Jorgen Randers

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Rezension zu "Ein Prozent ist genug" von Jorgen Randers

Wirtschaftswachstum - ein suizidales Programm
SA-M-Tvor 2 Jahren

Im Jahr 1968 wurde der Club Of Rome gegründet. Er ist der Zusammenschluss von Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit zu sorgen. Schon 1972, als der erste Report mit dem Titel "Die Grenzen des Wachstums" herauskam, sorgte der Club of Rome für Aufsehen. Jetzt - fast 45 Jahre - später rüttelt ein neues Buch an den Grundfesten des derzeitigen Systems der freien Marktwirtschaft. Dabei geht es in keiner Weise um Polemik, sondern um fundierte Zahlen, die belegen: das marktradikale Denken hat nicht zum erhofften Wohlstand aller geführt, sondern nur einigen Wenigen Geld in die Tasche gespült. So ist es beispielsweise erwiesen, dass die Löhne zurückgehen. Hinzu kommt, dass wir vor einem veritablen Klimakollaps stehen. Selbst wenn wir sofort damit aufhören würden CO2 in die Athmosphäre zu pusten, würde sich die Erde dennoch um 2 Grad erwärmen. Egal, werden manche sagen, doch die Auswirkungen sind derart dramatisch, dass man daran nicht mehr vorbeischauen kann. Auch das ist Thema des vorliegenden Buches mit dem Titel "Ein Prozent sind genug“. 
Hauptargument der Experten ist demnach, dass wir dringend aufhören sollten unseren Erfolg am Wirtschaftswachstum zu messen. Besagtes Wachstum - gemessen am BIP - muss sich verlangsamen, vielleicht sogar ein bisschen zurückgehen, wenn wir genügend Wohlstand für alle erreichen wollen. Schon jetzt brauchen die Menschen auf diesem Planeten viel zu viele Ressourcen, die Rede ist von 1,5 Planeten, die aktuell benötigt werden. 
So schlägt der Club of Rome 13 Lösungen vor, die dazu beitragen sollen, dass sich der Wohlstand für alle ausgeht, und diese Lösungen sind mitunter etwas befremdend. Doch wenn man sich die Argumente durchliest (manchmal zwei oder drei Mal, um wirklich zu verstehen, was gemeint ist), dann wird man vielleicht erkennen, dass es Lösungsansätze sind, über die es sich zumindest lohnt nachzudenken. 
Was man beim Lesen des Buches unbedingt berücksichtigen sollte, ist die Tatsache, dass vielfach über die USA gesprochen wird, die sehr viel weniger Sozialleistungen genießen, als wir in unserem kleinen, feinen Österreich. 
Die 13 Vorschläge sind:

Verkürzung der Jahresarbeitszeit  Anhebung des Renteneintrittsalters Eine Neudefinition der bezahlten Arbeit, die auch die häusliche Pflege von Angehörigen umfasst Erhöhung des Arbeitslosengeldes Erhöhung der Steuern für Unternehmen und Reiche Mehr grüne Konjunkturpakete, finanziert durch die Druckerpresse oder Steuererhöhungen Besteuerung fossiler Brennstoffe und Umverteilung der Erlöse auf alle Bürger Verlagerung von der Einkommensbesteuerung auf die Besteuerung von Emissionen und Rohstoffverbrauch Anhebung der Erbschaftssteuer und Übertragung des Reichtums eines Verstorbenen auf die Gesellschaft Förderung gewerkschaftlicher Organisation Beschränkung des Außenhandels Förderung kleinerer Familien (Geburtenkontrolle) Einführung eines existenzsichernden Grundeinkommens für jene, die es am nötigsten brauchen

Zugegeben: in ganz vielen Dingen, die hier propagiert werden, bleibt einem ein bisschen die Luft weg. Es stellt sich die Frage: ab wann gilt man als reich? Oder: zahlt es sich überhaupt noch aus, etwas anzusparen, wenn jeglicher Besitz ohnehin an die Allgemeinheit geht? Oder: Warum kann das existenzsichernde Grundeinkommen nicht für alle gelten, sondern nur für Bedürftige? Und wer ist bedürftig? 
Wer also sollte das Buch lesen?Meiner Meinung nach ist es für jene lesenswert, die mit der Wirtschaft im Allgemeinen zu tun haben, und vielleicht sogar starke Befürworter von CETA, TTIP und anderen Handelsabkommen sind. Es sollten auch jene lesen, die sich selbst als "reich" bezeichnen würden, um sich die Frage zu stellen, wie weit sie bereit wären, einen Beitrag zu leisten. Und wer das Gefühl hat, dass die Weltwirtschaft ohnehin auf einen Abgrund zusteuert und alles nur noch auf Gewinn ausgerichtet ist, koste es, was es wolle, der sollte das Buch auch lesen. Kurzum: es dient der Allgemeinbildung und Sensibilisierung gleichermaßen und kann mitunter zu einem neuen Verständnis über den freien Markt und seinen Mechanismen führen. Keine leicht Lektüre, aber eine gute!

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zukunftskinds avatar

Rezension zu "2052. Der neue Bericht an den Club of Rome" von Jorgen Randers

Gnadenlos realistisch und mutmachend gleichzeitig
zukunftskindvor 2 Jahren

Das Buch ist eine schwere Kost an sich: voller Daten, Grafiken und komplizierten Zusammenhängen. Ich habe es auch sehr langsam und gründlich gelesen und ständig daneben recherchiert. Das Buch ist sehr gut geschrieben und liefert wirklich ALLE relevanten Informationen, was die Entwicklung unserer Welt in den nächsten 40 Jahren angeht. Es ist brutal realistisch einerseits und macht Mut auf der anderen Seite. Die Welt wird nicht rosig sein in 40 Jahren - aber auch nicht pechschwarz. Und das macht mir persönlich Mut, für eine schnellere positive Entwicklung zu kämpfen, weil ich jetzt eine Grundlage dafür habe zu glauben, dass dadurch die Welt tatsächlich ein Stückchen besser wird. Wenn jeder seinen Mikrobeitrag leistet, haben wir die Chance, in einer nicht allzu schrecklichen Welt weiter zu leben.

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olli2308s avatar

Rezension zu "2052. Der neue Bericht an den Club of Rome" von Jorgen Randers

Die Menschheit reagiert zu langsam
olli2308vor 5 Jahren

40 Jahre nach dem Millionen-Bestseller »Die Grenzen des Wachstums« von 1972 hat der Club of Rome einen neuen Zukunft-Bericht vorgestellt »2052 – eine globale Prognose für die nächste 40 Jahre«. Der norwegische Autor Jørgen Randers, Professor für Klimastrategie, entwirft darin – gestützt auf eine breite Auswertung aus Daten von vielen weltweit anerkannten Klimaforschern - eine düstere Zukunftsprognose bis zum Jahr 2052: Der weltweite Energieverbrauch werde noch Jahrzehnte steigen, der Wachstumstrend der Treibhausgasemissionen noch bis 2030 anhalten und die Welt in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts in einen sich selbst verstärkenden Klimawandel mit katastrophalen Folgen stürzen.

Die Prognose für 2052 enthält folgende Trends:

Der globale Bevölkerungszuwachs wird früher als erwartet stagnieren und kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden seinen Höchststand erreichen und dann zurückgehen. Die Bevölkerung wird in immer größerem Anteil in Städten leben.

Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird künftig langsamer steigen. 2052 wird es nur 2,2 mal größer sein als heute.

Die Wachstumsrate beim globalen Konsum und das Produktivitätswachstum wird sinken, weil ein größerer Anteil am BIP für Investitionen ausgegeben werden muss, um die Probleme zu beseitigen, die durch Ressourcenerschöpfung, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Verlust der Biodiversität und soziale Verteilungskämpfe entstehen.

Langsames Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs und Stagnation in den reichen Weltregionen wird vermehrt zu Spannungen und Konflikten führen.

Den Anteil der erneuerbaren Energie am Energiemix liegt 2052 bei 40 Prozent. Der weltweite Energieverbrauch wird noch bis zum Jahr 2040 ansteigen. Die Treibhausgasemissionen werden zwar durch Effizienzfortschritte gemindert, steigen aber noch bis 2030 an.

Die breite Datenbasis von »2052« lasse nur einen Schluss zu, dass die Menschheit zu langsam reagiere, so der Autor. Der kritischste Faktor seien die anthropologischen, also von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen, deren Auswirkungen auf die Erderwärmung inzwischen unter ernsthaften Wissenschaftlern unstrittig sind: »Diese Emissionen werden so hoch bleiben, dass unsere Enkel in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich mit einer selbst verstärkenden und damit unkontrollierbaren globalen Erwärmung leben müssen.«

Um das Jahr 2080 wird sich die Erde um 2,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Stand aufgewärmt haben, das ist für viele Klimaforscher der kritische Punkt, wo der Klimawandel unumkehrbar ist. Aus den Permafrostböden in der Arktis werde das starke Treibhausgas Methan entweichen, weil der frostige Grund zu tauen beginne. Es wird den Globus weiter aufheizen und noch mehr Permafrost schmelzen lassen. Das führe zu Dürren, Überschwemmungen, Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter, Rückgang der Biodiversität (2052 könnten 40 Prozent der Arten ausgestorben sein) und der Wanderung der fruchtbaren Böden um fünf Kilometer pro Jahr Richtung Norden und fünf Meter pro Jahr die Berge hinauf. In 40 Jahren werden also 200 Kilometer mehr Wüste entstanden sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die weltweiten Entscheidungsträger in den nächsten zehn Jahren das Ruder rumreißen werden, ist nach Ansicht von Randers nicht sehr hoch. Dabei wäre die Menschheit in der Lage, es zu tun. Die Weltgemeinschaft müsse nur die Energieeffizienz erhöhen, komplett auf erneuerbare Energien umsteigen, das Abholzen der Wälder beenden und einen Großteil fossiler befeuerter Kraftwerke mit Anlagen zur CO2-Abscheidung und -Speicherung ausstatten. Weltweit würde das etwa ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten. Das Problem sei jedoch die freie Marktwirtschaft, die lieber in kurzfristige Gewinnmaximierung investiere als in langfristige nachhaltige Projekte, die zunächst einmal teurer seien. Nötig seien starke, supranationale Organisationen und Regierungen, die eine vorausschauende Politik betrieben, wo sichergestellt sei, dass der ökologische Fußabdruck der Menschheit (derzeit überschreitet der menschliche Anspruch an die Biosphäre die globale Biokapazität um 40 Prozent) eine nachhaltige Größenordnung einnimmt.

Der Bericht enthält 35 Ausblicke von international führenden Wissenschaftlern, Ökonomen und Zukunftsforschern zu so unterschiedlichen Themen wie »Das Ende des Wirtschaftswachstums«, »Das Ende der Eintracht zwischen den Generationen« oder »Extremwetter im Jahr 2052«. Zahlreiche Statistiken flossen in die Zukunftsmodelle ein, sodass ein belastbares Ergebnis zustande gekommen ist, dass eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit aufweist als sein 40 Jahre älterer Bruder.

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