Joris-Karl Huysmans Gegen den Strich

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Inhaltsangabe zu „Gegen den Strich“ von Joris-Karl Huysmans

Dieses Buch ist einmalig in seiner Exzentrik: sein Held ist der dekadenteste aller Dandys in der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Joris-Karl Huysmans verfasste damit einen der wichtigsten Romane des Symbolismus. Floressas Des Esseintes, der letzte, übersensible Sproß eines alten Adelgeschlechts, flieht vor der Grobheit und Banalität der Zeitgenossen ins Exil seines Landhauses, wo er sich eine morbide Scheinwelt aufbaut und an seinen rauschhaften Genüssen und Visionen fast zugrunde geht. Aus dem Französischen von Brigitta Restorff. Nachwort von Ulla Momm. Format 11,5 x 19 cm. Gebunden mit Schutzumschlag.

Zerbrechen an der Ästhetik

— Aliknecht
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    Gegen den Strich
    Aliknecht

    Aliknecht

    28. March 2017 um 10:13

    Inhalt: Der Held des Romans Jean Floressas des Esseintes ist der letzte Spross alten französischen Adels und ein exzentrischer vermögender Einzelgänger. Im Alter von 30 Jahren ist er des Lebens in Paris überdrüssig und richtet sich weit ausserhalb in Fontenay ein abgelegenes Haus nach seinen individuellen Vorstellungen ein. Für die erlesenste und geschmackvollste Austattung des Anwesens scheut er keinen Aufwand. Er bestimmt die Farben und Formen der Einrichtung in jedem Detail und lässt etwa durch einen Juwelier einer Schildkröte Edelsteine in den Panzer einarbeiten. Des Esseintes vertieft sich in verschiedene Spezialgebiete. Ein Teil der an den Wänden seines orange-blauen Kabinetts angebrachten Bücherregale enthält ausschließlich lateinische Werke. Seine Bewunderung für Vergil ist mäßig, von Ovid fühlt er sich nur vage angezogen. Ebensowenig wie Cicero mit seinen "langatmigen Metaphern" und "verworrenen Abschweifungen" begeistert ihn der für seine lakonische Kürze berühmte Caesar. Erst ab Lukanus erscheint ihm die lateinische Sprache ausdrucksvoller und der Autor, den er wirklich liebt, heißt Petronius. Es folgen Schriftsteller des zweiten bis vierten Jahrhunderts, um dann zu Augustinus zu kommen. Gerne blättert er in den Werken des Apollinaris Sisonius und verfolgt die karolingischen Lateiner und die Chronisten bis ins Mittelalter. Zur Ergötzung seines Geistes und zur Freude seiner Augen dienen Werke der Malerei. Ihn entzückt vor allem Gustave Moreau, von dem er ein Bild der Salome besitzt. Im roten Boudoir hängen Stiche mit Darstellungen aller Martern, die der Wahnwitz der Religionen erfinden konnte. Sie lösen bei Des Esseintes eine Gänsehaut aus. Während sich sein literarischer Geschmack und seine Beschäftigung mit der Kunst immer mehr verfeinert, entwickelt sich eine neue Liebe zu den Blumen. Er beschafft sich eine Sammlung von Kaladien und er läßt eine kolumbische Anthurie und indische Orchideen anliefern. Eine Alocasia Metallica - ein Meisterwerk des Künstlichen - erregt ihn ebenfalls. Vor allen andern betören ihn "die Vampire der Flora", die fleischfressenden Pflanzen, die Venusfliegenfalle von den Antillen und der Cephalotus. Aber die Freude an den Pflanzen versiegt allmählich und er wendet sich den Düften zu. Des Esseintes wird ein Künstler der Parfume-Herstellung. Er besitzt das gesamte Sortiment der von den Parfumeuren verwendeten Produkte und komponiert neuartige Duftbouquets. Er verarbeitet Ambra, Moschus und echtem Mekkabalsam. Aber irgendwann muss er das Fenster aufreissen,  um seine zerrütteten Nerven zu beruhigen und sinkt fast ohnmächtig nieder. Nach kurzer Krankheit beschließt er, eine Reise nach England zu unternehmen. Er fährt nach Paris und will weiter nach Dieppe um ein Schiff nach Newhaven zu nehmen. Vor der Abfahrt sucht er in Paris eine Taverne im englischen Stil auf. Sie ist angefüllt mit Engländern. Er verzehrt einen Haddock, danach einen Stilton, trinkt zwei Pints of Ale und nimmt danach noch einen Brandy. Er müsste zum Bahnhof, aber die Beine versagten. So fährt er wieder zurück nach Fontenay und kommt dort mit dem Gefühl totaler körperlicher Erschöpfung und geistiger Ausgelaugtheit wie nach einer langen und gefährlichen Reise an. Es geht weiter bergab mit seiner Gesundheit und seinem seelischen Zustand bis ihn schliesslich sein Arzt in eine geschlossene Anstalt einweist. Kommentar und Bewertung: Ich kam über Michel Houellebec, den vieldiskutierten französischen Gegenwartsautor, zu Huysmans. Houellebec lässt in seinem Roman "Unterwerfung" als Hauptfigur den Literaturwissenschaftler François auftreten. Dieser hat über den Autor Joris-Karl Huysmans promoviert und lehrt an der Pariser Universität III im fünften Arrondissement. Huysmans wurde 1884 mit seinem Roman "À rebours" (deutsch "Gegen den Strich") als Autor der Décadence berühmt. Die Décadence zielte auf eine verfeinerte, exklusive und möglichst künstliche Lebensform ab und bedeutet etwas anderes als der deutsche Begriff Dekadenz. Für Michel Houellebecq ist Huysmans ein wirklicher Ästhet, dem die Schönheit von Versen, Gemälden und Musik ein Beweis für die Existenz Gottes ist [1].Der handlungsarme Roman schildert den ästhetischen Genuss des Esseintes an den Objekten seiner Leidenschaft. Er trennt sich immer weiter ab von der realen Außenwelt und scheitert schließlich bei seinem letzten Versuch nach draußen zu gehen. Ihm genügt allein der Anschein englischen Lebens in der Pariser Taverne und er hat keinerlei Kraft mehr um wirklich aufzubrechen. Er zerbricht an der Ästhetik.  Der Roman ist wunderbar geschrieben, meisterhaft zum Beispiel der Abriss über die lateinischen Schriftsteller, die über mehr als ein Jahrtausend hinweg stets aufeinander aufbauend in einer großen Auf- und Abwärtsbewegung Kultur gesetzt haben. Es ist nur eine kleine Nische der Geschichte und einst weltberühmte Autoren sind heute nahezu unbekannt. Nur wohin führt die Betrachtung alldessen, wenn man den Kontakt zur Welt verliert? Ganz hervorragendes Buch!Ausgabe: Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich Aus dem Französischen von Brigitta Restorff Artemis & Winkler 2008 Düsseldor (gelesen im März 2017)Referenzen: [1]  Die Welt 03.01.2015 Interview Michel Houellebecq über sein        neues Buch „Unterwerfung“ von Silvain Bourmeau

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  • Rezension zu "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans

    Gegen den Strich
    Sokrates

    Sokrates

    14. September 2011 um 21:19

    Der Roman erzählt die absonderliche Charaktergeschichte des Jean Floressas des Esseintes, letzter Spross einer stinkreichen und alteingesessenen Adelsfamilie, der vor lauter schrulligen Ideen und einer ausgewachsenen Anämie bzw. unzähligen Neurosen kaum zu Leben in der Lage ist. Nicht nur, dass er mit dem aktuellen Leben wenig anfangen kann und daher nur antike Literatur liest, - nein, er ist auch noch von destruktiver Weltmüdigkeit erfasst, die sein gesamtes Leben erfasst hat. Er strukturiert seinen Tagesablauf entsprechend, lebt nur noch in der Nacht und verschwindet in den frühen Morgenstunden im Bett. Mit voranschreitender Handlung wird es natürlich immer skurriler, einschließ-lich gelebtem Mystizismus. . Joris Karl Huysmans (1848-1907) war Franzose und pflegte enge Kontakte zu Zola und den Goncourt-Brüdern. Ihre Werke flossen im Übrigen auch in Gegen den Strich ein. Interessant ist, dass bei ge-nauerem Hinsehen der Autor viel mit dem späten des Esseintes gemeinsam hat: beide neigen am Lebensende zum Mystizismus und gehen eine enge Bindung zur Kirche ein. Huysmans zieht sich später in einem Benediktinerkloster zurück. Der Roman Gegen den Strich ist in jeder Hinsicht ein Le-seerlebnis, sei es wegen seiner charakterlichen Originalität oder wegen seiner sprachlichen Lebendig-keit, die einem Hugo (ich erlaube mir diesen Vergleich) in nichts nachsteht. Ein wirkliches Leseerlebnis!

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