Jorge Luis Borges ZEIT - Gespräche III

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Inhaltsangabe zu „ZEIT - Gespräche III“ von Jorge Luis Borges

Dialoge u. a. mit Anders, Günther ; Aron, Raymond ; Borges, Jorge Luis
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  • Rezension zu "ZEIT - Gespräche III" von Jorge Luis Borges

    ZEIT - Gespräche III
    Ein LovelyBooks-Nutzer

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    29. September 2009 um 19:15

    Fritz J. Raddatz ist selbst eine kleine Institution. Hier, in diesen Gesprächen versammelt er andere Institutionen um sich, weil er mit ihnen Gespräche führt über ihr Leben, ihre Lebensauffassung, ihre Werke und vor allem auch ihre Konzepte. Dabei ist der 1931 in Berlin geborene Autor, Lektor, ehemalige Verlagschef, Feuilletonist und vieles mehr nicht auf den Mund gefallen. Die Gespräche lesen sich so manches Mal gar recht brüsk und selbst dem Leser liegt die unverblümte Dreistigkeit schwer im Magen. Zwölf Interviews mit zwölf Autoren sind in dem Buch abgedruckt, darunter Jorge Luis Borges, Friedrich Dürrenmatt, Günter Grass, Milan Kundera und Hans Mayer, um einige zu nennen. Dabei verdutzen die klaren und konterkarierenden Worte und Fragen, die so manchen Gesprächspartner in die Enge treiben mögen, aber es kommen dabei mehr als interessante Lebens- und Gedankenentwürfe auf. Mit Borges hat Raddatz zwei Jahre vor seinem Tod gesprochen und man merkt es dem Interviewverlauf sehr wohl an. „Raddatz: „‘Die Welt ist – unseligerweise – wirklich; ich – unseligerweise – bin Borges. […] Ich werde es sein, der auf mich wartet‘ Was bedeuten diese beiden Sätze? Borges: Das heißt ganz einfach, daß ich ein anderer sein möchte. Leider ist mir das nie gelungen. Raddatz: Wer – ‚ein anderer‘? Borges: Jemand, den ich nicht kenne. Ich kenne mich zu gut. […]Wenn man sein Glück sucht, dann kommt man schließlich zu der Feststellung, daß die einzig wirklichen, realen Personen die sind, die man nicht kennt, dann findet man immer das Unglück.“ Borges löst sich in diesem Gespräch von der absolut logischen und nachvollziehbaren Betrachtung der Welt, so wie dies auch in seinen Erzählungen immer wieder Thematik ist. Hier in diesem Gespräch wird klar, dass es auch für den Menschen und Schriftsteller Borges diese Auflösung nicht gibt und Traum, Realität, Phantasie, Wirklichkeit ein und dasselbe sind. Raddatz fragt den alten Borges immer wieder nach Konzeptionen und Theorieauffassungen, beide arbeiten sich fast aneinander ab. Doch Borges verwundert auch, den Proust findet schlichtweg unlesbar, ohne Neruda kann er leben, und der alte Mann, wie er selber von sich sagt, braucht und will dafür auch keine Erklärungen finden. Fritz. J. Raddatz changiert zwischen Politik, Literatur, Philosophie, redet von Frankreich, Deutschland, Amerika und stellt sich gegen die Aussagen der Befragten. Die Interviews sind allesamt mehr als zu empfehlen. „Manche“, sagte Oto Bihali-Merin, „dieser Interviews gehören zum Westentlichsten, was DIE ZEIT und die Essayistik unserer Zeit zu sagen haben.“ Da hört her.

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