

Fiktionen

 (45)
Erschienen am 01.05.1992
Das Aleph

Das Aleph

 (25)
Erschienen am 01.07.1992
Die Bibliothek von Babel

Die Bibliothek von Babel

 (23)
Erschienen am 01.09.2001
Spiegel und Maske

Spiegel und Maske

 (6)
Erschienen am 01.10.1993
Das Handwerk des Dichters

Das Handwerk des Dichters

 (5)
Erschienen am 01.02.2008
Im Labyrinth

Im Labyrinth

 (6)
Erschienen am 01.03.2003
25. August 1983 und andere Erzählungen

25. August 1983 und andere Erzählungen

 (5)
Erschienen am 01.04.2007

Neue Rezensionen zu Jorge Luis Borges

Neu
cynthors avatar

- Rezension bezieht sich auch auf den Nachfolgeband mit weiteren Erzählungen -

Inhalt

Kurzgeschichten und auch ihre Sammelbände sind inhaltstechnisch schwer zu beschreiben, und Borges Werk ist leider (aber eigentlich besser: Gottseidank) alles andere als die Ausnahme zur Regel: Borges Geschichten sind unmöglich knapp zusammenzufassen. Insofern hier also nur ein grober Überblick über behandelte Themen, im Meinungsteil findet sich dann mehr zu einzelnen Kurzgeschichten.
Viele von Borges kurzen Erzählungen sind dem Reich der Phantastik zuzuordnen, auch wenn das Fiktionale meist eher beiläufig in die Welt ganz normaler Menschen tritt. Die  Auswirkungen hingegen sind in fast allen Fällen erschreckend und führen zu tiefgreifenden Veränderungen im Weltbild der Menschen.
Nicht wenige Geschichten spielen in Argentinien, und erzählen von ganz gesetzestreuen Bürgern oder kriminellen Verbrechern. Offensichtlich Fiktionales sucht man in ihnen vergebens, auch wenn Borges seine Geschichten gerne sowohl mit realen, als auch mit erfundener Quellliteratur zu verifizieren und belegen sucht.

Meinung

Borges Geschichten sind ein Muss für jeden Liebhaber stilistisch außergewöhnlicher Literatur. Auch wenn ich selbst nicht all seinen Erzählungen etwas abgewinnen konnte, vor allem weil mir der argentinische Hintergrund fehlt, der für manche Geschichten mit Sicherheit von Vorteil gewesen wäre, gibt es doch einige „Perlen“, die sich nicht nur für Bibliophile lohnen.

Als erstes ist hier natürlich die Geschichte mit dem Titel „Die Bibliothek von Babel“ zu nennen: Borges beschreibt ein Universum, das von sechseckigen Räumen ausgefüllt ist. In jedem Raum finden sich Bücher, und weil das Universum unendlich ist, schließen die Bewohner der „Bücherwaben“ daraus, dass in ihrer Bibliothek jedes nur denkbare Buch zu finden ist – leider ist es gerade deswegen auch nahezu aussichtslos, ein „sinnvolles“ Buch zu finden.

Borges beschreibt dies übrigens so (ein langes Zitat, ich weiß, aber ich konnte nicht widerstehen):

[…] dass die Bibliothek total ist, und dass ihre Regale alle nur möglichen Kombinationen der zwanzig und soviel  orthographischen Zeichen (deren Zahl , wenn auch außerordentlich groß, nicht unendlich ist) verzeichnen, mithin alles, was sich irgend ausdrücken lässt: in sämtlichen Sprachen. Alles: die minutiöse Geschichte der Zukunft, die Autobiographien der Erzengel, den getreuen Katalog der Bibliothek, Tausende und Abertausende falscher Kataloge, den Nachweis ihrer Falschheit, den Nachweis der Falschheit des echten Katalogs, das gnostische Evangelium des Basilides, den Kommentar zu diesem Evangelium, den Kommentar zum Kommentar dieses Evangeliums, die wahrheitsgetreue Darstellung deines Todes, die Übertragung jeden Buches in sämtliche Sprachen, die Interpolation jeden Buches in allen Büchern, den Traktat, den Beda hätte schreiben können (und nicht schrieb), über die Mythologie der Angelsachsen, die verlorenen Bücher des Tacitus.[\Ende]

Vielleicht nicht das beste und charakteristischste Zitat, das man hätte wählen können, aber eines, das den Irrsinn (?) dieser Idee vielleicht am besten beschreibt.

Sequenzen wie diese findet man ständig in Borges Erzählungen. Auch wenn man, was den Hintergrund der Figuren betrifft, oft im Unklaren gelassen wird, gelingt es dem Autor in wenigen Wörtern, eine ganz eigene, fesselnde Stimmung aufzubauen, und die geschliffenen und auf Hochglanz polierten Sätze, oft Bandwürmern gleich, sind schlicht und ergreifend von einer nicht oft zu findenden Virtuosität.

Abgesehen vom hochwertigen Schreibstil punktet Borges im Bereich der phantastischen Kurzgeschichten mit überaus interessanten Ideen, beispielsweise in der Erzählung „Das Aleph“: unter der Kellertreppe eines x-beliebigen Menschen befindet sich das titelstiftende Aleph, ein Punkt, der in sich das gesamte Universum enthält. Erneut sind die Beschreibungen, was der Mann sieht, als er hineinblickt, gigantisch. Alternativ die Geschichte „Das Sandbuch“, das ein einziges Buch zur Handlung hat, welches allerdings unendlich viele Seiten besitzt und seinen Besitzer langsam in den Wahnsinn zu treiben scheint.

Es sei noch erwähnt, dass ich nicht allen seiner Geschichten einen Sinn abringen konnte. Damit ist ausdrücklich nicht auf das oben erwähnte fehlende Verständnis zu Argentinien verwiesen, sondern darauf, dass manche Erzählungen aufgrund ihrer Kürze und der „seltsamen Ereignisse“, die sich in ihr abspielen, ohne Erklärung bleiben und es zumindest mir nicht leicht machen, den Sinn oder die Absicht des Autors zu entschlüsseln.

Insofern sind die Kurzgeschichten sicherlich nichts für zwischendurch, man braucht seine Zeit, um sich auf Borges Schreib- und Erzählstil einzulassen. Wer dies allerdings tut, wird mit absolut einmaligen Geschichten belohnt.

Sonnige Tage und erholsame Nächte!

PS: Wem der Stil meiner Rezension bzw. die Auswahl der vorgestellten Bücher gefällt, findet auf meinem Blog (https://cynthor.wordpress.com) weitere „Bücherschätze“ und auch Infos zu meinem eigenen gesellschaftskritischen Fantasy-Roman „Ethopia – Erwachen“.

Kommentare: 2
7
Teilen
annlus avatar

Rezension zu "Die unendliche Bibliothek" von Jorge Luis Borges

allerlei Werke von Jorge Luis Borges
annluvor 2 Jahren

Das Licht dringt ein, und ich steige schwerfällig von den Träumen auf zum gemeinsamen Traum

Die unendliche Bibliothek vermischt Poesie, Erzählungen und Essay aus der Feder von Jorge Luis Borges und ist eine Auswahl seiner Werke aus der 20-bändigen Ausgabe des Verlages.

Den Einstieg machen einige Gedichte um dann zur ersten Erzählung überzugehen. Diese beschäftigt sich mit einem Kriminellen am Mississippi und ist eher ein Bericht als eine Erzählung. Sehr nüchtern geschrieben fand ich sie noch recht interessant. Ihr folgen einige Literaturkritiken und Auseinandersetzungen mit bekannten (und weniger bekannten) Autoren und Werken, die an wissenschaftliche Abhandlungen erinnern, wenn sie der Autor auch manchmal mit kurzen Anekdoten aus seinem Leben versieht. Leider handelt es sich dabei meist nur um eine kurze Erläuterung, wie er auf die Werke aufmerksam wurde.

Das erste Mal hellhörig wurde ich bei einer Erzählung über eine Geheimgesellschaft, die einen fiktiven Planeten erfunden hat. Nur leider ging der Autor hier in Details der Philosophie und Mathematik dieses Planeten, wo mich Vieles anderes interessiert hätte. Als wieder Literaturkritiken folgten, hatte ich die Hoffnung noch Geschmack an dieser Sammlung zu finden, schon fast aufgegeben.

Dem Buch noch eine Chance gebend, wurde ich mit sehr interessanten Erzählungen belohnt – seien es solche um die Macht eines Zauberers, als auch Kriminalkurzgeschichten. Sie alle wurden schonungslos erzählt, waren mitunter auch blutig und endeten nicht immer so, wie vielleicht erwartet. Gerade deshalb haben sie mir gut gefallen.

Zum Ende hin waren wieder ein paar Werke der Poesie eingestreut.

Fazit: Alles in allem fand ich Borges doch sehr nüchternen Schreibstil sehr gut. Die Literaturkritiken und die Poesie haben mir persönlich aber nicht zugesagt – die Erzählungen waren dafür umso besser und konnten mit überraschenden Enden aufwarten. Meine Bewertung von drei Sternen ergibt sich somit aus einem Durchschnitt (2 Sterne für die Poesie, 1 für die Literaturkritiken und 5 für die Erzählungen)

Kommentieren0
20
Teilen
Lesebibers avatar

Rezension zu "Fiktionen" von Jorge Luis Borges

Postmoderne avant la lettre
Lesebibervor 2 Jahren

Borges ist wohl einer der ausgeklügelten Autoren des 20. Jahrhunderts. Laut eigener Aussage "unfähig" einen Roman zu verfassen, hat Borges mit seinen Kurzgeschichten und Essays die Weltliteratur dennoch unsagbaren Ausmaßes bereichert. Wer die "Fiktionen" noch nicht kennt darf sich mehr als glücklich schätzen, eine solche Perle noch vor sich zu haben. Unbedingt lesen!

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Metulskis avatar
Hallo! Wenn mir jemand sagen könnte, welche "normalen" Erzählbände der Fischer-Ausgabe ('Fiktionen', 'Das Aleph' usw.) in dieser Ausgabe ('Die Unendliche Bibliothek') aufgehen bzw. ob das Ganze eine Querbeetsammlung ist, dann wäre ich sehr glücklich;) Besten Dank schonmal, Metulski
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Jorge Luis Borges wurde am 24. August 1899 in Buenos Aires (Argentinien) geboren.

Community-Statistik

in 199 Bibliotheken

auf 31 Wunschlisten

von 6 Lesern aktuell gelesen

von 9 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks