Joris-Karl Huysmans

 3.9 Sterne bei 56 Bewertungen
Autor von Gegen den Strich, Wider die Natur und weiteren Büchern.

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Neu erschienen am 01.11.2018 als Hardcover bei belleville.

Alle Bücher von Joris-Karl Huysmans

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Gegen den Strich

Gegen den Strich

 (40)
Erschienen am 15.01.2008
Wider die Natur

Wider die Natur

 (3)
Erschienen am 12.08.2015
Monsieur Bougran in Pension

Monsieur Bougran in Pension

 (3)
Erschienen am 01.10.2012
Trugbilder

Trugbilder

 (1)
Erschienen am 01.04.2007
Gegen den Strich. Roman

Gegen den Strich. Roman

 (1)
Erschienen am 31.07.2015
Zuflucht

Zuflucht

 (1)
Erschienen am 01.04.2007
Geheimnisse der Gotik

Geheimnisse der Gotik

 (0)
Erschienen am 01.02.1994
Lourdes

Lourdes

 (0)
Erschienen am 29.03.2019

Neue Rezensionen zu Joris-Karl Huysmans

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Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

Décadence
Aliknechtvor 2 Jahren

Inhalt: Der Held des Romans Jean Floressas des Esseintes ist der letzte Spross alten französischen Adels und ein exzentrischer vermögender Einzelgänger. Im Alter von 30 Jahren ist er des Lebens in Paris überdrüssig und richtet sich weit ausserhalb in Fontenay ein abgelegenes Haus nach seinen individuellen Vorstellungen ein. Für die erlesenste und geschmackvollste Austattung des Anwesens scheut er keinen Aufwand. Er bestimmt die Farben und Formen der Einrichtung in jedem Detail und lässt etwa durch einen Juwelier einer Schildkröte Edelsteine in den Panzer einarbeiten. 

Des Esseintes vertieft sich in verschiedene Spezialgebiete. Ein Teil der an den Wänden seines orange-blauen Kabinetts angebrachten Bücherregale enthält ausschließlich lateinische Werke. Seine Bewunderung für Vergil ist mäßig, von Ovid fühlt er sich nur vage angezogen. Ebensowenig wie Cicero mit seinen "langatmigen Metaphern" und "verworrenen Abschweifungen" begeistert ihn der für seine lakonische Kürze berühmte Caesar. Erst ab Lukanus erscheint ihm die lateinische Sprache ausdrucksvoller und der Autor, den er wirklich liebt, heißt Petronius. Es folgen Schriftsteller des zweiten bis vierten Jahrhunderts, um dann zu Augustinus zu kommen. Gerne blättert er in den Werken des Apollinaris Sisonius und verfolgt die karolingischen Lateiner und die Chronisten bis ins Mittelalter. 

Zur Ergötzung seines Geistes und zur Freude seiner Augen dienen Werke der Malerei. Ihn entzückt vor allem Gustave Moreau, von dem er ein Bild der Salome besitzt. Im roten Boudoir hängen Stiche mit Darstellungen aller Martern, die der Wahnwitz der Religionen erfinden konnte. Sie lösen bei Des Esseintes eine Gänsehaut aus. Während sich sein literarischer Geschmack und seine Beschäftigung mit der Kunst immer mehr verfeinert, entwickelt sich eine neue Liebe zu den Blumen. Er beschafft sich eine Sammlung von Kaladien und er läßt eine kolumbische Anthurie und indische Orchideen anliefern. Eine Alocasia Metallica - ein Meisterwerk des Künstlichen - erregt ihn ebenfalls. Vor allen andern betören ihn "die Vampire der Flora", die fleischfressenden Pflanzen, die Venusfliegenfalle von den Antillen und der Cephalotus. Aber die Freude an den Pflanzen versiegt allmählich und er wendet sich den Düften zu. Des Esseintes wird ein Künstler der Parfume-Herstellung. Er besitzt das gesamte Sortiment der von den Parfumeuren verwendeten Produkte und komponiert neuartige Duftbouquets. Er verarbeitet Ambra, Moschus und echtem Mekkabalsam. Aber irgendwann muss er das Fenster aufreissen,  um seine zerrütteten Nerven zu beruhigen und sinkt fast ohnmächtig nieder. 

Nach kurzer Krankheit beschließt er, eine Reise nach England zu unternehmen. Er fährt nach Paris und will weiter nach Dieppe um ein Schiff nach Newhaven zu nehmen. Vor der Abfahrt sucht er in Paris eine Taverne im englischen Stil auf. Sie ist angefüllt mit Engländern. Er verzehrt einen Haddock, danach einen Stilton, trinkt zwei Pints of Ale und nimmt danach noch einen Brandy. Er müsste zum Bahnhof, aber die Beine versagten. So fährt er wieder zurück nach Fontenay und kommt dort mit dem Gefühl totaler körperlicher Erschöpfung und geistiger Ausgelaugtheit wie nach einer langen und gefährlichen Reise an. Es geht weiter bergab mit seiner Gesundheit und seinem seelischen Zustand bis ihn schliesslich sein Arzt in eine geschlossene Anstalt einweist. 

Kommentar und Bewertung: Ich kam über Michel Houellebec, den vieldiskutierten französischen Gegenwartsautor, zu Huysmans. Houellebec lässt in seinem Roman "Unterwerfung" als Hauptfigur den Literaturwissenschaftler François auftreten. Dieser hat über den Autor Joris-Karl Huysmans promoviert und lehrt an der Pariser Universität III im fünften Arrondissement. Huysmans wurde 1884 mit seinem Roman "À rebours" (deutsch "Gegen den Strich") als Autor der Décadence berühmt. Die Décadence zielte auf eine verfeinerte, exklusive und möglichst künstliche Lebensform ab und bedeutet etwas anderes als der deutsche Begriff Dekadenz. Für Michel Houellebecq ist Huysmans ein wirklicher Ästhet, dem die Schönheit von Versen, Gemälden und Musik ein Beweis für die Existenz Gottes ist [1].

Der handlungsarme Roman schildert den ästhetischen Genuss des Esseintes an den Objekten seiner Leidenschaft. Er trennt sich immer weiter ab von der realen Außenwelt und scheitert schließlich bei seinem letzten Versuch nach draußen zu gehen. Ihm genügt allein der Anschein englischen Lebens in der Pariser Taverne und er hat keinerlei Kraft mehr um wirklich aufzubrechen. Er zerbricht an der Ästhetik.  Der Roman ist wunderbar geschrieben, meisterhaft zum Beispiel der Abriss über die lateinischen Schriftsteller, die über mehr als ein Jahrtausend hinweg stets aufeinander aufbauend in einer großen Auf- und Abwärtsbewegung Kultur gesetzt haben. Es ist nur eine kleine Nische der Geschichte und einst weltberühmte Autoren sind heute nahezu unbekannt. Nur wohin führt die Betrachtung alldessen, wenn man den Kontakt zur Welt verliert? Ganz hervorragendes Buch!

Ausgabe: Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich Aus dem Französischen von Brigitta Restorff Artemis & Winkler 2008 Düsseldor (gelesen im März 2017)

Referenzen:
 [1]  Die Welt 03.01.2015 Interview Michel Houellebecq über sein
        neues Buch „Unterwerfung“ von Silvain Bourmeau

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Rezension zu "Monsieur Bougran in Pension" von Joris-Karl Huysmans

Joris-Karl Huysmans - Monsieur Bougran in Pension
miss_mesmerizedvor 4 Jahren

M. Bougran ist ein vorbildlicher Beamter, vor kurzen erst wurde er ausgezeichnet. Doch er muss Platz machen für einen Günstling und so wird er kurzerhand in Pension geschickt. Alle beteuern ihm, wie toll es ist, jetzt so viel Zeit und Freiheit zu haben, doch schon nach wenigen Tagen im Park überfällt ihn eine unsägliche Langweile. Nach einem Besuch im Büro erfasst in Tatendrang und er richtet sich zu Hause ein Büro ein, wo er mit festen Arbeitszeiten selbst gestellte Aufgaben bewältigt. Doch der Austausch fehlt, also wird sein ehemaliger Laufbursche Huriot bei ihm privat eingestellt. Er kennt die Vorgaben genau und weiß, wie wichtig Sorgfalt ist – und so arbeitet er sich schließlich zu Tode.


Huysmans greift in seinem Text aus dem Jahre 1888 Kafka vor, denn seine Figur des M. Bougran ist gefangen im Bürokratenjargon und kann gar nicht anders, als bis an sein Ende der vorgegebenen Taktung folgen. Seine eigene Erschöpfung verarbeitet er hier in der Figur des Bougran. Interessant ist die Grundfrage des Textes auch heute noch: wie sehr definieren wir uns über unsere Arbeit und was bedeutet es, wenn wir dort keine Anerkennung mehr finden?

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Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

Der Welt den Rücken kehren
Lesemanievor 5 Jahren

Der Aristokrat Des Esseintes ist unzufrieden mit der Welt, denn schließlich hat er festgestellt, dass sie „zum großen Teil aus Gaunern und Dummköpfen besteht“. Also beschließt er, sich von der Welt abzuwenden und sich eine Arche der Ruhe zu schaffen, wo er „in endgültiger Seelenruhe baden wollte“. Huysmans beschreibt genüsslich, wie sich der weltenmüde Adelige bemüht, einen Ort zu kreieren, der den höchsten ästhetischen und intellektuellen Ansprüchen genügen soll.

Dazu gehört auch eine ganz besondere Wandtapezierung: die Wände sollen Bucheinbänden gleich verkleidet sein, mit grobkörnigem Maroquin und afrikanischem Leder. Seine Buchliebhaberei treibt ihn auch dazu, besondere Werke frühchristlicher und mittelalterlicher Autoren zu sammeln, die er zum Teil für seine persönliche Sammlung auf wertvollem Papier setzen lässt und mit kostbaren Einbänden versieht. Das Papier, das er sich von einem Fabrikant in Lübeck herstellen lässt, ist bläulich leuchtend und statt von Fasern von Goldpailletten durchzogen.

Neben den kostbaren Büchern sollen tropische, teure Pflanzen sein neues Haus schmücken, und das obwohl Des Esseintes ja eigentlich davon überzeugt ist, dass die Natur dem Werk des Menschen in jeder Hinsicht unterlegen ist. So lässt er sich eingehend beraten und wählt bewusst eben solche Blumen aus, die durch menschliche Manipulation verändert worden sind, die also in seinen Augen perfektioniert worden sind, und so seinen ästhetischen Ansprüchen genügen.
Huysmans bietet ein unterhaltsames Schauspiel absoluter Dekadenz und bedient sich dabei einer wunderschönen Sprache. Die wahnwitzigen Einfälle von Des Esseintes allein sind unterhaltsam genug, sodass dieses Buch fast ohne Dialoge auskommt. Von einigen Rückblicken abgesehen, geschieht bis zum Ende auch nicht viel – Huysmans und der Leser geben sich gemeinsam mit Des Esseintes seinem kapriziösen Hang zum Ästhetizismus und philosophischen Ausschweifungen hin.

Die gelungene Kombination aus absurden Einfällen und toller Sprache macht Gegen den Strich zu einem absolut irren Buch.

Diese Rezension wurde auch auf lesemanie.com veröffentlicht.

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