Gegen den Strich

von Joris-Karl Huysmans 
3,9 Sterne bei40 Bewertungen
Gegen den Strich
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Die Essenz der Dekadenz des Fin de siècle. Witzig und originell.

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Zerbrechen an der Ästhetik

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Inhaltsangabe zu "Gegen den Strich"

Dieses Buch ist einmalig in seiner Exzentrik: sein Held ist der dekadenteste aller Dandys in der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Joris-Karl Huysmans verfasste damit einen der wichtigsten Romane des Symbolismus. Floressas Des Esseintes, der letzte, übersensible Sproß eines alten Adelgeschlechts, flieht vor der Grobheit und Banalität der Zeitgenossen ins Exil seines Landhauses, wo er sich eine morbide Scheinwelt aufbaut und an seinen rauschhaften Genüssen und Visionen fast zugrunde geht. Aus dem Französischen von Brigitta Restorff. Nachwort von Ulla Momm. Format 11,5 x 19 cm. Gebunden mit Schutzumschlag.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783538063518
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:251 Seiten
Verlag:Artemis & Winkler
Erscheinungsdatum:15.01.2008

Rezensionen und Bewertungen

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    Aliknechts avatar
    Aliknechtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Zerbrechen an der Ästhetik
    Décadence

    Inhalt: Der Held des Romans Jean Floressas des Esseintes ist der letzte Spross alten französischen Adels und ein exzentrischer vermögender Einzelgänger. Im Alter von 30 Jahren ist er des Lebens in Paris überdrüssig und richtet sich weit ausserhalb in Fontenay ein abgelegenes Haus nach seinen individuellen Vorstellungen ein. Für die erlesenste und geschmackvollste Austattung des Anwesens scheut er keinen Aufwand. Er bestimmt die Farben und Formen der Einrichtung in jedem Detail und lässt etwa durch einen Juwelier einer Schildkröte Edelsteine in den Panzer einarbeiten. 

    Des Esseintes vertieft sich in verschiedene Spezialgebiete. Ein Teil der an den Wänden seines orange-blauen Kabinetts angebrachten Bücherregale enthält ausschließlich lateinische Werke. Seine Bewunderung für Vergil ist mäßig, von Ovid fühlt er sich nur vage angezogen. Ebensowenig wie Cicero mit seinen "langatmigen Metaphern" und "verworrenen Abschweifungen" begeistert ihn der für seine lakonische Kürze berühmte Caesar. Erst ab Lukanus erscheint ihm die lateinische Sprache ausdrucksvoller und der Autor, den er wirklich liebt, heißt Petronius. Es folgen Schriftsteller des zweiten bis vierten Jahrhunderts, um dann zu Augustinus zu kommen. Gerne blättert er in den Werken des Apollinaris Sisonius und verfolgt die karolingischen Lateiner und die Chronisten bis ins Mittelalter. 

    Zur Ergötzung seines Geistes und zur Freude seiner Augen dienen Werke der Malerei. Ihn entzückt vor allem Gustave Moreau, von dem er ein Bild der Salome besitzt. Im roten Boudoir hängen Stiche mit Darstellungen aller Martern, die der Wahnwitz der Religionen erfinden konnte. Sie lösen bei Des Esseintes eine Gänsehaut aus. Während sich sein literarischer Geschmack und seine Beschäftigung mit der Kunst immer mehr verfeinert, entwickelt sich eine neue Liebe zu den Blumen. Er beschafft sich eine Sammlung von Kaladien und er läßt eine kolumbische Anthurie und indische Orchideen anliefern. Eine Alocasia Metallica - ein Meisterwerk des Künstlichen - erregt ihn ebenfalls. Vor allen andern betören ihn "die Vampire der Flora", die fleischfressenden Pflanzen, die Venusfliegenfalle von den Antillen und der Cephalotus. Aber die Freude an den Pflanzen versiegt allmählich und er wendet sich den Düften zu. Des Esseintes wird ein Künstler der Parfume-Herstellung. Er besitzt das gesamte Sortiment der von den Parfumeuren verwendeten Produkte und komponiert neuartige Duftbouquets. Er verarbeitet Ambra, Moschus und echtem Mekkabalsam. Aber irgendwann muss er das Fenster aufreissen,  um seine zerrütteten Nerven zu beruhigen und sinkt fast ohnmächtig nieder. 

    Nach kurzer Krankheit beschließt er, eine Reise nach England zu unternehmen. Er fährt nach Paris und will weiter nach Dieppe um ein Schiff nach Newhaven zu nehmen. Vor der Abfahrt sucht er in Paris eine Taverne im englischen Stil auf. Sie ist angefüllt mit Engländern. Er verzehrt einen Haddock, danach einen Stilton, trinkt zwei Pints of Ale und nimmt danach noch einen Brandy. Er müsste zum Bahnhof, aber die Beine versagten. So fährt er wieder zurück nach Fontenay und kommt dort mit dem Gefühl totaler körperlicher Erschöpfung und geistiger Ausgelaugtheit wie nach einer langen und gefährlichen Reise an. Es geht weiter bergab mit seiner Gesundheit und seinem seelischen Zustand bis ihn schliesslich sein Arzt in eine geschlossene Anstalt einweist. 

    Kommentar und Bewertung: Ich kam über Michel Houellebec, den vieldiskutierten französischen Gegenwartsautor, zu Huysmans. Houellebec lässt in seinem Roman "Unterwerfung" als Hauptfigur den Literaturwissenschaftler François auftreten. Dieser hat über den Autor Joris-Karl Huysmans promoviert und lehrt an der Pariser Universität III im fünften Arrondissement. Huysmans wurde 1884 mit seinem Roman "À rebours" (deutsch "Gegen den Strich") als Autor der Décadence berühmt. Die Décadence zielte auf eine verfeinerte, exklusive und möglichst künstliche Lebensform ab und bedeutet etwas anderes als der deutsche Begriff Dekadenz. Für Michel Houellebecq ist Huysmans ein wirklicher Ästhet, dem die Schönheit von Versen, Gemälden und Musik ein Beweis für die Existenz Gottes ist [1].

    Der handlungsarme Roman schildert den ästhetischen Genuss des Esseintes an den Objekten seiner Leidenschaft. Er trennt sich immer weiter ab von der realen Außenwelt und scheitert schließlich bei seinem letzten Versuch nach draußen zu gehen. Ihm genügt allein der Anschein englischen Lebens in der Pariser Taverne und er hat keinerlei Kraft mehr um wirklich aufzubrechen. Er zerbricht an der Ästhetik.  Der Roman ist wunderbar geschrieben, meisterhaft zum Beispiel der Abriss über die lateinischen Schriftsteller, die über mehr als ein Jahrtausend hinweg stets aufeinander aufbauend in einer großen Auf- und Abwärtsbewegung Kultur gesetzt haben. Es ist nur eine kleine Nische der Geschichte und einst weltberühmte Autoren sind heute nahezu unbekannt. Nur wohin führt die Betrachtung alldessen, wenn man den Kontakt zur Welt verliert? Ganz hervorragendes Buch!

    Ausgabe: Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich Aus dem Französischen von Brigitta Restorff Artemis & Winkler 2008 Düsseldor (gelesen im März 2017)

    Referenzen:
     [1]  Die Welt 03.01.2015 Interview Michel Houellebecq über sein
            neues Buch „Unterwerfung“ von Silvain Bourmeau

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    L
    Lesemanievor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Dank der Kombination aus absurden Einfällen und toller Sprache ein absolut irres Buch
    Der Welt den Rücken kehren

    Der Aristokrat Des Esseintes ist unzufrieden mit der Welt, denn schließlich hat er festgestellt, dass sie „zum großen Teil aus Gaunern und Dummköpfen besteht“. Also beschließt er, sich von der Welt abzuwenden und sich eine Arche der Ruhe zu schaffen, wo er „in endgültiger Seelenruhe baden wollte“. Huysmans beschreibt genüsslich, wie sich der weltenmüde Adelige bemüht, einen Ort zu kreieren, der den höchsten ästhetischen und intellektuellen Ansprüchen genügen soll.

    Dazu gehört auch eine ganz besondere Wandtapezierung: die Wände sollen Bucheinbänden gleich verkleidet sein, mit grobkörnigem Maroquin und afrikanischem Leder. Seine Buchliebhaberei treibt ihn auch dazu, besondere Werke frühchristlicher und mittelalterlicher Autoren zu sammeln, die er zum Teil für seine persönliche Sammlung auf wertvollem Papier setzen lässt und mit kostbaren Einbänden versieht. Das Papier, das er sich von einem Fabrikant in Lübeck herstellen lässt, ist bläulich leuchtend und statt von Fasern von Goldpailletten durchzogen.

    Neben den kostbaren Büchern sollen tropische, teure Pflanzen sein neues Haus schmücken, und das obwohl Des Esseintes ja eigentlich davon überzeugt ist, dass die Natur dem Werk des Menschen in jeder Hinsicht unterlegen ist. So lässt er sich eingehend beraten und wählt bewusst eben solche Blumen aus, die durch menschliche Manipulation verändert worden sind, die also in seinen Augen perfektioniert worden sind, und so seinen ästhetischen Ansprüchen genügen.
    Huysmans bietet ein unterhaltsames Schauspiel absoluter Dekadenz und bedient sich dabei einer wunderschönen Sprache. Die wahnwitzigen Einfälle von Des Esseintes allein sind unterhaltsam genug, sodass dieses Buch fast ohne Dialoge auskommt. Von einigen Rückblicken abgesehen, geschieht bis zum Ende auch nicht viel – Huysmans und der Leser geben sich gemeinsam mit Des Esseintes seinem kapriziösen Hang zum Ästhetizismus und philosophischen Ausschweifungen hin.

    Die gelungene Kombination aus absurden Einfällen und toller Sprache macht Gegen den Strich zu einem absolut irren Buch.

    Diese Rezension wurde auch auf lesemanie.com veröffentlicht.

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    JimmySalarymanvor 7 Jahren
    Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

    Fin de Siecle, und das galore! Klar, jeder, der sich etwas intensiver mit dem Kanon der Weltliteratur beschäftigt, bleibt auch mal bei Joris Karl Huysmans hängen. Sein Protagonist, der Prototyp des wohlstandsverwahrlosten Kretin, hat kein Bock mehr auf nichts. Das Leben ist fad, alles ausgelutscht, nichts bereitet ihm mehr Freude, Frauen und Männer hat er auch schon durch, Drogen rocken nicht mehr, auf's Reisen hat er keine Lust. Was bleibt da noch? Der gepflegte Rückzug in die Dekadenz. Des Esseintes bastelt an seinem Privatreich, Schildkröten müssen mit Gold-Pailetten besetzt werden, eine eigene Destille im Wohnzimmer, alles schillert in erlesenen Farben. Die Bediensteten laufen mit Pantoffeln durch die Gegend, weil auch das Dröhnen der Schritte ihn stört. Langsam driftet er in seine eigene Sphäre ab. Huysmans betreibt hier Namedropping bis zum Erbrechen, von Odilon Redon bis zu Mallarme und den Dichtern der Antike; jaja, auch damals galt man schnell als Intellektueller Hipsterdandy, wenn man sich auskannte in der "Scene". Wie liest sich das? Stellenweise witzig und gut, stellenweise ist es grottenlangweilig. Der Schluß ist auch unbefriedigend, so, als habe sich Huysmans nicht entschließen wollen: Geht er jetzt drauf und wird wahnsinnig, der eitle Sack (der ja ihn selbst verkörpert) oder kehrt er zurück in die Zivilsation und fristet dort ein dumpfes Leben? Naja, Huysmans bekehrte sich in späteren Jahren zum katholischen Glauben und lebte in einem Kloster und Glaubensbrüdern...

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    Sokratesvor 7 Jahren
    Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

    Der Roman erzählt die absonderliche Charaktergeschichte des Jean Floressas des Esseintes, letzter Spross einer stinkreichen und alteingesessenen Adelsfamilie, der vor lauter schrulligen Ideen und einer ausgewachsenen Anämie bzw. unzähligen Neurosen kaum zu Leben in der Lage ist. Nicht nur, dass er mit dem aktuellen Leben wenig anfangen kann und daher nur antike Literatur liest, - nein, er ist auch noch von destruktiver Weltmüdigkeit erfasst, die sein gesamtes Leben erfasst hat. Er strukturiert seinen Tagesablauf entsprechend, lebt nur noch in der Nacht und verschwindet in den frühen Morgenstunden im Bett. Mit voranschreitender Handlung wird es natürlich immer skurriler, einschließ-lich gelebtem Mystizismus.
    .
    Joris Karl Huysmans (1848-1907) war Franzose und pflegte enge Kontakte zu Zola und den Goncourt-Brüdern. Ihre Werke flossen im Übrigen auch in Gegen den Strich ein. Interessant ist, dass bei ge-nauerem Hinsehen der Autor viel mit dem späten des Esseintes gemeinsam hat: beide neigen am Lebensende zum Mystizismus und gehen eine enge Bindung zur Kirche ein. Huysmans zieht sich später in einem Benediktinerkloster zurück. Der Roman Gegen den Strich ist in jeder Hinsicht ein Le-seerlebnis, sei es wegen seiner charakterlichen Originalität oder wegen seiner sprachlichen Lebendig-keit, die einem Hugo (ich erlaube mir diesen Vergleich) in nichts nachsteht. Ein wirkliches Leseerlebnis!

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    PantaRheis avatar
    PantaRheivor 10 Jahren
    Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

    ein wunderbarer Roman ueber die Aesthetik des Lebens und die einsicht das es letzendlich doch nicht reicht.

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    GillGartenstadts avatar
    GillGartenstadtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Essenz der Dekadenz des Fin de siècle. Witzig und originell.
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    melvils avatar
    melvilvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Der Roman hat was.
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    D
    deadcalledpark
    K
    Kulturfreak
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    Guerilla

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